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Montag, Mai 6

ElektroDude - GO



Kurzinfo:

Da steht er nun, in Schlag-gebeutelter Baggyhose und verträumter Pose, irgendwie fehl am Platz, einsam aber dessen unbekümmert und fast schon zufrieden wirkend, dem Sonnenuntergang entgegen sehnend. Das Cover des viertes Albums des ElektroDudes spiegelt in gewisser Weise meine Gedanken zu derartiger Musik wider. Und fast hätte es der piano-einleitende Opener "Herbstvola" auch geschafft, mich nostalgisch um den Finger zu wickeln. Dabei habe ich rein elektronische Musik das letzte Mal Anfang der 00er Jahre bewusst konsumiert, aus keinem geringenen Grund, um meiner damalige Freundin zu gefallen. Naja...beide Beziehungen haben nicht wirklich lange gehalten. Elektronische Musik kann ich daher nur aus Sicht eines Mitläufers beurteilen, ob Stil-Beschreibungen wie Trance und Techno auch wirklich greifen eigentlich gar nicht richtig einschätzen. Aber wenn der ElektroDude höflich anfragt, will ich seine Musik zumindest nicht unerwähnt lassen.
Auf 18 Songs verteilt, schlängelt sich Maximilian Herz aka der ElektroDude durch sämtliche Facetten der sowohl tanzbaren als auch experimentellen Elektro-Mucke. Vor allem die erste Hälfte von "GO", lässt mich unentwegt an alte Werbespots der "Future Trance" oder "Thunderdome"-Reihe denken, genauso sprunghaft entpuppen sich allerdings auch die meisten Songs. Am ehesten packen mich noch die atmosphärischen Tracks in der Mitte des Albums, wie das dronig-düstere "Normal", das harsh-noisige "Odeandieuschi", das krisselige Soundtrack-Stück "Ausged8" und natürlich die beiden organischeren Castillo-Features "Amsterdam" und ganz besonders der psychedelische Schlusspunkt "Badlands".
Auch wenn ich sicherlich der falsche Adressat derartiger Musik bin, dürften sich hierfür sicherlich einige Elektro-Jünger_innen begeistern können, die ihr Augenmerk vor allem auf Innovation und Handwerk legen. 
 


Band: ElekroDude

Titel/Release: GO/Album (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Electro, Electronic, Trance, Techno, Synth-Wave

Links: Bandcamp\\//Youtube\\//Soundcloud




DL "GO"


Dienstag, Februar 19

Paulinchen Brennt - "wie Salz"



Kurzinfo:

Ich hatte schon die Befürchtung, dass Paulinchen Brennt bloß ein kurzweiliges Spaßprojekt wird, das nach dem ersten musikalischen Aufschrei ("Viele werden satt", 2016) mindestens genauso schnell wieder verstummt. Auch, weil Bassist, Sänger und Tausendsassa Daniel Schmitt in der Zwischenzeit für mehr Furore mit der Alternative-Desert-Rock-Formation Cannahann sorgte und kürzlich mit Maffai ein kleines Independent-Star-Ensemble um sich versammelte.
Zum Glück, wie sich nun also herausstellte, sind die drei Nürnberger/Leipziger immer noch kräftig am Tüfteln, was sie der Hörerschaft in Form einer zwei Song starken 7inch präsentieren. Ihr Label- und gleichzeitig Vinyl-Debüt "wie Salz" beginnt mit messerscharfen, abgehackten Riffs, mündet in plänkelnden Hooks, Flirr-Gitarren und wird durch kehliges Geschreie aufgerieben, ehe inmitten des Songs dieser unerwartete Hymnenchor selbigen vollkommen aus der Bahn wirft. Mit "Souzeraine" macht das Trio unmissverständlich klar, dass Menschen mit Vorliebe für Erwartungshaltungen und Schubladendenken bei ihnen nicht lange durchhalten werden. Mich persönlich erinnert der Song stark an Biffy Clyro zur "Infinity Land"-Ära oder auch Masada, die in ihren Konzepten einen ähnlichen Ansatz von destruktivem Schönklang verfolgten.
Der Titel-Track kommt da schon mit wesentlich monotoneren Saitenschlägen aus, verleiht dem schleiernden Post-Rock-Gedanken des Vorgängers hingegen mehr Kontur und galoppiert mit einer melancholischen Grundstimmung gen 90er-Skramz.
Aufgenommen und aufpoliert wurde übrigens im Leipziger Laboratorium von LIITTO-Kopf Jens Anders, der sich mit verqueren Genre-Koryphäen jeglicher Art (u. A. DRRST, Empire Club und Kraene) ja bestens auskennt und "Souzeraine" kurzzeitig sein zartes Stimmchen leiht.


Band: Paulinchen Brennt

Titel/Release: "wie Salz"/EP (200x Black 7inch; Digital)

Label: 30 Kilo Fieber Records, Different Records, Not So Happy Records

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Mathcore, Post-Hardcore, Screamo

FFO: Cortarmao, Tentackle, Dÿse, Masada

Links: Bandcamp\\//Facebook\\//Youtube




DL "wie Salz" Here & Here

BUY Here & Here




Mittwoch, November 7

Ebisu - Paris/Berlin



Kurzinfo:

Sucht mensch im Netz nach dem Begriff "Ebisu", könnte er/sie auf ein chinesisch wirkendes, sich allerdings als japanisch herausstellendes Restaurant in Frankreich stoßen. Das ist toll, aber irgendwie auch wenig hilfreich. Geht die Suche weiter, stolpert mensch unweigerlich über die shintoistische Gottheit Ebisu, dem Geist der Fischer und des Glücks, womit mensch der hier avisierten Sache schon etwas näher kommt. Der japanischen Mythologie nach, wurde Ebisu als Krüppel geboren (ohne Knochen), weswegen ihn seine Eltern in einem Boot aussetzten. Als er an den Strand einer japanischen Insel angespült wurde, erwachte er zu neuem Leben. Genau dort will das gleichnamige französisch-deutsche Duo musikalisch ansetzen - laut, krachig, imposant, impulsiv. Kein Wunder also, dass Ebisu, The Band, in ihrer experimentellen Vielfalt nicht selten an die japanischen Zeuhl-Götter Ruins erinnert. Und so trudelt der Opener "Le Concert" auch fast schon majestetisch ein und irrt folgend in seinen knapp acht Minuten Spielzeit zwischen trashigen 70er-Jahre-Keyboardsounds und wild umher hüpfenden Avant-Jams.
Ebisu ist ein Nebenprojekt von Jean Jacobi (Guts Pie Earshot, Tecbilek, Subvasion) und Emmanuel Aldeguer (42 The Band, AL°R), den ich seit H.O.Z. schon etwas lieb gewonnen habe, ohne mich jetzt komplett als Groupie entblößen zu wollen. Eben jener leiht dem folgenden El Machetti-Remix des Openers auch seine Stimme, was den Wahnsinn in eine ganz andere Ecke drängt. Den letzten A-Seiten-Song, ein Idiot Saint Crazy-Remix des Openers, will ich an dieser Stelle nur mal höflichkeitshalber erwähnen.
Die B-Seite setzt die wilde Odyssee zunächst über drei Songs verteilt in Berlin fort. Vom Prenzlberg über F-Hain bis nach Lichtenberg, schafft es das Duo trotz minimalistischer Instrumentierung und ohne Gesang, die Hektik und Tücken der Großstadt einzufangen und in eine fast schon Noir-mäßige Verfolgungsjagd durch die 70er ausarten zu lassen. Auch wenn die eingesetzten Stilmittel sicherlich begrenzt sind, gestalten sich die Songs vor allem durch die vielen Rhythmuswechsel als äußerst spannend, die nie im unüberschaubarem Chaos enden. Dass die EP dennoch im noisig-überlagerten "St. Petersburg" ihr knirschendes Finale findet, rundet das Gesamtbild eines, im wahrsten Sinne des Wortes, internationalen Releases ab.

"Paris/Berlin" wurde ursprünglich als Crowdfunding-Projekt über Indiegogo gestartet, das sein Mindestziel allerdings nicht erreichte. Emmanuel Aldeguer finanzierte das 10"-Vinyl-Release daher kurzerhand aus eigener Tasche mit Hilfe von Broken Silence und dem Major Label. Wer eine Scheibe haben möchte, wendet sich somit ungeniert an dem Franzosen.


Band: Ebisu

Titel/Release: Paris/Berlin / EP (Black 10"-Vinyl; Digital)

Label: DIY

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Noise-Rock, Experimental

FFO: Mike Patton, Ruins, Rotor
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         Links:     \_(°_°)_/


Buy via PM on FB to Emmanuel Aldeguer or Mail to: manuhoz@gmail.com





Montag, Oktober 29

Der Bandcamp-Hardcore Vol. 40


Opaque - Genuin



Mit ihrer Mixtur aus Post-Hardcore, Post-Rock, Sludge und Doom, sind Opaque genau der richtige schwer-verdauliche Happen zwischen den Hauptmahlzeiten Fjørt und Alteri. Auf ihrem Debüt-Mini-Album "Genuin", das wie bereits das ein Jahr zuvor erschienene Demo als schick aufgemachte Kassette über das Leipziger Label Bharal Tapes erscheint, beginnen die fünf Hamburger recht kompromisslos, indem sie im Titeltrack ihren zerfahrenen Post-Hardcore mit mathigen Rhythmuswechseln regelrecht zerhacken. "Zerfall" öffnet sich mehr der Melodie und wühlt mittendrin mit hektischen Trommelwirbeln auf, ehe die Band im folgenden epischen "Sink" ihr vielleicht schönstes Gesicht offenbart. Ein Song, der zwei Minuten durch post-rockige Soundscapes mäandert, ehe er Stück für Stück aus seiner düster-melancholischen Atmosphäre ausbricht und über fast schon Kammerspiel-artiges Geplänkel wieder in gewohnte Strukturen verfällt. Opaque sind keine blinden Metzler, wie auch das vierte Stück "Hope Gone" eindrucksvoll unter Beweis stellt, indem das hanse-städtische Quintett phasenweise sogar mit dem Melodic Hardcore liebäugelt.





Kora Winter - Welk EP
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Wer ab und zu eine Auszeit von den üblichen Post-Hardcore-Hörgewohnheiten braucht und gleichzeitig denkt, mit The Hirsch Effekt schon das Höchstmaß an deutscher Experimental-Innovation entdeckt zu haben, der darf gerne mal einen Lauschangriff auf die Berliner Band Kora Winter wagen. Zwischen einem Saxofon-Solo (in "Bluten") und einer weiblich vorgetragenen Akustik-Ballade ("∞"), bewegt sich das Quintett hauptsachlich zwischen progressiv-ausschweifenden Erscheinungen wie Protest the Hero und The Mars Volta, ohne dabei, trotz aller experimentellen Vielfalt, den Bezug zur musikalischen Raffinesse zu verlieren. Das muss Band erstmal so hinbekommen.




Left To Wither - Left To Wither

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So recht will ich noch nicht an einen Zufall glauben, dass sich Left To Wither ausgerechnet nach einen Song von Will Haven benannt haben. Die Band aus Lille birgt sicherlich nicht die große Erleuchtung im Postcore-/Post-Hardcore-Sektor, setzt ihr gleichnamiges Debüt-Album aber immerhin solide und routiniert in die musikalische Praxis um. Immerhin setzt sich das französische Quartett aus bewährten Underground-Musikern von Gruppen wie The March, Watch Your Six!, SunStare und Ira Caine zusammen und kann so schonmal eine Menge Vielfalt in den gemeinsamen, neuen Sound mit einfließen lassen. Bis auf das Intro "Wooden Mice", hält der Fünfer die Dezibelzahl ihrer epischen Songs über 42 Minuten fast konstant hoch, ohne dabei in a-puristische Experimente abzudriften. Muss auch mal sein!



Toadeater - Demo

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Wer es im Black Metal etwas weniger geradlinig mag, könnte an dem jüngst erschienenem Demo-Debüt der Band Toadeater gefallen finden. Drei rohe und ungeschliffene Songs, die neben dem konstant-düsterem Geschreie vor allem Ausflüge in benachbarte Genres wie Crust und Blackened Hardcore unternehmen und sich auch für die eine oder andere akustische Pause nicht zu schade sind.
Für das Demo der Osnabrücker/Bersenbrücker/Vechtarer Band, der u. A. Mitglieder von Misery Vortex und Urinprobe beiwohnen, ist demnächst ein Tape-Release geplant, das über Kellerasseln Records erscheinen wird.



Homes - Youth EP

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Für den bereits a-puristisch getrimmten Post-Hardcoreler hingegen, bietet die Debüt-EP "Youth" der Marburger Band Homes sicherlich keine neuen Aspekte. Wahrscheinlich ist das so aber auch gewollt. Unter dem leidenschaftlich geschrieenem Gesang des Frontmannes, breiten sich melancholische wie melodiöse Post-Rock-Gitarren aus, die sich überwiegend im Mid- und Downtempo-Bereich abspielen. Das Indie-esk vor sich hin plätschernde "Blue Into Grey", das sich zum Ende hin doch nochmal fast schon theatralisch im Melodic Hardcore verliert und das folgende, wesentlich dynamischere "Noble Thought | Miserable Action", bilden bis dato vielleicht den Höhepunkt einer noch jungen Band, die sich von unnötigen Gedanken über Plagiatsvorwürfe und Fahrwasser-Gequatsche nicht ausbremsen lässt.


Buy Physical Version via FB or Mail to: homesmhc@hotmail.com


Dinosaurier - Demos

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Kurzum: Dinosaurier sind offenkundige Fans von Bands wie The Fall Of Troy, A Lot Like Birds, The Hirsch Effekt und Adolar. Und natürlich von Zinnschauer (bzw. dessen Vorband And The Waves Will Carry Us Home), auf dessem Album "Hunger . Stille" drei der Jungs des ehemaligen Quartetts zu hören sind. 
Die zwei Demo-Songs aus dem Jahre 2014, die bislang als einziges Vermächtnis der Band aus Kassel auf Bandcamp ruhen, bieten in diesem Sinne dem geneigten Progressive-/Math-Hörer vielleicht eher wenige Überraschungsmomente an. So kurios das aber auch sein mag, erwecken Bandname, Cover und die beiden routiniert produzierten Songs Lust auf ein ganzes Album, dass sich mensch am besten auf dem Plattenteller rotierend zu Gemüte führen sollte. Wohl eher ein Wunschglaube, denn seit dem Abgang von Sänger Patrick ist es um die eingefleischte Nicolas-Cage-Fangemeinde recht ruhig geworden.

DL "Demos"


We've Got Muscles -  HÆLLSTRŒM

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Auch wir wagen ab und an das eine oder andere Experiment - und quetschen jetzt einfach mal eine Instrumental-Band in ein Hardcore-Volumen.
Das Kölner Trio We've Got Muscles kommt mit klassischer Intrumentenbesetzung (G-B-S) daher und schafft es auch ohne Gesang, die vier Songs der Debüt-EP "HÆLLSTRŒM" äußerst spannend und abwechslungsreich zu gestalten. Grundsätzlich dürfte die Band mit ihrem progressiven wie groovigen Mix aus Alternative, Math, Post-Rock und - um jetzt mal den Bogen zu spannen - post-hardcorigen Gitarrenwänden vor allem Fans von ASIWYFA und Long Distance Calling abholen. 
Wem das für eine Berechtigung in diesem Volumen nicht ausreicht, kann ja mal folgendes probieren: stellt euch zu den dynamischen Parts einfach mal theatralisch-cleanen Emo-Gesang im Wechsel mit gutturalem Gekeife vor. Und? Irgendjemand, der nicht sofort an Chiodos, Crows-An-Wra, Just Like Vinyl, usw. denken muss?

DL & BUY "HÆLLSTRŒM"

BUY Here


Krachwalze - The Best Of John Bun Jovi

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"Föjetong" wäre wohl der bessere Einstieg gewesen, um euch die Band Krachwalze vorzustellen, ist es so ziemlich das einzige Release mit Albumcharakter. Feste Strukturen und Ordnung sind für die beiden Bremer Hans Sprungfeld (Simpsons-Fans hier??) und Kalle Stein-Hirth allerdings eh nur Schall und Rauch und lediglich dafür da, um aus ihnen auszubrechen. Halbwegs ernst angegangen, könnte man Fans von Gtuk, älteren Les Trucs, Kannibal Krach, Ursus und Lafftrak gleichermaßen eine Hörempfehlung aussprechen. Chiptune, Metal, Mathcore, Grind und Punk-Ironie, werden hier herrlich unbekümmert durch anarchistische Willkür gezogen. Wie auch schon bei ihren Vor- und Nebenprojekten Grünlich Grau und SchreiKrachBumm, muss das nicht jedem/jeder gefallen und trägt nicht nur einen beiläufigen Spaßband-Charakter.
"The Best Of John Bun Jovi" ist nun also auch noch eine lose Sammlung von albumlosen Songs aus den Jahren 2016 - 2018, die nahtlos am ersten Release "Ist Bambis Mutter auch wirklich tot, wenn niemand ein Bild von ihrer Leiche auf Facebook postet?" (sorry, aber es war mir ein inneres Bedürfnis, den Titel komplett zu benennen) anschließen. Die Band selbst drückte es in etwa folgender Maßen aus: Wenn das schon die B-Seiten sind, muss der Rest pures Gold sein. 

DL "The Best Of John Bun Jovi"


Donnerstag, Oktober 25

Platte des Monats 10/18: Oat - Hardy



Kurzinfo:

Passend zum kürzlich veröffentlichtem DIY-Re-Release ihrer tollen Debüt-EP "Oatism", erschien noch kürzlicher Oat's zweite EP "Hardy", mit dem die Leipziger Stoner-Punks auf dem ortsansässigen Label Lala Schallplatten gelandet sind und somit auch auf ihr erstes Vinyl-Release zurückblicken können.
Im Vergleich zum experimentellen Vorgänger, startet das neue Werk mit dem Opener "Bernd" und dem folgenden "Ritalin" recht eingängig und erinnert mich stark an eine Mischung aus jugendlich-ausgelassenen wie drückenden Post-Millenium-Alternative-Emocore-Combos wie Element Eighty, Colour Of Fire oder Emanuel. Aber bereits der dritte Streich "Papaya" liebäugelt ungeniert und vielleicht auch provokativ mit Freestyler-Heavy-Rock, während "Meatbags" mit etwas mehr texanischem Wüstenstaub rumröchelt. Spätestens aber mit dem fünften Song "Young Blood" und dem Closer "Rogger Density", der standesgemäß mit einem Vocalensemble ausklingt, sind Oat wieder in ihrem eigenen, unberechenbaren Klang-Kosmos angekommen.
Ich laß am kürzlichsten in einer "Hardy"-Review, dass der Rezensent vor allem diese Inkonstanz nicht richtig einordnen könne. Nunja - abgesehen davon, dass besagten Online-Schreiberling scheinbar die Debüt-EP entgangen ist, würde ich an dieser Stelle mal behaupten, dass vor allem dieser spannende Mix aus hartem Groove, (Pop-)Punk-affinen Melodien, etwas Gossen-Rotzigkeit und willkürlichen Wendungen, den Reiz dieser Band seit jeher ausmachen.


Band: Oat

Titel/Release: Hardy/EP (Yellow Vinyl; Digital)

Label: Lala Schallplatten

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Stoner Rock, Punk, Alternative, Experimental

FFO: Colour Of Fire, Element Eighty, Cannahann

Links: Facebook\\//Youtube\\//Bandcamp




DL "Hardy"


Buy Here, Here or via Mail to: oaterspace@gmail.com


Dienstag, Oktober 23

0101 - 0101



Kurzinfo:

Gerdas Tanzcafé goes ARTE! Genau richtig, um unsere kunstbanausischen Blog-Seiten mal wieder mit etwas Kultur aufzupolieren, landete kürzlich elektronische Post vom bayerischen Label Hicktown Records in unserem Mail-Konto. Anfangs noch in der Annahme, in der Betreffzeile "Album 0101" die Katalognummer des angepriesenen Releases gelesen zu haben, stellte ich wenig später fest, dass es sich bei dieser Zahlenfolge tatsächlich um Band und Album gleichermaßen handelte.
Hinter 0101 verbirgt sich der Dokumentarfilmer und Fotograf Daniel von Rüdiger, der sich für die audio-visuelle Projekt-Idee Gitarrist Stefan Carl mit ins Boot holte. Entsprungen ist diese Idee Rüdiger's 2014 absolvierter Papua-Neuguinea-Reise, auf der er abegelegene Dörfer besuchte, die verschiedenen Kulturen wie auch (über)lebens-notwendigen Arbeitstechniken der jeweiligen Dorfbewohner begleitete und schließlich zur preisgekrönten Kurz-Doku "Kanu Belong Keram" zusammenfügte.
Musikalisch bewegt sich das Duo wohl grob im ambienten - oder wie die beiden Künstler es selbst nennen - cineastischen Post-Rock, basierend auf bedächtigen Gitarren-Loops, Drum-Samples und elektronischen Verzerrungen, die von den aus den Dokumentationsaufnahmen gewonnenen Field Recordings in einen besonderen Rhythmus geleitet werden und somit eine Eigendynamik entwickeln, die schlussendlich von einem beispiellosen und hypnotischen Sog eingefangen wird.
Auf dem Debüt-Album "0101" hausen zwei Songs, die sich die Gesamtlänge von 33 Minuten so ziemlich gerecht aufteilen. "Kanu" beschreibt den gemeinschaftlichen, kräftezehrenden Bau eines Einbaums und das erfolgreiche Zuwasserlassen, während "Sago" die Ernte und deren Bedeutung eines in dieser Region wichtigsten Grundnahrungsmittels thematisiert.
Laut Rüdiger und Carl, soll auf "0101" das Leben in einer post-industriellen Gesellschaft ("komplex und leicht"), der einer sich selbst versorgenden ("einfach und schwer") gegenüber gestellt werden. "Wertungslos", wohlgemerkt, wobei die beiden Begrifflichkeiten der Vernunft sicherlich schonmal mit einem kleinen Zaunpfahl zuwinken. Klar, eine Gesellschaft, deren Angst sich vor allem von dem vermeintlichen Verlust tonnenschwerer, unnützer Luxusgüter nährt, sieht sich nunmal ganz anderen moralischen Problemen ausgeliefert. Allein der Aspekt, dass Rüdiger von den Dschungel-Bewohnern freundlich aufgenommen und als oberstes Gebot nach dem einheimischen Brauch vor den dortigen Gefahren beschützt wurde, steht leider im krassen Widerspruch zu den Gewohnheiten der westlichen Länder.
Auch, wenn die beiden Musiker ausdrücklich darauf bedacht sind, "0101" ausschließlich als audio-visuelles Projekt zu betrachten, ist es ihnen gelungen, oben erwähnten Kontrast in einem organischen wie nachvollziehbaren Sound einzufangen. Die zwei Songs wurden live in einer Industriehalle aufgenommen, anschließend auf analogem Tape gemastert und schlussendlich auf Vinyl gepresst.


Band: 0101

Titel/Release: 0101/Album (100x Black Vinyl; Digital; Audio-Visuell)

Label: Hicktown Records

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Field Recordings, Cinematic Post-Rock, Instrumental, Ambient

FFO: Tim Kinsella, Danijel Zambo, Case Western

Links: Bandpage\\//Facebook




Teaser & Buy "0101"


Dienstag, Oktober 9

Rome Asleep - Rome Asleep EP



Kurzinfo:

Leider habe ich die Mannheimer Band Rome Asleep um ein paar Jährchen verpasst.  Ihre aktive Phase endete nach drei veröffentlichten EP's abrupt Mitte 2013, das angekündigte, mystische Folge-Projekt DVRTAL kam auch zum Erliegen, ehe es richtig an Fahrt aufnehmen konnte.
All das ging bislang spurlos an mir vorbei, bis ich kürzlich mal wieder in Steff's Bandsalat hängen blieb, der zufällig auf ein Exemplar der selbstbetitelten 7inch gestoßen ist und post-wendend eine kleine Retrospektive zum ehemaligen Quartett in die Tasten hämmerte. Und auch, wenn eine Verlinkung an dieser Stelle vielleicht vollkommen ausreichend wäre, möchte sich der Eine oder die Andere ja doch noch eine Zweitmeinung einholen. Nun denn, auch mein Fazit fällt durchweg positiv aus. ...........................................................................................................................................................
Rome Asleep haben keinen allzu großen Hehl um ihre musikalischen Vorbilder gemacht, die allesamt relativ genau um das californische San Diego der 90er/Anfang 00er-Jahre verortet werden können. Vielleicht fehlte der Band in puncto Nachhaltigkeit dann aber doch etwas die Hymenhaftigkeit unten stehender Referenzbands, anders zumindest kann ich es mir nicht erklären, warum die Band weniger FB-Likes einsammelte als wir. Oder sie waren schlichtweg zu nah am Original, wer weiß. Ich für meinen Teil bewundere ihre Dynamik und Experimentierfreudigkeit, mit der sie den Post-Hardcore regelrecht zerstückeln und um zwei Dekaden in die Vergangenheit katapultieren; ihre Kompromisslosigkeit und zugleich glamouröse Art, kleine Melodien zu verstecken; ihren Wahnwitz und natürlich ihren frenetischen Doppelgesang.
Das selbstbetitelte Mini-Album kann gegen eine frei wählbare Spende über Bandcamp gesaugt werden, die 7inch zur gleichnamigen EP über das Label ergattert werden.


Band: Rome Asleep

Titel/Release: Rome Asleep/EP (Black 7"-Vinyl, Digital)

Label: 1000milesintomyheart

Erscheinungsjahr: 2009

Genre: Post-Hardcore, Experimental, Punk

FFO: The Blood Brothers, Test Icicles, At The Drive-In

Links: Facebook\\//Myspace\\//Bandcamp




Stream "Rome Asleep"

Buy via Mail to: 1000milesintomyheart@gmx.de or rome-asleep@gmx.de


Donnerstag, September 20

FESTWUCHSERWILDFESTE - Festwuchs



Kurzinfo:

Das Vogtländer Label Børwærk Records kam ja in letzter Zeit bei uns etwas häufiger zur Ansprache. Ein Grund dafür ist eben auch das rege Treiben auf dem sprießenden Label, das jüngst ein weiteres Inzest-Projekt in seiner Familie begrüßen dürfte. FESTWUCHSERWILDFESTE ist die Verschmelzung der beiden Label-Sprosse FESTEFESTE und WILDWUCHS, die in erster Linie nach genau dieser Quintessenz klingt: bissiger Noise-Rock gepaart mit rauhem Schrammelpunk.


Band: FESTWUCHSERWILDFESTE

Titel/Release: Festwuchs/EP (CD; Digital)

Label: Børwærk Records

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Noise-Rock, Punk, Hardcore

FFO: HAIK, Dÿse, Specht Ruprecht

Links: --II--II--II--II--II--II--




Stream & Buy "Festwuchs"
 

Donnerstag, September 6

BØRLAUB - RØH



Kurzinfo:

Nichts Neues, aber dafür Gutes aus dem freigeistlichen Hause Børwærk Records. Gegenüber dem epischen Debüt, ist BØRLAUB's zweites Release "RØH" nun wesentlich kompakter ausgefallen. Auf einer ausgedehnten Basis aus Drone- und Post-Rock, mäandert zwar auch der Opener "Fundament" über neun Minuten durch sanfte bis noisig-aufgekratzte Soundscapes. Die beiden folgenden Songs "Still" und "Rise & Shine" fallen in ihren Längen dagegen fast schon in Radio-taugliche Formate und erhalten vor allem durch den nunmehr nicht unerheblichen Anteil von Gesang greifbarere Strukturen, als dies noch auf dem experimentierfreudigen Vorgänger der Fall war. So oder so schaffen BØRLAUB eine tolle Symbiose aus einer intensiven atmosphärischen Dichte und druckvollen Klanggewalt.


Band: BØRLAUB

Titel/Release: RØH/EP (Digital)

Label: Børwærk Records

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Ambient, Drone, Post-Rock, Experimental, Noise

FFO: Constant Structures, Contra, Witch Hazel

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud




Stream & Buy Digitally "RØH"

Buy CD-R via PM on Facebook


Donnerstag, August 23

Footgang - Tacoma EP


Kurzinfo:

Geschlagene sechs Jahre ist es her, als wir letztmalig von der Footgang berichteten, damals etwas ausführlicher als eine Art Diskografie-Post zu den auffindbaren Releases der Band. Schon zu dieser Zeit machte sich die Band sehr rar und lehnte sogar Label-Angebote ab. Dabei hätten ihre Alben "Trashcam Cyberdolls" (2008), "Warson Hells" (2011) und vor allem ihre wahnwitzige EP "Paralyzer" (2010) ein offizielles Release mehr als verdient, war die Band mit ihrem unberechenbaren Stil hierzulande schier konkurrenzlos. Dass sie mit "Paralyzer" an den Redaktionstoren der Visions anklopften, die ihre EP dann folgerichtig zur "Demo des Monats" der Ausgabe 222 kürten, war schon etwas überraschend. Ob es nun an der eigenen Bequemlichkeit, internen Differenzen oder schlichtweg an unpassenden Vertriebspartnern scheiterte, weiß ich nicht. Erstgenanntes wäre zumindest eine Erklärung dafür, dass mich die Band bereits seit Jahren auf die Frage nach käuflich zu erwerbende, selbstproduzierte CD-r-Releases hinhält oder ignoriert. Aber gut...

Im Jahr 2016 angekommen, hauen Footgang ohne Vorwarnung und spärlichen Vorabaktivitäten eine neue EP raus, die somit schonmal einer vorprogrammierten Erwartungshaltung einen Riegel davorschiebt. Nach der amerikanischen Küstenstadt "Tacoma" benannt, sollten typisch-hafenstädtische Themen wie Besiedlung und Vertreibung, ur-stämmiger Aberglaube und Industrialisierung eigentlich die richtige lyrische Basis bilden für den musikalisch-grenzenlosen Raum der bayerischen Band.
Der Opener "Failed" steigert behutsam die Spannung, sodass noch nicht so recht zu erkennen ist, in welche Richtung die sechs neuen Songs ausschlagen. Und vielleicht ist es ja eben die selbstgegebene Freiheit, dass die folgenden 3½ Minuten, die beiden darauffolgenden Tracks sowie der Closer "The Wisenheimer", die wohl eingängisten Stücke der Band geworden sind, seit ihrer Gründung im Jahr 2001 (auch, wenn ich nicht alle Stücke kenne). Von gelegentlichen progressiven Ausreißern der Gitarren abgesehen, suhlen sich diese Songs im fast schon herkömmlichen Beatdown, Metalcore und Downtempo-Hardcore. Und auch wenn es irgendwie falsch klingt, muss ich beim Hören der EP nicht selten an Slipknot denken, denn dem früher zitierten und chaotischen Dillinger-Escape-Plan- oder progressiven Fall-Of-Troy-Wahnsinn. Der ausdauernde und düster-atmosphärisch ausklingende Titeltrack, der sehnsüchtig mit einem "Show Me The Way To Go Home"-Bandchor einstimmt, bleibt in der ganzen Routine vielleicht am ehesten im Hinterkopf hängen.
"Tacoma" ist dennoch ein technisch-versiertes und tolles Werk geworden, auf dem die Band allerdings weitestgehend auf elektronische Spielereien, einer digitalen Glasur und dem ganz großen Wahnsinn verzichtet und die eigenen Aufnahmen roh belassen hat. Ob das nun ein neues Gesicht oder lediglich ein weiteres Experiment ist, bleibt abzuwarten.

Nach und nach haben Footgang ihre Releases (und mit Audrey Headburn auch das Solo-Projekt von Sänger Breuker) zum kostenlosen Download bereitgestellt. Hier für euch gesammelt:



Band: Footgang

Titel/Release: Tacoma/EP (Digital)

Label: DIY

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Hardcore, Metalcore, Progressive









Sonntag, Juli 29

Alex's Hand - KaTaTak



Kurzinfo:

Die beiden Wahl-Berliner und gleichzeitig Köpfe hinter Alex's Hand, Kellen Wills und Nic Barnes, schnappen sich fünf Brüder und eine Schwester im Geiste und holen zum nächsten Schlag aus, indem sie ihr bereits siebtes Album "KaTaTak" veröffentlichen. Ein schier wahnwitziges Album zwischen Avant, Jazz, Prog und RIO, und somit eigentlich mehr was für die Babyblauen Seiten. Die drei eigentlichen Songs, unterbrochen von zwei Electro-Störgeräusch-Interludes oder ähnlichem, probieren sich 44 Minuten im Klangexperiment aus, das durchaus auch mal seine smooth-jazzigen, ambienten und psychedelischen Momente offenbart. Im Ganzen ist das hier aber natürlich Musik für ausdauernde Hartgesottene. Muss auch mal sein.


Band: Alex's Hand

Titel/Release: KaTaTak/Album (CD; Digital)

Label: R.A.I.G.

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Avant-Rock, Progressive, Jazz-Rock

FFO: Frank Zappa, Mike Patton, Fantômas

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube




Stream & Buy "KaTaTak"

Buy Here

Freitag, Juli 27

Haik - Demon Songs



Kurzinfo:

Sie hatten sich ja schon vor einer gefühlten Ewigkeit angekündigt. Nun endlich haben sich Haik erbarmt und ihre ersten drei Demo(n)-Songs auf Bandcamp veröffentlicht, sodass sich jeder/jede wenigstens ein grobes Bild von der Band machen und somit entscheiden kann, ob sich ein Konzertbesuch der nachgesagten Supergroup lohnenswert ist.
Dem noch vergleichsweise recht eingängig stampfenden Hardcoreler "Strich - Liebe Hass Frieden", schließen sich zwei wesentlich experimentierfreudigere Songs an, die in einer Gesamtlänge von 12 Minuten das Spannungsfeld zwischen Mathcore und avantgardistischen Noise-Rock ausloten. Trotz der glamigen Produktion, könnten Haik vor allem für bluNoise-Anhänger_innen interessant sein.


Band: Haik

Titel/Release: Demon Songs/EP (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Alternative, Noise Rock, Mathrock, Hardcore

FFO: Gatherer, The Dillinger Escape Plan, Tentackle

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Youtube




Stream & Buy "Demon Songs"


Samstag, Juni 16

Wiederhören: The Plot To Blow Up The Eiffel Tower - Love In The Fascist Brothel




Der Rocco hatte mich kürzlich zu einer "Poste 10 Tage lang ein Album für die Ewigkeit und nominiere dabei jeweils einen Freund, das gleiche zu tun"-Facebook-Aktion eingeladen, die ich allerdings aufgrund meiner kaum vorhandenen Facebook-Freunde ausschlagen musste. Tja, ich bin scheinbar so asozial, dass ich mir nicht mal falsche Freunde auf soziale Netzwerke leisten kann. Sei es drum. Hätte ich die Einladung angenommen, wäre das zweite und leider auch letzte Album "Love In The Fascist Brothel" von The Plot To Blow Up The Eiffel Tower wohl sicherlich dabei gewesen. Nicht etwa, weil sich darauf Punk-Hymnen en masse befinden. Es hat vielmehr einen nostalgischen Wert, weil mir die Band zur damaligen Zeit nicht nur die Tür zu einer eigenwilligen Musikergemeinde in San Diego öffnete, sondern vor allem auch zeigte, dass es so viel mehr gab als Mainstream-Punk. Zwar sind die ehemaligen Mitglieder mittlerweile in wesentlich zugänglicheren Kombos unterwegs (u. A. Crocodiles, Psychic Dancehall, Haunted Hearts, Wavves). Mit TPTBUTET hatten sie für mich damals aber ein Tabu gebrochen, indem sie einen Genre-Mix kreierten, der sich mir jeglicher Vergleiche entzog. Heute, einige hundert Bands abgestumpfter, würde ich es schlicht als jazzigen Math-Garage-Trash-Punk bezeichnen. 
Dennoch: bis jetzt ist mir keine annähernd artverwandte Band unter die Ohren gekommen. Für Tipps wäre ich aber sehr dankbar.

>>>Myspace<<<


Samstag, Mai 5

DER_WARRIOR - Mannborg



Kurzinfo:

So ganz ohne Umschweife zur deutschen Grindcore-Legende Japanische Kampfhörspiele kommt der Kölner Fünfer DER_WARRIOR nun doch nicht aus. Und dabei meine ich nicht nur ihren Beitrag zum Sampler "A Tribute To Japanische Kampfhörspiele". Auf ihrem zweiten Release "Mannborg" tummelt sich mittlerweile genauso viel trashiges Horrorfilmmaterial, wie auf den Veröffentlichungen von Fake Idyll (mit JaKa-Beteiligung) oder Fantômas. Dabei entfernt sich die Instrumental-Band ein ganzes Stück weit weg vom ausdauernden Doom ihres Erstlings "Ehrenfeld³" und öffnet ihren Sound vielmehr für viele a-puristische Einflüsse. Glockenspiel, Reggae-esque Hooks wie in "Captain", aber auch monolithisches Georgel, führen den geneigten Hörer durch eine fast schon wahnwitzige Abenteuer-Fahrt durch die Kontroverse.
Kommt als schick aufgemachtes Tape in auffaltbarer Pappe.

Band: DER_WARRIOR

Titel/Release: Mannborg/EP (50x Tape; Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Instrumental, Experimental, Doom, Kraut

FFO: Fake Idyll, Fantômas, Goblin

Links:  Facebook\\//Bandcamp




DL and BUY "Mannborg" EP

Sonntag, November 12

Les Trucs - Manchmal sind welche nackt



Kurzinfo:


Band: Les Trucs

Titel/Release: Manchmal sind welche nackt/EP (30x Tape w/ acrylic sausage; Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Electro, Experimental, Art-Pop, Theater, Ambient

FFO: Zan-zan-zawa-veia, Bubblyfish, STU

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Soundcloud\\//Myspace



Ja, es existiert noch, dieses selbsternannte 2-Mensch-Ding-Orchester um ex-Antitainer Tobi Piel und Charlotte Simon (u. A. Droll Academy & The Latah Movement). Vier Jahre nach ihrer selbst-betitelten EP senden Les Trucs mal wieder völlig aus dem Kalten und ohne viel Promotion ein musikalisches Lebenszeichen ab. "Manchmal sind welche nackt" lautet der banale wie schwer widerlegbare Titel der 2-Track-EP, die mindestens genauso kunstvoll wie ihre Musik, als schlicht-labelloses, rotbraunes und handnummeriertes Tape mit Acryl-Wurst daher kommt. Diesmal in Eigenregie und wohl auch mehr als Gestus gedacht, um die Wartezeit auf ihr drittes, für das nächste Jahr angekündigte (!!!!) Album zu überbrücken.
Die zwei Songs entstanden im Studio während der Vorbereitungen zu ihrer Musical-Performance im Art Rotterdam, Februar 2017, der auch andere Künstler wie Anna Hjalmarsson (Herpes) und Anne-Louise Hoffmann (Rubbert Twist) beiwohnten. Daher gestalten sich diese auch wesentlich avantgardistischer, als das auf ihren bisherigen Veröffentlichungen der Fall war. "It's The Fascia...." bleibt mit seinem vokalen Mittelpart wohl noch am ehesten im Gedächtnis hängen, als die restlichen, stoisch zusammen gebasteltete acht Minuten Ambient.
Für mich zwar nicht gerade ein Highlight-Release der beiden Electro-Freigeister, was vielleicht aber auch daran liegt, dass es für eine Live-Performance konzipiert wurde. Für hartgesottene Fans natürlich ein Pflichtkauf, is klar, ne?!

Stream & Buy "Manchmal sind welche nackt"

Donnerstag, November 9

Video Kills The Radio Star Vol.5

Rolo Tomassi



Rolo Tomassi gehören wohl zweifelsohne zu den Bands, denen mensch gar nicht böse sein kann wegen der vielen experimentellen Ausflüge in benachbarte Genres. Im Falle der englischen Band ist es ohnehin erstmal schwierig, ein passendes Hauptgenre zu definieren. Progressive-Core, Jazzcore und Mathcore - so ganz einig oder sicher scheinen sich die globalen Journalisten da nicht zu sein. Dabei verläuft der Trend von Rolo Tomassi seit ihrem letzten Album "Grievances" sogar etwas gegenläufig, nämlich hin zu "normaleren" Strukturen, was auch nicht unbedeutend daran liegt, dass Frontfrau Eva Spence ihre zarte Stimme entdeckt hat. "Rituals" ist glücklicher Weise weit entfernt von einem harmonischen Reigen wie "Opalescent", passt sich dennoch am ehesten der düsteren Grundstimmung ihres letzten Albums an und überzeugt abermals durch ein melancholisch-atmosphärisches Keyboardspiel. Und Eva? Die zeigt eindrucksvoll, dass ihr rauhes Kehlchen noch immer hervorragend zu Double-Bass-Attacken funktioniert. Größtenteils...




A Perfect Circle
 

Dass ein neues Tool-Album immer unwahrscheinlicher wird, zeigt vor allem die noch wesentlich unwahrscheinlichere Tatsache, dass Maynard James Keenan mit seiner Zweit-Band A Perfect Circle dreizehn Jahre nach "eMOTIVE" einen neuen Song veröffentlicht hat. Ja gut, dazwischen kam "By And Down" und live tauchte auch der eine oder andere unbekannte Song auf. Aber so richtig auf dem Schirm hatte mensch das amerikanische Quartett nicht mehr. Umso kalter erwischt einen "The Doomed", der seinen Namen im Rahmen der bandeigenen Philosophie alle Ehre macht. Kein Doom-Rock, dafür ein kalter Schocker mit einer schaurig-schönen Melodie. Ein Song, der sich auf Anhieb in meiner Best-Of der Band katapultiert hat. Vielleicht kommt da ja noch was....



Specht Ruprecht


2012 debütierte das Erfurter Quartett mit ihrem Album "Kaisers neue Kleider". Danach kleine Konzerte in unregelmäßigen Abständen, ehe ab Juli diesen Jahres die heiße Promo-Phase für den Zweitling "Jubel Trubel Halbwahrheit" begann. Dazu gehört auch "Quader", der wohl heißeste Album-Anheizer dieser heißen Boys. Ein behutsam aufbauendes Intro, gefolgt von Crossover-Rap und einem nicht weniger old-schooligem Schlachtruf-Refrain, natürlich einem Schlager-tauglichem Gitarren-Solo und einem Schlusspart, der nochmal so richtig - na klar - anheizt. Geiler Song, und ich verspreche euch, es soll nicht der Einzige des Albums bleiben.




Cortarmao


Den Thüringener Vierer Cortarmao hatten wir hier bereits mit ihrem verheißungsvollen Demo besprochen, das vor allem Mathcore-Begeisterte um Bands wie The Dillinger Escape Plan & Co. zu beglücken wusste. Für dieses Jahr war nun auch der erste Longplayer avisiert, dessen Vinyl-Release die Vorbesteller jedoch etwas auf die Probe stellte - ohne dem Eigenverschulden der Band. Egal, Download und CD gab es pünktlich und noch pünktlicher den Vorreiter "Decoder". Der liefert ohne Abstriche ab, was der/die geneigte Hörer_in von einem ordentlichen Mathcore-Album erwartet: etwas verstörende Atmosphäre, markerschütterndes Gegrowle und psychotisches Gekeife, sprunghafte Rhythmen und die eine oder andere melodische Nuance, da mensch ja schließlich nicht vollkommen abgestumpft ist.




Funeral For A Friend



Zugegeben, es ist wohl vergleichsweise ein geringer Aufwand für eine gemeinsame Split-EP, lediglich den Anderen zu covern. So geschehen auf der Split-7" von Boysetsfire und Funeral For A Friend, die wohl aus einer jahre-langen Freundschaft beider Bands resultiert. Hat sich die legendäre Post-Hardcore-Vorreiterband wenigstens noch einen weitgehendst unbekannten Song aus der Anfangsära ihrer Kollegen heraus gepickt, haben es sich die fünf Jungs aus Bridgend da schon wesentlich einfacher gemacht und den wohl größten Hit ihrer Split-Partner gwählt - "Rookie". Letztendlich bleiben FFAF mit ihrer Interpretation so ziemlich 1:1 beim Original. Klar, "Rookie" kann Band eigentlich auch bloß Kaputtspielen, als ernsthaft verbessern.



 

Samstag, Oktober 28

Todlowski - Todlowski #2



Einmal Screamo, immer Screamo? Wie auch schon mit ihrem nebenher laufenden Projekt Lost Boys (gemeinsam mit Masada-Gitarrist Julian), bewegen sich die Nürnberger Jungs Nico und Oli mit ihrem Zwei-Mann-Projekt Todlowski im weitläufigeren Screamo-Spektrum, mit dessen zweiter EP sie sich nun wieder ein Stück weit ihrer ehemaligen und viel zu sehr unterschätzten Band Lilith annähern.

>>>"...doch die Welt steht mir offen wie ein Arschloch."<<<

Die Mixtur der Band ist sicherlich nicht neu, noch nicht einmal einzigartig für den hiesigen Untergrund. Und dennoch lässt sich mit jeder Schreitirade die leidenschaftliche Wut des Duos heraus hören. Wie schon auf dem 2016er Debüt, halten Todlowski dem spieß- und wutbürgerlichen Kleingeist den Spiegel vor's Gesicht und lassen ihn mit viel Ironie und Zynismus, aber auch der geballten Faust in tausend Teile zerspringen. Nicht weniger treffsicher sind die schrammeligen, teils mathig umher springenden und fast schon Indie-esquen Gitarren, die sich im Vergleich zum Vorgänger auch die eine oder andere jazzige Plänkelpause gönnen.
Erschien ihre selbstbetitelte Debüt-EP noch in einer kleinen Auflage an selbst-produzierten Tapes (in Cloth Bag mit A4-Lyrics-Poster), gibt's "Todlowski #2" bislang nur digital. Aber vielleicht kommt da ja noch was Physikalisches nach.

 


Band: Todlowski

Titel/Release: Todlowski #/EP (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Screamo, Punk, Experimental

FFO: Lilith, Calling Gina Clark, Rêche

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Last.fm

DL"Todlowski #2"


Sonntag, Oktober 22

Krautstomper - EP



Leute die Krautstomper hören, lesen wahrscheinlich eher die Babyblauen Seiten. Gut, jetzt sind sie eben im Tanzcafé gelandet, und musikalisch offenherzig wie wir nunmal sind, heißen wir sie hier herzlich willkommen.
Die drei befreundeten Musiker Adam, Dennis und Tim kennen sich schon eine ganze Weile. Klar, in der beheimateten brandenburgischen Einöde, wo die drei Jungs anfingen erste kleine Auftritte zu absolvieren, ist es wohl auch schwieriger, sich nicht über den Weg zu laufen.
Nach einem Demo folgte 2014 ihre "EP", abermals mit fünf Songs und knapp 24 Minuten Laufzeit. Doch was zumindest statistisch nach mathematischer Routine klingt, offenbart klangtechnisch so einige Veränderungen. "Embankment" ist vielleicht noch der einzig verbliebene Song, der nahtlos in das wild taktumherspringende und stellenweise wüste Demo integriert werden könnte. Die übrigen Songs breiten in ihren Längen von 2½ bis fast 7 Minuten einen fast schon psychedelischen Klangteppich aus, gewebt aus monotonen Loops und minimalistischen Effekten. "Potaten" mit seinen smooth-jazzigen Gitarrenzupfern und das sich progressiv-auftürmende "Oranje" stechen dabei sicherlich etwas heraus. Allerdings ist die "EP" nicht darauf ausgelegt, irgendwelche Höhepunkte auszumachen. Vielmehr bilden die fünf Songs ein atmosphärisches Gesamtkonstrukt, über dem auch immer ein Hauch von improvisierter Proberaumsession schwebt. Kein Wunder also, dass sich das mittlerweile in Berlin aufhältige Trio erst so richtig wohl fühlt, wenn sie sich die Bühne mit Prog-Rock- und RIO-Vertretern wie Medulla, Transpanda oder Alex's Hand teilen.
Anfang des Jahres konnte mensch die drei Musiker unter dem Namen Trio ton auch als musikalische Begleitung zum Theaterstück "Veits Tanz" erleben.



Band: Krautstomper

Titel/Release: EP/EP (CD, Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2014

Genre: Kraut, Instrumental, Progressive, Stoner, Psychedelic, Sludge

FFO: I Like Polish Beer, Rotor, Experimental Audio Damage & The Research Control Groop, Transpanda, Thursday Catharsis

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube\\//Last.fm

Stream & Buy "EP"



Montag, Oktober 16

Laserboys vs. Lord Fleyschzahn (Super Secret Super Special Japan Edition)



Vorhang auf für das wohl verrückteste Album des letzten Jahrzehntes. Und es kommt aus Deutschland. Hinter Laserboys verbergen sich bekannte Gesichter aus Gruppen wie An Early Cascade, No End In Sight, Fear The Skyline und Start A Fire. Allesamt also keine Grünschnäbel mehr, was dem Album auch durchaus anzuhören ist, da richtig fett produziert. Dennoch ist "Laserboys vs. Lord Fleyschzahn" das wohl Abgedrehteste, was mir seit Fantomas' letzten Album "Suspended Animation" unter die Ohren gekommen ist. Irgendwie könnte es sogar als eine epische Fortsetzung zu diesem durchgehen. Dazu diese sterilen Ganzkörperanzüge á la Locust oder Barberos. Die Laserboys wissen also ganz genau, was sie da machen und welche Wirkung sie erzielen. Bleibt nur die Frage: haben das diese gestandenen Musiker wirklich nötig? Nötig nicht, aber es scheint ihnen Spaß zu machen, wie sie es des Öfteren auch in ihren Youtube-Videos zum Besten geben. Und wenn man dem Ganzen nicht all zu verbittert gegenüber steht, kann auch uns dieses Album richtig viel Freude bereiten. Puristische Radiohörer werden ohnehin wohl kaum Kenntnis von diesen Jungs hier nehmen.
Bei 25 (!!) Songs, die 2015er "Super Secret Super Special Japan Edition" enthält zum ursprünglich 2011 erschienenen Album neun unveröffentlichte Bonussongs, und dem wilden Genre-Gehopse, dürfte auch so ziemlich für jeden verqueren Musikgeschmack etwas abfallen. Elektronische Genres wie Eurodance, Trance und Kirmes-Techno verschmelzen mit Hardcore-Hybriden wie Cybergrind und Metalcore verschmelzen mit Dada, Irrwitz, Slapstick und ganz viel Atzenpower. Das liest sich dann genauso willkürlich und spontan, wie es letztendlich auch klingt. Zwischendurch gibt's mit "Club Morbid" und "Eurolazer 3000" noch eine Rammstein- und DJ Bobo-Persiflage, mit "Fußball, Fußball! (Wir spielen Fußball!)" immerhin die bessere Variante zu Kevin Kuranyi's "Auf uns" und gelegentliche Saxophon-Eskapaden.
Ich kann durchaus nachvollziehen, dass einige diesen wirren Galopp nicht lange durchhalten werden. Auch ich hätte mir an einigen Stellen etwas mehr "Geradlinigkeit" gewünscht, da einige tolle Melodien dann doch etwas zu abrupt enden oder die Richtung wechseln und stellenweise zu Collagen-artig zusammengewürfelt klingen. Im Großen und Ganzen ist das hier aber schon ok.




Band: Laserboys

Titel/Release: Laserboys vs. Lord Fleyschzahn/Album (CD in Comic Book, Digital)

Label: Abficker Records

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Electro, Metal, Hardcore, Trash, Experimental

FFO: Barberos, SchreiKrachBumm, Polka Polka, Krachwalze

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Soundcloud\\//Myspace\\//Youtube

Stream & Buy Digitally "Laserboys vs. Lord Fleyschzahn"

Buy Comic + CD Here


 

Jahres-Sampler