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Freitag, August 30

Reznik Syndrom - Korrekturen LP


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Das krampfhafte Festhalten an einer längst verlorenen Liebe; einen Verlust verdrängen statt zu verarbeiten; ausgelassene Chancen; und über all dem das unbequeme Gefühl, dass man eigentlich alles hätte besser machen können. Damals, während der Jugendzeit. Warum? Warum nicht einfach mal loslassen und nach vorne blicken? Warum wählen wir von allen Möglichkeiten immer die schmerzhafteste? Reznik Syndrom lassen Herz und Verstand in einen aussichtslosen Kampf gegeneinander antreten und erweitern ihre Arena bis an die Grenze zum seelischen Abgrund. Und auch wenn der richtige Weg der scheinbar einzige logisch zu beschreitende ist, lassen die fünf Stuttgarter ihre Protagonisten im Fegefeuer ihrer eigenen Eitelkeit und Unsicherheit schmoren und sparen sich somit die Antworten auf die obrigen Fragen.

Nach ihrer Debüt-EP "Auftakt" (2011, erschien als CD im schicken, handgemachten Cardboard-Cover mit Comic-Strip, ausverkauft, Free-DL HIER) und der Online-EP "Ad Absurdum" (2012, Free-DL HIER) erscheint am 16.09.2013 nun also das erste Album der Band. "Korrekturen" zählt sieben Songs, die auf eine Spielzeit von 44 Minuten ausgedehnt sind und somit nicht nur statistisch schon mal die größte Veränderung der Band offenbaren. Zwar deutete sich ihr Hang zur Melancholie bereits auf ihren vorherigen EP's an, erfährt nun aber eine vollkommen neue Intensität. Das wechselwirkige Tempo-Spiel zwischen Riff und Hook wird um melancholisches Gitarrengeplänkel erweitert, was ihrem melodischem Post-Hardcore den Zusatz-Tag Post-Rock beschert. Der Opener "Jim, Johnny und ____" setzt gleich zu Beginn das neue Konzept in die Tat um, räumt der Trauer über den Verlust eines Freundes genügend Zeit ein und verliert sich in ungeordneten Gedanken, ehe sich schließlich Wut und Verzweiflung auftürmen, immer und immer wieder, und schlussendlich nur zur bitteren Erkenntnis führen. "Zeitmaschine" verfällt in einer ähnlichen Struktur, wünscht sich selbige herbei um "Korrekturen" am Lauf der Zeit vorzunehmen und muss feststellen, dass jede scheinbare Lösung eigene, neue Probleme nachsichzieht. Selbst der Song "~", der eine monotone Aufnahme von Nietzsches Gedanken zur Ewigen Wiederkunft aus die staubige Archivkiste kramt und fast schon altväterische Gruselstimmung aufkommen lässt, scheint dafür keine Antwort parat zu haben.

Mit "Korrekturen" erfinden sich Reznik Syndrom ein Stück weit neu, gehören damit aber auch nicht mehr uneingeschränkt zu den Bands, die die ausgelassene Melodic-Hardcore-Partie als letztes verlassen. Ihr Konzept verlangt nach Aufmerksamkeit und Zeit und belohnt die Ausdauernden zum Schluss mit dem grandiosen letzten Song "Skizzen", der sich mit Chor und fast schon heroisch einer tollen Melodie entgegenstreckt.

Der Pre-Order des Albums läuft bereits seit dem 15. August. Wer noch eine der insgesamt 300 (auch das ist heroisch) handnummerierten LP's haben möchte, sollte also schnell zugreifen. Die ersten hundert kommen auf rotem Vinyl, der Rest ist weiß. Poster, Sticker und Booklet sind neben einer kleinen Überraschung Standardausstattung.

Beende ich das Review mit einem Zitat aus From Dusk Till Dawn: "Gott liebt es das Messer reinzustechen und die Klinge abzubrechen." Nur dass wir dafür keinen Gott brauchen. Wir hören uns lieber Reznik Syndrom an! 

Stream "Korrekturen"
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Donnerstag, März 7

Der Bandcamp-Hardcore Vol. 8


Deutschland  - Dein Hardcore. Um mal wieder etwas der Willkür beim Aussuchen der Bands zu entkommen, soll sich das achte Volumen des Bandcamp-Hardcores lediglich auf Vertreter der Bundesrepublik beschränken. Es ist ja nicht so, dass man hierzulande weniger Auswahl hätte. Im Gegenteil - auch hier ist die Wahl mit der Qual gleichzusetzen. So soll die Reise von Berlin, über Leipzig, bis hin zum Schwabenländle gehen. Ein Hauptaugenmerk sollte jedoch auf die bereits seit zehn Jahren aufgelöste Lübecker Combo Calling Gina Clark, eine von mir höchst geschätzte Band aus dem Bereich Screamo, gelegt werden, die ab 2003 unter dem Namen A Fine Boat, That Coffin! ihr musikalisches Gemetzel fortsetzten. Viel Spaß!

Collide and Discord:

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Die Fünfer-Bande aus Stuttgart startete 2011 und veröffentlichte 2012 ihre Debüt-EP "The Restrained", die zu unser aller Freude auch noch kostenlos zu ergattern ist. Auf dem Programm steht Post-Hardcore, der sich mit altbekannten Themen um das Genre Punk erweitert. Musikalisch irgendwo zwischen Comeback Kid und Have Heart angesiedelt, gibt's fett groovende Riffs, die vom wild umherwirbelnden Schlagzeug ordentlich nach vorn gepeitscht werden. Mit ruhigen, aber auch zerfahrenen Momenten ein kurzweiliger Krachblizzard.




Off the Hook:

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Es nicht die große Kunst, eine Band mit vielen Mitgliedern zu gründen, als dass es vielmehr schwieriger ist, jedes in ihr zu beschäftigen. Das Qintett Off the Hook aus Berlin einigten sich auf zwei Gitarristen, was gut ist, denn wo andere mit 08/15-Riffs immer fleißig auf's Trommelfell brettern, legen OTH noch eine Schippe Kohle nach und lassen ihren Hardcore-Punk direkt in die Gliedmaßen des Hörers gleiten.


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Reznik Syndrom:

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Die Querverbindung: auch Reznik Syndrom aus Stuttgart kommen zu fünft daher und können mit einem zweiten Gitarristen auftrumpfen. Atmosphärisch düsterer Post-Hardcore mit deutschen Texten, der sich beim Post-Rock und Doom bedient. Am 01.03.2013 spielen die Jungs im Juha West in Stuttgart, wo sie einige Songs ihres neuen Albums "Korrekturen" (gleichzeitig auch Pre-Order-Start) spielen werden. Mit dabei sind auch Mahlstrom (12"EP-Releaseshow) und Amber.


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Calling Gina Clark:

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Ihr einstiger Kultstatus eilte ihnen nicht nur voraus, sondern vor allem auch nach. Das 1998 gegründete Lübecker Quartett Calling Gina Clark war bekannt für seinen unkonventionellen Mix aus chaotischem Emoviolence, extreme Screamo und später auch eine Art Jazzcore. Und mit Mitgliedern u. A. ehemaliger Einermusstot, The Apoplexy Twist Orchester und Arsen aka König der Monster, war sie DIE Underground-Supergroup schlechthin. 2003 dann das Aus. Ihre kurze Diskografie erscheint post mortum auf Bandcamp und kann gegen Spende gesaugt werden. 3/4tel der Band blieben im neuen Bandprojekt A Fine Boat, That Coffin vereint.


 


A Fine Boat, That Coffin!:

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Chaotisch bleibt's auch unter neuem Ego. Zwar immer noch mit Bleifuß, das Gaspedal allerdings nicht mehr bis zum Anschlag durchgetreten, tangieren sie nun auch die Bereiche Sludge und Progressive und nehmen sich etwas mehr Zeit für die jazzigen Parts.

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JTZT!:

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Das Ulmer Quintett Jtzt! fand 2011 zueinander und schaffte es bisher auf zwei Splits (ihre Debüt-EP mit ihren immer wieder gern gefragten Tourpartnern ISawDaylight -> DL der zweiten Split-Hälfte HIER) und einem Album, welches als Doppel-Tape unter dem Namen "Abschied" über das Non-Profit-Label Alcoves Records erschien. Zu hören gibt's deutschsprachigen Post-Hardcore, der sich die Zeit nimmt, die er braucht und so manches Detail einarbeitet. Bemerkenswert: im Song "Die Zeit heilt keine Wunden, dritter Teil." schreit sich Sänger Kurt über zehn Minuten die Seele aus dem Leib. 




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MIO:

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MIO aus Leipzig stecken mit ihrem Mix aus Postcore und Screamo noch immer inmitten der 90er fest und reduzieren ihren Lärm auf Schlagzeug, Gitarre und einer äußerst Zähne fletschenden Sängerin. Vor allem bei den ruhigeren Momenten erinnert das dann an einstige Ordination of Aaron. Letztes Jahr erschien ihr bislang letztes Output "Jedes Wort eine Lüge" über das Leipziger Label Shark Men Records, als einseitig bespielte 12" mit kunstvollem Etching auf der B-Seite.

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Was gibt's außerdem Neues?

Wind und Farben:

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Wind und Farben gründeten sich Ende 2010 als Duo. Bereits im Januar 2011 standen sieben eigene Songs zur Aufnahme bereit, dessen Sache sich schließlich  Kay Petersen annahm und der Band ihr erstes Release mit dem Namen "Zwischen fallen und aufstehen" (Stream HIER) bescherte. WuF-Drummer Mats Groth kannte Petersen, der in dieser Funktion nunmehr zum unsichtbaren Mitglied der Band wurde, noch von der gemeinsamen Zeit bei, den ebenfalls aus Neumünster stammenden, Streetpunks The Detectors. Mit ihrem zeitlosen und unberechenbar ausufernden Emo-Math-Punk sollte mit ihrem neuen Album "Das Entzünden einer Kerze ist das Ende eines Wals" ein Label schnell gefunden sein. Und nun zur Frage, warum ich euch mit den vorherigen Bio-Krams gelangweilt habe? Nunja, weil zum neuen Album, welches eigentlich den Hauptteil dieses Beitrages einnehmen sollte, leider nicht viel zu sagen ist, außer, dass es ein's geben wird. Dieses wird am 28.03.2013 in Form eines Digipaks über Lala Schallplatten erscheinen und kommt im Pre-Order mit zusätzlichem Stoffbeutel. Als erste Hörprobe hält der Song "999544" (höre HIER) her, der sich in gewohnter Manier uneinängig präsentiert, den Hörer mit tief sitzender Emotionalität zum Nachdenken anregt, nur um wenig später direkt den stürmischen Fahrtwind ihrer schnelleren Punknummern aufzunehmen und den Song somit explodieren zu lassen . Das erinnert stellenweise an Adolar, die mit ihrem letzten Album "Zu den Takten des Programms" ein ebenso unberechenbares (gutes) Album hinlegten. Gleich hinterher wurde das Video zum Song "Gib ihm tausend, Baby" geschickt, der den ersten Eindruck nochmal bestätigt, dass die Band im Schreien ein ebenso wirksames Druckablassventil gefunden haben, wie mit Einfühlsamkeit.  

 Nora Yeux:
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Jedes Jahr hat Höhen und Tiefen. Ein besonders tragisches Tief 2012 war die Auflösung der Band Thoughts Paint the Sky. Ein besonderes Hoch folgte wenig später, als ex-TPTS-Sänger Daniel Senzek zusammen mit Steven van Damme (ex-Andorra~Atkins), David Frings (Fjort) und Julian Jansen das Punk'n'Roll-Monster Kosslowski los ließen. Ohne van Damme, dafür mit ex-TPTS-Drummer Florian Uteschil war Ende letzten Jahres mit Nora Yeux bereits das nächste Projekt am Start und mit ihrer s/t-EP, die bislang nur als digitaler Download über Midsummer Records erhältlich ist, auch gleich ihr Debüt-Release. Musikalisch geht's diesmal Richtung Indie-Punk, Alternative und etwas Emo(-core), mit Texten, die ganze Bände schreiben und, wie von Frings gewohnt, triste Bilder malen, von der Sehnsucht bis hin zum Loslassen müssen aber nicht können. Das Schöne daran ist, diese Thematik hört man der Band nicht gleich an, denn die Songs treiben rockig nach vorn, allen voran Sänger David Frings, der beim Hörer keinesfalls Depressionen hinterlassen will. Bleibt also nur noch abzuwarten, wie ernst man dieses Band-Projekt nehmen kann. Immerhin haben die Beteiligten mit ihren letztjährigen Bandgründungen noch anderweitige Verpflichtungen. Und die nicht zu knapp.  

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