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Donnerstag, Oktober 19

Der Bandcamp-Hardcore Vol. 37


La Petite Mort/Little Death - Dear Reader...



Da fehlen mir doch fast die Worte. Schande über mein Haupt, dass ich diese Band erst mit der kürzlich erschienenen "4-Way-Split" für mich entdeckt habe. Was das Trio aus dem Hessischen Rodgau auf ihrem 2015er Debüt "Dear Reader..." abliefert, klingt schon ziemlich abgeklärt und viel mehr noch nach At the Drive-In oder On the Might of Princes, wenn es wüster zur Sache geht kommen vielleicht noch die Blood Brothers ins Spiel. In den eingängigeren und melodischeren (und davon gibt es so einige) Momenten, klingt die Band mit dem Doppelnamen gar nach Billy Talent, ohne dabei aber zu sehr auf provozierte Ohrwürmer drücken zu wollen. La Petite Mort/Little Death scheinen also kein Interesse daran zu haben, die Charts stürmen zu wollen. Das liegt zum Einen an ihrer härteren Gangart, Gefühle zum Ausdruck zu bringen und natürlich auch an den vielen Ecken, die dann vielleicht doch etwas zu extravagant für's herkömmliche Indie-Radio sind. Erinnert mich stark an die Darmstädter Boys von PSSGS, die kurioser Weise ja auch noch auf Label-Suche sind.

Die selbstgebastelten CD's sind mittlerweile alle vergriffen. In Zusammenarbeit mit Whole Records gab's ein offizielles Tape-Release in den Farben Silver Glitter (exkl. Show-Release, /25), Tourquise (exkl. Whole Records-Release, /25) und Blackberry Purple (reguläre Edition, /50).

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DL "Dear Reader..." Here & Here
 
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This Heals Nothing - To Die Upon The Hand I Love EP

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Ich kann es gar nicht oft genug schreiben: es ist schon unglaublich, was sich hier so alles im Untergrund tummelt. Genauso wie die über Jahre hinweg abliefernden Loose Suspense, haben auch die Bochumer von This Heals Nothing ein Debüt hingelegt, das sich vor der internationalen Riege der Melodic-Hardcore-Größen nicht zu verstecken braucht. Schon der Opener "Dear Brother" stürmt mit einprägsamer Hook voran, verbindet solides hartes Riffing mit melancholischen Gitarrenlinien und Geshoute mit cleanen Chören, weiß zur richtigen Zeit das Tempo auch mal zu drosseln bzw. wieder anzuziehen. Das ist vorbildlich aufgesagtes Hardcore-Alphabet, und damit vielleicht auch schon das Problem (falls es denn eines gibt): um dauerhaft aus der Masse hervorzustechen, fehlen dann doch einige Ecken und Kanten. Mir ist das relativ egal, solange die Band weiterhin so schmissige Nummern wie das abschließende "Porcelain" abliefert.

DL "To Die Upon The Hand I Love" EP


Scherbenschädel - Bleib dran

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Da meine Lieblings-Pennerviolencer BATTRA// nach erfolgreich abgeschlossenem Jura-Studium nun scheinbar einen Image-Wechsel anstreben und demnächst öfter als Oi.GVALT unterwegs sind, muss ich mich wohl so langsam nach einer passenden Sub-Genre-Alternative umschauen.
Da kommt mir doch das Saarländische Quartett Scherbenschädel gerade recht. Die Band mit Beteiligung aus der Trashcore-Institution L.S.D.A.P. versteht es ebenso wie die beiden Hallenser, ihren Powerviolence-Grind-Trash-Punk-Lärm mit einer äußerst räudigen Straßenköter-Attitüde zu verschnörkeln. Doch neben Hirnfickorgien wie in "Faschostaat" (was will mensch da schon großartig schönreden?!), "Pfefferspray" oder "Pausatz", gibt es mit "Münzmalle", "Stop vs. Vollgas" und "Der Grund steht" aber auch genügend Hardcore-Punk-Blaupausen, die dem wahnsinnigen Gekeife etwas den Wind aus den Segeln nehmen. Letztendlich zwar kein 100%-iger Ersatz, aber immerhin eine sympathische Alternative (#alternativefuerbattra).
Das zweite Band-Demo soll demnächst über das Saarländische Label LSD im Trinkwasser erscheinen, wo mensch auch eines der auf 14 Exemplare limitierten "Disco 2014-2016" Cartridges samt zahlreichem Bonusmaterial ergattern kann.

DL "Bleib dran" Demo

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Juvenalis - Stadtgespräche EP/Schattenspiel

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Dass die drei Lypurá-Boys eine musikalische Vergangenheit haben, hatten wir ja bereits in unserem Beitrag zu deren Debüt-Album "á" angesprochen. Da sich die Hardcore/Punk-Volumen hervorragend für kurze Retrospektiven eignen, wollen wir die Gegenwart mal eben verlassen und in die musikalische Vergangenheit von Bassist Basti und Schlagzeuger David huschen. Die führt uns geradewegs zu Juvenalis. Das ehemalige Karlsruher Sextett kündigte Ende 2011 zwar noch ein Album an, verschwand im Folgejahr aber fast vollständig von der Bildfläche, hinterließ stattdessen das Debüt-Minialbum "Schattenspiel" und die EP "Stadtgespräche" zum kostenlosen Download auf Bandcamp. 
Vielleicht liegt diese kurze Lebensdauer ja in der Natur solcher experimentellen und trotzdem stringenten Screamo-Combos. Auf der einen Seite kammerspielartige, stoische Soundscapes und auf der anderen wüste, fast orkanartige Rifferuptionen, aus deren Mitte sich aber auch immer wieder melodische Frgamente nach oben schieben. Erinnert mich ein wenig an Malve, die glaube ich auch nicht all zu lang praktizierten.
Von beiden Releases gab es geringe und selbstgebastelte CD-Auflagen. Die EP scheint ausverkauft. Ob vom Minialbum noch welche verfügbar sind, könnt ihr per Mail (juvenalis@gmx.net) oder lieber gleich bei Lypurá hinterfragen.

DL "Stadtgespräche EP"


It All Takes Place - It All Takes Place EP

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Auch Lypurá-Gitarrist Dani kann mit seinem ehemaligen Projekt It All Takes Place auf einen verflossenen Screamo-Geheimtipp zurückblicken. Das ehemalige Giengener Trio spielte einen Mix aus Emotive Hardcore, Post-Hardcore und 90er-Jahre beeinflussten Screamo, was so gelesen vielleicht etwas beliebig klingt und deshalb auch der Grund sein könnte, warum derartige Genre-Grenzgänger einen schweren Stand hatten und haben. Letztendlich brachte es die Gruppe auf eine selbstbetitelte EP, die scheinbar auch als selbstveröffentlichte Tape- oder CD-Variante erschien. Die darauf enthaltenen sieben Songs sind für die sprunghaften wie dynamischen Strukturen recht kurz gehalten und könnten Fans von Kurhaus und The Dillinger Escape Plan gleichermaßen beglücken.

P.S.: Schön, dass derartige und rare Releases noch auf Bandcamp zu finden sind. Also, lieber schnell downloaden und horten, bevor Bandcamp vielleicht irgendwann mal dicht macht :).

DL "It All Takes Place" EP


KŸHL - Drittweltstrauma

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Punk muss nicht immer geradlinig sein, schon gar nicht leicht verdaulich. Klar, wissen wir. Punk muss wehtun! Das wissen auch KŸHL aus Dresden, vielleicht sogar besser als manch andere Szene-Band. Die sächsische Band schafft es auch mit ihrem zweiten Release "Drittweltstrauma" die Synapsen des/der Hörers/Hörerin zum Explodieren zu bringen, indem sie auf ihrer Basis aus 90er Skramz mit wilden wie plänkelnden Jazzfrickeleien und Mathcore-typischen Wahnsinnsgekeife ("Leben bewegt") herum experimentieren. Klar, das ist für Hartgesottene, die dem Einheitsbrei mal etwas entfliehen wollen. Und unter all dem Gefrickel, Geplänkel und Geschreie, drohen die fast schon poetischen wie direkten Texte leider etwas unter zu gehen. Also: auch wenn "Drittweltstrauma" wohl auf keiner Anti-Pegida-Demo laufen wird, sollten Songs wie "Leben bewegt" und "Singen, tanzen, lieben" wenigstens über Meyer Sound-Anlagen der braunen Nachbarschaft um die Ohren geschlagen werden.

Nach der bereits vergriffenen Tape-Auflage über Mustard Mustache (56x green Pro-Tapes), erschien etwas später eine auf 300 Stück limitierte, grüne Vinyl-Variante über neun internationale Labels, darunter auch unsere Dingleberry und Tanz auf Ruinen.

DL "Drittweltstrauma" Here, Here & Here

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Rävgryt - Rävgryt EP

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Räv...was? Also das artverwandteste Wort, das mir spontan einfällt, ist der skandinavische Vorname Trygven. Zwar nicht ganz, aber immerhin schonmal die richtige geographische Ecke. Rävgryt kommt nämlich aus dem Schwedischen und bedeutet Fuchsbau. Die Band Rävgryt dagegen kommt aus Koblenz und setzt sich zu 3/5tel aus ehemaligen Enemy.Mine und ehemaligen Times New Romance zusammen.
2014 in dieser Konstellation zusammen gefunden, gaben die fünf Rheinland-Pfälzer im letzten Jahr ein erstes musikalisches Lebenszeichen von sich, das passender Weise im Fuchsbau Lahnstein aufgenommen wurde, allerdings noch recht roh daher kam. Wesentlich abgerundeter klingt da schon ihr selbstbetitelter Zweitling. Das kommt vor allem den melodisch flirrenden Gitarren zu Gute, die als Pendant zum gleich gebliebenen old-schooligen Hardcore-Geshoute fungieren und somit zumindest den Wiedererkennungswert der Band etwas hochschrauben. Diese Kombination ist sicherlich kein Alleinstellungsmerkmal, bietet aber immerhin eine weitere solide Alternative im Spannungsfeld Post- und Melodic Hardcore.

DL "Rävgryt" EP


The Prim - Demo 2016

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Qualität erkennt man unter anderem an ihre Beständigkeit. Als ich ohne weitere Vorkenntnisse zu The Prim in deren Demo-Debüt reinhörte, war ich sofort geflasht vom routinierten wenngleich zerfahrenen Sound. Die Band aus Erfurt serviert uns einen besonders garstigen Mix aus Mathcore und Metalviolence (??), der vor allem Jünger der amerikanischen Chaoten-Szene um Truppen wie Das Oath, The Number Twelve Looks Like You oder The Chariot zu begeistern weiß.
Ein Blick hinter die Kulissen von The Prim bringt dann eine gemeinsame musikalische Vergangenheit mit Zann, Barren (waren mal eine unserer Platten des Monats im Jahr 2014) und Luciente (ehemals Failed Suicide Plan) zum Vorschein. Und so einfach es auch klingen mag, in der Quintessenz dieser drei Bands ist der Sound von The Prim angesiedelt.

DL "Demo 2016"


Turtle Rage - Contemporary Problems

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Die Berliner Grindcore/Powerviolence/Trash-Punk-Institution Turtle Rage bleibt ihrer Gangart treu und platziert auch auf ihrem fünften Release (von der Split mit Johnny hat Krätze mal abgesehen) zehn Songs, die innerhalb von acht Minuten über die Bühne gebracht werden und anschließend auf Tape erscheinen. Bis auf das fast schon verstörend harmonische und rockige Intro, hat sich nicht viel geändert. Kompromissloses Geknüppel und schnelle, punkige Melodien reichen sich die Hände, dazu orgastisches Gekeife und Gegrowle. Und bei all dem Wahnsinns-Tempo, lassen sich die Lyrics nicht mal ansatzweise erahnen. Höchstwahrscheinlich werden aber Themen wie Pizza, Skateboards, Eichhörnchen und Diarrhoe tangiert.

DL "Contemporary Problems"

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In der Kürze liegt die Würze



Nintendocore Lives

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Anders als wir hier bei Gerda, die irgendwie versuchen aus (fast) allen musikalischen Bereichen die Sahnestückchen herauszupicken -(:-), hat sich der Blog Nintendocore Lives auf ... naja, könnt ihr euch ja sicherlich denken. Seit der Blog-Inbetriebnahme in 2014 hat es die ehrenamtliche Gemeinschaft auf sieben größtenteils themenbezogene Sampler geschafft. Ein Highlight ist sicherlich auch der April 2016 zusammen geschusterte "Nintendocore Goes 80's" mit tollen 80er-Classic-Rock-Covern von Faith No More, Slayer oder Guns n' Roses
Neben diesen Samplern, von denen auch einige als limitierte CD-Versionen erschienen, bietet der Blog natürlich auch Verweise auf offizielle Szene-Releases.

DL "Smash 64" Sampler

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Endmonster

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Endmonster waren eigentlich so um die Jahrtausendwende aktiv, als auch ihr Debüt-Album "Level 1 | Level 2" entstand, wohlgemerkt ein Jahr bevor Antitainment so langsam die Runde machten, die später ja als DER deutsche Nintendocore-Act schlechthin gehandelt wurden. Aber das nur am Rande. Und wenn mensch es genau will, geht der c-64-Electro-Hardcore-Post-Punk der ehemaligen Kieler Band auch in eine etwas anderen Richtung.
Nach ihrem Debüt war releasetechnisch erstmal eine Weile Ruhe. Die Songs ihrer Folge-EP "Level 3 | Level 4" wurden zwar schon 2002 aufgenommen, allerdings erst im Jahr 2009 abgemischt und gemastert und schlussendlich auch auf CD gebannt. Nicht all zu sehr verwunderlich, hatte doch Bandkopf und Tüftler Ulf Schütte mit seinem ehemaligen Label Tape Tektoniks und zig Bandprojekten (u. A. Phantom Horse, Little Whirls, Datashock) schließlich anderswo alle Hände voll zu tun.






SchreiKrachBumm

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Und weil's so schön war, noch einen Electro-Punk-Vertreter hinterher, diesmal allerdings aus der 8-bit-Ecke. Und wie es der Name bereits vermuten lässt, nimmt das ehemalige Trio aus Vechta ihre Musik und die der anderen eben nicht allzu ernst. Auf ihrer 2013er Cover-EP "Bravohit 69", auf der sie unter Anderem Songs von David Guetta, Muse und Lady Gaga durch den 8-bit-Prozessor  ziehen, wirkt das Ganze sogar noch etwas überspitzter, als es ohnehin schon auf ihren regulären Releases der Fall ist. FFO: Ursus.
Ende 2015 gab die Band ihr offizielles Aus bekannt. In Folge-Projekten wie Grünlich Grau und Krachwalze leben die Beteiligten ihr Faible für experimentelle Spaßmusik weiter aus.

 

Sonntag, Oktober 4

Der Bandcamp-Hardcore Vol.31

te:rs



Anteater und Sailing On, zwei (ehemalige) Hardcore-Bands, deren Frontfrauen wohl kaum einen hörbaren Untertschied zur männlichen Konkurrenz ausmachten. Nun, nachdem letztere nicht mehr ist und die Mitglieder erst genannter mittlerweile im Black Metal und anderswo herumstreunen, kann etwas frischer - oder besser: düsterer - Sturm im hiesigen Bereich des female fronted Hardcore sicher nicht schaden. Et voilà, hier sind te:rs aus Göttingen, deren vier Mitglieder sich gerecht auf zwei Frauen (Vocals, Bass) und zwei Männer (Drums, Guitar) aufteilen. Nach einigen Konzerten mit mehr oder weniger bekannten Szenegruppen wie Finsterre, Varan oder Moro, folgt Ende September die Veröffentlichung ihrer ersten 12", die auf Vinyl über unten verlinkte Labels erscheinen und das Qualitätssiegel der Oldenburger Tonmeisterei tragen wird.
Das te:rs aber nicht nur die Genres-Klischees des Post-Hardcores bedienen, sondern vor allem mit eigenen Ideen überraschen wollen, zeigt bereits der Opener "scopes below the line". Unter dem wüsten Geschreie von Sängerin und Gitarristin Nora schiebt sich langsam eine melodische Gitarre hervor, die den Song trotz aller modern-apuristischen Tendenzen Richtung Punk steuert. Auch die übrigen fünf Songs öffnen sich immer wieder dem seichten Gitarrengeplänkel, das mit etwas mehr Ausdauer auch gut dem Post-Rock zu Gesicht gestanden hätte. te:rs sind aber weder eine Post-Rock-, noch eine reine Punkband, sondern lassen diese Einflüsse gezielt und nathlos in ihrem Hardcore-Kontext mit einfließen. Das die cleanen Gesangspassagen und das Schlagzeug stellenweise recht roh klingen, dürfte wohl ein bewusster Schritt der Band gewesen sein, denn das hätte die Tonmeisterei sicherlich auch besser hinbekommen. Sollte es aber nicht, was letztendlich auch für einen insgesamt organischen Sound beiträgt.

>>Facebook<<

DL S/T 12"

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Idylls

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Eine Band, wie ein sich ständig drehendes Kettenkarussell. Seit ihrer Gründung im Jahr 2009 hat die australische Band Idylls schon viele Mitglieder kommen und gehen sehen. Dementsprechend tummelte sich dort schon eine Menge musikalische B-Prominenz aus Gruppen wie Nuclear Summer, The Ailment, The Vanguard Tic, Okemah oder Ironhide, was sich zwangsläufig auch auf den stets wandelnden Sound der Band auswirken musste. So lässt sich ihr Stil - für den, der es unbedingt möchte - auch nur schwer in eine bestimmte Schublade stecken, denn die Einflüsse aus dem Math-, Technical Grind- und Metalcore, zerstreuen sich ebenso gleichermaßen auf die Songs, wie die Ausflüge in den Post-Punk und Noiserock. Eingefleischte Anhänger der San-Diego-Ecke um The Locust, Dmonstrations & Co. dürfen sich daher gerne angesprochen fühlen, zumal sich auf ihrem letzten Release "Prayer For Terrene" ein free-jazziges Saxophon verirrte, das dem Wahnsinn noch zusätzlich die Krone aufsetzte.

DL Farewell All Joy LP
DL Indian Circle EP
DL Split-Tape w/ Palisades
DL Amps for God/Plague Hell 7"

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SIC BOY

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Kassel? Da war doch mal was... .Genau! Die Ryker's, eine der erfolgreichsten deutschen Hardcore-Bands der 90er und somit ein mir äußerst gut gelungener Einstieg (#schulterklopf), um euch die 2013 gegründete Hardcore-Formation SIC BOY vorzustellen. Man muss eigentlich gar nicht lange um den heißen Brei herumreden, denn das hessesche Quintett praktiziert das old schoolige Hardcore-ABC, wie es in den 90ern nunmal noch gelehrt wurde. Als Hass noch mit ß geschrieben wurde und Kraftausdrücke wie FUCK noch ohne die Kürzung sämtlicher Vokale auskam. Direktheit, lautete das Motto, so wie "direkt in die Fresse" zum Beispiel oder tighte Hosen, die die Blicke unweigerlich und direkt auf den prall gefüllten Schritt lenkten. Soll heißen: mit kantigen Riffs, niederschmetternden Breakdowns, zügellosen Moshparts, Crewshouts und einer angepissten und rotzigen Stimme oder einer mal eben dazwischen geschobenen, mitfiebernden Hardcore-Punk-Melodie wie in "A Bitch Called V", wollen SIC BOY gar nicht erst den Versuch unternehmen, aus den altbewährten Strukturen auszubrechen. Und weil sich das Ganze, zumindest oberflächlich gehört, nur maginal vom verrufenen Hatecore unterscheidet, lässt die Band kaum eine Gelegenheit aus zu erwähnen, dass Rassisten und vergleichbarer Dreck herzlichst NICHT-willkommen sind.
All das liest und hört sich sicherlich etwas unprätentiös und ernüchternd an. Wer SIC BOY's Debüt-EP "HCMC" allerdings mit genau dieser Einstellung entgegnet, kann sich über ein durchaus gelungenes und solides Genrewerk freuen.

Ob noch Merch oder selbstgebastelte CDEP's vorrätig sind, könnt ihr am besten selbst hinterfragen: Mail an sicboyhc@web.de.

DL HCMC EP


Soul Structure

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Die Emo-Post-Hardcoreler Plaids, die Alternative-Indierocker The Blue Period, die Post-Hardcore-Emo-Punks Akallabêth und die Math-Post-Punks What Price, Wonderland? teilen sich vor allem eine Gemeinsamkeit: ihre Musik ist alles andere, als einfach-verträgliche Alltagskost und sicherlich auch nur den Wenigsten ein Begriff. Um so beachtlicher ist nun also der Mut einiger Beteiligter, mit ihrem neuen Projekt Soul Structure - und somit quasi eine Underground-Supergroup der Nottinghamer Szene - den Radius ihres Bekanntheitsgrades nicht zwangsläufig erweitern zu wollen. Im Endeffekt kann und muss vielleicht auch ihre Debüt-EP "The Body of Man" als exakt die Summe der einzelnen Teile beschrieben werden. Ein hektisches Schlagzeug, leicht echauffierter Gesang, nervöse und plänkelnde Gitarren, die sich den 90er-Midwest-Emo anschmiegen und etwas innere Post-Hardcore-Aufruhr durchblitzen lassen. Vielleicht ging es ja dabei auch gar nicht darum, etwas völlig neues ausprobieren zu wollen. Vielleicht haben sich hier einfach bloß vier befreundete Engländer gefunden, die wahnsinnig viel Spaß an Musik jenseits des Mainstreams haben.

DL The Body of Man Here & Here

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Trapped in Cold Season

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Selbsteinschätzung und Außenwirkung sind zwei grundverschiedene Sachen. Übrigens auch ein Grund, warum wir bei Gerda grundsätzlich keine Band verreißen wollen, ausgenommen ein paar Meinungsfetzen in den jeweiligen Beiträgen. Das (Wahl-)Ilmenauer Quintett Trapped in Cold Season, eine Studentenband, die so rein gar nicht nach Studentenrock klingt (#Meinungsfetzen), hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Hardcore etwas Neues abzugewinnen (lest mal den Beitrag vom Verstärker). Klar, diesen Vorsatz haben viele, wovon oftmals aber nicht mehr als Größenwahn oder Selbstüberschätzung übrig bleibt. Beides kann man TICS nun attestieren oder eben auch nicht. Auf ihrer zweiten EP "Forgive/Forget" zeichnen sich ihre Einflüsse aus dem Metal(core), Post-Hardcore, Modern Hardcore und Melodic Hardcore deutlich ab, mehr noch, als auf ihrem etwas zerfahrenenem (Was ist das denn für ein Wort, sieht irgendwie falsch aus?!) Debüt "Sunwards". Allesamt etablierte Genres, an denen es nunmal nichts mehr zu rütteln gibt. Wollen sie ja auch gar nicht, denn TICS konzentrieren sich vielmehr darauf, all das in einer höchst eigenwilligen Art in den Einklang zu bringen, für das sich tatsächlich nur schwer Vergleiche heranziehen lassen. Als Resultat springen einen sechs Songs ins Gesicht, die sich auf einem Fundament aus treibenden Riffs und aufheulenden Melodien stützen und selbst vor jazzigem Gitarrengeplänkel oder einer zarten Pianoforte kein Halt machen. In diesem Sinne ist "Forgive/Forget" ein moshendes wie unberechenbares Stück Experimental-Hardcore geworden, dass man weder dem gemeinen Metal-, noch Post-Hardcoreler nahelegen kann. Aber vor diesem Problem stand man ja auch schon bei Dillinger Escape Plan oder Mr. Bungle.

DL Forgive/Forget EP
DL Sunwards EP

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Turtle Rage

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Na klar! Wenn man sowieso schon fleißig mit High-Speed-Combos wie eQues, Violent Frustration und Nervous Nerds untergwegs war, macht es durchaus Sinn, auch mit der neuen Band das Gaspedal bis zum Anschlag durchzutreten. Und das in jeglicher Hinsicht. Seit ihrer Gründung im Jahr 2014, hat es die Berliner Fastcore/Grindcore/Powerviolence/Trash-Punk-Band Turtle Rage auf bislang drei Veröffentlichungen gebracht ("SK"-Demo digital, "CoC" und "CoP" jeweils auf Tape, zumindest Letzteres auch als CDr), die jeweils mit zehn Songs und einer Spielzeit von durchschnittlich 6½ Minuten auskommen. Angeführt vom Presslufthammerschlagzeug, schimmern unter der berstenden Oberfläche des genretypischen Geknüppels aber auch immer wieder eingängige Punkmeldodien hervor. Weniger kompromissbereit zeigt sich da schon das extrem kehlige Gekrächze von Frontmann Fabian, das irgendwie klingt, als hätte man dem armen Kerl seine Hoden an den Oberschänkel getackert. Auch das wäre Punk und der Band ohne Weiteres zuzutrauen.

DL Chambers of Peace
DL Collapse of Confidence
DL Sticking Knifes Demo

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Kings of Forlorn Lands

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Ein bisschen Hardcore für etwas mehr Liebe, lautet das Motto der dreiköpfigen Band Kings of Forlorn Lands aus Essen. Nur so am Ramde, denn angesichts ihres düster-doomenden und apokalyptisch-groovenden Sounds, könnte diese Message auch leicht untergehen. Natürlich ist das Trio, das sich in der Ruhrpottszene bereits mit Bands wie Menschenwahn, Impala und CenterMyself einen Namen erspielt hat, nicht von Naivität umnachtet. Ihr lyrischer Appell für mehr Menschlichkeit und Toleranz fungiert vielleicht sogar ganz bewusst als krasser Gegensatz zum mathig-vertrackten Postcore der Band: sollte sich an der Einstellung der Menschen nicht schleunigst was ändern, schreiten wir unserem sicheren Untergang entgegen. Das unentschlossen und morbide zwischen Post-Rock und -Hardcore pendelnde "Trümmer für Dich" bringt den derzeitigen gesellschaftlichen und politischen Zwiespalt ganz gut auf den Punkt und überlässt die Hörerschaft einem offenen Ende: Hoffnung, Chaos oder doch Untergang.

P.S.: Nicht nur mit ihrer Musik, sondern auch mit einer extra angefertigten Charity-Jubiläumsbox, beteiligten sich KoFL an die Flüchtlingshilfe.

DL Everyday Blues EP
DL EP (2013)


WELK

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Auf ihrer Bandcamp-Seite, begrüßen uns WELK gleichmal mit einem herzlichen !!!FUCK NSBM!!!. Kann ja nichts schaden, so kann man sich wenigstens ohne ein mulmiges Gefühl im Bauch voll und ganz auf die Musik konzentrieren. Kann man das erst einmal unbeschwert tun, wird man spätestens ab Mitte des Openers ihrer Debüt-EP "My Heart Has No Home" feststellen, dass Black Metal beim Leipziger Quintett nur eine Randnotiz ist. Denn das Grundgerüst, auf dem WELK ihren brachial-düsteren Sound aufbauen, ist feinstes Metalcore-Geballer, das wie in "In Grey" sicherlich auch die schwarzen Metal-Herzen zum Glühen bringt oder in "Along and Beyond" dem Crust-Punk zuzwinkert.
Etwas unkonventioneller klingt da schon das letztjährig veröffentlichte "Urne", ein quasi Akustik-Folk-Screamo-Song, mit dem WELK scheinbar den kreativen Tatendrang einläuten, der ihnen mit ihrer Vorband Hunting Area Brain County zuletzt fehlte.

DL My Heart Has No Home EP

Buy CDr via PM on Facebook or Mail to: Hannes.Starke@gmx.net


Contwig

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Das  Freibad der rheinland-pfälzischen 5000-Einwohner-Gemeinde Contwig hat sich scheinbar bis nach Frankreich herum gesprochen, denn die französische Hardcore-Band Contwig scheint genau das als Bandnamen-Debüt-LP-Konzept zu verwenden. Alles andere zumindest wäre wohl ein merkwürdiger Zufall. Die fünf Beteiligten der Straßburger Band haben bereits mit Another Five Minutes, Amoeba und More Dangerous Than a Thousand Rioters kräftig die Underground-Szene aufgemischt und probierten sich dabei im Death Metal, Screamo und Hardcore-Punk aus. Einflüsse, die nicht vollkommen spurlos an ihrem neuen Projekt vorbei gezogen sind. Dennoch holen sie mit Contwig in eine völlig andere Richtung aus. Fies berstenden und nervenfleddernden Mathcore nämlich, der sich weniger an experimentierfreudigen Dillinger Escape Plan orientiert, als vielmehr an kompromisslosen The Chariot. Das seichte Geplänkel in "With the Target of My Knife" bleibt die Ausnahme auf einem ansonsten durchsprintenden Album. Die pfeilschnellen Gitarren zirpen, quietschen, ändern abrupt die Richtung und schneiden sich messerscharf ins Ohr. Keine Frage, das hier verlangt schon ein Faible ab. Um so erstaunlicher ist es, dass die Band für "Freibad" ganze 13 (!) europäische DIY-Labels (darunter auch Miss the Stars und Dingleberry Records) begeistern konnte, die sich um das Vinyl-Release des Albums kümmerten, und zudem Amaury Sauvé (As We Draw, Birds in Row, uvm.) und Nick Zampiello (u. A. Isis, Gay for Johnny Depp) für sich gewinnen konnten, die dem Chaos genügend Struktur, Schärfe und Brachialität bescherten.


DL Freibad LP Here, Here, Here & Here

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Goolagoon

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Na wenn sich hier nicht mal jemand als SpongeBob-Fan outet. Aber warum auch nicht?! Trash für Erwachsene, so könnte man auch die Musik des Bostoner Quartetts Goolagoon um Frontfrau Lily bezeichnen. Ein genretypisches Fastcore-Powerviolence-Gemisch, mit eingängigen Punkmelodien im Hinter- und unprätentiösem Gebrüll im Vordergrund. Vor allem Letzteres erinnert mich in seiner räudigen Straßenmentalität stark an die Hallenser Pennerviolencer BATTRA//, nur, dass hier eben eine versiffte Pennerin ins Mikrofon keift. Kurz und schmerzvoll, und wäre jedem Song nicht noch ein Sample vorangestellt, wäre es noch kürzer und schmerzvoller. Am Ende ihres Debüt-Releases "Patrickviolence" gibt's mit dem Surf-Instrumental "Goo Lagoon" sogar noch etwas Strandfeeling. Klasse!

Über DICKCRUSH RECORDS, dem DIY-Punk-PV-Label der beiden Bastard-Grinder von XsaladcrusherX, erscheint "Patrickviolence" bereits in der zweiten Tape-Auflage. Diesmal pink, statt gelb.

DL Patrickviolence Demo Here, Here & Here

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Jahres-Sampler