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Dienstag, Juni 4

Gesplittet, Teil 17


Sickmark/Always Never Fun - Split-EP



Endlich mal wieder Nachschub aus dem AJZ Bielefeld, auch wenn dieses Split-Release schon ein Jahr auf dem Buckel hat. Gemeint sind hier natürlich Sickmark, die sich bereits mit ihrem 2013ner Debüt gekonnt vom Powerviolence-Mainstream absetzen konnten. Zu verdanken war das vor allem den unberechenbaren Störfaktoren, die sich immer mal wieder in das Gemenge zwischen des brodelnden Sludge und des noisigen Geballeres mogelten. Im Falle der hier vorliegenden Split sind das eben ungewohnt rhythmische - nunja - Fragmente, die Songs wie "Fuck This Unity", "Couch Kill Destroy" und "The Price To Pay" fast schon harmonisch ausklingen lassen, und ein free-jazziges Saxofon, das gelegentlich völlig schizophren dazwischen grätscht. Da haben sich die ehemals ¾-Hyëna doch tatsächlich nochmal selbst übertroffen.
Eingeleitet wird die Split von den wesentlich zu- wie eingänglicheren Always Never Fun, kurz ANF. Die vier Italiener starteten zum Release-Date auch bereits in das sechste Bandjahr, vorher wie nebenbei waren die Jungs aus Palermo bereits in etlichen anderen Kombos wie F.U.G., Popsters, Elopram, You Are The Problem und Cavernicular unterwegs. 
Die elf Songs auf der A-Seite fügen ihre Einflüsse aus Fastcore und Hardcore-Punk äußerst dynamisch und, für PV-Verhältnisse, fast schon zu harmonisch zusammen. Geht aber immerhin sofort in die Gliedmaßen über, die man für die B-Seite ohnehin nochmal neu sortieren muss.
Da ANF so viel Spaß am Splitten haben, ist für dieses Jahr bereits eine Split mit den Münsteraner Fastcore-Punks ill angekündigt.


Sickmark: Facebook\\//Bandcamp

ANF: Facebook\\//Bandcamp

DL & Buy "Sickmark/ANF Split-EP" A-Side & B-Side

Buy Here, Here & Here



Start A Fire/Lyvten - Im Himmel Fluchen Split-EP


Nach ihrem tollen Album "Schattenjagd", melden sich Start A Fire zwei Jahre später mit einem neuen Song zurück. Und wie! In "Sargträger" packen die Stuttgarter Po(esie-)st-Hardcoreler schonungslose Gesellschaftskritik in kunstvoll umschmeichelnde Verse, die vom Reibeisen-Schreigesang in eine Hit-verdächtige Melodie gepresst werden. Das eingestreute, melancholische Klavier unterstreicht dabei den anspruchsvollen Charakter des Quartetts, obwohl der Song mit dem wavigen Chorus im letzten Drittel schon fast in gothige Düsternis abtaucht.
Die Züricher Band Lyvten hat ebenfalls letztmalig im Jahr 2017 ein Album veröffentlicht, dass, genauso wie das ihrer schwäbischen Label-Kollegen und Tourpartner, über Twisted Chords erschien. Mit "Schmutz und Schminke" haut das Quartett einen gewohnt mitreißenden Punk-Party-Smasher raus, irgendwo in der Schnittmenge post-punkiger Duesenjaeger und Hardcore-lastigeren Disco//Oslo. Obwohl mich auch dieser Song mit seiner leicht verkopften und theatralischen Art an eine Light-Version von Boysetsfire denken lässt. Liegt vielleicht am Gesang...
Als digitalen Bonus zur schick aufgemachten 7inch, gibt's zwei Coversongs der jeweils anderen Band.

Start A Fire: Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube\\//Myspace\\//Soundcloud\\//Instagram

Lyvten: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Instagram\\//Soundcloud

Stream & Buy "Im Himmel Fluchen" Here & Here

Buy Here, Here, Here, Here & Here



Echelons (ex-Unable To Fully Embrace This Happiness)/Varicella Zoster - Split

Die musikalischen Wege der drei Klagenfurter Béla, Daniel und David kreutzen sich bereits in Gruppen wie Disclone, Matando Güeros, Hulk Hogan, John F. Cannibal und Bicycle Terror, doch erst mit Unable To Fully Embrace This Happiness hatten sie sich eine nennenswerte Fanbase in der österreichischen Untergrundszene erspielt. Ihr bis dato letztes Release, die Split mit ihren Grazer Screamo-Kollegen Varicella Zoster, offenbarte jedoch einen Wandel im Sound der Band, der sich aus neu einwirkende Einflüsse, die in einem 15-teiligen Post-Countdown auf der Facebook-Seite dokumentiert wurden, ergibt. Als Echelons huldigt das Trio seit Mitte 2018 also vor allem wegweisende Größen des 90er-Hardcores/Screamos und wirft dabei auch gerne mal einen nostalgischen Blick auf die nord-deutsche Hardcore-Bewegung dieser Dekade. Genauso sprungvoll gestalten sich auch die fünf Split-Song, die durch melancholische Skramz-Passagen und Emotive Hardcore gleiten und bis zum Emoviolence bersten. Das wäre an sich ein routinierter Mix, wie er auch in der Gegenwart vielfach anzutreffen ist. Doch durch die melodisch-druckvolle Gitarrenarbeit, die vielleicht als markantester Unterschied zu ihrem Lo-Fi-igen Alter Ego ausgemacht werden kann, bleiben Echelons Songs auch nachhaltig im Ohr hängen.
Varicella Zoster, benannt nach dem Gürtelrose und Windpocken verursachenden DNA-Virus, sind mit ihren fünf Songs mehr im Emocore zu verorten. Zwar schüttelt auch dieses österreichische Quintett so manche treibende Melodie unbeschwert aus dem Ärmel, die sich auch hervorragend für die mittelgroße Festival-Bühne eignen würden. Die sympathische DIY-Produktion, die den kratzigen und manchmal leicht schrägen Gitarren einen 90er-Underground-Charme überstreift, zieht die Band aber doch wieder zurück in die Kellergewölbe.
Split-Tape erschien über Hardcore For The Losers.

Echelons: Facebook\\//Bandcamp

Varicella Zoster: Facebook

DL "Echelons/Varicella Zoster - Split" A-Side & B-Side

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Cut/Empty. - 2 Split-Tape


Wer eine Bachelor-Arbeit über "Die Ästhetik des DOOM" schreibt und damit sogar als Referenz für einschlägige Wiki-Einträge herhält, der sollte mit seiner Band schon ordentlich abliefern können. Hinter der Bonner Band Cut verbirgt sich nicht nur der They Call Us Weak-Drummer Claus, sondern auch Arne Ebner, der seine Interpretation der Wall Of Sound bereits in der 80er-Metal-Hommage-Band Way Of The Fist und im Torche huldigenden Doom-Stoner-Sludge seines Projektes WALL auslebte, sie bis in den Synth-Metal von WAVES transferierte und schließlich auch im "Messer-Core" von Cut zum wesentlichen Merkmal deklariert.
Für das 2016er Split-Tape mit Empty. kamen drei Songs zustande, die in ihrer düster-groovenden Art wieder mehr in Richtung WALL schielen, durch den verhallten Schreigesang aber auch gut und gerne als eine Stoner-rockende Variante von Atari Teenage Riot durchgehen könnten. Das ist schon ein ziemlich fetter und tanzbarer Sound, inmitten dessen der Gedanke an ein Queen-Cover sowohl passend wie auch abschreckend daher kommt. Was Cut allerdings aus "Who Wants To Live Forever" machen, muss mensch einfach mal gehört haben.
Die knapp elf-minütige B-Seite des Split-Tapes bekleiden die Bergkamener Empty. mit ihrem Downtempo-Black-Metal-Crust. Dieser fällt zwar im direkten Vergleich mit ihren Split-Partnern weniger groovig aus, breitet dafür aber seinen Sound über einen düster-schrammeligen Teppich aus, der von noisigen wie unerwarteten (vor allem in "Alle Kauen Keiner Isst") Querschlägern aus der Routine gebracht wird. Und wie das nunmal so bei uns ist, wenn wir (weiter) zurückliegende Releases besprechen, hat sich inzwischen auch bei dem nordrhein-westfälischen Quartett so einiges getan. Hier ein kurzer Abriss: 2012 aus der Asche von Jigsaw Uncomplied (später Plagueis) als Empty On The Inside gegründet; 2014 einige Besetzungswechsel; 2015 Umbenennung in Empty. - aus Gründen; 2017 Schluss und Flucht in neue Projekte. Wisst ihr Bescheid.

Cut: Facebook\\//Bandcamp

Empty.: Facebook\\//Bandcamp\\//Instagram\\//Bigcartel\\//Youtube

DL "2" Here & Here


Mittwoch, Februar 19

Start A Fire - Mein Name ist Bedauern LP



"Die Trommel schlägt den Takt, die Saiten sind gespannt. Bühne frei und auf ins Glück.", lauten die geschrienen Zeilen zum Auftakt des ersten Albums der Stuttgarter Band Start A Fire. Was nach einem oberflächlichen Bandpreview für die folgenden knapp 37 Minuten klingt, leitet in Wahrheit die Lebensgeschichte - angefangen von den frühen Kindheitstagen bis hin zum Tod - zweier Freunde ein, die sich konzeptionell über das gesamte Album erstreckt. Ja, "Mein Name ist Bedauern" ist ein Konzeptalbum, was der abgehärteten Moshgemeinde dennoch nicht zwangsläufig Falten auf die Stirn zaubern muss. Die Saiten sind auf Widerstand gespannt und bieten den Fingernägeln genügend Stabilität, um auf ihnen messerscharf hin und her zu gleiten. Ein großes Lob muss dabei auch dem Schlagzeuger zuteil werden, der sich von all den plötzlichen Tempo- und Taktwechseln nicht aus der Ruhe bringen lässt und so zumindest einen großen Anteil daran trägt, dass die Songs nicht aus dem überschaubaren Rahmen brechen. Jeder der (eigentlichen) elf Songs kann somit auch für sich alleine stehen, was "Mein Name ist Bedauern" nicht nur zu einem fordernden, sondern vor allem zu einem ordentlich abgehenden Hardcore-Album werden lässt.
Wer die Band allerdings seit ihrem Demo-Debüt "Lorelei" kennt und über die folgenden zwei EP's (mittlerweile sind alle drei als PWYW-Download auf Bandcamp zu finden) an ihr hängen geblieben ist, der weiß auch, dass sich das eigentlich Interessante an Start A Fire eher unter der Oberfläche abspielt. Noch immer finden sich in ihren Texten zahlreiche Literaturverweise und -zitate (u. A. Goethe, Mühsam, weshalb die LP vielleicht auch in den Onlineshops von Weltbild und Buecher.de gelandet ist??), die auf "Mein Name ist Bedauern" nun auch um eigene Gedichte ergänzt werden. Dass hier also kein stures Gebolze auf's Fließband abgelegt wird, dürfte somit klar sein. Das inbrünstige, manchmal sogar verzweifelte Geschreie bleibt jederzeit klar verständlich. Im langsamen Mittelteil des Songs "Die Geister, die ich rief", erinnert der rauhe Gesang gar etwas an Casper, während im vorlaufenden "Am Ende steht der Wasserwerfer" An Early Cascade-Sänger Maik Czymara mit seinem treibenden Metalcore-Geschreie für Abwechslung sorgt.
"Mein Name ist Bedauern" ist somit nicht das Hardcore-Album für Zwischendurch, auch wenn man es sicherlich dazu deklarieren könnte. Nur dann würden viele kleine Details spurlos am Hörer vorbeiziehen, was letztendlich dem von der Band ins Album gesteckte Herzblut nicht gerecht werden würde. Start A Fire haben ein aufregendes, erschütterndes als auch intelligentes Hardcore-Album geschaffen, was als solches auch Anerkennung finden sollte.

Neben der regulären schwarzen, gibt's exklusiv über Twisted Chords auch die auf hundert Stück limitierte tranparente 12"-Vinyl mit standardmäßigen Textblatt, Coversticker und DLC. Über Bandcamp bekommt ihr die CD-Version mit 16-seitigem Booklet inkl. Lyrics und zehn Gedichten.



+++Tumblr///Facebook///Bandcamp///Soundcloud///Myspace+++


Stream & Buy "Mein Name ist Bedauern"

Buy limited Clear Vinyl at Twisted Chords & regular Version at Flight13


Dienstag, Oktober 16

Start A Fire - deutsche Literatur in neuem Gewand



Oftmals hat man den Eindruck, dass die deutsche Sprache eher Laster als Segen für deutschsprachigen Hardcore bedeutet. Zu sperrig und kantig, und nicht selten den faden Beigeschmack der Schlachtrufmentalität angehaftet. Deshalb versuchen Start A Fire aus Stuttgart erst gar nicht das Eckige ins Runde zu quetschen. Das ist nicht die Kapitulation vor der deutschen Sprache, auch nicht der zwanghafte Versuch, mehr sein zu wollen, als man tatsächlich ist. Das ist die Clevernis, die einst Escapado zu einem der wertvollsten deutschen Hardcorevertretern heranwuchsen ließ und deren Vermächtnis im Sound heutiger Abe Kamui unter der Oberfläche weiterbrodelt. In diesem Gefilde mausern sich SAF weder als hässliches Entlein oder blasse Kopie, noch erheben sie den Anspruch, es als Krösus beackern zu können. Letzteres könnten sie vielleicht, denn ihre Vielseitigkeit lässt erahnen, dass da noch eine Menge Ideen im petto schlummern, wie die eingeschobenen ambienten Zwischenparts auf der "Mir fehlt der Schlaf...-EP" oder die in den Texten und Titeln eingebauten Literaturzitate Goethes, Mühsams und Leonhards seit der "Maybe This World...-EP". Ihre einzige kleine Unsicherheit offenbart sich ausgerechnet in ihren englischen Songs, wo die o. e. Schlachtrufmentalität dann doch ein Tick zu prollig und abgehackt wirkt, was vor allem auf der "Lorelei-EP" noch zu hören ist. Aber hey, die genießt als erstes Band-Demo sowieso noch Welpenschutz.

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