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Donnerstag, September 1

Der Bandcamp-Hardcore Vol.35


eaglehaslanded



Leider habe ich das russisch-serbische Trio eaglehaslanded ziemlich spät für mich entdeckt, nämlich erst mit ihrer letztjährigen Split-LP mit den kanadischen Emoviolencern foxmoulder. Doch zum Glück im Unglück, fällt ihre Diskografie noch recht überschaubar aus.
Über I.Corrupt.Records und Dingleberry Records u. A., erscheint mit ihrem fünften offiziellen Release nun gleichzeitig auch ihre zweite selbstbetitelte EP. Tja, das können eben nur diejenigen, die auch die notwendigen Eier dafür haben. Ohnehin sind eaglehaslanded eine Band, die lieber mit sämtlichen Erwartungshaltungen bricht, als diese bedingunglos zu erfüllen. Dafür steht allein der seit Bandgründung stetig rotierende Sound, der sich mal mehr im Screamo oder Emoviolence, im Crust oder Hardcore-Punk, im 8-bit oder plänkelnden Emo wiederfindet. So stimmt das eröffnende Intro ihrer neuen EP abermals mit nostalgischen Konsolensound ein. Doch bereits im folgenden "You Will Never Escape" ertönen die ersten sanften Trompetenklänge, beigesteuert on ČVRGE-Bläser Nikola Cvetkovic, die somit schonmal für die erste faustdicke Überraschung sorgen. Was für ein Kontrast, vor allem im Hinblick auf den restlichen Song, der mit treibenden Düster-Hardcore ansonsten keine Kompromisse kennt. Ein Konzept, das auch in "Нарикаче" wunderbar harmoniert, nur in anderer Reihenfolge. Das Markenzeichen der Band dabei ist, dass nichts dem Zufall überlassen wird oder im willkürlichem Klangexperiment ausartet. Der Song als solcher steht immer im Vordergrund, zieht sich melodiös auseinander oder wird zu einer dynamischen Masse zusammengezogen. Selbst Les deux minutes de la haine-Schreihals Laurent wird nicht länger eingespannt, als notwendig. Präzise, könnte man da fast meinen, allerdings auf einer ganz anderen, selten so erlebten Hardcore-Ebene.

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DL s/t 7" Here & Here

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Bain de Sang

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Im Hinblick auf die jüngsten Ereignisse in Frankreich ist es sicherlich kein überaus vertrauensvoller Name, um damit als neue Band auf Hörerfang zu gehen. Natürlich verbergen sich hinter Bain de Sang, übersetzt Blutbad oder Blutvergießen, erfahrene Musiker aus der Pariser Metal- und Hardcoreszene (u. A. COMITY, Aenima, Judoboy & BLOCKHEADS), die sich mittlerweile artgerecht anzukündigen wissen. Ihre Debüt-EP "We Are the Blood We Are the Fear" macht bereits in den ersten Sekunden unmissverständlich klar, dass der Bandname hier buchstäblich zum Programm gemacht wird und alles andere nur Flunkerei gewesen wäre. Neun Songs, die mit Ausnahme des sich mehr durch den Downtempo schleppenden "Hail to the Grief" allesamt ein wahres Blastbeat-Feuerwerk veranstalten. Ein irrsinniges Tempo, bei dem aber auch immer wieder erstaunlich viele und klare Metalriffs durchschimmern und das Ganze zumindest für das geschulte Powerviolence/Grindcore-Ohr nicht zum heillosen Durcheinander ausarten lässt.
Erschienen ist die einseitig bespielte und B-Seiten-besiebdruckte 12" über die beheimateten Labels Emergence Rec. und Up2Eleven Rec., sowie Dingleberry Records.


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Kvltyst

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Na so langsam tut sich mit der Münchener Black-Metal-Szene eine interessante Alternative zur Berliner (Ancst, AST, Sun Worship, ÄRA KRÂ,...) auf. Neben kleineren Acts wie Insect Court oder Sadistic Son, waren es in den letzten Jahren vor allem die fünf Mannen von Thränenkind, die antifaschistische Dunkelpriester und Schwarzmessenliebhaber für einen Besuch in der bayerischen Landeshauptstadt begeistern konnten. Von eben jenen Thränenkind finden sich einige Leute auch bei Kvltyst ein, was man der a-puristischen Herangehensweise an dem Black Metal durchaus anhören kann. Der eröffnende Titeltrack ihrer Debüt-EP "Zweifel" beginnt mit stürmischen Blastbeat-Attacken, aus dem Hintergrund schleicht behutsam eine bedrohlich-düstere Melodie nach vorne, ehe der Song fast schon Sludge-mäßig ausgebremmst und in seine noisigen Einzelteile zerlegt wird und schließlich von angeschrägtem Post-Rock in die Ferne entführt wird. Auch das zweite Stück "So dunkle Flammen" wirft seinen Anker mehr im Blackened Hardcore und Crust-Punk, genauso, wie auch im Closer "Kreis" der Black Metal nur eine Randnotiz bleibt. Kvltyst als einen eben solchen Genrevertreter anzukündigen, grenzt dabei eigentlich schon an Blasphemie. Egal, denn "Zweifel" bleibt trotzdem ihr tolles, düster-groovendes Debüt aus 2014. 1st-Press-Tape mit Patch bereits vergriffen, zweiter Nachschlag als rotes oder weißes Tape mit ohne Patch noch erhältlich. Zugreifen!

DL Zweifel EP

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AniA

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Leider wieder mal etwas zu spät... . Das 2011 gegründete Quartett gab Ende letzten Jahres infolge von interner Differenzen sein Aus bekannt (#gerdaforntv). Als musikalischer Nachlass bleibt uns ihre Debüt-EP "Schutt und Asche", die kurioser Weise oftmals zum "Promo-Tape" deklariert wurde. Natürlich vollkommener Quatsch, denn mit Promo- oder Demo-Mentalität haben die drei darauf befindlichen Songs herzlich wenig zu tun. Stattdessen nimmt uns die Band AniA mit auf eine mehr als halbstündige Reise durch die unendlichen Weiten des Doom- und Post-Metals. Und wer die Ausdauer besitzt, seine Songs bis jenseits der 10-Minuten-Grenze auszudehnen, dem können natürlich auch mal gelegentliche Post-Rock- und sogar Psychedelic-Nuancen entfleuchen. Tolles Debüt, das eigentlich einen Platz auf's pechschwarze Vinyl verdient gehabt hätte.

Mit Ronin scheinen sich zwei ehemalige AniA-Mitglieder weiterhin am Doom-Metal festzukrallen, wenngleich in Sludge-Motion.

DL Schutt und Asche

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Cuntroaches

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Im Ernst Leute, ich will euch jetzt wirklich nicht vergraulen, aber... . Die Musik des Berliner Trios Cuntroaches in Worte zu fassen, treibt mich tatsächlich an den Rand meines Vokabulars. Eine Art Harsh-Noise-Hardcore-Punk? Oder vielleicht ist ein Vergleich etwas greifbarer: Scumraid oder Melt Banana gefangen in einer Reverbschleife? Keine Ahnung. Hat jedenfalls einen durchdrehenden Charme, den ich eher in der Asia-Ecke vermuten würde.
Batalj- und Orchestra Hit-Schlagzeuger David Hantelius hat hier zwei freakige Riot Grrrls um sich versammelt, die getreu dem Motto >Erlaubt ist, was Punk ist< vor allem live eine Show sondergleichen abliefern. Wer also die Möglichkeit hat, kann sich ja auch mal etwas hart gönnen...

DL Demo

Buy Tape via Mail to: cntroaches@gmail.com


The Fall of Troy

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Mit dem fünften Studioalbum scheint es das amerikanische Trio The Fall of Troy tatsächlich gut mit uns zu meinen. Zum eigentlichen Album "OK#1" haben wir bereits HIER berichtet. Da ihr Quasi-Reunion-Album scheinbar einigen Fans aber zu sehr auf Pop poliert war, legte die Band kurzerhand eine "rauhere Version" nach, die als "OK#2" ebenfalls auf Vinyl erschien. Die Bedürfnisse des gemeinen TFOT-Fans waren damit aber noch längst nicht vollendst befriedigt und so erschienen jüngst schließlich noch die Instrumental-Versionen beider Alben. Das ist weniger ein übertriebener Ehrgeiz, als vielmehr eine logische Ergänzung. Im Stil einer waschechten Jam-Band entstehen die Songs zumeist durch die willkürliche Interaktion der drei Instrumentalisten, ehe sie zusammen mit den Lyrics in eine halbwegs passende Form gepresst werden. "OK#3.1" und "OK#3.2" entpuppen sich daher als die eigentliche Intention der beteiligten Musiker, die vor allem im Bezug auf einen Song wie das im Refrain ordentlich schmachtende "Inside Out" eine vollkommen neue Facette erhalten.
Alle vier Albumversionen sind nach wie vor auf der Bandpage als kostenloser Download erhältlich.

DL OK#3.1 Instrumentals
DL OK#3.2 Instrumentals

Stream & Buy Digitally "OK#3.1" & "OK#3.2"

Buy LP's Here, Here, Here & Here


Weak Ties

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Die Powerviolence-Geschichte haben bereits andere geschrieben, nun gilt es, die Flagge möglichst weit oben zu halten. Weak Ties spielen sich nicht nur aufgrund ihrer giftenden Frontröhre Laura in die rasenden Fanherzen von Kombos wie Svffer oder Punch. Ihr selbstbetitelter Debüt-Shortplayer, der als Tape über Colossus Tapes und Knochentapes erscheint, ist ein wütender Krachblizzard, der sich in den längeren Songs (>1 min.) auch gerne mal den klaren Strukturen des Hardcore-Punks öffnet oder zum Fastcore überläuft. Das bewegt sich dann natürlich alles innerhalb des Altbewährten und -kannten, klingt dennoch nach einem frischen Abriss und souverän, was angesichts des Backkataloges der Mitglieder (u. A. UNRU, Abest und sømerset) und Rouven Bienert's Rohschliff (AJZ Bielefeld) keine allzu große Überraschung sein dürfte.

DL Weak Ties

Buy Here, Here & Here



Ausgegraben


Todd Anderson

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Todd Anderson waren in den 00ern vielleicht eine der wenigen Bands, die sich neben Escapado auf dem Radar der hiesigen Post-Hardcore/Hardcore-Punk-Szene bewegten und darüber hinaus sicher so mancher/manchen eine erschreckend große Vielfalt im deutschen Untergrund offenbarte. Und auch, wenn sich die ehemalige Marburger Band, benannt nach einer Figur aus "Club der toten Dichter", stets im Schatten ihrer Flensburger Kollegen bewegte, erwies sich ihr Sound als wesentlich unberechenbarer und experimentierfreudiger. Egal ob metallastige Riffs oder ruhige Momente, Schreigesang oder Rap-Ansätze, in Todd Anderson's Songs waren der musikalischen Freiheit keine Grenzen gesetzt. Wie dem auch sei. Über dem Band-Demo und ihren zwei Alben wurde sich in der Vergangenheit bereits ausführlich ausgelassen. Wer die Band bislang verpasst oder schon wieder aus seiner Erinnerung verdrängt hat, hat nun die Möglichkeit, das Demo und das Debüt-Album "Wenn die Botenstoffe streiken" kostenlos über Bandcamp zu saugen. Und wenn ihr schonmal dabei seit, lohnt es sich vielleicht auch noch gleich den Backkatalog der Band zu durchstöbern, z. B. die Seiten Kafkas, Request oder A Case of Grenada.

DL Wenn die Botenstoffe streiken LP
DL Kampfschwimmer Demo

Buy Here & Here


Request

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Naja, zumindest die hier will ich euch dann doch noch mal schnell ans Herz legen. Request aus Gießen, von denen ja zwei Mitglieder später zu Todd Anderson überliefen, sind seit Mitte der 90er aktiv und veröffentlichten im Jahr 2013 nach über einem Jahrzehnt Pause und einer Besetzungserneuerung ihre EP "Megalith", deren tolles Sci-Fi-B-Movie-Cover (+ 12"-Vinyl mit tollem B-Seiten-Etching) schonmal recht gut auf den old-schooligen, metallischen Hardcore-Sound (kein Metalcore!!) einstimmt. Oftmals fällt der Bandname in einem Atemzug mit den Northcore-Helden Loxiran, was in puncto Rawness, Härte und Kompromisslosigkeit sicherlich auch nicht allzu weit daher geholt ist. Eine bedingungslose Liebeserklärung lässt sich damit allein allerdings nicht bekunden.

DL Megalith EP
DL s/t EP
DL Von Innen nach Außen EP

Buy Here, Here, Here, Here & Here



In der Kürze liegt die Würze


Hexzlahr

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Die fünf Offenbacher Jungs von Hexzlahr könnten sich privat sicherlich auch gut mit den Shitlers artikulieren, musikalisch schlägt ihr Thug Life Violence dann aber doch einen zu großen Bogen um den Bochumer Gangsta-Punk.
Bis auf die beiden Sampler-Songs "Welt am Draht" (The Death of a Modernist - Songs for the Dead Vol.4) und "Nachtmahr" (Miss the Stars - Screamo Sampler III), ist leider noch nicht allzu viel Hörbares auf Bandcamp & Co. hängengeblieben. Diese laden aber immerhin zu einem impulsanten und heißen Tanz zwischen plänkelnden 90ties-Skramz und heftigen Screamoviolence ein. Interessante Variante des Laut-Leise-Spiels.

Neu im Angebot ist auch Low Life Violence von CurtXKobain. Schon probiert?

DL Sampler Tracks


Stahlbad

Bandpage\\//Youtube
"Igitt, ne." & "absoluter Scheißdreck". Bei ihren Münchener Black Metal-Kollegen Kvltyst und Sadisticon Son haben die Powerflatulenzer, äh Flowerviolencer Stahlbad schonmal einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch wenn sich ihr Demo-Debüt noch in schmeichelhafter Soundästhetik räkelt, lässt sich zumindest schonmal erahnen, wohin ihr Verstärker-Kochtopf-Experiment führen soll. Großartige Kunst!



Samstag, Mai 7

The Fall of Troy - OK LP (Free Download)



Band: The Fall of Troy

Titel/Release: OK/Album (1000x Transculent Gold (1st Press) & 1000x White w/ Gold Splatter Vinyl (2nd Press); Digital)

Label: Big Scary Monsters/DIY

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Post-Hardcore, Progressive, Mathcore

FFO: The Mars Volta, The Blood Brothers, Hella, The Dillinger Escape Plan

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Twitter\\//Youtube\\//Myspace\\//Last.fm


Kurzinfo:

Wir hatten es ja schon kurz angesprochen: The Fall of Troy sind zurück! Ein Countdown auf ihrer Bandpage kündigte bereits Wochen zuvor das neue und zeitgleich fünfte Studioalbum der Band aus Mukilteo an. Das ist heutzutage nunmal so In, ergibt in diesem Fall aber durchaus Sinn, denn so hatte jeder ausreichend Zeit, sich darauf vorzubereiten. Als der Countdown, nicht ganz pünktlich, schließlich abgelaufen war, hieß es also schnell sein, um noch eine der auf tausend Stück limitierten Gold-Vinyls abgreifen zu können. Ein paar Stunden später war das Bandkontingent vollkommen ausgeplündert - und ich will gar nicht erst wissen, wieviele Abzocker gleich mal wieder zwei Stück oder mehr bestellt haben, um sie postwendend wieder für das Vierfache feilzubieten.
Egal. Was blieb, überraschte dennoch, denn The Fall of Troy bieten ihr neues Album "OK" außerdem zum kostenlosen Download an, nebst Spenden-Option versteht sich. Ein Geschenk an die treue Hörerschaft, die trotz aller Bandeskapaden und Trennungspause noch immer an ihr festhalten. Klar, Wilco hatten diese Idee schon zuvor, die Foo Fighters auch und Radiohead erst recht. Aber ein Gratis-Reunion-Album? Chapeau, Monsieur Erak, Forsman & Ward, das war so nicht zu erwarten.
Nach Angaben der Band soll "OK" Hoffnung transportieren. Und so kurios es auch klingen mag, unerklärlicher Weise strahlt der überwiegende Teil der zehn Songs genau das aus. Das Erak & Co. eine Pause eingelegt haben und währenddessen wahrscheinlich durch einige Selbstfindungstrips zu wichtigen Erkenntnissen gelangt sind, hört man den wohl dosierten und (extrem) strukturierten Songs irgendwie an. "OK" ist daher in der exakten Schnittmenge zwischen dem progressiven Wahnsinn von "Doppelgänger" und dem mit reichlich Pop-Appeal aufgeweichten "Manipulator" anzusiedeln. Ohne viel Eingewöhnungszeit giftet die Vorab-Single "401k" gleich zu Beginn aus tiefster Kehle, während darunter feucht-fröhliche Gitarren gniedeln, die sich zum Ende hin fast schon psychedelisch ineinander verknoten. Im folgenden "Inside Out" trifft Puciato'sche Geisteskrankheit auf einen schmachtenden Pop-Refrain und "Savior" outet sich auf seiner Weise als Michael Jackson-Gedächtnis-Hymne (#Mcmichael_McJackson??). Soweit, so eindrucksvoll haben sich The Fall of Troy zurück gemeldet. Was folgt, ist allerdings eine allzu sehr routinierte Durststrecke über vier Songs, die im progressiven Bandkosmos gesehen vielleicht etwas belanglos und uninspiriert vor sich hin plätschern. Versteht mich nicht falsch, das ist Jammern auf hohem Niveau. Denn was The Fall of Troy in diesen Songs an technischer Versiertheit und Fingerfertigkeit abliefern, dürfte trotz alledem so manchen Genrevertreter blass aussehen lassen. Mit anderen Worten: die Mittelklassigkeit der Band im Hinblick auf ihr gesamtes Schaffen, spielt sich immer noch im elitären Prog-Bereich ab.
"OK" kann somit sicherlich nicht mit den vorangegangenen drei Alben mithalten. Es zeigt aber eine Band, die wieder zueinander gefunden hat. Die besser mit, als ohne einander kann.



Freitag, April 29

Video Kills the Radio Star Vol.1

The Fall of Troy


Da hatten uns die drei Jungs aus Mukilteo, Washington einen ganz schön großen Schrecken eingejagt, als sie 2010, kurz nach der Veröffentlichung ihres bis dato letzten Albums "In the Unlikely Event", unerwartet ihr Aus bekanntgaben. Und noch lange Zeit danach, sah es tatsächlich danach aus, als würden sie es ernst damit meinen. Vaporwaver und Electro-Punk Tim Ward (Bass) war ohnehin schon frühzeitig von Bord gegangen und probierte sich allein oder zu zweit mit Messed Up Coyote und den Trash Kids aus; Drummer Andrew Forsman begab sich mit seinen The Monday Mornings im Indie-Pop auf die Suche nach Erleuchtung; einzig Schreihals und Gitarrist Thomas Erak konnte mit seiner neuen Band Just Like Vinyl und seinem Gastspiel bei Chiodos nicht die Finger vom progressiven Hardcore lassen.
Nicht ganz zufällig liefen sich die drei immer mal wieder bei ihren neuen Projekten über den Weg, bis sie sich im Jahr 2014 wieder häufiger zusammen im heimischen Proberaum trafen und fortan ausverkaufte Konzerte in ganz Amerika absolvierten. Und nicht nur zuletzt der Countdown auf ihrer Homepage, sondern auch der erste Vorbote "401k" zu ihrem neuen Album zeigen, dass sich nach fast sieben Jahren an der Grundeinstellung von The Fall of Troy noch immer nichts gerändert hat.



Brutale Gruppe 5000


Hamburg's heftigste Laserpunx Brutale Gruppe 5000 haben bereits vor den Single-Auskopplungen "Verrückte Viecher aus dem Weltall greifen an" und "Ich will keine Blume sein (Verdammt!)" ihr Debüt-Hit-Album "Zukunftsmaschine II" angekündigt, worauf das Millionenpublikum bislang leider immer noch warten muss. Da kann uns die Band aus dem Uga-Uga-Umfeld noch so sehr mit dem Stajner Youth-Samplerbeitrag "Dinosaurs Will Die" und ihrem Sensationshit "Fabian" hinhalten, für dessen offiziellen und professionellen MTV-Clip die vier keine Kosten und Mühen gescheut haben und sich in einer Telefonzelle einquartierten (vorbildlich mit dem schriftlichen Einverständnis der Telekom, nehme ich mal an) - es ändert nichts daran, dass ihr endlich mal aus dem Knick kommen sollt, OK?!



fljora


Da tut sich was in letzter Zeit auf dem Frankfurter/Bremer Label mum says; be pollite rec.. Nachdem bereits zuvor zwei Manku Kapak-EP's post mortem veröffentlicht wurden, könnten sich schon bald zwei neue Bands auf dem Label outen. Bei beiden hat wohl Tausendsassa und Pianist Hauke Henkel seine Finger im Spiel. Zum einen wäre da das ungoogelbare Post-Rock-Quartett 勢い, das sein Debüt allerdings auf der eigenen Bandpage vertreibt (HIER), und zum anderen eben fljora, die anfang des Jahres den Song "wenn es doch so einfach wäre..." als Vorboten ihrer Debüt-EP ins rennen schickten. Das Frankfurter/Bremer Duo scheint kein gutes Haar an der gegenwärtigen global-gesellschaftlichen Situation zu lassen und fordert nichts geringeres als Rebellion. Und die soll schließlich keinen Spaß machen, sondern wehtun. Was bietet sich dafür also besseres an, als düster-aggressiver, zweischreiiger Post-Hardcore-Punk mit monoton-morbider Pianountermalung?!



Kvelertak



Das die norwegischen Metal-Punk'n'Roller Kvelertak im Mai diesen Jahres ihr drittes Studioalbum veröffentlichen, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Den Anheizer für "Nattesferd" mimt der Song "1985", ein vergleichsweise ziemlich harmloses Stück Retro-Hardrock zwischen Motörhead und Queen. Um ehrlich zu sein, für mich kein Anreiz, fast 34,- EUR für das Pre-Order-Vinyl auszugeben. Allerdings wird die Band auch ganz gut ohne mich auskommen, schließlich spielen Kvelertak mittlerweile in ihrer eigenen Liga.



John Congleton & The Nighty Nite


Ich weiß nicht, ob es noch Sinn macht, auf ein The pAper chAse-Comeback und somit auf eine Fortsetzung von "Someday This Could All Be Yours Vol.1" zu hoffen. Muss mensch vielleicht auch gar nicht, denn glücklicher Weise ist TPP-Mastermind und Produzent John Congleton in der Zwischenzeit nicht ganz untätig gewesen und veröffentlichte jüngst das zweite Werk seiner alten Liebe The Nighty Nite. Die darauf enthaltenen zehn Songs erscheinen im ersten Moment zwar weniger krachig, stehen aber dennoch an der Seite von TPP auf Kriegsfuß mit dem Mainstream und sühlen sich in einer ausgelassenen Morbidität. "Until the Horror Goes" kann HIER, HIER, HIER oder HIER bestellt werden.

Jahres-Sampler