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Donnerstag, Mai 2

Mandrax Queen - Homeboy



Kurzinfo:

Es hatte sich bereits auf der letzten EP "Californian Hunger" angekündigt, mit ihrer ersten LP "Homeboy" ist es nun amtlich: Mandrax Queen haben sich endgültig in den 80ern festgefahren. Der einstige Stoner-Groove ihrer anfänglichen EP's weicht auf Albumlänge fast vollständig einem retrospektiven Wave-Anstrich, der zwar in Richtung einer anderen Zielgruppe schielt aber keineswegs untanzbarer ausfällt. Im Gegenteil. So ziemlich jeder der zehn Songs klingt nach abzappelnder Schlaghose unter der leuchtend-reflektierenden Discokugel im schillerndem Großstadtleben. Vielleicht nannte man das damals ja Glam- oder schlichtweg Pop-Rock, Golden Earring- oder Bon Jovi-Veteranen können da besser differenzieren. Ich für meinen Teil ringe mehr mit nostalgischen Soundtracks von beispielsweise den Tryanglz, Bowie und ganz besonders Gerard McMann, der ja diesen Kultsong zum Kult-Vampirfilm beisteuerte. Dabei outet sich das Bamberger Trio vor allem als Referenzwerk für die aufschäumenden, britischen The-Bands dieser Generation. Das teilt sich dann gleichermaßen in die Kategorien Alterantive, Indie-Rock und New Wave auf, deren Grenzen zu dieser Zeit ohnehin sehr schwammig formuliert wurden.
Es fällt mir schwer, für "Homeboy" irgendwelche Höhepunkte zu benennen, da das Album vor allem durch seine insgesamt unbeschwerte Vintage-Stimmung besticht. Mir persönlich geht die Prolo-Fahrt im rosa Cadillac in "All Together Now" recht gut ins Ohr oder auch das energischere "All Our Trials". Und natürlich der Hard-Rock-Ausreißer "39 Steps" sowie der theatralische Abgang in "Gone Ain't Wasted", der vielleicht mehr als jeder andere Song auf dem Album noch etwas Wüstenstaub einatmet. Und wer sich der Eingängigkeit doch etwas loseisen möchte, darf gerne einen Ritt auf der Surf-Rock-Welle in "Avril" wagen oder verliert sich in der LoFi-Ballade im Home-Recording-Gewand "Way Out".

FB-Link

Band: Mandrax Queen

Titel/Release: Homeboy/Album (500x Vinyl inkl. CD; CD; Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Alternative, Indie, Wave

FFO: Mansun, The Cure, The Smiths

Links: Bandpage\\//Bandcamp\\//Facebook\\//Youtube





Buy Ticket for Release Show + LP/CD Bundle (10.05.19 in Bamberg)




Samstag, März 9

Yellnikow - Am tiefsten Punkt der Erde EP



Kurzinfo:

So recht kann ich es immer noch nicht ganz nachvollziehen, warum wir als simpler Blog mehr als doppelt so viele Follower auf Facebook haben, als die Band Yellnikow. Während wir unsere Finger in die Tastatur hauen und damit lediglich die Polsterung unserer Gesäße fördern, besetzt das nordrhein-westfälische Quintett nun schon über sechs Jahre hinweg eine schier undefinierbare, musikalische Nische. Auch ihr drittes Release "Am tiefsten Punkt der Erde" weckt wieder viele nostalgische Reminiszenzen an vergangene Indie-, Emo- und Screamo-Größen, die jedoch abermals auf eine dermaßen eigenwillige Art verschwurbelt werden, dass sie jeglichen Direktvergleich scheuen.
Yellnikow sind Geschichtenerzähler, die ihre triste Poesie mit düster-melancholischen Tönen ummanteln. Wer sich darauf nicht einlassen kann, wird ihre Musik auch nur schwer greifen können. Die fünf Songs treiben sphärisch und subtil durch einen dichten Nebel aus sanften Melodien, die in ihren minimalistischen Momenten fast komplett zum Erliegen kommen, sich an anderer Stelle wiederum zu tosenden Orkanen aufbäumen können. Der Opener "Tiefster Punkt der Erde" oder auch der Closer "Session IV" erinnern mich mit ihrer hauchzarten Fragilität unweigerlich an Rue Des Cascades' kammerspielartiges Glanzwerk "Odes To Love, Flames To Paris", nur, dass Yellnikow ihre episch-mäandernden Songs in einem überschaubareren Rahmen halten. Ausgesetzt in der Dunkelheit, geblendet vom grellen, kreisrunden Scheinwerferkegel. Von allen Seiten der schier unendlichen, allgegenwärtigen Finsternis sauselt, flüstert, kreucht und fleucht die unerträgliche Ungewissheit. Den Lichtkegel zu verlassen kostet zuviel Überwindung, doch Stehenbleiben scheint auch keine wirkliche Option zu sein. Bis mittendrin und unerwartet das Paperbite-Rap-Feature "Schlaflied" die morbide Grundstimmung zumindest für einen kurzen Moment aufreißt und den verunsicherten Protagonisten erstmals mit einer klaren Struktur an die Hand nimmt. Und so hoffnungsvoll die elektronischen Teilchen im folgenden "Session IV" auch den vermeintlichen Weg aus der Dunkelheit weisen, so sicher ist man sich am Ende von "Der tiefste Punkt der Erde", dass alles nur traurige Illusion ist.


Band: Yellnikow

Titel/Release: Am tiefsten Punkt der Erde/EP (Digital; DIY-CD's in Planung)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Alternative, Emo, Indie, Post-Hardcore, Post-Rock

FFO: Fljora, Alkali Lake, The Scarabeusdream

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube I\\//Youtube II\\//Soundcloud




DL "Der tiefste Punkt der Erde"


Sonntag, März 3

magret. - Schiessen-Session



Kurzinfo:

Live hatten sich magret. in den letzten Monaten eher rar gemacht, dafür verbrachten die vier Trierer scheinbar mehr Zeit im Studio. Die digitale Tinte zu ihrer dritten EP "Surfen" war noch nicht ganz getrocknet, da veröffentlichte die Band mit "Driften" auch schon den zweiten Teil ihrer angekündigten Doppel-EP und keine drei Monate später gleich noch EP #4 hinterher.
Angesichts ihrer letzten Meldung, dem Aus der Gruppe nach sieben gemeinsamen Jahren, wohl eher ein letztes Aufbäumen und die finale, selbstgegebene Freiheit nochmal am eigenen Sound herum zu experimentieren. Auch die "Schiessen-Session" fällt weitestgehend unter dem eigenen Etikett "Rotzpop", denn im aufgewühlten Gesang schwingt immer noch genügend Unverständnis, Klage und Wut mit. Dennoch sind magret.'s (vorerst) letzten fünf Songs wesentlich eingängiger und vor allem melancholischer ausgefallen. "Sleepover", "Caput" und der tolle Closer "Sören" sind zeitlose Ohrwürmer in der Schnittmenge zwischen Indie(pop) und Indie-Punk, wie er um die Jahrtausendwende Hierzulande groß geworden ist und mittlerweile in den Kultstatus gehoben wurde. Nicht zuletzt deshalb finde ich es extrem schade, dass die Band während ihrer sieben-jährigen Schaffensphase nicht die Aufmerksamkeit erhielt, die sie verdient gehabt hätte und kein einziges Label-Release aufweisen kann. Zumal magret. mit den dumpfen Keyboardeinlagen und dem düster-bissigen, fast schon Cold-wavigen "Sichtbar" auf "Schiessen-Session" zu guter Letzt nochmal ihre Wandelbarkeit unterstreichen und ihrem Sound einen vollkommen anderen Anstrich verpassen.
Bye bye, liebe magret.s. Ich werde euch vermissen.


Band: magret.

Titel/Release: Schiessen-Session/EP (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Indie, Indie-Punk, Wave

FFO: Kazimir, 2nd Skin, Messer

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube




DL "Schiessen-Session"


Montag, Februar 25

Platte des Monats 02/2019: Whole - Bias



Kurzinfo:

Musikalisch spielt sich heutzutage Vieles auf digitaler Ebene ab. Klar, die Sound-technischen Möglichkeiten sind schier unbegrenzt, während sich der logistische Aufwand dazu in einem überschaubaren Rahmen bewegt. Eine Band jedoch live zu erleben, entfaltet dann aber doch nochmal eine ganz andere Intensität - oder führt im schlimmsten Fall zu einem bösen Erwachen. 
Das ist sicher nicht die Weisheit des Tages, im Falle von Whole aber schon etwas Besonderes. Hat sich Eigentüftler Alex Donut in den letzten Jahren überwiegend im heimischen Studio eingenistet und über das eigene Label in regelmäßigen Abständen seine Solo-Projekte (u. A. Feverdreamt, Fir Cone Children, Vlimmer) veröffentlicht, tourt die andere Whole-Hälfte Thomas Schernikau seit 2011 mit der Depeche-Mode-Tribute-Band Forced To Mode äußerst erfolgreich durchs Land und spielt vor ausverkauften Häusern. 
Seit ihrer gemeinsamen Tour in 2009 - mit ihren damaligen Bands Leonard Las Vegas und der FTM-Quasi-Vorband Forced Movement - , verbindet die beiden Musiker eine Freundschaft, die im letzten Jahr schließlich zum erneuten musikalischen Zusammenschluss führen sollte. Nur diesmal eben als gemeinschaftliche Band, die sich entgegen ihrer anfänglichen Intention nicht scheut, ihre Virtuosität auch auf der Bühne auszuleben. Und mit dem Begriff Virtuosität stehen wir auch schon im Mittelpunkt von Whole's Debüt-Album "Bias". Die beiden (Rand-)Berliner haben es in Rekordzeit geschafft, ihre unterschiedlichen Einflüsse und Vorlieben perfekt miteinander zu verflechten. So schwebt nicht nur über den morbiden "Lust/Terror" und "Tides Made By Our Hands" die schwarze Seele von Depeche Mode, während sich ein Song wie "What Scares You" in einer ähnlichen Weise psychotisch verstrickt, wie es auf den letzten beiden Leonard Las Vegas-Releases nicht selten der Fall war. Diese allgegenwärtige, düstere Abgründigkeit saugen Whole aber nicht nur aus ihrer eigenen Inspiration. Reminiszenzen an Bowie-esken Avantgardismus bis hin zu Reznor-ische Destruktivität, aber auch schwelgerische Passagen á la Radiohead, ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album. "Berghain" nimmt den Hörer mit einer eingängigen Melodie an die Hand und entführt ihn fast schon verführerisch in immer trügerischere Sphären, nur, um ihn einen Song später inmitten einer fast schon versöhnlichen Düsterballade abzusetzen.
Whole öffnen mit "Bias" das Tor zu einer neuen Dimension des Synthpop. Ein Album zwischen Licht und Schatten, gespickt mit vielen versteckten Details, voll fragiler Poesie, betörend und verstörend zugleich.


Band: Whole

Titel/Release: Bias/Album (15x Tape, Digipak-CD, Digital)

Label: Blackjack Illuminist

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Synthpop, Indie, Electronic, New Wave, Gothic

FFO: David Bowie, Radiohead, Depeche Mode

Links: Facebook




Stream & Buy "Bias"


Freitag, Februar 22

Wiederhören: Stompin' Souls - ...And It's Looking A Lot Like Nothing At All



Es liegt sicher auch an der zeitgenössischen Überflutung gleichartiger Bands, dass einige tolle Genre-Vertreter schlichtweg in die Belanglosigkeit versunken sind. Was wurden meiner Zeit Mando Diao oder The Hives in den Indie-Discos und Radiostationen durch die Boxen gejagt und somit regelrecht totgenudelt. Doch warum, verdammt nochmal, habe ich da nie einen Song wie "Into The Firing Line" oder "Nothing Is Holy Now" von den Stompin' Souls gehört?! Ganz im Ernst: manchmal frage ich mich, ob mein Musikgeschmack wirklich so verkorkst ist. Wahrscheinlich würde ich als DJ auch immer bloß vor einer handvoll Anstandsgästen wie meinen Eltern auflegen. Ja, du kannst alles schaffen, wenn du nur daran glaubst. Ich glaube jedenfalls, dass Stompin' Souls mit ihrem Album "...And It's Looking A Lot Like Nothing At All" ein klasse Debüt abgeliefert haben, das sich hinter den vermeintlichen Größen keineswegs zu verstecken braucht. Energie-geladener Schweden-Pop trifft auf rotzigen Garage und vereint sich zu höchst infektiösen Moshpit-Gedränge. Und mit "Put Me On, Bring Me Out" hatten die fünf Schweden, von denen einige vorher bei der Ska-Kombo The Funpark Five mitmischten und andere mittlerweile Game-Soundtracks komponieren, sogar einen echten Hit hierzulande. Für mich eher einer der schlechteren Songs des Albums, wo wir aber wahrscheinlich wieder bei meinem verkorksten Musikgeschmack gelandet wären.
Ob es nun an der banal-beiläufigen Orgel liegt, dem mangelnden Durchhaltevermögen der Band (Album #3 wurde 2012 angekündigt aber nie veröffentlicht) oder doch an der starken Konkurrenz - Stompin' Souls hatten leider nie die Aufmerksamkeit erhalten, die sie meiner Meinung nach mit diesem Album verdient gehabt hätten.


Dienstag, Februar 19

Strommasten - Allerzweite Sahne



Kurzinfo:

Einige werden mir jetzt sicherlich zusammengewachsene Augenbrauen wünschen, aber auch nach neun Jahren kann ich noch immer nichts mit dem Proleten-Punk von Kraftklub anfangen. Zum Glück sind Strommasten eben nur "Allerzweite Sahne" und fliegen noch weitestgehend unter dem Radar. Dabei haben die elf Stücke ihres Debüt-Albums durchweg das Zeug in sämtlichen Mainstream-Radio-Playlisten zu rotieren. Ungeniert und unbekümmert dessen, dass die vier Dortmunder mehr darauf bedacht sind, Klischees zu bedienen als neue Akzente zu setzen, bewegen sich die Stücke straight durch fröhlich hüpfenden Indie-Pop mit vielen elektronischen Plucker-Elementen und dezentem Silberblick Richtung überdrehte und knallbunte NDW. So schwebt nicht nur über das selbstgefällige "Gleich vorne an" der Geist von Falco. Ansonsten könnten sich Strommasten auch unbemerkt unter die Riege der Anfang 2000 sprießenden deutschen Indie-Pop/Rock-Szene mischen, in der einprägsame wie simple Melodien und pathetische Lyrics eben noch gebührend abgefeiert wurden in den Dorfdiskotheken. Würde mich doch stark wundern, wenn das 2019 anders sein sollte...


Band: Strommasten

Titel/Release: Allerzweite Sahne/Album (200x Digipak-CD; Digital)

Label: DIY (Boketto Records)/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Indie, Indie-Pop

FFO: Samba, Virginia Jetzt!, Die Sterne

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube




Stream & Buy "Allerzweite Sahne"



Sonntag, Februar 10

Maffai - Maffai EP



Kurzinfo:

Spätestens mit dem Millenium wurde auch ein neues Kapitel im deutschen Post-Punk-Sektor aufgeschlagen. Fast zwanzig Jahre später, liegt es also an Bands wie Maffai, die Geschichte immer weiter fortzuschreiben. Und dass die drei Nürnberger und der Würzburger nicht nur gute Autoren, sondern vor allem auch großartige Musiker sind, beweisen sie eindrucksvoll mit ihrer selbstveröffentlichten und -betitelten Debüt-EP. 
Das Konzept dahinter ist nicht neu, allerdings auch wesentlich mehr als ein bloßer Abklatsch. Das liegt vor allem am homogenen Zusammenspiel zwischen modernen Pop- und altehrwürdigen Wave-Elementen, aber auch am aufgewühlten Gesang, der unter der seichten Oberfläche aus Indie-Rock und Post-Punk gewaltig brodelt und stets auszubrechen droht. In diesem Sinne könnte man fast meinen, dass das Quartett auf "Maffai" sein Faible für Kontraste auslebt, auch, wenn es eben nicht zwangsläufig danach klingen muss. Die vier Songs huschen eingängig ins Ohr und verschrecken sicherlich nur eine kleine Gruppe streng-puristischer Mainstream-Hörer.
Im Prinzip liefern Maffai genau das ab, was die Mitglieder bereits in ihren Vorprojekten immer wieder offenbarten: Jan Kretschmer (Panda People), Mike Illig (Cannahann), Simon Züchner (Godzilla Was A Friend Of Mine) und Daniel Schmitt (Paulinchen Brennt, Tending To Huey, Cannahann, 52 Hertz) überzeugen mit aufpolierter Sperrigkeit.


Band: Maffai

Titel/Release: Maffai/EP (300x Black 7inch; Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Indie, Post-Punk

FFO: Kazimir, Turbostaat, Edgar R.

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Stream & Buy "Maffai"


Samstag, Oktober 27

Heart Circle Part III - Sampler



Kurzinfo:

Einen Sampler zu gestalten ist mit einem enormen Aufwand verbunden, zumindest wenn man das Ganze halbwegs legal aufziehen möchte. Das liegt weniger an die Bereitschaft der jeweiligen Bands und Künstler, als vielmehr an den etwaigen Label-Ansprüchen und mafiösen Machenschaften der GEMA. Da schreiben wir aus eigener Erfahrung. Hat man diese Hürde erst geschafft, gilt es auch noch, die Songs in einer halbwegs homogenen und schlüssigen Reihenfolge zu setzen...
Die Facebook-Gruppe The 90s Screamo/HC/Emo/Indie-Rock Friends war mir bislang zwar ein Begriff, nur hatte ich mich weniger mit deren Inhalt auseinandergesetzt. Umso bitterer ist der Nachgeschmack, denn die Erlöse der Sampler-Reihe "Heart Circle" kamen dem an Herzinsuffizienz erkrankten Admin, Blogger, Outspoken Forum- und Pretty-In-Noise-Rezensenten Marc Köhler zu Gute, der seine letzten Gedanken und Wünsche auf dem Blog "Herzgeschichten" festhielt. Marc hat schlussendlich den Kampf gegen die Krankheit verloren. Und auch, wenn die Tränen der Trauer seiner Mitmenschen noch nicht vollkommen getrocknet sind, können sie inzwischen vielleicht auch mit einem Lächeln zurückblicken - oder eben nach vorne.
Kürzlich veröffentlichte die Gruppe den 84-Song (!!!) umfassenden Sampler "Heart Circle Part III", deren Spenden-Erlös ganz im Geiste des Verstorbenen zu 100% den gemeinnützigen Organisationen "Safe Gigs For Women" und "Agisra" zukommt. Eine große Geste, die sicherlich mit viel Kraft verbunden war und deren Resultat sich durchaus hören lassen kann. Neben zahlreichen mehr oder weniger bekannten, unabhängigen und internationalen Bands, hat sich abermals das Label Midsummer Records als äußerst "spendabel" erwiesen, das mit einigen Sprösslingen am häufigsten vertreten ist. Ansonsten gilt es hier eine Vielzahl an talentierten Gruppen oben genannter Genres zu entdecken. 
Meine Tipps: Boneflower, Ashes Of Pompeii, CATCATCAT, Cortarmao, Erai, Finte, Rivers & Tides, Varan - und natürlich alle anderen auch.


Band: V.A.

Titel/Release: Heart Circle Part III/Sampler (Digital)

Label: D.I.Y/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Emocore, Emo, Alternative, Screamo, Post-Hardcore, Punk

FFO: siehe Genre

Links: Facebook

 



DL "Heart Circle Part III"


Montag, Oktober 15

Leonard Las Vegas - Jagmoor Appendix



Kurzinfo:

Hier sind sie also, die fehlenden sechs Songs zum vorangegangenen "Jagmoor Cynewulf", die die Buch-Album-Kombination nun auch musikalisch zum Abschluss bringen.
Vertraut und Achterbahn-artig eintrudelnd mit "Birth & Death", das hier als Original-Version vom Album-Song seinen Platz findet und als wohl einer der aufregensten Songs aus Leonard Las Vegas' langer Diskografie-Liste benannt werden kann, taucht der desillusionierte Protagonist im folgenden "The Best" wieder in schwelgerische Trübheit ab. Doch wie schon beim Album, transportiert auch die EP viel akustische Wärme und Licht, die die innere Zerrissenheit des tragischen Helden und dem damit einhergehenden schizophrenem Konzept mit viel experimentellen Pop umschmeicheln. So springen die Songs zwischen bittersüßen, verträumten und dynamisch galoppierenden Melodien hin und her, münden auch mal in den einen oder anderen Freak-Out und verschmelzen so zum spannendem wie unberechenbarem Finale.

Nach der finanziellen Vinyl-Release-Misere des Albums, erscheint "Jagmoor Appendix" wieder standesgemäß dem Königs-Wusterhausener Labels Blackjack Illuminist als limitiertes Tape und liebervoll gestalteter Digipak-CD.


Band: Leonard Las Vegas

Titel/Release: Jagmoor Appendix/EP (CD; 10x Tape; Digital)

Label: Blackjack Illuminist

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Alternative, Dream-Pop, Indie, Shoegaze, Noise

FFO: The Cure, My Bloody Valentine, The Rational Academy, David Bowie

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Stream & Buy "Jagmoor Appendix"


Donnerstag, September 27

Mystery Art Orchestra - Prismatic Dream



Kurzinfo:

Neues Bandprojekt um Musiker und Produzent André Wlodarski (robojim, Nothing Toulouse), das auch die beiden verloren gegangenen Freunde Tino Bogedaly (Nikaya) und Bastian Müller wiedervereint, die sich zuvor bei Konzentrat von drei Seiten kennenlernten.
Für sein Debüt-Album "Prismatic Dream" verweilte das Trio in Berlin, um Inspirationen aus der dortigen musikalischen Szene aufzusaugen. Was letztendlich aber in Form von elf Songs im CD-Player rotiert, klingt vielmehr nach Wave-schwangerem Post-Punk, wie ihn in den 80ern viele britische "The"-Bands salonfähig machten. Für Nostalgiker.


Band: Mystery Art Orchestra

Titel/Release: Prismatic Dream/Album (Digipak-CD; Digital)

Label: robojim

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Post-Punk, Synth-Wave, Indie

FFO: Editors, Joy Division, The Cure

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Buy Here


Sonntag, September 16

Video Kills The Radio Star Vol. 7


Street Fighter



2017 gegründet und dann gleich mal so ein Brett wie "Hidden Knife" rausgehauen?! Ich denke, der Weg der Berliner Band Street Fighter ist vorprogrammiert. Von den knapp 1700 FB-Likes mal ganz abgesehen, die wir hier höchstens mal mit einem Gerdas-Farewell-Post abgreifen könnten. Alles aber wahrscheinlich zurecht, denn das Quartett liefert mit ihrer Debüt-EP "The Show" unpeinlichen Crossover - früher hätte mensch vielleicht auch NuMetal oder Rapcore gesagt - im internationalen Format ab.




Treptow



Entgegen dem Albummotto "Besser selbst als gar nicht", gehe ich den Weg des geringsten Widerstands und behaupte einfach mal, dass manchmal andere Worte so viel mehr sagen können als die eigenen:

"Deutschsprachiger Indie-Rock unter rauer Oberfläche, mit Sehnsucht im Kern, vorgetragen von drei schlagfertigen Kindsköpfen."


Buy Here & Here


And The Golden Choir


Als Tobias Siebert, ex-Delbo, Klez.e und Betreiber des Radiobuellebrueck Studios, 2015 mit seinem Solo-Projekt And The Golden Choir debütierte, war es vor allem die unkonventionelle Live-Performance (Siebert + Gitarre + Schallplattenspieler), die die gespannte Hörerschaft aufhorchen ließ. Trotz Anraten eines guten Freundes, mit "Breaking With Habits" genauso weiterzumachen, wie auf dem Vorgänger, geht Siebert nun einen Schritt weiter. Mit einer Armee aus verschiedensten Instrumenten und nunmehr auch digtitalen Spielereien, erlangt sein Indie-Pop eine enorme Vielschichtigkeit, ohne dabei zu überladen zu wirken.


Buy Here & Here


FESTEFESTE


In der tief-schwarzen Mitte zwischen BluNoise und Exile On Mainstream, schiebt sich allmählich das kleine Label Børwærk Records nach oben. Eine der ersten Bands des Vogtländer Labels ist das sächsische Trio FESTEFESTE, das nach zwei Alben jüngst eine 2-Track-Single nachlegte. "Faltscherfufftscher" ist ein grooviger Hardcore-Noise-Rocker, der sich reibungslos an seine Kollegen DŸSE, Tschaika 21/16, Rotor und HAIK anschmiegt.

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Schelm


Nach einer gemeinsamen Split-EP mit Die Braunen Raketen im Jahr 2016 und einer anschließenden Deutschland-Tour, veröffentlicht die Baseler Band Schelm im September ihr Debüt-Album "ein bisschen mehr..." auf Vinyl im Eigenvertrieb und digital über das Label Sportklub Rotter Damm
Viel Eingewöhnungszeit verlangt die Vorab-Single "Schallalala" (lasst euch vom Titel nicht abschrecken) nicht ab, reicht ihr ungenierter Indie-Punk mit rauem Unterton doch verdammt nah an die wohl unpeinlichste Indie-Punk-Band, Muff Potter (da lehne ich mich mal weit aus dem Windows, is aber nunmal meime Meimung), heran und mogelt dem Ganzen noch eine nostalgische Hamburger Schulnote unter.



Freitag, September 14

Suetterlin - Deine Zeit / Sujet



Kurzinfo:

"Suetterlin hat den Krach von früher im Herzen." Ich bin da eher der Meinung, dass die beiden beteiligten Musiker Daniel Senzek und Sebastian Wahle mit ihren früheren Kombos Thoughts Paint The Sky, Kosslowski, Nora Yeux und episodes. mehr Lärm veranstaltet haben, aber nun gut. Mit Suetterlin schlagen die beiden Essener ohnehin in eine andere Kerbe. Statt Screamo, Post-Punk und -Hardcore gibt's Indie-Rock, der mal alternativ nachdrückt oder ungeniert mit dem Pop flirtet. Und so wirkt ihre zweite, wesentlich kürzere EP tatsächlich etwas aus der Zeit gefallen. Kein Schnick-Schnack und kein lästiges Genre-Kauderwelsch. Der erste Song "Deine Zeit" ihrer 2-Track-EP "Deine Zeit / Sujet" galoppiert auf einer eingängigen Melodie und trägt viel Sehnsucht im Herzen. "Sujet" drosselt das Tempo etwas Richtung Melancholie und lässt im Hintergrund schwelgende Synthies kreisen. Bisweilen erinnert das an eine Zeit, in der Tomte und die Sportis noch nicht so peinlich waren. 
Bereits die Debüt-EP erschien digital über Midsummer Records, von der die Band allerdings auch 50 CD-Exemplare in Eigenregie produzierte. Ihre zweite gibt's derzeit ausschließlich zum Downloaden und Streamen.


Band: Suetterlin

Titel/Release: Deine Zeit / Sujet/EP (Digital)

Label: Midsummer Records

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Alternative, Indie, Indie-Pop

FFO: Minitimer Katzenposter, Macky Messer, Felias

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube\\//Instagram




Stream & Buy "Deine Zeit / Sujet" auf allen gängigen Stream- und Downloadportalen



Mittwoch, August 29

Wiederhören: Help She Can't Swim - Fashionista Super Dance Troupe



Zwar war das ehemalige Quintett Help She Can't Swim nicht sehr lange aktiv (um die vier Jahre), dafür umso produktiver. Zwei Alben und etliche EP's und Singles stehen der Band aus Southampton zu Buche. Ihr erstes "Fashionista Super Dance Troupe" hält neben den beiden Single-Auskopplungen "I Don't Need You" und "Bunty Vs Beano" noch neun weitere extrovertierte, keyboard-lastige Indie/Art-Rock-Perlen parat, die zwar heutzutage im Je-ausgefallener-desto-besser- oder Geht-nicht-gibt's-nicht-Konsens wohl eher - wenn überhaupt - belächelt werden würden, im Jahr 2004 allerdings für eine willkommene Abwechslung sorgten. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und behaupten, dass ihr Mix aus ungestümer Roughness und rockigen Sex-Appeal vielleicht auch Pate für später in Erscheinung getretene Bands wie Be Your Own Pet oder Pulled Apart By Horses stand.

>>>Myspace<<<


Montag, Juli 23

Jagoda - Year Of Glad



Kurzinfo:

Es ist nie zu spät für einen nostalgischen Rückblick. Jagoda existierten bereist 2004, nahmen 2005 ihre erste EP auf, ehe 2007 die damalige Sängerin die Band verließ und durch die mittlerweile ziemlich umtriebige Tonia Reeh (u. A. ex-Masonne, Monotekktoni und andere der Sinnubus-Familie) ersetzt wurde, mit der die Band schließlich zwei EP's (beide auf Bandcamp gegen Spende) und ein Album ("Electronic Welfare" als Vinyl im Eigenvertrieb) aufnahm.  
"Year Of Glad" ist entgegen dem krachigen und Hardcore-lastigen Vorgänger "Planned Obsolescence" ein geschliffenes Indie-Kleinod geworden, das für's herkömmliche Radioformat dennoch etwas zu kantig ist. 
Mittlerweile hat Tonia mit La Tourette (wieder mal) ein neues Bandprojekt am Laufen, während zwei andere ex-Jagoda mit Van Urst ihre Komfortzone nicht allzu weit verlassen haben.


Band: Jagoda

Titel/Release: Year Of Glad/Album (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Alternative, Indie

FFO: Jaguar Love, Van Urst, Kate Mosh

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Myspace




DL "Year Of Glad!


Mittwoch, Juni 27

The Sons Of Faow Verny - A Thunderous Light To Beckon Me



Kurzinfo:

Nicht erst seit der Kooperation der Labels Crapoulet Records und Spastic Fantastic wissen wir, dass der französiche Musiksektor über eine enorme freigeistliche Vielfalt verfügt. Was uns bisher aber eher im Hardcore zu begeistern wusste, breiten The Sons Of Faow Verny nun auf der Spielwiese des Emo- und Indierocks aus. Dabei öffnet das Quintett mit ehemaliger Never Again-, Who Needs Maps?-, The "Tan" Case-, Kazan- und After Taste-Beteiligung ihre ausladend-plänkelnden Songs immer wieder für Einflüsse aus dem Singer/Songwritertum, Post- und Folkrocks und sogar Emocores. Alles verstrickt in einer wohligen DIY-Ästhetik, der auch sympathische wie kratzige und nicht immer ganz eingängige Ohrwürmer wie "Each Night", "Naked Snake" und "Lost In This World" entspringen.


Band: The Sons Of Faow Verny

Titel/Release: A Thunderous Light To Beckon Me/EP (Digipak-CD; Digital)

Label: No Way Asso, Orchidscent Records, Bad Wolf Records

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Emo, Indie(-Folk), Punk

FFO: Cap' Jazz, Sister City, Young Philosophers

Links: Bandpage\\//Bandcamp\\//Facebook\\//Soundcloud\\//Youtube



 
DL & Buy "A Thunderous Ligh To Beckon Me"


Freitag, Juni 22

Heart Ovt - We're Not Supposed To Be Lovers



Kurzinfo:

Das Debüt "We're Not Supposed To Be Lovers" der Leipziger Band Heart Ovt liegt nun schon über ein Jahr zurück und ist trotzdem als Tape und CD noch nicht ausverkauft. Dabei besticht das sächsische Trio vor allem durch eine emotional-tiefgründige wie auch poppige Melange aus Emo- und Indierock, wie sie zur Blütezeit dieser Genres Gang und Gebe war. Viel ehrliche Melancholie, weitab des Mainstream-Kitches, inklusive Piano-Ballade ("Home Is Where Your Heart Is"), CHVRCHES-Cover ("Recover"), typischen Midwest-Emo-Chor ("Wasted Time") und emotionalen Ausbruch ("29"). Alles in Allem, was das Emo-Heart begehrt.


Band: Heart Ovt

Titel/Release: We're Not Supposed To Be Lovers/EP (Digipak-CD; 50x Tape; Digital)

Label: Homebound Records

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Emo, Indie, Emocore

FFO: Thursday, Rollergirls, Rowan Oak, Rivers & Tides

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Soundcloud\\//Youtube\\//Instagram




Stream & Buy Digitally "We're Not Supposed To Be Lovers"

 Buy Here & Here



Dienstag, Oktober 31

Indie Boy - Back To Mars EP



Bevor ich hier all zu sehr in die Irre führe: die drei Songs + die zwei Remixe auf "Back to Mars" stehen zwar auf dem Banner von Indie Boy, wurden aber noch unter dem Alter Ego Project Mojo produziert und veröffentlicht, ehe dann Mitte 2016 die Umbenennung erfolgte.
Dabei konnte das ehemalige Trio zumindest auf eine beachtliche Statistik zurückblicken: Sieger der Bandconteste "VS MUSIC 2015" und "Rampe 2016", kleine Deutschlandtour und Debüt-CD. Nicht schlecht für eine Selfmade-Band, deren Musik nirgends aneckt, niemanden wehtut und - und das muss man wohl so sagen -, mindestens genauso niedlich klingt, wie ihr Bandname. Letztendlich waren es die räumliche Distanz und wechselnde Ansichten, die unweigerlich zum Ende von Project Mojo führten. Gitarrist Darius Lohmüller hatte nach seinem Weggang endlich die Zeit gefunden mit seinen Deadnotes (auschecken!!!) deren überfälliges Debüt-Album fertigzustellen, Schlagzeuger Robin Birmele konnte sich so wieder voll und ganz auf seine Lehrtätigkeit in der Musikbox konzentrieren und Jonathan Rietsche machte eben als Indie Boy weiter, das inzwischen auch schon wieder auf ein Live-Quartett angewachsen ist. Rietsche (irgendwie erinnert der mich an Jonathan Brandis, liegt aber vllt. bloß am selben Vornamen) bleibt also der Dreh- und Angelpunkt der Band. Und welch tiefgründige Gedanken er hinter seiner scheinbaren "Kleine-Mädchen-Musik" (Quelle: Hier) versteckt hält, könnt ihr im Press Kit der Band nachlesen.
Auch wenn sich die Rahmenbedingungen kaum geändert haben, klingen die Indie Boy-Songs (einige sind auf Soundcloud zu finden, ansonsten auf den gängigen Stream- und DL-Portalen) tatsächlich etwas weitläufiger, wenngleich sich das alles immer noch im großen Indie-Universum mit großem POP-Suffix abspielt. Das muss ja nicht jeden/jeder gefallen, sondern nur Den-/Diejenigen Spaß machen, die sich an unkomplizierter und sommer-leichter Gute-Laune-Musik erfreuen können.
Wer seine Songs als "Kleine-Mädchen-Musik" abstempelt, sollte sich ohnehin lieber hinterfragen, wie er/sie auf Indie Boy gestoßen ist.




Band: Indie Boy

Titel/Release: Back To Mars/EP (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Indie, Indie-Pop

FFO: Von Wegen Lisbeth, Two Door Cinema Club, Hey Dog Dog, Kakkmaddafakka

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Instagram\\//Youtube

DL "Back To Mars"

Buy Indie Boy CD via PM on Facebook or Mail to: infoboyofficial@gmail.com


Mittwoch, Oktober 4

Pool Rules - Demo



Auf der Suche nach potentiellen Konsumenten ihrer Musik, machen es Pool Rules ihrem Label gar nicht mal so leicht, zumindest was ihre nicht vorhandene Internetpräsenz angeht. Vielleicht auch deshalb sind noch so einige physikalische Exemplare ihres Demo-Debüts über Last Exit Music zu ergattern, die in fünfzig-facher Ausführung als schlicht bedruckte CDr im zehn-seitigem Hardcover-Buch mit Zeichnungen, Texten und Fotos daher kommt und nicht mal fünf Ocken kostet.
An der Musik selbst dürfte das spärliche Kaufverhalten jedenfalls nicht festgemacht werden, denn was die beiden Saarländer hier abliefern, klingt so herrlich angenehm und unangepasst aus der heutigen Zeit gefallen, dass mensch sich dazu am liebsten die hell-blauen Fetzen-Jeans, sandbeschmutzten Feinripp- und offen getragenen Caro-Hemden rauskramen und sich postwendend auf's BMX schwingen möchte. Klar, dass funktioniert nach so langer Zeit nicht reibungslos und hat ein paar brennende und kratzende Schürfwunden zu Folge. Marco Korz (Gitarre, Gesang) und Daniel Meiser (Schlagzeug) gehen allerdings mit einer stoischen Versiertheit zu Werke, als ob sie die letzten zwei Jahrzehnte einfach mal verpennt hätten. Mit jedem weiteren knarzenden Akkordanschlag bröselt immer mehr staubtrockener Wüstensand von den Saiten ab, die Stimme schön rauh und kratzig. Und auch, wenn das Duo mit Pool Rules in eine vollkommen andere Richtung ausholt, thront über all dem die Melodieverliebtheit ihrer ehemaligen Bands Baby Lou und Fainding Faith.
Musik für ewig Junggebliebene und eine Alternative für Diejenigen, die sich ihr fortgeschrittenes Alter vehement nicht eingestehen wollen.


Band: Pool Rules

Titel/Release: Demo/EP (50x CD in handmade hardcover book, Digital)

Label: Last Exit Music

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Alternative, Punk, Indie

FFO: The Jesus Lizard, Knapsack, Piebald, Jawbreaker

Links: keine gefunden



DL "Demo"

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Sonntag, September 17

Kaptain Kaizan - Einatmen, Ausatmen



Band: Kaptain Kaizan

Titel/Release: Einatmen, Ausatmen/Album (Digipak-CD, Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Punk, Emo, Indie

FFO: Captain PlaneT, Duesenjaeger, Disco//Oslo

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube\\//Last.fm



Kurzinfo:

Kaptain Kaizen aus dem Südwesten Deutschlands existieren seit 2013 und beschreiben ihren Stil selbst als "wohl am ehesten Punkrock". Richtig so! Sollen sich doch die den Kopf darüber zerbrechen, die unbedingt darüber schreiben wollen. Nun denn. Deutschsprachiger Punkrock à la Captain Planet oder Duesenjaeger, mit etwas Emo vertrieft und Hamburger Schule intellektualisiert, mal vertrackt oder polyrhythmisch, forsch oder verspielt. Vor allem aber bleibt das selbstveröffentlichte Debüt-Album der Band trotz dieser vielen Einflüsse stets im überschaubaren Rahmen. Songs wie "Love Me Tinder", "Im Westen nur Neues" oder "Der Mann" sind echte Ohrwürmer, bleiben hängen und animieren. Und zwischendurch blitzen immer wieder einige Tomte- und sogar Sportfreunde Stiller-Reminiszenzen (natürlich die guten Freunde) durch. Was will mensch mehr?!

DL "Einatmen, Ausatmen"

Montag, August 7

a.spike on T phenomena - Her Lovely Bones EP



Band: a.spike on T phenomena

Titel/Release: Her Lovely Bones/EP (CD in Cardboard, Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2011/2013

Genre: Art-Rock, Indie, Alternative, Stoner, Progressive

FFO: Biffy Clyro, Radiohead, The Double, 31 Knots, Cannahann, Echolons)))

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Vimeo\\//Twitter



Kurzinfo:
 
Die Band aus Erfurt existiert bereits seit dem Jahr 2008, anfangs allerdings noch unter dem Namen The Pacemaker (Der Schrittmacher), in dem die vier Thüringer nach eigenen Angaben den Herzfehler ihres Bassisten Andreas Steinkopff gemeinsam verarbeiten wollten. Das setzt sich auch mit der kryptischen Umbenennung in a.spike on T phenomena weiter fort, ein Begriff, der nach einer intensiveren Recherche wohl auch dem medizinischen Sektor entspringt (irgendwas mit Kammerflimmern), darüber hinaus aber ruhig schonmal als erste Vorwahnung auf ihren experimentellen Sound verstanden werden darf.
Ihre zweite EP "Her Lovely Bones" schreitet mit dem Titeltrack zunächst recht eingängig voran. Über ein sattes und leicht knarzendes Alternative-Stoner-Fundament kreist die markant-energische Stimme von Marcel Hilpert, die am Ende des Songs von einem Riffgewitter regelrecht weggepustet wird. Darauf  folgend, breitet die Band in "Snapshot" einen betörend-melancholischen Klangteppich aus taktvorgebenden Drums und sanft-poppigen Electronicas aus, der immer wieder durch rockige Einschübe aufgerauht wird. Spätestens ab diesem Song können a.spike on T phenomena ihre Einflüsse von Radiohead oder früheren Biffy Clyro, vielleicht sogar Gluecifer und Marilyn Manson, nicht mehr leugnen. Das Quartett beschränkt sich nicht nur darauf, gefühlvolle und fett groovende Passagen aneinander zu kleistern, ihrem rifflastigen Sound und dem teils verzerrten Gesang schwingt auch eine gehörige Portion Sexappeal mit.

Leider liegt die Veröffentlichung von "Her Lovely Bones" nun auch schon fünf Jahre zurück, auf den angekündigten Nachfolger "Barrier Lake" wartet die treue Hörerschaft noch immer. Hilpert und Drummer Frederic Schmidt haben seit einigen Jahren mit Elephants In Castle aber immerhin ein Nebenprojekt am Laufen, dass sich nicht all zu sehr weit entfernt vom Sound ihrer Hauptband.

DL Her Lovely Bones EP

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Jahres-Sampler