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Dienstag, Juni 4

Gesplittet, Teil 17


Sickmark/Always Never Fun - Split-EP



Endlich mal wieder Nachschub aus dem AJZ Bielefeld, auch wenn dieses Split-Release schon ein Jahr auf dem Buckel hat. Gemeint sind hier natürlich Sickmark, die sich bereits mit ihrem 2013ner Debüt gekonnt vom Powerviolence-Mainstream absetzen konnten. Zu verdanken war das vor allem den unberechenbaren Störfaktoren, die sich immer mal wieder in das Gemenge zwischen des brodelnden Sludge und des noisigen Geballeres mogelten. Im Falle der hier vorliegenden Split sind das eben ungewohnt rhythmische - nunja - Fragmente, die Songs wie "Fuck This Unity", "Couch Kill Destroy" und "The Price To Pay" fast schon harmonisch ausklingen lassen, und ein free-jazziges Saxofon, das gelegentlich völlig schizophren dazwischen grätscht. Da haben sich die ehemals ¾-Hyëna doch tatsächlich nochmal selbst übertroffen.
Eingeleitet wird die Split von den wesentlich zu- wie eingänglicheren Always Never Fun, kurz ANF. Die vier Italiener starteten zum Release-Date auch bereits in das sechste Bandjahr, vorher wie nebenbei waren die Jungs aus Palermo bereits in etlichen anderen Kombos wie F.U.G., Popsters, Elopram, You Are The Problem und Cavernicular unterwegs. 
Die elf Songs auf der A-Seite fügen ihre Einflüsse aus Fastcore und Hardcore-Punk äußerst dynamisch und, für PV-Verhältnisse, fast schon zu harmonisch zusammen. Geht aber immerhin sofort in die Gliedmaßen über, die man für die B-Seite ohnehin nochmal neu sortieren muss.
Da ANF so viel Spaß am Splitten haben, ist für dieses Jahr bereits eine Split mit den Münsteraner Fastcore-Punks ill angekündigt.


Sickmark: Facebook\\//Bandcamp

ANF: Facebook\\//Bandcamp

DL & Buy "Sickmark/ANF Split-EP" A-Side & B-Side

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Start A Fire/Lyvten - Im Himmel Fluchen Split-EP


Nach ihrem tollen Album "Schattenjagd", melden sich Start A Fire zwei Jahre später mit einem neuen Song zurück. Und wie! In "Sargträger" packen die Stuttgarter Po(esie-)st-Hardcoreler schonungslose Gesellschaftskritik in kunstvoll umschmeichelnde Verse, die vom Reibeisen-Schreigesang in eine Hit-verdächtige Melodie gepresst werden. Das eingestreute, melancholische Klavier unterstreicht dabei den anspruchsvollen Charakter des Quartetts, obwohl der Song mit dem wavigen Chorus im letzten Drittel schon fast in gothige Düsternis abtaucht.
Die Züricher Band Lyvten hat ebenfalls letztmalig im Jahr 2017 ein Album veröffentlicht, dass, genauso wie das ihrer schwäbischen Label-Kollegen und Tourpartner, über Twisted Chords erschien. Mit "Schmutz und Schminke" haut das Quartett einen gewohnt mitreißenden Punk-Party-Smasher raus, irgendwo in der Schnittmenge post-punkiger Duesenjaeger und Hardcore-lastigeren Disco//Oslo. Obwohl mich auch dieser Song mit seiner leicht verkopften und theatralischen Art an eine Light-Version von Boysetsfire denken lässt. Liegt vielleicht am Gesang...
Als digitalen Bonus zur schick aufgemachten 7inch, gibt's zwei Coversongs der jeweils anderen Band.

Start A Fire: Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube\\//Myspace\\//Soundcloud\\//Instagram

Lyvten: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Instagram\\//Soundcloud

Stream & Buy "Im Himmel Fluchen" Here & Here

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Echelons (ex-Unable To Fully Embrace This Happiness)/Varicella Zoster - Split

Die musikalischen Wege der drei Klagenfurter Béla, Daniel und David kreutzen sich bereits in Gruppen wie Disclone, Matando Güeros, Hulk Hogan, John F. Cannibal und Bicycle Terror, doch erst mit Unable To Fully Embrace This Happiness hatten sie sich eine nennenswerte Fanbase in der österreichischen Untergrundszene erspielt. Ihr bis dato letztes Release, die Split mit ihren Grazer Screamo-Kollegen Varicella Zoster, offenbarte jedoch einen Wandel im Sound der Band, der sich aus neu einwirkende Einflüsse, die in einem 15-teiligen Post-Countdown auf der Facebook-Seite dokumentiert wurden, ergibt. Als Echelons huldigt das Trio seit Mitte 2018 also vor allem wegweisende Größen des 90er-Hardcores/Screamos und wirft dabei auch gerne mal einen nostalgischen Blick auf die nord-deutsche Hardcore-Bewegung dieser Dekade. Genauso sprungvoll gestalten sich auch die fünf Split-Song, die durch melancholische Skramz-Passagen und Emotive Hardcore gleiten und bis zum Emoviolence bersten. Das wäre an sich ein routinierter Mix, wie er auch in der Gegenwart vielfach anzutreffen ist. Doch durch die melodisch-druckvolle Gitarrenarbeit, die vielleicht als markantester Unterschied zu ihrem Lo-Fi-igen Alter Ego ausgemacht werden kann, bleiben Echelons Songs auch nachhaltig im Ohr hängen.
Varicella Zoster, benannt nach dem Gürtelrose und Windpocken verursachenden DNA-Virus, sind mit ihren fünf Songs mehr im Emocore zu verorten. Zwar schüttelt auch dieses österreichische Quintett so manche treibende Melodie unbeschwert aus dem Ärmel, die sich auch hervorragend für die mittelgroße Festival-Bühne eignen würden. Die sympathische DIY-Produktion, die den kratzigen und manchmal leicht schrägen Gitarren einen 90er-Underground-Charme überstreift, zieht die Band aber doch wieder zurück in die Kellergewölbe.
Split-Tape erschien über Hardcore For The Losers.

Echelons: Facebook\\//Bandcamp

Varicella Zoster: Facebook

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Cut/Empty. - 2 Split-Tape


Wer eine Bachelor-Arbeit über "Die Ästhetik des DOOM" schreibt und damit sogar als Referenz für einschlägige Wiki-Einträge herhält, der sollte mit seiner Band schon ordentlich abliefern können. Hinter der Bonner Band Cut verbirgt sich nicht nur der They Call Us Weak-Drummer Claus, sondern auch Arne Ebner, der seine Interpretation der Wall Of Sound bereits in der 80er-Metal-Hommage-Band Way Of The Fist und im Torche huldigenden Doom-Stoner-Sludge seines Projektes WALL auslebte, sie bis in den Synth-Metal von WAVES transferierte und schließlich auch im "Messer-Core" von Cut zum wesentlichen Merkmal deklariert.
Für das 2016er Split-Tape mit Empty. kamen drei Songs zustande, die in ihrer düster-groovenden Art wieder mehr in Richtung WALL schielen, durch den verhallten Schreigesang aber auch gut und gerne als eine Stoner-rockende Variante von Atari Teenage Riot durchgehen könnten. Das ist schon ein ziemlich fetter und tanzbarer Sound, inmitten dessen der Gedanke an ein Queen-Cover sowohl passend wie auch abschreckend daher kommt. Was Cut allerdings aus "Who Wants To Live Forever" machen, muss mensch einfach mal gehört haben.
Die knapp elf-minütige B-Seite des Split-Tapes bekleiden die Bergkamener Empty. mit ihrem Downtempo-Black-Metal-Crust. Dieser fällt zwar im direkten Vergleich mit ihren Split-Partnern weniger groovig aus, breitet dafür aber seinen Sound über einen düster-schrammeligen Teppich aus, der von noisigen wie unerwarteten (vor allem in "Alle Kauen Keiner Isst") Querschlägern aus der Routine gebracht wird. Und wie das nunmal so bei uns ist, wenn wir (weiter) zurückliegende Releases besprechen, hat sich inzwischen auch bei dem nordrhein-westfälischen Quartett so einiges getan. Hier ein kurzer Abriss: 2012 aus der Asche von Jigsaw Uncomplied (später Plagueis) als Empty On The Inside gegründet; 2014 einige Besetzungswechsel; 2015 Umbenennung in Empty. - aus Gründen; 2017 Schluss und Flucht in neue Projekte. Wisst ihr Bescheid.

Cut: Facebook\\//Bandcamp

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DL "2" Here & Here


Sonntag, Mai 12

Platte des Monats 05/2019: Choir Boys - III



Kurzinfo:

Sie posten EP's auf Bandcamp, deren Songs vielleicht irgendwann mal geschrieben werden und wer der Band eine 4-Way-Split abkaufen will, landet am Merch-Tisch und bekommt einen Schal (!!!) vorgehalten. Wer die Choir Boys seit ihrer Gründung 2015 auf dem Merkzettel zu stehen hat, brauchte bislang einen langen und strapazierfähigen Geduldsfaden. Nun, im Jahr 2019, gibt es auch endlich das erste offizielle Release, das chronologisch richtig zur divergenten Zahlenfolge der Schein-Veröffentlichungen konsequenter Weise mit "III" betitelt wurde.
Ich will mal behaupten, dass sich das Warten für musikalische Anarchisten definitiv gelohnt hat, denn die sechs Songs ihres Debüts sind ein ausgelassener Reigen durch sämtliche Freidenker-Stile des Hardcore-Punks. Und so scheint es zunächst, als würde der erst twängige und dann ins rockige Solo übergehende Opener "Diary Of A Teenage Smoker" die Bühne für die ganz große Stadionhymne vorbereiten. Stattdessen formen aggressive Riffs und Blastbeats den Song zu einem grindigen Blizzard, inmitten dessen zwei Galle-speiende Vocalisten aneinander geraten, fast so, als würden Eric Wood und Justin Pearson hier einen handfesten Genre-Streit austragen wollen.
Das new-schoolige "Das Weiße Gold" lädt danach unvermittelt ins Moshpit ein zum kompromisslosen Ellenbogen- und Schuhsohlenaustausch. "Wake Me Up Before You Gogh-Gogh" und "Lied 4" krempeln die Chronologie des Openers um und lassen nach einigen Beatdown- und Grindmetzeleien durchaus melodisch-rockige Hooklines in den Vordergrund treten. Das kann bisweilen sogar an den eigenwilligen Brachial-Stadionrock-Mix der ersten Kvelertak-Alben erinnern, nur, dass die Choir Boys eben tief im Hardcore-Punk verwurzelt sind und vor allem wegen des unentwegt räudigen Gebrülls die dunklen Kellergewölbe nie so wirklich verlassen.
Nicht nur aufgrund des Break-verliebten "50m Keta", sonder auch wegen des divergend-polyfonen Geschreies, erhalten die Songs gar eine leicht chaotische Note. Im alles ausschöpfenden und vielleicht etwas zum 80er-Jahre-Metal schielenden Closer "Zur Rhytmizität/...", darf sich dann scheinbar nochmal jeder ein Mikro krallen, der nach acht Bier noch halbwegs geradeaus singen kann. 


Band: Choir Boys

Titel/Release: III/EP (Tape; Digital)

Label: DIY / Interceptor Editions, Z&K

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Hardcore, Punk, Trash, Noise, Chaoscore

FFO: Fabrik Fabrik, Lasershark, Retox

Links: Facebook\\//Instagram\\//Bandcamp




DL "III"

Buy Tape via PM on FB or Mail to: choirboys@ilovecheesypoofs.com

Dienstag, April 9

Grow Grow - Am kalten Markt



Kurzinfo:

Ich habe Grow Grow bereits mit ihrem tollen Vorgänger-Album "Buffet D'Or" vorbehaltslos kennenlernen dürfen. Ein Glücksfund, wenn man so will. Ganz so unbefangen konnte ich dem neuen Album der Berliner nicht mehr entgegnen, auch, weil der Band inzwischen namenhafte Referenzen anhaften. Und wahrscheinlich ist es ähnlich wie beim Prinzip des Weißen Rauschens oder etwa bei der düsteren Legende um den Pink Floyd-Song "Another Brick In The Wall": mensch hört, was mensch hören will und manchmal auch das, was andere einem vorgeben. Mittlerweile bin auch ich der Meinung, in den unprätentiösen Post-Punk-Passagen eine Menge Dackelblut wiedererkennen zu können, in den noisig-zerfahrenen Momenten The Jesus Lizard durchblitzen zu sehen und in den vertrackten Post-Hardcore-Eruptionen unweigerlich an At The Drive-In denken zu müssen. Kurzum: "Am kalten Markt" ist ein nostalgisches 90er-Jahre-Überraschungspaket geworden.
Grow Grow lassen sich aber keineswegs nur anhand dieser Referenzschlacht erklären. Vielmehr liegt die Faszination an der meines Erachtens nach einzigartigen Kombination dieser Stile und die damit erzeugte analoge, morbide Grundstimmung. In den melancholischen, von dem manischen Schlagwerk gelenkten Gitarrenläufen, schwingt tief verwurzelte Düsternis mit, wie sie den Post-Punk durch die 80er-Jahre begleitete. Das inbrünstige Geschreie und die zynischen Lyrics spucken dazu verachtende Rebellion und anarchische Unbekümmertheit aus und setzen mit Zitatsprenklern einige gezielte Flashbacks. Der aufdringliche Post-Rock-Gedanke in den mäandernden Songs "Am kalten Markt", "Du musst Batman sein", "Deine Mutter und dein Vater" und "Hans & Marie transportiert trotz der epischen Loops dermaßen viel Schmiss, dass er der Hörerschaft zumindest ein dezentes Kopfnicken abverlangen kann.
Bleibt nur die Frage, warum ich bei "Wenn wir uns sehen" immer unweigerlich an Rammstein denken muss?! Das ist keine Kritik, sondern nur einer von vielen Gedanken, die "Am kalten Markt" zu einem der interessantesten Alben der Neuzeit auszeichnet.

Band: Grow Grow

Titel/Release: Am kalten Markt/Album (200x Black Vinyl; Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Noise-Rock, Post-Hardcore, Post-Punk, Post-Rock

FFO: Etc. Etc. Etc., Fugazi, Colored Moth, The Jesus Lizard

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Stream & Buy "Am kalten Markt"


Montag, April 1

Younger Us - Tired Tried



Kurzinfo:

Nachdem wir mit unserer "Platte des Monats" vor allem dem puristischen Gedanken des Post-Hardcores huldigten, begrüßen wir mit Younger Us nun einen Vertreter auf unseren Blog-Seiten, der sich, wenn überhaupt, nur mit Nischen-Bezeichnungen oder zusammengewürfelten Genre-Tags erklären lässt. Ein kniffliges Ratespiel, das uns bereits bei der Besprechung ihrer 2015er EP "Graustark" einige Falten auf die Stirn legte. Und so werfen die vier Stuttgarter auch mit ihrem Debüt-Album "Tired Tried" zunächst einmal die Frage auf, welcher Hauptstil hier eigentlich mit welchen Einflüssen durch den Fleischwolf gedreht wird. Das spielt sich natürlich alles irgendwo in der weiten Sphäre des Hardcores ab und ist im Albumkontext gewisser Maßen auch recht eingängig inszeniert. Vor allem die schrammeligen, fast schon fuzzigen Gitarren und düster-molligen Bassläufe ziehen sich wie ein roter Faden durch die zehn Songs, die sich natürlich fernab der altbewährten Songstrukturen bewegen. Zwar gibt es auch einige Songs, die gelegentlich eine vorangegangene Melodie oder Hook im weiteren Verlauf wieder aufnehmen. Younger Us wollen sich aber keineswegs in Schönspielereien oder Ohrwürmern verlieren. Vermutlich könnten sie das sogar. Stattdessen werden Harmonien durch kratzige Breaks und Rhythmuswechsel aufgebrochen, ehe es zu gemütlich werden könnte. Kennt (noch) jemand Fecal Matter? Da gab es ja auch mal eine Zeit vor den ohrumschmeichelnden Nirvana. Und so klingen die Songs auf "Tired Tried", als hätte die Band nach 25 Jahren ihre Instrumente aus der staubigen Proberaumecke geholt, ohne sie vorher abzuwedeln oder nachzustimmen. Herausgekommen ist eine komplexe Session, die in ihrer herrlich analogen und rohen Art viel zu schade ist für den Hardcore-Präfix "Post-" und trotz der niederdrückenden Schwermütigkeit nicht durch den Sludge kriecht, obwohl es für beide Bereiche sicherlich Überschneidungen gibt. Vielleicht lässt sich sogar ein schüchterner Blick Richtung Gainesville ausmachen, ohne dabei zwangsläufig den dort beheimateten musikalischen Urvater zitieren zu müssen. Und wenn sich die heiseren Screams und die Shout-Chöre wie in "Artax" und "Some Lovely Song" mal etwas vom Geschreie lösen, wandert dieser noch ein Stück weiter nach oben gen Mittleren Westen.
Younger Us bauen in ihrem Sound viele Schlupflöcher ein, die immer wieder nostalgische Assoziationen durchrutschen lassen. Dennoch haben sie mit "Tired Tried" ein Album geschaffen, das sich auf ganzer Länge nur wenigen Referenzen anbiedert - wenn überhaupt.




Band:Younger Us

Titel/Release: Tired Tried/Album (100x Black Vinyl; 200x Mint Vinyl; 200x Translucent Red w/ Black Marble Vinyl; Digital)

Label: Day By Day Records

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Hardcore, Noise-Rock, Grunge

FFO: Trap Them, Bastions, Fashion Week

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Donnerstag, März 21

Miami Death 2 - Miami Death 2 EP



Kurzinfo:

Hat es dem Druckwelle-Benny etwa ordentlich in den Fingern gejuckt oder war es mal wieder an der Zeit, gewaltig Druck über die Gesamtscheiße abzulassen? Der ex-Rant- und Voyta-Sänger hat sich jedenfalls mit vier anderen bekannten Gesichtern aus dem Leipziger Bandsalat (u. A. Chevin, Robert Paulson, Choir Boys) zusammen getan und unter dem schönen Namen Miami Death 2 (wahlweise auch Miami Death II) kürzlich eine EP veröffentlicht. Und die bietet der geneigten Hörerschaft in ihren nicht mal acht Minuten Spielzeit sämtliche Facetten des gestörten Musikgeschmacks. Angefangen vom harsh-noisig übersteuerten Opener "Strange Presents", dem Powerviolence-Freakout im folgenden "Leberglühen", bis hin zum grindigen Blastbeat-Gehämmere in "Beerdigt Alle", die allesamt ihren nervenfleddernden Höhepunkt im sich quälenden Gesang und dem asozialen Gegrowle finden. Das alles eingefangen in einer herrlich finsteren und gammeligen DIY-Produktion, die vor allem den (Hardcore-)Punk-Gedanken in den rhythmischen "Ruhephasen" der Band unterstreicht, wie etwa in "Food Play" oder "The Ballad Of MDII".

Eigentlich sollte dieses herzliche Stück Musik pünktlich zum Valentinstag auch als CD- und Tape-Version erscheinen. Eigentlich... . Musste ich meiner Freundin halt doch eine Bruno Mars CD schenken.


Band: Miami Death 2

Titel/Release: Miami Death 2/EP (Digital; CD's und Tapes in Planung)

Label: DIY/Bandcamp, Colossus Tapes, Gafas del Rigor Cassettes (evtl. CD)

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Powerviolence, Grindcore, Punk, Harsh Noise

FFO: Infest, Get Worse, Extinct!

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Freitag, März 15

Malm - Kollaps



Kurzinfo:

Kennt noch jemand diese Telefonsex-Werbung, die zu später Stunde auf diversen kommerziellen TV-Sendern lief, in der eine in schwarzem Lack gehüllte, ältere Dame mit Peitsche energisch dazu aufforderte: "Ruf! Mich! An!"? Obwohl sich die vermeintlich angebotenen Dienstleistungen fernab meiner damaligen Interessen bewegten, überkam mich als junger Dorf-Bursche das erdrückende Gefühl, ihrem Aufruf nachkommen zu müssen, lag es nun an der zweifelsohne stringenten Rhetorik der reifen Dame oder schlichtweg an meiner elterlichen Erziehung, stets respektvoll mit älteren Menschen umzugehen. Zum Glück aber hatte ich damals noch kein eigenes Telefon... .
Tja...Malm haben Ende letzten Jahres ihren dritten Longplayer "Kollaps" veröffentlicht, womit sich nun auch beim letzten geneigten Noise-Rock-Hörer der bandeigene Slogan endgültig eingebrannt haben dürfte: "Merke! Dir! Malm!". Mit dem Opener "Schwarze Liste" fallen die vier Würzburger auch gleich mal mit der Tür ins Haus, platzieren in kurzen Abständen messerscharfe Riffs und Breaks wie blutige Peitschenhiebe, während Sänger Ali Hartmann Gift und Galle spuckt. Auch das folgende "Tanz auf dem Vulkan" fühlt sich an wie ein hektischer und schier endloser Gang über glühende Kohlen. Das mathig-umherspringende "Enge" schafft in seinen knapp 3½ Minuten mehr Rhythmuswechsel unterzubringen, als Nickelback in ihrer gesamten, fast 25-jährige Diskografie. Und dann urplötzlich schmiegen sich Malm inmitten von "Captain" doch tatsächlich mit einer Art eingängigem Refrain einer melodieverwöhnten Randgruppe an. Man könnte das Spielchen nun bis zum 12. Track fortsetzen und unzählige Details offenlegen, wie das fast schon jazzige Intro von "Stopp!", der kleine psychedelische Ausritt im Titeltrack oder das, im Albumkontext vollkommen irritierende und irgendwie auch nichtssagende "Interlude". Dabei ist es schon beeindruckend, mit welchen minimalistischen Mitteln die Band hier maximale Abwechslung bietet. Malm verzichten bewusst auf Experimente außerhalb ihrer Komfortzone. Kein free-jazziges Saxofon oder überflüssiges Key-Geklimper, das die Hörerschaft nochmals mit gezielten Schlägen auf den Hinterkopf auf den freigeistlichen Gedanken des Albums hinweisen muss. Wo andere Genre-Vertreter über die Jahre hinweg schon längst in einer anderen Sparte gelandet sind, geht das Quartett seinen Weg unbeirrt weiter. So gibt es immerhin kein böses Erwachen und den Forderungen nach einem Back To The Roots dürften sich Malm ebenfalls nicht ausgesetzt sehen.
So ist "Kollaps" nicht mehr und nicht weniger ein brachiales, ur-instinktives Noise-Rock-Stück ohne Schnörkel und Kompromisse.

Auch, wenn der einleitende Vergleich zur sexuellen Extreme sicherlich an einigen Stellen hinkt (sorry, ein SM-Vergleich ist auch für mich absolutes Neuland), so wollte ich zumindest nicht vorangegangene Besprechungen wiederkäuen, die "Kollaps" metaphorisch mit klimatologischen und Straßenbau-technischen Ereignissen gleichsetzten. Im Endeffekt laufen aber alle Umschreibungen auf das gleiche Ziel hinaus: Hartgesottene machen Musik für Gleichgesinnte. Oder: man muss als Band schon leicht sadistische Tendenzen aufweisen, um derartige Musik einer etwas mehr noch masochistisch veranlagten Hörerschaft zugänglich machen zu können.


Band: Malm

Titel/Release: Kollaps/Album (500x Smokey Clear Vinyl; CD w/ Bonus-Song; Digital)

Label: Jackalope Music

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Noise Rock, Hardcore

FFO: Dÿse, Magnapinna, Haik

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Stream & Buy "Kollaps"

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Donnerstag, Februar 28

Extinct - A Piece Of Extinction!



Kurzinfo:

Nach dem Best Of, ist vor dem Nächsten. Die Querfurter Band Extinct legt knapp drei Jahre nach ihrem "Greatest Hits" eine sechs Song starke EP nach und erweitert damit ihre bislang eindrucksvolle Diskografie. Wie es sich für eine Band im Spannungsfeld zwischen Powerviolence und Hardcore-Punk gehört, lassen sich die Songs nicht anhand von Attributen wie den klassischen Strophe-Refrain-Mustern oder Schönklang bewerten. Stattdessen sorgen die vier Sachsen-Anhaltiner auch diesmal wieder für einen wohlig-düsteren AZ-Sound im gemütlichen Kreis der Pogenden.
Und so kündigen sich Extinct mit dem anfangs noch schleppenden Opener "Redundancy" standesgemäß bedrohlich an, ehe der Track mit dem einsetztenden Scream-Shout-Duett so langsam Betriebsklima aufnimmt. Mit dem folgenden "Abuse" legen die Jungs dann auch furios los. Was für ein Brett, dass die Angepissheit über die Gesamtscheiße auf den Punkt bringt. Ein misanthropischer Reigen, der sich mit niederdrückendem Downtempo-Riffing und explodierenden Blowouts über die gesamte EP erstreckt.
Untermalt wird die Endzeitstimmung durch das tolle Artwork von OdeToBlack.
Kleiner Schmankerl für die Kassetten-Liebhaber: die Tape-Version über Lower Class Kids kommt auf der B-Seite mit einem kompletten Live-Set vom Gig im Gerber 3 in Weimar vom 14. August 2018.


Band: Extinct

Titel/Release: A Piece Of Extinction!/EP (7" Vinyl -> 5x Testpress w/ Alternate Cover, 57x Black, 156x Green; 66x Tape; Digital)

Label: Affront Vinyl (7"), Lower Class Kids (Tape)

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Powerviolence, Hardcore-Punk

FFO: Strafplanet, Svffer, Derbe Lebowski

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Stream "A Piece Of Extinction!"

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Montag, Februar 4

Video Kills The Radio Star Vol. 8


Malm - Ins Nirwana


Es gibt Bands, die feiern gefühlt alle fünf Jahre eine Reunion oder eben solche, die sich für ihr nächstes Release die nötige Zeit nehmen, ohne gleich alles über den Haufen zu werfen. 
Die Würzburger Band Malm, deren Mitglieder zwischenzeitlich auch bei Bands wie Omega Massif, Blacksmoker und Elision aushalfen, ist seit 1998 eine feste Größe im deutschen Noise-Rock-Sektor. Über drei Alben und vier EP's, blieben sich die vier Bayern ihren kompromisslosen Stil stets treu. Pünktlich zum 20-jährigen Bandjubiläum, erschien nun also Album Nummer vier, "Kollaps", auf dem das Quartett abermals ein wahres Noisegewitter entfacht. Minimalistisch, dissonant und brachial zugleich, ohne die blank liegenden Nerven über das nötige Maß hinaus zu strapazieren. "Ins Nirwana" ist nur eines von zwölf eindrucksvollen Belegen dafür.
Nach der Split (2008) mit der Berliner Noise-Rock-Formation Kint, ist "Kollaps" das zweite Bandrelease, das u. A. auch auf Vinyl erscheint.


Buy "Kollaps" Here & Here



Kind Kaputt - Unperfekt


Pop und radiotaugliche Härte - ein Konzept, dass sich spätestens mit dem Debüt von Madsen in den Mainstream-Sendern hierzulande durchgesetzt hat. Ein Klischee, das vor allem im letzten Jahrzehnt durch Bands wie Marathonmann, Naechte, Kaff König oder Heisskalt kräftig bedient und vom geneigten Publikum durchaus belohnt wird. Auch der Sound der relativ jungen Formation Kind Kaputt erscheint für die feucht-dunklen Wände der Punk-Spelunken etwas zu überambitioniert, obwohl das Mannheimer Trio auf seiner Debüt-EP "Die Meinung der Einzelnen" textlich am Zahn der Zeit bleibt und musikalisch durchaus einige Überraschungen parat hält.
"Unperfekt" ist der etwas ruppigere Ausreißer der EP, was sicherlich auch dem Feature von Jonas Jakob (8KIDS) zu verdanken ist.
Die zur EP gehörige CD ist über dem bandeigenen Shop erhältlich.





Peter Coretto - Sie zündeln wieder



Peter Coretto sind auch schon gefühlt eine Ewigkeit Bestandteil der deutschen Post-Punk-Bewegung. Jetzt, wo die Euphorie nach dem letzten Turbostaat-Studio-(und meiner Meinung nach weitaus nicht bestem)-Album allmählich verflogen ist und einige hoffnungsvolle Nachzügler vorzeitig die Segel gestrichen haben, könnte für die vierköpfige Band aus München vielleicht genau der richtige Zeitpunkt gekommen sein, um mit ihrem neuen Album "Angst kostet Freiheit" ein paar desillusionierte Genre-Verehrer zurück zu erobern. Der Vorreiter "Sie zündeln wieder" erzählt zwar nichts Neues, packt aber den heimischen und scheinbar stetig wachsenden Tumor direkt an der Wurzel: "Rassismus - keine Meinung! Antisemitismus - keine Meinung! Faschismus, Sexismus - keine Meinung!". So sieht's aus. Und vielleicht braucht es eben diese direkte Art und eine solch eingängige Hymne, um die breite, gleichgültige Masse zu erreichen und ihr die Augen zu öffnen.
Wurde die Vorgänger-EP "Gier" einmal mehr vom Quartett selbst produziert, legte diesmal kein geringerer als Torsun Burkhardt (Egotronic) persönlich Hand an.


Buy "Angst kostet Freiheit" Here & Here



[trap] - Gommage Éclat



Eigentlich gar nicht meine Musikrichtung, eigentlich nicht mal ein richtiges Video. Eigentlich habe ich mich auch bloß mal wieder gefragt, auf welchen musikalischen Pfaden Emmanuel Aldeguer (H.O.Z., Ebisu, 42 The Band) gerade so wandert. Und siehe an, da stoße ich doch tatsächlich auf ein (schon älteres) Projekt namens [trap], dem Manu zwar seine Stimme leiht, ansonsten aber gar nicht so wirklich involviert ist.
Hinter [trap] stecken der Breakbeat- und Sample-Virtuose Zôl und Drummer und "Hybrid Artist" Merlin Ettore. Für ihr Debüt-Album "Offrande 1,697", das standesgemäß über das japanische Label Murder Channel erschien, vereint das Duo schneidende Breakbeats mit tollen Drum n Bass-Kombinationen und etwas Dubstep - und sampeln dazu Manu's und Sylvain Bekaert's Gekreische und Geshoute aus dem H.O.Z.-Album "Loud Noise Making".



 

Mittwoch, November 14

Pigeon - Bug



Kurzinfo:

Die Veröffentlichung ihres ersten Longplayers liegt noch nicht einmal ein halbes Jahr zurück, da meldet sich das umtriebige Quartett Pigeon auch schon wieder mit einer neuen EP an. "Bug" enthält fünf Songs, die nahtlos mit dem zuletzt kühler gewordenen Sound der Band verschmelzen. 
"Concern" balanciert gleich zu Beginn auf einem unangenehm stechenden Nagelbrett. Die schneidenden Gitarren, der tief-kratzende Bass, die harten Schläge der Drumsticks und der wie in einer großen, leerstehenden Lagerhalle umher irrende Hall-Gesang von Denes Bieberich - alles klingt nach mühselig-schleppender und schweißtreibender Schwerstarbeit. Auch das folgende "Ideal" startet eigentlich mit einem recht zugänglichen Riff und schraubt den Noise-Anteil etwas hoch. Doch trotz einiger höherer Anschläge, schafft es auch dieser Song nicht vollkommen aus seiner grund-düsteren Aura auszubrechen. Erst mit dem instrumentalen Titeltrack treibt die EP allmählich aus der Melancholie und mündet schließlich im fast schon ausgelassenen Closer "Hoisin".
Nach ihrem externen Labelausflug, erscheint "Bug" als Tape über das vom Flennen-Kollektiv supportete Leipziger Klein-Label Tortellini Records.


Band: Pigeon

Titel/Release: Bug/EP (50x Tape; Digital)

Label: Tortellini Records

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Post-Punk, Wave, Noise, Alternative, Industrial

FFO: The Jesus Lizard, Milemarker, No Trend, Sonic Youth

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Blog\\//Flennen




DL & Buy "Bug" Here & Here


Mittwoch, November 7

Ebisu - Paris/Berlin



Kurzinfo:

Sucht mensch im Netz nach dem Begriff "Ebisu", könnte er/sie auf ein chinesisch wirkendes, sich allerdings als japanisch herausstellendes Restaurant in Frankreich stoßen. Das ist toll, aber irgendwie auch wenig hilfreich. Geht die Suche weiter, stolpert mensch unweigerlich über die shintoistische Gottheit Ebisu, dem Geist der Fischer und des Glücks, womit mensch der hier avisierten Sache schon etwas näher kommt. Der japanischen Mythologie nach, wurde Ebisu als Krüppel geboren (ohne Knochen), weswegen ihn seine Eltern in einem Boot aussetzten. Als er an den Strand einer japanischen Insel angespült wurde, erwachte er zu neuem Leben. Genau dort will das gleichnamige französisch-deutsche Duo musikalisch ansetzen - laut, krachig, imposant, impulsiv. Kein Wunder also, dass Ebisu, The Band, in ihrer experimentellen Vielfalt nicht selten an die japanischen Zeuhl-Götter Ruins erinnert. Und so trudelt der Opener "Le Concert" auch fast schon majestetisch ein und irrt folgend in seinen knapp acht Minuten Spielzeit zwischen trashigen 70er-Jahre-Keyboardsounds und wild umher hüpfenden Avant-Jams.
Ebisu ist ein Nebenprojekt von Jean Jacobi (Guts Pie Earshot, Tecbilek, Subvasion) und Emmanuel Aldeguer (42 The Band, AL°R), den ich seit H.O.Z. schon etwas lieb gewonnen habe, ohne mich jetzt komplett als Groupie entblößen zu wollen. Eben jener leiht dem folgenden El Machetti-Remix des Openers auch seine Stimme, was den Wahnsinn in eine ganz andere Ecke drängt. Den letzten A-Seiten-Song, ein Idiot Saint Crazy-Remix des Openers, will ich an dieser Stelle nur mal höflichkeitshalber erwähnen.
Die B-Seite setzt die wilde Odyssee zunächst über drei Songs verteilt in Berlin fort. Vom Prenzlberg über F-Hain bis nach Lichtenberg, schafft es das Duo trotz minimalistischer Instrumentierung und ohne Gesang, die Hektik und Tücken der Großstadt einzufangen und in eine fast schon Noir-mäßige Verfolgungsjagd durch die 70er ausarten zu lassen. Auch wenn die eingesetzten Stilmittel sicherlich begrenzt sind, gestalten sich die Songs vor allem durch die vielen Rhythmuswechsel als äußerst spannend, die nie im unüberschaubarem Chaos enden. Dass die EP dennoch im noisig-überlagerten "St. Petersburg" ihr knirschendes Finale findet, rundet das Gesamtbild eines, im wahrsten Sinne des Wortes, internationalen Releases ab.

"Paris/Berlin" wurde ursprünglich als Crowdfunding-Projekt über Indiegogo gestartet, das sein Mindestziel allerdings nicht erreichte. Emmanuel Aldeguer finanzierte das 10"-Vinyl-Release daher kurzerhand aus eigener Tasche mit Hilfe von Broken Silence und dem Major Label. Wer eine Scheibe haben möchte, wendet sich somit ungeniert an dem Franzosen.


Band: Ebisu

Titel/Release: Paris/Berlin / EP (Black 10"-Vinyl; Digital)

Label: DIY

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Noise-Rock, Experimental

FFO: Mike Patton, Ruins, Rotor
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         Links:     \_(°_°)_/


Buy via PM on FB to Emmanuel Aldeguer or Mail to: manuhoz@gmail.com





Mittwoch, Oktober 31

DEW - Dew-Stortion//Dew-Morgen



Kurzinfo:

Mit "Dew-Stortion//Dew-Morgen" legt uns die Oberhausener Band DEW ihr Debüt-Album vor. Und was für eins! Das kryptisch veranlagte Trio, dem Mitglieder ehemaliger Powerpissed und Clarkys Bacon angehören, klingt mit seinem apokalyptischen Sound wie eine Dystopie der in den 70er-Jahren von Kraftwerk prognostizierten "Mensch-Maschine"-Beziehung.
Das Zusammenspiel der rumpeligen Drums, den molligen Saitenanschläge und dem gequälten Gesang, wirkt wie monoton-maschinelle Akkordarbeit, die eine düstere bis erdrückende Atmosphäre schafft. Die Proberaumaufnahme mit anschließenden Live-Overdub-Vocals, dürfte dem Gesamtbild dieses beklemmenden Kleinods sicherlich zu Gute gekommen sein.

Wer an eine CD-r in Vinyl-Look in selbstgebastelter Hülle (zwei Artwork-Varianten, siehe Bandcamp) interessiert ist, schreibt der Band eine Mail.


Band: DEW

Titel/Release: Dew-Stortion//Dew-Morgen/Album (Selfmade CD-r on demand; Digital)

Label: P.O.G.O. Records (Digital)

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Alternative, Industrial, Noise-Rock, Post-Punk, Wave

FFO: Gewalt, Pigeon, Vlimmer, AUS

Links: Facebook\\//Youtube





DL "Dew-Stortion//Dew-Morgen" Here & Here

Buy CD-r via Mail to: dewcentury@gmail.com


Montag, Oktober 15

Leonard Las Vegas - Jagmoor Appendix



Kurzinfo:

Hier sind sie also, die fehlenden sechs Songs zum vorangegangenen "Jagmoor Cynewulf", die die Buch-Album-Kombination nun auch musikalisch zum Abschluss bringen.
Vertraut und Achterbahn-artig eintrudelnd mit "Birth & Death", das hier als Original-Version vom Album-Song seinen Platz findet und als wohl einer der aufregensten Songs aus Leonard Las Vegas' langer Diskografie-Liste benannt werden kann, taucht der desillusionierte Protagonist im folgenden "The Best" wieder in schwelgerische Trübheit ab. Doch wie schon beim Album, transportiert auch die EP viel akustische Wärme und Licht, die die innere Zerrissenheit des tragischen Helden und dem damit einhergehenden schizophrenem Konzept mit viel experimentellen Pop umschmeicheln. So springen die Songs zwischen bittersüßen, verträumten und dynamisch galoppierenden Melodien hin und her, münden auch mal in den einen oder anderen Freak-Out und verschmelzen so zum spannendem wie unberechenbarem Finale.

Nach der finanziellen Vinyl-Release-Misere des Albums, erscheint "Jagmoor Appendix" wieder standesgemäß dem Königs-Wusterhausener Labels Blackjack Illuminist als limitiertes Tape und liebervoll gestalteter Digipak-CD.


Band: Leonard Las Vegas

Titel/Release: Jagmoor Appendix/EP (CD; 10x Tape; Digital)

Label: Blackjack Illuminist

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Alternative, Dream-Pop, Indie, Shoegaze, Noise

FFO: The Cure, My Bloody Valentine, The Rational Academy, David Bowie

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Stream & Buy "Jagmoor Appendix"


Sonntag, Oktober 7

Fashion Week - So Last Season



Kurzinfo:

Nach ihrem Demo "Applicator" und dem Debüt-Album "Prêt-Á-Porter", ist die amerikanische Underground-All-Star-Band Fashion Week nun also mit ihrem finalem Release "So Last Season" zum dritten Mal auf unseren Blog-Seiten vertreten. Zurecht, denn die Compilation, die neben der remasterten "Coextinction #11"-EP und die als Download beigefügte "Applicator"-Demo auch die Helmet- und Unsane-Coversongs "I Know" und "Only Pain" sowie zwei Live-Tracks und eine B-Side enthält, zeigt nochmal schonungslos die ganze Bandbreite der Band aus New York auf. Knirschender Grunge, kratziger Noise-Rock, zerrender Hardcore - und mittendrin immer wieder ein paar krachige Ohrwürmer wie "God Save McQueen" und "So Last Season".
"So Last Season" ist das Monument einer Band, die während ihrer relativ kurzen Schaffensphase viele Eindrücke sammelte und zu einem brachialen wie eigenständigen Soundtrack formte. Gastspieler wie Tom Tierney (Tidal Arms), Kurtis Lee Applegate (Family), David Castillo (Primitive Weapons) und Vinnie Signorelli (Unsane), ergänzen standesgemäß das vielseitige Haupt-Quintett um Mitglieder von Bands wie Godmaker, Queen Elephantine, The Cutest Babyhead Ever, Aberdeen Lizards, Ghost Robot Ninja Bear, Inswarm, Nakatomi Plaza, Jarboe, Victory At Sea und Lidia Stone.
Kaufen, ehe ihre Platten in 20 Jahren als gesuchte Sammlerstücke zum Fünffachen feilgeboten werden.


Band: Fashion Week

Titel/Release: So Last Season/Compilation (300x Seafoam Green Vinyl, Digital)

Label: Solar Flare Records

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Grunge, Hardcore, Noise

FFO: 

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Stream & Buy "So Last Season" Here & Here

Buy Here


Mittwoch, Oktober 3

Pigeon - Pigeon



Kurzinfo:

Mit ihrem ersten Longplayer brechen Pigeon erstmalig aus ihren DIY-Kollektiven Flennen und Späti Palace aus und veröffentlichen es, neben den beiden deutschen Labels Black Verb Records und Dunkelziffer Records, auch über die polnischen Kollegen von Antena Krzyku.
Seinem Sound bleibt das Berliner Quartett um Kopf Denes Bieberich (u. A. Ich, Alexander, Molde, Zelf, Deltoids) dabei natürlich treu, indem es mit "Pigeon" genau dort ansetzt, wo die drei Songs ihrer gemeinsamen Split-EP mit Girlie aufhörten. Nämlich irgendwo in der End-80er- bis Mitte-90er-Jahre-Noise-Rock-Ära. Zwischen grungig-krachenden und -quietschenden Dissonanzen, etwas mathematischer Willkür, kratzigem Schrammel-Indie und narzisstischem Post-Punk mit kühlem (No-)Wave-Überzug, schälen sich immer wieder klare Strukturen und tolle Melodien heraus, allen voran im eingängigen "Nizza", aber auch im treibenden "Gaping" oder den mal kurz im düsteren Industrial vorbeischauenden "Couches" und "Lower".

Band: Pigeon

Titel/Release: Pigeon/Album (300x Black Vinyl; Digital)

Label: Black Verb Records, Dunkelziffer Records, Antena Krzyku

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Post-Punk, No Wave, Noise-Rock, Industrial

FFO: The Jesus Lizard, Milemarker, No Trend, Sonic Youth

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Blog\\//Flennen




Stream & Buy"Pigeon" Here & Here

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Donnerstag, September 20

FESTWUCHSERWILDFESTE - Festwuchs



Kurzinfo:

Das Vogtländer Label Børwærk Records kam ja in letzter Zeit bei uns etwas häufiger zur Ansprache. Ein Grund dafür ist eben auch das rege Treiben auf dem sprießenden Label, das jüngst ein weiteres Inzest-Projekt in seiner Familie begrüßen dürfte. FESTWUCHSERWILDFESTE ist die Verschmelzung der beiden Label-Sprosse FESTEFESTE und WILDWUCHS, die in erster Linie nach genau dieser Quintessenz klingt: bissiger Noise-Rock gepaart mit rauhem Schrammelpunk.


Band: FESTWUCHSERWILDFESTE

Titel/Release: Festwuchs/EP (CD; Digital)

Label: Børwærk Records

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Noise-Rock, Punk, Hardcore

FFO: HAIK, Dÿse, Specht Ruprecht

Links: --II--II--II--II--II--II--




Stream & Buy "Festwuchs"
 

Mittwoch, September 12

Raucнen - Tabakbörse



Kurzinfo:

Schon wieder so eine garstige Frontfrau, die sich hemmungslos und wutentbrannt über die deutsche Gesamtscheiße auslässt. Da Bandnamen und eigens kreierter Stil ("Mopedpunk") in Besprechungen einschlägiger Webzines schon genug Wortspielereien über sich ergehen lassen mussten, beschränke ich mich auf das Wesentliche. Sieben Songs schmücken das Debüt des Hamburger Quartetts, die knapp zehn Minuten von der Hörerschaft einfordern. Auf der Basis von mal schnelleren und mal langsameren, in jedem Fall aber treibenden Hardcore-Punk-Melodien, erbricht sich die Sängerin u. A. über "deutsche Tugenden", Mackertum, Junggesellenabschiede und dem post-modernen Hassobjekt Schrebergartenkolonien. So und nicht anders sollte wütender, ernstzunehmender Punk klingen. Hoffentlich kommt da noch mehr.


Band: Raucнen

Titel/Release: Tabakbörse/EP (100x Mint Green & 200x Vinyl w/ Screenprinted B-Side; Digital)

Label: Zeitstrafe

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Powerviolence, Hardcore-Punk

FFO: Strafplanet, Boston Curtis, Slow Meth, Sacridose

Links: Facebook\\//Youtube\\//Instagram
  



DL "Tabakbörse"

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Donnerstag, September 6

BØRLAUB - RØH



Kurzinfo:

Nichts Neues, aber dafür Gutes aus dem freigeistlichen Hause Børwærk Records. Gegenüber dem epischen Debüt, ist BØRLAUB's zweites Release "RØH" nun wesentlich kompakter ausgefallen. Auf einer ausgedehnten Basis aus Drone- und Post-Rock, mäandert zwar auch der Opener "Fundament" über neun Minuten durch sanfte bis noisig-aufgekratzte Soundscapes. Die beiden folgenden Songs "Still" und "Rise & Shine" fallen in ihren Längen dagegen fast schon in Radio-taugliche Formate und erhalten vor allem durch den nunmehr nicht unerheblichen Anteil von Gesang greifbarere Strukturen, als dies noch auf dem experimentierfreudigen Vorgänger der Fall war. So oder so schaffen BØRLAUB eine tolle Symbiose aus einer intensiven atmosphärischen Dichte und druckvollen Klanggewalt.


Band: BØRLAUB

Titel/Release: RØH/EP (Digital)

Label: Børwærk Records

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Ambient, Drone, Post-Rock, Experimental, Noise

FFO: Constant Structures, Contra, Witch Hazel

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud




Stream & Buy Digitally "RØH"

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Mittwoch, August 29

Wiederhören: Help She Can't Swim - Fashionista Super Dance Troupe



Zwar war das ehemalige Quintett Help She Can't Swim nicht sehr lange aktiv (um die vier Jahre), dafür umso produktiver. Zwei Alben und etliche EP's und Singles stehen der Band aus Southampton zu Buche. Ihr erstes "Fashionista Super Dance Troupe" hält neben den beiden Single-Auskopplungen "I Don't Need You" und "Bunty Vs Beano" noch neun weitere extrovertierte, keyboard-lastige Indie/Art-Rock-Perlen parat, die zwar heutzutage im Je-ausgefallener-desto-besser- oder Geht-nicht-gibt's-nicht-Konsens wohl eher - wenn überhaupt - belächelt werden würden, im Jahr 2004 allerdings für eine willkommene Abwechslung sorgten. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und behaupten, dass ihr Mix aus ungestümer Roughness und rockigen Sex-Appeal vielleicht auch Pate für später in Erscheinung getretene Bands wie Be Your Own Pet oder Pulled Apart By Horses stand.

>>>Myspace<<<


Montag, August 20

Schwache Nerven - Für "Wehret den Anfängen" ist es zu spät



Kurzinfo:

Auch das zweite Release der Göttinger Knüppeltruppe Schwache Nerven läuft unter dem Motto "Gegen die gesellschaftliche Gesamtscheiße". Neben Schrebergartenkolonien und maschinellen Arbeitern, geht es vor allem der gleichgültigen und desillusionierten, oberen Mittelschicht an den Kragen - und mittendrin ein Kracher wie "Burn Your Flag". Ansonsten fegt das Quartett auch weiterhin mit einem Affenzahn und voller Wucht durch Fastcore und Hardcore-Punk, denen auch immer wieder kleine melodisch-treibende Momente entspringen. "Für "Wehret den Anfängen" ist es zu spät" zählt einen Song mehr (16) als sein Vorgänger, braucht dafür aber fast 2½ Minuten weniger (nicht mal zehn Minuten) bis zur Ziellinie.


Band: Schwache Nerven

Titel/Release: Für "Wehret den Anfängen" ist es zu spät/Album (Tape & Vinyl in Planung; Digital)

Label: Pain Of Mind (Vinyl), DPG Records (Tape)

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Fastcore, Punk, Crust, Hardcore-Punk

FFO: Cave Canem, ill!, Ersatz, Weak Ties

Links: Facebook\\//Bandcamp




DL "Für "Wehret den Anfängen" ist es zu spät"

Buy via PM on Facebook or Mail to: schwachenerven@gmx.de



Mittwoch, August 8

Kennt ihr die (noch)?






Auch eine Legende wie Kurt Cobain hat eine graue musikalische Vorgeschichte. Neben The Jury, heißt diese namentlich Fecal Matter, die getrost als eine Pre-Supergroup bezeichnet werden kann. Mit dabei waren Dale Crover (u. A. ex-Shrinebuilder & -Nirvana, jetzt Melvins und Crystal Fairy), Mike Dillard (ex-Melvins) und Buzz Osborne (u. A. Melvins, Crystal Fairy, Fantômas). In der Tat klingt das Resultat genau so, wie sich der musikalische Background lesen lässt: 3:2 für Melvins.

Oben gibt's die remasterte Version zu hören. Wer es noch analog-noisiger mag, kann das Video unten abspielen.




Jahres-Sampler