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Mittwoch, Juli 1

Gesplittet, Teil 9

Henry Fonda & Get Worse - Hardcore Is My Life, I'll Carry The Name Split-LP



Henry Fonda, das Nonplusultra der deutschen Powerviolence/Trashpunk-Szene mit Mitgliedern von Afterlife Kids, ANCST und halbstark, melden sich fast zwei Jahre nach ihrem letzten Album "Deutschland du Täter!" mit einem neuen Release zurück. Bitter für Diejenigen, die tatsächlich schon sehnsüchtigst auf ein Lebenszeichen ihrer Lieblingsmetzger gewartet haben, denn der Spaß dauert lediglich 4:21 min. Die haben es dafür um so mehr in sich und prügeln beinhart durch Trash, Hardcore-Punk, Grind und Powerviolence und wettern gewohnt gegen alles und jeden. Ein Song wie "Love Pigs, Hate Cops" darf dabei natürlich nicht fehlen.
Get Worse aus Leeds brauchen für die B-Seite und ihren fünf Songs gar nur 3:33 min. Das Trio mit The Afternoon Gentlemen-Beteilung (oder auch von deren "Hip Hop from the Undergrind"-Nebenprojekt TAG Crew) geht die Sache mit ähnlich viel Leidenschaft an, vielleicht mit etwas mehr Grind-Spirit und räudigerer Punkästhetik. Passt!

Die über Nerdcore Records erschienene Split-LP gibt es in zwei Varianten, wobei ich mal behaupten möchte, dass die weiße "Regular Edition" mit 1-Color-Black-Silkscreenprint (300 St.) gegenüber der "Mailorder Edition" mit 4-Color-CMYK-Silkcsreenprint auf Clear Vinyl (200 St.) die Nase etwas weiter vorne hat.

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Stream A-Seite\\//Stream B-Seite

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Marais & Auszenseiter Split-12"


Nach je einem Demo-Tape im Jahr 2013, haben sich beide Bands hierzulande zu Geheimtipps der Screamo-Szene gemausert. Daher war ihr Weg auf eine gemeinsame Split scheinbar auch nur noch eine Frage der Zeit.
Die Mitglieder der Kölner/Bonner Band Marais hatten sich bereits im Vorhinein mit Gruppen wie Maîtresse, risse. und später auch Birmingham Pines ein paar Standbeine aufgebaut. Ob sie deshalb auf der Straße erkannt und von hysterischen Fans zur Selfie-Jagd freigegeben sind, kann ich nicht beurteilen. Es lässt aber schon erahnen, in welche Richtung das Ganze ausholen wird. Marais sind keine Post-Whatever-Mitläufer. DIY und Punk schreiben sie sich auch auf ihrem ersten Labelrelease ganz groß auf die Flagge. Die schneidenden Gitarren, die sich zu messerscharfen Riffs, hook-lastigen Geplänkel oder wechselnden Rhythmen formen, hätten ebenso wie das rohe Dauergeschreie auch durchaus fetter produziert werden können. Der Umstand, dass die fünf Songs mehr nach Proberaum denn Studio klingen, ist allerdings ein bewusster Schritt der Band. Gut so!
Im Proberaum fühlen sich scheinbar auch die vier Nordrhein-Westfälischen Jungs von Auszenseiter ganz wohl. Ein "Die Beschissenheit der Dinge"-Sample, untermalt von einem morbiden Piano, leitet ihre B-Seite ein. Schon mit Einsetzen des ersten düsteren Riffs, sollten hier Diejenigen ihre Ohren spitzen, die während Jungbluth's einjährigen Releasepausen nach einer Alternative suchen. Düsteres Gemetzel zwischen Hardcore-Punk und Crust, etwas mehr Screamo- und weniger Post-Rock-lastig als eben genannte Referenzband, aber genauso kompromiszlos. Führt mich bedenkenlos zu der Phrase: jetzt schon eines der DIY-Split-Highlights des Jahres!

Die Split-LP erscheint in einer limitierten Auflage von 200 schwarzen Vinyls, die sich gerecht auf orange/schwarz und lila/grau besiebdruckte Pappschuber aufteilen. Colossus Tapes hat derweil eine Tape-Variante angekündigt.

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DL Marais/Auszenseiter Split-12" Here & Here

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Fresh Nelson & Dear Seattle Split-EP


Gesucht, gefunden, Split-Tape aufgenommen. Ich hab's ja bereits in dem Post zu Edalene leise angedeutet, dass sich in der letzten Zeit viel getan hat in der australischen Undergroundszene. Here we go again! Mit dem Melbourner Quartett Fresh Nelson und Dear Seattle aus Sydney treffen hier zwei grundauf gleich gepolte Bands aufeinander, die man grob in die Sparte des Melodic Hardcore stecken kann. Vor allem in den emotionalen, cleanen Postrockmomenten erinnert mich das dann sehr stark an die jugendlich klingenden Citizen. Besonderes Highlight der Split, die auf 20 Butterscotch-farbene und 20 grüne Tapes über das Brisbaner Label Tired Eyes Records erscheint, ist das Pixies-Cover "Where is My Mind" auf der Fresh-Nelsen-Seite. Aber gut: es ist wohl die größere Kunst, diesen Song kaputt zu spielen.

Mit ihren Songs "You" und "You Won't Feel a Thing" sind beide Bands auch auf dem Age-Crisis-Records-Sampler "Tearjerkers For Jerks" vertreten (PWYW-DL HIER).

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DL Fresh Nelson/Dear Seattle Split-EP Here & Here

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Justin Pearson & Gabe Serbian - Incompresa 7"


Anders als Omar Rodriguez-Lopez und Cedric Bixler Zavala, können Justin Pearson und Gabe Serbian einfach nicht voneinander lassen. Glücklicherweise, denn wie schon beim o. g. Ausnahmeduo, sind die beiden erst dann besonders stark, wenn sie ihre kranken und experimentellen Ideen gemeinsam ausleben können. Zwei Überlebende, die dem modernen Zeitgeist trotzen und einfach und immer weiter machen. Ob The Locust, Holy Molar, Head Wound City oder Retox, ihre Handschrift ist unverkennbar. So auch für Asia Argento's Film "Incompresa" (dt. Titel "Missverstanden"), in dem Pearson nicht nur die Rolle des "Ricky" spielt, sondern für den sich die beiden erneut zusammen gerauft haben und mit "Old Age Lasts Too Long" und "Attractive Mammals" zwei Songs zum Soundtrack beisteuerten. Das Resultat lässt sich ganz einfach mit zwei Schlagwörtern auf den Punkt bringen: typisch San Diego, typisch ThreeOneG. Allerdings auch ein untypischer Soundtrack, der seine spröde 80er-Mentalität erst dann richtig entfaltet, wenn man den Film dazu sieht.

P.S.: Serbian und Luke Henshaw haben mit "Variations in the Key of the Afterlife" ein weiteres, instrumentales Soundtrack-Projekt am laufen, in dem unter vielen Anderen auch Pearson mitmischt.

Justin Pearson: Facebook\\//Myspace\\//ThreeOneG

Gabe Serbian: Twitter\\//Instagram\\//Gabe Serbian & Luke Henshaw

Stream Song "Old Age Lasts Too Long"

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Mittwoch, Oktober 23

Der Bandcamp-Hardcore Vol.18


Sailing On:

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"How thin is the line between life and death", brüllt Sailing-On-Frontfrau Caroline mit der ersten Zeile des Songs "Aokigahara" fast schon verzweifelt ins Mikrofon. Der Song ist nach einem sagenumworbenen Wald in Japan benannt, der nach einem 1960 erschienenem Roman zum landesweiten Mekka für Selbstmörder avancierte. Schon das Intro ihrer "Hinterland"-12" macht klar, dass Sonnenstrahlen hier erst dann wieder den Boden berühren werden, wenn der Mensch aus seinen Fehlern gelernt hat. Und da das noch ein Weilchen dauern kann, rollt das Karslruher/Heidelberger Quartett bis dahin erst einmal einen kratzigen Teppich aus Tristesse und Düsternis aus. Ein depressives und brachiales Monstrum aus Post-Hardcore, Crust und Punk, dass sich allerdings melodischer gibt als die bereits tolle Debüt-EP. Leider war nach ihrem zweiten Release und einigen Konzerten im letzten Jahr schon wieder Schluss. Drummer Daniel hat mit Sleep Kit immerhin schon eine Folgeband, während Caroline jüngst als Gastsängerin auf dem Rant-Debüt nicht zu überhören war.


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We Came Out Like Tigers:

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I Would Set Myself on Fire for You, The Pax Cecilia, Mononoke, Envy, und, und, und... . Sie alle machten es vor und etablierten die Geige im Hardcore, als wäre sie nur dafür geschaffen worden. Das Liverpooler Quartett We Came Out Like Tigers kann ebenfalls auf einen talentierten und spielfreudigen Violinisten zurück greifen, ist aber weder eine Post-Metal- noch -Rock-Band. Zumindest nicht direkt. Den Klangkosmos der Band auf ein überschaubares Maß einzugrenzen, ist jedenfalls nicht so einfach. Allein die Geige bedient ein weitreichendes Spektrum, rollt atmosphärische Soundscapes aus, führt sich an anderer Stelle als zweite Gitarre auf oder schaukelt sich zur irischen Folklore hoch, wie im letzten Song "I Sing of Sorrow & Joy" ihres Debüt-Albums "Agelessness and Lack". Damit ist aber eben nur ein Bruchteil ihrer Musik erklärt, denn auch die übrigen Instrumente versuchen sich nicht zwangsläufig auf einen Stil festlegen zu müssen. Da wird die komplette Palette von Doublebass-Geschredder bis hin zu fiesem Black Metal und erbittertem Screamo bedient, während die Texte Themen wie Anti-Faschismus, Religionsfanatismus und ausbeutende Regierungen aufgreifen und somit im Punk wildern. Dass sich We Came Out Like Tigers trotz dieser Fülle nicht übernehmen, zeugt von der Klasse der Band, die mit "Agelessness and Lack" ein vielseitiges aber dennoch homogenes Album geschaffen hat. Meine Kaufempfehlung!


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Divorce:

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Mann oh Mann, da bleiben einem fast die Worte im Halse stecken. Divorce aus Glasgow haben großen Spaß am Verzerren und Überlagern und erinnern mit ihrer noisigen Experimentalmusik an die Kracheskapaden von Batalj, nur dass neben ächzendes Geschrei auch noch nervtötender weiblicher Sprechgesang hinzu kommt. Wäre der Name nicht bereits vergeben, hätte sich das Quartett auch gut und gerne Bastard Noise nennen können. Um damit ihre Musik zu beschreiben, reicht es jedenfalls alle mal. Fast ein Jahr nach ihrem S/T-Debüt-Album, gab die Band im August 2013 ihr Aus bekannt. Als Abschiedsgeschenk hinterließen sie ihre EP "Seance Fiction", die es nicht mehr ins Presswerk schaffte. ex-Drummer und ehemals einziges männliches Divorce-Mitglied Andy Brown zielt mittlerweile mit seiner neuen Band Ubre Blanca auf wesentlich verträglichere Töne ab.


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Some Are More Equal + Howl & Prey

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Möchte man etwas bewegen, so sollte man mit diesem Wunsch möglichst nicht alleine da stehen. Als unzufriedenes Individuum wird man sowieso immer nur mit dem Strom schwimmen und die Zweifel zumindest solange in sich hinein fressen, wie die menschliche Hülle an Kapazitäten bereitstellt. Some Are More Equal sind immerhin schon zu fünft und spoilern bereits im Bandnamen sowie im Titel ihres zweiten Releases "Waiting for Better Days", worum es hier gehen soll. "If we move every chain will break", resümiert der letzte Song "Four Walls" in seinem Schlussvers. Das alles wird in melodischen (Post-)Hardcore bzw. Hardcore-Punk verpackt, der sich durch seine düstere und depressive Grundstimmung am Boden hält. 2012 gab die Osnabrücker Band ihre Auflösung bekannt. Noch ehe die Frage aufkam, wie es denn mit den Beteiligten weitergehen solle, waren einige von ihnen bereits in einem neuen Projekt involviert. Howl & Prey stellen mit ihrer Debüt-EP klar, dass sie nicht all zu weit entfernt von ihren Wurzeln im Hardcore graben wollen. Mal etwas schnellerer Post-Hardcore oder sich schwermütig voran schleppend, sich aber immer in Reichweite zur Melodie bewegend. Ihre EP nahmen sie anbietender Weise in der Tonmeisterei auf.


Lizards Have Personalities:

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2010 veröffentlichte das amerikanische Trio Lizards Have Personalities gleich zwei EP's in Eigenregie und heimste für diese viel Lob ein. Ihr Debüt "In All Honesty" sollte den Hörern gleich mal zeigen, dass es sich die Band aus Lawrence, KS weder leicht machen, noch dass sie einfach bloß auf den überladenen Post-Hardcore-Zug aufspringen will. Der Opener "Like Lifetime Movies" stellte sich als Screamo-Querkopf gleich mal vorne an, verband metallische Riffs mit post-rockigen Nuancen und versetzte seine Melodie in ein Wechselbad der Gefühle. Das konnten Biffy Clyro auch mal so gut, nur dass LHP vollkommen auf cleanen Gesang verzichten und sich Andrew Mcshan stattdessen lieber die Seele aus dem Leib schreit. In diesem Sinne dehnte sich "In All Honesty" auf fast 25 Minuten aus - und überzeugte. Der Nachfolger "Snows of Kilimanjaro" wollte sich auf die Lorbeeren seines Vorgängers nicht ausruhen und überraschte mit relativ kurz gehaltenen Songs. Nach einem sich steigernden Intro wird allerdings schnell klar, dass sich die Kürze nicht zwangsläufig in Eingängigkeit ausdrücken muss. Vielmehr teilten sich die ersten fünf Songs ihre Energie ein, um im furiosem, fast zehn minütigen Finalsong und Titeltrack nochmal vollkommen freizudrehen oder sich im mäandernden Post-Rock zu verlieren. Bis heute kamen noch einige Splits und Compilation-Songs hinzu. Drummer Joel Layton ist seit diesem Jahr auch bei der Melodic-Hardcore-Punk-Crew A Constant Refrain (Free-DL's HIER) zu erleben, während Mcshan kürzlich als Gast bei den deutschen Crust-Punks Rant vorbei schaute. Hoffentlich nicht schon ein Abgesang auf LHP, denn das wäre verdammt schade.


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Chuck Bass:

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Als SCREAMPUNKBOYGROUP kündigen sich Chuck Brass selber an und treffen damit vielleicht sogar den Nagel auf den Kopf. Gesellschaftskritik, gespickt mit emotionalen Tiefgängen und eigenen Unsicherheiten, die mit hysterischen Screams herausgespeit werden. Und dass sich hinter dem Bandnamen vier junge Männer verbergen, dürfte wohl auch der Definition einer Boygroup gerecht werden, nur dass es eben keine hysterischen Teeniegören sind, die die Kieler Band als Zielgruppe anvisieren. Zumindest nicht nur. Vielmehr sollten sich diejenigen angesprochen fühlen, die ihr Herz an mitreißenden, teils erbitterten Screamo verloren haben, der mit derben Riffs in die vollen geht, auch mal die seichten Töne trifft oder das Tempo ganz drosselt. Im Ganzen eine durchaus gelungene Debüt-EP, die mit Hilfe von vier Labels auf hundert rote Tapes verteilt wurde. 


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White Fields:

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Das Coburger Quintett White Fields exisitiert seit 2010 und brachte es nach ihrer tollen Debüt-EP "Chronicles" (2011, erschienen als CD und auf Tape) auf eine Split mit der australischen Emocore-Band Perspectives (Free-DL's HIER) und die 2012 erschienene "Miles from Home"-12". Letzt genanntes Release gestaltet sich nicht nur durch seine Gäste in "Grey Morning Lights" (mit Michael der Regensburger Metalcore-Punk-Band und Final-Exit-Labelmates Blackstone ->Free-DLs HIER) und in "Rust" (ft. Philipp von den straight edge Hardcore-Punks Dogchains ->Free-DL HIER) abwechslungsreicher als der Vorgänger, sondern verpasst der eigens kreierten Tristesse und Schwarzmalerei der Band mit den instrumentalen Tracks "Autumn" und dem pianolastigen "Chapter Mine" mehr Einwirkzeit. Ansonsten bleibt die Band ihrem melodieverliebten und ansteckenden Modern Hardcore treu, der vor allem für diejenigen interessant sein dürfte, denen der Name More Than Life mittlerweile zum Hals heraushängt. "Miles from Home" übrigens erscheint auf Vinyl in zwei verschiedenen Varianten: die bereits vergriffene red/black Vinyl mit alternativen Cover (60 St.) und die Standardversion auf orange/red Vinyl (200 St.).


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Calculator & No Tongue

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Melodie und Kakophonie passen nicht zusammen? Passen sie wohl! Beweise dafür lassen sich mittlerweile in sämtlichen Genres finden. John Congleton und seine Paper Chase waren darum bedacht, jedweilige Harmonie in ihrem morbiden Indierock zu zerstören. Times New Viking verstümmelten ihren Garagerock fast bis zur Unkenntlichkeit und The Rational Academy drehten ihren Shoegaze mit ganz viel Noise durch den Fleischwolf. Im Weitesten Sinne gehören wohl auch Dillinger Escape Plan zu dieser Riege. Auch Calculator aus Los Angeles können sich bei aller Liebe zur Melodie nicht so recht mit dem Schönklang anfreunden und verbinden Stilelemente, die sich eigentlich abstoßend finden. Ihr diesjährig erschienenes Debüt-Album "This Will Come to Pass" ist in diesem Sinne eine besonders willkürliche Laune der Band. In "Overture" beispielsweise platziert die Band ein Feel-Good-Chor inmitten von garstigen Post-Hardcore, während in "Gasping, but Somehow Still Alive" entgegen rauhem Mid-90's-Emocore ein Indie-Pop-Song läuft. Auch "Brooding Over", "Permanent State of Daylight" und "Grinning at the Thought" beinhalten diese Momente, bei denen man nicht so recht weiß, ob der Band gerade die Puste ausgegangen ist oder man versehentlich die Playlist geändert hat. Weder - noch. Es zeigt, dass die Band neben ihrer Dynamik und treibenden Energie, auch dem Experiment seine Freiräume lässt. Ein Konzept, dass anscheinend auch Comadre-Chef Jack Shirley überzeugt hat, der sich für die Aufnahme verantwortlich zeichnete. Meine Kaufempfehlung #2!

Was mit all dem nun also No Tongue zu tun haben? Zunächst einmal teilen sich beide Bands zwei ihrer Mitglieder. Zum anderen muss auch das Oaklander Quartett nicht melodiöser sein als erforderlich und orientiert sich dabei am ausufernden emotionalen Hardcore der 90er, der von Bands wie Milemarker oder Song of Zarathustra geprägt wurde. Aber auch die diversen Vor- und Nebenbands, zu denen neben o. g. Calculator auch die Emoviolence-Combo Ten Thousand Leagues und die Art-Punks OYO zählen, zeigen, dass sich hinter No Tongue eine Gruppe Querdenker versammelt hat. Nach ihrem noch etwas punkigeren Debüt "///" im letzten Jahr, folgte im August 2013 ihre zweite EP "Body + Mind", die als schwarze 7" über KYEO Speaks, dem DIY-Hardcore-Label von Ten Thousand Leagues-Gitarrist Mark Chen, erschien.


Buy Calculator Here, Here & Here


Buy No Tongue Here & Here


Pride and Ego Down:

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Ein Jahr ist es jetzt her, als die Kölner Post-Hardcore-Band Pride and Ego Down ihre Debüt-12" "Cloud Moving Mind" in Eigenregie veröffentlichte. Zwei Monate später waren sie auch auf unseren ersten Gerda-Sampler vertreten. In diesem Jahr folgte dann eine US-Tour. Neue Songs konnte in diesem Jahr bislang nur Sänger Niklas mit seinem Solo-Projekt You ≠ Me aufweisen. Und nun plötzlich erscheinen unangekündigt über Bandcamp zwei neue Songs der Band, die einen regelrecht aus den Socken hauen und abermals nicht mit den herkömmlichen Genredefinitionen auskommen. Anscheinend ein Umstand, der auch die Band selbst etwas verunsichert, die deshalb auf Nummer sicher geht und sich mit einigen Tags mehr zudeckt. Post-Hardcore? Jaaa. Screamo? Auch! Emo? Auf jeden Fall! Und wer will, kann auch etwas Punkattitüde in ihren Texten finden. Aber bereits das eingenebelte Cover ihrer 12" zeigte, dass PAED von einer sich merkwürdig anfühlenden Aura umgeben sind und somit eher auf Atmosphäre bauen, als Schubladen voreilig aufzustoßen. Der erste neue Song "Our Great Desire" erinnert in seiner tristen und melancholischen Art etwas an Deftones, ehe sich markerschütterndes Geschrei und verzweifelter Gesang breit machen. Ein tief sitzender und grandioser Song, der trotz seiner relativ kurzen Spielzeit dermaßen viele Phasen durchläuft, wie es andere Bands nicht mal auf Albumlänge hin bekommen würden. Der zweite Song "Broken Back" nimmt sich für diesen Hürdenlauf sogar fünf Minuten Zeit, ohne Ermüdungserscheinungen hervorzurufen. Das Cover dazu entlieh sich die Band abermals aus dem Reportoire des Fotokünstlers Teye Gerbracht.




Außerdem

Henry Fonda:

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Henry Fonda könnten dem einen oder anderen schon flüchtig auf einer Split begegnet sein, vielleicht sogar ohne es zu bemerken, denn in der Regel überdauern ihre Songs nur selten die Ein-Minuten-Grenze. Nach einiger Zeit Ruhe meldet sich das Berliner Quintett nun unerwartet mit ihrem ersten Full Lenght zurück. Und unerwartet deshalb, weil die Mitglieder in letzter Zeit vor allem mit diversen Nebenbands wie Afterlife Kids, Ancst oder Halbstark auf sich aufmerksam machten. Schön zu hören, dass die Band nun also seine treuen Fans auf Albumlänge bei den E**rn packt, wobei 18 Songs in 15 Minuten recht schnell vergehen können. Geschreddert und verkloppt wird dennoch, was bei drei nicht rechtzeitig auf den Bäumen ist. Ein richtig "dreckiger" und "hässlicher" Bastard, geformt aus den ausgekotzten Eingeweiden von Powerviolence, Punk, Grind-, Fast- und Trashcore. Somit vor allem für Fans der San-Diego-Ecke (Charles Bronson, Locust, etc.) ein routiniertes Hörvergnügen. Kurz vor Beginn ihrer Herbsttour gab's den Album-Download noch kostenlos, der derzeitige Mindestpreis von 2,- EUR dürfte für Genrefans aber sicherlich auch zu stemmen sein. Über Nerdcore Records erschien die auf hundert Stück limitierte Tour-Edition von "Deutschland, du Täter!", auf einseitig bespieltem, weißem Vinyl mit B-Seiten-Siebdruck ("Good Night Slim Pride"). Leider bereits vergriffen. Warten wir also auf die reguläre Pressung.


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Retsar Baï Naïm


Eine Band, die anscheinend gar nicht so übermäßig daran interessiert ist, bekannt zu werden. Keinerlei Internetpräsenz und auf Bandcamp finden wir neben den drei Songs ihrer s/t-EP lediglich Konzertdaten und Erscheinungsdatum. Nicht einmal für ein Cover hat es gereicht. Immerhin ist die Musik in der Lage für sich selbst zu sprechen. Und die könnte uns Aufschluss darüber geben, was die Pariser Band Ratsar Bai Naim so alles in ihrem Proberaum hört. Nämlich fiesesten und punkigen Fast- bzw. Trashcore der Marke Charles Bronson und derartige Problemkinder aus den Neunzigern. Einige kleine Eckdaten zu den Mitgliedern ließen sich schließlich doch noch ausfindig machen: anscheinend handelt es sich um ein Quartett, dass dem französischem Hardcore-Untergrund entsprungen ist und deren Mitglieder sich bereits bei nicht wesentlich mehr bekannteren Bands wie Napoleon Solo, Bile Clinton, Youssouf Today, Unlogistic und Black Shabbath herum getrieben haben. Ihre Drei-Song-Debüt-EP haben sie demnach wahrscheinlich im 20G Recording Studio aufgenommen, einem kleinen Homestudio in einem Pariser Vorort.

 

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Mittwoch, Januar 16

Yakuzzi Tapes - Das Spastic-Fantastic-Sublabel geht in die Offensive


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Das von Spastic-Fantastic-Inhaber Maz ebenfalls gegründete Label Yakuzzi Tapes wurde in unserem Review zu SFR lediglich kurz angesprochen. Da Yakuzzi Tapes (wie bereits vom Rocki angekündigt) jetz auch auf Bandcamp vetreten ist, lohnt es sich, dem kleinen Bruderlabel einen eigenen Post zu widmen. Die dort bereitgestellten Downloads könnt ihr euch gegen Spende saugen, womit Eigner Maz seiner SF-Linie treu bleibt und sein Vetrauen direkt in die Hände des Käufers legt. Die Richtung des Labels bleibt natürlich Trash- und Hardcore-Punk und alles, was sich in der dazwischen liegenden Grauzone befindet. Hinsichtlich seiner Releases, orientiert sich Yakuzzi Tapes an die Stammgastliste von Spastic Fantastic und versucht, deren Diskografielücken zu schließen, wie das "NxD/Idiot Talk-Split Tape" und das "Henry Fonda/NxD/Galaxor-Live Split Tape", sowie weitere Releases von Snob Value, The Irritones und Civil Victim. Es tauchen aber auch neue Namen auf, wie z. B.

1.)  Madame Monster:

Old School Hardcore aus Dortmund, mit einem Auge Richtung 80/90ger-Powerviolence zwinkernd. Mit Mitgliedern von Sidetracked und 142, hier mit ihrem Debüt-Demo-Tape, welches 13 Songs in 15 Minuten durchbrettert.





2.) Zack Zack: 

Mitglieder von The Shocks, Minus Apes und Creeks spielen in den 70gern stecken gebliebenen Punkrock. Ihr Demo Tape enthält sechs Tracks mit herrlich unverkrampften Melodien.








Das seit 2007 immer mal wieder in- bzw. aktive Quartett aus dem Raum Göttingen/Bremen kommt mit der auf Tape gespielten Neuauflage ihres Debüt-Demos daher. Meinungsstarker Punk mit Fastcore im Rachen. Spielten konsequenter Weise zuletzt mit Kollegen, wie Halbstark, Todeskommando Atomsturm, Lafftrak, Nihil Baxter und Die Eule im Bart des Judas





Pfeilschneller Trash-Punk, der gelegentlich sogar die eingängige Melodie sucht. Der Bandname dürfte wohl unmissverständlich klar machen, dass hier keine Kompromisse geschlossen werden.


 DL Demo Tape





Zum Abschluss noch die restlichen Bandcamp-Releases, von denen die meisten Tapes bereits vergriffen sind. Aber wer weiß, vielleicht gibt's ja von Einigen noch 'ne zweite Auflage. Wahrscheinlich auch abhängig davon, wie großzügig ihr bei eurer jeweiligen Spende seid...

Cheap Drugs - Demo TapeNight Stalkers, The - Demo Tape"
Civil Victim - The Wasted Years TapeNihil Baxter - The Bad, The Worse & The Ugly
Cyborg - Demo TapeNXD/Idiot Talk - Split Tape"
Dammit Honey - s/t TapeOver the Top - Circle Pits, Pogo und Konfetti
Planner - Demo Tape"
Gentle Art of Chokin', The - First Four Years of Chokin' TapePusrad - After All, Who Buys a Slice With Your Two and a Half Minutes Playing Time
Gentle Art of Chokin', The - s/t TapeQuattro Staggioni - Discography Tape
Henry Fonda - Play Fast Drive Slow TapeRopes, The - Demo Tape
Henry Fonda/Nihil Baxter/Galaxor - Live Split TapeShort Days - Demo Tape
Hysterese - Demo TapeSnob Value - Demo Tape"
Instigation, The - Demo TapeSteve Austin - Discography Tape"
Irritones, The - Negative Dots TapeUzbeks - Snaps Tape"
Irritones, The - Penis Romantique Tape
Jaques She Rock - Discography Tape
Monkey Business - Demo Tape
Mother Speed/Take It Back - Split Tape


Buy via Spastic Fantastic Webshop

Montag, November 5

Tom is the Bastard



Tom aus Berlin ist Illustrator und Digital Art Designer. Seine Collagen, Prints und Illustrationen reichen von düsteren Fleshgrind-Motiven, bis hin zur drolligen Comic-Tierwelt. Da Tom aber nicht irgendein, sondern DER Bastard ist, gibt er sich nicht mit der Oberschicht unserer Metropole, sondern mit dem, was ganz tief unter der Oberfläche kriecht und kraucht, ab. Z. B. mit der Deluxe des Grind/Emoviolence/Screamo-Untergrundes um Afterlife Kids, Call Me Betty, Henry Fonda, Nihil Baxter, Picnick in the Center of a Glasstornado oder With the Eyes of Conrad Veidt, die ja alle mehr oder weniger durch frivolem Bandhopping zueinander gefunden haben. Und sind es mal nicht die Künstler selbst, die sich bei Tom ihr Coverartwork oder sonstigen Merch zusammenbasteln lassen, dann klopfen auch schon mal kleinere Labels wie ADAGIO830 und den damit einhergehenden Webstore Bis Aufs Messer, Yehonala Tapes oder The Midnight Sea an seine Tür. Im Grunde kann aber auch jeder andere vorbeischauen -> tomisthebastard@googlemail.com.
Unten gibt's eine kleine, nicht abschließende DL-Liste mit Künstlern, mit denen TITB bereits zusammengearbeitet hat.

Donnerstag, Oktober 4

Spastic Fantastic - macht Namen alle Ehre



Der Maz der ist Musiker. Und weil der Maz so ein ideenreiches und kreatives Kerlchen ist, spielt er nicht in einer, sondern gleich drei Bands. Seine Stimmbänder quälte er bei The Omnipresent Disease (aufgelöst 2011), bei den Bands NxD (ehemals Napoleon Dynamite) und Die Eule im Bart des Judas zeichnet er sich derzeit für's Bassverprügeln verantwortlich. Um die Releases seiner Bands an den Mann zu bringen, gründete er 2007 in Hamm sein eigenes Label Spastic Fantastic Records, unter dem Motto: kurz, schnell und laut. Zusammen mit Nihil Baxter, Thrashington DC und Henry Fonda tummelt sich mittlerweile die Créme de la Créme des deutschen Thrash-Punk und -Hardcores auf dem Label, die sich allesamt ihr Faible für Old School und gemeinsame, mindestens drei Jahrzehnte zurückliegende Vorbilder teilen. Das passt wie Arsch auf Eimer.
Da der Maz aber immer noch nicht am Ende seiner schöpferischen Energie angelangt war, gründete er kurzerhand noch das kleine Label Yakuzzi Tapes über dem - wie der Name bereits vermuten lässt - Tapes released werden. Der Vertrieb dieser Tapes läuft ebenfalls über SFR.
Leider reicht das alles nicht aus, um sich damit den Lebensunterhalt zu sichern. Das eingenommene Geld wird direkt in neue Releases gesteckt, obwohl selbst dafür die Luft für Maz immer dünner wird. Hausierengehen ist daher nicht mehr die Seltenheit.
Auf SFR werden hauptsächlich befreundete Bands unterstützt, aber auch junge talentierte Wahnsinnige, die Maz für sich entdeckt hat. Wer möchte, kann ihm auch ein Demo oder Ähnliches zuschicken (maz(a)spasticfantastic.de), vielleicht ist ja ein Release drin.






Citizens Patrol - Retarded Nation 7'' zOSCH! - Birds Don't Lie
Citizens Patrol/The Shining - The Drinkin' Buddies 7'' zOSCH! - s/t 7''
Civil Victim - No Falso Hope Dean Dirg - Verpisst Tape
Snob Value - Whiteout The Hatepinks - Live at Storck Club
Snob Value - s/t 7'' The Hatepinks - Police Sandwich
Leidkultur - For a Better World 7'' Lipkick - Return of the Appron Dress Zombies 7''
The Tangled Lines - Discography I Scream 7 Showers - Take Back Our Future
Sidetracked - Ghosttownbloomer Setiembreonce - No Estamo A Salvo
Sniffing Glue - s/t Tape Crippled Fox/GxFxTx - Split
Ultimate Blowup/Kali - Split The Maladroits - Rock'n'Roll Roboter
Over the Top - Keep on Trucking 7'' Thrashington DC - Let Your Body Talk
VA - Thrash Up My Ass Tape Thrashington DC/ Killin It! - Split
VA - World Up My Ass Tape Henry Fonda - s/t 7''



Jahres-Sampler