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Freitag, August 17

Singendes, klingendes Nintendo



Nintendo-Core, Chiptune, 8-Bit - alles längst keine unbekannten Genres mehr. Seinen Ursprung in den USA und Japan liegend, feierte der Consolensound hierzulande vor allem in den letzten Jahren Hochkonjunktur. Dieser Beitrag soll sich auf ein bestimmtes Evolutionsprodukt dieser Sparte beziehen, nämlich diejenigen, die mittels Hardcore, Metal und Grind versuchen, das Consolengenre bis zur Kotzgrenze auszureizen. Neben einen unempfindlichen Magen, empfiehlt sich hier auch etwas Hornhaut auf den Ohren, denn diese Musik ist definitiv mehr, als lediglich Geschmackssache.


Gtuk & Fyoelk:

Deutschlands bekanntester Unbekannter in Sachen 8-bit-Grindcore, dürfte wohl Bastian Hagedorn alias Gtuk, sein. Neben drei Alben, einigen Splits und unzähligen Aushilfestationen (zOSCH!, Shokei, Deleometer, usw.) stellt uns der Electrotüftler unvermittelt seine Split mit Fyoelk kostenlos zur Verfügung. Wahrscheinlich auch, weil das Tape - wie so ziemlich jedes seiner Releases - längst vergriffen ist. Fyoelk dürfte vielleicht noch einigen ein Begriff aus meinem vorherigen Post zu Erode Releases sein (über Erode gibt's ja das "Trampolin-Tape" u. die Split mit Les Trucs, die unten der Vollständigkeit halber noch einmal verlinkt sind). Und wenn elektronische Klangexperimente mit einem 8-bit verliebten Schreihals fusionieren, dann kommt im Grunde genau das heraus, was man sich darunter vorstellt. Das kann im schlimmsten Fall zu einer wahnwitzigen Stolperkür ausarten, im besten Fall jedoch zum tanzbaren Trance umschlagen. Gtuk-Kenner rechnen aber wohl eher mit dem Schlimmsten.





Hanni Kohl:

Hanni Kohl aus dem Ruhrgebiet teilen im Grunde Gtuk's Leidenschaft für die 8-bit-Mucke. Allerdings können die sich mindestens genauso für Death-Metal begeistern. Mit real eingespielten Drums, die immer wieder von einem Drumcomputer in die Schranken gewiesen werden, brachialen Growls und cleanen Gesangseinlagen, sowie das Aufpeppen durch eingefügte Filmsamples, entstehen hier tatsächlich richtige Songs. Natürlich ist das alles immer noch zerfahren und weit weg von den üblichen Death-Metal-Hörgewohnheiten. Die Jungs hinterlassen uns drei EP's zum kostenlosen Download, das angekündigte Album "Pornocop" erschien vor Bandauflösung leider nicht mehr.









Shake the Pagoda Tree:

Stattdessen sammelten Hanni Kohl neue Kraft und Ideen und formierten sich zu einer neuen Band - Shake The Pagoda Tree. Die Band als solche sollte nunmehr im Vordergrund stehen, Vergleiche zum Alter Ego lassen sich nur noch erahnen. Die Death-Metal-Growls sind geblieben, den cleanen Parts wurde mehr Platz eingeräumt und der 8-bit wurde weitgehendst durch Electro ersetzt. Summa Summarum dürfte das Cybergrind mit Metalcoreanleihen ergeben und sich somit wieder ein Stück weit dem geneigten Hörer annähern.
 





Shemales from Outta Space of Death:

"Uns verbindet eine Freundschaft, die dicker ist als Beth Dito von „The Gossip“, geprägt von purem Hedonismus und dem Drang der Verantwortung, seinem eigenen Leben zu entkommen."

Etwas eklig wird es erst mit Shemales From Outta Space of Death. Neben dem Bandnamen, dürften auch Titel wie "Aids Ventura" und "Das Uterussische Überwachungsprinzip" erahnen lassen, dass die Lyrics des Duos keinesfalls auf das Prädikat >Pädagogisch wertvoll< abzielen. Ist aber sicherlich auf kein Muss im Porngrind. Vielmehr schießen die Jungs unentwegt Spitzen los, provozieren - und haben eine Menge Spaß dabei. Und das hört man auch, entgegen der Tatsache, dass hier alles nur programmiert wurde. SFOSOD könnten ebenso gut eine komplette Band sein. Extremmusik, die handwerkliches Geschick und Kreativität voraussetzt - und auch bietet.




Moshing Samurai:

Zum Schluss ein Vertreter, der es da einem doch noch einfach macht. Moshing Samurai, ein schottisches Trio, verbindet 8-bit mit Metalcore und kann daher getrost und ohne Abschweifen in den Nintendocore - Sack gestopft werden. Die Band ist nunmal in erster Linie eine Metalcore-Band und lässt ihre Songs demnach auch nach Metalcore klingen. Die 8-bits werden lediglich als Melodie unterstützendes Element eingebaut, beherrschen aber keinesfalls die Musik. Das macht Moshing Samurai somit dem Metalcore-Hörer nicht unzugänglicher, als eine schlechte Metalcore-Band ohnehin. Naja..Metalcore halt.

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DL Atlantis Tapeworm Incident EP
DL The Future of Law Enforcement

Dienstag, Juli 24

Erode Releases - Du zahlst nicht für die Musik, die du gerade kauftst. Du zahlst, damit es Weitere geben wird



Ein Grundsatz, den sich das kleine, beschauliche Label ganz groß auf die Flagge gedruckt hat. Ein Grundsatz, den eigentlich jeder Musikliebhaber verinnerlicht haben sollte. Das die Realität jedoch anders aussieht, muss wohl an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden. Wie kommt es nun also, dass sämtliche Erode Releases zum kostenlosen Download erhältlich sind? Wobei "kostenlos" bedeutet, dass DU den Preis bestimmst.

Fabien Frense gründete 2000, zusammen mit Freunden, das Punk- und Hardcore-Label React With Protest. Aus uns nicht zu interessierenden Gründen, verließ er vier Jahre später das Label, um sein Eigenes zu gründen. Erode Records lautete der anfängliche Name, Umtaufe in Erode Releases folgte wenig später. Reicher wurde der Labeleigner dadurch nicht, war aber auch nicht die erklärte Absicht dahinter. Vielmehr ging es um ein Label, bei dem die Band, der Künstler und die Musik an sich im Vordergrund stehen sollte. Kein kommerzieller Erfolg, keine Vorschriften, keine Bedingungen. Das sollten auch die Bands wissen, die sich mit Fabien Frense einlassen. Erode Releases ist vielmehr ein Einstieg, das Fußfassen und das Bekanntwerden. Und vielleicht die Bands mit dem schmerzlichen Aspekt vertraut machen, dass sie wohl nicht durch ihre Plattenverkäufe goldene Schlösser errichten können. Vielleicht auch in diesem Sinne, kann man sich über die Bandcamp-Seite des Labes (zumindest noch derzeit) alle Releases kostenlos downloaden. Natürlich bekommt man nebenher auch noch die physikalischen Releases, was im Übrigen mehr Sinn ergeben würde, da diese meist für einen schmalen Taler zu erwerben sind. Auch hier greift mit einem Mindestpreis im Grunde das selbe Prinzip. Große Geste, die aber sicherlich auch mit einem traurigen Eingeständnis einhergeht: heutzutage ist nunmal ALLES im Internet verfügbar - ob legal oder nicht. Wer suchet, der findet. Die Leidtragenden sind die Künstler und die Produktionsfirmen. Vor allem hart, dürfte es dabei so einem kleinem Label wie Erode Releases treffen. Ein Label, dass es in erster Linie gut mit Band und Musik meint. "Ich verdiene kein Geld mit dem Label. Das Geld der Release-Verkäufe wandert direkt in neue Releases." erklärt der Herr Frense auf der Erode-Page. Und da sein Label nicht Universal Music oder Columbia Records heißt, kann man ihm das auch ruhig glauben. Ob sich dieses Prinzip nun positiv auf sein Label auswirkt, bleibt vorerst abzuwarten. Ich sage: kostenlos Downloaden, Reinhören, wenn's gefällt - kaufen. Wär doch echt schade, diese tolle Idee zur Kapitulation vor Internetpiraten verkommen zu lassen.

Dem Label eine spezielle Richtung zuzusprechen, dürfte schwer fallen. Dafür sind einfach zu viele unterschiedliche Genres und Subgenres vertreten. Oder anders: dafür sind die Stile einiger hier vertretener Bands noch gar nicht definiert. Und wenn ich jetzt sage, dass Antitainment der wohl prominenteste Labeloutput ist, dürfte wohl jedem klar sein, was ich meine. Hier eine kleine Auswahl des Labels:

Antitainment - Cooler Plattentitel/Gymnasiastik Tape -> muss nicht erläutert werden, denke ich.

Fyoelk - Trampolin Tape -> experimenteller Electrotrash mit Akustikeinlagen.

Fyoelk/Les Trucs - Split 7'' -> Split mit den Electropunks, Nebenband von Antitainment-Frontmann Tobe

Blackbird Raum - Swidden Tape -> Wie der Name verrät: Mix aus Gypsy und Piratenfest. Prost!!

Früchte des Zorns - Unter unserer Haut Double 10'' -> Singer-/Songwriter-Folklore, ohne Piraten.

Rah Bras - Whohm Tape -> dynamischer Post-Punk mit Electrospielereien und Hang zur Extreme.

Towers - Full Circle Tape -> Electro/Grindcore-Gewitter. !!!WOW!!!

The Infarto, Scheisse! - S/T LP -> Power Violence + Grind = Fastcore (oder so ähnlich..)




Die Offenherzigkeit von Fabien Frense gegenüber obskurer Musik kommt nun nicht von ungefähr. Bereits vor der Mitbegründung von React With Protest war Frense in diversen Hard- und Grindcorebands tätig. Mittlerweile dürfte er sich eine Banddiskographie erarbeitet haben, die selbst die eines Justin Pearson in den Schatten stellt. Profonation und The Apoplexy Twist Orchestra seien hier auszugsweise erwähnt. Eines seiner aktuelleren Projekte trägt den Namen Mononoke. Allein diese klingt wie ein Filterprodukt der o. g. Labelbandliste: folklorischer Progressive-Screamo. Klingt komisch, muss es sich aber nicht anhören. Wem I Would Set Myself On Fire For You ein Begriff ist, weiß, dass sich diese beiden Sparten nicht zwangsläufig beißen müssen. Auch Mononoke gelingt dieser Spagat bravourös. Zwischen Hardcoregedresche, Gitarrengegniedel und Schreiattacken, drängelt sich immer wieder eine liebliche Violine. Das ist Kunst! Und hierzulande wohl nicht all zu oft anzutreffen. Und da die Band noch in der Entwicklungsphase steckt und ein großes DIY auf der Stirn zu stehen hat, kommt ihre erste EP "Aussicht?!" auch als CD-R daher. Natürlich wieder Bandcamp, wo man sich die EP auch kostenlos (Name Your Price) zulegen kann.

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