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Freitag, Oktober 19

Fir Cone Children - The Straight & The Curly



Kurzinfo:

Neben Vlimmer und Leonard Las Vegas, ist Fir Cone Children nun schon über mehrere Jahre hinweg die dritte musikalische Konstante im Leben von Alexander Donat und somit auch seines Labels Blackjack Illuminist. Beeindruckend ist das vor allem deshalb, weil er sich für jedes seiner Projekte so ziemlich allein verantwortlich zeichnet und dabei eine schier unerschöpfliche Kreativ-Quelle freigelegt hat, die sich sowohl in tollen Melodien als auch atmosphärischen Klangexperimenten widerspiegelt. Beides vereint findet mensch auch auf dem dritten Album "The Straight & The Curly" seiner Über-Kinder-Band FCC, mit der er die launischen und willkürlichen Seiten der kleinen Racker in einen ebenso unberechenbaren Sound einfängt. So beginnt das Album mit dem rastlosen "3D", das sich ohne Umschweife in einer eingängigen Melodie verliert. Etwas melancholischer wird es da schon mit dem folgenden "On My Plate" mit träumerischen Key-Einlagen und dem verhallt-schwelgerischen "Chasing Shadows". "The Straight & The Curly" ist insgesamt ein sehr helles und warmes Gute-Laune-Album geworden, das sich auch von dem eher Kontur-fragileren "The Straight & The Curly (Part 2: To The Rescue)" und dem wilden Garage-Ritt in "Blend In" nicht trüben lässt. Ein Auf und Ab, Hin und Her. Eine Entdeckungsreise, Rückbesinnung, Wohlfühloase und ein Loslassen zugleich. Ein Album, das in herrrlich naiver und unbekümmerter Art vollkommen zwanglos aus jeglichen musikalischen Mustern bricht.
Wie auch schon auf dem Vorgänger "No Gravity Girls", ist in fünf Stücken die liebliche Stimme von Krissy Vanderwoude zu hören, die ihre seidenden Stimmbänder gewöhnlich bei Whimsical ölt oder auch gelegentlich oder öfters bei The Churchhill Garden und Seasurfer aushilft.


Titel/Release: The Straight & The Curly/Album (15x Tape; Digipak-CD; Digital)

Label: Blackjack Illuminist

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Pop-Punk, Dream-Pop, Dream-Punk, Shoegaze, Garage, Alternative

FFO: Weezer, The Rational Academy, Jeeps

Links: Facebook




Stream & Buy "The Straight & The Curly



Montag, Oktober 15

Leonard Las Vegas - Jagmoor Appendix



Kurzinfo:

Hier sind sie also, die fehlenden sechs Songs zum vorangegangenen "Jagmoor Cynewulf", die die Buch-Album-Kombination nun auch musikalisch zum Abschluss bringen.
Vertraut und Achterbahn-artig eintrudelnd mit "Birth & Death", das hier als Original-Version vom Album-Song seinen Platz findet und als wohl einer der aufregensten Songs aus Leonard Las Vegas' langer Diskografie-Liste benannt werden kann, taucht der desillusionierte Protagonist im folgenden "The Best" wieder in schwelgerische Trübheit ab. Doch wie schon beim Album, transportiert auch die EP viel akustische Wärme und Licht, die die innere Zerrissenheit des tragischen Helden und dem damit einhergehenden schizophrenem Konzept mit viel experimentellen Pop umschmeicheln. So springen die Songs zwischen bittersüßen, verträumten und dynamisch galoppierenden Melodien hin und her, münden auch mal in den einen oder anderen Freak-Out und verschmelzen so zum spannendem wie unberechenbarem Finale.

Nach der finanziellen Vinyl-Release-Misere des Albums, erscheint "Jagmoor Appendix" wieder standesgemäß dem Königs-Wusterhausener Labels Blackjack Illuminist als limitiertes Tape und liebervoll gestalteter Digipak-CD.


Band: Leonard Las Vegas

Titel/Release: Jagmoor Appendix/EP (CD; 10x Tape; Digital)

Label: Blackjack Illuminist

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Alternative, Dream-Pop, Indie, Shoegaze, Noise

FFO: The Cure, My Bloody Valentine, The Rational Academy, David Bowie

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Stream & Buy "Jagmoor Appendix"


Donnerstag, August 2

Car Crash Sisters - Sundance Sea



Kurzinfo:

Eines vorweg: Car Crash Sisters klingen so rein gar nicht nach dem, was ihre Herkunft vermuten lässt. Auf ihrem Debüt-Album "Sundance Sea" vereint das Quartett das Beste der 90er-Jahre aus dem Shoegaze und Alternative-Rock. Und das kam sicherlich nicht aus Mexiko. Ob Soundgarden, Nirvana, The Cure, My Bloody Valentine oder Radiohead - von Song zu Song jagt hier ein nostalgischer Flashback den nächsten. Dass die acht Songs in ihrer individuellen Art zwar unberechenbar sind, allerdings nie ins Willkürliche abdriften, offenbart dabei die große Stärke der Band.
Klasse Album, das in seiner krachigen und doch melodiösen Art nur auf dem Königs-Wusterhausener Label Blackjack Illuminist landen konnte.


Band: Car Crash Sisters

Titel/Release: Sundance Sea/Album (CD; 20x Tape; Digital)

Label: Blackjack Illuminist Records

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Alternative, Dream-Pop, Shoegaze, Noise Rock

FFO: Biffy Clyro, Klez.e, ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead

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Stream & Buy "Sundance Sea"


Montag, Juni 18

VEL - Obsidian



Kurzinfo:

Gänzlich ungeeignet für eine Kurzbesprechung ist das Debüt der Würzburger Band VEL. "Obsidian" ist ein 45-minütiges Epos, das erarbeitet werden muss und im Zuge seiner überdurchschnittlich langen fünf Songs wohl kaum in einer einzigen Schublade untergebracht werden kann. Ein Vorbote dafür ist sicherlich schon der petrografische Titel (Obsidian = vulkanisches Gesteinsglas), der mindestens genauso viel musikalische Freiheit einfordert, wie Themengebiete der Meereskunde oder der Astrologie. Und so schafft das Quartett mit "Obsidian" eben ein Album, das homogen zwischen ambienten Post-Rock-Landschaften, schwelgersichen Shoegazer-Gitarren, leidenschaftlichen Screams und fiesen Blastbeat-Attacken mäandert.
"Obsidian" wurde noch mit den Gründungsmitgliedern Nico (Bait) und Nikita Kamprad (Der Weg einer Freiheit), der sich auch um die Produktion kümmerte, eingespielt, die beide mittlerweile die Band verlassen haben, um sich voll und ganz ihren Hauptbands zu widmen. Für die diesjährigen Live-Shows konnten VEL mit Bassist Chris Römmelt und Gitarrist Flo Schaller aber bereits hochmotivierten Ersatz finden.


Band: VEL

Titel/Release: Obsidian/Album (Digipak-CD, Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Post-Rock, Screamo, Blackgaze, Metal

FFO: Yon, Wilderness, Respire

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Stream & Buy "Obsidian"


Montag, September 11

Debutante - Covers



Band: Debutante

Titel/Release: Covers/EP (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Drone, Noise, Alternative, Post-Punk, Chiptune

FFO: Radio Berlin, Life In Slow Motion, The Goslings

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Twitter\\//Last.fm / debutante@gmx.ch



Kurzinfo:

Als wir letztes Jahr seine "EP3" besprachen, wagten wir uns vielleicht etwas zu weit hinaus in den musikalischen Kosmos, denn mit Drone hatten wir hier bei Gerda bislang recht wenig Berührungspunkte. Zum Glück entwickelten sich daraus aber auch ebenso wenig Berührungsängste, denn der Züricher Student Christoffer Zimmermann alias Debutante öffnete seinen Sound für reichlich Post-Punk, Alternative und Dream-Pop.
Auch seine Cover- und Remix-EP "Covers" bedeutet für uns mehr freudiges und interessantes Spektakel als Überwindung, und das obwohl er sich mit Noise- und Doom-Vertretern wie Swans (Original HIER) und Have A Nice Life (Original HIER) nicht gerade leichte Basis-Kost ausgesucht hat. So pendeln die zwei anfänglichen Cover zwischen nostalgischen Advanturescapes, verstörender Fragilität und harshen Noise-Attacken. Mit den Neuinterpretationen zu den Soundtracks der PC-Rollenspiele "The World Ends With You" (höre HIER) und "We Know The Devil" (höre HIER) wird's dann etwas eingängiger und Chiptune-lastiger, ehe die Remix-Sektion (vom "Yume Nikki OST", Life In Slow Motion und dem Rapper-Duo Abraxas Axents) der EP einen rauheren und avantgardistischen Ausklang beschert.

DL "Covers"

Freitag, August 4

TRIST - Kratzer EP



Band: TRIST

Titel/Release: Kratzer/EP (50x CDr, Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Indie, Noise, Emo, Shoegaze

FFO: Klez.e, Yellnikow, Kaufmann Frust, Multiplex Johnson, XTR Human

Links: Facebook\\//Soundcloud



Kurzinfo:

Hinter dem Bielefelder Trio verbergen sich die Überreste der einstigen Slacker-Rocker We Are From Pluto um Rosi-Alleinunterhalter Sven Rosenkötter alias Ludvig Nehrig, die als TRIST mit "Kratzer" nun also ihr Demo-Debüt abliefern und darauf den Bandnamen gleich mal zum Programm machen. Fünf Songs, die sich fast schon hypnotisch in melancholischen Endlosschleifen und monotonem Minimalismus verlieren. Wäre der Begriff Depro-Punk nicht schon für den Post-Punk/Wave reserviert, hätte er auch eine gute Umschreibung für die ersten drei EP-Songs abgegen können. Passt dann aber irgendwie doch nicht so ganz, denn die grobe Überschrift, unter der TRIST ihre eindringlichen Kreise ziehen, lautet wohl Indierock. Das kann bisweilen an gealterte Tocotronic erinnern, so ab der "Pure Vernunft darf niemals siegen"-Ära, oder eben an dem unkonventionellen Art-Pop ehemaliger Klez.e. Dabei besticht "Kratzer" vor allem aber durch eine provozierte Schlichtheit und Eingängigkeit, womit sie der Radiokompatibilität trotz dieser beiden massentauglichen Attribute eiskalt den Rücken zuwendet. "Kratzer" ist ein emotional nachdrückendes und atmosphärisches Werk, das mit viel Geduld erarbeitet werden muss. Kann mensch das nicht, wird sich wohl kaum eines der Stücke in der Großhirnrinde verheddern. Für die/den Ausdauernde/n dagegen gilt es eine Menge stilistischer Versatzstücke zu entlarven, wie dem fast schon doomigen Ausklang im Opener "Allein", dem Shoegaze-Ausflug in "Glücklich" oder dem noisigen Post-Rock-Ritt in "Ducken_Verstecken". Im Vergleich dazu, stürmt "Dresden" geradezu frivol und leicht aufgeregt aus den Startlöchern und schwingt zum Ende hin gehörig die Post-Hardcore-Keule, wie er delbo zu jener Zeit gerne nachgesagt wurde. Das ist vielleicht etwas viel Namedropping für einen Kurzspieler, das sich allerdings nur ergibt, wenn mensch fernab des hiesigen Mainstreams unterwegs ist. Wichtiger ist, dass TRIST ihre Songs nicht zum belanglosen Konsumgut erklären, sondern die ihnen gegebenen musikalischen Freiheiten zu Gunsten einer eindringlichen Atmosphäre ausleben, auch, wenn sich das ziemlich auf's Gemüt niederdrückt.

DL Kratzer EP


Donnerstag, August 25

Platte des Monats 08/2016: Fir Cone Children - Firconium



Band: Fir Cone Children

Titel/Release: Firconium/Album (CD, 15x Tape, Digital, Lim. Edition Wooden Box "Fircology" incl. all 3 FCC-Releases on CD)

Label: Blackjack Illuminist

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Dream-Pop, Noise-Pop, Shoegaze, Hot Fuzz, Pop-Punk, Alternative, Garage

FFO: The Rational Academy, Weezer, The Hives, Times New Viking

Links: Facebook\\//Last.fm



Kurzinfo:

Wie jetzt, schon wieder ein Fir Cone Children-Release? Dabei ist das Review zur Vorgänger-EP "The Age of Blastbeatles" noch so dermaßen frisch, dass ich es aus dem Stegreif auswendig vortragen könnte. Will ich aber nicht, auch, weil es zum zweiten Band-Album "Firconium" nur bedingt passen würde. 
Seit dem letzten Jahr zählt Zurückhaltung nicht gerade zu den Tugenden von Blackjack Illuminist und dessen Kopf Alex Donat. Warum auch? Solange die Ideen sprießen, kann es sicherlich nichts schaden, sie in digitaler und physischer Form festzuhalten. Und bis auf die beiden Tracks "From Afar" und "Turn Around", die bereits auf der EP zu hören waren, scheinen sie dem Königs-Wusterhausener auf dem dritten Release seines Solo-Projektes noch immer nicht ausgegangen zu sein. Entgegen der stellenweise wüst-verschwurbelten EP, saugen die zwölf Album-Songs nun wieder wesentlich mehr Lichtstrahlen auf. Manchmal etwas melancholisch verhangen, im Großen und Ganzen aber genau der richtige Antrieb, die sommerliche Leichtigkeit einzuatmen und der Unternehmungslust Folge zu leisten. Schon mit dem ersten Gitarrenschlag ist man sich sicher, dass hier wird ein gutes Album, vielleicht sogar das beste von FCC. Klar, vieles klingt wohltuend vertraut. Dafür liegen die beiden vorangegangenen Releases zeitlich gesehen nunmal zu nah an der Gegenwart. Allem voran Alex' zart-schwelgende und doch aufgeregte Stimme und die schrammeligen, verzerrten Gitarren kehren als Erkennungsmerkmale mit Aha!-Effekt immer wieder. Genauso, wie die eingängigen, pop-punkigen Melodien, die nur aufgrund ihrer Affinität zum Noise- und Dream-Pop als potentieller Soundtrack für Teenie-Komödien ausscheiden. Und natürlich, weil auch "Firconium" ein (Über-)Kinder-Album geworden ist. Eines, dass diesmal auch die biestigen Seiten der kleinen Racker mit viel Warmherzigkeit und Verständnis in Wohlgefallen auflöst, statt sie mit fahrigen Blastbeats auf die Spitze zu treiben. Obwohl mich der Song "Cry, Cry, Cry, Cry" dann doch irgendwie an Lesley Gore's "It's My Party" in Verbindung mit dem Film "So ein Satansbraten" erinnert.
Es sind aber nicht nur die spaßbringenden und locker-leichten Wohlfühlnummern wie "My Green Bike" oder "Family (First Encounter)", die "Firconium" zu einem tollen wie außergewöhnlichen Album anwachsen lassen. So könnte der Closer "Where We Are Going" problemlos als Weezer-Gedächtnishymne durchgehen, während der Album-Hit "(We Are) Fir Cone Children" ebenso wie "From Afar" schrammeligen Garage-Punk der Marke Martini Henry Rifles und Times New Viking mit dem rockigen Sexappeal der Hives kombinieren. Dazwischen befinden sich mit "The Cow" und "At Night" zwei atmosphärisch-verträumte Balladen und das ausgelassene "Go Forth, Luna", das sich zwar hervorragend ins Albumgefüge integriert, jedoch dermaßen viele Stimmungen ineinander verflechtet, dass einem/einer fast die Sprache verschlägt. Muss ja nichts Schlechtes bedeuten, so bleibt immerhin mehr Zeit zum Genießen.

Stream & Buy "Firconium"

Dienstag, August 2

Vlimmer - Loslösung EP



Band: Vlimmer

Titel/Release: Loslösung/EP (Digital)

Label: Last Day Deaf

Erscheinungsjahr: 2016


Genre: Cold Wave, Krautrock, Post-Punk, Electronica, Drone, Noise-Pop, Dream-Pop

FFO: Soft, Love in Prague, In Death It Ends, L'Avenir

Links: Facebook\\//Last.fm



Kurzinfo:

Seit den Veröffentlichungen seiner Alben "Michigan" und "Illinois" kursiert das heiß umstrittene Gerücht, dass Sufjan Stevens auch den restlichen US-Bundesstaaten ein Album widmen möchte. Auch, wenn dieses Gerücht vor allem durch die abweichenden Themen seiner zahlreichen Folge-Werke mittlerweile entkräftigt sein dürfte, ist dem amerikanischen Singer/Songwriter die 50er-Release-Marke durchaus zuzutrauen. Mit dem Indie-Folk-Art-Pop des Herrn Stevens hat Vlimmer, ein weiteres Solo-Projekt von Alexander Donat, nicht wirklich viel gemein. Allerdings kündigte dieser mit den zeitgleichen Veröffentlichungen der beiden Vlimmer-EP's "I" und "II" an, dass auch dieses Projekt etwas größer angelegt ist. So sollen in den nächsten Jahren 16 (!!) weitere EP's folgen, von denen die Nummern "III" und "IIII" bereits im Katalog seines Labels Blackjack Illuminist verankert sind. Und wie wir den rastlosen Alex auf unserem Blog nun schon kennenlernen dürften, werden daraus sicherlich 30.
Ein erster Ausreißer aus diesem Manifest ist nun also die EP "Loslösung", die exklusiv und digital als kostenloser Download über das griechische Netlabel Last Day Deaf erscheint. Abgesehen davon, lassen sich aber durchaus noch andere Unterschiede zum bisherigen Schaffen des Königs-Wusterhauseners ausmachen. So wirkt "Loslösung" insgesamt wesentlich minimalistischer und unterkühlter, als die vorherigen vier Vlimmer-EP's. Vom Opener "Hinabgezogen" steht anfangs nur ein wackeliges Song-Skelett, dass sich vorsichtig seinen Weg durch dichte und nass-kalte Nebelschwaden bahnt und schließlich doch noch die eingänge Struktur findet. Der morbide, klaustrophobische Einstieg von "Losgelöst" zieht den/die Hörer/in jedoch postwendend in den düsteren Abgrund hinab und somit zur Erkenntnis zurück, dass auf "Loslösung" nur wenig so ist, wie es scheint. Mit flächig-verhallten Synthies, tropfsteinartigen Pluckerbeats und einer monoton-schwebenden Stimme, scheint uns der fast schon sakral wirkende Song immer tiefer in ein unterirdisches Labyrinth zu locken, in dem nichts als Ungewissheiten und trügerische Leeren auf uns warten. "Begraben" kommt schwungvoller in Gang, wenngleich einem/einer die verzerrten Gitarren wie ein kalter Schauer über den Rücken laufen. Noch immer ist nicht so ganz klar, ob die mystische, über alles thronende Stimme gut- oder schlechtgesinnt ist und wohin der Weg führen soll. Gitarren und Electronicas türmen sich post-rockig auf und leuchten einen vermeintlichen Weg aus der Finsternis. Ein Trugschluss, wie so vieles auf "Loslösung", denn auch "Aufgelöst" sickert wie eine konturlose Amöbe durch die Erdschichten hinab. Nach eigenen Angaben ist Vlimmer - neben Fir Cone Children - ein Projekt, mit dem sich Alex nun wieder der melodiösen Seite seiner Musik annähern will. Der leicht angeschrägte Closer "Zeitentschleunigt" ist sicherlich der EP-Song, der das am deutlichsten zum Vorschein bringt. Doch trotz der insgesamt kühlen Atmosphäre, die sich wie ein düsterer Schleier über die gesamte EP ablegt, finden sich auch in den vorherigen vier Songs durchaus melodische Momente wieder. Diese zu entlarven, liegt allein beim/bei der Hörer/in und wie gut er/sie sich darauf einlassen kann.

Das EP-Artwork entstammt übrigens der kreativen Ader von Bernardino Constantino (siehe u. A. The Lost World of Duccio, Absurd World of Duccio, Prossimo A Disintegrazione), der seine Dienste auch schon für die beiden letzten Fir Cone Children-Releases zur Verfügung stellte.

DL & Stream "Loslösung"

Samstag, Juni 18

Debutante - EP3



Band: Debutante

Titel/Release: EP3/EP (15x Tape, Digital)

Label: Cruel Bones

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Alternative, Post-Punk, Noise, Drone, Doom, Electronic, Shoegaze

FFO: Fir Cone Children, Have a Nice Life, Spectre Eyes, Life in Slow Motion

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Kurzinfo:

Glücklicher Weise haben wir uns hier im Hause Gerda die Freiheit genommen, einen sehr großen Radius um den musikalischen Mittelpunkt Punk zu ziehen. Ansonsten wären für uns wohl viele interessante Gruppen, die die Musik in ungeahnte Richtungen manövrieren, im Verborgenen geblieben.
Hinter Debutante verbirgt sich der Züricher Student Chris, der sich uns mit seinem Solo-Projekt als "Drone-Pop-Künstler" vorstellte. Nun, das ist sicherlich sein gutes Recht und auch gar nicht so falsch. Es ist nur so, dass es "verdronter Pop" vielleicht besser treffen würde. Allein der Opener "Destroy Brogaze" seiner "EP3" ist dermaßen an Soundspuren überladen, dass sich daraus kaum noch ein Referenzgenre ableiten lässt, vielleicht am ehesten noch Alternative Rock. Wahrscheinlich musste Debutante seinen Laptop auf einen Gletscher kühlen, während er diesen Song abgemischt hat. Trotzdem kriecht unter all den Verzerrungen eine catchy Melodie hervor, die sich nun schon seit Tagen in meinen Playlisten eingenistet hat, inklusive Kopfnicker-Abo. Starker Song, der auf Debutantes dritter EP keine Ausnahme bleiben soll. Das siebeneinhalb-minütige "Schirm" in etwa, könnte eine verträumte, vom Shoegaze und Dream-Pop vernebelte Post-Rock-Ballade sein, "Dresses (Crimson)" ein dynamischer Ritt durch Post-Punk und New Wave, während in "Yours" Chris' Fabel für den nostalgischen Konsolensound (siehe hierzu -> Wicked Stupid Pride) seinen Platz findet. Was Debutantes "EP3" trotz dieser a-puristischen Ausflüge zusammenschweißt, ist, dass all diese Stücke unter einem hohen Berg an Verzerrungen, Noise und Distortions begraben werden und somit von Song zu Song aufkeimende Reminiszenzen zu My Bloody Valentine, The Cure, Arbouretum oder Nine Inch Nails zumeist im Ansatz wieder verpuffen.

DL EP3

Buy Here & Here


Donnerstag, Juni 2

Rue des Cascades - Odes to Love, Flames to Paris



Band: Rue des Cascades

Titel/Release: Odes to Love, Flames to Paris/Album (200x Gatefold Vinyl, Tape, Digital)

Label: Cruel Bones/Ashes Cult

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Post-Hardcore, Post-Rock, Post-Metal, Ambient, Shoegaze

FFO: Aussitôt Mort, Fall of Messiah, Sundowning

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Kurzinfo:


Eigentlich machte sich die Schweizer Band Rue des Cacades bisher immer ganz gut zwischen französischen (nicht nur des Namens wegen) oder deutschen Post-Hardcorelern wie REVOK oder Jungbluth. Mit ihrem Debüt-Longplayer "Odes to Love, Flames to Paris" entfernt sich das Quartett aus Winterthur allerdings nicht nur ein ganzes Stück weit weg von dieser Riege, sondern vor allem vom eigenen Sound.
Klar, bereits ihr old-schoolig angehauchtes Demo-Debüt aus dem Jahre 2012, das zwei Jahre nach Bandgründung erschien, bot Platz für einen epischen Neun-Minüter und ließ auch an anderen Stellen vorsichtig durchschimmern, dass die Band keine kompromisslose Knüppeltruppe ist. Was allerdings noch als etwas umherirrender Selbstfindungstrip anfing, entwickelte sich schließlich auf der Split-EP mit den Dub-Post-Punks Abrassiv und der "Katalepsie"-EP zu einem eigenen Konzept, mit dem sich Rue des Cascades auch im Hinblick auf die internationale Konkurrenz durchaus hören lassen konnten. Mittlerweile befinden sich die vier Schweizer im siebten Bandjahr. Zeit für einen Umbruch? Jein, denn Rue des Cascades haben erkannt, dass es zu Zeiten der Kaltherzigkeit nicht immer zielführend ist, mit dem Brecheisen durch die Wand zu rammeln. "Odes to Love, Flames to Paris" ist eine Reflektion der gegenwärtigen Umstände und trägt einen Titel, der vor allem im Bezug auf die jüngeren Ereignisse mehrfach ausgelegt werden kann.
Das Album setzt sich aus zwei Songs zusammen, die es addiert auf eine stolze Gesamtlänge von fast vierzig Mintuen bringen. Und wer der Band mit der Einstellung gegenüber tritt, sie würde nahtlos an ihren vorangegangenen Post-Hardcore-Releases anknüpfen, der/die könnte die ersten elf Minuten der A-Seite auch ganz leicht überhören. Denn bis auf ein kurzes Intermezzo, in dem sich die zart schwingenden Becken, der knarzende Bass, die dronigen Akkorde, die flirrenden Shoegaze- und seichten Post-Rock-Gitarren zu einem lärmenden Ganzen aufwölben, gleicht "Korea/Germany" bis dahin einem beklemmenden Kammerspiel, deren ansätzenden Ausbrüche und Fluchtversuche aus der Einöde auf ein Minimum reduziert sind. Erst danach ertönt eine monotone Stimme aus der Ferne, die den/die Hörer/in durch die nebelverhangenen und einsturzgefährdeten Klangruinen führt, bis sich schließlich der post-apokalyptische Trümmerhaufen offenbart.
Die B-Seite führt diesen Konzept weiter fort und schließlich auch zum Ende der LP. Und da die A-Seite bereits beste Vorarbeit geliefert hat, kann mensch diesmal auch von Anfang an den intensiv arrangierten Aufbau des Songs aufmerksam verfolgen. Trotz seiner Überlänge, orientiert sich "Der Russ Dresdens" etwas mehr an den altbekannten und -währten Post-Hardcore-Mustern und zieht den Spannungsbogen etwas schneller auf. Zudem reicht die Band der unter Umständen irritierten Hörerschaft die versöhnliche Hand mit einem ausgeprägten Groove-Part und beweist somit, dass sie keinesfalls an Druck und Biss verloren hat. Die Frage, wie eingangs erwähnt, ist nur, ob es tatsächlich am Können oder Wollen liegt. "Odes to Love, Flames to Paris" klingt in erster Linie nach einem Album, das sich die Band von der Seele geschrieben hat, statt damit irgendwelche Erwartungshaltungen zu erfüllen. Es ist ein beklemmendes und düster-sphärisches (Hand-)Werk, das von Marc Bouffé (die Drahtbürstenstimme von Hathor, Recording) und Role Wiegner (Die Tonmeisterei, Mix & Master) in einem organischen Sound gepackt wurde.

Stream "Odes to Love, Flames to Paris"

Buy Here, Here & Here


Mittwoch, Mai 11

Fir Cone Children - The Age of Blastbeatles



Band: Fir Cone Children

Titel/Release: The Age of Blastbeatles/EP (Digipak-CD, 16x Tape ->8x Black/8x White, Digital)

Label: Blackjack Illuminist

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Post-Punk, Indie(pop), Fuzz, Garage, Noisepop, Dreampop

FFO: The Rational Academy, Times New Viking, The Beatles

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Kurzinfo:

Fir Cone Children's letztjähriges Debüt-Album "Everything is Easy" war eine Ode an die Kindheit: oftmals einfach nur wunderschön, aber manchmal auch ein ziemlich zickiges Biest. Dennoch machte Alexander Leonard Donat den Titel buchstäblich zum Programm. Und nun lässt Donat auf seinem zweiten Werk unter diesem Namen etwa die "Blastbeatles" los? Genau! Auf "The Age of Blastbeatles" treffen locker-unbeschwerte Pop-Melodien auf verzerrte Fuzz-Gitarren und hektische Schlagattacken. Ein Sturmlauf gegen den Stilpurismus und eine Zerreißprobe für Diejenigen, die es lieber unkompliziert mögen. Auch "The Age of Blastbeatles" widmet sich dem Thema Kinder, ohne dabei ein schwülstiges Kinderalbum zu sein. Der eröffnende Titeltrack und das folgende "From Afar" stürmen mit der Ungestümtheit des Post-Punks durch eingängige Melodien. Unter Donats gewohnt zwischen aufgeregt und schwelgerisch pendelnder Stimme brummt, schrammelt und zerrt es gewaltig. "Marsian" ist dann so ein leierndes Stück Dreampop mit unterschwelliger Surfästhetik und "Turn Around" lässt es in ausgelassener Garage-Manier noch einmal ordentlich krachen.
All das wirft Donat grob gestückelt in einen großen Topf und lässt das Ganze unter gelegentlichen Umrühren vor sich hin köcheln, sodass die verschiedenen Zutaten stets erkennbar bleiben. Ein erfahrener Hobbykoch eben, der nicht nur mit der Routine, gefühlt jeden Monat ein neues Release (Leonard Las Vegas, Vlimmer, etc.) zu veröffentlichen, zu Werke geht, sondern vor allem durch die Augen eines aufmerksamen Vaters sieht. Kleine Kinder sind das Beste, was einem passieren kann, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Sie sind aufgeschlossen und stur; neugierig oder lethargisch; quengelig oder einfach bloß süß. Kurzum: Kinder sind unberechenbar. "The Age of Blastbeatles" fängt diese Gemütsschwankungen rigoros ein.
Stream & Buy "The Age of Blastbeatles"

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Samstag, März 5

I Have No Mouth and I Must Scream - I Have No Mouth and I Must Scream LP



Band: I Have No Mouth No Mouth and I Must Scream

Titel/Release: I Have No Mouth and I Must Scream/LP (Black Vinyl, 100x White Tape, Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Shoegaze, Alternative, Indie, Noise, Post-Punk

FFO: The Cure, Joy Division, My Bloody Valentine



Kurzinfo:


Für Shoegaze-Liebhaber dürfte hierzulande vor allem das Königs Wusterhausener Label Blackjack Illuminist eine der ersten Anlaufstellen sein, denn immerhin tummeln sich dort mittlerweile allerhand vielfältiger Genrevertreter. Vielleicht ist es daher für die/den Suchende/n auch mal eine willkommene Abwechslung, außerhalb des randberliner Konglomerats eine interessante Gruppe zu entdecken, die das Genre auch über seine Grenzen hinaus trägt und dabei - wie die Referenzen zeigen - einiges an musikalischer Zeitgeschichte aufwirbelt.
Über die Berliner Band I Have No Mouth and I Must Scream könnte der Eine oder Andere durchaus schon mal gestolpert sein. 2012 debütierte das Quartett mit ihrer gleichnamigen EP, die in Eigenregie als Tape erschien. Es sollte bis dato das einizge Release der Band bleiben, sodass mensch sie auch leicht hätte aus den Augen verlieren können. Fast vier Jahre später kommen sie nun doch noch mit ihrem angekündigten Album aus der Versenkung, dass wie bereits die EP selbstbetitelt wurde. Klar, bei einem derartig aussagekräftigen Namen muss sich die Band nicht noch zusätzlich mit einer krampfhaften Titelsuche herumquälen. Dennoch erweist sich "I Have No Mouth and I Must Scream" als wesentlich weniger düster und ausweglos, als Ellison's dystopischer Sci-Fi-Roman. Im Gegenteil. Der Opener "Paint" eröffnet mit einer leichtfüßigen Melancholie, wie mensch sie in etwa von Arcade Fire gewohnt ist und "PKD" gipfelt zumindest akustisch gar in Wave-lastigen Gute-Laune-Indie. Und auch, wenn die Hauptstädter ihrem Shoegaze-Post-Punk-Mix phasenweise einen satten Alternativesound untermischen, ist "IHNMAIMS" sicherlich nicht das Album, das das gemütliche Beisammensein in eine exzessive Party umschlagen lässt. Das deckt sich übrigens auch mit der Meinung der Band, die auf ihren Konzerten nur ungern "betrunkenen Macho-Tänzer", als vielmehr "leidenschaftlich tanzende Menschen" begrüßen möchte. Und genau dazu laden die elf Songs ihres Albums auch ein. "IHNMAIMS" ist ein in sich verschwommenes Kleinod voller tiefhängender Nebelschwaden, das seine vollkommene Herrlichkeit erst im Detail offenbart, wobei IHNMAIMS furcht-, aber nicht ehrfurchtlos den ganz großen Namen der betitelten Genres gegenübertreten.

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Montag, Januar 11

Hollywood Trash Vol.5

The Pizza Underground



Seine zwei Darstellungen als 8-jähriger Rotzlöffel, der sich jeweils zu Weihnachten mit zwei trotteligen Einbrechern herumärgern muss, machten Macaulay Culkin quasi über Nacht zu dem Kinderstar der 90er-Jahre. Nachdem die Kinoerfolge fortlaufend ausblieben, folgte nach dem Millenium ein für Hollywood beispielhafter Absturz in die Belanglosigkeit, der sich schließlich auch auf das Privatleben des einstigen Teenieidols auswirken sollte. Scheidung, Drogen- und Alkoholexzessen, Knast. Der Weg zum Rockstar schien geebnet zu sein. Um so erstaunlicher war es, dass sich Culkin für einen wesentlich unprätentiöseren Weg entschied und 2012 gemeinsam mit Phoebe Kreutz (Two Kazoos, Urban Barnyard), Matt Colbourn und weiteren Angehörigen der urbanen Folkszene New Yorks die Anti-Folk-Gruppe The Pizza Underground gründete. Der Name zeigt dabei schon die beiden Hauptmerkmale der Band auf: The Pizza Underground covern Klassiker von The Velvet Underground und ihres Masteminds Lou Reed und stopfen sie mit albernen Texten über die WG-Mahlzeit Nr.1 aus. Live können dann auch schon mal andere Songs von beispielsweise Nirvana dran glauben. Schüchterne Akustikgitarren; eine Pizza-Box als Schlagzeugersatz; unaufdringlicher, mehrstimmiger Gesang - und Culkin quält ein paar undefinierbare Laute durch's Kazoo.
Für Diejenigen, die "Kevin allein zu Haus" in ihr alljährliches Weihnachtsritual integriert haben und stets mit Wehmut zurückblicken, sind The Pizza Underground wahrscheinlich der endgültige Abgesang (aha, man bemerke das Wortspiel!) ihres weihnachtlichen Lieblingslausbuben. Wir sagen: warum nicht gleich so?!

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Tom Cruise & Katie Holmes

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Tom Cruise & Katie Holmes, mal lediglich Tom & Katie, TomlovedKatie oder 汤姆克鲁斯和凯蒂赫尔姆斯 - das Shanghaier Quartett um Frontsängerin Cee Q (Marquee VII) und ihren heimischen wie interkontinentalen Mitstreitern von Bands wie Pairs, Hu Jia Hu Wei, Pale Heads und So So Modern, will sich da nicht so genau festlegen. Ähnlich verhält es sich mit ihrem Sound, der grob als eine Melange aus Dreampop, Shoegaze, Noiserock, Drone und landestypischer Folkore beschrieben werden kann. Mit ihrer schwelgerischen Stimme und weich-pluckernden Keys erschafft die Band träumerische Soundscapes, die immer wieder in grell-leuchtenden Nebelschwaden verschwinden. Tom Cruise & Katie Holmes kreieren eine trügerische Idylle, die jederzeit von einer drohenden Unruhe oder gar einem Tobsuchtsanfall durchberstet werden kann. Alles kann, nichts muss - das ist die Lehre, die spätestens seit Anbeginn asiatischer Martial-Arts- oder Monsterfilme in uns wohnt. Von einer derartiger Rasanz sind die bisherigen drei Band-Releases allerdings meilenweit entfernt. Vielmehr spielen sich ihre Songs in einer gänzlich fantastischen Welt ab, die vielleicht auch deshalb in der Wirklichkeit nur schwer greifbar sind.




Bud Spencer

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Er war das grimmige und wortkarge Pendant zu Terence Hill. Nicht gerade die geistreicheste Seele, seine Bodenstampferschläge und Ohrfeigen dafür um so schlagfertiger. Carlo Pedersoli, Bud Spencer's bürgerlicher Name (und mittlerweile selber Singer/Songwriter), war vor allem für seine stumpfe Hau-Drauf-Action und mimische Situationskomik bekannt. Eine nur bedingt gelungene Überleitung zur französischen Band Bud Spencer, denn an Stelle von überzogenem Nonstop-Geknüppels mit Slapstickeinlagen, liefert uns das Trio aus Nancy instrumentalen und progressiven Stoner-Sludge. Damit distanzieren sich die drei Hardcoreveteranen weitgehendst von ihren Metal-, Trashcore- und Grindcorevorprojekten wie Meny Hellkin, Gu Guai Xing Qiu, Shall Not Kill oder Strong as Ten.
Ihr erster Longplayer "People Are Curious But From the Outside", das zweite Release nach ihrer Debüt-EP "Le Commencement", pendelt vielmehr dynamisch zwischen fies grummelnden Groove und 80er-Jahre-Score á la "Running Man" und "Terminator". Vielleicht wäre ja Arnold Schwarzenegger der bessere Bandname gewesen...



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Eddie Brock

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Hier die obligatorische Quotenband aus dem Bereich Trashcore/Powerviolence. Da ich kein Marvel-Freak bin, Google mich auf der Suche nach Bandinfos aber immer wieder auf die Fährte von Spider-Man frohlockte, gehe ich davon aus, dass da wohl zumindest ein vager Zusammenhang besteht. Eine heimliche Affäre vielleicht?...
Hinter Eddie Brock, der Band aus Baltimore, verbergen sich drei Amerikaner, die sich 2009 zusammenfanden, drei 7inches einprügelten und sich 2013 wieder auflösten, um fortan mit Sokushinbutsu (kaufe HIER) im metallischen Trashsektor für Furore zu sorgen.
Ihre Rezeptur ist simpel wie altbewährt: hämmernde Riffs, asoziales Gegrowle und wütend-berstendes Stakkato-Geknüppel. Alles, was das Pennerherz zum Schlagen braucht und noch viel weniger. Dicke Empfehlung für Fans unserer Hallenser Jungs von BATTRA//.

DL Split w/ Lapse A-Seite & B-Seite

Buy Here, Here, Here, Here & Here


PAVEL CHEKOV

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PAVEL CHEKOV - ihr lest richtig, ihr Trekkis - atmen entgegen oben genannter Eddie Brock wesentlich mehr San Diegoer Küstenluft ein bzw. speihen diese postwendend wieder aus - mit Galle! Trashy und angry Fastcore der Marke Charles Bronson. Das all ihre Tape-Releases fast restlos vergriffen sind, ist daher also keine allzu große Überraschung. Ihrem genre-typischen Gebolze mischt das Trio aus Dallas vermehrt altväterlich-sowjetische Volkspropaganda unter, die regelrecht in den Songs miteinfließen. Ein durchaus gelungener Kontrast-Konsens und somit der solide Abschluss unseres fünften Hollywood-Trash-Volumens.

DL Split w/ Endless Swarm A-Seite & B-Seite
DL unfinished Split
DL Split w/ Criminal Slang
DL V.I. Lenin EP
DL 1701 Warpcore EP

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Sonntag, Januar 3

Leonard Las Vegas - Jagmoor Cynewulf LP



Band: Leonard Las Vegas

Titel/Release: Jagmoor Cynewulf/Album (1x Black Swirl Clear, 38x Clear & 62x Black Vinyl + CD, CD, Tape, Digital)

Label: Blackjack Illuminist

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Indie(-pop), Dream(-pop), Noise, Post-Rock, (Cold) Wave, Shoegaze

FFO: the pAper chAse, The Cure, My Bloody Valentine, David Bowie

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Kurzinfo:

Buch oder Verfilmung? Die Frage, was denn wohl besser ist, scheint sich nur in den wenigsten Fällen ernsthaft zu stellen. Den Score oder Soundtrack zu einem Film, kann man hingegen als gelungen empfinden oder eben als Gegenteiliges. Und wie verhält es sich bei dem Soundtrack zu einem Buch? Lässt sich das überhaupt vergleichen oder objektiv bewerten?
"Jagmoor Cynewulf" ist nicht nur die erste Buchveröffentlichung des Königs Wusterhausener Labels Blackjack Illuminist, sondern gleichzeitig auch Leonard Las Vegas' viertes Studioalbum, der Zwei-Mann-Band um Labelchef Alex Donat und dem Würzburger Drummer, Cajonist, Percussionist und Sänger David Kandert (u. A. bei Clemens Bittlinger und Mofa Kahului). In beiden Varianten kämpft der gleichnamige Protagonist gegen seine eigene Psyche an, unterwirft sich, von Selbstzweifeln zerfressen, existenziellen Fragen und findet sich schließlich in einer Welt wieder, die sich erst langsam zusammensetzt, zu erahnende Konturen offenbart, merkwürdige Figuren kreiert und die letztendlich immer wieder in sich zusammen fällt. "Jagmoor Cynewulf's" Weg führt durch ein sich selbst reproduzierendes Labyrinth voller heller und dunkler Räume, hinter deren Türen nichts weiter als Ungewissheiten lauern, die den ohnehin schon verunsicherten Kerl wie Sirenen in Sackgassen, zu Trugbildern oder schlicht in die Irre führen. Ja, sowohl Buch als auch Album biedern sich derartigen psychologischen Metapherfloskeln regelrecht an. Aber es ist OK, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Schließlich stolpert man über Autor und Band nicht zufällig. Ein vertracktes Psychogramm (Buch) und ein schizophrenes Stück Experimentalmusik.
"Jagmoor Cynewulf", dem Album, merkt man die Verunsicherung seines Protagonisten an und in lyrischer Hinsicht lassen die beiden Musiker auch keinen Zweifel darüber aufkommen, dass dem tragischen Helden sein verhängnisvoller Weg vorher bestimmt ist. Dennoch wirkt die akustische Umsetzung um Einiges heller, als die morbide Literatur. So trudelt das Album sanft und verträumt mit dem zwischen Shoegaze und Indie pendelnden "Where to Go?" ein, in dem sich ein melancholisches Piano und eine muntere Gitarre zu einer mitreißenden Melodie aufschaukeln. Doch bereits im folgenden "Checkout & Goodbye" oder im Violinen-begleitetem "Through the Dark of the Atmosphere", die im Kern von nicht weniger Hitpotential zusammengehalten werden, fängt die harmonische Fassade allmählich an zu bröckeln. Diesen Songs kann man ohne Weiteres Pop-Affinität zusprechen, nur, dass Leonard Las Vegas auf eine dicke Zuckerglasur verzichten. Ein Rezept, mit dem bereits the pAper chAse einen höchst eigenwilligen Stil kreierten. Um mutwillige Destruktivität geht es der Band aber ebenso wenig, wie die totale Verstörung des Hörers. Einen fragilen, sich manisch wiederholdenden und stetig aufputschenden Song wie "Birth & Death, Stuff That Freaks Us Out" in etwa, haben Pearl Jam mit "Bugs" oder "Hey Foxymophandlemama That's Me" um einiges labiler hinbekommen. "Jagmoor Cynewulf" zielt darauf aber gar nicht ab. Es ist vielmehr ein facettenreichen Portrait, das trotz seiner Kuriosität viel Wärme und Licht ausstrahlt und seine Zerbrechlichkleit überwiegend in Alex' Stimme zum Ausdruck bringt. Stellenweise könnte sich sogar der Eindruck aufdrängeln, dass sich der Protagonist ganz wohl fühlt - in seiner eigenen Welt. Ein Trugschluss, der sich wohl erst offenbart, wenn man die Zeit zum Lesen aufbringen kann.

Stream & Buy "Jagmoor Cynewulf"


Mittwoch, Oktober 7

Boden - S/T 12"



Band: Boden

Titel/Release: Boden/EP (12" w/ screenprinted B-side, Digital)

Label: Holy Goat Records, Revolvermann Records, Meta Matter Records

Erscheiningsjahr: 2015

Genre: Black Metal + Shoegaze = Blackgaze, Post-Metal, Post-Rock, Ambient

FFO: Amber, Triste L'Hiver, Archivist, Sun Worship

Links: Tumblr\\//Facebook\\//Vimeo



Kurzinfo:

Es ist euch sicherlich schon aufgefallen - der Black-Metal-Markt boomt. Ein Umstand, der natürlich nicht spurlos an uns vorbeizieht. So tauchten hier vor allem in den letzten Monaten immer wieder nennenswerte Gruppen auf, meistens mit Affinität zum klassischen Black Metal. Mit dem Stuttgarter Quintett (derzeit Sextett) Boden, haben wir nun eine Band, die dem Black Metal etwas experimenteller gegenüber steht. Und da hier Powerviolence-/Fastcore- und Post-Screamo-erprobte Leute von WØLFENSTEIN und Loner mitmischen, ist das auch keine all zu große Überraschung. Ihre selbstbetitelte Debüt-EP, die im Laufe des Jahres als einseitig bespielte und b-seiten-besiebdruckte 12" über o. g. Labels erscheinen wird, entpuppt sich dennoch als ein unberechenbares und vor allem düsteres Biest. Klar, wer mit Black Metal nichts anfangen kann, braucht gar nicht erst weiter zu lesen, genauso wie Diejenigen, die kompromissloses Trommelfeuer erwarten. So läuft das nunmal bei sogenannten Blackgaze-Vertretern, die brachiale Härte mit viel Atmosphäre aufweichen. Das Genreuntypische an Boden allerdings ist, dass sie ihre vier Songs nicht nur zeitlich gesehen in einem überschaubaren Rahmen halten. Und das reicht auch vollkommen aus, um "Boden" mit sämtlichen düster-schimmernden Facetten zu beklecksen, ohne zu langweilen: Das bedrohlich einleitende "Correspondance"; das mit fragilen Momenten immer wieder bröckelnde "Morphin"; das permanent post-rockig schwebende "Shine"; und das anfangs morbide umhergeisternde und schlussendlich fast schon euphorisch ausklingende "The Light Inside Is Broken (But I Still Work)".

DL S/T 12"


Donnerstag, Juli 16

Fir Cone Children - Everything is Easy



Band: Fir Cone Children

Titel/Release: Everything is Easy/Album (CD, Tape, Digital)

Label: Blackjack Illuminist

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Dream-Pop, Shoegaze, Post-Punk, Garage

FFO: Phargo., Flesh Panthers, Ghost Friends, Super Moon

Links: Facebook\\//Last.fm



Kurzinfo:

Der exzessive musikalische Tatendrang von Blackjack-Illuminist-Kopf Alexander Donat lässt einfach nicht nach. Keine drei Monate nach dem tollen Release seiner ambienten Arabic-Krautrock-Band Feverdreamt, hat der außerdem bei Jet Pilot, Leonard Las Vegas, Infravoids und Flight Recorder aktive Singer/Songwriter mit Fir Cone Children bereits ein neues Projekt am Laufen, mit dem er - nunja - ein Kinderalbum der besonderen Art veröffentlicht hat. Naja, eigentlich ein kinderinspiriertes Album. "Everything is Easy" macht den Titel zum Programm. Es ist ein locker-leichtes, unbeschwertes und fröhliches Wohlfühl-Album, der Soundtrack zum Sommer, feat. Strandbesuche, Eisschlecken, Spielen im Garten und Waldspaziergänge, auf dem Dream-Pop, Lo-Fi-, Garage- und Fuzz-Rock mit dezenter Post-Punk-Dynamik verschmelzen. Angesichts der eng bemessenen Zeit, in der Donat seine Releases raushaut, ist es schon bemerkenswert, wie viele Independent-Hits dabei heraus springen. Songs wie "Oh Baby", "Here We Go Again", "Eat/Drink" und insbesondere "Your Red Eyes", sind im Grunde genauso simpel und eingängig aufgebaut, wie ihre Titel. Ein höheres Ziel war für "Everything is Easy" aber auch gar nicht anvisiert.

Stream & Buy "Everything is Easy"


Freitag, Mai 1

Feverdreamt - Terban Te Ban



Band: Feverdreamt

Titel/Release: Terban Te Ban/Album (CD, Tape, Digital)

Label: Blackjack Illuminist Records

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Krautrock, Dreampop, Orientalische Folklore, Ambient

FFO: Secret Chiefs 3, Fantomas, Embryo

(Label-)Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud


Kurzinfo:

Bis auf die Wiesbadener Shoegaze-Post-Rocker Miumi, dominieren vor allem die eigenen Bandprojekte von Label-Chef Alexander Leonard Donat das Geschehen auf Blackjack Illuminist. Ob nun Dark-Ambient mit Flight Recorder oder Infravoids, Electro-Hardcore-Noise mit Jet Pilot oder Indie-Shoegaze mit Leonard Las Vegas - es wird nie langweilig auf dem Königs-Wusterhausener Label. Da sein letztes Release allerdings schon mehr als ein Jahr zurückliegt (sowohl label- als auch bandtechnisch), war es nunmehr schon längst überfällig, noch einmal nachzulegen. Feverdreamt heißt sein neues Projekt, das sich labelgetreu und grob überschlagen in mäandernden Dreampop verliert, diesmal allerdings einem orientalischem Einfluss unterliegt. So eröffnet der fast schon operettenhafte Titeltrack den betörenden Reigen zwischen Wahn und Realität, während der zehn-minütige Closer "Antrebax Nox" fortlaufend immer tiefer in fiebrige und schwüle Esoterik entgleitet. Feverdreamt auf einen vergleichbaren Konsens zu bringen, ist schlichtweg unmöglich. Weitgehendst spiegelt sich hier die gleiche Originalverliebtheit wider, wie sie ein Mike Patton, Trey Spruance, Trevor Dunn oder gar Charming Hostess phasenweise an den Tag legten. Wer mit diesen Künstlern bereits seine Erfahrungen gemacht hat, weiß, dass man mit jeglichen Überraschungen rechnen muss.







Donnerstag, März 5

Boulevard Nights - Coloured Shadows



Band: Boulevard Nights

Titel/Release: Coloured Shadows/Album (Digital, CD)

Label: DIY

Erscheinungsjahr: 2014

Genre: Post-Rock, Shoegaze, Intrumental

FFO: God is an Astronaut, A Shoreline Dream, A Nice Day for an Earthquake

Links: Facebook\\//Soundcloud\\//Instagram\\//Last.fm



Kurzinfo:

Manchmal sagen ein paar Instrumente mehr als tausend Worte. So zumindest könnte das Motto des Niedersächsischen Trios Boulevard Nights lauten, das auf seinem ersten Longplayer "Coloured Shadows" fast nur instrumental agiert. Ausnahmen bilden der epische Opener, in dem eine verhallte Frauenstimme zu hören ist, der von einer leichten Gitarrenmelodie getragen wird und schlussendlich in einem fetten Wall-of-Sound-Brett mündet, und der Titeltrack, der von Schlagzeuger Heikos schwelgerischen Gesang und sanft trötenden Trompeten in träumerische Sphären entführt. Alles, was dazwischen und -nach kommt, ist ehrliche und souveräne Post-Rock-Handarbeit, die mit Einflüssen aus dem Shoegaze, etwas Elektronik, Psychedelia und Space-Rock - der im Vergleich zur Debüt-EP "Gravity Rest Easy" allerdings nur noch eine Randnotiz ist - angereichert wird und musikalische Grenzen verschwimmen lässt.

DL Coloured Shadows

Buy CD via Mail to: boulevardnights@gmx.de


Freitag, Februar 27

Jessica93 - Rise LP



Band: Jessica93

Titel/Release: Rise/LP (1000x Black Vinyl, 1000x Digipak-CD, Digital)

Label: Music Fear Satan, Teenage Menopause Rds


Erscheinungsjahr: 2014

Genre: Alternative, Shoegaze, Psychedelic, Coldwave, Post-Punk

FFO: Godflesh, The Cure

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Last.fm



Kurzinfo:

New Wave, No Wave, Coldwave - irgenwas mit Wave. Und Punk. Post-Punk vielleicht. Psychedelic und Alternative Rock wollen auch noch mitmischen. Der Franzose Geoffroy Laporte, vor- und nebenher u. A. bei Bands wie C'est Pu Le Temps Gras, Mobylette Facile, Comité Défaite, Missfist, Trotski Nautique und Besoin Dead aktiv, macht es einem (nämlich dem Rezensenten) mit seinem Soloprojekt Jessica93 gar nicht mal so leicht, dem Kind einen passenden Namen zu geben. Auf seinem zweiten Album "Rise" schafft der von der französischen Presse geadelte Soundtüftler eine kalte und düstere Atmosphäre, ähnlich wie The Cure zu ihrer "Pornography"-Ära, wenngleich weniger tanzbar. Wer zu derartigem Trübsalgeblase tanzen kann, ist eh nicht ganz dicht. Lieber fallen lassen, versinken oder in sonstige Sphären abdriften.
Einige seiner vorherigen Releases gilt es übrigens traditionsgemäß über Et Mon Cul C'est Du Tofu? kostenlos zu saugen.

Stream "Rise"

Buy Here, Here, Here & Here

Jahres-Sampler