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Freitag, Juni 19

Mann kackt sich in die Hose - Nowosibirsk 7"



Band: Mann kackt sich in die Hose

Titel/Release: Nowosibirsk/EP (7" on white, black & lim. Hardbook-Vinyl, Digital)

Label: Spastic Fantastic Records

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Deutschpunk, Punk, Garage

FFO: Rotzkotz, Toleranzgrenze, Schmutzstaffel

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Last.fm



Kurzinfo:

Diese Band ist an arroganz kaum noch zu übertreffen. Da dachte man, es nach zwei Demo-Auflagen und einer LP endlich überstanden zu haben, und da legt der Dortmunder Vagabunden-Vierer mit dem obszönen Bandnamen und den ordinären Liedtexten doch tatsächlich noch eine kleine Schallplatte nach. Ganz ehrlich Jungs: hiermit könnt ihr vielleicht noch ein paar zurückgebliebene 80er-Jahre-Punks beglücken, davon abgesehen, dass ihr schon mit anderen sogenannten "Musikgruppen" wie Napoleon Deinameit, De Omnipresent Desieß oder Jim Tablowski Expirienz vollkommen am Nerv der Zeit vorbei gepeilt seid. Klar, die Melodien sind fast schon eingängig-poppig und die auf Rock rollenden Gitarren passen hervorragend in die Garage der Hives und Konsortium. Bringt halt bloß nichts, wenn all das allein durch die dilettantische Stimme in der Luft zerfetzt wird. Damit könnt ihr bei der Generation Modepunks sicherlich keine Punkte sammeln. Da kräuseln sich wohl eher die steif gegelten Haare und glattgebügelten Markenklamotten.

DL Nowosibirsk 7" Here & Here

Buy Here, Here, Here & Here

Freitag, November 22

Die Bandcamp-Punks Vol.15


Blank When Zero:

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Als ich den ersten Song der "Konsumrauschen"-CD hörte, dachte ich noch, ich hätte es hier mit einer Comedy-Punk-Truppe á la Mädels No Mädels zu tun. Zum Glück hielt sich mein erster Eindruck nicht lange über Wasser, denn darauf folgten Songs, die sich Hardcore und Punk gleichermaßen einverleibten und mit leichtem Schräghang dann doch eher Richtung Amen 81 steuerten. Vor allem wenn sich zu dem angestrengten Gesang frenetische Chöre gesellen, haben Blank When Zero durchaus ihre melodischen Momente, die allerdings an einer kurzen Leine gehalten werden. Mit Geradlinigkeit und einfachen Strukturen scheint sich das Trio sowieso nicht zufrieden zu geben, und so zieht ihre Vertracktheit und Rifflastigkeit sie immer wieder zurück zu ihren Wurzeln - nämlich Hardcore-Punk. An manchen Stellen ist das leider schon etwas schade, denn gerade wenn man sich in wohlfühlenden Melodic-Punk wähnt, kommt es urplötzlich zum Break. Dass muss der Band natürlich nicht unbedingt negativ ausgelegt werden, denn das Grundwissen um beide Varianten - die des Melodic- und Hardcore-Punk - haben sie mindestens solide verinnericht. Apropos kurze Leine. Ihr diesjährig erschienenes (eigentliches) zweites Album zählt acht Songs, für die es nicht mehr als zwölf Minuten Aufmerksamkeit des Hörers bedarf. "Einerseits..." ist im Gegensatz zu den vorherigen Releases zwar nicht kostenlos, über Bandcamp aber dennoch für eine geringe Spende erhältlich ist, die direkt in die leeren Sammelbecher der Öko-Schützlinge Sea Shepherd Conservation Society wandert. Darüber hinaus erscheint "Einerseits..." auch auf schickem hellblauem Vinyl.


DL (1 €!!) & BUY LP Einerseits...


Be!Tiger:

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Der Mittlere Westen ist nur zwei Luftlöcher von uns entfernt, das kultträchtige Städtchen Gainesville sogar nur eins. So zumindest, wenn es nach den Münsteranern von Western Grace (mittlerweile umbenannt in Rowan Oak) geht, oder auch den früheren Jupiter Jones, bevor diese im kitschigen Indie-Schleim versanken. Mit rauhem Emo-Punk im Gepäck, versprühten beide Bands nostalgischen Midwest-Flair in jedem noch so kleinen Kellerloch, der sich nun anscheinend auch etwas auf den Punkrock des Aachener Trios Be!Tiger abgesetzt hat. Zu verdanken haben sie es vor allem ihrem Sänger, der sich zum Frühstück zwar nicht unbedingt puren Whiskey hinterhauen muss, aber zumindest einen Irish Coffee und eine halbe Zigarette in greifbarer Nähe hat. Mit dem viel zitierten Post-Hardcore von Hot Water Music hat ihre Musik dennoch nicht all zu viel am Hut, denn dafür sind die Gitarren zu spielfreudig, manchmal gar melancholisch, generell aber viel zu froh gestimmt, während die Texte nicht emotionaler sind, als der Punkrock von seiner Natur aus zulässt. Gegen eine frei wählbare Spende kann man sich ihre Debüt-EP "Rufio" downloaden, die sich leider in einer etwas bescheidenen Tonqualität präsentiert, da live aufgenommen. Im Rahmen eines Demos aber sicherlich noch vertretbar. Anscheinend existiert dazu auch eine limitierte und selbstveröffentlichte Stückzahl an Tapes. Ob diese schon fertig oder noch verfügbar sind, hinterfragt ihr am besten selbst über Facebook.



Bijou Igitt:

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Nach ihrem kurzen Screamo/Post-Hardcore-Intermezzo mit Torpedo Holiday, zieht es Tobi und Hannes mit ihrer neuen Band Bijou Igitt nun wieder Richtung Punk. So richtigen Punk, mit Attitüde und Freischnauze voraus. Bewaffnet mit Dada, Hohn, Spott und Klageliedern gegen die verkopfte Gesellschaft. Aber das kann man dem anagrammierten Bandnamen vorab ja eigentlich schon ablesen. Das Hamburger Trio hält den Kleinkarierten und der unteren Oberschicht ihre kleine Welt vor Augen, in der alles aus den Fugen gerät, sollte sich doch mal eine Veränderung einschleichen. Alles, was nicht ihrem Ideal entspricht, wird mit einer hochgezogenen, zusammengewachsenen Augenbraue geäugelt. Der Stock, auf dem man sich versehentlich setzte, sorgt immerhin für eine gerade Haltung. Von oben lässt es sich sowieso besser herabschauen. Musikalisch orientiert sich das Ganze an ihre früheren einkaufenEinkaufen-Tage, etwas nervös, vertrackt, wobei der Sprechgesang eher in Richtung Florian Prühs und dessen Bands Herpes und Ecke Schönhauser lenkt. Nur fahren Bijou Igitt dabei etwas mehr aus der Haut. Fünf (Demo-)Songs gibt's kostenlos und hoffentlich bald auf Tape. Tobi übrigens, war zwischenzeitlich bei der Kieler Screamoband Chuck Bass zu Gast, mit der er drei Songs einspielte. Einer davon wird auf dem 100kiloherz-Sampler erscheinen, mit dem sich das Label mit der Organisation ATME solidarisiert.



Sommerregen:

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Leider komme ich mit dieser Band einige Jahre zu spät, um sie euch für die Zukunft anzupreisen, denn das Trio aus der Wiener Neustadt löste sich 2011 nach sechsjährigem Bestehen auf. Immerhin hinterließen die Ösis doch noch ihr Debüt- und auch einziges Album "Metaphorik", dass nach Angaben der Band am Ende und aufgrund diverser Umstände wie Line-Up-Wechsel und stetige Weiterentwicklung, anders ausgefallen ist als ursprünglich gedacht. Die Band fand 2005 zusammen, mit der Intension, leicht ins Ohr huschenden Indie-Pop zu spielen. Sommerregen halt. Nur machen es einem die Jungs dann doch nicht so leicht, sie mit diesem halbherzigen Klischee abzuspeisen. Es ist schon verblüffend, wozu die drei allein mit der Grundinstrumentierung aus Gitarre, Bass und Schlagzeug in der Lage sind anzustellen. "Aufbauen und abhauen" kommt mit schwungvollem Emopunk aus den Startlöchern und wechselt mehrmals die Richtung. Das folgende "Mit beiden Beinen" offenbart dann allerdings schon die größte Schwäche der Band, nämlich der glasklare Gesang, der vor allem in seinen melancholischsten Momenten eben doch das Negativklischee bedient. Und genau an dieser Stelle beißt sich die Katze in den Schwanz. Frecher Indie-Punk, der Muff Potter in den Anfangsjahren noch so aufregend und toll machte; vertrackte Rhythmen, die aber nicht Mathrock sein wollen; harte Riffs, die erst kurz vor dem Metal halt machen. Dass sie ihr Album in Hamburg eingespielt haben, ist gewissermaßen auch nicht zu überhören. "Metaphorik" ist natürlich trotzdem ein sympathisches, vielfältiges Album. Es wäre halt nur noch toller geworden, hätte sich der besungene Dreck auch in der Stimme wiedergefunden.





The Jim Tablowski Experience:

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Im letzten Jahr bekam das Kultlabel Spastic Fantastic Nachwuchs aus den eigenen Reihen, indem sich die drei Kerle von The Jim Tablowski Experience aus den Rippen der Labelsprosse Die Eule im Bart des Judas und NxD schnitten. Und während man sich gerade mit dem namensgebenden Trash des Kamener Labels angefreundet oder diesen zumindest akzeptiert hat, holt dieses zum nächsten Paukenschlag aus, diesmal allerdings in eine vollkommen andere Richtung. Kein Trash. Keine spastischen Anfälle. Dafür fantastischer Garage mit Pop-Punk-Affinität, der tatsächlich um Ordnung und tollen Melodien bemüht ist. Allein der teils überstrapazierte und kratzige Gesang entlarvt den anschmiegsamen Schmusekater als wilde Raubkatze. Willycranes ohne Country und der Schweinerock der Spitts kommen einen dabei in den Sinn. Und wann konnte man schon jemals zuvor derartige Referenzen einer Spastic-Fantastic-Bande anhängen? Da wird die Auswahl wohl eng werden. Nach einem Demotape im letzten Jahr folgte Anfang 2013 eine selbstbetitelte 7" mit acht neuen Songs. Auf Clear-Vinyl und zu finden im Fantastic-Shop.


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One Trillion Dreams & 2nd Wind:

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Ohne grenzenlos zur Verfügung stehende Mittel hat man es als DIY-Band hierzu- lande nicht gerade einfach. Viele scheitern bereits auf der Suche nach festem Boden, der dem Standbein Stabilität verschaffen soll und ohne Beziehungen läuft sowieso nichts. War man zu alle dem auch noch zu spät am Bahnhof und hat somit den Zug in die Metropole verpasst, bleiben einer Band als Austragungsorte ihrer Musik meist nur die lokalen Kneipen, wo sich jeden Abend die selben Gesichter der zweiten und dritten Fußballmännermannschaft des jeweiligen Dorfclubs gegenüber sitzen. Es mag Bands geben, denen dieses Publikum ausreicht. Was aber ist mit denen, die mit ihrer Musik etwas verändern oder zumindest auf Missstände aufmerksam machen wollen? Wie läuft das in verhältnismäßig armen Ländern ab? Bei unseren Nachbarn in Polen arrangiert man sich gegenseitig und unterhält so eine autonome bis radikale Untergrundszene, deren Gesichter auch hierzulande keine Unbekannten (egal ob musikalisch oder auf der Straße) mehr sind. Egal ob ganze Organisationen, Fanzines, Labels (z.B. Antyfaszystowska Warzawa, Pracownicza Demokracja, Piataesencja, Pasazer Records) oder eben Musikgruppen, zu denen auch die Emo-Punks Astrid Lindgren und die Post-Hardcore-Combo Brooks Was Here zählen, lassen das Netzwerk innerhalb und über die Landesgrenzen hinaus stetig anwachsen. Aus diesem Netzwerk lose heraus gegriffen sind die beiden oben genannten Bands One Trillion Dreams und 2nd Wind. Beide verbindet eine ähnlich unmissverständliche Attitüde, die sich lediglich im Ausdruck etwas differenziert. Das Quartett One Trillion Dreams aus Poznan/Lubon existiert bereits seit 2009 und veröffentlichte vor kurzem eine neue Drei-Song-EP. "Jeden Trylion Snów" hört man die Affinität zum Pop-Punk durchaus an. Allerdings leiten die zwar melodischen, dennoch zäh rollenden Gitarren und der ernste Gesang ihre Musik eher auf die Schiene des Melodic-Punks ab. Der letzte Song "Ostatni" offenbart gar etwas Hardcore-Punk und einen akustischen Hidden Track. Hardcore-Punk auf den Punkt gespielt, heißt es dann aber erst bei der Poznaner Band 2nd Wind. Die spielen ähnlich kompromisslos wie ihre städtischen Kollegen Fight Them All und die Ostküsten-Jungs von Marksman, mit dem hörbaren Unterschied, dass sie ihr "Demo 2012" in bestechend guter Tonqualität präsentieren. Messerscharfe Gitarren, Riffs satt und aggressiver Gesang. Und dann auch noch dieser letzte Song "Koloryt", der zwar jedes nur erdenkliche Genreklischee bedient, aber eben auch zeigt, warum Hardcore-Punk so verdammt viel Spaß machen kann.


Weltraumraketenabschussbasis:

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Nach Jet Black, The Town of Machine und Mallorys Last Dance gönnten sich Moscha und Jan eine kleine Screamo-Pause und gründeten 2006 ihr gemeinsames Akustikprojekt Weltraumraketenabschussbasis, kurz W.R.A.B. Bewaffnet mit zwei Gitarren und Mikrofone graben sich die beiden durch melancholischen Singer/Songwriter-Rock, der seine Punkwurzeln nicht vollkommen im Verborgenen hält. 2008 debütierten sie mit dem Album "Alles wechmoschen!", welches zehn Songs beherbergt und in Eigenregie auf Vinyl-looked-CDr veröffentlicht wurde. Über Bandcamp erschienen bislang leider nur vier Songs, die aber immerhin als Free Download und mit Lyrics in PDF-Format. Neben der Ankündigung eines neuen Albums (was anscheinend schon so gut wie fertig ist) kann man die beiden auch in einer anderen Band erleben. Mit Phantoms darf's jetzt wieder etwas lauter und kehlkopflastiger zugehen.




Ausschreitung:

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Punkrock soll möglichst roh und unverfälscht sein? Attitüde ist wichtiger als Melodie? Punk soll nicht nur ANTI, sondern anarchistisch sein? Weniger jammern, mehr kotzen? Punkrock heißt, dass die Fäuste auch abseits der Instrumente fliegen? Und vor allem: Punkrock soll nach all dem auch klingen? Ja? Dann könnte das Quartett Ausschreitung aus Lauchhammer vielleicht genau das Richtige für dich sein. Vielleicht...








Außerdem

Mann kackt sich in die Hose:

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Mann kackt sich in die Hose ähneln einem räudigen Straßenköter, den man nicht unbedingt streicheln möchte, mit dem man aber dennoch Mitleid hat. Auf Mitleid können die vier Dortmunder natürlich gut und gerne verzichten, das wollten sie nie. Weder mit The Jim Tablowski Experience, noch mit Die Eule im Bart des Judas und schon gar nicht mit NxD. MKSIDH springen dich einfach an, mitten ins Gesicht und ohne zu fragen, ob dir dass nun gefällt oder nicht. Ein instinktives Biest eben. Nach ihrer "3,5''Floppy Disk Demo" im April und dem "Demotape" im August (jeweils als Spendendownload auf Bandcamp), folgt nun im November ihre erste LP "Karibik"."Neun Songs,[...] die sich kakophonisch und schnell durch Deutschpunk ätzen.", um mich mal meines geistigen Eigentums selbst zu berauben (häh?!), schrieb ich zu ihrem Demotape, dessen neun Songs sich auch auf der LP wiederfinden, wovon bereits drei auf der Floppy Disk waren. Da bin ich anscheinend nicht der einzige, der sich wiederholt. MKSIDH haben damit immerhin alle gängigen Medien ausgeschöpft, bis auf die CD. Hinzu kommen vier neue Songs (Track 2, 7, 9, 12), die sich nahtlos dazwischen mogeln und mit insgesamt ein bisschen mehr als vier Minuten auch gar nicht weiter aufhalten wollen. Macht summa summarum eine Gesamtspielzeit von nur fünfzehn Minuten. Mehr braucht es auch gar nicht für einen kurzen, subversiven und nostalgischen Blick Richtung Rotzkotz (passt nicht nur sinnbildlich, sondern auch ausgesprochen ganz gut zu Mann kackt sich in die Hose). 300 Exemplare wurden auf schwarzem Vinyl gepresst, wovon die ersten hundert mit exklusiven goldfarbenen Siebdruck auf der unbespielten B-Seite kommen. Für das Coverartwork zeichnete sich Sänger und Spastic-Fantastic-Chef Maz höchstpersönlich verantwortlich.


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Rollergirls:

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Hier auf Gerda bereits zweimal angekündigt, nun ist es endlich soweit. Das Darmstädter Trio Rollergirls (mit Mitgliedern von Sarg, Okta Logue und Don Giovannis Super-Ich) ist mit ihrer Debüt-LP am Start. "Satisfied With Less" kommt auf tranparentem Vinyl, beinhaltet einen DLC, ist auf 300 Stück limitiert und erscheint - wie ebenfalls angekündigt - über das benachbarte Label Fear of Heights. Das Artwork des Pappschubers stammt von Druckwelle-Benny. Dass Rollergirls auch musikalisch zu überzeugen wissen, konnte man bereits der vor einem Jahr erschienenen Vorab-EP "Bombs" entnehmen, deren vier Songs (neu eingespielt, inklusive des Tape-Bonustracks "Days") sich nahtlos mit den sechs neuen auf "Satisfied With Less" vermischen. "Snail" hieß damals dieser kleine Hit, der mit Feel-Good-Mentalität zum Midwest-Emo-Revival aufrief. Das Album wird durch das schwungvolle "Idiot" eingeleitet und stellt gleich zu Beginn klar, dass man mit dieser Beschreibung allein nicht sehr weit kommen wird. Die zweite Konstante in der Musik von Rollergirls ist frenetischer Pop-Punk, der mit dem Titelstück oder dem letzten Song "Summer" den plötzlichen Kälteeinbruch noch ungemütlicher erscheinen lässt. Mehrstimmiger Gesang und Feel-Good-Chöre treffen auf fröhlich aufheulende Gitarren, die einzig allein durch einige melancholische Passagen ausgebremst werden, die wiederum aber viel zu kurz(weilig) sind, als dass sie langweilen oder gar nerven könnten. Musik, die Teenieklamotten wie "American Pie" erst aufregend machte, nur dass Rollergirls Songs für derartige Filme eigentlich viel zu schade sind. Auf "Satisfied With Less" lassen sie Hit um Hit in einer Reihe antreten und debütieren somit mit einem Album, dass gänzlich ohne Ausfälle und Lückenfüller auskommt. Und das hat man verdammt selten. Kaufen!


Freitag, August 23

Die Bandcamp-Punks Vol.13

Es wird mal wieder Zeit, den Bands hierzulande etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Deshalb bezieht sich das 13. Volumen der Bandcamp-Punks ausschließlich auf deutsche Vertreter. So finden sich neben klassichen Deutschpunk-Bands wie Mann kackt sich in die Hose oder Schmutzstaffel auch wieder einige Ausreißer ein, z. B. die aus alten Bekannten neu formierten Marais, die genauso wie Jungbluth, die mit ihrem Debüt-Album am Start sind, eher im Screamo bzw. Hardcore zu verorten sind. Auch Roger Robota und Kommando Kant drängen den Punk mit ihren Progressive- und Indie-Ausflügen bis an den Rand seiner Genre-Definition. Alles erlaubt, alles Punk. Viel Spaß. 

Mann kackt sich in die Hose:

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Mann kackt sich in die Hose - so simpel kann und muss man vielleicht auch das Cover zur "Angst macht keinen Lärm"-7" von Rachut's ehemaliger Band Angeschissen interpretieren. So geschehen bei dem HIER vorgestellten Dortmunder Quartett, dass sich diese einfache, dafür unmissverständliche Interpretation auch gleich mal auf den Bandbanner druckte. Nach ihrem ersten Demo, dass in diesem Jahr auf 3,5" Floppy Disk über Spastic Fantastic Records bzw. Yakuzzi Tapes veröffentlicht wurde, legen sie nun ein Weiteres nach, als Vorgeschmack auf ihre im Herbst über SFR und Phantom Records erscheinende Debüt-LP. Neun Songs, darunter auch die drei des ersten Demos neu aufgenommen, die sich ebenso kurz wie kakophonisch durch Deutschpunk ätzen. Angeführt von Sänger Maz, der mit seinem krächzenden Gesang etwas an die früheren Tempeau erinnert, nur dass Marek Harloff damals wahrscheinlich wirklich davon überzeugt war, er könne singen. Bei MKSIDH ist das natürlich genauso provoziert, wie die sich gegen alles auflehnenden Texte, deren kritische Kernpunkte noch zusätzlich mit reichlich Dada auf's Korn genommen werden. Und da ihr Deutschpunk sowieso noch zur Hälfte in den 80ern feststeckt, ist das auch alles erlaubt. Für Schönklang haben wir ja schließlich immer noch unsere Emo-Punks.


Mevrsavlt:

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Eigentlich waren sie mal zu zweit, dann wieder nicht, dann doch, Demo eingespielt, und nun also doch Solo-Projekt. Der Essener Singer/Songwriter Phil hält sich auch alleine ganz gut über Wasser, denn für seinen Folk-Punk braucht es gar nicht mehr als seine frenetisch treibende Stimme und ein paar melodiöse Akustikanschläge. Und weil er seine Meinung auch gerne von anarchistisch verträumt bis radikal explodierend zum besten gibt, sollten vor allem Fans der Plan-It-X-Records-Schösslinge mindestens ein Ohr in Lauschangriffstellung bringen. Sein S/T-Tape kommt mit Poster und A5-Booklet plus kleinem Kaffee-Täschchen (mit echtem Kaffee).

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Schmutzstaffel:

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Die Hannoveraner Schmutzstaffel setzt sich aus Mitgliedern ehemaliger Bruce Bleed und Choke ISP zusammen. Seit 2012 nun also vereint, dreschen sich die vier rasend schnell durch Deutschpunk und walzen im dreckigen Kellerloch oder in der Gosse schließlich auch noch das nieder, was Slime, Dv Hvnd & Co großzügig übersehen haben.






Roger Robota:

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Roger Robota gingen irgendwann um 2008/2009 aus der Ska-Punk-Band Choke ISP hervor und veröffentlichten 2011 ihr Debüt- und bislang einiziges Album "Das Grau dazwischen". Schon der erste Song "Kartenhaus" zeigt, dass man mit dem Begriff Punk alleine nicht auskommen wird, um den Stil der drei Hannoveraner auf den Punkt zu bringen. Fast eine Minute braucht der Song, ehe er sich nach Indie-Geplänkel und progressiven Taktwechseln dann doch im explosiven Deutschpunk wiederfindet und später mal kurz beim emotionalen Rock der Marke Klez.e Rast macht. Und wenn es im Song "Versteckspiel" heißt: MIT EUREM SCHUBLADENDENKEN WISST IHR DENN WO IHR HINGEHÖRT, kann man das sicher nicht nur auf die scheinheilige Moral unserer Gesellschaft ableiten. Denn mit eben jenem Schubladendenken kommt man bei Roger Robota sowieso nicht sehr weit. Mit Progressive Rock, Indie und Punk kann man die Musik somit sicherlich nicht auf einem gemeinsamen Nenner bringen, aber immerhin grob eingrenzen. Und das tolle daran ist, dass trotz dieser Experimentierfreudigkeit den abgehenden Melodien noch genügend Platz eingeräumt wird..  



Cobretti:

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Elf  Jahre Cobretti könnte die Überschrift zu der diesjährig erschienenen EP "Axis" lauten. Die ist mit ihren fünf Tracks und 15 Minuten Spielzeit zwar recht überschaubar ausgefallen, fasst die über die Jahre hinweg vollzogene Entwicklung des Kölner Quintetts aber ganz gut zusammen. "Axis" ist das abgestimmte Resultat des punkigen Old-School-Hardcores ihres ersten Albums ("S/T", 2005) und dem geschliffenen Hardcore-Punk ihres dritten ("Trip Down Memory Lane", 2011), deren Texte abermals reichlich mit Attitüde (Punk) und eigenen Erfahrungen (Emotional) gefüttert werden.





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Marais:

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Die Kölner/Bonner Band Marais ist seit ihrer Gründung 2012 fleißig unterwegs und konnte sich nur durch viel Eigeninitiative bereits die Bühne mit Größen wie June Paik, Birds in Row, Jungbluth und Grand Griffon teilen. Ihre strikte DIY-Attitüde nahmen einige Mitglieder bereits von ihren Vor- und Nebenprojekten wie die crust-punkige Powerviolence-Band Risse (Free-DL HIER) und den Emo-Punks Maitresse (Free-DLs HIER) mit hinüber, im Übrigen genauso wie ihr Anti-Diskriminierungsprogramm. Ihr Debüt-Demo-Tape veröffentlichten sie demnach in Eigenregie, mit der freundlichen Unterstützung vieler Freunde, darunter auch Anne, die der Erstauflage (20 St.) eine schicke Tapehülle häkelte. Vier Songs befinden sich auf dem Demo. Vier mal feinster, meist deutschsprachiger Screamo, der trotz vieler Tempowechsel eingängig ins Ohr huscht - und es sich dort gemütlich macht.   


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Sad Neutrino Bitches:

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Das konnte man sonst nur bei Mclusky oder in unaufgeräumten amerikanischen Garagen hören. Das Trio Sad Neutrino Bitches aus Jena spielt rockenden Garage-Punk mit freakigem, vollkommen überdrehtem Gesang. Um die Nerven aber nicht wie bei o. g. überzustrapazieren, mit weniger Noise-, dafür mit mehr Rock'n'Roll-Anteilen. Heißt: Musik zum Ausrasten, nicht zum Durchdrehen.     

DL Split-LP /w Paul Harbour (nur SNB-Hälfte)

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Ein gutes Pferd:

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Ehe man von einem guten Pferd sprechen kann, braucht es viel Zeit und Training. Das Mitte letzten Jahres gegründete Quartett Ein gutes Pferd spielte schon gemeinsam mit Love A und sammelt im August neben den Trash-Punks Henry Fonda weiter Bühnenerfahrung. Auf ihrer Debüt-EP "Konferenz der Verwirrten" ist aber noch nicht so recht zu erkennen, welchem Ziel die vier Berliner entgegen reiten. Der Opener "Der Soffleur" beginnt mit einem Sample aus "Der Pferdepflüsterer", dass man in diesem Zusammenhang ruhig schon mal bringen kann. Allerdings wirkt der Song dann doch zu ernsthaft für diesen Gag. Emotionaler Alternative-Punk, irgendwo zwischen Muff Potter und Revolverheld. , der in den Songs "Holzbrücke" und "Sauerstoff in der Badewanne" mit etwas Hardcore-Punk aufgepeppt wird. Das steht der Band dann doch um einiges besser, genauso wie der fast schon klassische Deutschpunk in "Wasser in die Augen".    

DL Konferenz der Verwirrten EP


Flo und Paul und Flo:

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Geradeaus gerichteter und unpeinlicher Deutschpunk, der keine Blume vor den Mund nimmt. U. A. mit Mitgliedern von Maitresse, ballern und keifen sich die Kölner erbittert und kompromisslos zwischen Bands wie Rattenkönig und Scheissediebullen. Natürlich darf sich da auch ungeniert bei Fettes Brot ("Digitalfotografie") bedient werden und dass der Verspieler beim Ansetzen zur deutschen Nationalhymne in "Du bist Dearutschland, ich bin Punk" auf ein Versehen oder Unvermögen zurückzuführen ist, lässt sich wahrscheinlich bezweifeln. 





Kommando Kant:

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Kommando Kant spielen alles andere als Klugscheißer-Punk. Nicht, dass das einer denken könnte, ich will's ja auch bloß mal so angesprochen haben. Ihre Hamburger Herkunft bzw. Wahlheimat können die vier dennoch nicht ganz verbergen. Punkrock, der auch immer die Nähe zu spielfreudigem Indie und zu emotionaler Nachdenklichkeit sucht, aber auch aus der Haut fahren kann. Mit "Geschenktergauldemo" gelang ihnen jedenfalls schonmal ein tolles Debüt, dass über der Bandpage als Direct-Download erhältlich ist und die Vorfreude auf mehr weckt.




Außerdem

Jungbluth:

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Und wieder bin ich leider etwas zu spät dran, um euch die auf 100 Stück limitierte, Yellow-Vinyl-Variante von Jungbluth's Debüt-Album "Part Ache" nahezulegen. Die war nämlich schon im Pre-Order restlos vergriffen, sodass den Vinyl-Liebhabern nur noch die Standard-Black-LP übrig bleibt. Oder ihr seid noch schnell genug und sichert euch die letzten Exemplare der amerikanischen Blue-LP (ebenfalls 100 St.), die es derzeit im Pre-Order für 28 $ (inkl. Versand) über Halos of Flies zu ergattern gibt. Aber die Farbe ist bei einer Ausstattung mit Poster und neun Karten als Textblatt-Ersatz (bei allen Varianten gleich) eh bloß das I-Tüpfelchen und die Musik ist sowieso überall die selbe. Und die bietet, wie schon auf ihrem S/T-Tape, mal wieder fiesesten und düsteren Hardcore-Punk, mit ordentlich Screamo-Einschlag und kleinen Post-Rock/-Core-Ausflügen. Der souveräne und eindrucksvolle Beweis, dass Jungbluth nicht nur ein zeitweiliger Bandpausenvertreib der drei Alpinist-Mitglieder ist. Der Bandcamp-Download übrigens ist für ein Minimum von 50 Cent fast geschenkt.


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Montag, Juni 3

Die Bandcamp-Punks Vol. 9



New Dead Project:

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Schule schwänzen, Job kündigen, spießigen Freundeskreis den *rsc* zeigen. Die vier ungarischen Hardcore-Punks von New Dead Project liefern dir genügend Gründe und Hasspotential, dein Leben nochmal neu zu überdenken und gehörig umzukrempeln. Rein in den untapizierten, wie eine Tropfsteinhöhle feuchten Kellerclub und zusammen mit einer Hand voll Tobsüchtigen sich jeglichen Frust und Hass von der Seele schreien.  



Derbe Lebowski:

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Jetzt wird's wild! Das Debüt der vier Weddinger Derbe Lebowski erschien Ende 2012 als Co-Release zwischen Skull Witch Records und Mustard Mustache. Hyperaktiver Fastcore und Powerviolence mit hektischem Gekeife und Growling und sich somit in der Ecke zu Spazz und The Locust gesellend. Die 18 Songs durchdringen in gerade mal 14 Minuten die Lautsprecherboxen und sind somit auch wieder schneller vorbei, als das man aus Überforderung und -anstrengung die Stop-Taste drücken könnte. Und mit ihrer Anti-Diskriminierungs-Propaganda in jeglicher Richtung bekommen sie natürlich auch den Punkstempel aufgedrückt. Das Cover ihres Debüts entstammt den Händen des Berliner Designers/Illustrators/Musikers Tom is the Bastard.


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Mann kackt sich in die Hose:

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Ach du meine Güte...was hat sich denn der Maz da wieder an Land gezogen?! Das Dortmunder Trio ist nicht nur eines der neueren Produkte in den Regalen des Kamener Trash-Labels Spastic-Fantastic, sondern auch eines der jüngeren Bandprojekte seines Oberhauptes Maz. Gemeinsam mit seinen beiden Die Eule im Bart des Judas- und NXD-Kollegen Timm und Markus (beide auch bei The Jim Tablowski Experience) geht's mal wieder kakophonisch atonal und vollkommen überdreht Richtung deutschsprachigen Trash-Punk. Will sich zudem mit dadaistischen Texten und einem obskurem Bandnamen - bei dem die angezeigten Resultate der Google-Suche sicherlich nicht weniger obskur sind - gar nicht erst jedem aufdrängeln. Label-Fans bekommen das 3-Track-Demo klassisch auf Diskette, die zusammen mit Textblatt, Aufnäher und einem Streichholz im Jutesack untergebracht sind. Runde Sache also...



The Blackmail:

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Das Quartett aus Minsk spielt zeitlos schönen Post Punk und vermengt diesen mit New-Wave-Elementen, und zwar auf dermaßen britischer Art und Weise, dass man nur schwer glauben kann, dass diese Jungs tatsächlich aus Weißrussland kommen. Der letzte Song "On the Way Back Home" ihres zweiten Releases und gleichzeitig ersten Full-Lenghts "New Ritual" entstand zusammen mit Ben Daniels von den Indie-Dream-Poppern A Sunny Day in Glasgow.  





Ventura:

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Das chilenische Quartett Ventura ist das nächste Paradebeispiel dafür, dass die spanische Sprache dem Punk buchstäblich in den Mund gelegt wurde. Mit südamerikanischen Temperament, treibenden Hooks und einem hyperaktiven Schlagwerk geht's unerschöpflich durch treffsicheren (Melodic) Punk. Ihr zweites Album "Los Engranajes de Valverde" erschien über das ebenfalls in Vina Del Mar beheimatete Label JRcords.



 
Außerdem

Marracash Orchestra:

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Dieses Jahr hatte das Marracash Orchestra die Gelegenheit, die Eurasia Stage des Berliner Karnevals der Kulturen zu rocken. Und das auch noch zu einer Tageszeit, wo der Pegel des partyhungrigen Publikums gerade den Gipfel der Ausgelassenheit erreicht hatte. Aber Zeit und Ort sind für das Dresdner Sextett sowieso nur relativ. Auch überall sonst und zu jeder anderen Zeit hätten sie die Stimmung zum Überkochen gebracht. Mit ihren treibenden Electrobeats und tanzwütigen Balkanrhythmen ließen sie Oompa Loompas genauso hoch springen, wie die bunt durchmischte breite Masse, die selbst bei Crossoverausflügen und Hardcoreausbrüchen nicht zu bremsen war. 2006 debütierte die Band mit ihrem Album "The First World Session" und veröffentlichte seitdem im Drei-Jahres-Rhythmus zwei weitere Alben. Ihr bislang letztes "Pandemonium" rührt über die oben genannten Stile hinaus noch Dub, Hip Hop, etwas Western und - nicht nur zuletzt wegen des anarchistischen Vermischens dieser - eine gehörige Portion Punk mit unter und lässt somit grinsend den Rezensenten nach und während eines jeden Songs ständig im Genrekatalog hin und her blättern. Sollten die Jungs also mal irgendwann in eurer Nähe auftreten, lasst euch das nicht entgehen. In der Zwischenzeit könnt ihr euch mit "Pandemonium" auf CD oder Vinyl vergnügen, die über der Bandpage erhältlich sind.




G punkt Effekt:

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Liebe ist ein kaltherziges Biest und Politik sowieso scheiße. Darum begegnet die Band G punkt Effekt um Sängerin, Violinistin und DJane Miss Vergnügen diesen beiden Themen mit der Leichtigkeit des Seins. Das gelang der Weltenbummlerin bereits mit Stan and Laura und Animal Cops ausgesprochen gut, mit denen sie in einer Art experimentelles Noir-Genre entfloh. In Berlin endlich angekommen und das dortige Nachtleben in vollen Zügen genießend, war es nur eine Frage der Zeit bis sie schließlich auf vier Gleichgesinnte traf, darunter auch Bassistin und Sängerin Nicky Filou aka Feelya Feeling (ex-Sloppy Talk, Feelya & Frankensnyder). Nach etlichen Proberaumsessions hatte man 2010 genügend Songs in petto, um sich mit ihnen in der Neu-Köllner Tonbrauerei einzunisten und diese letztendlich mit ihrem Debüt- und bislang einzigem Album "Couchtales" wieder zu verlassen. Fünfzehn Songs sind darauf enthalten, die die Band selbst unter der Überschrift "Chanson-Punk" versammelt. Heißt im Klartext: Indie-Pop, NDW, Ska und etwas Folk wachsen aus der Freizügigkeit des Chansons und der Unbekümmertheit des Punks heraus. Das klingt ausgelassen, frech, manchmal sogar etwas kabarettistisch und schert sich einen Kehricht darum, ob andere das nun gut finden oder nicht. "Couchtales" ist als sympathisch gestaltetes DIY-Digipak noch immer im Bandlager vorrätig und darf bestellt werden.

Jahres-Sampler