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Sonntag, September 2

Der Bandcamp-Hardcore Vol. 39


Lesser Lights - Glass Lungs And Paper Lungs



Als What We're Afraid Of  haben 3/4tel-Lesser Lights 2012 bei uns einen ordentlichen Eindruck hinterlassen. Leider weilte die Euphorie nicht sehr lange, denn 2014 trug das Quartett aus Okeechobee, Florida seine gemeinsame Band zu Grabe. Mit neuem Mitglied, agierten die Amis zumindest die nächsten zwei Jahre weiterhin zu viert und bewegten sich nicht allzu weit weg von ihrem zuvor praktizierten Mathcore. Immer noch bissig genug, technisch hyperventilierend und somit ein lohnenswerte Ergänzung für die Mediathek zwischen The Dillinger Escape Plan und The Chariot.

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Fero Lux - Cheap Funeral: For You

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Auch sechs Jahre, zwei Alben, eine Split-EP und eine EP nach dem farmosen Debüt der amerikanischen Band Fero Lux, weiß uns das Quartett immer noch zu überraschen. Ein stetiger Geheimtipp, wenn mensch so will, denn die Jungs aus Florida vermischen in ihrem Stil Elemente des Emorocks und -Cores, Math- und Post-Hardcores - und klingen dabei wie eine ausgewogene Kreuzung aus At The Drive-In, Glassjaw und On The Might Of Princes.




Montagne - Spring Birds

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Auch das Pariser Trio Montagne will sich nicht so recht auf etwaiges Schubladendenken einlassen und kreiert auf der Basis von Post-Metal seinen ganz eigenen Sound. Neben ambienten Momenten und Blastbeat-Attacken, sind es vor allem die groovigen wie psychedelischen Stoner-Metal-Ausflüge, die Montagne's zweite EP "Spring Birds" zu einem wahren Ohrenschmaus werden lassen.
Kommt als Tape u. A. über Dingleberry Records und Hardcore 4 Losers.

DL "Spring Birds" Here & Here

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Atavistic Traits - Demo

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Eines vorweg: ich bin eigentlich kein großer Ska-Fan. Etwas Rantanplan oder Ginsengbonbons, ein bisschen mehr noch Shandon, reichte für meine gelegentliche Dosis an Offbeat-Trompeten-Punk vollkommen aus - bis ich kürzlich Atavistic Traits aus Graz entdeckte. Das österreichische Quintett spielt - nunja - eine Art Ska-Crust-Punk, was mir in dieser Form noch nicht vor die Lauscher gekommen ist. Simpel wie originell, schüttelt die Band auf ihrem Demo-Debüt neun lockere und eingängige Melodien aus dem Handgelenk und schreit sich dazu die Seele aus dem Leib. Großes Kino. Ich hoffe, dass da noch mehr kommt und sich das eine oder andere Label erbarmen wird, Atavistic Traits unter ihre Fittiche zu nehmen.



Error37 - Error37

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Was diese vier australischen Emos vor drei Jahren mit ihrer dritten EP ablieferten, eröffnete dem geneigten Nintendocoreler wahrlich keine neue Welt. Angereichert mit Pop-Punk, Metalcore und ganz viel Teenage Angst, könnte das Quartett aus Melbourne Fans von All Time Low, I Set My Friends On Fire und Moshing Samurai gleichermaßen beglücken. Wer mit diesem post-bewährten Mix leben kann, startet die ausgelassene Teenieparty am besten mit den Stücken "xXCactaurXCoreXx" und "Chinese Warlord".

DL "Error37"

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Zombieshark! - The Digital Sea

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Wesentlich atmosphärischer, düsterer und bedrohlicher wirkt da schon Zombieshark!'s letzte EP "The Digital Sea". Nach zuvor drei Alben, einer EP, einigen Compilation-Songs und Game-Scores, ist das Duo aus Philadelphia um Cory Swope und Jeff Brown nun auch auf dem Szene-Label Kitty On Fire Records gestrandet, das die von der Band selbstveröffentlichten, standesgemäßen Cartridge-Version (Sold Out!) noch um ein CD- und Tape-Release erweiterte. Mit Unterstützung ihrer Kollegen Steven Dunn aka Got Item! und Skylah Pendall aka Go:Eskimo, haben Zombieshark! ein intensives Werk in der Zwischenwelt von Digital und Analog geschaffen.

DL "The Digital Sea"

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 Potato Hate Machine - Glittergrind

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Hinter Potato Hate Machine verbirgt sich einzig und allein der Amerikaner Colton Gast aus Bowling Green, Missouri, nicht zu verwechseln mit Bowling Green in Kentucky, dem Ort, der für das fiktive Massaker des irrigierenden US-Präsidenten Trump herhalten musste, um seine rassistische Einwanderungspolitik voranzutreiben. Genug abgedriftet. Auf seinem siebten Album zeigt er sich gewohnt angriffslustig auf Genre-Grenzen. Zwischen Cybergrind, Metalcore, Ambient, Hip Hop und ganz vielen Broken Beatz, bedient Potato Hate Machine ein vielleicht auch etwas zu überambitioniertes Reportoire.

DL "Glittergrind"


Ashes Of Pompeii - Sea Of North

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Die einstige Marburger Post-Hardcore-Hoffnung Ashes Of Pompeii hatte eigentlich niemand mehr so richtig auf dem Schirm, lag ihr letztes Album bis dato stolze vier Jahre zurück, zumal sich Kopf Tobi Mösch und einige andere Bandmitglieder zwischenzeitlich mit Yellowknife lieber im Indie-Pop ausprobierten. Vollkommen unverhofft also, veröffentlichte die Band 2016 die EP "Sea Of North" in Eigenregie und erlebte zusammen mit der gemeinsamen Herbsttour mit Fjørt eine Art zweiten Frühling. Angesichts der Tatsache, dass es bis heute das so ziemlich letzte Lebenszeichen der Band war und sich die andere Bandhälfte mittlerweile bei Hector Savage herumtreibt, vielleicht auch eher ein letztes Aufbäumen. Wer weiß. Die zwei darauf enthaltenen Songs "Galeere" und "Marabu" spiegelten jedenfalls eine Band am Ende ihrer Entwicklungsphase wider. Vom experimentellen Emocore ihrer Anfangstage, fand die Band schlussendlich ihren Platz im routinierten Post-Hardcore. Und so verabschiedem sich AOP wohlmöglich nochmal mit einem emotional tiefschlagenden und einem im Shoegaze umherflirrenden Song. Vielleicht melden sie sich im Jahr 2020 aber auch mit ihrem vierten Album zurück.

Stream "Sea Of North"

Buy via PM on Facebook or Mail to: mail@ashesofpompeii.com


Argos - Argos






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Noch länger zurück als oben genannte EP, liegt das Debüt der Berliner Band Argos. Bereits 2013 im Hidden Planet Studio (das Studio, in dem sich u. A. The Ocean scheinbar ganz wohl fühlen) aufgenommen, folgte das digitale Release ihrer selbstbetitelten EP erst zwei Jahre später, während die Tonträger dazu seit jeher in der Planung feststecken. Aber digital ist immerhin noch besser als fiktional, und so überzeugt uns das Hauptstadt-Trio mit sechs metaphorisch-resignierenden Post-Hardcore-Songs, die ihre düster-melancholische Atmosphäre vor allem aus post-rockigen Soundscapes saugen.
Nachdem es zeitweise recht still um die Band gewesen war, spielten Argos zum Ende des letzten Jahres hin wieder vermehrt Live-Shows und kündigten zuletzt die Arbeiten an neuen Songs an.


DL "Argos"

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Dienstag, August 28

Der Bandcamp-Hardcore Vol. 2





Fashion Week:

Will ich mal gleich mit meinem Lieblingsstück dieses Beitrages hier anfangen. Wem Josh Lozano, Carl Eklof und Brett Zweiman nicht durch deren Nebenbands ein Begriff ist, der sollte als Hardcorehörer schon mal 'ne verdammt gute Erklärung parat haben, wie er auf die Band Fashion Week, mit dem wohl Hardcore-untypischten Namen ever, stoßen konnte. Ich für meinen Teil sage nichts, solange ich nicht mit meinem Anwalt darüber gesprochen habe. Aber egal. Fashion Week sind also die drei Jungs aus den Vereinigten Staaten, vermutlich sogar aus New York City. Fakten lassen sich über sie jedoch nur spärlich zusammentragen, denn was wahr oder falsch ist, bleibt nur zu vermuten. Auf Facebook kann man sich jedenfalls durch eine unterhaltsame Biografiegeschichte der Band durcharbeiten und einmal kräftig mit den Augen zwinkern. Shouter Josh Lozano kennt man als überforderten Gitarristen der esoterischen Sängerin Jarboe, Carl Eklof tobt sich nebenher bei den Postpunkern Lidia Stone und den Indierockern Victory At Sea aus, Brett Zweiman übt sich in Improvisation bei der Freejazz-Band Clutter und der ambienten und experimentellen Progressiv-Metal-Band Cutest Babyhead Ever. Die Industrial-Metal-Band Inswarm fügte die drei Freigeister erstmalig in einen kleinen Proberaum zusammen. Ihr zweites gemeinsames Projekt sollte nun also etwas zügiger, härter und kompromissloser auf den Punkt kommen. Eine 4-Track-Demo ist erstes Erzeugnis der Band, und bei all der Erfahrung der Bandmitglieder ist es schön, dass es auch nach Demo klingen darf. Gitarre und Bass stürmen im Gleichschritt Richtung Verzerrer und werden unterwegs noch mal ordentlich vom Schlagzeug vermöbelt. Dazu das rauschende Gebrüll von Lozano, der sich zwischendurch auch mal gern als beinharter Rock'n'Roller outet. Feine Sache!



What We're Afraid Of:

"We are a Christian band. We do this to spread love and the word of Christ." Oh Fuck!! Na immerhin haben diese fünf Jungs genug Eier in der Hose, dass gleich von Beginn an klar zu stellen. Ist ja auch keine Schande, eher eine schon fast eigenständige Sparte, denken wir an Bands wie Black Flag, Underoath und The Chariot. Besonders mit letzter Band ist der progressiv chaotische Hardcore von What We're Afraid Of vergleichbar. Ob das nun wirklich Liebe und Gottes Worte sind, die uns die Amis hier vor den Latz knallen, kann so, ohne Lyricsheet, vorerst eh bloß Schulter zuckend hingenommen werden. Wichtiger ist, dass die Musik auf technisch höchstem Niveau spielt und vor allem Mathematikasse epileptisches Augenzucken bescheren dürfte. Hoffen wir also, dass die Himmelspforte für die Jungs vorerst verschlossen bleibt, sodass noch einige Releses folgen können.



Reveal Renew:


Eine gehörige Schippe Punk-Core knallen uns Reveal Renew mit Ach und Krach um die Ohren. Weniger rifflastig als Boysetsfire, dafür angriffslustiger. "Less Talk, More Rock" sollte man daher als prolliges Statement in breiter Schrittstellung stehenlassen, denn zu sagen, haben die fünf US-Boys zu Genüge. Hier würd mit Alles und Jedem abgerechnet, in den Händen zu einer Kugel zusammengepresst, in den Mund gesteckt und mit reichlich Galle wieder ausgekotzt. Argh!!



Fero Lux:

Was haben At The Drive-In, The Dillinger Escape Plan, Pg. 99 und Glassjaw gemeinsam? Diese Frage stellten sich Fero Lux aus dem US-Bundesstaat Florida ebenso. Ihre Antwort gaben sie 2011 mit ihrer Debüt-EP "Vaos". Getarnt unter dem Deckmantel des Post-Hard- bzw. Mathcores, entfachen die vier Jungs ein gigantisches Kreischinferno, was o. g. Einflüsse gekonnt ineinander verschmelzen lässt. Um diese nun überhaupt wahrnehmen zu können, muss sich der Hörer erst einmal durch Falsettgekreische, fiesen Growls und wüstem Gekeife graben, ehe sich unerwartet auch mal eine heroische Melodie offenbart, der Rock'n'Roll das Hardcoreriff verdrängt und zwischendurch auch mal ein bedächtiger Jazzpart Platz einnimmt. Dieses sind wohlgemerkt die Ausnahmen, lässt die Musik von Fero Lux jedoch ein Stück weit unberechenbarer und interessanter rüber kommen.

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DL Vaos via Bandcamp


Frameworks:

Die Vierercombo Frameworks, ebenfalls aus Florida, legen dasgegen etwas mehr Wert auf Melodie verliebte Gitarren. In Gainesville, Heimatstadt von Against Me! und Hot Water Music, darf man eben nicht aus der Rolle fallen. Das verleiht dem treibenden Post-Hardcore eine eher punkige Note, weiß mit dem durchweg hysterischem Geschreie vor allem Fans von Touché Amore und Xerxes zu begeistern.



Citycop.:


Zum Abschluss einen eher zweifelhaften Vertreter der Hardcoresparte, denn Zugehörigkeitsgefühl scheint für die US-Band Citycop. ein Fremdwort zu sein. Verwurzelt im Emo und Indie, greift die Band auf Geschrei als Mittel zum Ausdruck zurück. Aber das eben auch bloß gelegentlich. Der Rest ist halt emotional getragener Indierock, mit etwas Post-Punk- und Mathrock-Anleihen. Also nichts für den sehnlichst erwarteten Weltuntergang oder der blanken Zerstörungswut. Seht es als den ruhig ausklingenden Abschluss dieses Beitrages an.

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