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Samstag, Oktober 7

REIGN - Vastatia



Na, kommt jemanden der Bandname REIGN noch irgendwie bekannt vor? Nein? Die französische Band thronte mit ihrer Debüt-EP als erster Vetreter auf unserer im Februar 2014 eingeführten Rubrik "Platte des Monats". Mensch, ist das schon lange her. Seither war es auch um die Band selbst recht ruhig geworden, da sich die Mitglieder anderen Musikprojekten wie Le Dead Projet, Keep On Living oder Valve zuwendeten oder sich in anderen Bereichen (Francis Passini Artworks) ausprobierten. Nun also, fast drei Jahre nach dem Release von "Subtle Bodies", legt die Band mit ihrem ersten Album ihr zweites Werk nach. Wieder ausschließlich digital, denn offensichtlich hat sich in der Zwischenzeit noch immer kein Label dazu berufen gefühlt, REIGN unter ihre Fittiche zu nehmen, was im freigeistlichen und gut organisierten französischen Underground etwas verwunderlich ist. Nun gut. "Vastatia" lautet der Titel des Albums, mit dem ich erstmal nur einen WoW-Charakter in Verbindung bringen kann. So simpel gestrickt sind REIGN dann aber doch nicht. Hangelt mensch sich an den Songtiteln und -Texten entlang, erschließt sich zumindest ein grob-konturiges interstellares Konzept, das die Band mit ihrem fließend-progressiven Sound abermals musikalisch souverän in Szene setzt. Wenngleich die Band ihrem Stil weitgehendst treu geblieben ist, hat sich auf "Vastatia" doch so Eingiges getan. Das Album lebt vor allem durch den atmosphärischen Zusammenhalt der Songs. Wechselten die Songs des Vorgängers noch recht eruptiv und brachial ihre Richtungen, fließen die Übergänge auf "Vastatia" nun wesentlich homogener ineinander. Ob der Anteil an ambienten Songgeflechten wie in "Velvet" nun zugenommen und die sludgige Hardcore-Passgen wie in "The Fear Significant of Nothingness" proportional abgenommen haben, lässt sich so ohne Weiteres nicht ausmachen.
Heißt: auch "Vastatia" ist ein Konzept-Werk geworden, das vom/von der Hörer/in erarbeiten werden muss. Es ist eben nur wesentlich schonender für die Synapsen.


Band: REIGN

Titel/Release: Vastatia/Album (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Alternative, Progressive, Metal, Doom, Hardcore

FFO: Gatherer, Tetrafusion, Kekal, Flesh Rodeo

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Reverbnation\\//Youtube




Donnerstag, Februar 27

Platte des Monats 02/2014: REIGN - Subtle Bodies EP



Diese Franzosen schaffen es auch immer wieder einen zu überraschen und damit gleichermaßen eiskalt zu erwischen. Die Beteiligten der Pariser Band REIGN wüteten vorher in Extreme- bzw. Brutal-Math-Metal- und Hardcore-Bands wie Boys First Time, Four Question Marks oder Le Dead Projet. Sei es nun der Wunsch nach Veränderungen oder das Entdecken von neuen Ufern - auch die vorherigen und Neben-Projekte grenzten sich gewissermaßen von den herkömmlichen Genredefinitionen ab - , mit ihrer neuen Band REIGN fordern sie nun die Bereitschaft des treuen Gefolges, sich einem vollkommen anderen Genre zu öffnen. Die Anpassung erfolgte Schritt für Schritt, bis im Oktober 2013 endlich der komplette Stream zur Debüt-EP "Subtle Bodies" stand und seit je für einen selbst wählbaren Betrag gedownloaded werden kann.
Wer nun also von den einstigen Metalheads ein wildes Drauf-Los-Geschreddere erwartet, wird mit Sicherheit enttäuscht werden, denn "Subtle Bodies" gleicht eher einem Epos, das viel Atmosphäre auf ausdauernden und mäandernden Soundscapes ausrollt. Der Opener "Shelter" marschiert zu Beginn mit selbstbewusstem Schlagzeug voran und baut sich langsam Stück für Stück auf. Zu diesem Zeitpunkt könnten REIGN noch in jede erdenkliche Richtung ausholen, selbst, wenn nach gut einer Minute der fast schwerelose Gesang einsetzt, rechnet man doch irgendwie jederzeit mit brachialem Geschrei, das einem gewohnter Maßen das Hirn aus dem Kopf ledert, sich aber nur kurzzeitig und in weiter Ferne gerückt im Refrain aufwölbt. Zum Ende hin gleitet der Gesang gar in immer höhere Oktaven ab. Das folgende "Edelweiss" nimmt dem aufbrausenden Sturm dann etwas den Wind aus den Segeln, plätschert melancholisch und ambient vor sich hin, nur um dem flüchtig aufkommenden Post-Rock-Gedanken im letzten Drittel des Songs mit voller Wucht zu zerschmettern, als würden REIGN ihre letzten Metalwurzeln in einem furiosen Finale zu Grabe tragen. Auch "The Man Landscapes" wird immer wieder durch tosende Eruptionen durchbrochen und liebäugelt mal kurz mit dem Psychedelic-Rock. Mit dem abschließenden Titeltrack verabschiedet sich dann die Band mit ihrem mystischten Song.
Nach mehr als 23 Minuten gelangt man unweigerlich zur Erkenntnis, dass REIGN nicht nur die Definition einer EP bis ans äußere ihrer Grenzen gedrängt haben. Eine EP, die hoffentlich auch irgendwann in physikalischer Form erscheinen wird und nicht das letzte Lebenszeichen der Band sein wird.

+++Facebook////Reverbnation////Youtube+++



DL Subtle Bodies EP

Jahres-Sampler