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Donnerstag, Juni 25

Platte des Monats 06/2015: Pride and Ego Down - Tear Room LP



Band: Pride and Ego Down

Titel/Release: Tear Room/Album (Digital, lim. Edition CD in Planung)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Emo, Screamo, Emocore, Alternative

FFO: Thursday, Me Versus I, Sometree

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube\\//Last.fm



Kurzinfo:

Ich muss schon zugeben, dass ich in letzter Zeit wohl kaum einem anderen Release mehr entgegen gefiebert habe, als Pride and Ego Down's ersten Longplayer "Tear Room". Mit der Video-Single "Son of Rain", "Our Great Desire" vom gleichnamigen 2-Song-Tape und der Driftwood-Winter-Sampler-Beigabe "Oxygen", hat das Kölner Quartett bereits im Vorhinein ein Viertel des Albums unter die Massen gebracht. Mit diesen drei Songs haben die Jungs nun aber keineswegs den Zündstoff für's Album verpulvert. Im Gegenteil. Schon der düster-atmosphärisch schwelgende Opener "Thirtytwo", der auf die genre-typische Finte verzichtet, zeigt, dass sich die Band eher bedächtig und mit dem ganz großen Gefühl den Gehörgängen anschmiegt, anstatt mit dem Brecheisen hindurch zu rammeln. Einen großen Anteil daran trägt sicherlich die emotional-zerbrechliche Stimme von Skinrise (ehemals You≠Me)-Sänger Niklas, der im Duett mit dem melancholischen Gitarrengeplänkel den Songs einen enormen Tiefgang verleiht. "Tear Room" ist kein Album voller Balladen geworden, aber es ist stoisch konzipiert, das sich nur dann in Geschreie entlädt, wenn es tatsächlich nicht mehr anders geht. Ist das noch Screamo? Ja, irgendwie schon. Aber die eigentlich relevante Frage lautet wohl eher, ob PAED überhaupt noch eine Screamo-Band ist. "Know My Name" zum Beispiel ist so ein herrlich eingängiges Stück Indierock, und auch die eingangs erwähnten "Oxygen" und "Son of Rain" nebst dem tollen "Making Wheat out of Tares" würden hervorragend ins Rockradioprogramm zwischen älteren Muse und neueren Biffy Clyro passen, würde man die Schreipassagen kürzen. Allerdings wäre das schon wieder zu viel des Guten, denn: Referenzen hin oder her, im Untergrund kochen PAED lieber ihr eigenes Süppchen.

Auch mit einem so grandiosen Album wie "Tear Room" hat die Band noch immer kein Label gefunden. Schade, denn eigentlich gehört sowas als Trophäe in den Plattenschrank. Daher ist vorerst nur eine limitierte CD-Edition geplant. Mit einer Spende auf Bandcamp könnt ihr der Band dabei unter die Arme greifen.

DL "Tear Room"


Mittwoch, Juni 3

Gesplittet, Teil 8

Pride and Ego Down, Spooky Action Space Captain, SRVVLST, Tir Asleen - PSST! 4-Way-Split-7"



Vier Bands, vier Songs, vier unterschiedliche Eindrücke, eine 7inch. Das kleine Label Tightwolf Records aus Columbus, OH setzt weiterhin auf unkonventionelle Bands der weitläufigen Sparte Rock. Neben drei amerikanischen Bands, findet sich auf der 4-Way-Split auch die deutsche Formation Pride and Ego Down ein, die unseren Lesern sicherlich schon bekannt sein dürfte. Das Kölner Quartett zeigt sich in seinem Song "Wreckage and Whys" diesmal von seiner skramzigeren Seite, entschädigt die Emo-Kids zum Ende aber mit einem melancholischen Intrumentalpart. Kurioser wird es da schon mit den Chicagoern Spooky Action Space Captain. Das nimmt der Name bereits treffend vorweg. Die ebenfalls zu viert aufgestellten Amis spielen einen Mix aus Indie, Folk, Pop und Mathrock, was sie selber am besten in Worte fassen können: Pillowcore. Den kürzesten Weg zum Label legten die ebenfalls aus Columbus stammenden SRVVLST hin. Das Trio spielt übergreifenden Post-Punk, der in seiner aufgeregten und experimentellen Art an eine Mischung aus At the Drive-In und It's Not Not erinnert. Tir Asleen aus Calhoun, GA bilden schließlich den post-hardcorigen Abschluss einer rundum gelungenen Bandkonstellation.

100 transparent-goldene und 200 schwarze 7inches wurden gepresst.

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!

DL & BUY Psst! 4-Way-Split 7inch

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These Arms are Snakes & The Coathangers Split-7"


Leider hat sich die All-Star-Group These Arms are Snakes (mit ehemaligen und aktuellen Mitgliedern von Botch, Minus the Bear, Kill Sadie, Narrows, Mamiffer, Russian Circles, uvm.) nach ihrer offiziellen Auflösung im Jahr 2010 nicht wieder zusammengerauft. Nach dem Re-Release ihrer "Like a Virgin"-Split mit Harkonen, haut die Band post mortem - wie auch schon für Nirvana's "In Utero Tribute Sampler" - einen bis dato unveröffentlichten Cover-Song raus. Diesmal musste die ehemalige Garage-Synth-Rock-Band Lost Sounds dran glauben. Hinsichtlich der Unkenntlichmachung von "Heart-Shaped Box" und ihren eigenen Songs, erwies sich das Quartett aus Seattle diesmal geradezu handzahm und beließ den Song zumindest weitgehenst in seinem ursprünglichen Garage'n'Roll-Gewand. Das passt natürlich wie Deckel auf Klo zum rotzig-frechen Garage der drei amerikanischen Girlies von The Coathangers.

1000 rot-schwarz gesplatterte Clear-Vinyls warten auf euch.

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Lucent & Say I Am "Penguin for the Sake of Penguin" Split-CD


Das letzte Split-Release dieses Beitrags teilen sich - genau zwei Leute. Mit klassichen Singer/Songwriter-Rock haben die beiden Amerikaner allerdings nicht wirklich viel gemein. Joseph Nicely aka Lucent und Steven Ostroske alias Say I Am (auch als Coronado oder im Duett als We Look Like Scholars unterwegs) scheinen sich auf ihrer gemeinsamen "Penguin for the Sake of Penguin"-Split gesucht und gefunden zu haben. Grob überschlagen springt ihr Sound zwischen Alternative-, Math-, Post- und Progressive-Rock hin und her, wobei sie ein Gefühlschaos von hyperkativ, über aufgeregt, bis hin zu melancholischen Momenten entfachen.

Gibt's digital und kostenlos oder für 5 $ als Digipak-CD.

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Mittwoch, Oktober 23

Der Bandcamp-Hardcore Vol.18


Sailing On:

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"How thin is the line between life and death", brüllt Sailing-On-Frontfrau Caroline mit der ersten Zeile des Songs "Aokigahara" fast schon verzweifelt ins Mikrofon. Der Song ist nach einem sagenumworbenen Wald in Japan benannt, der nach einem 1960 erschienenem Roman zum landesweiten Mekka für Selbstmörder avancierte. Schon das Intro ihrer "Hinterland"-12" macht klar, dass Sonnenstrahlen hier erst dann wieder den Boden berühren werden, wenn der Mensch aus seinen Fehlern gelernt hat. Und da das noch ein Weilchen dauern kann, rollt das Karslruher/Heidelberger Quartett bis dahin erst einmal einen kratzigen Teppich aus Tristesse und Düsternis aus. Ein depressives und brachiales Monstrum aus Post-Hardcore, Crust und Punk, dass sich allerdings melodischer gibt als die bereits tolle Debüt-EP. Leider war nach ihrem zweiten Release und einigen Konzerten im letzten Jahr schon wieder Schluss. Drummer Daniel hat mit Sleep Kit immerhin schon eine Folgeband, während Caroline jüngst als Gastsängerin auf dem Rant-Debüt nicht zu überhören war.


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We Came Out Like Tigers:

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I Would Set Myself on Fire for You, The Pax Cecilia, Mononoke, Envy, und, und, und... . Sie alle machten es vor und etablierten die Geige im Hardcore, als wäre sie nur dafür geschaffen worden. Das Liverpooler Quartett We Came Out Like Tigers kann ebenfalls auf einen talentierten und spielfreudigen Violinisten zurück greifen, ist aber weder eine Post-Metal- noch -Rock-Band. Zumindest nicht direkt. Den Klangkosmos der Band auf ein überschaubares Maß einzugrenzen, ist jedenfalls nicht so einfach. Allein die Geige bedient ein weitreichendes Spektrum, rollt atmosphärische Soundscapes aus, führt sich an anderer Stelle als zweite Gitarre auf oder schaukelt sich zur irischen Folklore hoch, wie im letzten Song "I Sing of Sorrow & Joy" ihres Debüt-Albums "Agelessness and Lack". Damit ist aber eben nur ein Bruchteil ihrer Musik erklärt, denn auch die übrigen Instrumente versuchen sich nicht zwangsläufig auf einen Stil festlegen zu müssen. Da wird die komplette Palette von Doublebass-Geschredder bis hin zu fiesem Black Metal und erbittertem Screamo bedient, während die Texte Themen wie Anti-Faschismus, Religionsfanatismus und ausbeutende Regierungen aufgreifen und somit im Punk wildern. Dass sich We Came Out Like Tigers trotz dieser Fülle nicht übernehmen, zeugt von der Klasse der Band, die mit "Agelessness and Lack" ein vielseitiges aber dennoch homogenes Album geschaffen hat. Meine Kaufempfehlung!


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Divorce:

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Mann oh Mann, da bleiben einem fast die Worte im Halse stecken. Divorce aus Glasgow haben großen Spaß am Verzerren und Überlagern und erinnern mit ihrer noisigen Experimentalmusik an die Kracheskapaden von Batalj, nur dass neben ächzendes Geschrei auch noch nervtötender weiblicher Sprechgesang hinzu kommt. Wäre der Name nicht bereits vergeben, hätte sich das Quartett auch gut und gerne Bastard Noise nennen können. Um damit ihre Musik zu beschreiben, reicht es jedenfalls alle mal. Fast ein Jahr nach ihrem S/T-Debüt-Album, gab die Band im August 2013 ihr Aus bekannt. Als Abschiedsgeschenk hinterließen sie ihre EP "Seance Fiction", die es nicht mehr ins Presswerk schaffte. ex-Drummer und ehemals einziges männliches Divorce-Mitglied Andy Brown zielt mittlerweile mit seiner neuen Band Ubre Blanca auf wesentlich verträglichere Töne ab.


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Some Are More Equal + Howl & Prey

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Möchte man etwas bewegen, so sollte man mit diesem Wunsch möglichst nicht alleine da stehen. Als unzufriedenes Individuum wird man sowieso immer nur mit dem Strom schwimmen und die Zweifel zumindest solange in sich hinein fressen, wie die menschliche Hülle an Kapazitäten bereitstellt. Some Are More Equal sind immerhin schon zu fünft und spoilern bereits im Bandnamen sowie im Titel ihres zweiten Releases "Waiting for Better Days", worum es hier gehen soll. "If we move every chain will break", resümiert der letzte Song "Four Walls" in seinem Schlussvers. Das alles wird in melodischen (Post-)Hardcore bzw. Hardcore-Punk verpackt, der sich durch seine düstere und depressive Grundstimmung am Boden hält. 2012 gab die Osnabrücker Band ihre Auflösung bekannt. Noch ehe die Frage aufkam, wie es denn mit den Beteiligten weitergehen solle, waren einige von ihnen bereits in einem neuen Projekt involviert. Howl & Prey stellen mit ihrer Debüt-EP klar, dass sie nicht all zu weit entfernt von ihren Wurzeln im Hardcore graben wollen. Mal etwas schnellerer Post-Hardcore oder sich schwermütig voran schleppend, sich aber immer in Reichweite zur Melodie bewegend. Ihre EP nahmen sie anbietender Weise in der Tonmeisterei auf.


Lizards Have Personalities:

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2010 veröffentlichte das amerikanische Trio Lizards Have Personalities gleich zwei EP's in Eigenregie und heimste für diese viel Lob ein. Ihr Debüt "In All Honesty" sollte den Hörern gleich mal zeigen, dass es sich die Band aus Lawrence, KS weder leicht machen, noch dass sie einfach bloß auf den überladenen Post-Hardcore-Zug aufspringen will. Der Opener "Like Lifetime Movies" stellte sich als Screamo-Querkopf gleich mal vorne an, verband metallische Riffs mit post-rockigen Nuancen und versetzte seine Melodie in ein Wechselbad der Gefühle. Das konnten Biffy Clyro auch mal so gut, nur dass LHP vollkommen auf cleanen Gesang verzichten und sich Andrew Mcshan stattdessen lieber die Seele aus dem Leib schreit. In diesem Sinne dehnte sich "In All Honesty" auf fast 25 Minuten aus - und überzeugte. Der Nachfolger "Snows of Kilimanjaro" wollte sich auf die Lorbeeren seines Vorgängers nicht ausruhen und überraschte mit relativ kurz gehaltenen Songs. Nach einem sich steigernden Intro wird allerdings schnell klar, dass sich die Kürze nicht zwangsläufig in Eingängigkeit ausdrücken muss. Vielmehr teilten sich die ersten fünf Songs ihre Energie ein, um im furiosem, fast zehn minütigen Finalsong und Titeltrack nochmal vollkommen freizudrehen oder sich im mäandernden Post-Rock zu verlieren. Bis heute kamen noch einige Splits und Compilation-Songs hinzu. Drummer Joel Layton ist seit diesem Jahr auch bei der Melodic-Hardcore-Punk-Crew A Constant Refrain (Free-DL's HIER) zu erleben, während Mcshan kürzlich als Gast bei den deutschen Crust-Punks Rant vorbei schaute. Hoffentlich nicht schon ein Abgesang auf LHP, denn das wäre verdammt schade.


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Chuck Bass:

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Als SCREAMPUNKBOYGROUP kündigen sich Chuck Brass selber an und treffen damit vielleicht sogar den Nagel auf den Kopf. Gesellschaftskritik, gespickt mit emotionalen Tiefgängen und eigenen Unsicherheiten, die mit hysterischen Screams herausgespeit werden. Und dass sich hinter dem Bandnamen vier junge Männer verbergen, dürfte wohl auch der Definition einer Boygroup gerecht werden, nur dass es eben keine hysterischen Teeniegören sind, die die Kieler Band als Zielgruppe anvisieren. Zumindest nicht nur. Vielmehr sollten sich diejenigen angesprochen fühlen, die ihr Herz an mitreißenden, teils erbitterten Screamo verloren haben, der mit derben Riffs in die vollen geht, auch mal die seichten Töne trifft oder das Tempo ganz drosselt. Im Ganzen eine durchaus gelungene Debüt-EP, die mit Hilfe von vier Labels auf hundert rote Tapes verteilt wurde. 


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White Fields:

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Das Coburger Quintett White Fields exisitiert seit 2010 und brachte es nach ihrer tollen Debüt-EP "Chronicles" (2011, erschienen als CD und auf Tape) auf eine Split mit der australischen Emocore-Band Perspectives (Free-DL's HIER) und die 2012 erschienene "Miles from Home"-12". Letzt genanntes Release gestaltet sich nicht nur durch seine Gäste in "Grey Morning Lights" (mit Michael der Regensburger Metalcore-Punk-Band und Final-Exit-Labelmates Blackstone ->Free-DLs HIER) und in "Rust" (ft. Philipp von den straight edge Hardcore-Punks Dogchains ->Free-DL HIER) abwechslungsreicher als der Vorgänger, sondern verpasst der eigens kreierten Tristesse und Schwarzmalerei der Band mit den instrumentalen Tracks "Autumn" und dem pianolastigen "Chapter Mine" mehr Einwirkzeit. Ansonsten bleibt die Band ihrem melodieverliebten und ansteckenden Modern Hardcore treu, der vor allem für diejenigen interessant sein dürfte, denen der Name More Than Life mittlerweile zum Hals heraushängt. "Miles from Home" übrigens erscheint auf Vinyl in zwei verschiedenen Varianten: die bereits vergriffene red/black Vinyl mit alternativen Cover (60 St.) und die Standardversion auf orange/red Vinyl (200 St.).


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Calculator & No Tongue

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Melodie und Kakophonie passen nicht zusammen? Passen sie wohl! Beweise dafür lassen sich mittlerweile in sämtlichen Genres finden. John Congleton und seine Paper Chase waren darum bedacht, jedweilige Harmonie in ihrem morbiden Indierock zu zerstören. Times New Viking verstümmelten ihren Garagerock fast bis zur Unkenntlichkeit und The Rational Academy drehten ihren Shoegaze mit ganz viel Noise durch den Fleischwolf. Im Weitesten Sinne gehören wohl auch Dillinger Escape Plan zu dieser Riege. Auch Calculator aus Los Angeles können sich bei aller Liebe zur Melodie nicht so recht mit dem Schönklang anfreunden und verbinden Stilelemente, die sich eigentlich abstoßend finden. Ihr diesjährig erschienenes Debüt-Album "This Will Come to Pass" ist in diesem Sinne eine besonders willkürliche Laune der Band. In "Overture" beispielsweise platziert die Band ein Feel-Good-Chor inmitten von garstigen Post-Hardcore, während in "Gasping, but Somehow Still Alive" entgegen rauhem Mid-90's-Emocore ein Indie-Pop-Song läuft. Auch "Brooding Over", "Permanent State of Daylight" und "Grinning at the Thought" beinhalten diese Momente, bei denen man nicht so recht weiß, ob der Band gerade die Puste ausgegangen ist oder man versehentlich die Playlist geändert hat. Weder - noch. Es zeigt, dass die Band neben ihrer Dynamik und treibenden Energie, auch dem Experiment seine Freiräume lässt. Ein Konzept, dass anscheinend auch Comadre-Chef Jack Shirley überzeugt hat, der sich für die Aufnahme verantwortlich zeichnete. Meine Kaufempfehlung #2!

Was mit all dem nun also No Tongue zu tun haben? Zunächst einmal teilen sich beide Bands zwei ihrer Mitglieder. Zum anderen muss auch das Oaklander Quartett nicht melodiöser sein als erforderlich und orientiert sich dabei am ausufernden emotionalen Hardcore der 90er, der von Bands wie Milemarker oder Song of Zarathustra geprägt wurde. Aber auch die diversen Vor- und Nebenbands, zu denen neben o. g. Calculator auch die Emoviolence-Combo Ten Thousand Leagues und die Art-Punks OYO zählen, zeigen, dass sich hinter No Tongue eine Gruppe Querdenker versammelt hat. Nach ihrem noch etwas punkigeren Debüt "///" im letzten Jahr, folgte im August 2013 ihre zweite EP "Body + Mind", die als schwarze 7" über KYEO Speaks, dem DIY-Hardcore-Label von Ten Thousand Leagues-Gitarrist Mark Chen, erschien.


Buy Calculator Here, Here & Here


Buy No Tongue Here & Here


Pride and Ego Down:

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Ein Jahr ist es jetzt her, als die Kölner Post-Hardcore-Band Pride and Ego Down ihre Debüt-12" "Cloud Moving Mind" in Eigenregie veröffentlichte. Zwei Monate später waren sie auch auf unseren ersten Gerda-Sampler vertreten. In diesem Jahr folgte dann eine US-Tour. Neue Songs konnte in diesem Jahr bislang nur Sänger Niklas mit seinem Solo-Projekt You ≠ Me aufweisen. Und nun plötzlich erscheinen unangekündigt über Bandcamp zwei neue Songs der Band, die einen regelrecht aus den Socken hauen und abermals nicht mit den herkömmlichen Genredefinitionen auskommen. Anscheinend ein Umstand, der auch die Band selbst etwas verunsichert, die deshalb auf Nummer sicher geht und sich mit einigen Tags mehr zudeckt. Post-Hardcore? Jaaa. Screamo? Auch! Emo? Auf jeden Fall! Und wer will, kann auch etwas Punkattitüde in ihren Texten finden. Aber bereits das eingenebelte Cover ihrer 12" zeigte, dass PAED von einer sich merkwürdig anfühlenden Aura umgeben sind und somit eher auf Atmosphäre bauen, als Schubladen voreilig aufzustoßen. Der erste neue Song "Our Great Desire" erinnert in seiner tristen und melancholischen Art etwas an Deftones, ehe sich markerschütterndes Geschrei und verzweifelter Gesang breit machen. Ein tief sitzender und grandioser Song, der trotz seiner relativ kurzen Spielzeit dermaßen viele Phasen durchläuft, wie es andere Bands nicht mal auf Albumlänge hin bekommen würden. Der zweite Song "Broken Back" nimmt sich für diesen Hürdenlauf sogar fünf Minuten Zeit, ohne Ermüdungserscheinungen hervorzurufen. Das Cover dazu entlieh sich die Band abermals aus dem Reportoire des Fotokünstlers Teye Gerbracht.




Außerdem

Henry Fonda:

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Henry Fonda könnten dem einen oder anderen schon flüchtig auf einer Split begegnet sein, vielleicht sogar ohne es zu bemerken, denn in der Regel überdauern ihre Songs nur selten die Ein-Minuten-Grenze. Nach einiger Zeit Ruhe meldet sich das Berliner Quintett nun unerwartet mit ihrem ersten Full Lenght zurück. Und unerwartet deshalb, weil die Mitglieder in letzter Zeit vor allem mit diversen Nebenbands wie Afterlife Kids, Ancst oder Halbstark auf sich aufmerksam machten. Schön zu hören, dass die Band nun also seine treuen Fans auf Albumlänge bei den E**rn packt, wobei 18 Songs in 15 Minuten recht schnell vergehen können. Geschreddert und verkloppt wird dennoch, was bei drei nicht rechtzeitig auf den Bäumen ist. Ein richtig "dreckiger" und "hässlicher" Bastard, geformt aus den ausgekotzten Eingeweiden von Powerviolence, Punk, Grind-, Fast- und Trashcore. Somit vor allem für Fans der San-Diego-Ecke (Charles Bronson, Locust, etc.) ein routiniertes Hörvergnügen. Kurz vor Beginn ihrer Herbsttour gab's den Album-Download noch kostenlos, der derzeitige Mindestpreis von 2,- EUR dürfte für Genrefans aber sicherlich auch zu stemmen sein. Über Nerdcore Records erschien die auf hundert Stück limitierte Tour-Edition von "Deutschland, du Täter!", auf einseitig bespieltem, weißem Vinyl mit B-Seiten-Siebdruck ("Good Night Slim Pride"). Leider bereits vergriffen. Warten wir also auf die reguläre Pressung.


Buy Here


Retsar Baï Naïm


Eine Band, die anscheinend gar nicht so übermäßig daran interessiert ist, bekannt zu werden. Keinerlei Internetpräsenz und auf Bandcamp finden wir neben den drei Songs ihrer s/t-EP lediglich Konzertdaten und Erscheinungsdatum. Nicht einmal für ein Cover hat es gereicht. Immerhin ist die Musik in der Lage für sich selbst zu sprechen. Und die könnte uns Aufschluss darüber geben, was die Pariser Band Ratsar Bai Naim so alles in ihrem Proberaum hört. Nämlich fiesesten und punkigen Fast- bzw. Trashcore der Marke Charles Bronson und derartige Problemkinder aus den Neunzigern. Einige kleine Eckdaten zu den Mitgliedern ließen sich schließlich doch noch ausfindig machen: anscheinend handelt es sich um ein Quartett, dass dem französischem Hardcore-Untergrund entsprungen ist und deren Mitglieder sich bereits bei nicht wesentlich mehr bekannteren Bands wie Napoleon Solo, Bile Clinton, Youssouf Today, Unlogistic und Black Shabbath herum getrieben haben. Ihre Drei-Song-Debüt-EP haben sie demnach wahrscheinlich im 20G Recording Studio aufgenommen, einem kleinen Homestudio in einem Pariser Vorort.

 

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Montag, April 8

You ≠ Me


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Seine Jugend verbrachte Niklas in Wuppertal, wo er auch seine ersten musikalischen Gehversuche mit seinem akustischen Solo-Projekt Hearts On Silk (DL einiger Songs HIER) wagte. 2007 gründete er dann zusammen mit Kumpel Lukas die hardcorelastige Grungeband Drivers License, die sich nach einigen Homerecord-Songs und regionalen Auftritten 2009 wieder auflösten. Ans Aufhören dachten beide dennoch nicht und nach ihrem Umzug nach Köln stand mit Pride and Ego Down 2011 ihr neues, gemeinsames Post-Hardcore-Projekt in den Startlöchern, das mittlerweile zum Quartett angewachsen ist und Ende letzten Jahres mit "Cloud Moving Mind" ihr Debüt-Release unter's Volk mischte. Und wer sich noch wage an unseren Gerda-Sampler erinnern kann, weiß, dass die Jungs dort mit ihrem Song "Skysick" vertreten waren. Die Pause nach ihrer kleinen Europatour nutzte PAED-Stimme und -Gitarrist Niklas nicht zur Erholung, sondern kreativ. Unter dem Namen You ≠ Me, seinem neuen Solo-Projekt, entstanden kurzer Hand vier Demosongs, die nicht einfach bloß als willkürliches und loses Konglomerat auf Bandcamp ausgeschüttet wurden. Die Songs führen durch eine bitteren Romanze, deren tragisches Ende das Intro des ersten Songs "The Turn" bereits vorweg nimmt. "You ≠ Me" könnte somit auch den Platz des EP-Titels einnehmen. "The Cloud" klettert über ein Akustikriff zu sich merkwürdig anfühlende Sphären hinauf und zeigt, wie schnell aus Sehnsucht und Trauer verzweifelte Wut entstehen kann. Im letzten Song "The Solstice" quält sich Niklas wehmütig durch die Verse, verfolgt von den Echos seiner zerbrechlichen Stimme, die schwerelos wie endlose Gedanken über der zarten Elektronik schweben. Das ist nicht nur ganz großes Kino, das sind ganz große Gefühle, die von keinem Ventil mehr zurückgehalten werden können.  
Im Herbst diesen Jahres will sich Niklas für ein paar Tage im Musikstudio einschließen. Ob das klappt und ob am Ende vielleicht sogar ein physikalisches Release dabei herausspringt, hängt ganz allein von den Downloadspenden ab. Denn You ≠ Me bleibt traditioneller Weise ein Non-Profit-Projekt, das von seinen Hörern lebt und nicht von großen Produktionsfirmen ausgeschlachtet wird.

DL You ≠ Me - Demo Mixtape

DL & Buy Pride and Ego Down - Cloud Moving Mind 12"

Jahres-Sampler