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Freitag, Oktober 19

Fir Cone Children - The Straight & The Curly



Kurzinfo:

Neben Vlimmer und Leonard Las Vegas, ist Fir Cone Children nun schon über mehrere Jahre hinweg die dritte musikalische Konstante im Leben von Alexander Donat und somit auch seines Labels Blackjack Illuminist. Beeindruckend ist das vor allem deshalb, weil er sich für jedes seiner Projekte so ziemlich allein verantwortlich zeichnet und dabei eine schier unerschöpfliche Kreativ-Quelle freigelegt hat, die sich sowohl in tollen Melodien als auch atmosphärischen Klangexperimenten widerspiegelt. Beides vereint findet mensch auch auf dem dritten Album "The Straight & The Curly" seiner Über-Kinder-Band FCC, mit der er die launischen und willkürlichen Seiten der kleinen Racker in einen ebenso unberechenbaren Sound einfängt. So beginnt das Album mit dem rastlosen "3D", das sich ohne Umschweife in einer eingängigen Melodie verliert. Etwas melancholischer wird es da schon mit dem folgenden "On My Plate" mit träumerischen Key-Einlagen und dem verhallt-schwelgerischen "Chasing Shadows". "The Straight & The Curly" ist insgesamt ein sehr helles und warmes Gute-Laune-Album geworden, das sich auch von dem eher Kontur-fragileren "The Straight & The Curly (Part 2: To The Rescue)" und dem wilden Garage-Ritt in "Blend In" nicht trüben lässt. Ein Auf und Ab, Hin und Her. Eine Entdeckungsreise, Rückbesinnung, Wohlfühloase und ein Loslassen zugleich. Ein Album, das in herrrlich naiver und unbekümmerter Art vollkommen zwanglos aus jeglichen musikalischen Mustern bricht.
Wie auch schon auf dem Vorgänger "No Gravity Girls", ist in fünf Stücken die liebliche Stimme von Krissy Vanderwoude zu hören, die ihre seidenden Stimmbänder gewöhnlich bei Whimsical ölt oder auch gelegentlich oder öfters bei The Churchhill Garden und Seasurfer aushilft.


Titel/Release: The Straight & The Curly/Album (15x Tape; Digipak-CD; Digital)

Label: Blackjack Illuminist

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Pop-Punk, Dream-Pop, Dream-Punk, Shoegaze, Garage, Alternative

FFO: Weezer, The Rational Academy, Jeeps

Links: Facebook




Stream & Buy "The Straight & The Curly



Dienstag, Juli 3

Schockromantik - Die Hitschmiede



Kurzinfo:

Party, Pogo, Pils & Pizza - die Essener "Männercore"-Schmiede Schockromantik dürfte all Denjenigen Schweiß unter die Achseln treiben, die zwischen frühere Ärzte und den Hosen eben keine Kuschelrock-LP zu stehen haben.
Ob die drei Männer den Titel ihres dritten Albums "Die Hitschmiede" tatsächlich zum Programm machen, mag zwar im Ohre des Hörers liegen. Doch wie auch schon im Konzert-Mitschnitt "Die quatschen ja mehr als die Ärzte" zu hören war, dürfte das live sicherlich für eine ausgelassene Party im AZ deines Vertrauens sorgen. Eingängig-melodiöse Punknummern - mal lustig, mal etwas ernster - , dezente Ska-Einschübe, vorangetrieben durch eine rauhe Stimme, die gelegentlich sogar an Social D erinnert. Fragt sich nur, warum die Jungs einen Instagram- und Twitter-Account nötig haben....


Band: Schockromantik

Titel/Release: Die Hitschmiede/Album (CD; Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Punk, Deutschpunk, Funpunk, Ska

FFO: Terrorgruppe, Scheissediebullen, Zaunpfahl, FUCKFX

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Stream & Buy "Die Hitschmiede"



Donnerstag, Juni 14

Stay Focused - Contrasts



Kurzinfo:

Was für ein Flashback aus der Jahrtausendwende: mensch musz schon etwas genauer hinter die Fassade aus theatralischen Pop-Melodien und kalkulierter Härte schauen, um all die kleinen Genreausreißer und vor allem die tiefgründigen Gedanken ausfindig machen zu können. Letztere lassen sich übrigens auch für jeden Song auf der Facebook-Seite der Limburger Band nachlesen.
Im Song "Running On Empty" ist auch Gitarrist und Sänger Fabio's Partnerin aus Johanna und Fabio zu hören.
Erinnert mich alles ganz stark an From Autumn To Ashes, die 2003 mit "The Fiction We Live" in meinen Ohren einen Meilenstein des Genres ablieferten.


Band: Stay Focused

Titel/Release: Contrasts/Album (CD ??, Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Alternative, Metal, Hardcore, Pop-Punk, Emo

FFO: Funeral For A Friend, Days In Grief, From Autumn To Ashes

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube




DL "Contrasts"



Freitag, Juni 8

I Feel Fine - Long Distance Celebration



Kurzinfo:

Die Reminiszenzen, die das britische Quartett I Feel Fine auf ihrem Debüt "Long Distance Celebration" versprühen, sind eindeutig: emotional erschöpfender Screamo und plänkelnder Emo, eingewickelt in einer nostalgischen und kratzigen Wolldecke aus den 90ern, der aber vor allem durch eine satte Produktion (The Ranch Production House) seine Daseinsberechtigung im Hier und Jetzt behauptet.


Band: I Feel Fine

Titel/Release: Long Distance Celebration/EP (50x CD; Digital)

Label: Failure By Design Records

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Screamo, Emo, Punk

FFO: This Too Will Pass, Crash Of Rhinos, Sport, La Petite Mort / Little Death

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Stream & Buy "Long Distance Celebration"


Donnerstag, August 10

Jeeps - Muster Point



Band: Jeeps

Titel/Release: Muster Point/Album (CD, Digital)

Label: DIY/Straw Port Records/Tea Tone

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Alternative, Fuzz, Pop-Punk, Indie(-pop)

FFO: Weezer, Cloud Nothings, The Rentals, Pixies, Zealous Yen

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Twitter\\//Soundcloud\\//Myspace\\//Youtube



Kurzinfo:

Tausendsassa und Weltenbummler Glen Strachan hat es fünf Jahre nach der Gründung seiner Band Jeeps nun auch endlich geschafft, das erste Band-Album fertig zu stellen. Einige Songs auf "Muster Point" waren bereits in etwas anderen Versionen und schlichteren Produktionen auf ein paar vorangegangenen Online-EP's zu hören, wie der knarzend-groovende Opener "Down at the Philosophy Bar", das Minnesang-artige "Michael, Are You Breathing?" und der soulige Hit "Getting on with the Past", die nun allesamt ein weitaus krachigeres Soundgewand verpasst bekommen haben. Diese drei Songs bilden vielleicht auch den Querschnitt des Albums: wummernder, kratziger Alternative-Rock gepaart mit hymnischen Pop-Punk-Melodien, wie er zu Hauf auf den Hitalben von Weezer zu finden ist. Das die Bandidee ursprünglich in Berlin aufkam, ist den Songs im Gegensatz zu Strachan's Soloalben so gut wie nicht anzuhören. Vielmehr schwingt in den poppigen Momenten von "Muster Point" die Melancholie und das Selbstverständnis des Brit-Rock/Pop mit, wobei die insgesamt elf Songs sicherlich auch von den Erfahrungen und weiterentwickelten Gedanken von Strachan's ehemaligen Projekten TheBed und England & The April profitierten. Von der neuen Produktion hingegen profitiert nicht nur der Bass, sondern vor allem Edvina Fahlqvist's liebliche und arienhafte Stimme, die uns so einige Gänsehautmomente auf dem Album beschert und darüber hinaus im Duett auch die gelegentlichen atonalen Entgleisungen von Strachan ausmerzt.

Ein tolles Debüt-Album haben die mittlerweile zu dritt (neuerdings mit Drummer Grant Salmon) agierenden Engländer und die Schwedin hier abgeliefert, dass sich eigentlich nicht im Underground verstecken muss. Wie wir den DIY-Man Glen Strachan nun aber schon kennenlernen dürften, scheint er sich genau dort pudelwohl zu fühlen.

Stream & Buy "Muster Point"




Donnerstag, August 25

Platte des Monats 08/2016: Fir Cone Children - Firconium



Band: Fir Cone Children

Titel/Release: Firconium/Album (CD, 15x Tape, Digital, Lim. Edition Wooden Box "Fircology" incl. all 3 FCC-Releases on CD)

Label: Blackjack Illuminist

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Dream-Pop, Noise-Pop, Shoegaze, Hot Fuzz, Pop-Punk, Alternative, Garage

FFO: The Rational Academy, Weezer, The Hives, Times New Viking

Links: Facebook\\//Last.fm



Kurzinfo:

Wie jetzt, schon wieder ein Fir Cone Children-Release? Dabei ist das Review zur Vorgänger-EP "The Age of Blastbeatles" noch so dermaßen frisch, dass ich es aus dem Stegreif auswendig vortragen könnte. Will ich aber nicht, auch, weil es zum zweiten Band-Album "Firconium" nur bedingt passen würde. 
Seit dem letzten Jahr zählt Zurückhaltung nicht gerade zu den Tugenden von Blackjack Illuminist und dessen Kopf Alex Donat. Warum auch? Solange die Ideen sprießen, kann es sicherlich nichts schaden, sie in digitaler und physischer Form festzuhalten. Und bis auf die beiden Tracks "From Afar" und "Turn Around", die bereits auf der EP zu hören waren, scheinen sie dem Königs-Wusterhausener auf dem dritten Release seines Solo-Projektes noch immer nicht ausgegangen zu sein. Entgegen der stellenweise wüst-verschwurbelten EP, saugen die zwölf Album-Songs nun wieder wesentlich mehr Lichtstrahlen auf. Manchmal etwas melancholisch verhangen, im Großen und Ganzen aber genau der richtige Antrieb, die sommerliche Leichtigkeit einzuatmen und der Unternehmungslust Folge zu leisten. Schon mit dem ersten Gitarrenschlag ist man sich sicher, dass hier wird ein gutes Album, vielleicht sogar das beste von FCC. Klar, vieles klingt wohltuend vertraut. Dafür liegen die beiden vorangegangenen Releases zeitlich gesehen nunmal zu nah an der Gegenwart. Allem voran Alex' zart-schwelgende und doch aufgeregte Stimme und die schrammeligen, verzerrten Gitarren kehren als Erkennungsmerkmale mit Aha!-Effekt immer wieder. Genauso, wie die eingängigen, pop-punkigen Melodien, die nur aufgrund ihrer Affinität zum Noise- und Dream-Pop als potentieller Soundtrack für Teenie-Komödien ausscheiden. Und natürlich, weil auch "Firconium" ein (Über-)Kinder-Album geworden ist. Eines, dass diesmal auch die biestigen Seiten der kleinen Racker mit viel Warmherzigkeit und Verständnis in Wohlgefallen auflöst, statt sie mit fahrigen Blastbeats auf die Spitze zu treiben. Obwohl mich der Song "Cry, Cry, Cry, Cry" dann doch irgendwie an Lesley Gore's "It's My Party" in Verbindung mit dem Film "So ein Satansbraten" erinnert.
Es sind aber nicht nur die spaßbringenden und locker-leichten Wohlfühlnummern wie "My Green Bike" oder "Family (First Encounter)", die "Firconium" zu einem tollen wie außergewöhnlichen Album anwachsen lassen. So könnte der Closer "Where We Are Going" problemlos als Weezer-Gedächtnishymne durchgehen, während der Album-Hit "(We Are) Fir Cone Children" ebenso wie "From Afar" schrammeligen Garage-Punk der Marke Martini Henry Rifles und Times New Viking mit dem rockigen Sexappeal der Hives kombinieren. Dazwischen befinden sich mit "The Cow" und "At Night" zwei atmosphärisch-verträumte Balladen und das ausgelassene "Go Forth, Luna", das sich zwar hervorragend ins Albumgefüge integriert, jedoch dermaßen viele Stimmungen ineinander verflechtet, dass einem/einer fast die Sprache verschlägt. Muss ja nichts Schlechtes bedeuten, so bleibt immerhin mehr Zeit zum Genießen.

Stream & Buy "Firconium"

Mittwoch, Juni 29

Snatch the Snail - S/T Album



Band: Snatch the Snail

Titel/Release: Snatch the Snail/Album (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Alternative, Experimental, Pop-Punk, Weirdo-Surf, Math-Pop

FFO: Ruins of Krüger, SHVS, She Looks Like a Horse

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Twitter\\//Youtube\\//Reverbnation\\//Instagram\\//Last.fm



Kurzinfo:

Snatch the Snail sind mit ihrer "Snailien"-EP und ihrer Compilation "The Snail Collection: Vol.1" beim Experimental-Label Little L Records untergekommen, wenn mensch so will das amerikanische Pendant zum Berliner Label Kitchen Leg Records. Beide Labels teilen sich den Anspruch, Bands aus aller Welt, die sich fernab vom Mainstream und den üblichen Hörgewohnheiten bewegen, eine Starthilfe zu geben, zumeist in Form von Tape-Releases. Nicht selten entwächst dabei dem Experimentellen ein künstlerischer Anspruch. Und weil Kunst nunmal im Auge des Betrachters bzw. im Ohre des Hörers liegt, kann mensch derartige Musik eben gut finden oder auch nicht. Genau das sind die Kriterien, anhand derer mensch auch das selbstbetitelte Album von Snatch the Snail bewerten sollte, ihrem vierten Album seit 2012.
Es ist nicht so, dass mensch den darauf enthaltenen neun Songs keine Alternative- und Pop-Punk-Affinität zusprechen könnte. Das kann mensch durchaus. Fast jeder Song wird von einer, nunja, Weezer-tauglichen Wohlfühlmelodie getragen, die sich zumeist allerdings erst später im Song offenbart. Nicht alle Songs spielen mit derartig offenen Karten, wie das schrammelige "Mollusk Love Song". "Stfu" und "Bryan's Baby's Birthday" in etwa legen eine gezielte Finte Richtung Reggae, "Pop Culture Porn" und "Finger Trapped" verlieren sich zwischendurch in leiernden Surf-Rock, "Get it Going" liebäugelt gar mit Soul und "Celebrity Escargot" ist die unsentimentalste und schrägste Ballade, die ich seit längerem gehört habe.
Trotz alle dem ist "Snatch the Snail" das wohl zugänglichste Album der Band, das bemerkenswert gute Melodien zum Vorschein bringt, aber auch zeigt, dass das eben nicht alles sein muss. Vielleicht lässt es sich ja am treffendsten als die exakte Mitte von Sänger und Gitarrist Zach Carson's Nebenbands dividedividedivide und She Looks Like a Horse, in der auch StS-Schlagzeuger Drew Ryan mitmischt, ausmachen.

DL Snatch the Snail Album

Buy Here & Here


Sonntag, Mai 15

Wiederhören: Weezer - Weezer (The Blue Album)



Es grenzt eigentlich schon an Blasphemie, Weezer's selbstbetiteltes blaues Album mittlerweile zum x-ten Mal als remasterte Vinyl-Version auf dem Markt zu bringen. Andererseits dürften die Originalscheibchen wohl nur noch schwer zu ergattern sein, bzw. von geldgierigen Privatverkäufern jenseits der Hundert-Euro-Marke feilgeboten werden. Schade, denn was Weezer für ihr Debüt-Album eindeutig nicht brauchen, ist ein angenehmerer oder klarerer Sound. Daher: wer die Gelegenheit hat, an ein un-remastertes Reissue zu gelangen, sollte schleunigst zugreifen.
Klar, seit jeher bringt mensch die vier Amerikaner nicht gerade mit DIY oder Proberaumästhetik in Verbindung, dafür haben sie selbst und auch die Plattenfirmen spätestens mit der Veröffentlichung des selbstbetitelten grünen Chart-Hit-Albums gesorgt. Dennoch sind es genau diese beiden Faktoren, erweitert um ein gesundes Maß an Experimentierfreudigkeit, die das blaue Album zum eigentlichen Schmuckstück der Band ausmachen.
Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie das wohl auf einen ihrer ersten Konzerte gewesen sein muss: vier nerdige Collegeboys, die ganz trocken einen noch unbekannten Smash-Hit wie "My Name is Jonas" raushauen und dann auch noch so ein altbackenes Ding von Mundharmonika in dem Song unterbringen, ohne zu ahnen, dass man gerade Teil der Geburtsstunde einer lebenden Legende ist. Ja, ich bezeichne Weezer als lebende Legende, weil sie trotz oder gerade wegen der späteren mainstreamigen Allüren wohl in den meisten Regionen der Welt bekannt sind und mit ihrer simplen Zusammenführung von Alternative und Pop-Punk wohl auch eine gewisse Vorreiterrolle innetragen. Vielleicht auch deshalb, weil sich derartig nachempfundene Musik zumeist in der Pop-kulturellen Gesellschaft abspielt und protzig mit einem dementsprechenden Budget hausieren gehen kann, bin ich so fasziniert vom blauen Album, das vor allem durch die analoge Direktheit besticht. Natürlich finden sich mit dem eingangs erwähnten "My Name is Jonas", "Undone - The Sweater Song", "Say It Ain't So" oder dem Über-Hit der Band, "Buddy Holly", genügend Chart-taugliches Material auf dem Album. Es sind aber vor allem die kleinen Details, die das blaue Album vom Rest der Kollegen und auch von der eigenen Diskografie abheben: z. B. das fragile Klaviergeklimpere am Ende vom "Sweater Song"; die Folk-Ausflüge im Opener und in "In the Garage"; die A cappella-Einlage in "Surf Wax America"; dieses schizophrene Stück "Holiday" mit unaufdringlicher Orgel, Hardcore-tauglichen Breakdowns und Slapstickeinlage; das frivole FreeStyle-Gejamme im epischen 8-Minüter "Only In Dreams".
Ich weiß nicht wie ich mich ausdrücken soll, aber für mich ist Weezer's Debüt ein unerreichter Meilenstein dieses Genres.

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Mittwoch, Februar 10

Wiederhören: Blink-182 - Enema of the State



Da wir ja ohnehin in der letzten Zeit schon so zuverlässig Posten, ist es vielleicht auch mal an der Zeit, eine neue Rubrik einzuführen. Hierbei will ich euch - nicht zwangsläufig vorstellen, denn die meisten Bands werden sicherlich den meisten Leuten ein Begriff sein - einige meiner persönlichen Lieblinge vorstellen, die mich bis in die Gegenwart verfolgt haben und immer für einen nostalgischen Flashback willkommen sind. Nennen wir es mal ganz banal "Wiederhören". Und welche Band könnte bei so einem banalen Rubriknamen wohl einen banaleren Einstieg liefern, als die banalen Blink-182?

Alt sind sie geworden und gediegen, manche würden vielleicht sogar von einem Reifeprozess sprechen. Aber ist es das, was Mensch von einer der berühmtesten und ehemals freakigsten Pop-Punk-Bands der Welt wirklich erwarten sollte? Als Blink im Sommer 2014 auf dem Highfield Festival den vermeintlichen Samstags-Headliner mimten, war vom einstigen Esprit der Band kaum bis gar nichts mehr zu verspüren. Ich will mir nicht anmaßen, zu behaupten, dass die Band mittlerweile nur noch ein Schatten ihrer Selbst ist. Aber vielleicht war es zu diesem Zeitpunkt ja auch schon beschlossene Sache, dass Tom DeLonge die Band bald verlassen würde. Es wäre wohl der perfekte Zeitpunkt gewesen, die Band möglichst ohne größeren Schaden endgültig zu Grabe zu tragen.

Mit ihrem dritten Studioalbum "Enema of the State" kehrten Blink 1999 im Mainstream-Olymp ein. Es war eine Zeit, in der pubertäre Teenieklamotten á la "American Pie" eine Ära begründeten - und Bands wie eben jene Blink, die den passenden, feucht-fröhlichen Soundtrack dazu ablieferten. Unbeschwerte Musik, zu der man sich nicht unnötig das Hirn zermatern musste. Musik, die konservative Konventionen mit gesellschaftlicher Antitüde entgegneten. Songs wie "Adam's Song", "What's My Age Again" und natürlich "All the Small Things" rotierten auch außerhalb der dreckigen Rockspelunken auf den Plattentellern, dröhnten aus jeder heruntergelassenen Autoscheibe, trieben die Nachbarn zur Weißglut, waren einfach in aller Munde und Ohren, und sollten auch heute noch fester Setlist-Bestandteil einer jeden vernünftigen 90er-Jahre-Party sein.

Glücklicher Zufall oder auch nicht: SRCVinyl ist gerade dabei, "Dude Ranch" und "Enema of the State" neu aufzulegen. Passt, da die ersten Vinylpressungen mittlerweile dem Kapitalismus zum Opfer gefallen sind (178,- EUR für eine Schallplatte?! Ich hoffe ein Hurricane verwüstet euren Plattenschrank!). Leider vorerst nur in Amerika, was zusätzlich nochmal einiges an Versand kostet. In FB-Gruppen wie CD & LP Börse oder Vinyl Preorder kann man sich diese mit Gleichgesinnten aber auch gerne teilen.



Montag, August 3

Die Bandcamp-Punks Vol. 25

Schmutzstaffel



Klar, wenn das raushauende Label einen Spruch wie "Deutschpunk Tape des Jahres" in den Raum wirft, muss das noch lange nichts heißen. Uga Uga Tapes ist aber schließlich nicht irgend ein 08/15-Crossover-Mailorder, der Musik als Fließbandware für den Profit produziert. Der Thommy (u. A. bei Skankshot und Loser Youth) kann sich schon durchaus ein objektives Bild von der Szene malen, immerhin ist Deutschpunk eines seiner Spezialgebiete. Und auch, wenn mir für derartige Thesen schlichtweg die weitreichenden Vergleiche fehlen, kann ich zumindest seine Begeisterung für Schmutzstaffels ersten Longplayer "Fehler" teilen. Hinter dem Hannoveraner Quartett verbergen sich keine freigeistlichen Experimentalisten, keine Trendsetter, keine Post-Mitläufer. Für Veteranen vielleicht zu jung, aber immerhin an den richtigen Vorbildern orientiert, reizen die Niedersachsen die eng bemessenen Grenzen des Genres komplett aus. Im Wesentlichen muss sich die Band dabei nur auf ihr feines Gespür für treibende und mitgröltaugliche Melodien verlassen, inklusive Kackschlacht- ("Kackland") und ...But Alive ("R.T.B.A.M.")-Coverversionen. Gewettert wird gegen Alles und Jeden, sogar die eigene Szene, und mit treffsicheren Crewshouts und einer gesunden Portion Aggressivität und Pissigkeit in eine Wir-sind-Viele-Mentalität verpackt. Passt und macht Spaß, obwohl es eigentlich gar keinen Grund zur Freude gibt.

>>>Blog\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Bigcartel<<<

DL "Fehler" Here & Here

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Cruor Hilla

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"Kopftuchpflicht für Nazis"? Na, das wäre doch mal was. Dann wäre die braune Brut wenigstens auch außerhalb von BraMM-, PE- oder LEGIDA-Agglomerationen nach außen hin erkennbar.
Der Titel ihrer neuen EP ist jedenfalls klar verständlich und gegenüber den ihres letzten Albums "Heteroaufstand in Homotown" auch wesentlich besser gewählt. Seit 2006 geistert die Band durch den Berliner Untergrund, löste sich eben mal kurz auf (Studium-bedingter Umzug, Einstieg in andere Bands wie Brüh Brothers in Flames), fand neu strukturiert wieder zusammen und brachte es bislang auf zwei Alben und zwei EP's. "Kopftuchpflicht für Nazis" lautet nun also der Titel ihres letzten Kurzspielers, auf dem das Trio einige bislang verfehlte Verpflichten nachholen muss. So liefert die Band mit dem eröffnenden Titeltrack standesgemäß und nicht ausschweifender als nötig ihren ersten offiziellen Anti-Nazi-Song ab, erweist Cäpt'n Suurbier mit "Mach mich cool"  die letze Ehre, verneigt sich mit "Angela M" hochachtungsvoll vor frühere Ärzte und stecken NOFX' "Linoleum" in ein akustisches Deutschpunk-Gewand. Ein kurzweiliges Vergnügen, das allerdings nicht stellvertretend für den ansonsten straßen-räudigen Deutschpunk von Cruor Hilla steht.

P.S.: Cruor Hilla sind Mitglied des Berliner Riot Robot Kollektivs und dementsprechend auch auf deren Debüt-Sampler "Riot Robot Invasion #1" vertreten.




Lötfett

Blog\\//Bandcamp
Mit diesen Jungs ist gar nicht gut Gurken essen. Hier kommt die Anti-Idylle, der Albtraum des guten Geschmacks, eine wilde Kanufahrt auf den piss-gelben Spreewälder Abwasserkanälen, Lötfett aus Lübben. Doch anders als zunächst erwartet, knallt uns das Brandenburger Trio mit ihrem ersten Tape (100 Stück, erschienen über Fleshbug) nicht nur solch rotzige Stampfer wie "Immer auf der Flucht vor der Drogensucht" um die Ohren. Klar, "esp3" läuft weitgehendst unter der zerfledderten Flagge des Assi-Punk, sorgt mit Psychobilly- und Noiserock-Hysterie, aber auch mit garagig-schrammelnden, in die Melodie gezerrten Gitarren für reichlich Abwechslung. Zumindest für mehr, als Bandname und -Foto es anfangs anders vermuten ließen.


Buy Here


Stockholm Syndrom

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Hätten sie ihren damaligen Bandnamen behalten, wer weiß, vielleicht wären sie ja mittlerweile aufgrund von Verwechslungen mit einer Band ähnlichen Namens hierzulande schon gefeierte Indiestars. Die Wiesbadener Alex, Timo und Jan spielten vorher bei vierquadratmeter, ehe sich die Band Ende 2010 auflöste und das Trio gemeinsam mit zwei Freunden quasi nahtlos in Stockholm Syndrom übergingen. Einen Schritt weg vom "Laubenrock", einen zu auf den Post-Punk. Vor allem aber Freter's rauhes, biertriefendes Organ verleiht den Songs ihrer Debüt-EP "Käpt'n ohne Schiff" eine ordentliche Deutschpunk-Kante, was durch das szenetypische Gesample im Intro ("Menschenfeind") und im folgenden "Occupy" ("Das Leben des Brian") nochmals unterstrichen wird. Pogotänzer sollten sich allerdings nicht zu früh freuen, denn die mäandernden und rhythmuswechselnden "Der letzte Schrei" und "Käpt'n ohne Schiff" zeigen eine Band, die sich zwischen der alteingesessenen und post-modernen Hörerschaft noch nicht so recht entscheiden mag. Im Zweifel wird halt alles abgeräumt.
Eine klarere Ansage trifft die mittlerweile zum Trio geschrumpfte und neu strukturierte Band da schon mit ihrer kürzlich veranstalteten "Proberaumsession".

DL Käpt'n ohne Schiff EP
 DL Proberaum Session 2015


Les Dead Boobs

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Ich habe keine Ahnung, was das französische Pendant zu Deutschpunk ist. Frankpunk vielleicht? Oder Frunk? Wir alle könnten in diesem Moment Teil etwas ganz Besonderem sein - der Entstehung einer neuen Genrebezeichnung. Wir könn's aber auch einfach sein lassen.
Les Dead Boobs kommen aus Saint-Maur nahe Paris, dem Zentrum des links-politischen Widerstands des Landes. Genau dieser Protest wird als roter Faden durch Les Dead Boobs' Debüt-Album "Violence" gesponnen, das - wie der Name schon sagt - eine ziemlich radikale Einstellung transportiert. Hier ist die Faust das stärkste Argument gegen Chirac, Pasqua, Polizeistaat, Neureiche & Co. Wie sollte es auch anders sein?! Ein Song wie "Malik Oussekine", ein franz.-algerischer Student, der nach einer Demonstration im Polizeigewahrsam landete und dort unter fragwürdigen Umständen ums Leben kam, zeigt, dass die Franzosen mit den gleichen Problemen wie wir konfrontiert werden. Derartiger Zündstoff lässt die 14 Songs auf "Violence" regelrecht explodieren. Es ist ein aggressives, radikales und anarchistisches Album, das den schier unendlichen Straßenkampf ins Akustische überführt. Da lässt sich Josh Louis Lingg (Louis Lingg and the Bombs) natürlich nicht zweimal bitten, in zwei Songs ordentlich mitzumischen.

DL Violence LP
DL Tu Pues EP


Like You to Me

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Die Jahrtausendwende war für mich eine sehr unbeschwerte Zeit, in der ich viel Zeit hatte unnütze Dinge zu tun. Amerikanische Teenie-Filme en masse zu gucken, beispielsweise, was nicht ganz spurlos an meine musikalische Prägung vorbei zog. Blink-182, New Found Glory, später All Time Low, usw. Fun- bzw. Pop-Punk war cool und in aller Bandmunde, egal ob sich das dann in der Summe irgendwie alles gleich anhörte. Like You to Me aus Maryland sind bekennende NFG-Fans, was man jeden ihrer Drei-Akkorde-Songs anhören kann. Im Gegensatz zu ihren prominenten und wohl auch weitaus wohlhabenderen Vorbildern, verfügt das Quintett allerdings nur über ein begrenztes Budget. Dass man ihrem selbstbetitelten Debüt-Album und der letzten EP "Pressed for Times" diesen Umstand nicht anhören kann, verdient da schon einiges an Respekt. Führt also alles zu dem schlussendlichen Résumé: Fun-Punk in einer angemessenen Produktion, der sicherlich keine neuen Sichtweisen offenbart, aber immerhin einen nostalgischen Flashback beschert.

2014 löste sich die Band auf und hinterließ ihre komplette Diskografie (auch diverse Coversongs) kostenlos auf Bandcamp. Für das letzte Release erfüllte sich die Band noch eben ihren Herzenswunsch und konnte neben Something More-Sänger Tim Jagielski auch NFG-Frontmann Jordan Pundik als Gastsänger gewinnen.

Mit Never Say Die schlummert bereits seit dem letzten Jahr ein Folgeprojekt in den Startlöchern. Bislang ohne Lebenszeichen.

DL Pressed for Times EP


BCGs

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In Interviews gab Robert Smith immer wieder an, die damaligen Aufnahmen zu "Pornography" seien im Drogenrausch entstanden. Dennoch ist der weltbekannten Wave-Goth-Band mit diesem Album ein Meilenstein des Genres gelungen, ein Album zwischen fiebrigen Wahn und magischer Anziehungskraft, beeinflusst von Heroin und LSD. Ein derartiges Geständnis legte BCGs-Sänger Joel Zimmerman (nicht zu verwechseln mit dem kanadischen Musik-Produzenten deadmau5) zwar noch nicht ab, allerdings schafft auch er es, allein mit seiner Stimme die Grenzen des Erträglichen auszuloten. Klar, mit BCGs haben sich hier insgesamt vier Typen verbündet, die in der Summe wie eine wilde und hysterische Jam-Session von the pAper chAse, The Cure, Mansun und The Rocky Horror Picture Show klingen. Wer ein Ohr für derartige Musik hat, erkennt aber auch, dass hier eben keine Stümper zu Werke gehen. Hier treffen post-punkige Melodien auf satte Riffs, aufheulende Gitarren und eine Orgel, die den Freigeist des Rock'n'Roll eingeatmet haben. BCGs sind eine Band, die sehr wohl um ihre Fähigkeiten wissen, dem Mainstream aber eiskalt den Rücken zu drehen. Weil sie es können.

DL s/t EP

Stream & Buy Digitally "Angel Lust EP"


Gesamtscheiße: Scheiße

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Ihr auf 111 Stück limitiertes Demotape war schneller ausverkauft, als man den Bandnamen überhaupt ausprechen konnte. Der Verdacht liegt also durchaus nahe, dass sich Gesamtscheiße: Scheiße zu einem Geheimtipp der Deutschpunkszene gemausert haben. Was also tun? Na klar, nachlegen und am besten gar nicht so viel anders machen. Ist ja auch gar nicht nötig, denn stilistisch gesehen räumt der Vierer aus Köln/Düsseldorf/Duisburg (Glückwunsch zum Aufstieg) zwischen Deutsch-, Hardcore- und Post-Punk ohnehin alles ab. So poltert "Aldo Raine bitte übernehmen sie" herrlich angepisst und prollig durch eine eingängige Melodie, dem "Späte Freiheit" im Eiltempo hinterher rauscht. "Viva La Autobahn" und "They Saved Hoffmanns Cock" hingegen, fordern die 90er zum post-dynamischen Pogo-Tanz auf und schließen somit die Lücke zwischen Rachut und Ziehbands wie Hausmeister, N°ORD oder I Refuse.

DL s/t 7" Here & Here

Buy Here, Here, Here, Here, Here, Here & Here


Ultragash

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San Diego? Da sollten bei jedem Trasher sofort die Alarmglocken leuten. Die autarken Ultragash wurden bislang noch nicht von ThreeOneG eingefangen, könnten sich aber durchaus als eine Alternative für deren Anhänger outen. Mit Gruppen wie Bastard Noise oder Ill Saint M hat das renomierte und von Justin Pearson geführte Trash-Label immerhin schon seine eigenen Erfahrungen im Electro-Sektor gesammelt. Auch Ultragash, ein weiteres Solo-Projekt von Soundtüftler Brennan Gervasi, findet sich in diesem Sektor wieder, wenngleich wesentlich weniger hardcore-lastig ausgerichtet als oben genannte Vertreter. Gervesi selber bezeichnet den Stil seiner Band als Electro-Punk, was aber eben nur dann nachvollziehbar ist, wenn man Punk zu einem willkürlichen und stilistisch anarchistischen Element deklariert. Sein neues Album "Is This Love Or Confusion" beginnt mit dem David-Bowie-Cover "Space Oddity" und somit verhältnismäßig recht versöhnlich. Denn was folgt, sind sieben weitere Songs, die zwischen Beats, verzerrten Electronicas und Distortions, sowie anderen Überraschungsarrangements nur schwer fassbar sind. Das ist weder party-tauglicher Electro-Punk wie man ihn beispielsweise von Frittenbude kennt, noch bloße Chaostheorie. Wenn Gervesi's Stimme in teils berauschenden Falsett entgleitet, driftet das Ganze sogar in psychedlische Sphären ab - wohlgemerkt auf der Metaebene.

DL Is This Love Or Confusion?

Samstag, Februar 14

Irish Handcuffs - ...Hits Close to Home. LP



Band: Irish Handcuffs

Titel/Release: ...Hits Close to Home./Album (200x Black, 50x Orange & 50 Blue Vinyl, CD)

Label: Fond of Life/Shield Recordings

Erscheinungsjahr: 2014

Genre: Pop-Punk, Punk, Melodic Punk

FFO: Millencolin, The Offspring, Idle Class, Donots

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Kurzinfo:

Auch auf ihrem ersten Longplayer kommen die vier Regensburger größtenteils mit drei Akkorde aus, um die gut gelaunte Pop-Punk-Gemeinde bei selbiger zu halten. Gleich die ersten drei Songs fegen eingängig und mit fröhlichen Singalongs eher die kalifornische Küste entlang, denn graumelierten Blockfassaden, und wirbeln dabei eine Menge Spaß auf. Doch einzelne Songs aus dem insgesamt homogen fließenden Album herauszupicken, ist eigentlich unnötig. "...Hits Close to Home." enthält zehn - davon neun neue und einen bekannten ("Derail" von ihrer Split-7" mit Dan Webb and the Spiders) - melodiöse Songs, die allesamt nur eine Richtung kennen - ...

Buy Here, Here, Here, Here & Here

Sonntag, Januar 25

Platte des Monats 01/2015: Young Attenborough - Isolations LP



Band: Young Attenborough

Titel/Release: Isolations/LP (4-Panel-Digipak-CD)

Label: DIY/Cats?Aye! Records

Erscheinungsjahr: 2014

Genre: Punk, Pop-Punk, Indie

FFO: Rvivr, Iron Chic, Kazimir

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Kurzinfo:

Young Attenborough zelebrieren den Pop-Punk wie aus dem Lehrbuch: eingängig, mit frenetischen Chören und etwas Aggression an den richtigen Stellen, und Melodien, denen man Wohl oder Übel den dämlichen Szenebegriff "catchy" überbügeln muss. Sie klingen so unglaublich jugendlich und energetisch, wie eine britische Pop-Punk-Band eben klingen sollte. In ihren Songs schwingt aber auch immer etwas Melancholie mit, wohl dosiert, ohne dabei in kitschige Klischees zu versinken und die Verspieltheit des Indierocks, die die elf Songs ihres ersten Longplayers immer wieder aus der Pop-Punk-Lethargie reißen. "Isolations" bleibt somit stets unberechenbar und trotzdem - nunja - erfrischend catchy. In Bands wie Mega Games, F-Bats und The Working Dead hatten die drei jungen Kerle aus Brighton schließlich genug Vorlaufzeit, ihren Sound zu verfeinern.

P.S.: Mit ihrer Vorab-Single "This Ain't Bread (That's Toast)" sind Young Attenborough auf der kostenlosen Download-Compilation des Labels Don't Ask! Records vertreten -> DL Here.

DL & BUY "Isolations"

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Donnerstag, Dezember 25

Platte des Monats 12/2014: We Will Fly - Complexity Is Not Chaos LP



Vier Jahre nach dem großartigen "Bangarang!!" melden sich We Will Fly mit ihrem dritten Album zurück. Mit "Complexity Is Not Chaos" ist der Berliner Band ein Punkstück von internationalem Format gelungen, das zweifelsohne unseren krönenden Jahresabschluss darstellt.
Untätig waren sie ja nun wirklich nicht während ihrer vierjährigen Releasepause. Zwei Minitours mit Power und NOOPINION, Kleinstfestivals und unzählige Konzerte und Supportshows, u. A. mit/für Phlegmatix, Idle Class, Fights and Fires und The Detectors. Nebenbei arbeitete man eifrig an neuen Songs, die ursprünglich eine EP und Split mit vorstehend letztgenannter Band schmücken sollten. Wie wir heute wissen, ist aus beiden Vorhaben allerdings nicht so wirklich etwas geworden. Stattdessen legen uns die mittlerweile zu viert agierenden Wahlberliner mit "Complexity Is Not Chaos" ihr drittes Studioalbum vor und knüpfen damit fast nahtlos am Vorgängeralbum an. Als wären sie nie weg gewesen, was sie ja auch nicht waren. Dennoch soll es auch Bands geben, die sich innerhalb von vier Bandjahren komplett umkrämpeln. Nicht We Will Fly! Die setzen mit ihren zwölf Songs genau da an, wo sie 2010 aufhörten, nämlich mit hitverdächtigen Punknummern, die zwischen Melodie, Pop und Aggression keine Genrewünsche offen lassen. Stell dir vor, es ist 2002 und Millencolin veröffentlichen gerade ihr fünftes Album "Home From Home", Rise Against führen den massentauglichen Hardcore-Punk in die Welt hinaus, während die Donots hierzulande beeindruckend die internationale Konkurrenz auf die Ränge verweist. Das sind alles sicherlich keine Maßstäbe, nicht einmal zwingende Referenzen. We Will Fly kochen irgendwo dazwischen ihr ganz eigenes Süppchen, mit dem Wissen oder der selbstbewussten Ignoranz, dass das alles irgendwann und -wo schon mal dagewesen ist. Immerhin haben sich schon viele große Namen am Anspruch eines aufgesetzten Hitalbums verzettelt. We Will Fly schütteln ihre Hits scheinbar locker leicht aus dem Handgelenk und packen sie mit Songs wie "OPT", dem absolut treibenden "Gimme' War", "Master the Monster", "Lost" und dem grandiosen Closer "Doubts" auf ein Album, das keinen Vergleich zu scheuen braucht. Einen wesentlichen Anteil daran trägt auch die hinsichtlich des Vorgängeralbums nicht unbedingt fettere, aber durchaus klarere Produktion, die vor allem der neu hinzugewonnenen Gitarre zugute kommt. Mit "Eternal Hunger", das erst pop-punkig irreführt und sich urplötzlich zu einer der schönsten Midwest-Emopunk-Nummern seit langem mausert, dem Ska-hüpfenden "Model Citizen" oder dem lärmenden Titeltrack, ausgerechnet der einzige Song des Albums, der auf Kriegsfuß mit Harmonie und Pop steht, stellt die Band aber auch durchaus ihre Wandelbarkeit unter Beweis. "Complexity Is Not Chaos" ist dennoch kein Kniefall vor der moderne Gesellschaft. We Will Fly machen einfach weiter und darüber hinaus genau das, was sie am besten können - mitreißende Melodic-Punk-Songs schreiben.

"Complexity Is Not Chaos" ist als Download, Digipak-CD und als pink- (50 St.), Light Green (50 St.) und Black (200 St.) Vinyl über Incredible Noise Records, Fond of Life Productions und die Band selbst erhältlich.



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Stream & Buy Digitally "Complexity Is Not Chaos" LP

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Dienstag, Oktober 21

Western Grace - Bury Me Deep EP



Western Grace melden sich mit einer neuen EP zurück. Und mit neuem Sänger.
Mit seinen unzähligen Bandprojekten (The Bloody Strummers, Bluejacket, L.S. Underground, The Outpour, uvm.) ist Joshua Lory nicht nur ein routinierter Undergroundmusiker, sondern auch einer der tonangebendsten Köpfe des Down the Line Collectives (bereits HIER vorgestellt). Western Grace, ursprünglich auf den Namen Bury Me Deep getauft und um 2009 aufgrund zahlreicher gleichnamiger Bands nach einem Hot-Water-Music-Song umbenannt, gründete er mit seinem langwierigen Freund und Divit-Schlagzeuger Nick White. "Take Back the Scene" lautet der Titel ihres gemeinsamen Debüt-Albums, welches ursprünglich 2009 und drei Jahre später nochmals in überarbeiteter Version auf CD erschien. Ein Album, das nicht nur straighte Punknummern mit Hang zu eingängigen Melodien, sondern vor allem zwei Musiker offenbarte, die von den begrenzt zur Verfügung stehenden Mitteln immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt wurden. Vor allem Lory's angestrengter und schmeichelhafter Gesang, sollte den beiden nachträglich nicht allzu viel Grund zur Euphorie geben. Und so überredete Lory seinen Impaller/Get Your Shinebox-Kollegen Jason Groff, der bereits auf dem Album als Zweitstimme und Keyboarder fungierte, ihn am Mikrofon zu vertreten. Auf ihrer neuen EP "Bury Me Deep" finden sich, neben dem Reggae-Ausflug in "Sleep Through the Earthquakes", somit noch immer Songs zwischen Melodic- und Pop-Punk, die durch Groff's hellerer Stimme nunmehr ihren unfreiwilligen Hardcore-Charakter vollständig verbannt haben. Im leidenschaftlichen Opener "I Just Might" überschlägt er sich sogar dermaßen, dass er fast auf Tuchfühlung mit dem avantgardistischem Gesang von John Congleton (The Paper Chase) geht.



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DL Bury Me Deep EP

Buy CD via Mail to: josh.lory@gmail.com

Dienstag, September 30

Rvivr - Bicker and Breathe 12" EP



Liegt Rvivr's letztes Release "The Beauty Between" tatsächlich schon mehr als anderthalb Jahre zurück?!
Diese Frage stellt sich nicht etwa, weil ich die Band aus Olympia nach ihrer letzten LP aus den Augen und Ohren verloren haben könnte. Habe ich nämlich nicht! Wer erst einmal am frenetischen und fröhlichen Pop-Punk von Rvivr hängengeblieben ist, wird ohnehin nicht mehr so schnell von ihm ablassen können. Musik für jede Tages-, Nacht- und Jahreszeit sowieso, die einfach nur bedingungslosen Spaß fordert. Dabei war die Band um Frontmann und ex-Latterman- und ex-Shorebirds-Sänger Matt Canino und Erica Freas inhaltlich eigentlich noch nie so wirklich zum Spaßen aufgelegt. Denn anstelle von Teenage Angst und pubertären Albernheiten, wie ihn beispielsweise Blink & Co. immer und immer wieder ausdünsten, richten Rvivr ihren besorgniserregenden Blick lieber auf die ernstzunehmenden Probleme, nämlich die, mit denen sich der Punk allgemein konfrontiert sieht. Somit verzichten Rvivr auf ihrer neuen EP "Bicker and Breathe" weitgehendst auf Experimente, wie etwa noch auf dem Vorgängeralbum, und verpacken die anprangernden fünf Songs lieber in gewohnt eingängige Pop-Nummern, die sofort im Ohr hängen bleiben, wie wir wiederum dadurch eben auch an der Band hängengeblieben sind. Wer zu Songs wie dem echauffierten "20 Below" und dem treibenden "The Sound" regungslos im Sessel verharrt, dem ist nunmal nicht mehr zu helfen. Der scheinbar nicht älter werdende, immer noch mit einem jugendlich frischem Organ versehene Canino und Freas' rauhes Kehlchen wechseln sich weiterhin und altbewährt am Mikrofon ab oder vereinen sich zum euphorischem Duett, was den Songs letztendlich die nötige Abwechslung verabreicht.

"Bicker and Breathe" erscheint auf 12" Vinyl über Canino's und Freas' geführtem Label Rumbletowne Records (über dem nach wie vor sämtliche Releases zum kostenfreien Download angeboten werden) und dem Berliner DIY-Label Yo-Yo Records.

Im Rahmen ihrer großen Europa-Tour kann man die Band im Oktober auch Hierzulande live erleben, u. A. im AJZ Bielefeld und der Roten Flora.



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DL Bicker and Breathe EP

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Mittwoch, Juni 25

Platte des Monats 06/2014: The Brannigans - EP-Tape


Ich weiß gar nicht mehr so genau, wie ich von The Brannigans erfahren habe. Eine Band, die sich selber rar macht und nur dann in Erscheinung tritt, wenn es tatsächlich etwas Neues zu berichten gibt. So wie am 31.05.2014, als das Schopfheimer Trio einer Einladung zum 30-jährigen Jubiläum des beheimateten Café Irrlicht folgten und ihren Auftritt gleich mal um den Zweck der Vorstellung ihres Debüt-Tapes erweiterten. Und auch wenn ich dieses Event leider auslassen musste, kann ich mir nur all zu gut vorstellen, welch ausgelassene Sause The Brannigans zwischen den kantigen Hardcore-Punk'n'Roller Room 101 (Free-DL HIER) und den Rotz-Punk-Urgesteinen The Bullocks veranstalteten. Dennoch und auch hinsichtlich ihres Namens, der sich offensichtlich auf die zynische und äußerst egoistische Comic-Figur Zapp Brannigan (Futurama) bezieht, sind The Brannigans weder eine reine Pop-Punk-Combo, noch die Trash-Punk-Band, für die man sie halten könnte. Stattdessen gibt's Garage-Punk, den die Band in ansteckende Gute-Laune-Songs verpackt und somit vor allem Fans von The Hives oder Eagles of Death Metal ordentlich zu begeistern weiß. So sind "Serious" und "Increase" zwei kernige und geradewegs drauf los wirbelnde Partysongs, die auf's Nötigste beschränkt sind und nicht mal die Zwei-Minuten-Marke erreichen. Aber auch der Rockabilly-Einschlag in "Opinion Former" oder "Reality", das zum Feiern ins Irish Pub einlädt, führen zu einer insgesamt beeindruckenden (Eigen-)Dynamik. Wir wollen Nachschlag, Jungs!


DL EP Here or Here

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Donnerstag, Mai 1

Lester - Der Einöde zum Trotz 7"



Zu rotzig und dynamisch für glattgebügelten Pop-Punk; zu emotional für die beinharte Punkrockecke; zu unpolitisch, um dem Deutschpunk in den Schoß zu fallen. Lester aus München reißen mit ihrer Musik viele Schubladen auf, passen jedoch in keiner so wirklich hinein. Für einen jeweiligen Kurzaufenthalt reicht die Zeit gerade noch aus und so sammeln die vier Bayern ihre bevorzugten Zutaten zusammen, um daraus ihr eigenes Süppchen zu kochen. #Schublade und #Suppe?! Lester nennen das "Heavy Pop", was neben einer treffenden Beschreibung des Äußeren, natürlich auch ihr gutes Recht ist, sind die Beteiligten immerhin allesamt routinierte Punkmusikanten (3x Punchers Plant & 1x Dailysoap) und somit schon viel zu lange im Geschäft, um sich irgendwelchen Regeln zu unterwerfen. Schubladen schon mal gar nicht! Letztendlich ist das alles aber viel zu viel Gerede für so wenig Sinn, denn die vier Songs auf Lester's Debüt-7inch "Der Einöde zum Trotz" lösen sämtliche Genre- und Subgenre-Diskussionen in einen homogen fließenden Sound auf. Zwar bestechen die Songs durch äußerst eingängige Melodien, die sich sofort im Gedächtnis einbrennen. Allerdings darf das Tempo gerne mal variieren, wie im Song "Neue Ufer", der zum Schluss nochmal all seine Energie bündelt, oder zu Gunsten der eindringlichen, an Midwest-Emo erinnernden Melancholie gedrosselt werden, womit sich Lester gegen die vorherrschende, norddeutsche Fraktion um Kettcar & Co. auflehnen.

Im Mai gehen Lester zum allerersten Mal auf Tour (siehe Plakat unten). Im Gepäck: viel Bock und die "Der Einöde zum Trotz"-7inch, die zu hundert Stück auf hellblauem und zu zweihundert Stück auf schwarzem Vinyl gepresst wurde (alles komplett in Eigenregie). Spenden-Download und Vorverkauf bietet Bandcamp.



https://www.facebook.com/events/1418729691720833/?ref=5

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DL Der Einöde zum Trotz 7"

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Sonntag, März 16

Die Bandcamp-Punks Vol.18


Mr. Burns


Die Zeiten, unsere Probleme mit Albernheiten auf's Korn zu nehmen und die der Schönrederei sind unlängst vorbei. Einige Bands mussten das wieder erst neu erlernen, die Punkgemeinschaft Mr. Burns weiß das schon seit 1999. Deshalb nehmen die vier Flensburger auch auf ihrem jüngst erschienenem vierten Album "Flying Blind" kein Blatt vor dem Mund. Maulkörbe sind schließlich für bissige Hunde gedacht, nicht aber für zähnefletschende Punks. Auch wenn sie mit "Flying Blind" mittlerweile im Katalog von Cargo Records gelistet sind, bleiben Mr. Burns ihrem rohen Sound treu, was sicher auch daran liegen dürfte, da das Album im heimischen Proberaum aufgenommen wurde. Anders würde ihre Old-School-Mentalität auch nicht funktionieren, mit der sie alte Helden wie Good Riddance, Millencolin oder Pennywise zwischen treibenden Hardcore-Punk, Melodycore und der Leichtigkeit des Skate-Punks hin und her schubsen. Die insgesamt zwölf neuen Songs sind demnach weiterhin kurz und knackig gehalten und auf das Nötigste beschränkt. Mehr braucht es eigentlich auch nicht, um die Melodien unkompliziert mit dem Ohr einzufangen und möglichst lange festzuhalten.
Auf Bandcamp könnt ihr euch "Flying Blind" im Stream anhören, Album Nr. 2 und 3, sowie die "Restbestand" 7inch warten als Free Download auf euch.
Schallplatten-Fetis kaufen sich eine der auf 500 Stück limitierten LP's (+ DLC), wovon die ersten 200 auf grau marmorierten Vinyl erscheinen.

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Trouble Every Day

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Das französische Quartett Trouble Every Day feiert in diesem Jahr bereits sein zehnjähriges Jubiläum und tüftelt dafür fleißig an neuen Songs, um es gebührend mit einem neuen Release feiern zu können. Zeit wird es, denn ihr letztes offizielles Release - die Split-7" mit den Pop-Punks Stick Around - liegt nun schon fast drei Jahre zurück. Bisweilen können wir uns an ihrer kompletten Diskografie (außer die Split) als PWYW-Download-Paket auf Bandcamp erfreuen. Dabei lässt sich trotz einiger Besetzungswechsel und Nebenaktivitäten der Bandmitglieder (Santa Cruz, Draw Me a Butt, u. A.) durchgängig ein erdiger wie ehrlicher und roher Sound als roter Faden erkennen. Einzige Veränderung seit dem Demo-Debüt "K.R. Kids", sind die mit jedem weiteren Release mehr hinzu gekommenen Skate-Punk-Einflüsse, die Trouble Every Day vom anfänglichen Hardcore-Punk ein Stück weit Richtung Melodycore drängten. Aushängeschild der Band ist seit jeher Frontmann Guillaume, der mit seinem rauhen Gesang zwischen Whiskey und Heiserkeit wie eine angepisstere Variante von Alice Cooper klingt, dessen Horroraffinität ansonsten aber nur auf dem zweiten (Demo-)Release "Terrorvision" zum Ausdruck kam.


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Big Eater

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Sie würden liebend gerne in großen Hallen spielen, doch letztendlich holt sie ihre nüchterne Betrachtungsweise doch auf den Boden der Tatsachen zurück. Die führt unweigerlich zu der Erkenntnis, dass sich große Hallen in Verbindung mit einem kleinen Bekanntheitsgrad eben nicht so leicht ausverkaufen lassen. Also doch lieber die kleinen und ranzigen Schuppen, dafür aber bei voller Hütte. Und genau dort lässt sich ihr expressiver Mix aus Psychedelic, Bluesrock und Garage nunmal am besten ausleben, der mehr als nur eine gelungene Hommage an die offenkundigen Vorbilder James Brown und Screamin' Jay Hawkins darstellt. Wild und ausgelassenen, und dermaßen konventionslos, dass sich die Band wahrscheinlich selber am meisten darüber ärgert, dass man ihre Musik zwangsläufig in Kategorien einteilen muss. Man stelle sich Hendrix nicht auf der Woodstock-Bühne, sondern in einem feucht-schummrigen Kellergewölbe vor, also mit weniger Sexappeal. Und was hat das alles mit Punk zu tun? Was die Musik von Big Eater angeht, erstmal nicht viel. Allerdings sollen alle vier Berliner schonmal irgendwie mit Punkrock in Berührung gekommen sein. Ja klar, dass kann viel bedeuten. Zumindest einem kann ich es nachweisen. Al Burian, amerikanischer Wahl-Berliner, Comiczeichner, Autor und ehemals bei der Post-Hardcore-Punk-Referenzband Milemarker aktiv. Vielleicht klappt's ja doch noch irgendwann mit den großen Hallen.

DL s/t Tape

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BIGEATERBAND@GMAIL.COM


Shortcuts

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Lange hielt sich das englische Quartett Shortcuts ja nicht über Wasser. Nach einem Demo, zwei EP's und der letztjährig erschienen Split-7" mit den amerikanischen Screamo-Punks Indian Taker (Free Downloads HIER), war nach fast genau zwei aktiven, wenn auch ertragreichen, Jahren schon wieder Schluss. Vielleicht, weil ihr Label Close To Home Records (Free Downloads HIER) zu viel Zeit beanspruchte und sie es für wichtiger erachteten, anderen Bands unter die Arme zu greifen. Vielleicht auch, weil sie in ihren Songs bereits alles gesagt haben, womit sich Punks heutzutage nunmal so herumärgern müssen. Weiter weg vom klassischen Punk, stattdessen die Nähe suchend zum westlichen Emo-Punk, präsentierten sich ihre Songs, die nicht selten an (vergangene) Größen wie Lifetime, Basement, Saves the Day oder (meines Erachtens) auch frühere Beatsteaks erinnern. Eingängige, ins Ohr treibende Songs mit eindringlichem Gesang, der eben in seiner rauhen Art einen Ari Katz oder Arnim Teutoburg-Weiß im Gedächtnisprotokoll aufführt.
Die Demo- und EP-CD's/Tapes sind mittlerweile allesamt vergriffen. Die Split-7" erschien in vier verschiedenen Farben (grün, rot, gold, mysteriös=???) und hat allen Unstimmigkeiten zum Trotz sogar den Sprung auf die irische Insel geschafft.

DL Self Titled EP
DL Guidance EP
DL When Will Things Change? Demo 2011

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Aye Aye Goodbye

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Auf nicht einmal ganz zwei Jahre brachte es das Mendener Quartett Aye Aye Goodbye, deren musikalische Hinterlassenschaft sich auf die "I Will Never Make Promises, I Promise"-EP beschränkt. Diese klingt eigentlich mehr nach einem hoffnungsvollen Anfang, als nach einem Abgesang auf das Bandleben. Nach unbeschwert mäandernden Emo- und Indierock nämlich, der zwar mit den besungenen Alltags- und Beziehungsproblemen nicht alles rosa-rot ausmalt, aber mit der Leichtfüßigkeit einstiger Cap'n Jazz und sonstiger Kinsellascher Auswüchse voran schreitet, die vor und um die Jahrtausendwende dem Emo nicht nur zur uneingeschränkten, freigeistlichen Entfaltung verhalfen, sondern ihm auch einen signifikanten DIY-Stempel aufdrückten. Aye Aye Goodbye spielen also alles andere als undefinierbaren Rock, dafür uneingängige Songs, die sich den Standardschemata entziehen und ihren Schwerpunkt auf die Instrumentierung legen. Zwar halten sich diese zeitlich im überschaubaren Rahmen, dennoch bringt es ein Song wie das zweiminütige "Cut All These Ties Off" gerade mal auf vier Verse, das eine Minute längere "My Beard Grows Faster Than Me" nur auf drei, während das fröhlich aufspringende "Life.Love.Baguette" gar ganz instrumental gehalten wurde. Schade also, dass schon wieder Schluss ist, bevor es hätte noch interessanter werden können. Die Bühne teilten sie sich u. A. immerhin mit ihren Hardcore-Homies Cannoneer und Caller, sowie ihren Dortmunder Nachbarn von The Jim Tablowski Experience und Willy Fog. Zudem waren sie letztes Jahr auf dem ersten Sampler-Release des UK-Hardcore-Punk-Labels Nothing to Lose (PWYW-Download HIER) vertreten.

Aye-Aye-Goodbye-Sänger Tim Becker startete derweil sein Akustik-Singer/Songwriter-Pop-Projekt East Ends mit dem er bereits ein Demo veröffentlichte, das als Tape über das eigene Label Basement Memories erscheint, wo es auch noch die letzten Exemplare des "I Will Never Make Promises, I Promise"-Tapes (als rote, blaue und weiße Variante) zu ergattern gibt.

DL I Will Never Make Promises, I Promise

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Hey, Joni

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Auch die vier Engländer von Hey, Joni haben 2012 zusammengefunden und sich dem ausufernden Midwest-Emo verschrieben. Ende 2013 verkündete Drummer Hayden seinen Ausstieg aus der Band, während Sänger Isaac Ashby gerade fleißig am Debüt-Album seiner ähnlich gestrickten Nebenband Cøllege arbeitet. Im Gegensatz zu oben genannten Aye Aye Goodbye, lässt sich das Trio (ehemals Quartett) davon nicht aus der Ruhe bringen und kündigte sattdessen große Pläne für das Jahr 2014 an. Neben der großen Europa-Tour im Juli mit den Screamo-Punks Healing Powers, dürfte das vor allem ein neues Release bedeuten, dessen neue Songs wohl bereits fertig geschrieben sind. Bis dahin können wir uns durch ihre komplette Diskografie, die neben dem selbstveröffentlichten Debüt-Demo und der "Some Milk?"-7inch noch das Split-Tape mit den Sheffielder Pop-Punks Cast Ashore beinhaltet, arbeiten, die auf Bandcamp als Free- bzw. PWYW-Downloads auf uns warten. Übrigens, wer diesen Beitrag etwas zu sehr an den Vergleich zu Aye Aye Goodbye hochgezogen sieht, ich denke er ist durchaus berechtigt, nur, dass Hey, Joni etwas rauher und manchmal auch ungestümer zu Werke gehen.

DL Some Milk? 7"
DL Demo Tape

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Lovechild

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Demotape, Pre-7"-Demo, Debüt-7" - so lautet die bisherige Bilanz der kleinen Hardcore-Punk-Kapelle Lovechild nach gut einem halben Jahr. Dabei fand gerade erst das Abschiedsrelease "Adieux" ihres Alter Egos Cerce (Free Downloads HIER) zur physikalischen Vollendung, das bereits schon ohne ihre keifende Frontfrau und Old-Gray-Gastsängerin Becca Cadalzo auskam. Bei Lovechild greifen mit Bassist Zach Weeks und ex-Debaser-Sänger Greg Cook gleich zwei Schreihälse zum Mikrofon, die auf der "In Heaven Everything is Fine"-7inch noch zusätzlich Rückendeckung von The-Hotelier-Frontmann Christian Holden bekommen. Die neuen Songs orientieren sich dabei eher an die schnelleren ihrer Vorband und hetzen durch pfeilschnellen Hardcore-Punk und Powerviolence der San-Diego-Schule. Auf ihrer 7" prügeln sie demnach elf Tracks in weniger als zwölf Minuten durch und bleiben dabei an Themen wie Gentrifizierung, Rassismus und Menschenrechte hängen. Den Rest kann man ihrem Facebook-Statement entnehmen: "If you like police, you're not gonna like our band." Ich denke, dass ist einvernehmlich.

DL In Heaven, Everything is Fine 7" + Alternative Download Link
DL Second Demonstration Demo
DL Demonstration Demotape

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Nora Yeux

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Ja wo kommen denn diese beiden Songs urplötzlich her? Nora Yeux, bestehend aus 3/4tel-Kosslowski und ex-Thoughts Paint the Sky-Mitgliedern, waren im Oktober 2013 zu Gast im Düsseldorfer Institut für Musik und Medien, indem sie einer Einladung von This April Scenery-Sänger und Songwriter Nico Vetter zur Teilnahme an dessem Projekt prettylivesessions. folgten, an dem sich bereits zuvor schon Bands wie Adolar, City Light Thief oder FJØRT beteiligten. Der Deal: die Band soll sich individuell und in voller Lautstärke im Studio auslassen, während sich Vetter nebenan am Aufnahmeequipment positioniert und Daniel Polle das Ganze auf Video aufnimmt. Mit "Freiheit" und "Parallelen" können Nora Yeux somit auf zwei neue Songs zurückgreifen, die vorerst als Videos auf Youtube erschienen (HIER & HIER) und mittlerweile als Spendendownload auf Bandcamp zu finden sind. Sänger und Songschreiber David Frings verbaut weiterhin seine intelligenten Texte in vertrackte Satzformen, allerdings weniger kryptisch als es bei Kosslowski oder FJØRT der Fall ist. Dem leichten und ansatzweise poppigen Indie-Punk hört man diese Tiefgründigkeit im ersten Moment gar nicht an, da die Lyrics rund und fließend in die eingängigen Melodien eingebettet sind. Ein Grund mehr also, um genauer hinzuhören und Nora Yeux nicht voreilig in eine überfüllte Schublade zu stecken.
Im Übrigen ist ihre Debüt-EP jetzt auch in physikalischer Form erhältlich. 50 handgemachte Digifile-CD's sind jeweils mit Textblatt und Sticker ausgestattet.

DL Freiheit/Parallelen EP

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Außerdem


Señor Karōshi
Zu routiniert und ausgetüftelt sind die Songs, zu clever die Texte. "| ñ | ō |" kann keinesfalls das (Demo-)Debüt von blutigen Anfängern sein, soviel steht fest. Als Bassist Mace mitte des letzten Jahres die Band Corman (ehemals Rest in Question) verließ, bedeutete dies das Aus der Trierer Punkcombo und gleichzeitig den Neubeginn unter dem neuen Bandnamen Señor Karōshi, mit dem die verbliebenen drei Mitglieder Pal, Jaeger und Pasi zwar dem Punk-Genre die Treue schworen, fortan aber dennoch vollkommen anders klingen sollten. Trotz einiger verbleibender Tempowechsel bewegten sich ihre Songs weg von den komplexen und hin zu eingängigeren Strukturen, die mit den neuen deutschsprachigen Lyrics und etwas Alternative-Einschlag an eine Mixtur aus nordischer Schule á la Turbostaat und benachbarten Indie-Punk der Marke Love A erinnert. Klingt aber eigentlich schon wieder viel komplizierter, als es sich hören lässt, da die vier Songs schon beim ersten Durchlauf vom Ohr rezipiert und sofort in Form von aufwühlender Euphorie an die Gliedmaßen weitergeleitet werden. Geht ab, macht Spaß, verlangt nach mehr.

Stream & Buy "| ñ | ō |" CD/7"


Kurzmeldung:

Zum Geheimtipp erklärte ich die Alternative-Emo-Punk-Band Rivers & Tides bereits Ende letzten Jahres, kurz nachdem diese mit ihrer selbstbetitelten Debüt-EP (PWYW-Download HIER) an den Start gingen. Nachdem die EP zuvor nur digital erschien, fanden die fünf Regensburger ausgerechnet im Leipziger Artwork- und Tattoostudio Koepfen ein Label, dass mit der Veröffentlichung der EP auf Tape ihr erstes Release feiert. Hundert Stück wurden zu gleichem Anteil auf schwarze und weiße MC's verteilt, zudem handnummeriert und mit Siebdruckcover. Außerdem veröffentlichte die Band mit "Away" einen neuen Song (PWYW-Download HIER), der sich auf der 47-Band-Compilation des Mannheimer Labels Forged Promotions wiederfindet.

Jahres-Sampler