Posts mit dem Label #Post-Hardcore werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label #Post-Hardcore werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, April 9

Grow Grow - Am kalten Markt



Kurzinfo:

Ich habe Grow Grow bereits mit ihrem tollen Vorgänger-Album "Buffet D'Or" vorbehaltslos kennenlernen dürfen. Ein Glücksfund, wenn man so will. Ganz so unbefangen konnte ich dem neuen Album der Berliner nicht mehr entgegnen, auch, weil der Band inzwischen namenhafte Referenzen anhaften. Und wahrscheinlich ist es ähnlich wie beim Prinzip des Weißen Rauschens oder etwa bei der düsteren Legende um den Pink Floyd-Song "Another Brick In The Wall": mensch hört, was mensch hören will und manchmal auch das, was andere einem vorgeben. Mittlerweile bin auch ich der Meinung, in den unprätentiösen Post-Punk-Passagen eine Menge Dackelblut wiedererkennen zu können, in den noisig-zerfahrenen Momenten The Jesus Lizard durchblitzen zu sehen und in den vertrackten Post-Hardcore-Eruptionen unweigerlich an At The Drive-In denken zu müssen. Kurzum: "Am kalten Markt" ist ein nostalgisches 90er-Jahre-Überraschungspaket geworden.
Grow Grow lassen sich aber keineswegs nur anhand dieser Referenzschlacht erklären. Vielmehr liegt die Faszination an der meines Erachtens nach einzigartigen Kombination dieser Stile und die damit erzeugte analoge, morbide Grundstimmung. In den melancholischen, von dem manischen Schlagwerk gelenkten Gitarrenläufen, schwingt tief verwurzelte Düsternis mit, wie sie den Post-Punk durch die 80er-Jahre begleitete. Das inbrünstige Geschreie und die zynischen Lyrics spucken dazu verachtende Rebellion und anarchische Unbekümmertheit aus und setzen mit Zitatsprenklern einige gezielte Flashbacks. Der aufdringliche Post-Rock-Gedanke in den mäandernden Songs "Am kalten Markt", "Du musst Batman sein", "Deine Mutter und dein Vater" und "Hans & Marie transportiert trotz der epischen Loops dermaßen viel Schmiss, dass er der Hörerschaft zumindest ein dezentes Kopfnicken abverlangen kann.
Bleibt nur die Frage, warum ich bei "Wenn wir uns sehen" immer unweigerlich an Rammstein denken muss?! Das ist keine Kritik, sondern nur einer von vielen Gedanken, die "Am kalten Markt" zu einem der interessantesten Alben der Neuzeit auszeichnet.

Band: Grow Grow

Titel/Release: Am kalten Markt/Album (200x Black Vinyl; Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Noise-Rock, Post-Hardcore, Post-Punk, Post-Rock

FFO: Etc. Etc. Etc., Fugazi, Colored Moth, The Jesus Lizard

Links: Facebook\\//Youtube\\//Bandcamp




Stream & Buy "Am kalten Markt"


Montag, März 25

Platte des Monats 03/2019: .leaves - Was erzählen wir jetzt unseren Kindern?



Kurzinfo:

Nach dem Label-Ausflug mit ihrem Debüt-Album "...bleibt das jetzt für immer?" (Subzine Records), sind .leaves mit ihrem zweiten "Was erzählen wir jetzt unseren Kindern?" nun wieder komplett im D.I.Y. zurückgekehrt. Ein für die Sammler glücklicher Schritt der Band, denn neben der dunkel-rot, weiß und schwarz marmorierten Vinyl-Auflage, bastelten die Jungs auch eine schick aufgemachte CD in Vinyl-Optik mit Poster-Inlay und ein im Cardboard beheimatetes Tape, dass ebenfalls mit Mini-Poster kommt und mit weißem Schleifchen verschnürt ist. Das Alles zum Spottpreis im Band-eigenen Shop auf Bandcamp, wo ihr den Preis für das digitale Album auch noch selbst bestimmen könnt.
Ob sich bei einem erneuten Label-Release auch musikalisch etwas geändert hätte, weiß ich nicht. Ich wage es aber trotzdem mal zu bezweifeln, denn auch hinsichtlich "Was erzählen wir jetzt unseren Kindern" haben die drei Jenaer nichts dem Zufall überlassen. Aufgenommen wurde abermals im Tautendorfer Hörsturz Studio, den Mix und Master übernahm wieder Die Tonmeisterei. Gesamtergebnis: brachial-krachiger Sound an den Stellen, wo es weh tun soll und kristall-klare, düster-melancholische Atmosphäre in den Momenten, in denen sich jede_r mal selbstkritisch hinterfragen sollte.
.leaves haben ihren streng antifaschistischen und links gerichteten Blick beibehalten, für die holprige Fahrt durch ihre dystopischen Landschaften aber mindestens einen Gang hoch geschalten. Und so beginnt die Tour de Post-Hardcore im Jenaer Stadtteil "Laasan" zwar noch recht unbeständig, erreicht im folgenden "Das letzte Hemd" aber so langsam Betriebstemperatur. .leaves türmen bewährte Bausteine des post-modernen Hardcores zu einer soliden Wand auf, die für a-puristische Einflüsse unüberwindbar ist. Hier geht es nicht darum, etwas vollkommen Neues zu erschaffen. Vielmehr verschafft das Trio seinem Ärger reichlich Luft, was nicht nur mit dem durchweg kehligem Geschreie des Frontmannes zum Ausdruck kommt. Richtig gut ab geht es dann in einem Song wie "Konzept//Gescheitert", in dem sich die Band plötzlich im Mathcore wiederfindet oder auch im Closer "Bekenntnisse", der sich im Zuge des stetig anwachsenden Gefühlsrausches fast schon überschlägt und ein paar Pirouetten im Noise-Rock hinlegt.
In Anbetracht dessen, dass auf "Was erzählen wir jetzt unseren Kindern?" lediglich drei Musiker agieren - von der schwedischen Amtshilfe in "Sista Gången" durch Shirokuma-Sänger Jonathan Lemberg mal abgesehen - , kann man hier durchaus von einem handwerklichem Glanzwerk sprechen, dass vor allem fernab des üblichen Laut-Leise-Spiels für reichlich Abwechslung sorgt. "Fuchs & Hase" und "Hallo Winter" zum Beispiel, lassen immer wieder melodische Momente und einprägsame Hooks unter den verzerrten Saitenschlägen durchblitzen, setzen aber ohne an Dynamik einbüßen zu müssen gezielte Breaks und Rhythmuswechsel, ehe die Songs in zu berechenbarer Eingängigkeit abdriften könnten. Somit verzetteln sich .leaves auf ihrem Zweit-Werk nicht unnötig bei der penetranten Suche nach einem eigenem Konzept und schicken stattdessen eine instinktive Reaktion in Richtung einer fundamentlosen Gesellschaft.
 

Band: .leaves

Titel/Release: Was erzählen wir jetzt unseren Kindern?/Album (300x Dark-Red MarbledVinyl; CD; Red & Gold Splatter Tape; Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Post-Hardcore, Screamo

FFO: We Had A Deal, Shizune, Fjørt, Calculator

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Bandpage\\//Youtube




DL & Buy "Was erzählen wir jetzt unseren Kindern?"


Montag, März 18

Lypurá - b́



Kurzinfo:

Nach einem kurzen Winterschlaf melden sich Lypurá mit zwei neuen Songs zurück. Mit dem Titel "b́" schmiegt sich die bislang nur digital erschienene EP nicht nur namentlich an das vorangegangene Debüt-Album "á" an. Das äußerst bedächtig einklingende "Behind All These Walls And Above My Head" und das schwerelos vor sich hin treibende "...There Is Nothing But Torment", hätten ebenso ihren Platz im atmosphärischen Mittelteil des Longplayers einnehmen können. Das Karlsruher Trio vereint diese beiden Songs stattdessen lieber zu einem eigenen gefühlvollen, wengleich lyrisch-tristen und schier emotional-klaustrophobischen Soundtrack, der sich sowohl mit den Songtiteln als auch musikalisch zu einem konzeptionellen Kleinod formt.
Fährt der Opener zumindest über kurze Phasen aus seiner melancholischen Haut und verliert sich mit schwelgerischen Delay-Gitarren schlussendlich im Post-Rock, gestaltet sich das abschließende Stück mit sanften Pianoklängen und minimalistischer Instrumentierung zu einem plätscherndem Outro.

Aufgenommen wurde jeweils im Januar 2018 und '19, in Form gebracht hat es diesmal komplett allein David Saia (Maskros).
Über der bandeigenen Bandcamp-Seite, gibt's die knapp 6 ½-kurze Konzept-EP gegen Spende. Für die Streaming-Vielfalt (Spotify & Co.) sorgt das benachbarte Label Twisted Chords.
 

Band: Lypurá

Titel/Release: b́ / EP (Digital)

Label: Twisted Cords

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Screamo, Emo, Punk, Post-Hardcore, Post-Rock

FFO: Yaphet Kotto, ...Who Calls So Loud, ...And Its Name Was Epyon

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube




DL"b́" EP



Dienstag, März 12

Gesplittet, Teil 16


Karina Kvist & Farbenflucht - Prototyp/Distanz Split-EP


Ein herrliches DIY-Split-Release veröffentlichten Anfang des letzten Jahres die seit jeher und immer wieder zusammen auftretenden Bands Karina Kvist und Farbenflucht.
Karina Kvist waren bei uns bereits mit ihrem zweiten Release "EP '16" vorstellig und blieben, zumindest mir, vor allem wegen ihres männlich-weiblichen Duett-Geschreies im Kopf hängen. Das wäre an und für sich nichts Besonderes, bietet im überfluteten Screamo-Sektor aber eine willkommene Abwechslung und steht vor allem als Wiedererkennungsmerkmal der Band. Trotz der auch hier eher traditionellen, rohen Unterproduktion der Songs, gehen die vier Bamberger_innen mit einer stoischen Versiertheit zu Werke, die sich wie im Kammerspiel-artigen "Nullnummer" intensiv unter die Haut brennt und für eine verstörende Atmosphäre sorgt. Der schwelgende und durch Delay-Gitarren erzeugte Post-Rock-Gedanke im zweiten Song "John", tut sein übriges.
Die Band Farbenflucht debütiert auf der B-Seite mit ihren ersten drei Songs. Bereits mit dem Opener "Leicht&Schwer" stellen die vier Hallenser ihr breitgefächertes Reportoire eindrucksvoll unter Beweis, indem sie dem Purismus die eiskalte Schulter zeigen. Post-Hardcore und Blackened Screamo, der sich bis an die Grenze zum Black Metal herantastet und in den folgenden Songs um einen subtilen wie melancholischen Post-Rock- und Emotive Hardcore-Gedanken erweitert wird.
Derzeit arbeitet das Sachsen-Anhaltinische Quartett mit Magnus Wichmann in den Lala Studios an neuen Songs. Ich bin gespannt, was da noch kommt.

Die Split-EP entstand als komplettes DIY-Release und kann als schick aufgemachte 12"-Vinyl über der jeweiligen Band bestellt werden. 


Karina Kvist: Facebook\\//Bandcamp

Farbenflucht: Facebook\\//Youtube

DL "Prototyp/Distanz" A-Seite & B-Seite




Havarii. & Naechte - Tremor Split-EP


Äußerst emotional-düster geht es auch auf dem Split-Release "Tremor" zu, auch wenn sich das musikalisch gefühlt ein bis zwei Ebenen höher abspielt, als obige Veröffentlichung.
Trotz einer namenhaften Besetzung, allen voran ex-Marathonmann-Gitarrist Tom Fischer und ex-Nerds On Prom Night-Sänger/Gitarrist Daniel Belz, bewegen sich Naechte noch weitestgehend unter dem Radar der hiesigen Post-Hardcore-Szene, womit sie sich allerdings ein scheinbar generelles Problem Hierzulande mit vielen tollen Genre-Vertretern teilen. Mit ihrer Debüt-EP "Irrlichter" trafen die vier Münchner vor drei Jahren eigentlich genau den Nerv der Zeit, kombinierten Post- und Melodic Hardcore mit sozialkritischen Texten und wurden gleichermaßen mit hoffnungsvollen Kombos wie Loose Suspense, Chiefland, Nosiyah oder ihren ständigen Bühnenpartnern Kalá an die Oberfläche gespült. Naechte sind weniger glattgebügelt und aufpoliert als ihr großer Bruder und finden ein ausgeglichenes Maß an Hymnenhaftigkeit und überschaubarer Sperrigkeit. Entgegen dem Debüt, sind die beiden Songs auf "Tremor" recht atmosphärisch, hinsichtlich der beklemmenden Texte vielleicht sogar brachial-düster ausgefallen. Ein Konzept, das sich auch über die beiden Havarii.-Songs erstreckt und somit das abgründige Thema der Split-EP deklariert.
"Vermessen", der Opener, trudelt mit einer melancholischen Gitarrenmelodie ein, die sich alsbald in verzweifelte Zerrissenheit entladen soll und mit sich auftürmenden Gitarrenwänden immer weiter ins ungewisse Schwarz, der Realität, hinab gleitet. Das zweite Stück "Zwischen Welten" greift den misanthropischen Ansatz seines Vorgängers direkt auf, wirft mehr existenzielle Fragen auf, als Antworten zu liefern und schafft es mit viel post-rockiger Theatralik und dem leidenschaftlich-explodierenden Gesang von Mareike, die allgegenwärtige Ausweglosigkeit fast schon zu verdrängen.

Wie bereits die Debüt-EP's beider Bands, erschien auch die gemeinsame Split-EP in Eigenregie und kann als CD über den jeweiligen Bigcartel-Shop bestellt werden.


Havarii.: Facebook\\//Youtube\\//Bandcamp

Naechte: Facebook\\//Instagram\\//Youtube

STREAM Havarii. & Naechte

BUY Here & Here



Unicorn Hole & Weekly Words And Grammar - 👌 (or New Super Weekly Words and Unicorn Hole Brawl DX & Knuckles)


Retro-Konsolensound-Jüngern dürften beide Bands durchaus schon mal unter die Ohren gekommen sein. Vor allem Diejenigen, die sich während ihrer Suche nach neuer Inspiration über dem Genre-Blog Nintendocorelives auf dem Laufenden halten, könnten über den Titel "NCU" gestolpert sein. Die Idee dahinter: die Schaffung einer epischen wie komplexen Fantasy-Welt, die sich mit jedem weiteren Chapter einer anderen individuellen Figur widmet und deren Handlungsstränge sich früher oder später kreuzen werden. Ins Leben gerufen wurde dieses Projekt von John Nelson aka Unicorn Hole, der sich für Chapter I und IV selbst verantwortlich zeichnete und auch beim Chapter III (von der "Nintendocore-Supergroup" Nuerra zusamengetüftelt) persönlich Hand anlegte. Chapter II steuerte der Amerikaner Mike aka Weekly Words And Grammar bei, womit sich der Kreis bei der hier vorliegenden Kollaboration "👌" beider One-Man-Nintendocore-Bands schließt.
Fernab dieser Fantasy-Saga, ballern sich die beiden Nerds durch stilsicheren Chiptune und famosen Metalcore, der nicht nur aufgrund seiner Einflüsse aus dem Deathcore, Cybergrind und sogar Hip Hop, sondern auch wegen vieler detailreicher Breaks und Rhythmuswechsel, eine enorme Vielfalt und somit ein kurzweiliges Vergnügen bietet.
Ein Highlight für Fans, die es bei aller Liebe zur nostalgischen Spielebox trotzdem organisch mögen.  

Unicorn Hole: Facebook\\//Bandcamp

Weekly Words And Grammar: Facebook\\//Bandpage\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Twitter\\//Myspace

DL "👌"
DL "👌" (Instrumentals)


Samstag, März 9

Yellnikow - Am tiefsten Punkt der Erde EP



Kurzinfo:

So recht kann ich es immer noch nicht ganz nachvollziehen, warum wir als simpler Blog mehr als doppelt so viele Follower auf Facebook haben, als die Band Yellnikow. Während wir unsere Finger in die Tastatur hauen und damit lediglich die Polsterung unserer Gesäße fördern, besetzt das nordrhein-westfälische Quintett nun schon über sechs Jahre hinweg eine schier undefinierbare, musikalische Nische. Auch ihr drittes Release "Am tiefsten Punkt der Erde" weckt wieder viele nostalgische Reminiszenzen an vergangene Indie-, Emo- und Screamo-Größen, die jedoch abermals auf eine dermaßen eigenwillige Art verschwurbelt werden, dass sie jeglichen Direktvergleich scheuen.
Yellnikow sind Geschichtenerzähler, die ihre triste Poesie mit düster-melancholischen Tönen ummanteln. Wer sich darauf nicht einlassen kann, wird ihre Musik auch nur schwer greifen können. Die fünf Songs treiben sphärisch und subtil durch einen dichten Nebel aus sanften Melodien, die in ihren minimalistischen Momenten fast komplett zum Erliegen kommen, sich an anderer Stelle wiederum zu tosenden Orkanen aufbäumen können. Der Opener "Tiefster Punkt der Erde" oder auch der Closer "Session IV" erinnern mich mit ihrer hauchzarten Fragilität unweigerlich an Rue Des Cascades' kammerspielartiges Glanzwerk "Odes To Love, Flames To Paris", nur, dass Yellnikow ihre episch-mäandernden Songs in einem überschaubareren Rahmen halten. Ausgesetzt in der Dunkelheit, geblendet vom grellen, kreisrunden Scheinwerferkegel. Von allen Seiten der schier unendlichen, allgegenwärtigen Finsternis sauselt, flüstert, kreucht und fleucht die unerträgliche Ungewissheit. Den Lichtkegel zu verlassen kostet zuviel Überwindung, doch Stehenbleiben scheint auch keine wirkliche Option zu sein. Bis mittendrin und unerwartet das Paperbite-Rap-Feature "Schlaflied" die morbide Grundstimmung zumindest für einen kurzen Moment aufreißt und den verunsicherten Protagonisten erstmals mit einer klaren Struktur an die Hand nimmt. Und so hoffnungsvoll die elektronischen Teilchen im folgenden "Session IV" auch den vermeintlichen Weg aus der Dunkelheit weisen, so sicher ist man sich am Ende von "Der tiefste Punkt der Erde", dass alles nur traurige Illusion ist.


Band: Yellnikow

Titel/Release: Am tiefsten Punkt der Erde/EP (Digital; DIY-CD's in Planung)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Alternative, Emo, Indie, Post-Hardcore, Post-Rock

FFO: Fljora, Alkali Lake, The Scarabeusdream

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube I\\//Youtube II\\//Soundcloud




DL "Der tiefste Punkt der Erde"


Dienstag, Februar 19

Paulinchen Brennt - "wie Salz"



Kurzinfo:

Ich hatte schon die Befürchtung, dass Paulinchen Brennt bloß ein kurzweiliges Spaßprojekt wird, das nach dem ersten musikalischen Aufschrei ("Viele werden satt", 2016) mindestens genauso schnell wieder verstummt. Auch, weil Bassist, Sänger und Tausendsassa Daniel Schmitt in der Zwischenzeit für mehr Furore mit der Alternative-Desert-Rock-Formation Cannahann sorgte und kürzlich mit Maffai ein kleines Independent-Star-Ensemble um sich versammelte.
Zum Glück, wie sich nun also herausstellte, sind die drei Nürnberger/Leipziger immer noch kräftig am Tüfteln, was sie der Hörerschaft in Form einer zwei Song starken 7inch präsentieren. Ihr Label- und gleichzeitig Vinyl-Debüt "wie Salz" beginnt mit messerscharfen, abgehackten Riffs, mündet in plänkelnden Hooks, Flirr-Gitarren und wird durch kehliges Geschreie aufgerieben, ehe inmitten des Songs dieser unerwartete Hymnenchor selbigen vollkommen aus der Bahn wirft. Mit "Souzeraine" macht das Trio unmissverständlich klar, dass Menschen mit Vorliebe für Erwartungshaltungen und Schubladendenken bei ihnen nicht lange durchhalten werden. Mich persönlich erinnert der Song stark an Biffy Clyro zur "Infinity Land"-Ära oder auch Masada, die in ihren Konzepten einen ähnlichen Ansatz von destruktivem Schönklang verfolgten.
Der Titel-Track kommt da schon mit wesentlich monotoneren Saitenschlägen aus, verleiht dem schleiernden Post-Rock-Gedanken des Vorgängers hingegen mehr Kontur und galoppiert mit einer melancholischen Grundstimmung gen 90er-Skramz.
Aufgenommen und aufpoliert wurde übrigens im Leipziger Laboratorium von LIITTO-Kopf Jens Anders, der sich mit verqueren Genre-Koryphäen jeglicher Art (u. A. DRRST, Empire Club und Kraene) ja bestens auskennt und "Souzeraine" kurzzeitig sein zartes Stimmchen leiht.


Band: Paulinchen Brennt

Titel/Release: "wie Salz"/EP (200x Black 7inch; Digital)

Label: 30 Kilo Fieber Records, Different Records, Not So Happy Records

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Mathcore, Post-Hardcore, Screamo

FFO: Cortarmao, Tentackle, Dÿse, Masada

Links: Bandcamp\\//Facebook\\//Youtube




DL "wie Salz" Here & Here

BUY Here & Here




Donnerstag, Februar 7

Agador Spartacus - Agastonishing



Kurzinfo:

Agador Spartacus beschreiten auch auf ihrer dritten EP "Agastonishing" ihren Weg konsequent und entwickeln sich dabei stets weiter. Wie auch schon beim Vorgänger "Agadawesome" und entgegen dem Debüt "Agadorable", haben sich die vier Ruhrpottler/Hamburger im Kaputtmacher Studio eingenistet und die Aufnahme und den Feinschliff in die Hände von Jochen Stummbillig gelegt, was abermals in einem sehr druckvollen Soundgewand mündet.
Die EP startet mit einem Intro, das nahtlos in den folgenden Song "Living Slow/Dying Hard" hineinfließt und mit einem düsteren Schwarm auf die schwermütige Atmosphäre niederdrückt. Natürlich verliert sich auch dieser Song wieder in einer eingängigen Melodie, auch wenn sich die eigentlichen sechs Songs nie so ganz an einer manifestierten Songstruktur festklammern. Generell wird man den Eindruck nicht los, als hätten die Donots bei ihrem letzten Studiobesuch einen nachhaltigen Eindruck beim o. g. Tontechniker hinterlassen. Agador Spartacus schaffen einen beeindruckenden Spagat aus alternativer Hymnenhaftigkeit und post-hardcoriger Sperrigkeit, aus sozialkritischen Texten aus persönlichem Blickwinkel. Das ist vielleicht etwas zu viel Willkür für die große Stadionbühne, allerdings auch überqualifiziert für die kleinen Kellerspelunken.


Band: Agador Spartacus

Titel/Release: Agastonishing/EP (ca. 100x DIY-CD; Digital)

Label: DIY (Boketto Records)/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Alternative, Post-Hardcore, Punk, Emo

FFO: Paraquat, Passed Me By, Ashes Of Pompeii, We Will Fly

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Instagram\\//Youtube




Stream & Buy Digitally "Agastonishing"

Buy CD-r via Mail to: contact@agageddon.com


Montag, November 12

Migal - Migal



Kurzinfo:

Im Norden Deutschlands hat die musizierende Bevölkerung noch immer kräftig Spaß am Splitten und Fusionieren. Eines dieser neueren Freundschaftsprojekte hört auf den Namen Migal, die sich auch gar nicht lange feiern lassen wollen und gleichmal mit ihrem ersten Output daher kommen. Auf dem gleichnamigen Debüt sticht sofort der markante Gesang bzw. das gutturale Geschreie vom ex-Chuck Bass-Sänger Felix ins Ohr. Zusammen mit den dynamischen Melodien ehemaliger Reasonist und den verspielten und spontan rhythmuswechselnden Gitarrenläufen einstiger Torpedo Holiday und Bijou Igitt, haben die vier Jungs aus Hamburg und Kiel schnell eine gemeinsame Basis für die ersten vier Songs gefunden.


Band: Migal

Titel/Release: Migal/EP (Digital; Tapes in Planung)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Screamo, Post-Hardcore

FFO: Masada, The Tidal Sleep, Todlowski

Links: Facebook




DL "Migal"

Montag, November 5

Chambers - Depart\\Disappear



Kurzinfo:

Täglich erreichen uns neue schockierende Nachrichten über Hass, Angst, Tod und Elend aus aller Welt, während Patrioten, rechtsoffene und besorgte Büger zu verunglückten Flüchtlingsbooten applaudieren und sich gleichartige Politiker Abschiebungen zum Geburtstag schenken. Keine Frage also, dass der Black Metal dieser Tage gewiss nicht mehr auf satanische Kulte angewiesen ist, denn die Hölle auf Erden erreicht uns jeden Tag aufs Neue. 
Eben jene nihilistische Energie bündeln Chambers für ihren düsteren Sound, der sich verteilt auf sechs Songs auf ihrem Debüt-Album "Depart//Disappear" ausbreitet. Nicht menschenverachtend, aber vielleicht als mahnende Dystopie zu verstehen, in der ein Miteinander mit so viel emotionaler Leere auf Dauer nicht gut gehen kann. Der melancholische Einstieg des Openers "Wretchedness" könnte fast über diesen Umstand hinwegtäuschen, zumindest solange, bis das Gekeife einsetzt. Was verteilt über den folgenden 33 Minuten folgt, ist ein a-puristischer Ritt durch morbiden Düster- und Post-Hardcore, der mit furiosem Black Metal-Geballere in die Sporen geht und durch post-rockige Soundscapes trabt. Zwischendurch gilt's den einen oder anderen Ausflug in den Blackgaze zu entdecken, wie z. B. in "End Transmission". Selbiger Song erinnert mich mit seinem morbide-brummenden Intro stark an den Score des Netflix-Films "Wolfsnächte" (solltet ihr euch mal geben, passt auch insgesamt ziemlich gut zum Thema hier).
Insgesamt ein tolles Album, das bislang leider nur digital erschienen ist, und eine klare Empfehlung für alle Schwarzmaler.


Band: Chambers

Titel/Release: Depart//Disappear/Album (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Black Metal, Blackened Hardcore, Post-Hardcore

FFO: Der Weg Einer Freiheit, Hexis, Thurm

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube\\//Instagram\\//Bigcartel




Stream & Buy Digitally "Depart//Disappear"



Montag, Oktober 29

Der Bandcamp-Hardcore Vol. 40


Opaque - Genuin



Mit ihrer Mixtur aus Post-Hardcore, Post-Rock, Sludge und Doom, sind Opaque genau der richtige schwer-verdauliche Happen zwischen den Hauptmahlzeiten Fjørt und Alteri. Auf ihrem Debüt-Mini-Album "Genuin", das wie bereits das ein Jahr zuvor erschienene Demo als schick aufgemachte Kassette über das Leipziger Label Bharal Tapes erscheint, beginnen die fünf Hamburger recht kompromisslos, indem sie im Titeltrack ihren zerfahrenen Post-Hardcore mit mathigen Rhythmuswechseln regelrecht zerhacken. "Zerfall" öffnet sich mehr der Melodie und wühlt mittendrin mit hektischen Trommelwirbeln auf, ehe die Band im folgenden epischen "Sink" ihr vielleicht schönstes Gesicht offenbart. Ein Song, der zwei Minuten durch post-rockige Soundscapes mäandert, ehe er Stück für Stück aus seiner düster-melancholischen Atmosphäre ausbricht und über fast schon Kammerspiel-artiges Geplänkel wieder in gewohnte Strukturen verfällt. Opaque sind keine blinden Metzler, wie auch das vierte Stück "Hope Gone" eindrucksvoll unter Beweis stellt, indem das hanse-städtische Quintett phasenweise sogar mit dem Melodic Hardcore liebäugelt.





Kora Winter - Welk EP
Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Instagram\\//Twitter
Wer ab und zu eine Auszeit von den üblichen Post-Hardcore-Hörgewohnheiten braucht und gleichzeitig denkt, mit The Hirsch Effekt schon das Höchstmaß an deutscher Experimental-Innovation entdeckt zu haben, der darf gerne mal einen Lauschangriff auf die Berliner Band Kora Winter wagen. Zwischen einem Saxofon-Solo (in "Bluten") und einer weiblich vorgetragenen Akustik-Ballade ("∞"), bewegt sich das Quintett hauptsachlich zwischen progressiv-ausschweifenden Erscheinungen wie Protest the Hero und The Mars Volta, ohne dabei, trotz aller experimentellen Vielfalt, den Bezug zur musikalischen Raffinesse zu verlieren. Das muss Band erstmal so hinbekommen.




Left To Wither - Left To Wither

Facebook
So recht will ich noch nicht an einen Zufall glauben, dass sich Left To Wither ausgerechnet nach einen Song von Will Haven benannt haben. Die Band aus Lille birgt sicherlich nicht die große Erleuchtung im Postcore-/Post-Hardcore-Sektor, setzt ihr gleichnamiges Debüt-Album aber immerhin solide und routiniert in die musikalische Praxis um. Immerhin setzt sich das französische Quartett aus bewährten Underground-Musikern von Gruppen wie The March, Watch Your Six!, SunStare und Ira Caine zusammen und kann so schonmal eine Menge Vielfalt in den gemeinsamen, neuen Sound mit einfließen lassen. Bis auf das Intro "Wooden Mice", hält der Fünfer die Dezibelzahl ihrer epischen Songs über 42 Minuten fast konstant hoch, ohne dabei in a-puristische Experimente abzudriften. Muss auch mal sein!



Toadeater - Demo

Facebook
Wer es im Black Metal etwas weniger geradlinig mag, könnte an dem jüngst erschienenem Demo-Debüt der Band Toadeater gefallen finden. Drei rohe und ungeschliffene Songs, die neben dem konstant-düsterem Geschreie vor allem Ausflüge in benachbarte Genres wie Crust und Blackened Hardcore unternehmen und sich auch für die eine oder andere akustische Pause nicht zu schade sind.
Für das Demo der Osnabrücker/Bersenbrücker/Vechtarer Band, der u. A. Mitglieder von Misery Vortex und Urinprobe beiwohnen, ist demnächst ein Tape-Release geplant, das über Kellerasseln Records erscheinen wird.



Homes - Youth EP

Facebook\\//Youtube
Für den bereits a-puristisch getrimmten Post-Hardcoreler hingegen, bietet die Debüt-EP "Youth" der Marburger Band Homes sicherlich keine neuen Aspekte. Wahrscheinlich ist das so aber auch gewollt. Unter dem leidenschaftlich geschrieenem Gesang des Frontmannes, breiten sich melancholische wie melodiöse Post-Rock-Gitarren aus, die sich überwiegend im Mid- und Downtempo-Bereich abspielen. Das Indie-esk vor sich hin plätschernde "Blue Into Grey", das sich zum Ende hin doch nochmal fast schon theatralisch im Melodic Hardcore verliert und das folgende, wesentlich dynamischere "Noble Thought | Miserable Action", bilden bis dato vielleicht den Höhepunkt einer noch jungen Band, die sich von unnötigen Gedanken über Plagiatsvorwürfe und Fahrwasser-Gequatsche nicht ausbremsen lässt.


Buy Physical Version via FB or Mail to: homesmhc@hotmail.com


Dinosaurier - Demos

Bandpage\\//Facebook
Kurzum: Dinosaurier sind offenkundige Fans von Bands wie The Fall Of Troy, A Lot Like Birds, The Hirsch Effekt und Adolar. Und natürlich von Zinnschauer (bzw. dessen Vorband And The Waves Will Carry Us Home), auf dessem Album "Hunger . Stille" drei der Jungs des ehemaligen Quartetts zu hören sind. 
Die zwei Demo-Songs aus dem Jahre 2014, die bislang als einziges Vermächtnis der Band aus Kassel auf Bandcamp ruhen, bieten in diesem Sinne dem geneigten Progressive-/Math-Hörer vielleicht eher wenige Überraschungsmomente an. So kurios das aber auch sein mag, erwecken Bandname, Cover und die beiden routiniert produzierten Songs Lust auf ein ganzes Album, dass sich mensch am besten auf dem Plattenteller rotierend zu Gemüte führen sollte. Wohl eher ein Wunschglaube, denn seit dem Abgang von Sänger Patrick ist es um die eingefleischte Nicolas-Cage-Fangemeinde recht ruhig geworden.

DL "Demos"


We've Got Muscles -  HÆLLSTRŒM

Bandpage\\//Facebook\\//Youtube
Auch wir wagen ab und an das eine oder andere Experiment - und quetschen jetzt einfach mal eine Instrumental-Band in ein Hardcore-Volumen.
Das Kölner Trio We've Got Muscles kommt mit klassischer Intrumentenbesetzung (G-B-S) daher und schafft es auch ohne Gesang, die vier Songs der Debüt-EP "HÆLLSTRŒM" äußerst spannend und abwechslungsreich zu gestalten. Grundsätzlich dürfte die Band mit ihrem progressiven wie groovigen Mix aus Alternative, Math, Post-Rock und - um jetzt mal den Bogen zu spannen - post-hardcorigen Gitarrenwänden vor allem Fans von ASIWYFA und Long Distance Calling abholen. 
Wem das für eine Berechtigung in diesem Volumen nicht ausreicht, kann ja mal folgendes probieren: stellt euch zu den dynamischen Parts einfach mal theatralisch-cleanen Emo-Gesang im Wechsel mit gutturalem Gekeife vor. Und? Irgendjemand, der nicht sofort an Chiodos, Crows-An-Wra, Just Like Vinyl, usw. denken muss?

DL & BUY "HÆLLSTRŒM"

BUY Here


Krachwalze - The Best Of John Bun Jovi

Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube\\//Soundcloud
"Föjetong" wäre wohl der bessere Einstieg gewesen, um euch die Band Krachwalze vorzustellen, ist es so ziemlich das einzige Release mit Albumcharakter. Feste Strukturen und Ordnung sind für die beiden Bremer Hans Sprungfeld (Simpsons-Fans hier??) und Kalle Stein-Hirth allerdings eh nur Schall und Rauch und lediglich dafür da, um aus ihnen auszubrechen. Halbwegs ernst angegangen, könnte man Fans von Gtuk, älteren Les Trucs, Kannibal Krach, Ursus und Lafftrak gleichermaßen eine Hörempfehlung aussprechen. Chiptune, Metal, Mathcore, Grind und Punk-Ironie, werden hier herrlich unbekümmert durch anarchistische Willkür gezogen. Wie auch schon bei ihren Vor- und Nebenprojekten Grünlich Grau und SchreiKrachBumm, muss das nicht jedem/jeder gefallen und trägt nicht nur einen beiläufigen Spaßband-Charakter.
"The Best Of John Bun Jovi" ist nun also auch noch eine lose Sammlung von albumlosen Songs aus den Jahren 2016 - 2018, die nahtlos am ersten Release "Ist Bambis Mutter auch wirklich tot, wenn niemand ein Bild von ihrer Leiche auf Facebook postet?" (sorry, aber es war mir ein inneres Bedürfnis, den Titel komplett zu benennen) anschließen. Die Band selbst drückte es in etwa folgender Maßen aus: Wenn das schon die B-Seiten sind, muss der Rest pures Gold sein. 

DL "The Best Of John Bun Jovi"


Samstag, Oktober 27

Heart Circle Part III - Sampler



Kurzinfo:

Einen Sampler zu gestalten ist mit einem enormen Aufwand verbunden, zumindest wenn man das Ganze halbwegs legal aufziehen möchte. Das liegt weniger an die Bereitschaft der jeweiligen Bands und Künstler, als vielmehr an den etwaigen Label-Ansprüchen und mafiösen Machenschaften der GEMA. Da schreiben wir aus eigener Erfahrung. Hat man diese Hürde erst geschafft, gilt es auch noch, die Songs in einer halbwegs homogenen und schlüssigen Reihenfolge zu setzen...
Die Facebook-Gruppe The 90s Screamo/HC/Emo/Indie-Rock Friends war mir bislang zwar ein Begriff, nur hatte ich mich weniger mit deren Inhalt auseinandergesetzt. Umso bitterer ist der Nachgeschmack, denn die Erlöse der Sampler-Reihe "Heart Circle" kamen dem an Herzinsuffizienz erkrankten Admin, Blogger, Outspoken Forum- und Pretty-In-Noise-Rezensenten Marc Köhler zu Gute, der seine letzten Gedanken und Wünsche auf dem Blog "Herzgeschichten" festhielt. Marc hat schlussendlich den Kampf gegen die Krankheit verloren. Und auch, wenn die Tränen der Trauer seiner Mitmenschen noch nicht vollkommen getrocknet sind, können sie inzwischen vielleicht auch mit einem Lächeln zurückblicken - oder eben nach vorne.
Kürzlich veröffentlichte die Gruppe den 84-Song (!!!) umfassenden Sampler "Heart Circle Part III", deren Spenden-Erlös ganz im Geiste des Verstorbenen zu 100% den gemeinnützigen Organisationen "Safe Gigs For Women" und "Agisra" zukommt. Eine große Geste, die sicherlich mit viel Kraft verbunden war und deren Resultat sich durchaus hören lassen kann. Neben zahlreichen mehr oder weniger bekannten, unabhängigen und internationalen Bands, hat sich abermals das Label Midsummer Records als äußerst "spendabel" erwiesen, das mit einigen Sprösslingen am häufigsten vertreten ist. Ansonsten gilt es hier eine Vielzahl an talentierten Gruppen oben genannter Genres zu entdecken. 
Meine Tipps: Boneflower, Ashes Of Pompeii, CATCATCAT, Cortarmao, Erai, Finte, Rivers & Tides, Varan - und natürlich alle anderen auch.


Band: V.A.

Titel/Release: Heart Circle Part III/Sampler (Digital)

Label: D.I.Y/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Emocore, Emo, Alternative, Screamo, Post-Hardcore, Punk

FFO: siehe Genre

Links: Facebook

 



DL "Heart Circle Part III"


Dienstag, Oktober 9

Rome Asleep - Rome Asleep EP



Kurzinfo:

Leider habe ich die Mannheimer Band Rome Asleep um ein paar Jährchen verpasst.  Ihre aktive Phase endete nach drei veröffentlichten EP's abrupt Mitte 2013, das angekündigte, mystische Folge-Projekt DVRTAL kam auch zum Erliegen, ehe es richtig an Fahrt aufnehmen konnte.
All das ging bislang spurlos an mir vorbei, bis ich kürzlich mal wieder in Steff's Bandsalat hängen blieb, der zufällig auf ein Exemplar der selbstbetitelten 7inch gestoßen ist und post-wendend eine kleine Retrospektive zum ehemaligen Quartett in die Tasten hämmerte. Und auch, wenn eine Verlinkung an dieser Stelle vielleicht vollkommen ausreichend wäre, möchte sich der Eine oder die Andere ja doch noch eine Zweitmeinung einholen. Nun denn, auch mein Fazit fällt durchweg positiv aus. ...........................................................................................................................................................
Rome Asleep haben keinen allzu großen Hehl um ihre musikalischen Vorbilder gemacht, die allesamt relativ genau um das californische San Diego der 90er/Anfang 00er-Jahre verortet werden können. Vielleicht fehlte der Band in puncto Nachhaltigkeit dann aber doch etwas die Hymenhaftigkeit unten stehender Referenzbands, anders zumindest kann ich es mir nicht erklären, warum die Band weniger FB-Likes einsammelte als wir. Oder sie waren schlichtweg zu nah am Original, wer weiß. Ich für meinen Teil bewundere ihre Dynamik und Experimentierfreudigkeit, mit der sie den Post-Hardcore regelrecht zerstückeln und um zwei Dekaden in die Vergangenheit katapultieren; ihre Kompromisslosigkeit und zugleich glamouröse Art, kleine Melodien zu verstecken; ihren Wahnwitz und natürlich ihren frenetischen Doppelgesang.
Das selbstbetitelte Mini-Album kann gegen eine frei wählbare Spende über Bandcamp gesaugt werden, die 7inch zur gleichnamigen EP über das Label ergattert werden.


Band: Rome Asleep

Titel/Release: Rome Asleep/EP (Black 7"-Vinyl, Digital)

Label: 1000milesintomyheart

Erscheinungsjahr: 2009

Genre: Post-Hardcore, Experimental, Punk

FFO: The Blood Brothers, Test Icicles, At The Drive-In

Links: Facebook\\//Myspace\\//Bandcamp




Stream "Rome Asleep"

Buy via Mail to: 1000milesintomyheart@gmx.de or rome-asleep@gmx.de


Dienstag, September 25

Platte des Monats 09/2018: Braunkohlebagger - Abbruch



Kurzinfo:

Es bleibt dabei: hinter einem kuriosen Bandnamen kann sich für den verqueren Musikkonsumenten so manch unerwartete, positive Überraschung verbergen. 
Obwohl der Name Braunkohlebagger zunächst nach einer verlorenen Wette im Proberaum eines Rudels Assel-Punks klingt, kommt es auf der 5-Song-Debüt-EP der Essener Band doch irgendwie anders als gedacht. Das aber dafür richtig.  Das Quintett, das sich u. A. aus zwei Leitkegel und Mitgliedern von December Youth und Depart zusammensetzt, transportiert schonmal eine Menge Vielfalt aus dem musikalischen Background in das Ende 2017 gestartete Projekt. Daraus allerdings den Querschnitt für den neuen Sound abzuleiten, wäre vielleicht etwas zu voreilig. "Abbruch" ist ein asymmetrisches Pendel zwischen den Genres Alternative und Post-Hardcore, das von Song zu Song gelegentlich oder eben öfters in benachbarte Genres wie Punk, Progressive oder Math-Rock hinüberschwingt. Unberechenbarkeit lautet wohl die Divise des Erstlings, die zu hundert Prozent aufgeht, da die Band überschaubare Songstrukturen mit avantgardistischen Experimenten in perfekter Harmonie setzt. Der groovende Intro-Part der Vorab-Single "Endlosschleife" und der monumentale Ausklang von "Zeichen" könnten gar Biffy Clyro's Album "Puzzle" (ein grandioses Album, das der Band allerdings vielleicht etwas zu früh den Weg in den Mainstream-Pop ebnete) entnommen sein. Zusammen mit dem schlussendlichen Frauenchor am Ende von "Herz", wirft das unweigerlich die Frage auf, woraus Braunkohlebagger eigentlich ihre produktionstechnische Kraft schöpfen?! 
Fragen über Fragen - und das ist auch gut so! Denn wer mit dem Instrumentalen abgeschlossen hat, kann sich in Ruhe mit den Lyrics auseinandersetzen. Während "Ameisenhaufen", "Herz" und "Zeichen" die voreingenommene Mentalität des potentiellen AfD-Wählers zerrütten, arbeitet "Wochenende" das beispiellose Medienspektakel des Gladbecker Geiseldramas aus einer ganz eigenen Sichtweise auf.

"Abbruch" erschien bislang nur digital. Schenkt der Band ein Like o. Ä. und zeigt ihr somit, dass sich ein Vinyl-Release lohnt.


Band: Braunkohlebagger

Titel/Release: Abbruch/EP (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Progressive, Post-Hardcore, Punk, Alternative

FFO: Oat, Specht Ruprecht, Kora Winter

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube




DL "Abbruch"


Samstag, September 22

Mikau - Mikau



Kurzinfo:

Eingefleischten 8-bit-Konsolen-Freaks wird der Bandname sicherlich sofort ein Begriff sein. Mikau war der Gitarrist der Band Die Indigo-Gos aus "The Legend Of Zelda: Majora's Mask", der sich auf der Suche nach Lulu's Eiern schwere Verletzungen zuzog und somit leider viel zu früh aus dem Spiel verabschieden musste. Wisst ihr also bescheid.
Das amerikanische Duo, das sich eben dieses fiktionalen Charakters bedient, ist in diesem Sinne ähnlich kompromisslos. Der Bandname fällt nicht nur oft im Zusammenhang mit dem Chiptune, sondern vor allem mit dem Begriff "Whitebelt" (siehe auch "Sass"), was im Wesentlichen deutlich machen soll, dass die jeweilige Band nicht nur am nostalgischen Konsolensound kleben geblieben ist. Vielmehr toben sich Mikau im zerfahrenen Math- und Metalcore aus und dürften somit vor allem Fans der gerade durchstartenden SeeYouSpaceCowboy eine spannende Horizonterweiterung anbieten.


Band: Mikau

Titel/Release: Mikau/EP (50x Tape; CD; Digital)

Label: Kitty On Fire Records

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Nintendocore, Post-Hardcore, Metalcore, Chiptune

FFO: Got Item!, .GIF From God, GFMGF, Moshing Samurai

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Twitter\\//Soundcloud




DL & Buy "Mikau"

Buy Here


Samstag, September 8

Varan - Lachen Auf Zeit



Kurzinfo:

Lange Zeit habe ich es vor mich hin geschoben, nun aber fühle ich mich doch genötigt, ein paar Worte über Varan's Album "Lachen Auf Zeit" zu verlieren.
Zwar liegt das Album-Debüt des 2012 zusammengefundenen Quintetts aus Merseburg nun auch schon fast zwei Jahre zurück, an Wichtigkeit und Valenz es aber keineswegs eingebüßt. Beeindruckend ist vor allem die Vielseitigkeit der Band, die im Vergleich zum raueren Debüt "Fremde Spiegel" eine gehörige Schippe Melodie draufpacken und vor allem cleanen Gesangspassagen mehr Freiräume geben. Kein Schritt zurück, sondern vielmehr eine Steigerung der Intensität auf der emotionalen Ebene. Wahnsinn, wie melodische als auch melancholische Gitarrenlinien, hartes Metalriffing, leidenschaftlicher Gesang und wütendes Geschreie auf "Lachen Auf Zeit" zu einer glühend-heißen Symbiose verschmelzen. Ich verspreche euch: wer Varan bislang noch nicht auf dem Schirm hatte, hat was verpasst im Post-Hardcore-Sektor! Folgerichtig konnten die Sachsen-Anhaltiner für ihr zweites Werk auch einige Labels finden, die dem Album nebst zweier Tape-Varianten auch das erste Vinyl-Release der Band (in drei Farbvariationen) bescherten.

Band: Varan

Titel/Release: Lachen Auf Zeit/Album (100x Green Clear Vinyl; 100x Orange Clear Vinyl; 300x Black Vinyl; 40x "Anarchy Red" Tape; 40x "Anarchy Black" Tape; Digital)

Label: SM Musik (Vinyl); United Blood Records (Vinyl); Mustard Mustache (Tape); Hardcore 4 Losers (Tape); Pogohai Records (Tape)

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Post-Hardcore, Punk, Emo

FFO: Start A Fire, Reznik Syndrom, SparkleDrivenFairytale

Links: Facebook\\//Last.fm\\//Bandcamp




DL "Lachen Auf Zeit"

Buy Here, Here, Here & Here

Freitag, August 31

Farrokh Bulsara - Nieder mit den Thujahecken



Kurzinfo:

Keine Sorge: weder ist Freddie Mercury von den Toten auferstanden, noch ist das hier eines seiner verschollenen Homerecording-Demos und erst recht kein glamouröser Avant-Stadionrock.
Farrokh Bulsara kommen aus Zürich und haben sich Anfang 2014 gegründet. Einige von ihnen kannten sich bereits aus diversen Vorbands, was nicht weiter überrascht, mischen die fünf Schweizer_innen immerhin schon seit Ende der 80er-Jahre die heimische Hardcore-Underground-Szene auf. Never Built Ruins, Dying In Motion, Morgen, Profax, Mr. Willis Of Ohio, Ferguson, Sundowner, Ghettohund und The Rabbit Theory, konnte ich auf die schnelle in Erfahrung bringen, aber da gibt/gab es bestimmt noch einige hundert andere. Letztgenannte Band musste 2013 den tragischen Tod ihres Sängers Nino Kühnis verkraften, was sich auch in Form einer Widmung im Inneren des Tape-Releases von Farrokh Bulsara's erstem Album "Nieder mit den Thujahecken" wiederfindet und sicherlich auch im Song "Am Ende lacht der Geist" verarbeitet wird:

"was bleibt ist so viel grösser als der abschied / der war zwar kurz und schmerzhaft, doch vorbei / was sind schon 28 tonnen / gegen einen geist von deiner dimension? / ich halt mich fest an dem, was überlebt hat".

Der Albumtitel bereitet aber auch schon angriffslustig darauf vor, dass es in den acht übrigen Songs ebenso ungemütlich zugehen wird. Arm und reich, Gleichgültigkeit, Ober- und Unterschicht vs. Punk, Liebe und Menschlichkeit. "Nieder mit den Thujahecken" bietet eine Menge Zündstoff, der in teils zynischen aber nie ganz hoffnungslosen Texten zur Explosion gebracht wird.
Musikalisch bewegt sich das Quintett recht homogen und zugänglich zwischen den Hauptpfeilern Punk, Post-Hardcore und Screamo. Plänkelnde Passagen mit aufgeregtem Gesang treffen auf stürmische Hardcoreeruptionen mit noch wesentlich mehr aufgeregterem Gesang, die im Zusammenspiel den musikalischen Kern der Band freilegen - das altbewährte Laut-Leise-Spiel.
Wie anfangs erwähnt, verbergen sich hinter Farrokh Bulsara aber alte Hasen, die der mutmaßlichen Routine mit viel Feingefühl wie auch Herzblut und vor allem treibenden Melodien trotzen.

Neben dem Spendendownload, erscheint "Nieder mit den Thujahecken" als schwarzes Tape im schwarzen Case mit zusätzlichem Slipcase und enthält ein Textblatt sowie einen DLC. Ebenso wie die in bester und liebevoller DIY-Manier aufgemachte Debüt-EP "Aussterben", erscheint das Album über die bandinternen Labels Ape Must Not Kill Ape und Markus Records.


Band: Farrokh Bulsara

Titel/Release: Nieder mit den Thujahecken/Album (100x Tape; Digital)

Label: Ape Must Not Kill Ape, Markus Records

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Post-Hardcore, Screamo, Emo, Punk

FFO: Kepler, Karina Kvist, Masada

Links: Bandpage\\//Bandcamp




DL "Nieder mit den Thujahecken"

Buy Here

Montag, August 27

HAUNA - Leave Me Behind



Kurzinfo:

2015 als Duo gestartet, veröffentlichte die Band aus Wien im folgenden Jahr ihre Debüt-EP "Dunkelkrach", die mensch auch durchaus beim Wort nehmen und als limitiertes Tape über das ortsansässige Label Hardcore 4 Losers ergattern konnte. Um ihren neuen Songs etwas mehr Kontur zu verleihen, entschieden sich die zwei Ösis Florin und Dmitrij ihre Band um eine Bassistin zu bereichern, die mit Julia im Jahr 2017 auch recht schnell gefunden wurde. 
Zu dritt hämmerte die Band also fünf neue Songs ein, die vereint auf der zweiten EP "Leave Me Behind" noch immer düster und bedrohlich durch Blackened Hardcore walzen, durch die straighten Basslinien und sicher auch dem Master der Tonmeisterei nun aber wesentlich druckvoller daherkommen. Songs wie "Die" und "War|Me" machen HAUNA greifbarer, heben sich allerdings auch etwas von den restlichen EP-Songs ab, in denen die Band noch immer viel Spaß am strukturiertem Chaos offenbart. So ist "Leave Me Behind" zwar einen Quantensprung entfernt von seinem rohen und mathig-destruktiven Vorgänger, aber dennoch ein forderndes Werk geworden.


Band: HAUNA

Titel/Release: Leave Me Behind/EP (Digital)

Label: Hardcore 4 Losers, No Firecracker, Please, Iltis Records

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Blackened Hardcore, Post-Hardcore, Noise

FFO: Birds In Row, Alpinist, Ekkaia

Links: Facebook\\//Bandcamp




Stream & Buy Digitally "Leave Me Behind"

 Buy Here, Here & Here

Sonntag, Juli 15

Augen - M20



Kurzinfo:

Einen ordentlichen Satz heißer Ohren gibt's von der Kölner Band Augen. Im Spannungsfeld zwischen Post-Hardcore und Hardcore-Punk setzt das Quartett zwar auf altbewährte Kost, diese aber immerhin solide und äußerst brachial in die musikalische Praxis um. Vor allem unter Anbetracht, dass ihr Quasi-Debüt komplett in Eigenregie entstand.


Band: Augen

Titel/Release: M20/EP (CD; Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Hardcore, Punk, Post-Hardcore

FFO: Jet Black, .leaves, Fabrik Fabrik

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube\\//Instagram




DL "M20"

Jahres-Sampler