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Donnerstag, November 16

20 Liter Yoghurt - L'Art D'Oublier



Nun ist es wohl amtlich. Auch auf ihrem vierten selbstproduzierten Release bleiben 20 Liter Yoghurt ihrem apuristischen Stil treu und toben sich irgendwo zwischen Melodic Hardcore, Hardcore-Punk, old-schooligem Emocore und einigen Post-Auflügen, aus. Das klingt zwar nicht mehr so zerfahren wie auf ihren ersten zwei digitalen Demo-Releases "Heartcore" und "Demo 2015", die mittlerweile von ihrer Bandcamp-Seite verschwunden sind, und auch hinsichtlich der Produktion haben die vier Grimmaer einige Erfahrungspunkte hinzu gewonnen, obwohl natürlich immer noch nicht alles ganz rund klingt. Soll es womöglich aber auch nicht, denn ein tief verwurzelter D.I.Y.-Spirit ist der jungen Band ebenso anzuhören, wie ihre Freude am Experiment.
"L'Art d'Oublier", das wie schon der Vorgänger als selbstgestaltete Digifile-CD im Eigenvertrieb erscheint, ist trotz dieser Einflüsse kein halsbrecherischer Spießrutenlauf durch die Genres geworden, sondern entpuppt sich als bislang homogenstes Werk des Quartetts. Der Opener "Burn" hält die Affinität der Band zu ihrem kontrastreichen Sound zwischen tollen Melodien und hartem Riffing noch etwas unter einem düster-wütenden Mantel verborgen. Doch spätestens mit "Ghost" kehren nicht nur die cleanen Gesangspassagen in den Songs ein, sondern vor allem auch mehr Helligkeit. Natürlich gibt es hier nichts schönzureden. Für schönere Melodien sorgt es allemal.

Band: 20 Liter Yoghurt

Titel/Release: L'Art D'Oublier/EP (500x Digifile-CD, Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Melodic Hardcore, Hardcore-Punk

FFO: Ashes Of Pomopeii, Loose Suspense,

Links:  Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube
 


DL "L'Art d'Oublier"

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Samstag, August 6

Die Bandcamp-Punks Vol.27

Routeens



Manchmal kann Punk auch ein unkompliziertes Vergnügen sein, so wie im Falle der jüngst gegründeten Band Routeens. Im Gießener Quintett finden sich u. A. Mitglieder von Kick It!, The Hip Nuns und Berlusconi Headshot wieder, die gemeinsam melodischen Punkrock und treibenden Garage miteinander vermengen, inklusive direkter Ansagen. So finden sich auf ihrem selbstbetitelten Demo-Debüt sechs Songs ein, die sofort ins Tanzbein wandern und in ihrer simplen Art so rein gar nicht den Anspruch hegen, das Rad neu erfinden zu wollen. Angeführt von einer herrlich angenervten Sängerin, die gelegentlich von einigen Backgroundchören zur Heiterkeit animiert wird, erinnert das Ganze dann im Hinblick auf die hiesige Szene an Kombos wie Kenny Kenny Oh Oh, Femme Krawall oder Gurr.

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DL S/T Demo

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Honeymoon

Bandpage\\//Vimeo
Ich habe keine Ahnung, ob Namedropping immer im Sinne des jeweiligen Künstlers ist. Ist mir ehrlich gesagt aber auch egal, denn ich für meinen Teil habe so schon eine Menge anderer toller Bands entdecken können, die mir ansonsten wohlmöglich nicht in die Ohren gerutscht wären. Los geht's! Die Mitglieder von Honeymoon verteilen sich nicht nur auf die Städte Nürnberg, Erlangen und Leipzig, sie waren vorher und nebenbei auch in Hardcore-Punk-, Punk- und Screamo-Gruppen wie Vengeance, White Boy Problems, The High Society, Leidkultur, I Refuse oder Rêche aktiv.
Mit Honeymoon haben sie seit 2014 ein Projekt am Laufen, mit dem sie sich nicht zwangsläufig wiederholen wollen, allerdings ihrer Linie treu geblieben sind und gegenläufig zur Assoziation mit dem Bandnamen eine Art Kein-Spaß-Punk spielen. Drei Akkorde reichen der Band zumeist aus, um daraus eine unprätentiöse aber durchaus treibende Masse zu formen, der stets etwas Twang nachhallt und mit verbitterten wie aufgeregten Gesang gen 80er-Jahre-Hardcore-Punk und -Wave schielt. 
Neun locker in der Hüfte sitzende Songs beherbergt ihr Debüt-Lonplayer, der als Tape über Jean-Claude Madame erschienen ist und dessen Vinyl-Variante noch in der Planung feststeckt (über Taken by Surprise Records).



Desastro

Bandpage\\//Vimeo\\//Bandcamp
Und weil mir Namedropping so viel Freude bereitet gibt's gleich nochmal Nachschlag. Nicht von ungefähr, denn bei Desastro mischen nicht nur Leute von Smart Ass Dynamite & The New Generation of Destructive Entertainment und Here Comes Conclusion mit, sondern auch von eben vorgestellten Honeymoon und entsprechenden Nebenkombos. Vor allem im Hinblick auf die beiden Erstgenannten dürfte klar sein, dass die Grenzen des herkömmlichen Punkrocks für die Musik von Desastro zu eng bemessen sein dürften, obwohl sich auf ihrer zweiten, selbstbetitelten EP fast nur Ohrwürmer tummeln. Fast schon selbstverständlich entgleiten der Nürnberger Band die eingängigen Melodien, die über der EP verteilt mit etwas Cold Wave, Noise, Deutsch- und Post-Punk verfeinert werden, mit ein paar härteren Riffs aber auch den Hardcore-Punk nicht vollkommen außer Acht lassen.
Im Februar diesen Jahres spielte die Band ihr Abschiedskonzert und hinterließ der Hörerschaft ihr Demo und die EP gegen Spende auf Bandcamp. Die 2013 über Jean-Claude Madame erschienenen Demo-Tapes sind bereits restlos vergriffen.




Atmen, weiter...

Bandpage\\//Last.fm
Als ich den Bandnamen Atmen, weiter... das erste Mal las, musste ich sofort an die mittlerweile verflossenen Der Trick ist zu atmen denken. Ein ziemlich schlichter Gedankengang, ich weiß, der sich nach einem ersten Hördurchlauf ihres Demos "Die fabelhafte Welt der Lethargie" auch schnell wieder verflüchtigte, denn bis auf die clever ausgeklügelten Lyrics und ein paar dezente Hardcore-Punk-Anleihen, hat die Mainzer/Landauer Band mit ehemaliger Burn/It/Out-Beteiligung nicht wirklich viel gemein mit den ehemaligen Hamburgern. Vielmehr tobt sich das Trio auf dem viel beackerten Post-Punk-Feld aus und erinnert in seiner angerauhten Art an die allseits bekannten Trbstt. "K-Pax 2.0" plätschert etwas abseits davon im eingängigen Indie-Punk herum und "Haus/Hell" mündet nach seichtem Einstieg gar im Düster-Screamo. Das sind natürlich alles altbekannte Zutaten, die allerdings souverän zusammengemixt wurden. Und wer nebenher noch McLusky zitiert (aus "Balbo's Theme" im Non-Demo-Track "Die Scheissheit"), der hat bei mir ohnehin ein Stein im Brett.
Das besprühte Demo-Tape kommt übrigens in selbstgebastelter und handnummerierter Papphülle mit Textblatt und Sticker.


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Das Tante Mathilda P.r.o.j.e.k.t.

Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud
Ich sag's euch, die Bandnamen und Musik werden immer interessanter und natürlich zieht sich auch im Falle von Das Tante Mathilda P.r.o.j.e.k.t. das Namedropping wie ein roter Faden durch das 27. Bandcamp-Punk-Volumen. Diesmal aber durchaus berechtigt, denn die vier Düsseldorfer_innen um Sängerin Lotte Lindex sind allesamt bekannte Gesichter aus dem AK47-Umfeld und diverser Punk-Gruppen wie Die Schwarzen Schafe, Saigoons, Scum and Nancy, Punk-O-Mat (Karaoke mal anders, geile Nummer!) The Lazy Bombs und Marshmallow Muschis, die sich selber eher als Konglomerat bzw. Projekt sehen. Bleibt also abzuwarten, wie lange es das Quartett am Laufen hält. Zunächst einmal steht ihre Debüt-EP "...und der freie Fall" zu Buche, die auf Tape und CD als Co-Release zwischen Racoone Records und My Delight Records erscheint. Darauf zu finden sind fünf Songs, die zwischen satten Alternative Rock und Stoner umherpendeln und eigentlich nach etwas Größerem verlangen, als einem AZ. Tonangebend ist dabei ganz klar die kräftige Stimme von Lotte, die den Songs energetisch in feinster Cristina Llanos-Manier (Dover) oder rotzig-poppig á la Maria Mummert (MIA.) und Judith Holofernes, aber auch avantgardistisch an Amanda Palmer erinnernd, vielen Gefühlsschwankungen unterzieht.


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20 Liter Yoghurt

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Viele verschiedene Eindrücke zu verarbeiten, galt es auch auf der Debüt-EP "HeartCore" der Grimmaer Band 20 Liter Yoghurt, die wir hier erst vor ein paar Monaten vorgestellt hatten. Auch auf "Thoughts of the Modern Youth", ihrem quasi dritten Demo-Release, das diesmal auch in einer limitierten und selbstgebastelten CD-Auflage erscheint, wollen sich die vier Sachsen stilistisch noch immer nicht genau festlegen. Authentischer Hardcore-Punk und ansteckender Melodic Hardcore kämpfen um die Vormachtstellung, zwischendurch und in ihrer Art unerwartet glänzen die Alternative-Nummern "Animals" und "Our World", mit denen die Band einen nostalgischen Sprung zurück in die spröden 90er wagt. Ihre tollen Melodien stülpen 20 Liter Yoghurt über direkte Texte, die in ihrer Einfachheit sicherlich keine große Erleuchtung bringen. Im Opener "Aryan" (bereits auf dem '15er-Demo, Artikel zum rechtsextremen Mode-Label HIER) klingen die sich überschlagenen Lyrics stellenweise gar etwas zu sehr in die Melodie gepresst. Egal. Die Probleme heutzutage sind nunmal die gleichen, wie vor zwanzig Jahren. Was soll Band da schon großartig rumschwafeln?


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Useless (Winterthur)

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Wesentlich mehr dem 90er-Alternative/Grunge zugehörig, fühlen sich die drei Jungs um Bassistin Sarah von Useless aus Winterthur, womit unsere Schweizer Wochen auch in diesem Beitrag vertreten sind. Nicht nur Sänger und Gitarrist Nik Petronijevic kann mit seinen Vorbands The Stifflers, Molotov Rocktail und seinem jüngeren Solo-Projekt King Contradiction schon auf einiges an Banderfahrung zurückgreifen, auch Zweit-Gitarrist Flurin Wäger und Schlagzeuger Lukas Wäger (Fake Empire) sind keine unbeschriebenen Blätter mehr. Dass bei einer Alternative/Grunge-Band ausgerechnet die Bassbesetzung zum ersten Mal auf der Bildfläche erscheint, ist nur eine Sonderbarkeit von Useless. Vor allem aber ihr ungewöhnlich düster-grummelnder Retro-Sound mit den Nirvana- und später auch The Vines-typischen, langezogenen Interjektionen (aaaaaah, yeeeeeah, usw. ;) dürfte Nostalgikern ein sehnsüchtiges Lächeln abgewinnen können. In der Quintessenz beider Bands bewegt sich der Sound von Useless, die diesbezüglich sehr offen mit ihren Referenzen umgehen. Im epischen EP-Closer "Thoughts of a Suicide" weicht die Band sogar nochmal Sludge-doomig Richtung Melvins aus. Wenn schon 90er, dann eben richtig.




Rivers & Tides

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Mensch muss schon wahnsinnig aufpassen, dass Rivers & Tides nicht spurlos an einem/einer vorbeiziehen. Ihr selbstbetiteltes Demo-Debüt, das als Tape über Koepfen erschien und natürlich schon restlos vergriffen ist, liegt nun schon zweieinhalb Jahre zurück. Es folgte ein exklusiver Sampler-Beitrag und anfang 2015 klammheimlich ihre zweite EP "Shelved", auf der die fünf Regensburger abermals ein Melodiefeuerwerk aus Alternative, Pop-Punk und Emo ablieferten. Klar, dass kennt mensch auch hierzulande schon von Bands wie Twin Red (ex-Client.), Rowan Oak (ex-Western Grace) oder den Rollergirls. Rivers & Tides gehen allerdings mit dem (Selbst-)Verständnis der ganz großen dieses Genres zu Werke und schaffen es, den/die Hörer_in mit viel Gefühl, vielleicht auch etwas Theatralik, vor allem aber treibenden Songs mitzureißen. Da stellt sich eigentlich nur die Frage, warum die Band noch kein Label gefunden hat.
Immerhin ist ihre bereits angekündigte dritte EP "Complete", von der es den Vorläufer "Eclipse" bereits auf Stageload zu hören gibt, als Tape-Release über das Wiener Label Featherlight Records geplant. Wenn hier keiner will, dann eben in Österreich.




Young Season

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Auch mit Young Season will die Alternative-Welle in diesem Beitrag einfach nicht abflachen, auch wenn sich die erst kürzlich zusammengeraufte Band aus Hannover etwas mehr im Dreck suhlt, als die vorangegangenen Rivers & Tides. Auf ihrem 4-Song-Demo-Debüt schielen Young Season nicht nur mit einem Augen über den Großen Teich Richtung Gainesville, obwohl die Songs sicherlich auch nochmal für einen guten Antrieb auf dem Skateboard sorgen dürften. Ihre Proberaum-Buddies von Schmutzstaffel sprechen dagegen eine etwas andere Empfehlung aus: "Falls ihr auf Title Fight in schlecht, oder auf No Fun At All in gut steht, dann checkt das mal ab."




In der Kürze liegt die Würze



JaaRi

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Hat sich Dÿse-Drummer Jarii van Gohl etwa eine neue Frisur zugelegt und das als Anlass genommen, gleichmal ein neues Projekt zu starten, nachdem schon sein Mitstreiter An3 Dietrich mit Haik abtrünnig wurde? Dies waren zumindest meine ersten Gedanken, als mein Blick über JaaRi's Bandfoto gleitete und an der linken Seite hängen blieb. Doch dann fiel es mir wie Shuppen von den Augen - die Band JaaRi hat ihren doppelten Vokal auf's A vorgezogen. Als ersten Song präsentiert uns das Hauptstadt-Trio "Interflug", der durch eine Art Alternative-Pop-Punk mäandert und mich vielleicht auch wegen des verhallten Gesangs wirklich stark an das Debüt-Album von Desaparecidos erinnert. Kann gerne so weiter gehen.

DL Song "Interflug"


Acerola

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Post mortem haben Acerola nun endlich auch Bandcamp für sich entdeckt und ihr zweites Album "Meister der Romantik" aus dem Jahre 2007 zum kostenlosen Download freigegeben. Erschien damals als CDr auf den Tru-Punk-Labels Kill All Human Records und Empty Head Records, ihr Debüt-Tape "This Boy is *Acerola*" über Aldi-Punk. Somit dürfte klar sein, was uns mit Acerola erwartet. Eine typische Band aus dem Backkatalog von Greffo Lachpansen (u. A. Lafftrak und Der Kopflose Börsenmakler), Marian Brenneke (u. A. Huchi Can Take It und Affenscheisse) und Neon Bone-Lars: holprig, blechernd, Texte Freischnauze voraus. Kurzum: Asselpunk der dilettantischen Sorte, der damals sogar das Ox-Fanzine zu einem ordentlichen Verriss verleitete: "Schülerband, aus der vielleicht was werden kann, wenn sie mehr übt." Wie wir heute wissen, wurde aus ihnen nichts.

P.S.: So ganz stimmt das natürlich nicht. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist Marian Brenneke einer der führenden Köpfe hinter dem jüngst gegründeten Label Stajner Youth Entertainment, das mit dem Sampler "Die Realität muss sterben, damit wir leben können" einen furiosen Start hinlegte.

DL Meister der Romantik LP


Schnulz

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Die Bezeichnung dilettantisch dürfte das Frankfurter Duo Schnulz dagegen wohl eher als Kompliment aufschnappen. Auf ihrem Debüt-Album "Schnulzianic Ohmacht" entgleiten die Songs stellenweise gen Opernbühne, driften an anderer Stelle ins Musikantenstadl ab oder finden sich im Gangster-Rap wieder. Ich stelle mal die waghalsige Vermutung auf, auf ein nicht ganz ernstgemeintes Album gestoßen zu sein, dass vielleicht Diejenigen mit offenen Armen in Empfang nimmt, denen Knorkator, Alfons Bauer und Cindy aus Marzahn schlichtweg zu ernst sind.

DL Schnulzianic Ohnmacht


Sonntag, Februar 14

Der Bandcamp-Hardcore Vol.32

BETTYŒTKER



Oetker und Hamburg, das passt. Dennoch reagiert der Hanse-Vierer BETTYŒTKER ausgesprochen allergisch auf Vergleiche mit dem Lebensmittel-Riesen. Ihren Namen nämlich entlieh sich die Band aus Siegfried Lenz' Roman "Deutschstunde". Wusste ich natürlich auch schon vor dem Bandinterview mit dem Bizarre Radio... . 
Bis zu ihrem 2014er Debüt "Barricades" musste sich die Band als solche erst einmal finden, was vielleicht auch die Vielseitigkeit ihrer EP erklärt. Vom anfänglichen, Kyuss-beeinflussten Steinmonument steht nur noch ein fragiles, wenngleich tief wummerndes Grundgerüst, das von außen mit viel Düster-Hardcore bzw. Hardcore-Punk verkleidet ist und oberflächlich melodisch aufpoliert oder mit etwas Noise zerkratzt ist. Klingt doch nachvollziehbar, oder?! Zumindest aber nicht ganz unbekannt, denkt mensch zum Beispiel an Dead Flesh Fashion oder Younger Us. Kein Wunder also, dass sich bei einer derartigen musikalischen Willkür Nils Wittrock (The Hirsch Effekt) und René Pablotzki (GREY, Benthic) nicht zweimal bitten ließen, die Aufnahme, den Mix und das Mastering der EP zu übernehmen und dabei in einigen Songs auch noch selbst Hand anzulegen.

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DL Barricades

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Meraine

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Als Akela-Schreihals Samuel Anfang des letzten Jahres seinen Abschied bekannt gab, war für die fünf Lüdenscheider klar, die Band gemeinsam und vor allem würdevoll zu Grabe zu tragen. Ans Aufhören dachte das verbliebene Quartett nicht, sodass sie mit neuem Bandnamen und neuen Songs nahtlos in ein neues Bandkapitel übergehen konnten.
Als Meraine knüpfen nun also ehemalige 4/5tel-Akela mit ihrem Demo-Debüt genau dort an, wo der einstige Midsummer-Sprössling nach zwei Alben, einer EP und einer Split-7" aufhörte. Vier Songs, vollgestopft mit düsterem Post-Hardcore, der mächtig viel Zerstörungswut im Bauch trägt, post-rockig anschwillt oder mit noisiger Zerfahrenheit durchberstet und sich auch einige Experimente gönnt, wie das versteckte Geplänkel am Ende von "Floatage". Das ist genau der atmosphärische Stoff, der sich hervorragend auf einer Langrille machen würde. Auf eine entsprechende Lobby dürften sie ja bereits zurückgreifen können, zumal sich Meraine für ihre Promo-Tour gleich mal an die Versen der fränzösischen Hardcore-Punk-Größe Birds in Row hefteten. 
Ihr Demo erscheint in einer kleinen Auflage von 50 Silberlingen, die in einem besiebdruckten Cardboard untergebracht sind und von der Band in Eigenregie veröffentlicht wurden. Wie schon zu Akela-Zeiten, geht der Erlös an die Hardcore Help Foundation.




EXTINCT

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Na das wurde ja verdammt nochmal auch höchste Zeit, dass die Querfurter Powerviolence-Legende Extinct nach dem 2015er Debüt-Demo endlich mal ein "Greatest Hits" raushaut. Darauf enthalten sind sämtliche Songs, die die Band seit ihrer Gründung im eigenen Slacker-Studio eingehämmert hat. Macht Sinn, denn Songanzahl und Spielminuten steigen dadurch gleichermaßen auf zehn an.
Zehn Songs fei(n)stes Geballere, dass auch wegen der strikt antifaschistischen Attitüde direkt ins Herz der San-Diego-Connection trifft und mit beißenden Riffs, fiesen Breakdowns, sludgigen Momenten und wütendem Gekeife kein Genrewunsch offen lässt und darüber hinaus für eine Menge Abwechslung sorgt.
Demo-Phase überstanden, würde ich mal behaupten. Es darf beherzt mit einem "Longplayer" nachgelegt werden.

DL Greatest Hits - The Early Year



Okilly Dokilly

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Ok, sie sind nicht die erste Band, die die kultige Zeichentrickserie "The Simpsons" als Thema aufgreift. Und geht man in den direkten Vergleich zur australischen Stoner-Doom-Band Dr. Colossus, ist sie wahrscheinlich auch nicht die Beste. Dennoch - wer es noch nicht mitbekommen haben sollte - hat das amerikansiche Quintett Okilly Dokilly im letzten Jahr innerhalb kurzer Zeit einen Riesen-Hype ausgelöst, der auch zu uns hier in Deutschland herüber geschwappt ist. Egal ob das Rolling Stone Magazine, Billboard oder Der Spiegel - sie alle hatten die Ned-Flanders-Tribute-Band auf ihren Programmzetteln. Dabei war der Aufwand, den die fünf Freunde aus Phoenix betrieben, vergleichsweise recht marginal: vier Homerecord-Demos eingespielt (wovon "Nothing at all" nicht einmal der eigenen Idee entstammt), einigen Freunden davon erzählt, ein paar Konzerte absolviert - und schon hatten sie quasi über Nacht 30000 Facebook-Likes. So etwas klappt wohl bloß in Amerika.
Musikalisch bewegt sich die Band irgendwo zwischen Alternative, Metal- und Nintendocore. Entgegen ihres fiktiven Vorbildes, scheint Okilly Dokilly dabei nichts heilig zu sein. Auf akustischen Parts mit zart-schmelzender Indiepop-Stimme folgen niederschmetternde Metaleskapaden und wahnwitzige Synthiefeuerwerke. Nicht gerade das, was einen derartigen Hype rechtfertgien würde. Egal. Einem Album dürfte ja somit nichts mehr im Wege stehen.

DL Okilly Demos

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Whalehunter

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Einfacher wird's auch nicht mit der Münsteraner Band Whalehunter, hinter der sich ehemalige GILF-Mitglieder sowie der aktuelle Narconaut-Schreihals verbergen. Aus konversativer Sicht liefern die vier mit ihrem Demo-Debüt wohl genau den Stoff, der perfekte Schwiegersöhne in eiskalte Killer verwandelt. Aber auch Hartgesottene brauchen für dieses Teufelsgebräu ein dickes (Zwerch-)Fell, denn Whalehunter lassen einem kaum Zeit zum Durchschnaufen. Das ist hyperaktiver Mathcore, der sogar den Godfathers dieses Genres, The Dillinger Escape Plan, Verdauungsprobleme bescheren dürfte. Hinzu kommt eine dezente Prise San Diegoer Trash-Grind á la The Plot to Blow Up the Eiffel Tower wie in "Trashbag Full of Wonders" oder "Pursesnatcher" und quengeliger Noise-Punk der Marke Dmonstrations in "Set Panzers to Stun".
Für ihr 2015er Demo haben Whalehunter ein eigenhändiges CD-Release geplant, das neben den sieben Songs auch einen Bonussong enthalten soll.

DL Demo 2015


Naechte

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"Die Stadt gehört den Besten" betitelte die Münchener Post-Hardcore-Band Marathonmann einen Song aus ihrem Debüt-Album "Holzschwert". Und weil das nunmal so ist, zog sich Gitarrist Tom Fischer, als er die Band im Jahr 2013 verließ, auch nicht aus dem Musikgeschäft zurück, sondern gründete mit befreundeten Kollegen aus der Münchener Punkszene eine neue Kombo. Die hört auf den ungooglebaren Namen Naechte und wird vermutlich nicht all zu lange im städtischen Untergrund verweilen. Naechte's Debüt-EP "Irrlichter" läuft getrost unter dem Motto "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm", z.B. von Hardcoregewächsen wie Turbostaat, Edgar R. und Frau Potz. Melodischer Post-Hardcore, der mit viel Dynamik nach vorne peitscht, sich für einige Plänkelpausen und Breaks aber auch nicht zu schade ist und mit einer wohlwollenden Produktion daher kommt. Das dürfte für die eingeschworene Kellergemeinschaft wohl etwas zu rund sein, für die breite Masse widerum vielleicht dann doch etwas zu sperrig. Eine typische 13-Uhr-Band auf dem Highfield-Festival eben. Und wenn letztendlich nicht mehr, als der kleine Bruder von Marathonmann dabei herausspringt, dann ist das eben so. Mit ihrem Konzept, die Hörerschaft auf Bandcamp mit lediglich zwei Songs ihrer EP anzufüttern, geht jedenfalls auf, denn die machen eindeutig Lust auf mehr.


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Republic of Dreams

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Republic of Dreams - klingt irgendwie nach bitterer Enttäuschung und Unerfülltheit. Wer der Band um den React With Protest - Kopf und nebenher bei unzähligen Bands mitmischenden Lars Ulbrich (u. A. The Apoplexy Twist Orchestra, Resurrectionists) und ehemaligen Louise Cypher- und Tristan Tzara-Mitgliedern ein Ohr leiht, wird schnell feststellen, dass die Band ihren Namen den passenden und verstörenden Soundtrack liefert. Hektischer und chaotischer Emoviolence, der trotz des überwiegend rasanten Tempos immer wieder melodische Lichtblicke durchschimmern lässt. Um Einiges direkter kommen da schon die Lyrics rüber, mit denen das deutsch-polnische Trio auf kritischer, mahnender und verzweifelter Art die gegenwärtigen gesellschaftlichen Probleme auseinandernimmt, ohne viel Zeit und Worte zu verlieren. Erinnert mich stark an die im letzten Jahr auftrumpfenden kishote.

DL Split 7" w/ Autarkeia
DL Split-LP w/ Cloud Rat

Stream Split 7" w/ Beau Navire
Stream Republic of Dreams Compilation

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20 Liter Yoghurt

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20 Liter Yoghurt, ein Bandname, mit dem man vielleicht eher klassischen und dreckigen Deutschpunk assoziieren würde. In Wahrheit allerdings zieht das Grimmaer Quartett eher eine tiefe Schneise durch das weite Spektrum des Hardcores und tangiert dabei auch einige Randzonen. Ihre EP "HeartCore", mit der die vier Sachsen Ende 2014 debütierten, tobt sich somit noch eher unentschlossen auf der Experimentierwiese aus: post-rockiges Instrumental-Intro; Hardcore-Punk mit Heavy-Metal-Anleihen; Grunge; melancholischer Post-Hardcore. Und dazwischen eine Menge Melodic Hardcore. Das ist legitim, denn schließlich ist man als Band mit einem derartigen Namen an keine Erwartungshaltungen gebunden.
Auch das 2015er 2-Song-Demo lässt mit dem düsteren "Aryan, hau ab!" und der räudigen Fastcore-Nummer "Schule" noch keinen roten Faden erkennen. Immerhin konsequent.

DL Demo 2015
DL HeartCore EP


Pale Prophet

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Das für amerikanische Verhältnisse fast schon überschaubare Athens, Georgia kann unlängst auf eine eigene und solide Metalszene zurückgreifen, auch wenn sich nach wie vor Vieles im Untergrund abspielt. Als Zach Thrower im Jahr 2010 seine Gitarre für die - meiner Meinung nach viel zu unterschätzten - Screamoviolencer NATIONALE ablegte, stand mit Pale Prophet bereits sein neues Projekt in den Startlöchern, für das er diesmal allerdings gehörig das Schlagzeug vermöbelte.
Ihr 2012er Demo-Debüt gestalteten die drei Amis mit Songlängen zwischen einer Minute und dreieinhalb Minuten recht kurz, aber auch kurzweilig. Pale Prophet hängen lose zwischen Black- und Post-Metal rum, ohne sich vollendst manifestieren zu müssen und verleihen ihren düsteren Sound eine dezent-skandinavische Death- und Trash-Note. Klingt gelesen chaotischer, als es sich Anhören lässt.

DL & BUY Demo 2012


ACxDC

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2003 gegründet; 2005 beendet; 2006 Reunion für ein Konzert; Besetzungsrad dreh dich; 2010 Comeback; Besetzungsrad dreh dich. Auch mit der zwischenzeitlichen Unterbrechung und davon abgesehen, dass mittlerweile nur noch die Hälfte der 2003er Originalbesetzung übrig ist, kann die Los Angelesser Powerviolence/Grindcore-Truppe Antichrist Demoncore, kurz ACxDC, auf eine verhältnismäßig überdurchschnittlich lange Bandgeschichte zurückblicken. Dabei scheint es vor allem nach der Neugründung erst so richtig zu laufen, nachdem sich die alten und neuen Mitglieder zwischendurch bei artverwandten Genrevertretern wie ¡Libérate!, Hit em Where It Hurts, Shoes of Cement, Despise You, Asshole Assassination Squad, Ruptures oder NOMADS reichlich austoben konnten. Vielleicht liegt es ja auch daran, weil die Band während ihrer Pause scheinbar in der Zeit stehen blieb und nahtlos an ihren anfänglichen Releases anknüpft. Das klingt dann herrlich old-schoolig, räudig, brutal und trashig. Typischer Californicore, wenn man so will, der sich hervorragend in der San Diegoer Ecke machen würde.

DL Antichrist Demoncore
DL Second Coming EP
DL He Had It Coming EP
DL 3-Way-Split 10" w/ Magnum Force & Sex Prisoner ->ACxDC-Seite
DL Split 7" w/ To The Point ->A-Seite
DL TBFH Live Session
DL Jack Trippin Demo
DL Live Noise/Demos/Unreleased Compilation

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Jahres-Sampler