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Samstag, Mai 19

Lady Blue Beard - Picture Of An Elephant



Kurzinfo:

Mensch merkt es schon an den Referenzen: Lady Blue Beard sind vielleicht etwas zu ambitioniert für unsere zurückhaltenden Blog-Seiten. Bevor sie aber irgendwann einmal vielleicht das Cover des Rolling Stone Magazines zieren, heißt es erst einmal sich mühsam aus dem Untergrund nach oben zu graben. Damit sind sie zwar bei uns an der falschen Adresse gelandet, denn wir sorgen bestenfalls für eine Popularitätsstagnation. Egal. Lady Blue Beard aus Dresden kreieren charmante Folk-Pop-Songs, mal etwas verträumter, mal etwas flotter. Band-Leader Klaus Fischer tritt mit seiner sanften bis leicht aufgeregten, in jedem Fall aber äußerst facettenreiche Stimme in die Fußstapfen von Größen wie David Bowie oder Lou Reed und nutzt diese als avantgardistisches Element des Singer/Songwritertums. Ich bin der Meinung, an einigen Stellen auch einen melancholisch-düsteren Unterton zu vernehmen, wie er mich schon bei Mark Linkous seit je her faszinierte. 
Da wir ja aber der Tiefsinnigkeit abgeschworen haben, beende ich die Besprechung an dieser Stelle einfach mal abrupt. Hört selbst.


Band: Lady Blue Beard

Titel/Release: Picture Of An Elephant/Album (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Singer/Songwriter, Folk-Pop

FFO: David Bowie, Sparklehorse, Dirty Projectors

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Youtube\\//Instagram




STREAM & BUY "Picture Of An Elephant"



Samstag, September 17

Kartenhauskörper - Wie konnten die Tage nur so sehr an Wert verlieren



Band: Kartenhauskörper

Titel/Release: Wie konnten die Tage nur so sehr an Wert verlieren/Album (Digital)

Label: OMAHA Records

Erscheinungsjahr: 2014

Genre: Akustischer Indie, Indie-Pop, Folk, Indie-Noise, Jazz, Chanson

FFO: Die ignorierte Art, Der Bürgermeister der Nacht, Das trojanische Pferd

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube\\//Last.fm



Kurzinfo:

"Wie konnten die Tage nur so sehr an Wert verlieren" - eine Frage, die mensch sicherlich auch auf die moderne Pop-Musik anwenden kann. Vielleicht ist ja Kartenhauskörper's Debüt-Album auch als Antithese auf die gegenwärtigen Umstände zu verstehen, in der Schönheit in jeglicher Hinsicht nunmal nicht Alles bedeuten muss. In diesem Sinne hat sich in den letzten Jahren im österreichischen Wien eine kulturell-freigeistliche, musikalische Szene gebildet, deren Anhänger bereits im Namen widerspenstig klingen und von Labels wie Schoenwetter und Problembär Records aufgefangen wurden.
Das Debüt des Wiener Duos Kartenhauskörper kann mensch mit seinem Namen aber tatsächlich so stehen lassen. "Wie konnten die Tage nur so sehr an Wert verlieren" kramt in einer verkorksten Beziehungkiste herum und offenbart dabei gegenläufige Interessen und Standpunkte der beiden Entliebten. Keine versteckte Botschaft oder hochtrabende Metapher, ganz schlicht. Eine Thematik, die sich natürlich dem ohrumschmeichelnden und -zuschmalzenden Indie-Pop geradezu anbiedert. Mit dem sentimental-triefenden "Freikopf" und "Schlau beide" finden sich zwei Songs auf dem Album ein, die dieses Klischee auch perfekt zu bedienen wissen. Dennoch beginnt der melancholische Reigen mit einem Song, der nicht nur mit einem Akustikriff startet, das sich auch hervorragend für einen Saufschlagerhit eignen würde, sondern mangt naiv-schmachtender Verse plötzlich eine Zeile wie "Fickt euch ihr miesen Schweine" unterbringt und zum Ende hin mit sämtlichen Gastinstrumenten eine frivole Schrammelorgie feiert. Der Opener "Rumliegen" soll aber kein Ausrutscher bleiben. Es ist vielmehr der Auftakt zu einer musikalischen Achterbahnfahrt durch Indie, Folk und Jazz, die sich fortan immer mehr in konturlosen Chanson und akustischen Singer/Songwriter-Rock auflösen. Doch neben kuriosen Höhepunkten wie dem psychotischem "Afraid of Taking Drugs" und dem kratzigem, free-jazzigem und etwas aus der Haut fahrendem "Du hast gesagt es ist Wahnsinn", bietet das Album mit dem fast schon Fun-Punk-tauglichen "Mein Name ist Dave" und dem poppigen, zwischen Rapbühne und Opernhaus pendelnden "Wo spielen die Kinder" allerdings auch einige eingängige Wohlfühlmomente.
"Wie konnten die Tage nur so sehr an Wert verlieren" hangelt sich an einem simplen Gerüst entlang und zeigt, wie effektiv der monotone, akustische Indie-Pop zerlegt werden kann. Wohlgemerkt von zwei Leuten, die mit Mathias Krispin Bucher (u. A, HALF//HALF), Günter Lenart (u. A. Kelag BIGband und Carinthia Saxophonquartett) und dem Chor der Junggebliebenen natürlich etwas freigeistliche Hilfe aus der regionalen Jazzszene bekamen.

DL Wie konnten die Tage nur so sehr an Wert verlieren


Sonntag, August 14

Jake Bellissimo - Piece of Ivy EP



Band: Jake Bellissimo

Titel/Release: Piece of Ivy/EP (30x 7" Lathe Cut, Digital)

Label: Drunk With Love Records

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Singer/Songwriter, Indie(-Pop), Folk, Art-Pop

FFO: Sufjan Stevens, Andrew Bird, Jon Kohen

Links: Bandpage\\//Facebook I\\//Facebook II\\//Bandcamp\\//Youtube\\//Twitter\\//Last.fm



Kurzinfo:

Mit seinem Alter Ego Gay Angel hat der amerikanische Wahl-Berliner und Musikstudent Jake Bellissimo erst im letzten Jahr seine Tetralogie "floral" fertiggestellt, eine 100-Song-Soundcollage verfältigster Klangexperimente rund um die Themen Alltag und Streben nach Glück. Klar, dass ihm bei einem derartigen Tatendrang mittlerweile gehörig die Decke auf dem Kopf fällt. Unter seinem bürgerlichen Namen näherte er sich in den letzten neun Monaten nun wieder den klareren Singer/Songwriter-Folk-Strukturen an, was nach dem vorangegangenem gemeinsamen Piano-Experiment mit Andrew Langman in dieser Form nicht zwangsläufig zu erwarten war. Mit freundlicher Unterstützung von einigen altbekannten Weggefährten (u. A. Trompeter Nick Piato und Sänger/Bassist Acadia Braxton-Barto) entspringen "Piece of Ivy" nicht nur unbeschwert-leichte Indie-Folk-Pop-Nummern wie der eröffnende Titeltrack oder "Swan Song", sonder auch der fast schon im Alternative verankerte Hit "Munich" und die herrlich an 60er-Jahre-Liebesschnulzen erinnernde Pop-Ballade "(A considerable amount of) "Ow"", dem mit "The Burning Sky" eine Musical-Arien-mäßige Einleitung beiseite gestellt wird. Somit entpuppt sich "Piece of Ivy" zum Ende hin dann doch wieder als ein vielseitiges Werk, dass vielleicht auch deshalb mehr unter dem Begriff Art-Pop läuft. So ist das halt, wenn man als Musiker versucht, eingefangene Lebensgefühle in akustische Signale umzuwandeln.

DL & BUY "Piece of Ivy" Here & Here

Montag, April 25

Platte des Monats 04/2016: Soldat Hans - Dress Rehearsal LP



Band: Soldat Hans

Titel/Release: Dress Rehearsal (CD und 2xLP in Stofftasche auf Anfrage bei der Band)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2014

Genre: Progressive Folk(core), Post-Rock, Doom, Jazz, Downtempo

FFO: The Pax Cecilia, fire walk with me!, Bohren und der Club of Gore, Gris Gris, tesa

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Soundcloud\\//Youtube\\//Last.fm



Kurzinfo:

Glücklicher Weise haben wir hier bei Gerda nicht zwangsläufig den Anspruch immer auf den neuesten Stand zu sein. Deshalb können wir auch ganz unverfroren ein Release aus dem Jahr 2014 zur Platte des Monats April 2016 krönen.
Die Schweizer Band Soldat Hans ist seit 2013 aktiv und veröffentlichte ein Jahr später ihren Debüt- und bislang einzigen Longplayer "Dress Rehearsal". Ein Album, dass sich in seiner Komplexität und Intensität nur schwer vergleichen und in Worte fassen lässt. Auch die Band selbst stiftet mit ihrem Versuch "downtempo.jazz.folk.songwriter.doom" wohl eher Verunsicherung beim Hörer, was sich aber konsequenter Weise mit dem "Experimental-Jazz-Post-Stoner-Rock" der ehemaligen Band Verwaltzen von Gitarrist/Sänger Omar Hetata und Drummer Justin Harrison deckt. Letzt genannter spielte auch in der "Heavy-Petting Schäbi Metal Pop"-Band Tabe & Garriss. Ihr merkt, im Schweizer Ländle geht also der Freigeist um - oder einfach bloß ein paar Bands, die irrsinnig viel Spaß daran haben, sich bekloppte Bezeichnungen zu geben.
Auf Soldat Hans trifft eindeutig ersteres zu. Das Quintett + Sebastian Koelmann (u. A. Sebass) liegt mit seiner Bezeichnung auch gar nicht so verkehrt, nur, dass sich in ihrem Sound noch eine Menge anderes Zeug versteckt. "Meine Liebste; Sie zerbricht sich", der Opener, ist ein über 15-minütiges Epos, das sich mit ambienten Trompetenklängen und Keys nur bedächtig-schleppend in den Wahnsinn hineinsteigert, bis schließlich markerschütterndes Geschrei jedweilige Harmonie regelrecht wegfegt und schlussendlich fast schon in Muse'schen Falsett ausklingt. Das Schöne an derartig ausladenden Soundscapes ist, dass mensch nicht einmal zwangsläufig mit den Stücken von Mahler und Schubert vertraut sein muss, von denen einige Songs auf "Dress Rehearsal" inspiriert sind. Manchen reicht vielleicht schon ein zurückliegender Besuch der Stadt Winterthur aus, eine malerische Kulisse samt rundum liegenden, mystisch behangenen Bergen. Andere wollen vielleicht gar keine Vorgaben und kreieren sich stattdessen lieber ihr eigenes trügerisches und düsteres Szenario. Eine satanische Friedhofsmesse in etwa, die erst den Fürsten der Finsterniss herauf beschwört, urplötzlich von einer Horde Hippies gestürmt wird und in eine frivole Orgie umschlägt. Der imaginären Malerei sind in diesem Sinne auf "Dress Rehearsal" keine Grenzen gesetzt. So pendelt der Closer "Liefdesgrot" zwischen kauzigen Barjazz und monoton-hypnotischen Ufo-Geheule und findet ebenfalls erst jenseits der Zehn-Minuten-Grenzen zu einem homogenen Finale.
"Dress Rehearsal" ist der experimentelle und nostalgische Soundtrack zu cineastischem Retro-Trash und darüber hinaus ein Stück moderne Musikkunst, die mensch in dieser Form heutzutage wohl nicht mehr all zu oft antreffen wird.

DL Dress Rehearsal

Buy CD or Vinyl via Facebook or Mail to: band@soldat­hans.org

Montag, Januar 11

Hollywood Trash Vol.5

The Pizza Underground



Seine zwei Darstellungen als 8-jähriger Rotzlöffel, der sich jeweils zu Weihnachten mit zwei trotteligen Einbrechern herumärgern muss, machten Macaulay Culkin quasi über Nacht zu dem Kinderstar der 90er-Jahre. Nachdem die Kinoerfolge fortlaufend ausblieben, folgte nach dem Millenium ein für Hollywood beispielhafter Absturz in die Belanglosigkeit, der sich schließlich auch auf das Privatleben des einstigen Teenieidols auswirken sollte. Scheidung, Drogen- und Alkoholexzessen, Knast. Der Weg zum Rockstar schien geebnet zu sein. Um so erstaunlicher war es, dass sich Culkin für einen wesentlich unprätentiöseren Weg entschied und 2012 gemeinsam mit Phoebe Kreutz (Two Kazoos, Urban Barnyard), Matt Colbourn und weiteren Angehörigen der urbanen Folkszene New Yorks die Anti-Folk-Gruppe The Pizza Underground gründete. Der Name zeigt dabei schon die beiden Hauptmerkmale der Band auf: The Pizza Underground covern Klassiker von The Velvet Underground und ihres Masteminds Lou Reed und stopfen sie mit albernen Texten über die WG-Mahlzeit Nr.1 aus. Live können dann auch schon mal andere Songs von beispielsweise Nirvana dran glauben. Schüchterne Akustikgitarren; eine Pizza-Box als Schlagzeugersatz; unaufdringlicher, mehrstimmiger Gesang - und Culkin quält ein paar undefinierbare Laute durch's Kazoo.
Für Diejenigen, die "Kevin allein zu Haus" in ihr alljährliches Weihnachtsritual integriert haben und stets mit Wehmut zurückblicken, sind The Pizza Underground wahrscheinlich der endgültige Abgesang (aha, man bemerke das Wortspiel!) ihres weihnachtlichen Lieblingslausbuben. Wir sagen: warum nicht gleich so?!

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Tom Cruise & Katie Holmes

Facebook\\//???
Tom Cruise & Katie Holmes, mal lediglich Tom & Katie, TomlovedKatie oder 汤姆克鲁斯和凯蒂赫尔姆斯 - das Shanghaier Quartett um Frontsängerin Cee Q (Marquee VII) und ihren heimischen wie interkontinentalen Mitstreitern von Bands wie Pairs, Hu Jia Hu Wei, Pale Heads und So So Modern, will sich da nicht so genau festlegen. Ähnlich verhält es sich mit ihrem Sound, der grob als eine Melange aus Dreampop, Shoegaze, Noiserock, Drone und landestypischer Folkore beschrieben werden kann. Mit ihrer schwelgerischen Stimme und weich-pluckernden Keys erschafft die Band träumerische Soundscapes, die immer wieder in grell-leuchtenden Nebelschwaden verschwinden. Tom Cruise & Katie Holmes kreieren eine trügerische Idylle, die jederzeit von einer drohenden Unruhe oder gar einem Tobsuchtsanfall durchberstet werden kann. Alles kann, nichts muss - das ist die Lehre, die spätestens seit Anbeginn asiatischer Martial-Arts- oder Monsterfilme in uns wohnt. Von einer derartiger Rasanz sind die bisherigen drei Band-Releases allerdings meilenweit entfernt. Vielmehr spielen sich ihre Songs in einer gänzlich fantastischen Welt ab, die vielleicht auch deshalb in der Wirklichkeit nur schwer greifbar sind.




Bud Spencer

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Er war das grimmige und wortkarge Pendant zu Terence Hill. Nicht gerade die geistreicheste Seele, seine Bodenstampferschläge und Ohrfeigen dafür um so schlagfertiger. Carlo Pedersoli, Bud Spencer's bürgerlicher Name (und mittlerweile selber Singer/Songwriter), war vor allem für seine stumpfe Hau-Drauf-Action und mimische Situationskomik bekannt. Eine nur bedingt gelungene Überleitung zur französischen Band Bud Spencer, denn an Stelle von überzogenem Nonstop-Geknüppels mit Slapstickeinlagen, liefert uns das Trio aus Nancy instrumentalen und progressiven Stoner-Sludge. Damit distanzieren sich die drei Hardcoreveteranen weitgehendst von ihren Metal-, Trashcore- und Grindcorevorprojekten wie Meny Hellkin, Gu Guai Xing Qiu, Shall Not Kill oder Strong as Ten.
Ihr erster Longplayer "People Are Curious But From the Outside", das zweite Release nach ihrer Debüt-EP "Le Commencement", pendelt vielmehr dynamisch zwischen fies grummelnden Groove und 80er-Jahre-Score á la "Running Man" und "Terminator". Vielleicht wäre ja Arnold Schwarzenegger der bessere Bandname gewesen...



Buy Here & Here


Eddie Brock

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Hier die obligatorische Quotenband aus dem Bereich Trashcore/Powerviolence. Da ich kein Marvel-Freak bin, Google mich auf der Suche nach Bandinfos aber immer wieder auf die Fährte von Spider-Man frohlockte, gehe ich davon aus, dass da wohl zumindest ein vager Zusammenhang besteht. Eine heimliche Affäre vielleicht?...
Hinter Eddie Brock, der Band aus Baltimore, verbergen sich drei Amerikaner, die sich 2009 zusammenfanden, drei 7inches einprügelten und sich 2013 wieder auflösten, um fortan mit Sokushinbutsu (kaufe HIER) im metallischen Trashsektor für Furore zu sorgen.
Ihre Rezeptur ist simpel wie altbewährt: hämmernde Riffs, asoziales Gegrowle und wütend-berstendes Stakkato-Geknüppel. Alles, was das Pennerherz zum Schlagen braucht und noch viel weniger. Dicke Empfehlung für Fans unserer Hallenser Jungs von BATTRA//.

DL Split w/ Lapse A-Seite & B-Seite

Buy Here, Here, Here, Here & Here


PAVEL CHEKOV

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PAVEL CHEKOV - ihr lest richtig, ihr Trekkis - atmen entgegen oben genannter Eddie Brock wesentlich mehr San Diegoer Küstenluft ein bzw. speihen diese postwendend wieder aus - mit Galle! Trashy und angry Fastcore der Marke Charles Bronson. Das all ihre Tape-Releases fast restlos vergriffen sind, ist daher also keine allzu große Überraschung. Ihrem genre-typischen Gebolze mischt das Trio aus Dallas vermehrt altväterlich-sowjetische Volkspropaganda unter, die regelrecht in den Songs miteinfließen. Ein durchaus gelungener Kontrast-Konsens und somit der solide Abschluss unseres fünften Hollywood-Trash-Volumens.

DL Split w/ Endless Swarm A-Seite & B-Seite
DL unfinished Split
DL Split w/ Criminal Slang
DL V.I. Lenin EP
DL 1701 Warpcore EP

Buy Here & Here

Freitag, September 25

Platte des Monats 09/2015: Lama L.A. - Affemaria LP



Band: Lama L.A.

Titel/Release: Affemaria/Album (300x Black DLP, Digital)

Label: Anette Records

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Hip Hop, Experimental, Indie, Folk, Electropop

FFO: I Salute, Me Succeeds, Wake, Tiny Fingers

Links: Last.fm\\//Soundcloud



Kurzinfo:

Es kommt bei uns nicht all zu oft vor, dass ein Quasi-Hip-Hop-Album zur Platte des Monats gekürt wird. Also: genießt diesen Augenblick und vor allem dieses tolle Album.
"Gib' mir eine Hook, ein Drum- oder Electrobeat vor, und ich schaue mal, was ich daraus machen kann.", könnte das Motto des Debüt-Longplayers von Lama L.A. lauten. Mit Kevin Hamann (ex-Bratze, My First Trompet, Ludger, ClickClickDecker) und Johannes Rögner (Frittenbude) haben sich zwei befreundete Musiker zusammen gerauft, die sich mit ihren Ideen in ihrem Experimentierwahn gegenseitig regelrecht auffressen. Auf "Affemaria" haben sich die beiden keine Grenzen gesetzt, was nicht bedeutet, dass die 22 Songs grenzenlos ausufern. Eigentlich bewegen sie sich sogar weitgehendst in ihren Metiers, nur eben vollkommen anders ausgelegt als bisher. Klar, wenn die Songs über eine Zeitspanne von zwei Jahren hinweg und größtenteils in einer alten Schule mit reichlich eingestaubten Equipment entstanden, kann sich schonmal einiges an Roh-Material ansammeln. Hier und da pluckert es electro-poppig um die Ecke, schießt eine bereits im Ansatz verreckende Trompete oder Posaune dazwischen, springt ein fluffiger oder verzerrter Beat rein. Unter der harmonischen Oberfläche aus Hamann's sanfter Singer/Songwriter-Stimme und Rögner's Sprechgesang/Raps, bröckelt, bricht, hallt und zerrt es gewaltig. Dennoch bleiben die Songs stets überschaubar, eben weil sie nicht mutwillig überladen und in einer unprätentiös gehaltenen LoFi-Produktion verstrickt wurden. Die fast schon untypisch-typische Indie-Perle "Jetzt verstehe ich was du meinst wenn du sagst" und der Techno-Beat-Stampfer "Wenn das Einhorn es singt", in denen die Parallelen zu den Hauptbands der beiden Akteure etwas offensichtlicher durchschimmern, bleiben die Ausnahme. Wer auf "Affemaria" eingängige Party-Hits sucht, sucht größtenteils vergebens oder muss schon etwas genauer hinhören. Lieber ein Break mehr einbauen, bevor noch jemand auf die Idee kommt, das Ganze als tanzbar einzustufen. Aber genau DAS ist es eben, was "Affemaria" zu DEM unbeschwerten Album macht, das es letztendlich ist. Unverkrampft und frei von Zwängen oder irgendwelchen Erwartungshaltungen. Vielleicht haben Hamann und Rögner ja auch deshalb ihr gemeinsames Projekt nicht an die große Glocke gehangen und das Album fast schon beiläufig über das eigene Label Anette Records veröffentlicht. Dort kann man es sich für lau oder gegen Spende downloaden oder als schwarze Doppel-Vinyl (300 St.) zulegen.

DL & Buy Affemaria LP

Buy Here, Here & Here

Dienstag, August 18

Gay Angel - Floral



Band: Gay Angel

Titel/Release: Floral/Album (4x Album auf jeweils einer CD oder komplett als Boxset, Digital)

Label: DIY/She Likes Me Drunk With Love

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Singer/Songwriter, Folk, Indie, Indie-Pop, Experimental, Chanson

FFO: Sufjan Stevens, Ariel Pink, Michael Cera, Jake Bellissimo

Links: Tumblr\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Last.fm



Kurzinfo:

Gay Angel - kein homophober Scheiß oder fragwürde Ironie, sondern ein Quasi-Coming-Out für all Diejenigen, die den amerikanischen Singer/Songwriter noch nicht kennen - hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Gefühle, Erlebnisse, Beobachtungen und sonstige in seinem Kopf umherkreisende Gedanken einzufangen und in akustische Signale umzuwandeln. Auf eine dementsprechend gut bestückte Diskografie kann er seit seinem letztjährig angefangenen Treiben als Gay Angel nun schon zurückblicken. Ein Minialbum und ein Longplayer entstanden bis Mitte 2014, seitdem widmete sich Jake Bellissimo Stück für Stück seinem 100-Song-Album "Floral", das er im Juli dieses Jahres schließlich vollendete. Vier Parts mit je 25 Songs, die einzeln auf CD oder als komplettes Boxset ergattert werden können und über Bellissimo's Label She Likes Me Drunk With Love erscheinen. Es macht daher wenig Sinn, ein 100-Song-Album bis ins Detail zu sezieren, was den Rahmen eines Kurzreviews eindeutig sprengen würde. Ich halte mich daher kurz: "Floral" ist über einen Zeitraum von einem Jahr hinweg entstanden und spiegelt somit auch viele Eindrücke wieder. Vom klassischen Singer/Songwriter-Rock, bis hin zum liebevoll arangierten Folk, der in seinen schönsten Momenten tatsächlich an einen Sufjan Stevens erinnern kann, in seinen stoischen als auch wilden Experimentierphasen aber auch gerne an Greg Ashley oder Michael Ceras' Schlafzimmerproduktionen. Einige Songs scheinen in einer längst vergangenen Zeit gefangen zu sein, andere wiederum strotzen nur so von neoklassischer oder kabarettistischer Willkür und Leichtfertigkeit. Ein Wechselbad der Gefühle und somit kein Album für Zwischendurch. Schade nur, dass der zwischenzeitliche Wahl-Berliner mit seinem bis zu 55 Mann und Frau starken Ensemble keine größere Lobby hat. Mit seinen Vorbildern und den ganz großen des Genres kann er allemale mithalten.

DL Floral (complete 100-Song-Album)

Dienstag, Juni 9

Mumbles - Geese My Eyes Tape



Band: Mumbles

Titel/Release: Geese My Eyes/Album (60x Tape, Digital)

Label: Kitchen Leg Records

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Weirdo-Rock, Anti-Folk, Punk, Experimental, Noise

FFO: SHVS, Ruins of Krüger, Man Man

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Soundcloud



Kurzinfo:
 
Oh Fuck! Wenn das Berliner Label Kitchen Leg Records eine Band mit nachfolgenden Statement anpreist, sind Erklärungsnöte eigentlich schon vorprogrammiert: "You don’t have to be able to play an instrument or be a musical person, just come by regularly.". Ganz so schlimm ist das dann doch nicht, denn hinter der Berliner Band Mumbles verbergen sich keine ahnungslosen Anfänger oder Stümper, sondern einfach bloß ... vier wahnsinnig freigeistliche und äußerst gut gelaunte Musiker. Stürmt der Opener "We Are the Rockstars" noch mit rotzigen Rockgörenpunk voran, folgt mit dem smooth-jazzigen "Snail Shells" bereits postwendend der erste Bruch. "Shave My Eyes" klingt nach einem missglückten White-Stripes-Folkversuch, "Pling Pling" und "Nanananaaaa" sind sich schlichtweg zu schade für einfachen Indie-Pop und wenn das Mikrofon von weiblich auf männlich wechselt, ist sowieso Mcluskyism angesagt. Keine Ahnung, wie man das zu einem Begriff zusammenfassen kann. Vielleicht trifft es ja Weirdo-Rock? Vielleicht reicht aber auch einfach bloß Kitchen Leg Records als Tag aus. Dort ist Mumbles' Debüt-Tape "Geese My Eyes" standesgemäß auf 60 Stück limitiert und enthält einen DLC für's Album + vier Bonussongs.

Stream & Buy "Geese My Eyes"

Samstag, Mai 16

Wave & Rome - Across the Map EP



Band: Waves & Rome

Titel/Release: Across the Map/EP (Digital, ??)

Label: UNSECRET Music/Noisetrade

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Indie-Rock/Pop, Folk Rock

FFO: Local Natives, Bon Iver, Sea Wolf

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Soundcloud\\//Twitter



Kurzinfo:

Eigentlich sind Waves & Rome eine Nummer zu groß für unser kleines Tanzcafé, denn hinter der Band aus Nashville verbergen sich Gitarrist Josh Farro (u. A. Paramore, Farro, Novel American) und Singer/Songwriter und Produzent Sam Tinnesz, der neben einigen eigenen Songs ansonsten lediglich als Aushilfskraft tätig war (u. A. Ruelle und Young Summer) und mit Waves & Rome nun sein erstes offizielles Release feiert. "Across the Map" lautet der Titel ihrer im Sommer erscheinenden Debüt-EP, deren Titeltrack inklusive fünf Remixe als kostenloser Download über Noisetrade vorab ins Rennen geschickt wurde und schonmal die Marschroute der EP vorgibt: die Suche nach der ganz großen Melodie. Und es ist verblüffend, mit welcher Leichtigkeit Tinnesz noch vier weitere scheinbar locker leicht aus dem Hut zaubert. Aber machen wir uns nichts vor, einen Song wie "Across the Map" hätten Coldplay, Keane oder Snow Patrol auch nicht besser hin bekommen und der ähnlich gestrickte Closer "Wandering Wolf" ist näher am theatralischen Pop von U2 gebaut, als sämtliche Bono-Solo-Features im letzten Jahrzehnt zusammen. Glücklicher Weise sieht sich Tinnesz aber immer noch mehr vom The National-Indie beeinflusst, als vom Britpop, weshalb alle fünf Songs - auch das imposant orchestral arrangierte "Strangers" - zumindest noch ihren Ursprung im Rock statt im Popschmalz finden.

Stream "Across the Map Single + 5 Remixes"

Freitag, Mai 1

Feverdreamt - Terban Te Ban



Band: Feverdreamt

Titel/Release: Terban Te Ban/Album (CD, Tape, Digital)

Label: Blackjack Illuminist Records

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Krautrock, Dreampop, Orientalische Folklore, Ambient

FFO: Secret Chiefs 3, Fantomas, Embryo

(Label-)Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud


Kurzinfo:

Bis auf die Wiesbadener Shoegaze-Post-Rocker Miumi, dominieren vor allem die eigenen Bandprojekte von Label-Chef Alexander Leonard Donat das Geschehen auf Blackjack Illuminist. Ob nun Dark-Ambient mit Flight Recorder oder Infravoids, Electro-Hardcore-Noise mit Jet Pilot oder Indie-Shoegaze mit Leonard Las Vegas - es wird nie langweilig auf dem Königs-Wusterhausener Label. Da sein letztes Release allerdings schon mehr als ein Jahr zurückliegt (sowohl label- als auch bandtechnisch), war es nunmehr schon längst überfällig, noch einmal nachzulegen. Feverdreamt heißt sein neues Projekt, das sich labelgetreu und grob überschlagen in mäandernden Dreampop verliert, diesmal allerdings einem orientalischem Einfluss unterliegt. So eröffnet der fast schon operettenhafte Titeltrack den betörenden Reigen zwischen Wahn und Realität, während der zehn-minütige Closer "Antrebax Nox" fortlaufend immer tiefer in fiebrige und schwüle Esoterik entgleitet. Feverdreamt auf einen vergleichbaren Konsens zu bringen, ist schlichtweg unmöglich. Weitgehendst spiegelt sich hier die gleiche Originalverliebtheit wider, wie sie ein Mike Patton, Trey Spruance, Trevor Dunn oder gar Charming Hostess phasenweise an den Tag legten. Wer mit diesen Künstlern bereits seine Erfahrungen gemacht hat, weiß, dass man mit jeglichen Überraschungen rechnen muss.







Donnerstag, März 19

Yuri Member - Do LP



Band: Yuri Member

Titel/Release: Do/Album (Vinyl, Digital)

Label: Ikarus Records

Erscheinungsjahr: 2013

Genre: Indie, Indie-Pop, Folk, Experimental

FFO: Connan Mockasin, Hide a Well, Matt Pryor

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Myspace\\//Soundcloud



Kurzinfo:

Als Sänger und Gitarrist der Band Gabardine hat sich Manfred Hirt einen Stammplatz in der Züricher Indieszene erspielt. Das Ende der Band im Jahr 2009 nutzte Hirt quasi für einen musikalischen Neuanfang. Die Gitarre einfach so an den Nagel zu hängen, war keine Option. Zu viele Ideen haben sich mit der Zeit in seinen Kopf eingenistet, die in seinem fast nahtlos anknüpfenden Solo-Projekt Yuri Member ihre Formvollendung finden sollten. Dem Indie-Rock bleibt er dabei weitgehendst treu, flirtet natürlich - wie es sich für ein Ein-Mann-Projekt nunmal gehört - auch mit dem Singer/Songwriter-Folk, aber auch untypischen Genres wie Psychedelic, Surf- und Lo-Fi-Rock und Electro. Das klingt nach viel gewollt und übertriebener Experimentierfreude. Warum auch nicht?! Nach fast 17 Jahren ist Hirt endlich sein eigener Herr und kann schließlich tun und lassen was er will. Macht er auch. Auf seinen ersten Longplayer "Do" muss das allerdings nicht immer in treibende Melodienummern oder träumerischer Melancholie münden. Klar, wenn er gut aufgelegt ist, reichen die Referenzen von Sonic Youth, über Modest Mouse, bis hin zu den Flaming Lips, was für ein Solo-Projekt schon eine außerordentliche, als auch ungewöhnliche Leistung ist. Vor allem aber in der zweiten Hälfte des Albums, verliert sich Hirt vielleicht ein paar mal zu viel im Experiment. Ich bin da natürlich der Letzte, der die Freigeistlichkeit eines Künstlers kritisieren würde. Die Kluft zwischen den schön klingenden und willkürlich ausufernden und mäandernden Songs allerdings, ist schon ziemlich groß.

DL Do LP




Dienstag, November 4

Hollywood Trash Vol.3

Michael Cera



Fan- und Fake-Accounts rankeln sich um seinen Namen, wie Efeu um die blassen Gemäuer des Lindauer Diebsturms. Es ist also gar nicht mal so leicht, dem Kanadier Michael Cera auf den Versen zu bleiben. Gut, dass wenigstens sein Schauspielerkollege und BFF, Jonah Hill, den smarten Komödianten im Auge behält und vor einigen Monaten via Twitter auf dessen Solo-Debüt-Album "True That" aufmerksam machte. Das Album umfasst 18 Songs und bietet - nunja - alles andere, als den befürchteten Hollywood-Bombast. Sicher, Stars wie Johnny Depp, Scarlett Johansson und vor allem der William-Shatner-Trash haben auch gezeigt, dass derartige Nebenbeschäftigungen nicht zwangsläufig im kitschigen Mainstream-Morast á la 30 Seconds to Mars versinken müssen. "True That" klingt selbst angesichts dieser Vergleiche noch recht unkonventionell. Das Intro "uhohtrouble" zirpt und knarzt sich durch Neofolk, während das folgende "Moving In" mit einem verzerrt klimpernden Piano durch die Prärie hetzt und letztendlich im Saloon landet. Zwei Songs, die nicht nur hinsichtlich des spartanischen Covers noch eher an Homerecording-Experimente erinnern. Doch spätestens mit dem Blaze-Foley-Cover "Clay Pigeons" beweist Cera nicht nur einen treffsicheren Geschmack für amerikanischen Singer/Songwriter-Folk, sondern bügelt diesem auch ein zeitlos schönes Lo-Fi-Gewand über. "Steady Now", das ausdauernde "Ruth" und der Closer "Those Days" sind ähnlich harmonische und Seelen wärmende Ohrwürmer, die lediglich von dem jazzig vertrackten "What Gives (...)" und der etwas abgedrehten Liebeserklärung "ohNadine (...)" aus der Spur geworfen werden. In den übrigen, instrumentalen Songs dazwischen, lässt sich Cera teils frivol, teils bedächtig am Piano und der Gitarre aus oder experimentiert mit Electronicas.
Was nach einem Hördurchlauf noch immer die Skepsis hinsichtlich einer weiteren Fake-Meldung nachsichzieht, entpuppt sich tatsächlich als das Homerecord-Solo-Debüt eines der derzeit bestbezahlten Schauspieler Hollywoods. Und wer Michael Cera bislang auch abseits seiner Schauspielerei verfolgt hat, dem dürfte die Tatsache nicht neu sein, dass er nicht nur in diversen Gruppen wie The Long Goodbye aktiv war, sondern auch als Live-Bassist der Indie-Rock-Supergroup Mr. Heavenly und als Gitarrist und Background-Sänger auf Weezer's Album "Hurley" aushalf.

+++Last.fm+++

Stream & Buy Digitally "True That"


The Shining

Facebook//Bandcamp//Myspace//Last.fm
Wer kennt ihn nicht, den von Stanley Kubrick in Szene gesetzten Stephen-King-Klassiker "The Shining", in dem Hausmeister Jack Nicholson vor einsamer Geisterhotelkulisse dem Wahnsinn erliegt und seiner Familie nach dem Leben trachtet. Bis heute legendär: die Szene, in der Nicholson mit der Axt voraus durch die Toilettentür berstet und voher noch einen kurzen, irren Blick in den Raum wirft (Filmcover). Auch die niederländische Band The Shining hat hörbaren Spaß bei der Kleinholzverarbeitung. Das Quartett aus Amsterdam, das von einigen Line-Up-Wechseln nicht verschont blieb und deren Mitglieder u. A. bei The Works und Rupsband aktiv waren, wütet bereits seit 2001 und kann bislang auf zwei LP's, zwei 7inches und die genre-mäßig hohe, nur schwer überschaubare Anzahl von Split-Releases (min. sechs) zurückblicken. Darauf  tobten sich die vier wild, aber stets fett groovend - bis auf das selbstbetitelte Quasi-Debüt, das noch eher vom dreckigen Hardcore-Punk'n'Roll voran getrieben wurde - im Extreme- bzw. Trash-Metal aus, mit ordentlicher Punkkante und gelegentlichen Crossover-Ausflügen, was der Band anerkennende Referenzen wie D.R.I. (mit denen sie sich die Bühne teilten) und Attitude Adjustment (die sie coverten) einbrachten.
Für 2014 ist mit "The Infinite Reign of Madness" ihre dritte LP angekündigt (??), von der bereits vier Songs auf Bandcamp erschienen sind und deren Release eigentlich das japanische Label Crew For Life Records übernehmen sollte, auf dem auch The Shining's diesjährige Japan-Tour-Partner Crucial Section beheimatet sind.

DL Split w/ Crippled Fox -> A-Seite////B-Seite
DL Drinking Buddies-Split w/ Citizen Patrol -> A-Seite////B-Seite
DL Speed Kills, But Who's Dying?-3-Way-Split w/ Verbal Abuse & Scheisse Minelli -> A-Seite
DL Split w/ Lahar -> A-Seite
DL Split w/ Waking the Dead -> A-Seite

Buy Here, Here, Here, Here, Here, Here, Here & Here


Danny Trejo

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WOW! Was für ein fieses Brett, dass uns hier direkt aus dem Herzen des italienischen Undergrounds vor den Latz geknallt wird. Naja, eigentlich mehr aus der Oberschicht des Undergrounds, denn neben Hardcorekleinstbands wie Santa Banana, Discomfort, Undisputed Attitude, Tears Before, Inerdzia und Gonna Fall Hard, waren die sechs Venezianer auch schon in den wesentlich bekannteren Ska- und Street-Punk-Gruppen Talco und Los Fastidos aktiv. Als Danny Trejo, benannt nach dem ewigen Schützling von Kultregisseur Robert Rodriguez, der selbigen Status nicht nur zuletzt durch seine Rolle als "Machete" erlangte, sind die sechs Italiener nun seit 2011 aktiv, debütierten 2012 mit ihrer selbstbetitelten EP, der zwei Jahre später nun mit "Human Extinction" der erste Longplayer folgt. Die Entleihung des Namens kam nicht von ungefähr, denn ähnlich wie ihr mexikanisches, schauspielerndes Pendant metzelt sich die Band in ihren Songs durch pfeilschnellen, bissigen wie pissigen und trashigen Hardcore-Punk und Fastcore. Dass Danny Trejo mittlerweile den feuchten und rohen Proberaumklang hinter sich gelassen haben und stattdessen für die Aufnahmen lieber das Studio besuchen, ist kein (Punk-)Verrat, sondern angesichts der immer wieder im Hintergrund aufheulenden, wirbelnden und treibenden Rockgitarren fast schon eine Notwendigkeit. Denn neben fiesem Nonstop-Gekleffe, bietet "Human Extinction" vor allem groovige Melodien, nachzuhören in Songs wie "Breaking Point", "Among Wolves", "Agency", "No Thanks" oder dem absolut freidrehendem "Memories vs. Goals". Ich kann's nur noch mal wiederholen: WOW!!

DL Human Extinction LP

DL Self Titled EP

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Roseanne Barrr

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Roseanne Barr, ihres Zeichens Stand-Up-Komikerin und ehemaliger US-Serien-Star, die in der jüngeren Vergangenheit vor allem durch ihr politisches Engagement in Erscheinung trat und sich als Kandidatin der links-gerichteten Partei Peace and Freedom u. A. für die Legalisierung von Marihuana und für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen stark machte. Kein Wunder also, dass das Londoner Queer-Duo Roseanne Barrr ausgerechnet auf diesen Namen zurückgreift. Hinter der Band verbergen sich Bassist Patrick und Schlagzeugerin Sophie, die auch bei den nicht weniger fordernden Improvisations-Punks Woolf mitmischt. Was beide gemeinsam auf ihrem zweiten Longplayer "Repulsion" veranstalten, entzieht sich zunächst jeglicher Allgemeindefinition. Punk, Grunge, Avantgarde und No-Wave sind nur einige Bausteine, die im größtenteils improvisierten Klangkonstrukt des Duos verarbeitet werden. Sicherlich, wer sich in dieser (musikalischen) Szene herumtreibt, hat schon so einiges mitangehört, vielleicht sogar -erlebt. Für Diejenigen dürfte der nihilistische Grundgedanke der Songs, der von Gewalt, Exzesse, Sex und Mord so ziemlich jedes Tabu-Thema abdeckt, auch keine all zu große Hürde darstellen. Musikalisch braucht es da aber schon ein dickeres Fell. "Thief's Journal" ist trotz nervenstrapazierendem Duett-Gesangs-/Geschreie der zugänglichste Song der LP. Bereits das darauffolgende "Feed Me" erinnert dagegen am wahnsinnigen Punktrash anfänglicher Melt Banana, das düster-monumentale Bollwerk "Desert" paart manisches Getrommel mit einer verzerrt que(e)rschießenden Trompete und "Skinned Rabbit" kommt einem Mitschnitt aus dem Irrenhaus gleich. Unvergleichlich, daher auch keine Empfehlung meinerseits. Einfach anhören und selbst entscheiden.

DL Dumb Broad LP
DL Repulsion: Extras
DL Live at Lambeth Womens Projekt

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Montag, September 1

Danijel Zambo - Samsara



Auf seinem vierten Solo-Album "Samsara" widmet sich der Augsburger Gitarrist und Songschreiber Danijel Zambo dem immerwährenden und leidvollen Zyklus des Seins.
Ein Freund vieler Worte war er ja nie, dieser Danijel Zambo. Die instrumental konstruierten und improvisierten Stücke seiner bisherigen Veröffentlichungen sollten stattdessen lieber für sich selbst sprechen, ganz gleich, ob sich diese nun im abstrakten und cineastischen Electro-Soundtrack der ersten beiden Alben wiederfanden, im naturverbundenen Neo-Folk des Dritten und dem weiterführenden Gedanken seines spirituellen Nebenprojektes Walden, oder im atmosphärischen, melancholischen Doom Metal von derailed. Zambo selbst gibt mit den Album- und Songtiteln lediglich einen groben Rahmen vor, in dem sich die Hörer_innen gedanklich verlieren und fallen lassen können, vorausgesetzt, sie stehen derartiger Musik vorbehaltslos und mit der notwendigen Geduld gegenüber.
"Samsara" ist projektübergreifend nun sein neuntes Solo-Release innerhalb der letzten sechs Jahre, was statistisch gesehen eigentlich im Kontrast zum bescheidenen Lebensstil des Augsburgers steht. Eigentlich...ja, eigentlich wollte er sich mit der Veröffentlichung von "Samsara" auch noch Zeit lassen, bis Zambo schließlich auf die, mit einem iPhone aufgenommenen, Spenden-EP "Lost in Indigo" der Post-Rock/Metal-Ein-Mann-Band Černá aufmerksam wurde, mit der die Familie der im Oktober letzten Jahres ins Koma gefallenen Annika unterstützt werden soll. Und da Zambo die neuen Songs sowieso schon so gut wie fertig gestellt hatte, schließ er sich kurzerhand dem gutherzigen Vorhaben seines amerikanischen Kollegen an.
"Samsara" entpuppt sich deshalb keineswegs als Schnellschuss, stattdessen vielmehr als das experimentierfreudigste Album seiner Post-Electro-Ära. Der Opener "Soulshaker" knarzt sich beharrlich und mit Schulterblick in Richtung des Vorgängeralbums in die Herzen der DIY-Fraktion. Ein Song, der vielleicht auch am deutlichsten zeigt, dass Zambo mit seiner Musik nicht nach Perfektion streben will und sich für die Aufnahme und Nachbereitung noch immer viel lieber in die eigenen vier Wände zurückzieht, als diese in ein Tonstudio zu verlagern. Kleine Fehler bleiben somit Bestandteil eines warmen und insgesamt natürlichen Klangbildes. Auf dieser Basis zeigt sich "Samsara" nun etwas verspielter als seine Vorgänger. Gleich das darauffolgende und treffend betitelte "Feel Good" entführt mit einer sich immer weiter öffnenden E-Gitarre in akrophobische Höhen, der Schluszsong "Fragile" steht seinem Titel ebenso in Nichts nach und plänkelt nach einem morbiden Piano-Intro hauch-zart und zerbrechlich dem Ende entgegen. Generell lassen sich Songs wie der unwohlig verhallte Titeltrack, das neugierig pluckernde "Far Away" und das orientalische "Fire" gezielt herausfiltern. Während "The World is Too Loud" größtenteils von einer durchzogenen Grundstimmung lebte, sind die zehn Songs auf "Samsara" ein zwar ebenso ineinander greifender Reigen, der diesmal allerdings von der Wechselwirkung zwischen ihnen zusammen gehalten wird und somit einem vollkommen anderen Konzept unterliegen.







Mittwoch, August 27

Root Juice - Bucket Brigade



Für das zweite Album seiner Band rekrutierte Adam Keil eine wahnwitzige Kapelle. Und - sieh an, was man aus Folk so alles machen kann.
Je tiefer man gräbt, desto mehr schleicht sich der Verdacht ein, Lowell im US-Bundesstaat Massachusetts ist der Nabel des D.I.Y-Folks. Klar, ein großflächiges Netzwerk kann nur mit Hilfe vieler uneigennütziger Mitstreiter gesponnen werden. Wer sich einen ersten Überblick verschaffen will, schaut am besten zuerst beim Nice-Bass-Kollektiv (Free Downloads HERE) vorbei oder stellt die Autoradiofrequenz auf 91,5 FM um, dem städtischen Underground-Radio WUML, wobei im Rahmen der April Fools Show im vergangenen Jahr prominente "Gäste" wie The Strokes, The Kooks oder Taylor Swift (unbedingt mal beim Hit "Trouble" reinhören!) ihr massenfreundliches Antlitz verloren.
Auch die fünf, meistens sechs Mitglieder der Folk-Kapelle Root Juice trafen sich bereits zuvor in anderen Gruppen wie beispielsweise Durt Dog the Band, oder griffen Anderen aufnahme- und produktionstechnisch unter die Arme (u. A. Speed Trials, Little Corey). Das selbstbetitelte Debüt-Album friemelte Sänger und Multiinstrumentalist Adam Keil noch fast im Alleingang zusammen und bestellte sich Fiedler Dylan Smith sowie seine heutigen Bandkollegen, Posaunist Graham Clancy und Artworker Dave Garcia, lediglich als Gäste zu sich ins Studio.
Das zweite Album "Bucket Brigade" versprüht nun wesentlich mehr Straßen- als Studioflair, was vor allem an der äußerst frenetischen Holz- und Blechbläsersektion liegt. Das hat weniger mit beschwipsten Folk Rock zu tun, als das es vielmehr einer bedachten Improvisationssession gleicht, in der die Grenzen zwischen Brass, Jazz, Blues und Humppa marginal verschwimmen. Dennoch - oder glücklicherweise - bleiben die grundlegenden Songstrukturen weitgehendst erkennbar, sodass, ähnlich wie bei den Weirdo-Folk-Rockern Man Man, auch immer wieder verträumte, schwermütige, ausgelassene und vor allem tanzbare Melodien zum Vorschein kommen. Letztendlich muss man sich nur damit arrangieren können, dass der Freigeist im Nacken stets mittanzt.



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DL Bucket Brigade

Montag, August 11

Jon Kohen - The Heart of the Machine EP



Ein Amerikaner, der auf seinem Debüt fernöstliche Rootsmusik und amerikanisches Singer/Songwritertum unter einen Hut zaubert.
Das klingt zunächst einmal nach einem großen Vorhaben und viel Selbstbewusstsein, schließlich kann man sein Debüt auch wesentlich einfacher gestalten, von dem Vergleich zu der vielleicht letzt verbliebenen Folk-Rock-Legende, seinem mit C geschriebenen Namensvetter, ganz abgesehen. Auf diesen Vergleich will es Jon Kohen aber auch gar nicht drauf ankommen lassen. Der junge Singer/Songwriter aus Lowell, MA fand seine Inspiration vielmehr in Elliot Smith, insbesondere im Song "Angeles", der mit seiner sanft dronigen Untermalung maßgeblichen Einfluss auf "The Heart of the Machine" ausüben sollte. Auf seiner EP führt Kohen die Grundidee zu Smith's mystisch angehauchten (Soundtrack)-Song nicht nur konsequent weiter fort, sondern verlagert diese mit geloopten Darbuka-, Tombak- und Tablarhythmen in andere Sphären. So verlieren sich das unwohlige "Melatonin", das zu Beginn einen dynamischen Kamelglockentakt vorlegt, und das immer tiefer versinkende "Your New Name (Phoenix)", trotz düsterer Synthesizer nicht vollkommen in vernebelter Melancholie. In "A Light" und "Dusk" wurde die Grundstimmung gar mit einer Tibetischen Klangschale aufgehellt. Viel Aufwand, der durch den Mix seines Speed-Trials-Kollegen Kevin Dwyer und dem professionellen Mastering von Grammy-Gewinner Toby Mountain (Northeastern Digital) in ein mehr als solides Gesamtpaket verpackt wurde. Dass "The Heart of the Machine" darüber hinaus nicht nur das musikalische Bindeglied dreier Kontinente darstellt, sondern auch der 2005 verstorbenen USIP-Mitarbeiterin Olympia Diniak gewidmet ist, spiegelt den vereinenden Grundgedanken der EP wider.
Für den kostenlosen EardrumsPop-Sampler "Between Two Waves - The Second Wave Vol. C" (Free Download Here) verschmolz Kohen für den Song "You Always Find a Way" mit der Psychedelic-Folk-Band Warped Forest



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Stream & Buy Digitally "The Heart of the Machine" EP

Freitag, Mai 23

Her Name Is Calla - Live at St. Pancras Old Church



Es kommt nicht oft vor, dass ich vor einer Schreibblockade sitze. Nicht etwa, weil sich Her Name Is Calla qualitativ oder dermaßen außergewöhnlich von den anderen hier vorgestellten Bands absetzen. Beides kann man der englischen Band sicherlich attestieren, was aber nicht so ganz fair wäre, da diese mittlerweile in einer ganz anderen Liga spielen. Der Grund liegt vielmehr darin, weil bis dato so ziemlich jede renomierte Kultur- und Musikzeitschrift die Band mit tonnenweise Lobeshymnen überschüttete und jedes nur erdenkliche Detail zum Vorschein brachte, sodass mir schlichtweg die Worte fehlen. Mal davon abgesehen, dass HNIC sowieso nicht mehr auf den Support eines neurotischen Bloggers angewiesen sind.
Der Grund, warum ich es trotzdem tue, ist nicht etwa die Veröffentlichung ihres dritten Studioalbums "Navigator", das ich euch natürlich trotzdem wärmstens empfehle, worüber ihr euch aber in vielen anderen Ecken des Internets (z. B. HIER) belesen könnt. In unmittelbaren Zusammenhang mit diesem, veröffentlichten HNIC fast zeitgleich einen Live-Mitschnitt ihrer Record-Release-Show am 25. April in der Londoner St. Pancras Old Church, eine von englischen Künstlergrößen (zuletzt Greg Holden, James Blake, Saint Saviours und Loney Dear) immer wieder gern heimgesuchten Konzertlokalität.
Gleich zu Beginn ihrer Vorstellung, erbricht sich das Quartett mit dem 17-minütigem Song "Condor and River" (original auf der gleichnamigen, homerecordeten Single-CDr erschienen und später erneut auf ihrem zweiten Album "The Quiet Lamb") über die Hörerschaft, einem Epos zwischen Sehnsucht und Aufbruch, Melancholie und Aufruhr, Godspeed You! Black Emporer und Thee Silver Mt. Zion. "Meridian Arc", der erste von insgesamt vier Songs des neuen Albums (darunter auch das fast 12-minütige "Dreamlands", das bereits auf der "Maw EP" zu finden war), kommt da schon wesentlich kompakter daher und erinnert nicht nur zum Ende hin an den frenetischen Klassik-Folk-Rock früherer Arcade Fire. Mit "Burial", dem instrumentalen "Perfect Prime" und dem bereits bekannten "Thief", versetzt die Band die ohnehin schon stoischen Hörer in schwelgerischer Trance, während das besagte "Dreamlands" zwischendrin nochmal für eine Menge Wirbel sorgt.
Wie ihr seht, sind HNIC eine Band, die sich nur schwer in begrenzte Worte fassen und darüber hinaus auf einen gemeinsamen Nenner bringen lässt. Hört am besten selber rein. Auf Bandcamp, wo ihr euch das Konzert gleich noch kostenlos saugen könnt.

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DL Live at St. Pncras Old Church

More PWYW-Downloads:

DL Hideous Box EP
DL A Moment of Clarity EP
DL The Birds of Chernobyl Tour Single
DL This Room is Under Construction (12-min-Track)
DL Live at Denovali Swingfest 2010

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P.S.: Wer die Band bisher noch nicht auf dem Schirm hatte, hier noch einige Nebenprojekte der beteiligten Musiker. Manche gehen grob in die gleiche Richtung, andere nicht :).

Weiki: ->einige (kostenlose) Downloads HIER
The Monroe Transfer: ->einige (kostenlose) Downloads HIER
T.E. Morris: ->einige (kostenlose) Downloads HIER
Memory Wire: ->einige (kostenlose) Downloads HIER

Jahres-Sampler