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Freitag, Februar 22

Wiederhören: Stompin' Souls - ...And It's Looking A Lot Like Nothing At All



Es liegt sicher auch an der zeitgenössischen Überflutung gleichartiger Bands, dass einige tolle Genre-Vertreter schlichtweg in die Belanglosigkeit versunken sind. Was wurden meiner Zeit Mando Diao oder The Hives in den Indie-Discos und Radiostationen durch die Boxen gejagt und somit regelrecht totgenudelt. Doch warum, verdammt nochmal, habe ich da nie einen Song wie "Into The Firing Line" oder "Nothing Is Holy Now" von den Stompin' Souls gehört?! Ganz im Ernst: manchmal frage ich mich, ob mein Musikgeschmack wirklich so verkorkst ist. Wahrscheinlich würde ich als DJ auch immer bloß vor einer handvoll Anstandsgästen wie meinen Eltern auflegen. Ja, du kannst alles schaffen, wenn du nur daran glaubst. Ich glaube jedenfalls, dass Stompin' Souls mit ihrem Album "...And It's Looking A Lot Like Nothing At All" ein klasse Debüt abgeliefert haben, das sich hinter den vermeintlichen Größen keineswegs zu verstecken braucht. Energie-geladener Schweden-Pop trifft auf rotzigen Garage und vereint sich zu höchst infektiösen Moshpit-Gedränge. Und mit "Put Me On, Bring Me Out" hatten die fünf Schweden, von denen einige vorher bei der Ska-Kombo The Funpark Five mitmischten und andere mittlerweile Game-Soundtracks komponieren, sogar einen echten Hit hierzulande. Für mich eher einer der schlechteren Songs des Albums, wo wir aber wahrscheinlich wieder bei meinem verkorksten Musikgeschmack gelandet wären.
Ob es nun an der banal-beiläufigen Orgel liegt, dem mangelnden Durchhaltevermögen der Band (Album #3 wurde 2012 angekündigt aber nie veröffentlicht) oder doch an der starken Konkurrenz - Stompin' Souls hatten leider nie die Aufmerksamkeit erhalten, die sie meiner Meinung nach mit diesem Album verdient gehabt hätten.


Mittwoch, August 29

Wiederhören: Help She Can't Swim - Fashionista Super Dance Troupe



Zwar war das ehemalige Quintett Help She Can't Swim nicht sehr lange aktiv (um die vier Jahre), dafür umso produktiver. Zwei Alben und etliche EP's und Singles stehen der Band aus Southampton zu Buche. Ihr erstes "Fashionista Super Dance Troupe" hält neben den beiden Single-Auskopplungen "I Don't Need You" und "Bunty Vs Beano" noch neun weitere extrovertierte, keyboard-lastige Indie/Art-Rock-Perlen parat, die zwar heutzutage im Je-ausgefallener-desto-besser- oder Geht-nicht-gibt's-nicht-Konsens wohl eher - wenn überhaupt - belächelt werden würden, im Jahr 2004 allerdings für eine willkommene Abwechslung sorgten. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und behaupten, dass ihr Mix aus ungestümer Roughness und rockigen Sex-Appeal vielleicht auch Pate für später in Erscheinung getretene Bands wie Be Your Own Pet oder Pulled Apart By Horses stand.

>>>Myspace<<<


Samstag, Juni 16

Wiederhören: The Plot To Blow Up The Eiffel Tower - Love In The Fascist Brothel




Der Rocco hatte mich kürzlich zu einer "Poste 10 Tage lang ein Album für die Ewigkeit und nominiere dabei jeweils einen Freund, das gleiche zu tun"-Facebook-Aktion eingeladen, die ich allerdings aufgrund meiner kaum vorhandenen Facebook-Freunde ausschlagen musste. Tja, ich bin scheinbar so asozial, dass ich mir nicht mal falsche Freunde auf soziale Netzwerke leisten kann. Sei es drum. Hätte ich die Einladung angenommen, wäre das zweite und leider auch letzte Album "Love In The Fascist Brothel" von The Plot To Blow Up The Eiffel Tower wohl sicherlich dabei gewesen. Nicht etwa, weil sich darauf Punk-Hymnen en masse befinden. Es hat vielmehr einen nostalgischen Wert, weil mir die Band zur damaligen Zeit nicht nur die Tür zu einer eigenwilligen Musikergemeinde in San Diego öffnete, sondern vor allem auch zeigte, dass es so viel mehr gab als Mainstream-Punk. Zwar sind die ehemaligen Mitglieder mittlerweile in wesentlich zugänglicheren Kombos unterwegs (u. A. Crocodiles, Psychic Dancehall, Haunted Hearts, Wavves). Mit TPTBUTET hatten sie für mich damals aber ein Tabu gebrochen, indem sie einen Genre-Mix kreierten, der sich mir jeglicher Vergleiche entzog. Heute, einige hundert Bands abgestumpfter, würde ich es schlicht als jazzigen Math-Garage-Trash-Punk bezeichnen. 
Dennoch: bis jetzt ist mir keine annähernd artverwandte Band unter die Ohren gekommen. Für Tipps wäre ich aber sehr dankbar.

>>>Myspace<<<


Sonntag, Oktober 1

Wiederhören: JEFF The Brotherhood - We Are The Champions



Allein des schlichten Covers und des noch schlechteren Albumtitels wegen, hätte ich wohl niemals in das dritte Studioalbum (lässt man die früheren Split-Tapes und CDr-Releases als JEFF mal außen vor) der Orrall-Gebrüder reingehört. Was wäre mir da entgangen! Oberflächlich betrachtet sicherlich nativer Psychedelic-Grunge, der seine musikalischen Wurzeln in den anfänglichen 90ern versteht und seine naturverbundene, mystisch-spirituelle Inspiration wohl noch wesentlich weiter zurück vergraben sieht. Nicht nur, dass die beiden Jungs aus Nashville, Tennessee auf "We Are The Champions" eine locker in der Hüfte sitzende Melodie nach der Anderen aus dem Ärmel schütteln. Songs wie "Bummer", "Wastoid Girl", "Stay Up Late", "Mellow Out" oder "Cool Out" könnten auch der spaß-bringenden Kreativfeder von Weezer oder Dinosaur Jr. entsprungen sein. JEFF The Brotherhood verstehen es auf "We Are The Champions" aber vielleicht besser als auf jedem anderen ihrer bisherigen sieben Alben (der Vorgänger "Heavy Days" kommt vielleicht noch heran), ihre treibenden Melodien in einer ungezwungenen und nostalgischen Atmosphäre einzubetten. Auch der orgelnde "Shredder", das 90er-Indie-liebäugelnde "Diamond Ways", das psychedelisch-verspulte "Endless Fire", das in Trance versetzende "Health and Strenght" und vor allem der grandiose Opener "Hey Friends", werfen einen/eine zurück in die Zeit, in der vieles einfacher, unbekümmerter und vor allem selbstverständlicher schien. So, müsste ich also alle Songs des Albums angesprochen haben...ach ja, "Ripper" ist auch noch drauf.

Und nur mal am Rande: die beiden (Jake Orrall, u. A. bei Breast Message, Skyblazer & Jamin Orrall, ehemals bei Be Your Own Pet, Denney And The Jets; beide leiten auch das Label Infinity Cat) machen das allein unter sich aus, zumeist lediglich mit Gitarre, Schlagzeug und Gesang.


Buy Here & Here


Samstag, August 19

Wiederhören: Hella - There's No 666 In Outer Space



Ihre ungeraden Math-Rhythmen, bizarren Sprünge und progressiven Windungen, das hyper-aktive Schlagzeug von Tentakel-Mann Zach Hill  - Hella waren schon immer eine Nischenband zwischen Faszination und Wahnsinn. Klar, phasenweise recht interessant, technisch beeindruckend und fernab der üblichen Hörgewohnheiten. Aber auf fünf Albenlängen und dazu noch rein instrumental? Das zerrte gewaltig und machte jede Ohrmuschel irgendwann porös.
Für ihr 6. Album "There's No 666 In Outer Space" lud sich das amerikanische Duo daher ordentlich Rückendeckung zu sich ins Studio ein. Mit dabei: Zach's Cousin Josh Hill (Gitarre), Bassist Carson McWhirter und mit Aaron Ross auch erstmalig einen Sänger. Die letzten beiden kannten Hill und Hella-Gitarrist Spencer Seim bereits aus vorangegangenen gemeinsamen Projekten wie Solos, Holy Smokes und The Advantage. Ein frivoles Name-Dropping und Band-Hopping, dass auf "There's No 666..." zu einem erstaunlich homogenen Resultat führte. Die Songs wurden voller, bekamen ungeahnte Strukturen und Konturen. Sogar die eingeschleusten Gäste Saxofon und Cello schafften es nicht, den ur-eigenen Wahnwitz zu überspitzen. Schnell keimten Vergleiche zu den Progressive-Göttern The Mars Volta auf. Zu Recht, denn so komisch es klingt: greifbarer als auf diesem Album, klangen Hella noch nie und nie wieder.




Buy Here, Here & Here

Sonntag, Mai 15

Wiederhören: Weezer - Weezer (The Blue Album)



Es grenzt eigentlich schon an Blasphemie, Weezer's selbstbetiteltes blaues Album mittlerweile zum x-ten Mal als remasterte Vinyl-Version auf dem Markt zu bringen. Andererseits dürften die Originalscheibchen wohl nur noch schwer zu ergattern sein, bzw. von geldgierigen Privatverkäufern jenseits der Hundert-Euro-Marke feilgeboten werden. Schade, denn was Weezer für ihr Debüt-Album eindeutig nicht brauchen, ist ein angenehmerer oder klarerer Sound. Daher: wer die Gelegenheit hat, an ein un-remastertes Reissue zu gelangen, sollte schleunigst zugreifen.
Klar, seit jeher bringt mensch die vier Amerikaner nicht gerade mit DIY oder Proberaumästhetik in Verbindung, dafür haben sie selbst und auch die Plattenfirmen spätestens mit der Veröffentlichung des selbstbetitelten grünen Chart-Hit-Albums gesorgt. Dennoch sind es genau diese beiden Faktoren, erweitert um ein gesundes Maß an Experimentierfreudigkeit, die das blaue Album zum eigentlichen Schmuckstück der Band ausmachen.
Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie das wohl auf einen ihrer ersten Konzerte gewesen sein muss: vier nerdige Collegeboys, die ganz trocken einen noch unbekannten Smash-Hit wie "My Name is Jonas" raushauen und dann auch noch so ein altbackenes Ding von Mundharmonika in dem Song unterbringen, ohne zu ahnen, dass man gerade Teil der Geburtsstunde einer lebenden Legende ist. Ja, ich bezeichne Weezer als lebende Legende, weil sie trotz oder gerade wegen der späteren mainstreamigen Allüren wohl in den meisten Regionen der Welt bekannt sind und mit ihrer simplen Zusammenführung von Alternative und Pop-Punk wohl auch eine gewisse Vorreiterrolle innetragen. Vielleicht auch deshalb, weil sich derartig nachempfundene Musik zumeist in der Pop-kulturellen Gesellschaft abspielt und protzig mit einem dementsprechenden Budget hausieren gehen kann, bin ich so fasziniert vom blauen Album, das vor allem durch die analoge Direktheit besticht. Natürlich finden sich mit dem eingangs erwähnten "My Name is Jonas", "Undone - The Sweater Song", "Say It Ain't So" oder dem Über-Hit der Band, "Buddy Holly", genügend Chart-taugliches Material auf dem Album. Es sind aber vor allem die kleinen Details, die das blaue Album vom Rest der Kollegen und auch von der eigenen Diskografie abheben: z. B. das fragile Klaviergeklimpere am Ende vom "Sweater Song"; die Folk-Ausflüge im Opener und in "In the Garage"; die A cappella-Einlage in "Surf Wax America"; dieses schizophrene Stück "Holiday" mit unaufdringlicher Orgel, Hardcore-tauglichen Breakdowns und Slapstickeinlage; das frivole FreeStyle-Gejamme im epischen 8-Minüter "Only In Dreams".
Ich weiß nicht wie ich mich ausdrücken soll, aber für mich ist Weezer's Debüt ein unerreichter Meilenstein dieses Genres.

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Montag, April 18

Wiederhören: Mansun - Six



Im Vereinten Königreich scheint im musikalischen Sinne alles erlaubt zu sein, solange es nicht die Poptauglichkeit untergräbt. Die Rede ist vom Britpop, der seine Inspiration aus vergangenen Rock- und Pop-Größen wie The Beatles, The Rolling Stones und The Kinks zog und von Vertretern wie Oasis, Suede oder Radiohead in die Radiosender sämtlicher Kontinente getragen wurde.
Als Mansun 1997 mit ihrem Debüt-Album "Attack of the Grey Lantern" sogar die zu dieser Zeit als unantastbar geltenden Blur vom Chart-Thron stürzten und die Britpop-Hörerschaft zudem nach Veränderungen lechzte, schienen die Sterne für die vier Newcomer aus Chester gerade richtig zu stehen. Somit war es nicht verwunderlich, dass die Band nur anderthalb Jahre nach dem nationalen Erfolg ihres Debüts mit ihrem zweiten Album "Six" nachlegten. Und auch, wenn sich Mansun darauf zwar nicht um 180° drehten, zeigte es dennoch eine Band, die wesentlich mehr zu bieten hatte, als der verwöhnten Hörerschaft ohrumschmeichelnde Pop-Hymnen zu servieren. Doch spätestens als diese merkte, dass nicht nur an den für's Radio zurechtgeschnittenen Single-Auskopplungen zu "Negative", "Legacy", "Being a Girl" und "Six", sondern vor allem am gesamten Album ein konzeptionell-umfangreicher und ein für dieses Genre recht unkonventioneller Rattenschwanz hing, verflachte die Euphorie um die Band zunehmendst. Verdammt schade, denn Mansun hätten im monotonen Pop-Olymp durchaus etwas bewegen können, letztendlich war es dann aber vielleicht doch etwas zu viel Kreativität für den Mainstream und die Leute einfach noch nicht bereit dafür.
"Six" ist weder Rohkost noch Fast Food, sondern ein hübsch garnierter Eintopf, der einem nicht zwangsläufig schwer im Magen liegen muss. Es verlangt dem Hörer allerdings ein hohes Maß an Aufmerksamkeit ab und sollte nicht gierig verschlungen werden, sonst könnte mensch vielleicht schnell den Appetit daran verlieren. Das zeigt sich bereits beim Cover-Artwork, das statt der üblichen Bandposen viele Details immer wiederkehrender Albumthemen versteckt hält, wie Winnie Puuh, die Tardis oder der Dianetik. Vor allem aus Songs wie die o. g. Singles, hätten Britpop-Chartstürmer wie JJ72, Kaiser Chiefs oder Maximo Park sicherlich Nr.-1-Hits gemacht. Mansun hatten ohne Zweifel ein feines Gespür für massentaugliche Melodien, waren letztendlich aber nicht darum bedacht, die Albumseele zum Preis der gesellschaftlichen Homogenität zu verkaufen. Immer wieder entgleiten die Songs in psychedelische, progressive oder elektronisch-spacige Sphären, schlagen Haken oder setzen einen unerwarteten Break. Der tolle Opener "Six", das frivole aber hart betitelte "Shotgun" oder das Tschaikowsky aufsaugende "Fallout" klingen stellenweise gar wie unentschlossene Sprünge durch die Radiofrequenzen.
Ich will's mal so formulieren: wenn die Visions Biffy Clyro's "Infinity Land" zu einer "neuen Dimension des Emocores" erklären durfte, will ich mir mal anmaßen und behaupten, dass Mansun 1998 mit "Six" die Tür zu einer neuen Britpop-Dimension aufgestoßen haben.

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Donnerstag, März 10

Wiederhören: The pAper chAse - God Bless Your Black Heart



Es macht wohl wenig Sinn, auf den bereits 2010 angekündigten Nachfolger von "Someday This Could All Be Yours Vol.1" zu warten, zumal sich John Congleton derweil lieber mit seiner alten/neuen Band The Nighty Nite vergnügt (siehe neues Album "Until the Horror Goes"). Daher gilt es, eine der wohl außergewöhnlichsten Bands - und das im wort-wörtlichem Sinne - so gut wie möglich in Erinnerung zu behalten.
Das hier nun ausgerechnet "God Bless Your Black Heart", das dritte Studioalbum des Quartetts aus Dallas, steht, ist eigentlich nur nebensächlich. Egal ob "Now You Are One of Us", das sich mit Themen wie Geisteskrankheit, Kannibalismus und Zombiefilmen beschäftigt, oder auch das eingangs erwähnte "Someday This Could All Be Yours" (Thema: Naturkatastrophen): sämtliche Alben der Band stechen nicht nur inhaltlich aus der breiten Masse hervor. Congleton & Co. liefern auch musikalisch eine vollkommen eigene und undefinierbare Version des Indierocks ab und beweisen dabei nicht nur ein äußerst glückliches Händchen für einprägsame Melodien, sondern auch eins dafür, diese postwendend mit viel Disharmonie mutwillig zu zerstören. "Said the Spider to the Fly" und das folgende "One Day He Went Out for Milk and Never Came Back" in etwa, hätten über Jahre hinweg die Indie-Disco-Tanzbären beglücken können, wäre da nicht dieses vollkommen schizophrene Piano, das erst fragil klimpert und später manisch vor sich hin stampft oder die Violinen, die sich mehr in den Ohrknorpel sägen, als Süßholz raspeln.
the pAper chAse wollten aber irgendwie nie so richtig auf die große Bühne, was vielleicht auch ganz gut so war. Eine Band, die mensch eher zufällig entdeckt und sich dann wundert, warum mensch noch nie zuvor von ihr gehört hat.


Mittwoch, Februar 10

Wiederhören: Blink-182 - Enema of the State



Da wir ja ohnehin in der letzten Zeit schon so zuverlässig Posten, ist es vielleicht auch mal an der Zeit, eine neue Rubrik einzuführen. Hierbei will ich euch - nicht zwangsläufig vorstellen, denn die meisten Bands werden sicherlich den meisten Leuten ein Begriff sein - einige meiner persönlichen Lieblinge vorstellen, die mich bis in die Gegenwart verfolgt haben und immer für einen nostalgischen Flashback willkommen sind. Nennen wir es mal ganz banal "Wiederhören". Und welche Band könnte bei so einem banalen Rubriknamen wohl einen banaleren Einstieg liefern, als die banalen Blink-182?

Alt sind sie geworden und gediegen, manche würden vielleicht sogar von einem Reifeprozess sprechen. Aber ist es das, was Mensch von einer der berühmtesten und ehemals freakigsten Pop-Punk-Bands der Welt wirklich erwarten sollte? Als Blink im Sommer 2014 auf dem Highfield Festival den vermeintlichen Samstags-Headliner mimten, war vom einstigen Esprit der Band kaum bis gar nichts mehr zu verspüren. Ich will mir nicht anmaßen, zu behaupten, dass die Band mittlerweile nur noch ein Schatten ihrer Selbst ist. Aber vielleicht war es zu diesem Zeitpunkt ja auch schon beschlossene Sache, dass Tom DeLonge die Band bald verlassen würde. Es wäre wohl der perfekte Zeitpunkt gewesen, die Band möglichst ohne größeren Schaden endgültig zu Grabe zu tragen.

Mit ihrem dritten Studioalbum "Enema of the State" kehrten Blink 1999 im Mainstream-Olymp ein. Es war eine Zeit, in der pubertäre Teenieklamotten á la "American Pie" eine Ära begründeten - und Bands wie eben jene Blink, die den passenden, feucht-fröhlichen Soundtrack dazu ablieferten. Unbeschwerte Musik, zu der man sich nicht unnötig das Hirn zermatern musste. Musik, die konservative Konventionen mit gesellschaftlicher Antitüde entgegneten. Songs wie "Adam's Song", "What's My Age Again" und natürlich "All the Small Things" rotierten auch außerhalb der dreckigen Rockspelunken auf den Plattentellern, dröhnten aus jeder heruntergelassenen Autoscheibe, trieben die Nachbarn zur Weißglut, waren einfach in aller Munde und Ohren, und sollten auch heute noch fester Setlist-Bestandteil einer jeden vernünftigen 90er-Jahre-Party sein.

Glücklicher Zufall oder auch nicht: SRCVinyl ist gerade dabei, "Dude Ranch" und "Enema of the State" neu aufzulegen. Passt, da die ersten Vinylpressungen mittlerweile dem Kapitalismus zum Opfer gefallen sind (178,- EUR für eine Schallplatte?! Ich hoffe ein Hurricane verwüstet euren Plattenschrank!). Leider vorerst nur in Amerika, was zusätzlich nochmal einiges an Versand kostet. In FB-Gruppen wie CD & LP Börse oder Vinyl Preorder kann man sich diese mit Gleichgesinnten aber auch gerne teilen.



Jahres-Sampler