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Freitag, Juli 13

Yacht Communism - Demo



Kurzinfo:

Neue Underground-"Supergroup", die genau das macht, was mensch von ihr erwartet - überraschen. Am Mikro zeigt Svffer-Rohkehlchen Leonie, dass sie wesentlich mehr zu bieten hat, als ihre Stimmbänder zu schreddern. Fast schon betörend besingt sie den gesellschaftlichen Untergang, während ihr u. A. Andi (Henry Fonda) und Kristof (ex-Kids Explode & The Dropout Patrol) eine Melange aus hypnotisch-monotonem Post-Punk und Psychedelic mit kleinen Dub-Hüpfern darunter zaubern.


Band: Yacht Communism

Titel/Release: Demo/EP (Tape; Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Post-Punk, Noise-Rock, Psychedelic, Dub

FFO: Frau Duffner, Mindshaft, The Infinite Three, She Wears Black

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DL & Buy "Demo"

Buy Here

Sonntag, Mai 27

Riot In The Attic - Under The Sun EP



Kurzinfo:

Mensch darf sich vom ersten Song "Free The Sky" nicht täuschen lassen: auch auf ihrer zweiten EP "Under The Sun" entpuppen sich Riot In The Attic als wahre Retro-Veteranen. Vom Hard Rock á la Led Zeppelin ("Floating"), über die Metallica-Gedächtnisballade ("Men In Shades") bis hin zum Floyd'schen Psychedelic ("Don't Let Me Down"), räumen die drei Kölner alles ab, was ihnen auf ihrer Zeitreise durch die 70er/80er über den Weg läuft. Ein paar progressive Elementarteilchen aus dem Hier und Jetz sind aber trotzdem noch hängen geblieben.


Band: Riot In The Attic

Titel/Release: Under The Sun/EP (CD incl. "Lost & Found"-Songs as Bonustracks; Digital)

Label: Monkey Road Records

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Stoner, Metal, Psychedelic, Heavy Rock

FFO: Metallica, Led Zeppelin, Operators

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Stream & Buy "Under The Sun"



Sonntag, Oktober 22

Krautstomper - EP



Leute die Krautstomper hören, lesen wahrscheinlich eher die Babyblauen Seiten. Gut, jetzt sind sie eben im Tanzcafé gelandet, und musikalisch offenherzig wie wir nunmal sind, heißen wir sie hier herzlich willkommen.
Die drei befreundeten Musiker Adam, Dennis und Tim kennen sich schon eine ganze Weile. Klar, in der beheimateten brandenburgischen Einöde, wo die drei Jungs anfingen erste kleine Auftritte zu absolvieren, ist es wohl auch schwieriger, sich nicht über den Weg zu laufen.
Nach einem Demo folgte 2014 ihre "EP", abermals mit fünf Songs und knapp 24 Minuten Laufzeit. Doch was zumindest statistisch nach mathematischer Routine klingt, offenbart klangtechnisch so einige Veränderungen. "Embankment" ist vielleicht noch der einzig verbliebene Song, der nahtlos in das wild taktumherspringende und stellenweise wüste Demo integriert werden könnte. Die übrigen Songs breiten in ihren Längen von 2½ bis fast 7 Minuten einen fast schon psychedelischen Klangteppich aus, gewebt aus monotonen Loops und minimalistischen Effekten. "Potaten" mit seinen smooth-jazzigen Gitarrenzupfern und das sich progressiv-auftürmende "Oranje" stechen dabei sicherlich etwas heraus. Allerdings ist die "EP" nicht darauf ausgelegt, irgendwelche Höhepunkte auszumachen. Vielmehr bilden die fünf Songs ein atmosphärisches Gesamtkonstrukt, über dem auch immer ein Hauch von improvisierter Proberaumsession schwebt. Kein Wunder also, dass sich das mittlerweile in Berlin aufhältige Trio erst so richtig wohl fühlt, wenn sie sich die Bühne mit Prog-Rock- und RIO-Vertretern wie Medulla, Transpanda oder Alex's Hand teilen.
Anfang des Jahres konnte mensch die drei Musiker unter dem Namen Trio ton auch als musikalische Begleitung zum Theaterstück "Veits Tanz" erleben.



Band: Krautstomper

Titel/Release: EP/EP (CD, Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2014

Genre: Kraut, Instrumental, Progressive, Stoner, Psychedelic, Sludge

FFO: I Like Polish Beer, Rotor, Experimental Audio Damage & The Research Control Groop, Transpanda, Thursday Catharsis

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Stream & Buy "EP"



Sonntag, Oktober 1

Wiederhören: JEFF The Brotherhood - We Are The Champions



Allein des schlichten Covers und des noch schlechteren Albumtitels wegen, hätte ich wohl niemals in das dritte Studioalbum (lässt man die früheren Split-Tapes und CDr-Releases als JEFF mal außen vor) der Orrall-Gebrüder reingehört. Was wäre mir da entgangen! Oberflächlich betrachtet sicherlich nativer Psychedelic-Grunge, der seine musikalischen Wurzeln in den anfänglichen 90ern versteht und seine naturverbundene, mystisch-spirituelle Inspiration wohl noch wesentlich weiter zurück vergraben sieht. Nicht nur, dass die beiden Jungs aus Nashville, Tennessee auf "We Are The Champions" eine locker in der Hüfte sitzende Melodie nach der Anderen aus dem Ärmel schütteln. Songs wie "Bummer", "Wastoid Girl", "Stay Up Late", "Mellow Out" oder "Cool Out" könnten auch der spaß-bringenden Kreativfeder von Weezer oder Dinosaur Jr. entsprungen sein. JEFF The Brotherhood verstehen es auf "We Are The Champions" aber vielleicht besser als auf jedem anderen ihrer bisherigen sieben Alben (der Vorgänger "Heavy Days" kommt vielleicht noch heran), ihre treibenden Melodien in einer ungezwungenen und nostalgischen Atmosphäre einzubetten. Auch der orgelnde "Shredder", das 90er-Indie-liebäugelnde "Diamond Ways", das psychedelisch-verspulte "Endless Fire", das in Trance versetzende "Health and Strenght" und vor allem der grandiose Opener "Hey Friends", werfen einen/eine zurück in die Zeit, in der vieles einfacher, unbekümmerter und vor allem selbstverständlicher schien. So, müsste ich also alle Songs des Albums angesprochen haben...ach ja, "Ripper" ist auch noch drauf.

Und nur mal am Rande: die beiden (Jake Orrall, u. A. bei Breast Message, Skyblazer & Jamin Orrall, ehemals bei Be Your Own Pet, Denney And The Jets; beide leiten auch das Label Infinity Cat) machen das allein unter sich aus, zumeist lediglich mit Gitarre, Schlagzeug und Gesang.


Buy Here & Here


Donnerstag, August 18

Hollywood Trash Vol.6


FAMOUSxPERSON



Warum unnötig Zeit damit verschwenden, eine passende Berühmtheit zu suchen, um sie anschließend für den eigenen Bandnamen zu adaptieren, wenn es doch auch so funktioniert, wie im Falle des kalifornischen Duos FAMOUSxPERSON? Wir wissen ja schließlich, was uns erwartet, denn: ob's tatsächlich um Hardcore geht, siehst du, wenn ein X drin steht (Gerda-Weisheit #2). Auch an ihrer selbstbetitelten Debüt-EP, für deren sporadisches Cover die berühmte Person Suge Knight herhalten darf, wollen sich die zwei umtriebigen Veteranen aus der HUMBOLDTxCOUNTY-Szene (u. A. Komatose, IGNiT, Desenfreno, Lie Still, iMPLeMeNTO, Tortured Conscience, Utter Bastard, uvm.) gar nicht lange aufhalten. Neun Songs, sieben Minuten, und wahrscheinlich sind die beiden schon wieder damit beschäftigt, neue Combos zu gründen. Ist ja eigentlich auch alles gesagt, was Powerviolence- und Fastcore-Heads ansprechen dürfte. Knarzendes Bassgeschrammel, Trommelfeuer, räudige Growls und spastisches Gekeife. Dazu eine herrlich asoziale Attitüde, wie ich sie schon von unseren zwei Jungs von BATTRA// abfeierte.

FACExBOOK

DL S/T Demo



Neil Perry

Myspace\\//Last.fm
Keine Ahnung, ob sich die ehemalige Screamo-Band Neil Perry aus New Jersey nach dem australischen Star-Koch benannt hat (der gleichnamige Schlagzeuger einer populären Geschwister-Band dürfte wohl außer Frage stehen), aus der Band selbst trug jedenfalls keiner diesen Namen. 
Die vierköpfige Band existierte in den Jahren 1998 bis 2002 bzw. 2003 und brachte es auf vier EP's, fünf Splits und einem Compilation-Album, wovon derzeit nur ihre Split-EP mit den ebenfalls aufgelösten Screamoviolencern A Days Refrain auf offiziellen Weg gedownloaded werden kann. Einen (inoffiziellen) Gesamteindruck kann mensch sich übrigens HIER verschaffen. Folge-Projekte der Mitglieder waren und sind u. A. You and I, Joshua Fit for Battle, Welcome to the Plague Years und die weitaus bekannteren Hot Cross.
Zu hören gibt's Millenium-typischen Screamo, der mühelos den Spagat zwischen tollen Emo-Melodien und zerfahrenen Violence-Attacken packt und somit eine wunderbare Kombination aus Herzblut und Wut schafft. 


Buy Here



La Tumba de Nicolas Cage

Bandcamp\\//Soundcloud\\//Myspace
La Tumba de Nicolas Cage, was frei übersetzt soviel bedeutet wie "Das Grab von Nicolas Käfig", ist eine dreiköpfige Band aus dem spanischen Torrelavega, die seit dem Jahre 2010 aktiv ist und aus bereits szene-erfahrenen Mitgliedern besteht (u. A. OsoLuna, TheRoom). Mit dem Bandnamen könnte mensch eigentlich aufgeregten Post-Punk oder angeschrägten Indie verbinden, stattdessen liefert das Trio instrumentalen Post-Rock, der zu keiner Zeit eine Stimme vermissen lässt. Allein die vier Songs auf ihrer gemeinsamen Split-LP mit ihren autonomen Landsmännern Témpano (die sich auch eine Split-EP mit den Göttingern_innen von te:rs teilen) erweisen sich als äußerst abenteuerlich und begeben sich auf eine weitreichende Reise durch das schier unendliche Genre. Auf der Basis von sphärischen Soundscapes, ändern die Songs immer wieder die Richtung, brechen die schwelgerische Melancholie mit treibenden Riffs auf oder verlieren sich in spacige Höhen. Fans von Explosions in the Sky, God is an Astronaut und ASIWYFA könnten hier alle gemeinsam auf ihre Kosten kommen.

DL Split-LP w/ Témpano '\-_-/` A-Seite <-> B-Seite
DL Complete Split-LP
DL Demo

Buy Here, Here, Here, Here & Here


Harrison Fjord

Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Twitter\\//Youtube
Als bekennende Star-Wars-Fans ist es natürlich legitim, sich als Band nach einem der Hauptakteure der Weltraum-Saga zu benennen, in leicht abgewandelter Form versteht sich. Im Bezug auf ihre Musik hätte es "Pink Fjoyd" aber vielleicht besser getroffen. Egal, sie heißen Harrison Fjord und spielen jene Art von halluzinogenen Psychedelic, den ihr Idol wohl noch im Original miterleben dürfte.
Um den knallbunten und spacigen Trip auf "Puspa in Space", der Debüt-EP des Septetts aus Chandler, AZ, demnach stilecht genießen zu können, braucht es nicht mehr als eine Trompetenhose, eine volle Lockenmähne auf dem Kopf und unter den Achseln und ein paar Blotter.
Wer es weniger smooth, dafür umso abgedrehter mag, dem/der kann ich auch wärmstens The USA is a Monster ans Herz legen.




Jeff Bridges

JB Homepage\\//JB Facebook
Kein Fake, das hier ist der Dude himself. Wer Jeff Bridges bislang auch fernab seiner Schauspielkarriere Beachtung schenkte, dürfte vom musikalischen Treiben des gebürtigen Kaliforniers durchaus schon Wind bekommen haben. "Sleeping Tapes" ist bereits sein drittes Album, hinzu kommt noch das "Live"-Album mit seiner Tour-Band The Abiders.
"Sleeping Tapes" ist, wie der Titel bereits verrät, ein Gute-Nacht-Album. Fünfzehn Spoken-Word-Songs, untermalt mit sanften Pianoklängen, minimalistischen Drones, hauchzarten Electronicas und Naturgeräuschen, die von Keefus Ciancia (Unloved), u. A. für den Soundtrack von "True Detective" verantwortlich, zu einem ambienten Score zusammengeschustert wurden. Dazu brummelt uns Jeff's sonore und beharrliche Stimme sämtlichen Alltagsstress von der Seele. Anders als seine bisherigen Country-Alben, ist "Sleeping Tapes" ein therapeutisches Werk, ein Entspannungsalbum, das uns behutsam in den Schlaf wiegen soll. Und wenn Mensch sich darauf einlässt, kann das sicherlich auch wunderbar funktionieren.
Der Erlös aus den Downloads und den bereits restlos vergriffenen Tape- und Vinyl-Releases kommt übrigens komplett der amerikanischen Organisation No Kid Hungry zu Gute.




Freitag, Juli 15

Viaticum - Kosmikrock LP



Band: Viaticum

Titel/Release: Kosmikrock/Album (500x Double Black Vinyl, CD, Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2014

Genre: Space Rock, Post-Rock, Psychedelic, Progressive, Stoner

FFO: The Cosmic Dead, Dear John Letter, Spiral, Radar Men from the Moon

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Kurzinfo:

Einmal in der Schweiz festgefahren, kommt mensch nicht mehr so schnell davon. So ist das halt, wenn sich einem/einer eine vollkommen neue kulturelle Szene offenbart. Angefangen bei den progressive Folklern Soldat Hans, bin ich nun bei der nicht weniger anspruchsvollen Band Viaticum gelandet, in der sich beispielsweise Mitglieder von The Sunwashed Avenues und Insomnia Utopia tummeln. Und ich kann euch jetzt schon versprechen, dass da in den kommenden Wochen ab und an noch ein weiterer kurioser Nachbar auf unserem Blog auftauchen wird.
Ich weiß nicht, ob Viaticum vor den Arbeiten zu "Kosmikrock" bereits ihre Wegzehrung (lat. für Viacitum, siehe auch Sterbekommunion) zu sich genommen haben. Fakt ist, dass sich die Band mit ihrem zweiten Eigenrelease auf eine epische Reise durch Raum und Zeit begibt. Klar, dass sind "nur" 75 Minuten Spielzeit, verteilt auf acht Songs. Der Entstehungsprozess und vor allem die Gedanken, die mensch zu derartiger Musik entwickeln kann, sind darauf allerdings noch nicht angerechnet.
Dass das Quartett aus Winterthur sein Album ausgerechnet und fast schon labidar "Kosmikrock" betitelte, ergibt spätestens mit dem zweiten Track "Fat Heart" Sinn, ein Song, der sich soundflächig über altehrwürdigem Psychedelic und modernerem Space Rock ausbreitet. Es ist der Auftakt einer fortdauernden, futuristischen Retrospective, die keinesfalls darum bedacht ist, allzu sehr in der Vergangenheit zu versinken, denn das Präfix "Post-" schwingt nicht nur im "Rock"-Anteil des Albums mit. "Kosmikrock" stellt den/die Hörer/in aber nicht nur vor eine Geduldsprobe. Mit dem Opener "Colonize Me Gently" und "Entity" platzierte die Band auch zwei dynamisch-groovende Nummern zwischen Stoner und Heavy Rock, die auf das Nötigste reduziert sind. Im Kosmos von Viaticum bedeutet das aber immer noch eine Kompression auf mindestens fünf Minuten. Es sind auch die einzigen beiden Songs, in denen der Gesang mit den instrumentellen Parts ungefähr gleichgestellt ist. Die übrigen sechs bieten vor allem die Möglichkeit zum gedanklichen Ausstraffieren oder stiften etwas avantgardistische Unruhe wie am Ende von "Shittle-12 Hates People", in dem sich auch ein völlig kaputtes Saxofon (???) eingeschlichen hat, das sogar den Free-Jazz an seine Grenzen führt.

DL & BUY Kosmikrock LP



Freitag, März 25

Platte des Monats 03/2016: fire walk with me! - ...neither the fires of hell will guide us home



Band: fire walk with me!

Titel/Release: ...neither the fires of hell will guide us home/Album (Digital, Vinyl in Planung)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Post-Hardcore, Post-Rock, Post-Metal, Progressive, Psychedelic

FFO: Amenra, The Canyon Observer, SURHYSA, DRIFTOFF, Paulinchen Brennt

Links: Facebook\\//Myspace\\//Last.fm



Kurzinfo:

Hardcore und Post-Rock, eine schier unendlich-leidenschaftliche Beziehung, die vor allem im letzten Jahrzehnt im musikalischen Untergrund entflammte und bisweilen sogar in die großen Konzerthallen getragen wird. Was bei vielen Vertretern allerdings nur ein Teilkompromiss ihres experimentellen Sounds ist, hat die Regensburger Band fire walk with me! zu ihrem Konzept erklärt, mit einer Intensität, die so im Untergrund wohl nur selten anzutreffen ist. Heißt für euch moshenden Tanzbären für die nächsten 60 Minuten (!!!), die ihr erster Longplayer "...neither the fires of hell will guide us home" von euch abverlangt, gepflegt die Beine hochzulegen und aufmerksam zuzuhören. Abzappeln könnt ihr ja schließlich noch beim zweiten Hördurchlauf.
Das Regensburger Quartett mit ehemaliger Hen:ge- und aktueller The Bear's Lair-Beteiligung existiert bereits eine ganze Weile, veröffentlichte 2008 ihre Debüt-EP "Jenova" und teilte sich seither mit mehr oder weniger großen Bands wie ASIWYFA, White Hills, Dear John Letter und Maybeshewill die Bühne. Im Jahr 2015 und somit bei ihrem ersten Album angekommen, sind fwwm! allerdings noch immer auf der Suche nach einem Label, das der Band bei einem Vinyl-Release unter die Arme greift. Eine Schande, ganz ehrlich!
"...neither the fires..." ist ein Kleinod - ich weiß, ein Begriff, der hier viel zu oft fällt aber diesmal wieder haargenau passt - der Gefühlsschwankungen und darüber hinaus eine Art Medley der o. g. Referenz- und Support-Bands. Ob Sehnsucht, Melancholie, Spannung oder auch Wut - fwwm! verschmelzen alles zu einem stimmigen Soundtrack, der entgegen der namentlichen Assoziation ("Fire Walk With Me", der nicht ganz unumstrittene Auflösungsfilm zur "Twin Peaks"-Serie) zwar genauso viel Geduld einfordert, aber alles andere als verworren und abstrakt wirkt.
Abgesehen von der Piano-Schrei-Ballade "Orkus", könnte man dabei jeden der fünf übrigen Songs fast schon mit einem eigenen Beitrag versehen. Mit einer durchschnittlichen Spieldauer von zwölf Minuten, mäandern diese etappenweise durch schwelgerische Soundscapes und werden immer wieder durch aufgewühlte bis walzende Krach-Attacken aufgebrochen. Das ist auf einer derartigen Gesamtlänge durchaus schon eine penibel konstruierte Angelegenheit und erklärt vielleicht auch, warum sich die Band so lange für ihr zweites Release Zeit ließ. Auf "...neither the fires..." geht es nicht darum, möglichst viel in einem begrenzten Raum hineinzustopfen, geschweige denn, die Songs mutwillig zu überladen. fwwm! wollen eine eigene Atmosphäre kreieren, die sich zwischen trügerischer Stille und düsteren Stolpersteinen nie der Hoffnungslosigkeit unterwirft und stellenweise sogar von einem treibenden Groove voran getrieben wird. Eine höchst spannende wie hoch-explosive Mixtur.

DL ...neither the fires of hell will guide us home



Samstag, Juni 6

Virgin Suicide - Virgin Suicide LP



Band: Virgin Suicide

Titel/Release: Virgin Suicide/Album (CD, Vinyl, Digital)

Label: Nordic Music Society

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Britpop, Pop-Rock, Psychedelic

FFO: The Beatles, Dr. Dog

Links: Facebook\\//Soundcloud



Kurzinfo:

Vorweg: bis dato ist wohl kaum eine andere Band den Beatles so nah auf die Pelle gerückt, wie Virgin Suicide aus Kopenhagen, die Beatles mit eingeschlossen (die Punkles zählen nicht!). Die Marschrichtung steht somit also. Auf ihren Weg von LA bis Kopenhagen haben die fünf Dänen vor allem Einflüsse vom 60er-Britpop und Psychedelic aufgegabelt und beide in die rockigeren 80er verschleppt. Die Quintessenz ist locker-leichter Pop-Rock für Frohnaturen, der das Melodieselbstverständnis der Inselbewohner in sich trägt. The Raveonettes-Frontmann Sune Rose Wagner steht dafür schließlich mit seinem Namen.

Stream S/T Album


Freitag, Februar 27

Jessica93 - Rise LP



Band: Jessica93

Titel/Release: Rise/LP (1000x Black Vinyl, 1000x Digipak-CD, Digital)

Label: Music Fear Satan, Teenage Menopause Rds


Erscheinungsjahr: 2014

Genre: Alternative, Shoegaze, Psychedelic, Coldwave, Post-Punk

FFO: Godflesh, The Cure

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Kurzinfo:

New Wave, No Wave, Coldwave - irgenwas mit Wave. Und Punk. Post-Punk vielleicht. Psychedelic und Alternative Rock wollen auch noch mitmischen. Der Franzose Geoffroy Laporte, vor- und nebenher u. A. bei Bands wie C'est Pu Le Temps Gras, Mobylette Facile, Comité Défaite, Missfist, Trotski Nautique und Besoin Dead aktiv, macht es einem (nämlich dem Rezensenten) mit seinem Soloprojekt Jessica93 gar nicht mal so leicht, dem Kind einen passenden Namen zu geben. Auf seinem zweiten Album "Rise" schafft der von der französischen Presse geadelte Soundtüftler eine kalte und düstere Atmosphäre, ähnlich wie The Cure zu ihrer "Pornography"-Ära, wenngleich weniger tanzbar. Wer zu derartigem Trübsalgeblase tanzen kann, ist eh nicht ganz dicht. Lieber fallen lassen, versinken oder in sonstige Sphären abdriften.
Einige seiner vorherigen Releases gilt es übrigens traditionsgemäß über Et Mon Cul C'est Du Tofu? kostenlos zu saugen.

Stream "Rise"

Buy Here, Here, Here & Here

Samstag, November 22

Ruins of Krüger - s/t Tape



In ihren Reihen befinden sich Produzenten, Labelinhaber und Grafikdesigner, darüber hinaus fegten sie schon mit so komischen Gruppen wie Ze People og Korh, Kapitalspektakel/Systemgüter/+, Ilmatar & Kauko, Children of Love, Palais Ideal und Belgiaan Rrobots querbeet durch sämtliche Genres und hinterließen zumeist einen musikalischen Kauderwelsch. Kann sich all das nun auch auf ihre neue Band, die auf dem seltsamen Namen Ruins of Krüger hört, niederschlagen? Muss ja, ...
... denn die eingangs erwähnten Nebentätigkeiten der insgesamt fünf Bandmitglieder deuten in erster Linie daraufhin, dass hier eben nicht nur äußerst experimentierfreudige Musiker zu Werke gehen, sondern auch welche, die darum bemüht sind der/ihrer Musik einen künstlerischen Anspruch zu vermitteln. Bezogen auf die Musik der Berliner Band Ruins of Krüger bedeutet das ein Ausreizen des Erträglichen oder anders gesagt: Nervenfledderei. Das können die ersten drei Songs ihres selbstbetitelten Debüt-Tapes noch halbwegs unter dem Deckmantel einer senilen Post-Punk- oder No-Wave-Band verstecken. Spätestens jedoch bei dem vierten Song "Der Halbwaise", ein instrumentaler, knallbunter Psychotrip durch Surf-, Fuzz- und Mathrock, sollte das körpereigene Warnsystem anspringen. Wer hiermit bereits überfordert ist, kann sich die übrigen neun Songs getrost sparen. Kunst ist eben nicht immer ganz einfach und sicherlich auch Geschmacks- und Ansichtssache. Wer in Picasso ohnehin übermäßigen Weinkonsum hineininterpretiert, als avantgardistischen, abstrakten Kubismus oder bei Monet mehr Langeweile als Sehnsucht verspürt, für den ist "Ruins of Krüger" vielleicht einfach nur sinnloser Krach. Das Schöne an der Musik allerdings ist, dass mit den Texten und akustischen Reizen schon zwei Komponente vom Künstler vorgegeben werden, zu denen sich die Hörer_innen eigene Bilder im Kopf ausmalen können, beispielsweise eine wilde, verzerrte und bunte Achterbahnfahrt durch's LSD-Wunderland. Und wenn man die Ausdauer aufbringen kann, dann gilt es in den Songs von Ruins of Krüger eine Menge Details einzusammeln, wie im mathigen Weirdo-Rock vom fast neunminütigen "Monuments of Love", im psychedelisch ausufernden "Space" oder im fast schon progressiven "Futera". Klar, ein Song wie "Hakkebeil", der über fünf Minuten ein und die selbe Hook zu ein und dem selben Vers loopt, kostet schon einiges an Überwindung. Vielleicht interpretiere ich ja auch einfach bloß viel zu viel Unsinn hinein. Vielleicht sitzt ja gerade in diesem Moment am anderen Ende eine Band, die sich über einen sinnlos das Hirn zermaternden Rezensenten kaputt lacht. Vielleicht aber ist dieses streng limiterte Tape in zwanzig Jahren auch ein enorm begehrtes und rares Sammlerobjekt, so wie die Demotapes von Mr. Bungle es heute sind, die für ihren damaligen Jamaika-Metal anfangs auch noch belächelt wurden.



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Sonntag, September 7

Traktør - Traktør EP



In Sachen Stoner Rock ist Marburg mittlerweile kein schwarzer Fleck mehr auf der musikalischen Landkarte. Traktør leuchten das Spannungsfeld dieses Genres weiter aus.
Die Faustregel des Stoner Rocks ist eigentlich ganz simpel: finde ein fett groovendes Riff, setze es in Periode und spiele die Hörerschaft damit schwummrig. Der Rest wird sich schon irgendwie ergeben. Klar, dass muss man so erstmal hinbekommen und die Gefahr seine Vorbilder ungewollt zu Zitieren sitzt einem stets im Nacken. Glücklicherweise gibt es in der Rockmusik wohl kein toleranteres Genre als den Stoner Rock, in dem vor allem jüngere Bands unbeschwert und offen mit ihren Referenzen umgehen können. Kyuss, QOTSA, Colour Haze ... sind nur einige begründende und viel genannte Größen, die stets im retrospektiven Hall dieses Genres mitklingen. Auch Traktør klingt dieser Hall nach, nur, dass dem Marburger Trio darüber hinaus auch der Wille nach Abwechslung anzuhören ist. Im Opener "Don't Let It Die" ihrer selbstbetitelten Debüt-EP wird zu Beginn erstmal die Fuzzbox auf volle Pulle gedreht, ehe das eingangs erwähnte Stonerriff Stück für Stück in den Vordergrund rückt. Traktør wollen hieraus allerdings keine Partyhymne machen und bügeln den einsetzenden Gesang über einen smoothen Psychedelic-Part. Der zweite Song "Odd" kratzt und zerrt sich am doomenden Rock hinauf, hin zum aufwühlenden Finale. Und während sich das tonnenschwere, instrumentale "Kingdom of Stones" durch zähflüssigen Schlamm kämpft, entwickeln "Began a Journey" und "Beam" in ihren Überlängen zunehmendst mehr Spielfreude.
Letztendlich verstehen es Traktør, die Grenzen des Stoner Rocks nach allen erdenklichen Richtungen hin auszureizen. Nicht nur der hohe Fuzz-Rock-Anteil, sondern auch der Verzicht auf Ausflüge in den Classic Rock und der mehr auf Atmosphäre statt auf dicke Hose abzielende Aufbau der Songs, lässt die Band eher auf der großen Revival-Welle surfen, statt sang- und klanglos von ihr verschlungen zu werden.



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DL & BUY Limited Edition CD

Mittwoch, Juli 16

Gallon Drunk bedanken sich bei ihren Fans und verschenken eine epische Version ihres Songs "The Speed of Fear"



Gallon Drunk um Mastermind James Johnston (ex-Nick Cave & the Bad Seeds und -Faust) waren nie die Band für Zwischendurch. Zu tief- und abgründig sind ihre Songs, zu verspult und genreübergreifend, um sich für längerer Zeit auf der Playlist eines verknorzten Indie-DJ's halten zu können. Dabei passte ihr Quasi-Alternativerock nicht nur hervorragend in die 90er-Jahre, sondern vor allem in die nach Freigeistlichkeit verlangenden Gegenwart. Neunzehn Jahre und sechs Alben lang blieb die Londoner Band ihrem Stil treu, ehe sie sich nach einer längeren Pause im Jahr 2012 mit ihrem düstersten und bis dato vielleicht auch besten Album "The Roads Gets Darker From Here" zurückmeldeten, auf dem Gallon Drunk die zwischenzeitlichen Schicksalsschläge - darunter auch der tragische Tod ihres Bassisten Simon Wring - mit reichlich Whiskey in seelische Abgründe hinab spülten. Dass ihr siebtes Studioalbum gewissermaßen einen bedingten Neuanfang darstellen würde, war somit ebenso zu erwarten, wie die Tatsache, dass die Band mit ihrem neuen "The Soul of the Hour" einige Experimente wagen würde. Da sich hierzu aber Gott und die Welt schon zu Genüge ausgelassen haben, möchte ich an dieser Stelle lieber darauf hinweisen, dass Gallon Drunk gemeinsam mit ihrem neuen Label Clouds Hill Recordings einen Gratis-Download des Songs "The Speed of Fear" sponsern. Dabei handelt es sich um eine Live-Aufnahme ihres im vergangenen April absolvierten Auftrittes im Club Le Batolune, die im Gegensatz zur Albumversion auf mehr als die vierfache Länge (26 Minuten) gestreckt wurde. Getragen von einer hypnotisch psychedelischen Hookline, spielen sich Gallon Drunk in einen wahren Sinnesrausch, der abrupt von einem free-jazzigen Saxofon und anderen Instrumenten-Crashs ordentlich durchrüttelt oder von Johnstons hallenden Gesang zurück in die melodische Spur geführt wird. Alle andere, als ein kleiner und leicht verdaulicher Appetithappen.

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DL The Speed of Fear (Live in Honfleur)

Dienstag, April 1

Operators - Contact High LP



Lasst die Leute reden...z. B. über ihre alten Helden und das nichts mehr so ist, wie es früher einmal war. Oder über mehr oder weniger gelungene Reunions oder die Gruppen, die jene Größen am originalgetreusten Nacheifern können. Wer an ihrem grandiosen selbstbetitelten Debüt-Album bislang vorbeigeschrammt ist, der könnte zumindest durch eine ihrer schweißtreibenden Shows auf die Underground-Heroes von Operators gestoßen sein. Sich in diesem einen Namen zu erspielen, dürfte in der Tat nicht das leichtetse Unterfangen einer Band darstellen. Fakt allerdings ist, dass wohl kaum eine zweite Band (vielleicht sogar weltweit betrachtet) die altehrwürdige Orgel so gekonnt in Szene setzen kann, wie das Berliner Sextett, was sie nun auch erneut auf ihrem zweiten Album "Contact High" eindrucksvoll unter Beweis stellen. Wer noch immer der Meinung ist, dass Retro- mit kopierenden Rock gleichgestellt werden muss, dem werden wohl auch die Operators nicht weiterhelfen können. Nur soviel: was können denn die sechs Jungs dafür, dass sie nicht sechzig Jahre zuvor geboren sind? Eben! Sollte man jetzt also voreilig eine Band verurteilen, die sich für analoge Handarbeit statt digitalem Aufgeblähe entscheidet und den verblassten Classic Rock und die Orgel als treibende Rhythmusfraktion für sich wiederentdeckt hat? Eben, eben! Dass sich die Operators von derartigen Vorurteilen nicht sonderlich beeindrucken lassen, hört man ihnen jederzeit an. Die sind sich auch nicht zu schade dafür, auf ihrem Album-Cover gleichmal ein bisschen Werbung für ihre befreundeten Kollegen Neume, Satellite Beaver und Stonehenge (siehe Jackenpatches) zu betreiben. Eine Hand wäscht eben die andere, sei es die gemeinsame, vergangene Oktober-Tour mit erstgenannter oder die grobe musikalische Nähe zu letzterer.
Dennoch ruht sich "Contact High" nicht etwa stur auf den Lorbeeren seines Vorgängers aus. Operators feilen weiter an ihrem eigenen Sound, indem sie den Classic Rock ein Stück weit hinter sich lassen und stattdessen mehr mit dem Stoner Rock liebäugeln. Die Weichen dafür stellt gleich zu Beginn das tief groovende "Terra Ohm", das ab der Mitte mit äußerst spielfreudigen Gitarrensoli in die Breitbeinstellung übergeht. Das können nur Diejenigen so überzeugend rüberbringen, die auch mit dem dafür notwendigen Gebamsel ausgestattet sind. Und auch wenn ich der Band noch nicht so aufdringlich zwischen die Beine gestarrt habe, es klingt verdammt nochmal nach einem mächtigen Gebamsel! So wie auch die beiden folgenden Tracks "Bring Me the Spice" und "Tangerine", ehe sich die schnellere Nummer "Kiss of de Ath" etwas vom Riff distanziert und das ausdauernde "Arrows" sich widerspenstig zur Quasiballade mausert. Mit dem Schlusssong "Trip van Winkle" tobt sich die Band dann nochmal so richtig aus. Ein Song, der nach ausgelassener Jamsession zwischen Jahrmarkt und Zirkusmanege klingt und für meinen Teil mit dem Höhepunkt abschließt.

Mit "Contact High" sind Operators auf dem Jenaer Independent-Rock'n'Roll-Label Fuzzmatazz Records gelandet, dass das Album auf schwarzes und limitiertes orangefarbenes Vinyl (inkl. DLC) presste.



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Hörproben HIER & HIER


Donnerstag, Februar 13

Die ignorierte Art spielt Das Pferd



Entscheidet sich eine Band dazu, die Musik als Spielwiese der künstlerischen Freiheit auszuleben, dann läuft sie automatisch die Gefahr, unbemerkt am großen Publikum vorbeizuziehen. Gruppen wie Pendikel, Blumfeld oder Messer, die allesamt als Konsens im Sound von Die ignorierte Art mitschwingen, haben es immerhin geschafft, den Geheimtippstatus zu überwinden. Die ignorierte Art, deren Bassist Daniel sich nebenher noch bei der avantgardistischen Indie-Pop-Band Tending to Huey (PWYW-Download der EP "Apple Core") austobt und Sänger Benjamin mit Zikade (Free Download einiger Songs HIER) ein unverkennbares Solo-Projekt am Laufen hat, legten Ende letzten Jahres nach langwierigen Prozess nun endlich ihre Debüt-EP vor - als Spendendownload und als D.I.Y.-Digipak-CDr. Dass die vier beteiligten Musiker in vier verschiedenen Bundesländern beheimatet sind, stellt dabei sowohl einen Vor- als auch Nachteil dar. Zum einen dürften solch ausgeklügelte Songs nicht innerhalb von nur wenigen gemeinsamen Sitzungen entstehen. Andererseits kann jedes Bandmitglied seine eigenen, aus der jeweiligen Region, bezogenen Einflüsse mit einbringen.
Auf "Das Pferd" erstrecken sich fünf Songs auf eine Spielzeit von dreißig Minuten, was schonmal vorweg nimmt, dass hier die Quantität nicht an oberster Stelle steht. Die Songs fordern und sind sicher nicht dazu bestimmt, eine gemütliche Couchrunde in eine ausgelassene Party zu verwandeln. Wenn Sänger Benjamin Drees im Opener "Altbekannt" mit verruchter Stimme die ersten Verse einer schüchternen Akustikklampfe aufzwingt, weckt das im ersten Moment Lagerfeuerromantik. Spätestens jedoch mit dem Einsatz psychedelischer Gitarrenläufe verschwimmen die Songs zu nebligen Kleinods, in deren Schimmer immer wieder Indie-Silhouetten auftauchen und wieder gemächlich in den Hintergrund abtreten. Und wer nach vier Songs meint, das Bandkonzept durchschaut zu haben, der darf sich mit dem 12-minütigen letzten Song "Stille Stadt" nochmal eines besseren belehren lassen, in dem sich der Sänger sogar in eine Art Schreigesang hineinsteigert.
Ein ausdauerndes Werk, das die Ausdauernden mit Sicherheit das eine oder andere Mal überraschen wird.



++++Bandpage///Facebook///Soundcloud///Reverbnation++++

DL + Buy DIY-CDr "Das Pferd"

Montag, Januar 27

Macky Messer - Yellow Heart





Was ist denn da los? Ist der frühere Kill.Kim.Novak- und Inborn!-Bassist Sebastian "Menny" Leusmann etwa an dem Punkt angelangt, wo es für ihn heißt, kürzer zu treten? Für die letzten anderthalb Jahre zog er sich ins elterliche Heim zurück und bastelte dort an neuen Songs. Gitarre, Bass, Klavier und Gesang spielte der Soester alleine ein, für's Schlagzeug und etwas Hintergrundgesang bat er seinen ehemaligen vs. Rome-Kollegen Max Roleff und den Indie-Pop-Singer/Songwriter Dino Joubert ins Haus. Mit zehn Songs verließen sie es Mitte des letzten Jahres wieder und packten sie auf das Debüt-Album "Yellow Heart", das nun statt Post-Hardcore oder Screamo, locker in der Hüfte sitzenden Indie-Rock mit Psychedelic-Reminiszenz bietet. Mit "Where Do You Live" kommt das Album recht schwungvoll und mit Feel-Good-Chören aus den Startlöchern. Das darauffolgende "Illusions" springt leichtfüßig über den roten Teppich und zwinkert schelmisch exzessiveren Beatles zu, nachdem diese ihre Perfekter-Schwiegersohn-Anzüge abstreiften. Hier offenbart sich auch zum ersten Mal die Affinität zum Prog, was später im finster-rock'n'rolligen "Black Cats" noch deutlicher zum Vorschein kommt.

Ein herrlich unverkrampftes, wenn auch nicht sorgloses Album, das eine lockere Melodie nach der anderen aus dem Ärmel schüttelt und zugleich einen tollen Soundtrack für Independent-Filme darstellen würde.

Dass Macky Messer mehr als "nur" ein Solo-Projekt darstellt, das aus den Tüfteleien eines Einzelnen hervorgeht, zeigten bereits die vergangenen Konzerte, für die neben Roleff auch Gitarrist David Frings (Longing for Tomorrow, FJØRT) und Bassist Julian Jansen (Society of Suicide) mit ins Boot geholt wurden, die man zuletzt auch durch die gemeinsamen Bands Kosslowski und Nora Yeux kennen dürfte.





Sonntag, Dezember 15

INDIErekt


Callow


Callow ist ein Kalifornisches Duo, das den Minimalismus als seine stärkste Waffe einsetzt, um Atmosphäre und ein dringliches Gefühl zu schaffen, das direkt unter die Haut geht und den Körper so schnell nicht wieder verlassen will. Ihr Debüt-Album "Orb Weaver", erschienen im Mai 2012, ist somit ein einziger Sinnesrausch, in dem man sich stundenlang verlieren kann. "Dead to Me" oder auch das um ein Cello bereicherte "Flowers" zeigen vielleicht am deutlichsten, wozu Sänger und Gitarrist Red Moses allein mit seiner eindringlichen Stimme in der Lage ist zu vollbringen. Von daher werden auch oft Vic Chesnutt und Ben Bridwell von Band of Horses im selben Atemzug mit seinem Namen erwähnt. An seiner Seite befindet sich Sami Knowles, die neben etwas Gesangsunterstützung auch die Keys und die Drums liefert. Gemeinsam veröffentlichten sie erst vor kurzem ihr zweites Album "Blue Spells", das den Dark-Psychedelic-Western-Indie-Mix des Vorgängeralbums in noch tiefere Abgründe führt.


DL Orb Weaver

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In Laudanum

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Neben seiner Anwendung als Schmerz- und Beruhigungsmittel, stieß Laudanum ab dem 15. Jahrhundert auch in Künstlerkreisen auf eine hohe Resonanz. Doch anstatt bei jenen die Muse zu wecken, rief es zumeist nur Suchterscheinungen hervor, die nicht selten einen tödlichen Ausgang nahmen. In Laudanum sind sicher kein Opium fürs Volk, denn von ihrem Gothik-Gewand lassen sich halt nur Diejenigen einwickeln, die derartiger Düstermusik offen gegenüberstehen. Allerdings wie auch schon bei oben genannten Callow, spinnen sich die zwei Hannoveraner ein psychedilisches Netz, in dem immer wieder Versatzstücke des Rock'n'Rolls, Punks und von Westernballaden hängen bleiben. "Down Baby Down" ihrer jüngst erschienenen EP "Short Cuts From Weird Places" könnte auch aus der Feder eines weniger isegrimmigen Tom Waits stammen, während "Ain't No Coke" gehörig das Tanzbein schwingt. Im Schlussstück "Ragged Friend" mimt Sängerin Ellis dann selber ihr liebliches Pendant zum düsteren Opener "Shelter From the Rain". Alles in allem ein sehr vielseitiges Vergnügen, das allerdings auch noch keinen roten Faden für's angekündigte Album erkennen lässt.
 

DL Short Cuts From Weird Places EP
DL ...and Jesus Left the Stage...EP


Jan.tenner

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Das Hannoveraner Quartett Jan.tenner entlieh sich ihren Namen von der gleichnamigen Science-Fiction-Hörspiel-Serie, die von 1980 bis 1989 von Kiddinx vertrieben wurde. Anstelle von Sci-Fi-Indie gibt's allerdings emotionalen Lo-fi-Indie, der das Hauptaugenmerk auf die Gitarrenarbeit legt und von einem extrem hoch oktavierten Sänger begleitet wird, der seine Klagelieder über Sehnsüchte und Fernweh gefühlter Maßen jenseits des achtgestrichenen C's vorträgt. Das muss man ganz und gar nicht mögen, hat aber wiederum den Vorteil, dass sich Jan.tenner mit ihrem brüchigen, teils schroffen und schiefen Sound aus der Masse herausfiltern lassen. Vor allem die 4-Way-Split mit Planke, Käfer K und Alia zeigt, dass sich die Herangehensweise der DIY-Bands an das Emo-Indie-Post-Punk-Genre oftmals sehr ähnelt. Das lässt sich der Split natürlich nur schwer vorwerfen, als dass es vielmehr zum Vorschein bringt, welch großes Potential im deutschen Untergrund schlummert, wo eine Vielzahl von unbekannten Bands mit viel Handarbeit, Herzblut und Eigeninitiative zu Werke gehen und damit die ureigensten Ideale der Rockmusik würdigen.

DL 4-Way-Split /w Planke, Käfer K & Alia (nur Jan.tenner-Songs)
DL Demo 09
DL Proberaummitschnitte Okt. 2012

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Kismet

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Und noch etwas Bostoner Indie-Folk zum Abschluss. Das Quartett Kismet stellt einen knarzenden Kontrabass einem sanften Cello gegenüber und deckt ihre Akustik-Folk-Songs mit harmonischen Mann-Frau-Duetten ein, geformt zu einem gefühlvollen Soundtrack für Liebende und gebrochene Herzen gleichermaßen. Melancholisch schwebende Melodien - manchmal gar etwas morbide - , genau das richtige, um Herbstdepressionen zu füttern, die aber auch Gelegenheit bieten, sich zu zweit zumindest zeitweilig von allen Problemen abzuschotten. Über den bandeigenen Shop gibt's eine Demo-CDr und ein Demotape im Pre-Order, letzteres soll bald auch über das kanadische DIY-Label You Look Like Shit Records erhältlich sein.

DL New Singles
DL Demos

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Samstag, Dezember 7

Canyon Spree - Demo






Kennt noch jemand den Film "Schneller als der Tod"? Wenn nicht, auch nicht weiter schlimm, denn zugegebener Maßen war der Streifen nicht wirklich unterhaltsam. Die Idee, Sharon Stone als Revolverheldin gegen die dominierende Männerriege antreten zu lassen, war zumindest vielversprechend. Das Frauen-Trio Canyon Spree aus Berlin hat ebenfalls keinen Bock darauf Klischees zu bedienen. Anstatt sich in die schützende Mitte unzähliger Riot Grrrls zu positionieren, kommen diese lieber mit psychedelischen Westernrock aus den Startlöchern. Und im Gegensatz zu oben genannten Film, schaffen sie es auch noch, das Ganze überzeugend in die Tat umzusetzen. Manchmal klingen sie gar wie eine Lo-fi-Variante von Titus & Tarantula, nur ohne Testosteron. Ein weit hergeholter Vergleich, ich weiß, aber viel mehr Referenzen wird man wohl nicht finden. Wenn in "Ashwater" die Twanggitarre den Lonely Ranger drei Minuten lang stoisch durch die Prärie begleitet, hat man sowieso sämtliche Spaghetti-Western auf dem Tableau. Eine interessante Mischung, jedenfalls.



DL Demo

Dienstag, Oktober 29

Operators - A Pterodactyl-Call from the Underground


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Es gelingt nicht jeder Band, eine Vielzahl beteiligter Musiker zu beschäftigen. Ja gut, Slipknot zählen derzeit acht Mitglieder, zwei mehr, als die Berliner Band Operators aufweisen kann. Allerdings brauchen diese auch keinen psychisch gestörten Clown als Publikumsanheizer, denn dafür reicht den Operators allein ihr schweißtreibender Heavy-Stoner-Rock aus, mit dem sie seit 2009 jede erdenkliche Spelunke im Berliner Szenegrund und Umgebung in eine Saunalandschaft verwandelten. Dass hat ihnen nicht nur viel Aufmerksamkeit, sondern auch Anerkennung eingebracht, sodass sie den Status eines Geheimtipps mittlerweile weit übertroffen haben.
2011 debütierten Operators mit ihrem S/T-Album, das nach dem ehrlichen Handwerk nicht älter gewordener Rockurgesteine klingt, wie wir nun aber besser wissen von sechs jungen Männern stammt. Der mit mächtig aufgeblasenen Cochonis aufstampfende Opener "Rock'n'Rollercoaster" macht seinen Titel fett groovend zum Programm, offenbart inhaltlich aber eben auch nicht wesentlich mehr als: "It's a rocknroll, it's a-rockin, it's a rocknrollercoaster". Was aber auch gar nicht weiter schlimm ist, denn im Gegensatz zu beispielsweise den Scorpions, die 2010 mit Songs wie "Raized on Rock", "Let's Rock" oder "Spirit of Rock" geständnislos ihr kreatives Aus bekannt gaben und nichts weiter als Fremdscham hervorriefen, kauft man den Operators ihre Leidenschaft zum ROCK jeder Zeit ab. Und dass liegt eben auch daran, weil sie sich trotz klarer Zielstellung nicht am manifestierten Songskelett festbeißen, stattdessen immer wieder ihre energetische Spielfreude freien Lauf lassen, wie bereits das darauffolgende "January Blues" unmissverständlich klar macht, indem sich Gitarre und Orgel ein spannendes Battle liefern. Dass den Operators neben einer groß aufgestauten Portion Testosteron auch etwas LSD durch den Venen schießt, zeigt der Song "Pig & Pepper". Ein Song, der fetzig groovend aus den Startlöchern kommt, bis er sich zur Mitte hin immer mehr in seine einzelnen Teile zerlegt und nur noch von einer warmen Orgel am Leben gehalten wird, fast wie am seidenen Faden, und im Endspurt dann plötzlich doch noch mal die komplette Bühne zu Kleinholz verarbeitet. Und spätestens wenn sich danach das schizophrene "Danish" durch die Gehörgänge fräst, verdichten sich die Gedanken, dass einige Sinne der Band beim Einspielen ihrer Songs womöglich einer sonderbaren Wahrnehmung unterlagen. In diesem Sinne (haha) zieht auch "Beaches" den Hörer in einem hypnotischen Strudel hinab in die fabelhafte Leichtigkeit des Seins und würde ihn wahrscheinlich von dort auch nie wieder weg lassen, würde der Song schließlich nicht doch noch nach 7:45 Minuten gemächlich austrudeln.
Kaum zu glauben, dass man dermaßen gute und zugleich routinierte Musik auf einem Debüt-Album, dass zu alle dem auch noch komplett in Eigenregie entstand, finden kann. In diesem Jahr folgte eine neue Drei-Song-Demo, die es auch gleich mal zum Demo des Monats in der Visions geschafft hat. Und da diese vorab als Anheizer für ihr neues Album "Contact High" ins Rennen geschickt wurden, dürfen wir dem offiziellen Release von Operators' zweitem Album mit viel Vorfreude und Spannung entgegen fiebern. Während ihrer vergangenen Release-Tour im Oktober (gemeinsam mit Neume) konnte man "Contact High" bereits als CD abgreifen. Über das kleine und sympathische Stoner-Rock-Label Fuzzmatazz Records soll demnächst auch eine Vinyl-Version erscheinen.


Stream & Buy Digitally "Operators"

Sonntag, August 11

Miss Polygamy - Kostenloser Trip in die Vergangenheit


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Als die beiden Singer/Songwriter Sean Tansey und Allan Kinney 2010 ihr gemeinsames Projekt Miss Polygamy starteten, war eigentlich schon klar, wohin die Reise gehen sollte. Beide bereicherten schon Jahre zuvor Ottawas regionale Musikszene mit Nostalgie beklebten Country- und Folk-Rock. Da es die beiden aber nicht zu einer Kopie ihrer selbst kommen lassen wollten, versammelten sich mit der Zeit immer mehr befreundete Musiker aus der Nachbarschaft um das Duo, bis Miss Polygamy schließlich fünf feste Mitglieder zählte, darunter auch Nick Hertzberg, Bassist der Post-Hardcore-Band These Branches und der Screamo-Band Osterii. Viele verschiedene Einflüsse, die letztlich auf ein gemeinsames Ziel reduziert wurden - nämlich der Tribut an ihre alten Helden Led Zeppelin, The Doors und Deep Purple. Ende Juni 2013 erschien nun also ihr Debüt-Album "One Night Stand", dass durch die Mithilfe vieler Freunde keine Unkosten verursachte, sodass sich die Band entschloss, das Album kostenlos anzubieten (Download über der Bandpage nach Eingabe der E-Mail-Adresse). Zehn Songs, die zusammengesetzt aus den Hauptbestandteilen Psychedelic, Blues-Rock, Jazz und Folk-Rock eine Zeitmaschine ergeben, die zu einer nostalgischen Exkursion durch die 70er und 80er einlädt. Der Opener "Brotherhood" entstaubt dabei gleich zu Beginn die Hammond-Orgel, während Kinney dazu frivol ins Saxofon bläst und dem Song ein Jazz-Outro beschert. Mit "Shoes 2 Small" folgt dann gut gelaunter Indie-Rock, ehe "About to Lose" die Rock'n'Roll-Keule schwingt. Der schwermütige Blues-Rocker "Cocaine Kisses" eilt etwas weiter voraus und ruft Tito & Tarantula auf den Refenrenzplan auf. In der zweiten Hälfte des Albums dürfen sich dann vermehrt auch einige Gastspieler einbringen, wie Bassist Brandon Allan Walsh oder Banjo-Spieler Seamus Cain, mit denen Tansey seit diesem Jahr gemeinsam bei Brandon Allan & The Bad Decisions (Free-DL HIER) spielt. "Dearly Departed" bekommt durch das Cello von Rozzy McCann einen Folk-Rock-Anstrich verpasst und Gastsängerin Julia Allen beweist mit ihrer lieblichen Stimme, dass sie nicht nur als Alibi für das "Miss" im Bandnamen her halten muss.        


DL The Blues EP

DL One Night Stand

Jahres-Sampler