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Donnerstag, Dezember 4

Gesplittet, Teil 6

Der gesplittete Weg Manku Kapak's



Über ihre Splits mit den Berliner Lo-Fi-Indie-Punks Tyran Tyran und ihrem klavierspielenden Solisten Hauke Henkel könnte man bereits gestolpert sein. Über das Münchener Ein-Mann-Label time as a color erschien jüngst nun die 5-Way-Split "My Heart in Your Hand", die einen ähnlich vereinenden Grundgedanken in sich trägt, wie die unten erwähnte "Making Waves"-Split. Fünf Bands, verteilt auf drei Kontinente und vier Länder. Lässt man diesen geografischen Aspekt außen vor, ergibt sich daraus wohl die Kernaussage Musik kennt keine Grenzen. Klar, dass ist nicht neu, dennoch haben es sich die Verantwortlichen auch hier nicht einfach gemacht und lediglich fünf Bands unterschiedlicher Herkünfte zusammengewürfelt. Eine grobe musikalische Nähe und ein grundlegender DIY-Charakter machen eben noch lange kein harmonisches Gesamtkonstrukt. Daher punktet "My Heart in Your Hand" vor allem wegen seiner wohl überlegten und stimmigen Songgliederung. So wird die 10inch von den ansonsten nicht immer so sentimentalen Engländern Human Hands bedächtig eingeleitet; von den noisig-kratzenden Australiern Nebraska mit etwas Schieflage aus der Lethargie gerissen; von der japanischen Supergroup Asthenia scheinheilig und sanft zurückgeholt, nur um zum Ende hin nochmal so richtig fies auszubrechen; von Manku Kapak mit Sturm und Drang nach vorne gepeitscht (einer ihrer vielleicht stärksten und eindringlichsten Songs); und steuert schlussendlich mit den Münchener Post-Rockern Duct Hearts im Wechselbad der Gefühle gen Ende zu. Der atmosphärische Soundtrack zu einem großen Kino, der als rotes (75 St.) oder schwarzes Vinyl (428) eben nur auf den Plattenteller passt.

Manku Kapak-Links: Bandpage//Facebook//Soundcloud//Myspace
Tyran Tyran-Links: Tumblr//Bandcamp//Last.fm
Hauke Henkel-Links: Bandpage//Facebook//Bandcamp//Reverbnation//Myspace
Human Hands-Links: Facebook//Bandcamp//Last.fm
Nebraska-Links: Tumblr//Soundcloud//Bandcamp//Bigcartel
 Asthenia-Links: Bandpage//Soundcloud//Last.fm//Bandcamp
Duct Hearts-Links: Facebook//Bandcamp//Myspace//Last.fm




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Chuck Bass: Split-7" & 4-Way-Split-Tape


Nach ihrer selbstbetitelten Debüt-EP im letzten Jahr, schraubte die Kieler Hardcore-Punk-Screamo-Band Chuck Bass in diesem ihr Releasekonto gleichmal auf drei hoch. Vier Songs insgesamt spielte das norddeutsche Quartett live ein, die gerecht auf eine Split-7" mit  und einem Vierer-Split-Tape verteilt wurden. Mit mehr Wumms hinter der drückenden Produktion (alle Songs im Musikbunker Hamburg eingespielt und von Tobi Zwölfuhrvierzehn abgemischt und gemastert), bleiben Chuck Bass ihrem rohen Sound treu, was vor allem dem anvisierten Tempowechsel der Band zu Gute kommt. Wenn in "Alba Varden is a Ship" zum Ende hin plötzlich sämtliche Instrumente verstummen und das herzzerreißende Geschrei nur noch vom attackierenden Schlagzeug angetrieben wird, erreicht der Song eine unheimliche Intensität. Authentizität kristallisiert sich somit als größter Sympathiepunkt für die Band heraus, bei der jedes Gitarrengezirpe, jeder Beckenschlag und jeder rauh verzerrte Ton buchstäblich nach D.I.Y. schreien. Live erlebt man bei diesen Jungs garantiert keine böse Überraschung.
Auf der Split-7" erhalten sie B-Seiten-Rückendeckung vom schwedischen Fünfer Vi Som Älskade Varandra Så Mycket. Die 2011 gegründete Band veröffentlichte zuvor zwei EP's (jeweils als Free Download) und erweist sich in der Ausübung ihrer Screamo-Kür als nicht weniger sprunghaft und spontan , als ihre eingangs erwähnten Splitpartner. Dennoch wird ihr Song "Ryggarna mot varandra och vi fortsätter gå", der ebenso von Ausbrüchen und rockigen Einlagen durchbrochen wird, von einer fast schon dreampoppigen Untermalung zusammengehalten.
Das 4-Way-Split-Tape "Making Waves"entstand in Kooperation der beiden Labels Tief in Marcellos Schuld und Chloromethane Recs., mit der Idee, global in Küstenstädten beheimatete Bands auf einem Release zu vereinigen. Neben Chuck Bass, sind mit je zwei Songs die peruanische Skramz-Furie Fiesta Bizarra, die noisigen Post-Hardcoreler Uragano und die Trash-Punkviolence-Combo Urughai aus Malaysia vertreten. Bislang ist die Split nur digital erhältlich, soll demnächst aber in einer limitierten Tape-Variante (u. A. auch über Dead Bir Records) auf den Markt kommen.

Chuck Bass-Links: Blog//Facebook//Bandcamp

Vi Som Älskade Varandra Så Mycke-Links: Bandpage//Facebook//Bandcamp
Fiesta Bizarra-Links: Tumblr//Facebook//Bandcamp
Uragano-Links: Facebook//Bandcamp
Urughai-Links: Facebook//Myspace//Reverbnation

Split 7" w/ Vi Som Älskade Varandra Så Mycket ->DL A-Seite////Full Stream


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Unru & Parämnesia Split-12"


Heureka! So langsam wird Black Metal hierzulande wieder entdeckenswert. Nach ihrem vergleichsweise kompakten Demo "MMXIII", offenbarte das Bielefelder Quartett Unru (u. A. mit Mitgliedern von Negativvm und Abest) bereits Anfang des Jahres auf ihrer gemeinsamen Split-LP mit ihren Berliner Kollegen von Sun Worship ihr Faible für epischen Tiefgang. Für ihre zweite Split legte die Band nun nochmals eine Schippe drauf und veröffentlichte mit "Die Welt in der wir sterben" ein fast 13-minütiges Epos, das gewohnter Maßen auch mal die Nähe zum Hardcore und Crust sucht. Der Song steigert sich zu Beginn bedächtig, weiß an dieser Stelle bereits gekonnt eine morbide Stimmung zu erzeugen, ehe sich die Instrumente mit einer an Isis erinnernden Wucht aufwölben und ein wahrlich schauderhaftes und nihilistisches Gemetzel hinlegen, bis der Song schließlich doch in einem beklemmenden Kammerspiel endet. Eingefangen wurde der rohe, brachiale und dreckige Sound von Ruins-Gitarrist Rouven Bienert, was nun zumindest Denjenigen das Gewissen erleichtern dürfte, die dem Black Metal noch immer mit einem flauen Gefühl im Magen entgegnen.
Das französische-schweizer Duo Parämnesia, deren beiden Mitglieder Nocturnalpriest und Pyrcheas den Black Metal auch in ihren Namen zelebrieren, steuern der Split-12" ebenfalls einen Song bei, mit der sie die Gesamtspielzeit auf fast 28 Minuten hochschrauben. Der ist schlicht mit der römischen Zahl "III" betitelt und bildet somit das Bindeglied zu den Songs "I" und "II" der vorangegangenen EP "Ce Que Dit La Bouche D'ombre" und ihrer kürzlich erschienenen LP, die die Songs "IV" und "V" beherbergt. Bereits seit Mitte der 00er treibt der Dunkelpriester sein Unwesen, zumeist in diversen Soloprojekten wie Baalshamin oder Mal Etre, mit denen er in atmosphärischen, ambienten, okkulten oder doomenden Black Metal abtauchte, ehe er seinen jetzigen Bandkollegen erstmalig als Gastsänger für sein drittes Malvoisie-Album "Krankheit" einlud.
In "III" werden vieler dieser Elemente verknüpft und zu einem ähnlichen Epos zusammengeschustert, das im Gegensatz zum Unru-Song, den Dreck allerdings mit etwas mehr Klangfülle und hintergründig schwebende, verhallte Synthies abspült. Mit fiesen Blastbeat-Attacken kennt aber auch Parämnesia's Song nur eine Richtung - hinab in den finsteren Abgrund.

Unru-Links: Facebook//Bandcamp

Paramnesia-Links: Blog//Facebook//Bandcamp//Myspace

DL Unru & Paramnesia Split-12" ->A-Seite////B-Seite

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Außerdem


Cursive/Fake Problems Daytrotter Split-12"


Ähnlich wie das noch relativ junge Clouds Hill Studio in Hamburg oder der niederländische Musikdistributor Konkurrent ("In the Fishtank"), hält auch das 2006 gegründete Horseshack-Studio in - na klar - Rock Island, Illinois seine Tradition, prominente Gäste für eine kurzweilige, analog und uneditiert festgehaltenen Session einzuladen. The National, ...Trail of Dead, Dinosaur Jr., Bob Mould - die Liste ist lang und exklusiv (siehe HIER). 2009 nutzten auch Cursive, Omaha's Aushängeschild für verqueren Indierock, einen zweistündigen Tourstop, um sich im besagten Studio für die noch ausstehenden Konzerte warmzuspielen. Auf dem Programm standen "The Casualty" ihres Durchbruchalbums "Domestica", "What Have I Done" vom vorletzten Longplayer "Mama, I'm Swollen", sowie die beiden Coversongs "Modern Love" (höre David Bowie) und "Love Cats" (The Cure), denen ihr adoleszent verspielter Frontmann Tim Kasher gewohnt seinen eigenen Stempel aufdrückte.
Die B-Seite bepflastern Floridas Fake Problems, vielleicht auch wegen ihres nicht weniger charismatischen Sängers Chris Farren oftmals in einem Atemzug mit Cursive genannt, mit fünf gefühlvollen Songs. 2010 war die Band mit The Gaslight Anthem auf großer U.S.-Tour unterwegs, um ihr bis dato letztes Album "Real Ghosts Caught on Tape" zu promoten. Folglich finden sich mit "Complaint Department", "Songs for Teenagers", "Ghost to Coast" und "RSVP" vier Songs dieses Albums wieder, plus den Exklusivsong "I Love to Boogie".
Runde Sache also diese Split-LP, die es mit einer Anmeldung zur Daytrotter-Mitgliedschaft kostenlos zu ergattern gilt (exkl. Versandkosten!).

Cursive-Links: Bandpage//Facebook//Soundcloud//Twitter//Myspace

Fake Problems-Links: Bandpage//Facebook//Soundcloud//Twitter//Bandcamp//Myspace

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Sonntag, November 17

Der Bandcamp-Hardcore Vol.19


Tristan Tzara:

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Eigentlich sollte dieser Beitrag Bestandteil meines vorangegangenen Posts zum Dortmunder Label Monotonstudio Records sein, dessen Gründer und ehemaliges Kobra-Khan-Mitglied Robert Kupiaj auch bei Tristan Tzara mitmischte. Die Ruhrpotter Screamo/Emoviolence-Combo existierte zwischen 2000 und 2003 und brachte es auf zwei Releases. Ihr Debüt "Omorina Nad Evroporn" gönnt sich mangt garstigem Gekeife sogar einige Ruhepausen und überrascht mit ein paar schönen, melodischen Momenten. "Omorina Nad Evroporn" erschien ursprünglich 2001 als selbstveröffentlichte CD (ca. 533 St.), erschien sieben Jahre später auf grünem und blauem Vinyl (jeweils 150 St.) u. A. auf Montonstudio, und 2010 als Tape (50 St.) über das norwegische Label Listen to Aylin Records.


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Auszenseiter:

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Auszenseiter - klassisch mit sz geschrieben, merkt ja beim Sprechen eh keiner - ist eine junge Band aus Gütersloh, deren vier Mitglieder 2012 zusammenfanden. Seitdem machte die Band vor allem durch fleißiges Touren auf sich aufmerksam und kann seit Januar 2013 auch auf ihr erstes Release zurückblicken. Das selbstbetitelte Tape erschien in einer Auflage von hundert Stück und ist bei dem raushauendem Label Colossus Tapes bereits restlos vergriffen. Kein Wunder, denn Auszenseiter ballern uns auf diesem fünf Songs erbitterten und crustigen Hardcore-Punk um die Ohren, mit etwas emotionaler Schieflage. Am schönsten klingt das dann im Song "Blender", ein gar fieser und rifflastiger Brocken der fast schon im Fastcore mündet und nicht mal die Ein-Minuten-Marke erreicht. Dessen Pendant könnte der vierte Track "Angst oder Vernunft" darstellen, der sich für seine Durchlaufphasen mehr als drei Minuten Zeit lässt und ein Chor platziert. Tolles Debüt, das hoffentlich bald ein Geschwisterchen bekommt.


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Poweryoga:

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"Poweryoga ist eine dynamische und intensive Form des Yoga, dessen auffälligstes Merkmal eine kontinuierliche Bewegung ist." Ja, nee, is klar! Und die Band? Poweryoga spielen eine dynamische und intensive Form der Musik, dessen auffälligstes Merkmal nichts mit Kontinuität zu tun hat. Bislang schrieb Benja Hiller größtenteils über die Musik anderer (artempire, Spoke, ...wenn, denn das hier, etc.) oder nahm sie gleich unter ihre Fittiche (100kiloherz). Was kann man nun also von der eigenen Musik einer engagierten Musikjournalistin und -produzentin erwarten? Entweder genau das, was man mit den zwei Songs ihres "inspctd #2"-Demos um die Ohren geschlagen bekommt, oder eben etwas vollkommen anderes. Poweryoga klingen nach Anarchie, als hätte es klassische Einordnungen und Strukturen innerhalb der Musik niemals gegeben. "Inspctd #2", der erste Song, sampelt über eine Minute vor sich hin, ehe spontan epileptische Schreiattacken die eingängige Gitarrenmelodie durchbersten und den Song in eine wüste Orgie verwandeln. Das darauffolgende "like-li-hood" nutzt gar die treibende Kraft des Nintendocores, um mit Ach und Krach aus den Startlöchern zu schießen. Das klingt dann so, als hätten Dyse und Ursus eine gemeinsame Nacht im Proberaum verbracht, wo sie sich schließlich nach einer nicht all zu ernst zu nehmenden Diskussion darauf einigen konnten, wie Noiserock, Punk, Hard- und Grindcore im Konsens zu klingen hat. Mit einem Song wird das Duo aus Schwelm auf dem nächsten Midsummer-Sampler "Listen Up, Kids! Vol. 12" zu hören sein. Ihr Debüt-Album ist bereits in Planung. Ich denke, darauf darf man mit Sicherheit gespannt sein.

DL inspctd #2


Unru:

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Zum Bandnamen des Bielefelder Quartetts Unru, das 2012 aus dem näheren Black-Metal-Umfeld von Bands wie Abest (Free-DL HIER) und Negativvm (Free-DL HIER) zueinander fand, lassen sich zwei Bedeutungen herleiten: a) als Variante des Wortes "Unruhe"; b) "Unruh", als Bestandteil eines Uhrwerkes (Schwungrad). Beides kann metaphorisch auf den düsteren, nihilistischen und morbiden Sound der Band abgeleitet werden, deren Texte Themen wie Verdrängung, Flucht, Ohnmacht, aber auch Ängste und Süchte, die fortlaufend immer mehr Aggressionen aufstauen und schlussendlich nur zur kathartischen Explosion führen können. Der Song "Aber waren die, die schrien, die wuchsen?" ihres Demo-Debüts "MMXIII" stürmt räudig, kratzend und mit wortlosem Gebrüll aus den Boxen und steht stellvertretend für Unru's kompromisslosen Black Metal, der mit einigen Hardcore- und Crust-Anleihen noch zusätzlich durch den Dreck gezogen wird. Die dronigen Interludes ("I-V") verpassen dem Ganzen dann noch etwas Atmosphäre. "MMXIII" erschien als CD (in zwei Auflagen mit Mini-Poster, ausverkauft), als US-Tape (100 St.) und EU-Tape mit Bonustrack (100 St.), davon eine limitierte Special-Edition, die die Band nur während ihrer Shows an den Mann bringt. Für dieses Jahr ist eine gemeinsame Split-12" mit den Berliner Artgenossen Sun Worship geplant, das Sick Man Getting Sick Records und An Out Recordings als Co-Release raushauen werden.


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Ruined Families:

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In Griechenland brodelt's immer noch gewaltig. Das Athener Quintett Ruined Families ließen sich bereits auf ihrem 2010er Debüt-Album "Four Wall Freedom" und ihrer letztjährigen unbetitelten 7" über die katastrophalen Umstände in ihrer Heimat aus und sehen die anhaltenden leeren Versprechungen ihrer Regierung nun buchstäblich als Anlass dafür, ihr zweites Album "Blank Language" zu veröffentlichen. Ein Warnsignal, Hilfeschrei und Ausrufezeichen gleichermaßen, dass den Krieg vor der Haustür symbolisiert ("the streets bleed and burn", "A new logo for the same revolution") und schlussendlich mit gefletschten Zähnen und geballter Faust einfordert: "The Punks want their money back". Hinsichtlich ihres Sounds sind Ruined Families dabei aber wesentlich kompromissbereiter, als auf ihren zwei vorherigen Releases. Mangt Stakkato-Geknüppel und dem anhaltendem Riff-Gewitter mogeln sich immer wieder einige schöne Melodien. Der Opener "Only Need is Real" will das zwar noch nicht so recht preisgeben und mündet stattdessen in furiosem Fastcore. Auch das darauffolgende "To New Parents" lässt den Hörer für die ersten eineinhalb Minuten im selbigen Glauben, ehe sich die Gitarre mit einer tollen Melodie über das übereifrige Schlagzeug hinwegsetzt. Grob gesagt, waren Ruined Families nie dichter an ihrem eigens getaggten Hardcore-Punk dran, als auf "Blank Language", was das eingängig vor sich hin hookende "208" oder das kurze "Books As Weapons", wo die Gitarre erstmals durchweg dem wütendem Gekeife des Sängers die Hauptrolle abluchst, vielleicht am besten zeigen. "Blank Language" ist, genauso wie die unbetitelte 7", über das deutsche DIY-Punklabel ADAGIO 830 erschienen, darüber hinaus aber auch auf dem bandeigenem Label Gardens erhältlich (100 weiße Vinyl/400 schwarze Vinyl). Das Leipziger Tape-Label Gafas del Rigor fasste 2012 die Songs des ersten Albums und der 7" zusammen und veröffentlichte ein Discography-Tape.




Hector Savage:

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Ihre Songs nehmen sie im eigenem Studio auf (raum7-Studio) und mit Hilfe von Lukas Wiesemüller - nebenher noch Gitarrist der Marburger Post-Hardcore-Band Ashes of Pompeii - und ihren diesjährigen Split-Partnern Akela haben sie es mit ihrem zweiten Release auch gleich mal in den Vertrieb von Midsummer Records geschafft. Für Hector Savage (benannt nach dem gleichnamigen Schauspieler) scheinen die Sterne derzeit ganz gut zu stehen. Aber nicht nur die günstigen Umstände lassen die noch junge Band nach vorne schnellen, denn das Kölner Quintett überzeugt vor allem auch musikalisch, bringt nicht nur frischen Wind, sondern hinterlässt auch tiefe Furchen auf dem viel beackerten Hardcore-Umfeld. Ihre Debüt-EP beginnt mit garstigen Mathcore, will sich fortlaufend aber nicht vollkommen den vertrackten Rhythmen ergeben und platziert mangt metallischen Riffgewittern und aggressiven Hardcore-Punk dezent einige Melodiebögen. Das ist technisch versierte Komplexität, ohne zu überfordern und auf verdammt hohem Niveau. Großartig!

DL Split /w Akela ->Pt.1 // Pt.2

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Celeste:

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Wer in den letzten Jahren regelmäßig im familiären Kreis von Black Metal, Hardcore und Post-Rock verkehrte, der wird mit Sicherheit auch schon mal über Celeste gestolpert sein. Eine Band, die gefühlt seit Anbeginn dieser Genres unentwegt ihre Runden dreht, jegliche Vergleiche von sich abprallen lässt und stattdessen schon längst den Status einer fest zitierten Größe und Referenz inne hält. Ein Original. Eine Urgewalt. Eine der konsequentesten Bands seiner Art. Warum das französische Quartett dennoch hier erwähnt wird? Zum einen, weil die Band nach dreijähriger Abstinenz mit "Animale(s)" ein neues Album zu verkünden hat (Stream HIER). Zum anderen, weil sie ihre Debüt-EP "Pessimiste(s)" und ihr drittes Album "Morte(s) Nee(s)" über Bandcamp zum Spendendownload anbieten. An wem, aus welchen Gründen auch immer, Celeste bislang spurlos vorbei gezogen sind, hat hiermit die Gelegenheit, sein Grundwissen aufzufrischen.


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Dull Eyes:

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Post-Hardcore war gestern und wird es auch wieder am morgigen Tage sein. Gönnen wir uns daher also eine kleine Pause und wenden uns heute den Düsseldorfern Dull Eyes zu, dem Vorgestern. Die fünfköpfige Band gibt es zwar erst seit zwei Jahre, klingt auf ihrer Debüt-EP "War Anthems" allerdings wie ein Rudel alteingesessener Veteranen, die nun nach jahrzentelangem Winterschlaf wieder aufgewacht sind und von all den zwischenzeitlichen Trendbewegungen nichts mitbekommen haben. Hardcore ist nach wie vor rauh und dreckig und Metal hat die harten und fett groovenden Riffs gefälligst in Periode zu setzen. Die Gitarren selbstverständlich stoner-tief gestimmt. Das Ganze klingt dann wie eine Mischung aus Metallica und Pantera und für ein Debüt auch noch überraschend frisch. Aber nagelt mich jetzt auf diesen Vergleich nicht fest. Von beiden Superlativen sind Dull Eyes noch ein ganzes Stück weit entfernt. Der Grundtenor aber stimmt schonmal und wenn eine Band ihr Release auch noch "War Anthem" betitelt, weiß man eigentlich, wo der Hase hier lang läuft. Das wissen auch Powertrip Records und Headless Guru Records (weitere Free Downloads HIER), die "War Anthem" auf Vinyl und auf's Tape bannten.


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The Town of Machine:

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Am Anfang standen Jet Black und Mallorys Last Dance, aktuell sind es Phantoms und Scott Malkinson. Irgendwann dazwischen fanden sich einige Mitglieder eben genannter Bands im Bremer Quartett The Town of Machine wieder, das nicht nur den zermaternden Screamo von Jet Black im Geiste weiterführte, sondern es sich auch gleich mal auf deren ehemaligen Label Unterm Durchschnitt gemütlich machte. Und ich hoffe, dass ihr euch jetzt genauso darüber ärgert wie, dass ihr diese Band nicht schon früher entdeckt habt, denn sowohl ihr 2007er-Demo, als auch ihre selftitled 7" (auch als CD mit Bonustracks) sind bereits restlos vergriffen und nur noch mit viel Glück zu finden. Gleiches gillt übrigens leider auch für das Kölner Kultlabel, deren Ende letztes Jahr beschlossen wurde. Über Bandcamp gibt's noch einen nostalgischen Label-Sampler und einige Free Downloads mehr. 



 Außerdem

Brooks Was Here:

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Brooks Was Here schauen sich gerne amerikanische Filme an (der Bandname ist dem Stephen-King-Drama "Die Verurteilten" entnommen) und musikalisch führt sie ihr Roadtrip von Chicago nach Gainesville. Damit enden dann aber auch schon ihre Gemeinsamkeiten mit dem Völkchen jenseits des Großen Teiches, denn anstelle von fleischhaltigem Fast Food kommt Brooks Was Here nur vegetarisches Essen auf den Teller, während kapitalistische, egozentrische und patriotistische Gedanken um den Präfix ANTI ergänzt werden. Die Band aus Warschau gründete sich 2011, debütierte im letzten Jahr mit ihrer selbstbetitelten EP (Spenden-Download), kann seit Anfang dieses Jahres auf einen zweiten Gitarristen zurückgreifen und spielte mit diesem auch gleich mal sechs neue Songs für ihre zweite EP "High Violence" ein. Diese erscheint als schickes Digipak über das eigene Label Jagged Kid (2013 gegründet), womit die Band nicht nur ein zweites Ausrufezeichen setzt, sondern auch klar stellt, dass sie weder mit sich hadern noch auf der Stelle treten und mit den wenigen, zur Verfügung stehenden Mitteln möglichst weit kommen wollen. Mit "High Violence" erfinden sich Brooks Was Here natürlich nicht neu, treten stattdessen präzise in die Fußstapfen des Vorgängers. 90er-Emo wird abermals auf eine tagträumerische Reise geschickt, während sie ihrer rauhen Punkaffinität ein Post-Hardcore-Spiegelbild vor Augen halten, was zusammen mit dem Drahtbürsten-Gesang vor allem an ehemalige Cap'n Jazz erinnert, auch wenn sich das Quartett eher von Fugazi und At the Drive-In beeinflusst sieht. Hat sich also nicht viel geändert, außer die Produktion, die mit etwas mehr Klangfülle aufwertet. Wenn es also anscheinend so schwierig ist, zeitgemäß guten Emo zu fabrizieren, dann lieber mit einem würdigen Blick zurück auf alte Helden. So wie Brooks Was Here, für die ihre zweite EP hoffentlich erst der Anfang einer langen Bandgeschichte ist.



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Jahres-Sampler