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Samstag, April 13

Die Bandcamp-Punks Vol. 32

Krank - Heizungskeller Demo EP


Bereits vor der "Mausetot EP" war klar, dass das seit Gründung ohnehin sehr aufgelockerte Bandkonstrukt hinter Krank allmählich anfängt zu zerbröseln. Und so sind auf der "Heizungskeller Demo EP" von ursprünglich vier Fest- und sechs Teilzeitangestellten eben nur noch zwei übrig geblieben. Somit gehen Ol' Dirty Stulle und Tausendsassa Joao Azevedo (u. A. AAS, As A Dagger, Raiva), ob bewusst oder aus der Not heraus, eben den Schritt zurück zu den Wurzeln. Das "Heizungskeller Demo" besticht vor allem durch seine Roughness, womit der Sound der Hamburger Band ein Stück weit weg vom eigens kreierten Stil Krankpunk hin zum Hardcore-Punk rückt, was dem angepissten Kreischgesang und den zynischen Lyrics durchaus gut zu Gesichte steht. Songs wie der Opener, "Flaggen auf Balkonien", "Hexenjagd" oder "David und Gomorrha" preschen irgendwo zwischen kratziger Proberraum- und chaotischer Garagenästhetik hin und her, während "Haller Wolf", das aggressiv-treibende "Acheron" oder "Stehende Ovationen" durchaus melodische Aspekte in den Vordergrund heben. Alles in Allem speit das Duo mit ihren neun Demo-Songs aber eine Menge Wut und Rotz aus, die auch als Antithese gegen den ganzen aufpolierten und kommerziellen Mainstream-Müll verstanden werden kann, der sich da Hardcore-Punk schimpft.



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No Sugar - Wasting Time w/ Rock'n'Roll

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Der vielfältige Norden Deutschlands hat in den letzten Jahrzehnten sicherlich einige musikalische Meilensteine gesetzt, angefangen von der altehrwürdigen Hamburger Schule, über die Northcore-Bewegung, bis hin zum massentauglichen Post-Punk aus Flensburg. Auf der Suche nach Pop-Punk wurde ich zumeist eher im Westen oder Süden fündig, was sich mit dem Debüt-Release der Band No Sugar nun aber ändern sollte. Was, bitte schön, ist das denn für ein Debüt?! Weit weg von der nordischen Sperrigkeit und hin zum infizierenden Gute-Laune-3-Akkorde-Punk'n'Roll, der mit dem Opener "Peanut Butter Sandwich" auch gleich mal sämtliche Berührungsängste unter viel ausgelassener Spielfreude begräbt. Im folgenden "Wasting Time" gesellt sich zur melodischen Eingängigkeit noch etwas Midwest-Melancholie, während "People Like You" wesentlich schrammeliger durch die Garage fegt. 
Entgegen dem Bandnamen, ist "Wasting Time w/ Rock'n'Roll" eine recht harmonische und zugängliche EP geworden, die von ehemaligen Stumbling Pins-, No Weather Talks- und Plastic Propaganda-Mitgliedern fast schon routiniert in Szene gesetzt wurde. Ich hoffe, da kommt noch mehr!

DL "Wasting Time w/ Rock'n'Roll" Here & Here

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Miztake -  Augen Auf!

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Miztake vereinen auf ihrem zweiten Release "Augen Auf!" eine Menge Rockgöhren- und Riot Grrrl-Mentalität und packen diese in elf eingängige Songs, die nur selten die Komfortzone des Deutschpunks verlassen. Das passt soweit, denn wer direkte Ansagen macht, braucht auch einen glaubwürdigen Sound. Und so schrammeln sich die vier Mädels und der Kerl auf "Augen Auf!" einen Ohrwurm nach dem anderen von der Seele, von denen zunächst die von Oh-Oh-Chören begleiteten "Sinnlos Krieg" und "Circus" im Ohr hängen bleiben. Vor allem ab der Hälfte des Albums, variieren die Songs dann doch etwas und wagen den einen oder anderen düsteren Ausflug in den Hardcore-Punk oder Alternative.
Über die Band selbst könnt ihr euch die CD bestellen. Wer zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen möchte, holt sich das Split-Tape mit den asseligeren Don Kanaille, das die jeweiligen Alben "Augen Auf!" und "Zeitgeist" auf einem Release vereint.

DL "Augen Auf!" Here & Here

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Loeschen - Loeschen


Wieder so eine Band, bei der mensch sich auf der Suche nach Informationen so richtig anstrengen muss - und letztendlich genauso schlau ist wie vorher. Verzichten wir also auf musikalisches Hintergrundwissen und lassen stattdessen die Musik sprechen. Die klingt zunächst genau so, wie mensch sich eine Band vorstellen könnte, die das Vinyl-Release ihres Debüt-Albums in die Hände zweier Labels legt, die sich Rinderwahn Records und Abfall Records nennen.
Herrlich räudiges Gebrülle, während sich die Gitarren darunter zur melodischen Ekstase schrammeln und gniedeln. Auf ihrem selbstbetitelten Album hetzt die Züricher Band Loeschen aggressiv durch den Hardcore-Punk und schrammt dabei etwas am Crust und D-Beat entlang. Die Labels meinen darin eine Menge 80er-Jahre Deutschpunk zu erkennen, was anhand von Songs wie "Raus", "Kein Schritt weiter" oder "Zimmer 11" sicherlich nur schwer zu verneinen ist. Ich meine, auch einen leicht-skandinavischen Anstrich wahrnehmen zu können, aber was weiß ich schon. Äußerst sympathisch bei dem (vermutlichen) Debüt des Quintetts: ich hätte nie gedacht, dass Schweitzer-Deutsch so gefährlich klingen kann, denn Loeschen vermitteln in ihren elf Songs mehr düstere Tristesse, denn Hoffnungsschimmer.


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Huhn - Wir gehen zwar schwer auf die 40 zu, sind aber geistig noch sehr flexibel


Tja, von bislang  ziemlich ernst zu nehmenden Bands, kommen wir nun zu Huhn. Auch die Bonner Band versteht es meisterlich sich in den Unweiten des www. zu verstecken. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so, denn musikalisch klingt ihre Debüt-EP "Wir gehen zwar schwer auf die 40 zu, sind aber geistig noch sehr flexibel" entgegen dem Titel eher danach, als hätte ein Rudel Mittvierziger infolge der Midlife Crisis einen ordentlichen Dachschaden davon getragen. So kündigt sich die Band im Opener "Wir sind Huhn!" mit reichlich NDH im Rücken erstmal standesgemäß selbst an. Das folgende "Rita" trudelt songwriter-balladesk ein und offenbart mit dem nicht ganz unerwartetem Beatdown auch schon die schlimmsten Befürchtungen: das ist Comedy-Core, irgendwo im Abgrund zwischen Knorkator und J.B.O.

Stream & Buy Digitally "Wir gehen zwar schwer auf die 40 zu, sind aber geistig noch sehr flexibel"



Metropolis - Mit der Weitsicht eines Maulwurfs

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Auch - oder eben vor allem - im Auenland der Republik, dem Saarland, sind kleine Bands auf die Initiative ehrenamtlicher Helfer und Organisationen angewiesen, um überhaupt mal einen Fuß auf irgendeine Kleinbühne zu bekommen. Das ist momentan vielleicht noch weit weg von dem, was man ein gut verstricktes Netzwerk nennt. Allein hinter der Saarbrückener Band Metropolis verbergen sich engagierte Musiker, die nebenher noch in anderen Projekten aushelfen (z. B. Third Eye Tear), Festivals auf die Beine stellen (At The Gates Of Dawn), auf Internetradio machen (ByteFM) und als DIY-Kollektiv dem kommerziellen Ticketwucher den Kampf ansagen (Haifischblut Collective). Und so negativ behaftet der Begriff mittlerweile auch sein mag, genau diesen Ehrgeiz hört man dem Studentenpunk von Metropolis auch irgendwie an. Die vier Songs auf der Debüt- und seit 2014 auch einzigen EP "Mit der Weitsicht eines Maulwurfs", atmen eine Menge nordische Hafenluft ein und würden sich gut im Backkatalog von Lala Schallplatten ab annis 2009 einfügen. Immerhin wurde die EP in den dortigen Studios von Tobi Streng und Magnus Wichmann abgemischt und gemastert, während sich David Saia (Maskros) um die Aufnahme kümmerte. Gute Prominenz für die nicht immer ganz so einfache Unterhaltung also, die auf "Mit der Weitsicht eines Maulwurfs" durch schrammeligen Indie- und melancholischen Emo-Punk begleitet.

DL & Buy "Mit der Weitsicht eines Maulwurfs"



Scheisse Gefährlich - Ich/Wir. Was macht das für ein Unterschied

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Zweites Album des Berliner Duos um ex-Ein Gutes Pferd-Sänger und Polytox-Schlaumeier-Punk Aaron Ruck und dessen Schlagzeuger-Kumpel Torpedo Knarxs. "Ich/Wir. Was macht das für ein Unterschied" ist, abgesehen vom Grammatikfehler im Titel, ein weitaus ausgereifteres Werk geworden, als sein Vorgänger, denn zumindest wurde das verzerrt-verhallte, megafonartige Geschreie auf einen erträglichen Pegel frequentiert. Die zwölf Songs bewegen sich natürlich immer noch im Spannungsfeld zwischen (Hardcore-)Punk und Garage, denen im Rahmen der überschaubaren Besetzung ein ordentlicher Lo-Fi-Charakter anhaftet. Dennoch haben sich die zwei auch diesmal wieder einige nette Gimmicks einfallen lassen, um dem Album die nötige Prise anarchistischen Avantgardismus zu verleihen, so wie die frivol-springenden Keys in "Eskalation", der Western-Twang in "Fehlzündung" oder die Bongo-Claps in "Richtig Heftig Afrika Geil".
Ansonsten gibt es neben den Ohrwürmern "Warum ist mein Leben eigentlich so krass" und dem bereits erwähnten "Eskalation", eine Menge Deutschpunk-affinen Zynis- und Sarkasmus, der sich durchaus hören lassen kann.
Bislang ist Album #2 nur digital erschienen. Über unser Lieblings-Tape-Label Uga Uga Tapes soll Mitte des Jahres aber noch eine Kassetten-Version nachgelegt werden.

DL "Ich/Wir. Was macht das für ein Unterschied"



Bitter - Engstirnig Festgefahren Neidisch

Bandcamp
Und wo wir schon mal bei Uga Uga Tapes sind ... als Bitter hat der ex-Inside Job-Sänger und Scheisze Fanzine-Kolumnist Hagi Eremit über das Hamburger Label sein erstes physikalisches Release in Form eines knallbunten Tapes veröffentlicht. Und weil das eben so ein heißer Scheisz ist, sind die auch schon alle wieder weg. Auf der EP "Engstirnig Festgefahren Neidisch" gibt es sieben Songs auf die Ohren, von denen drei bereits ein Jahr zuvor als Demo-Versionen auf Bandcamp erschienen. Irgendwo zwischen trashigem Garage, Schweinerock, Deutsch- und Rotz-Punk, zerlegt der Hamburger das Spießbürgertum in seine fast schon wieder situationskomischen Facetten. Mit der Sprache des Pöbels, mit der er sich nicht unnötig lange bei der Suche nach adäquaten Reimwörtern festbeißt, und einer Stimme, an der scheinbar schon einige Zigarettenstummel und Bierdosen entlang geschabt sind, wandern die Songs recht eingängig ins Ohr, allen voran der Ohrwurm-Opener "Dumme Sau", das mit harmonischen Keys etwas aus der Reihe tanzende "Berufsberater" und der Closer "Langeweile (You Bore Me Out, Baby)", der mittendrin mal kurz mit einer fröhlichen, indie-esken Gitarren-Hook ausreißt. Ein knallbuntes und äußerst zu empfehlendes Debüt eben.

DL "Engstirnig Festgefahren Neidisch" Here & Here



Maulgruppe - Tiere in Tschernobyl

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Nach seinem Hörspiel-Ausflug hat Jens Rachut mal wieder ordentlich Mauljucken bekommen und dafür eine weitere Kapelle mit namenhaften Musikern aus der Untergrundszene gegründet. Für seine Maulgruppe suchte der gebürtige Hamburger diesmal vor allem im Noise-Punk-Sektor nach den passenden Mitstreitern und wurde schließlich bei Bands wie Ten Volt Shock, KURT und Yass fündig. Und so ist es vor allem Rachut's verachtender, Galle spuckender Post-Punk-Gesang und Yass' treibender Elektro-Punk, die das Debüt-Album "Tiere in Tschernobyl" im Einklang zu einem zeitlosen und aggressiven wie tanzbaren Punkgenuss formen. Auch wenn das zumindest theoretisch die Nähe zu seinem vorherigen Projekt Alte Sau sucht, gelingt es dem Trio hier gemeinsam neue Wege zu beschreiten.

Stream & Buy Digitally "Tiere in Tschernobyl"

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In der Kürze liegt die Würze


Thor Steinmeier - Ein Witz

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Hier braut sich was ganz Großes zusammen. Der Bijou Igitt-Hannes brauchte wohl mal etwas Abstand vom Mecker-Post-Punk seiner Hauptband und stürzte sich Fuß über Arsch in dieses trashige Elektro-Punk-Geballere. Ein Song, "Ein Witz". 

DL Song "Ein Witz"


Donnerstag, Februar 28

Extinct - A Piece Of Extinction!



Kurzinfo:

Nach dem Best Of, ist vor dem Nächsten. Die Querfurter Band Extinct legt knapp drei Jahre nach ihrem "Greatest Hits" eine sechs Song starke EP nach und erweitert damit ihre bislang eindrucksvolle Diskografie. Wie es sich für eine Band im Spannungsfeld zwischen Powerviolence und Hardcore-Punk gehört, lassen sich die Songs nicht anhand von Attributen wie den klassischen Strophe-Refrain-Mustern oder Schönklang bewerten. Stattdessen sorgen die vier Sachsen-Anhaltiner auch diesmal wieder für einen wohlig-düsteren AZ-Sound im gemütlichen Kreis der Pogenden.
Und so kündigen sich Extinct mit dem anfangs noch schleppenden Opener "Redundancy" standesgemäß bedrohlich an, ehe der Track mit dem einsetztenden Scream-Shout-Duett so langsam Betriebsklima aufnimmt. Mit dem folgenden "Abuse" legen die Jungs dann auch furios los. Was für ein Brett, dass die Angepissheit über die Gesamtscheiße auf den Punkt bringt. Ein misanthropischer Reigen, der sich mit niederdrückendem Downtempo-Riffing und explodierenden Blowouts über die gesamte EP erstreckt.
Untermalt wird die Endzeitstimmung durch das tolle Artwork von OdeToBlack.
Kleiner Schmankerl für die Kassetten-Liebhaber: die Tape-Version über Lower Class Kids kommt auf der B-Seite mit einem kompletten Live-Set vom Gig im Gerber 3 in Weimar vom 14. August 2018.


Band: Extinct

Titel/Release: A Piece Of Extinction!/EP (7" Vinyl -> 5x Testpress w/ Alternate Cover, 57x Black, 156x Green; 66x Tape; Digital)

Label: Affront Vinyl (7"), Lower Class Kids (Tape)

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Powerviolence, Hardcore-Punk

FFO: Strafplanet, Svffer, Derbe Lebowski

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Instagram\\//Youtube




Stream "A Piece Of Extinction!"

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Samstag, Februar 16

Die Bandcamp-Punks Vol. 31

Bruised Willies - Dark Humour



Die Südost-asiatische Insel-Kette war für mich in musikalischer Hinsicht bislang nicht sonderlich interessant, mit Ausnahme des malaiischen Labels Utarid Tapes natürlich, das aufgrund gemeinsamer musikalischer Interessen kontinuierliche Beziehungen auch zu deutschen Labels pflegt (u. A. Time As A Color, Moment Of Collapse). Bruised Willies haben damit direkt erstmal recht wenig zu tun, fördern mit ihrer dritten EP nun aber auch schon über zwei Releases die deutsch-asiatische Freundschaft. Wie zuvor schon "John Malkovich Was Great As John Malkovich In Being John Malkovich", erscheint auch "Dark Humour" als Co-Release der Labels Dangerous Goods und Dingleberry Records. Und wie bereits Bandname und Titel der Vorgänger-EP zeigen, erweisen sich die drei Singapurer als wahre Cineasten, was auch auf der neuen EP in Form von schwarz-humorigen Zitaten aus Filmen wie "Grosse Point Blank", "7 Psychos" oder "Kiss Kiss Bang Bang" zum Ausdruck kommt. Musikalisch bewegen sich Bruised Willies ziemlich straight zwischen Emo, Punk, Alternative und Post-Grunge mit ganz viel Pop-Punk-Affinität. Das ist zwar nichts Neues und erinnert ungeniert an Größen wie Citizen und Cloud Nothings oder auch Vertreter hierzulande (Pool Rules, Oat), bringt aber eine Menge Spaß mit. Und eben das, ist auch das erklärte Ziel dieser Spaßtruppe aus Szene-bekannten Musikern von Bands wie The Caulfield Cult, To Hell With You und Abolition A.D.. Nicht mehr und nicht weniger.


DL "Dark Humour"

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Disgusting News - Demo

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Auf wesentlich pissigeren, aber keineswegs melodieärmeren Pfaden wandelt die Band Disgusting News, die im Sommer dieses Jahres mit ihrer Demo-EP debütierte, deren Sound der dunklen Jahreszeit aber irgendwie besser zu Gesicht steht. Die Band aus Bielefeld, die sich den Drummer mit der noisigen Hardcore-Punk-Band Phantom Pain teilt, vermittelt vor allem lyrisch viel aggressive Anti-Haltung, die sicher auch im ortsansässigen AJZ viel Anklang finden dürfte. Dazu ein herrlich manisch-wirbelndes Schlagzeug, in die Prärie galoppierende, dreckige Gitarren und eine Sängerin, die echauffiert Gift und Galle spuckt und dabei gelegentlich Rückendeckung ihrer nicht weniger angepissten männlichen Kollegen erhält. So und nicht anders, sollte Punk klingen, der ernst genommen werden will.
Mit Hilfe von No Firecracker, Please, veröffentlichte das nordrhein-westfälische Quartett sein Demo auf Tape. 

DL "Demo" Here & Here

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Lunch Break - Demo 2018


Herrlich angespisst klingt auch der heisere Schreihals hinter dem Mikro von Lunch Break. Das Berliner Trio, dem zwei ex-Sleep Routines angehören, spielt rotzig-schnellen Hardcore-Punk mit einem Hauch von D-Beat und Crust, der mich vor allem in den rockig-überschäumenden, melodischen Parts wie in "Wrongnorw", "Radar Love II" und "Solving Strategies" an die dänischen Crust-Punks Parasight erinnert. Übrigens genauso eilig scheinen es die drei Hauptstädter auch zu haben, die die neun Songs ihres Debüt-Demos in der gleichen Zeit über die Bühne bringen, wie oben genannte Disgusting News die sechs ihres eigenen. Und die lagen mit knapp 9 ½ Minuten schon gut in der Zeit. 
Bis auf den PWYW-Download auf Bandcamp, sind derzeit nicht wirklich viele Infos über Lunch Break im Netz zu finden. Aber sowohl das kultige Cover (ich liebe diese verdammte Frühstück-Szene) als auch der kurze musikalische Amoklauf, hätten zumindest ein Tape-Release mehr als verdient.

DL "Demo 2018"



Bomb Out - Bomb Out

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Dritte EP des 2013 gegründeten Quartetts Bomb Out. Das Berliner Underground-Star-Ensemble um (ehemalige) Mitglieder von Fabrik Fabrik, Sleep Routine, New Golden und somit auch aus dem näheren Henry Fonda/Ancst/Afterlife Kids-Umfeld, serviert uns auf der selbstbetitelten EP vier gewohnt eingängige und äußerst aggressive Hardcore-Smasher, die im Moshpit garantiert für eine unangenehme und schmerzhafte Rudelbildung sorgen dürften. Straight in your face, lautet hier wohl die Attitüde. Nur gut, dass diese Jungs ihre Herzen am linken Fleck tragen, da verzeiht mensch dann gerne auch mal einige platt-gedroschene Phrasen. Zumal "Bomb Out" zu guter Letzt mit dem Chab Loozy-Rap-Feature "Kein Pardon" nochmals ordentlich hinlangt.


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Gilb - Tape 1


Na wenn das mal kein gewollter Flashback ist... . Vieles auf Gilb's Debüt-EP "Tape 1" klingt wohl-wollend vertraut. Noisige, fast schon surfige Schrammelgitarren, die das solide und um Ordnung bemühte Drum-Bass-Fundament immer wieder aus der Ruhe bringen und hektisches Weirdo-Geschreie, sind die simplen wie effektiven Bausteine dieses katharsischen Garage-Hardcore-Punk-Gebräus. Sechs Songs, die in knapp neun Minuten weniger um Schönklang, als vielmehr um ein ausgelassenes AZ-Feeling bemüht sind.
Freunde des Flennen-Kollektives wissen unlängst, dass sich hinter Gilb umtriebige Gesichter aus Berliner Kombos wie Zelf, Pigeon, Molde und Pretty Hurts verbergen und zudem 3/4tel Deltoids, was optisch (Tape-Cover) wie musikalisch einige Parallelen offenbart.

DL "Tape 1"



Videowelt - Benediction

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Mit der ebenfalls aus Berlin stammenden Band Videowelt, folgt ein Vertreter aus dem Umfeld des Flennen-nahen Labels Spaeti Palace. Videowelt ist ein audio-visuelles Musikprojekt von Alex Roth (Yoga, Redakteur bei Tausend Ebenen), der sich für die musikalsiche Umsetzung u. A. Billy Billfred  von Trucks und Benjamin Wild aka DJ Dingo Susi auf die Bühne holte. So ist es nicht überraschend, dass auch in akustischer Hinsicht über die Debüt-EP "Benediction" ein künstlerischer wie experimenteller Charakter schwebt, der sich glücklicher Weise nicht zu tief in Spielereien verstrickt. 
Stilelemente aus Drone, Doom, Lo-Fi und Noise fordern von der Hörerschaft zwar eine gewisse a-puristische Offenheit ein. Auf der Basis von eingängigem Post-Punk, liefert das Quartett mit "Seventeen", "Televangelism" und dem Titeltrack dennoch einige melodische Songs zum Mitwippen ab.

DL "Benediction"



Freidenkeralarm - Nie Wieder Faschismus

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Kennt hier noch jemand diese intellektuelle Emo-Indie-Ska-Punk-Band Tut Das Not? Ich war jedenfalls ziemlich von derem Album "Bildfänger" angetan, was wahrscheinlich aber auch an der damaligen Zeit lag, in der ich meine Ohren mit viel Deutsch-Indie(-pop) á la Tomte, Tocotronic, Samba und Schrottgrenze weichspülte. Jedenfalls hat sich die Trierer Band Freidenkeralarm nach dem scheinbar auf Spotify beliebtesten Song eingangs erwähnter Band benannt, wobei wir die Suche nach weiteren Gemeinsamkeiten auch schon wieder getrost einstellen können.
Das Trio aus der ältesten Stadt Deutschlands (ja, wir sind stets um etwas Rucksackwissen bemüht) spielt munteren wie melodiösen Punkrock. Ihre zweite, ebenfalls im letzten Jahr erschienene EP "Nie wieder Faschismus" richtet sich konzeptionell über fünf Songs gegen braunes Gedankengut, mal direkter, mal ironisch oder Klischee-bedienend. Die Marschroute ist von Anfang an klar und mündet stets in eingängige Singalongs. Das hier hat Potential zu mehr, 2018 war zumindest das Ertrag-reichste Jahr der Ende 2016 gegründeten Band. Mal schauen, was Freidenkerlalarm 2019 noch so alles reißen können.

DL "Nie wieder Faschismus"



Limp Blitzkrieg - Koniec Kraju Polska

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Nicht nur wir sehen uns mit einem zunehmenden Rechtsruck konfrontiert, auch die polnische Bevölkerung muss spätestens seit 2015 miterleben, wie durch die rechts-konservative Partei PiS die Demokratie Stück für Stück aus der eigenen Verfassung gedrängt wird. 
Die in Polen beheimatete Band Limp Blitzkrieg hat mit ihrem zweiten Longplayer darauf nur eine Antwort - "Koniec Kraju Polska", zu deutsch: "Nieder mit dem polnischen Staat". 
Mit wütendem Hardcore-Punk keift das Warschauer Quartett gegen Diskriminierung, Patriotismus und rechte Tendenzen, aber auch gegen die Gemütlichkeit der Punk-Szene. Der grundlegende Queer-Gedanke der Band, der vor allem durch die Galle-speiende Frontfrau versprüht wird, findet schlussendlich Fromvollendung im Alex Freiheit (Siksa) - Feature "Dobre Rady" und Limp Wrist-Cover "The Ode".

DL "Koniec Kraju Polska"

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Knarre - Live Demo (Epple, 23.06.18)

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Und als seichten Abgang zum Schluss bekommt ihr nochmal eine rohe Schippe Rumpelpunk serviert. Eigentlich bin ich auf das Quartett Knarre aus Baden-Württemberg auch nur aufgrund meiner Recherchen zur gleichnamigen Berliner Skramz-Pop-Band gestoßen. Doch statt Balsam für die Ohren, durchdrang meine selbigen überraschender Weise kakophonischer wie ironischer als auch herrlich angepisst-direkter Deutschpunk, der mich vor allem wegen des schräg-krächzenden Gesangs nicht selten an Mann kackt sich in die Hose erinnert. Schön rumpelig, knarzend und einige nette Hook-Fetzen, die scheinbar vom übermäßigen Bierkonsum oder fehlendem Talent immer wieder verrissen werden. Vielleicht ist das ja auch einfach bloß Angst vorm Schönklang. Egal. Molle her, Nacken dehn, Pogen gehn!

DL "Live Demo (Epple, 23.06.18)"

Samstag, September 29

Slymer - Slapstick Surgery



Kurzinfo:

Da ist dieses tolle Debüt-Album aus dem Jahr 2015 dieser tollen Kieler Band Slymer doch tatsächlich bis heute spurlos an mir vorbeigezogen. Aber zum Glück gibt es ja retrospektive Tape-Labels wie Black Cat Tapes und Last Exit Music, die derartige Mucke für mich aufarbeiten.
Dabei hätte ich auch durchaus alleine auf den Schleswig-Holstein-Vierer stoßen können, mischen dort immerhin Leute von POWER und Die Bullen mit. Egal, besser spät als nie. "Slapstick Surgery" ist ein wilder Bastard aus Hardcore-Punk und Trash-Metal, der auch gut in das legendäre 80er-Metal-Jahrzehnt gepasst hätte, sich aber gleichzeitig nicht zwanghaft der Gegenwart entledigen will. Verstanden? Auch egal. Tolles Album; geiler Groove; full metal death machine. Boom!


Band: Slymer

Titel/Release: Slapstick Surgery/Album (Green Vinyl; Tape; Digital)

Label: DIY/Bandcamp, Black Cat Tapes

Erscheinungsjahr: 2015/2018

Genre: Hardcore-Punk, Metal

FFO: Danny Trejo, La Crisi, Parasight

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Stream & Buy Vinyl "Slapstick Surgery"

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Mittwoch, September 12

Raucнen - Tabakbörse



Kurzinfo:

Schon wieder so eine garstige Frontfrau, die sich hemmungslos und wutentbrannt über die deutsche Gesamtscheiße auslässt. Da Bandnamen und eigens kreierter Stil ("Mopedpunk") in Besprechungen einschlägiger Webzines schon genug Wortspielereien über sich ergehen lassen mussten, beschränke ich mich auf das Wesentliche. Sieben Songs schmücken das Debüt des Hamburger Quartetts, die knapp zehn Minuten von der Hörerschaft einfordern. Auf der Basis von mal schnelleren und mal langsameren, in jedem Fall aber treibenden Hardcore-Punk-Melodien, erbricht sich die Sängerin u. A. über "deutsche Tugenden", Mackertum, Junggesellenabschiede und dem post-modernen Hassobjekt Schrebergartenkolonien. So und nicht anders sollte wütender, ernstzunehmender Punk klingen. Hoffentlich kommt da noch mehr.


Band: Raucнen

Titel/Release: Tabakbörse/EP (100x Mint Green & 200x Vinyl w/ Screenprinted B-Side; Digital)

Label: Zeitstrafe

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Powerviolence, Hardcore-Punk

FFO: Strafplanet, Boston Curtis, Slow Meth, Sacridose

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DL "Tabakbörse"

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Sonntag, September 2

Der Bandcamp-Hardcore Vol. 39


Lesser Lights - Glass Lungs And Paper Lungs



Als What We're Afraid Of  haben 3/4tel-Lesser Lights 2012 bei uns einen ordentlichen Eindruck hinterlassen. Leider weilte die Euphorie nicht sehr lange, denn 2014 trug das Quartett aus Okeechobee, Florida seine gemeinsame Band zu Grabe. Mit neuem Mitglied, agierten die Amis zumindest die nächsten zwei Jahre weiterhin zu viert und bewegten sich nicht allzu weit weg von ihrem zuvor praktizierten Mathcore. Immer noch bissig genug, technisch hyperventilierend und somit ein lohnenswerte Ergänzung für die Mediathek zwischen The Dillinger Escape Plan und The Chariot.

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Fero Lux - Cheap Funeral: For You

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Auch sechs Jahre, zwei Alben, eine Split-EP und eine EP nach dem farmosen Debüt der amerikanischen Band Fero Lux, weiß uns das Quartett immer noch zu überraschen. Ein stetiger Geheimtipp, wenn mensch so will, denn die Jungs aus Florida vermischen in ihrem Stil Elemente des Emorocks und -Cores, Math- und Post-Hardcores - und klingen dabei wie eine ausgewogene Kreuzung aus At The Drive-In, Glassjaw und On The Might Of Princes.




Montagne - Spring Birds

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Auch das Pariser Trio Montagne will sich nicht so recht auf etwaiges Schubladendenken einlassen und kreiert auf der Basis von Post-Metal seinen ganz eigenen Sound. Neben ambienten Momenten und Blastbeat-Attacken, sind es vor allem die groovigen wie psychedelischen Stoner-Metal-Ausflüge, die Montagne's zweite EP "Spring Birds" zu einem wahren Ohrenschmaus werden lassen.
Kommt als Tape u. A. über Dingleberry Records und Hardcore 4 Losers.

DL "Spring Birds" Here & Here

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Atavistic Traits - Demo

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Eines vorweg: ich bin eigentlich kein großer Ska-Fan. Etwas Rantanplan oder Ginsengbonbons, ein bisschen mehr noch Shandon, reichte für meine gelegentliche Dosis an Offbeat-Trompeten-Punk vollkommen aus - bis ich kürzlich Atavistic Traits aus Graz entdeckte. Das österreichische Quintett spielt - nunja - eine Art Ska-Crust-Punk, was mir in dieser Form noch nicht vor die Lauscher gekommen ist. Simpel wie originell, schüttelt die Band auf ihrem Demo-Debüt neun lockere und eingängige Melodien aus dem Handgelenk und schreit sich dazu die Seele aus dem Leib. Großes Kino. Ich hoffe, dass da noch mehr kommt und sich das eine oder andere Label erbarmen wird, Atavistic Traits unter ihre Fittiche zu nehmen.



Error37 - Error37

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Was diese vier australischen Emos vor drei Jahren mit ihrer dritten EP ablieferten, eröffnete dem geneigten Nintendocoreler wahrlich keine neue Welt. Angereichert mit Pop-Punk, Metalcore und ganz viel Teenage Angst, könnte das Quartett aus Melbourne Fans von All Time Low, I Set My Friends On Fire und Moshing Samurai gleichermaßen beglücken. Wer mit diesem post-bewährten Mix leben kann, startet die ausgelassene Teenieparty am besten mit den Stücken "xXCactaurXCoreXx" und "Chinese Warlord".

DL "Error37"

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Zombieshark! - The Digital Sea

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Wesentlich atmosphärischer, düsterer und bedrohlicher wirkt da schon Zombieshark!'s letzte EP "The Digital Sea". Nach zuvor drei Alben, einer EP, einigen Compilation-Songs und Game-Scores, ist das Duo aus Philadelphia um Cory Swope und Jeff Brown nun auch auf dem Szene-Label Kitty On Fire Records gestrandet, das die von der Band selbstveröffentlichten, standesgemäßen Cartridge-Version (Sold Out!) noch um ein CD- und Tape-Release erweiterte. Mit Unterstützung ihrer Kollegen Steven Dunn aka Got Item! und Skylah Pendall aka Go:Eskimo, haben Zombieshark! ein intensives Werk in der Zwischenwelt von Digital und Analog geschaffen.

DL "The Digital Sea"

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 Potato Hate Machine - Glittergrind

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Hinter Potato Hate Machine verbirgt sich einzig und allein der Amerikaner Colton Gast aus Bowling Green, Missouri, nicht zu verwechseln mit Bowling Green in Kentucky, dem Ort, der für das fiktive Massaker des irrigierenden US-Präsidenten Trump herhalten musste, um seine rassistische Einwanderungspolitik voranzutreiben. Genug abgedriftet. Auf seinem siebten Album zeigt er sich gewohnt angriffslustig auf Genre-Grenzen. Zwischen Cybergrind, Metalcore, Ambient, Hip Hop und ganz vielen Broken Beatz, bedient Potato Hate Machine ein vielleicht auch etwas zu überambitioniertes Reportoire.

DL "Glittergrind"


Ashes Of Pompeii - Sea Of North

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Die einstige Marburger Post-Hardcore-Hoffnung Ashes Of Pompeii hatte eigentlich niemand mehr so richtig auf dem Schirm, lag ihr letztes Album bis dato stolze vier Jahre zurück, zumal sich Kopf Tobi Mösch und einige andere Bandmitglieder zwischenzeitlich mit Yellowknife lieber im Indie-Pop ausprobierten. Vollkommen unverhofft also, veröffentlichte die Band 2016 die EP "Sea Of North" in Eigenregie und erlebte zusammen mit der gemeinsamen Herbsttour mit Fjørt eine Art zweiten Frühling. Angesichts der Tatsache, dass es bis heute das so ziemlich letzte Lebenszeichen der Band war und sich die andere Bandhälfte mittlerweile bei Hector Savage herumtreibt, vielleicht auch eher ein letztes Aufbäumen. Wer weiß. Die zwei darauf enthaltenen Songs "Galeere" und "Marabu" spiegelten jedenfalls eine Band am Ende ihrer Entwicklungsphase wider. Vom experimentellen Emocore ihrer Anfangstage, fand die Band schlussendlich ihren Platz im routinierten Post-Hardcore. Und so verabschiedem sich AOP wohlmöglich nochmal mit einem emotional tiefschlagenden und einem im Shoegaze umherflirrenden Song. Vielleicht melden sie sich im Jahr 2020 aber auch mit ihrem vierten Album zurück.

Stream "Sea Of North"

Buy via PM on Facebook or Mail to: mail@ashesofpompeii.com


Argos - Argos






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Noch länger zurück als oben genannte EP, liegt das Debüt der Berliner Band Argos. Bereits 2013 im Hidden Planet Studio (das Studio, in dem sich u. A. The Ocean scheinbar ganz wohl fühlen) aufgenommen, folgte das digitale Release ihrer selbstbetitelten EP erst zwei Jahre später, während die Tonträger dazu seit jeher in der Planung feststecken. Aber digital ist immerhin noch besser als fiktional, und so überzeugt uns das Hauptstadt-Trio mit sechs metaphorisch-resignierenden Post-Hardcore-Songs, die ihre düster-melancholische Atmosphäre vor allem aus post-rockigen Soundscapes saugen.
Nachdem es zeitweise recht still um die Band gewesen war, spielten Argos zum Ende des letzten Jahres hin wieder vermehrt Live-Shows und kündigten zuletzt die Arbeiten an neuen Songs an.


DL "Argos"

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Dienstag, August 14

Alteri - Miseria



Kurzinfo:

Zur Abwechslung mal etwas Düsternis zur hellen Jahreszeit. Mit neuem Shouter begründen vier ex-Graben unter dem Namen Alteri einen Neuanfang, der die alten Fans schnell hinwegzutrösten vermag. Tolles D-Beat-Crust-Punk-Gewalze mit kleinen Metal-Ausreißern und einem Hammond-orgelnden Interlude.


Band: Alteri

Titel/Release: Miseria/Album (500x Black Vinyl; Digital)

Label: Sengaja Records, Holy Goat Records

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Crust-Punk, (Death) Metal, D-Beat

FFO: Weekend Nachos, Wolfbrigade, Ruins

Links: Facebook




DL "Miseria"

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Mittwoch, Juli 25

Platte des Monats 07/2018: Snarg - Snarg II



Kurzinfo:

Na gut, ich gebe es ja zu. Für mich war eigentlich schon mit dem Release ihres ersten Albums klar, dass auch Snarg's zweites, sollte es denn eines geben, unsere Rubrik "Platte des Monats" krönen wird. Was soll ich sagen, ich stecke fest...auf einer Band, die enorm wichtig ist für die Gegenwart und dort weitermacht, wo Antitainment mit ihrem zweiten Album aufgehört haben. Nämlich verdammt gute Hardcore-Punk-Songs zu schreiben, die bei aller 8-bit-, Chiptune- und Synthie-Verspieltheit den Bezug zur Ernsthaftigkeit nie ganz verlieren. In diesem Sinne ist "Snarg II" sogar ein ziemlich ernstes Album geworden, ein - so blöd es auch klingt - (ge)reif(t)es Werk. Eine Reife, die sie mit Lafftrak nicht erreichten oder erreichen wollten und vielleicht sogar reifer als Antitainment es je waren. Ein inhaltlich-konzeptioneller roter Faden schlängelt sich durch die acht Songs, was eben auch nicht spurlos an die Struktur der Stücke vorbeizieht. Vieles auf "Snarg II" ist im Vergleich zum Vorgänger abgerundeter. Weniger Math-Vertracktheit, weniger wahnwitzige Synthies, dafür mehr Eingängigkeit und Einklang von Elektronik und Rock. Und mit "Minigolf, Tod" und dem nachdenklich stimmenden und zugleich krönenden Abschluss "Fallen", habe ich jetzt auch direkt mal zwei neue Lieblingssongs der Band.
Einziges Manko: 18 Minuten sind wieder einmal viel zu schnell vorüber.


Band: Snarg

Titel/Release: Snarg II/Album (Tape in Slipcase; Digital)

Label: Uga Uga Tapes, Tief in Marcellos Schuld

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Nintendocore, Hardcore-Punk

FFO: Antitainment, Lafftrak, Horse The Band

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube




DL "Snarg II"

Buy Here & Here or via Mail to: snarg@echsenmenschsystem.de




Donnerstag, Juli 19

Boston Curtis - Demo



Kurzinfo:

Die Flut an großartigen female-fronted Powerviolence-Bands will einfach nicht abreißen. Mit Boston Curtis haben sich nun ehemalige Mitglieder von Chevin, Rant und Belka zusammengerauft, um gemeinsam ihren Unmut über die gesellschaftliche Gesamtscheiße reichlich Luft zu machen. Nach einem bedrohlich-schleppenden Intro, entfacht das Hamburger Trio einen kurzen wie furiosen Krachblizzard, der seine Intensität vor allem aus den authentisch-inbrünstigen Screams von Frontfrau Rike bezieht.
Das Demo kommt als goldenes Tape in goldener Tasche mit Textblatt und ist auf 100 Exemplare limitiert.


Band: Boston Curtis

Titel/Release: Demo/EP (100x Tape; Digital)

Label: Interceptor Editions, Gafas del Rigor Cassettes

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Powerviolence, Hardcore-Punk

FFO: Strafplanet, Rauchen, PUNCH

Links: Facebook




DL "Demo"

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Mittwoch, Juli 11

Hollywood Trash Vol. 7


Paris Death Hilton - Victoria's Shithole EP



Wird ja auch höchste Zeit, dass die verwöhnte Millionärstochter endlich mal ein musiklaisches Pendant zugestanden bekommt.
Hinter Paris Death Hilton verbergen sich zwei japanische Noise-Instrumentalisten, die auf ihrer Debüt-EP "Victoria's Shithole" ziemlich groovenden, instrumentalen 8bit-Synthie-Breakcore-Noise-Rock abliefern, der vor allem durch die (meistens) herrlich organisch-scheppernden Drums seinen Bezug zur Rockmusik niemals verliert.




Owen Wilson - Computor

Bandcamp
Nach "EP" und "EP II" kommt - na klar: "Computor"! Hinter Owen Wilson verbergen sich Typen aus Screamo-, Shoegaze-, Psych-Garage-, Dubstep- und Indie-Folk-Gruppen wie Respire, Yeomans, Mara & The Marigold, Elegance und Kilmanjaro. Auf ihrer dritten EP, die lediglich digital über NYK Records erschien, agiert das ursprüngliche Quartett nur noch zu zweit, was ihrem psychotischen Hardcore-Punk-Garage allerdings keinen Abbruch tut.



Christopher Walken - I Have A Drink

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Nun hat's also auch endlich die lebende Schauspieler-Legende Christopher Walken erwischt. Erbarmt haben sich vier Masken tragende Jungs aus dem italienischen Genua, die zwischen den Jahren 2012 und 2013 aktiv waren. Auf ihrem Debüt-Album "I Have A Drink", das als CD über das beheimatete und nicht weniger Hollywood-verliebte Label Taxi Driver Records erschien, spielt das Quartett fett groovenden Stoner Rock mit einer gehörigen Portion Sex'n'Roll und kleiner Hardcore-Kante




Eddie X Murphy & Tony Montana - Split EP


Was oder wem soll ich schon großartig über eine Extrem-Harsh-Noise Band berichten, deren Anspruch wohl mehr dem Experimentellen als Tanzbaren entspricht?! Ich jedenfalls kenne niemanden in meinem näheren Bekanntenkreis, der dazu ekstatisch abzappelt. Vielleicht ja als Gegenbewegung zum Post-Rock zu sehen, könnten Song-Titel und Noise im Zusammenspiel eine wahrhaft psychotische Atmosphäre bilden. So könnte "Il Numero Della Bestia "666"" (engl. The Number of the Beast "666") einem gescheiterten Exorzismus gleichen, bei dem der Dämon Stück für Stück die Oberhand gewinnt, oder gar die letzten Minuten vor der Apokalypse umrahmen. Vielleicht ist es aber auch einfach bloß berechnender Krach, den das umtriebige Trio Eddie X Murphy um Szenegänger aus Gruppen wie Charged Attack HC, PxAxVx, Sexy Crocodile For Dinner und The Nutries hier abliefert.
Nicht anders bei der amerikanischen Band Tony Montana - ihr wisst ja, "Scarface", Al Pacino usw. -,  in ihrem Noisegrind-PW-Mix zwar mehr hörbare Strukturen offenlegt als zuvor genannte ExM, vor allem aber durch die rohe Proberaumästhetik keinen Nerv weniger abverlangt.
Die Diskografie beider Bands gibt's kostenlos auf den jeweiligen Bandcamp-Seiten und Underground-Labels wie Poop Tapes oder Scaglie Di Rumore.


DL Split-EP Here & Here



KLAUS KINSKI - Skelington Horse

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Spätestens seit Mclusky (und in diesem Sinne natürlich auch Shooting At Unarmed Man und Future Of The Left) hat der südwestliche Zipfel der britannischen Hauptinsel, Wales, ein Stein bei mir im Brett. Was waren das damals für Freaks. Wahrscheinlich war es bloß purer Zufall, dass KLAUS KINSKI aus Llanfairfechan 2005 ihr erstes Lebenszeichen von sich gaben, in dem Jahr, als sich das Quartett aus Cardiff leider viel zu früh auflöste. Da sich hinter KK jedoch altbekannte Musiker verbergen (mittlerweile bei Kombos wie Sex Hands, Irma Vep, Spectralate, Boreas Y Gogledd, Desmadrados Soldados De Ventura und Queer'd'Science), kann ich mir aber gut vorstellen, dass sie irgendwann schonmal von Mclusky gehört haben, auch wenn ihr Devonional-Noise-Punk mit Saxofon- und Trompeten-Gastspiel sicherlich in eine etwas andere Richtung ausholt. Freaks sind das hier aber auch.


Jahres-Sampler