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Freitag, Oktober 5

eigen.Welt - F32.



Kurzinfo:

Auch fünf Jahre nach dessen Veröffentlichung, ist das Demo-Debüt von eigen.Welt ein gottverdammtes Kleinod, das vor allem für a-puristische Metalheads interessant sein dürfte. Daniel Bieberstein's Solo-Projekt war leider nicht sehr langlebig, eine angekündigte zweite EP kam wohl auch wegen fehlender Resonanz nicht mehr zustande. Dabei verbergen sich hinter dem Titel "F32." vier atmosphärische wie groovig-bretternde Songs, die mit Hilfe von "Reverend" Rossbach in ein standesgemäßes Format gebracht wurden. Dass der Würzburger bereits reichlich Metalerfahrung in Gruppen wie Rising Sunset, Creeping Scythe, Path Of Devastation und 7th Abyss sammeln konnte, tut sein Übriges. Doch so (schaurig-)schön sich seine instrumentalen Soundscapes aus ambienten Keyboardklängen, stürmischen Blastbeatattacken und schwelgenden Melodien auch den Gehörgängen anschmiegen, ist seine EP dennoch ein ziemlich intimes Werk, in dem Bieberstein seine eigene Krankheit verarbeitet. F32 ist ein Begriff aus dem medizinischen Sektor, der sich im wesentlichen mit den depressiven Phasen beschäftigt, wobei die Zahl 3 wohl für die stärkste Form steht. Was der Musiker also tatsächlich durchstehen musste, lässt "F32." wohl nur im Ansatz erahnen...


Band: eigen.Welt

Titel/Release: F32./EP (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2013

Genre: Atmosphäric Black-Metal, Post-Black-Metal, Ambient, Instrumental

FFO: VVilderness, Svrm, Ewig.Endlich.

Links: Facebook\\//Youtube




DL "F32."


Sonntag, August 12

Danijel Zambo - Bliss



Kurzinfo:

Es kommt einen so vor, als würde der Augsburger Singer/Songrwiter, Multiinstrumentalist und Produzent Danijel Zambo doch tatsächlich versuchen dem Release-Marathon von Omar Rodriguez-Lopez Paroli bieten zu wollen. Allein innerhalb des letzten Jahres veröffentlichte er drei Alben und zwei EP's, darunter das Hip-Hop-Beat-Fundament "Playground", das post-rockige "This World Is Too Fast", der Chillout-Trance-Monolith "Transcendence" und das Piano-balladeske "Childhood Dreams". Und da sind die Arbeiten seiner Neofolk- und Black Metal-Projekte Walden und Skognatt noch nicht mal mit reingerechnet. 
"Bliss", sein bis dato 12. Album, lässt sich entgegen den vorstehenden Releases nicht so leicht auf den Punkt beschreiben, da es sich als ein schizophrenes wie episches Stück Experimentalmusik entpuppt, in dem bedächtige und ambiente Post-Rock-Sphären, akustische Folk-Spielereien und balladeskes wie progressives Geplänkel immer wieder durch metallische Eruptionen zerrüttelt werden. "Split" wäre wohl der treffendere Album-Titel gewesen....


Band: Danijel Zambo

Titel/Release: Bliss/Album (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Instrumental, Experimental, Post-Metal, Progressive Rock, Post-Rock, Acoustic

FFO: Ares One, Norio, Maeth

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Stream & Buy Digitally "Bliss"

Montag, August 6

Respire - Dénouement



Kurzinfo:

Zweites Album der Band aus London, ......... Canada (Wer hätte es gedacht?!). Schon mit dem Debüt "Gravity And Grace" gelang Respire, der u. A. 3/4tel Foxmoulder und 1/4tel Owen Wilson angehören, ein unkonventionelles Mischwerk aus orchestralen Screamo, Blackgaze, Post-Rock und -Metal. Der Nachfolger "Dénouement" führt dieses Konzept weiter fort, verlagert jedoch die Anteile seiner Bausteine neu und sorgt somit für mehr melancholische Dringlichkeit inmitten der schwarzen Zerstörungswucht. Ein Album, das seinesgleichen sucht.


Band: Respire

Titel/Release: Dénouement/ Album (100x Red Vinyl w/ Black Splatter; 100 White Vinyl w/ Red Splatter; 300x Transparent Red Vinyl; 50x Tape; Digital)

Label: Narshardaa Records, Middle-Man Records, Dingleberry Records, Zegema Beach Records

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Orchestral-Screamo, Blackgaze, Post-Rock, Post-Metal

FFO: Recreant, The Pax Cecilia, Mononoke, I Would Set Myself On Fire For You

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Instagram




Stream & Buy "Dénouement" Here, Here & Here

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Dienstag, September 13

Hadean - On Fading



Band: Hadean

Titel/Release: On Fading/Album (CD, Digital)

Label: Transcending Records

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Progressive Post-Metal, Avant-Prog, Free-Jazz

FFO: Dog Fashion Disco, Time of Orchids, Naked City

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Youtube\\//Bandcamp




Kurzinfo:

Am Progressive hat mich eigentlich seit jeher weniger das ausladende Gegniedel fasziniert, als vielmehr das Zusammenführen genreuntypischer Instrumente. Damals waren es The Plot to Blow Up the Eiffel Tower mit ihrer Art Punkcore-Jazz, wobei diese mangt des San-Diego-üblichen Grindgedresches ein vollkommen kaputtes Saxofon unterbrachten, die mich fast vollkommen weg vom Mainstream und hin zu undergroundige Musik zogen.
Auch Hadean aus Massachusetts (nicht aus Köln!!!) prügeln auf dem Opener "Noise Reduction Impulse" ihres ersten physikalischen Releases "On Fading" (CD, Vinyl bei entsprechender Resonanz) drauf los, als gäbe es keinen Morgen mehr und schmeißen darüber hinaus ein fragiles Piano und ein um Ordnung bemühtes Saxofon auf den chaotischen Instrumentenhaufen mit drauf. Die ersten dreieinhalb Minuten des Songs klingt das 2012 gegründete Sextett wie eine wildgewordene Besteckschublade, ehe nur noch störgeräuschartige Synthies und das erschöpfte Saxofon den Song ausklingen lassen. Auch mit dem ambienten zweiten Song "New Lows" weiß mensch die Band noch nicht so recht einzuordnen. Erst nachdem sich "Inertia" anderthalb Minuten bedächtig im Barjazz suhlt, offenbart die Band so langsam ihr wahres Gesicht. Dass Hadean mit ihrem Progressive Post-Metal augenzwinkernd zu avantgardistischen Dog Fashion Disco oder Les Claypool'- und Zorn'schen Auswüchsen hinüberschielt, ist an dieser Stelle schon längst kein Geheimnis mehr.
"Saudade" ist noch einmal so ein Song, der über fast zwölf Minuten Schönklang und akrobatischen Freistil gegeneinander aufbringt. Die große Überraschung aber heben sich Hadean für den letzten Song auf. Ein epochales Stück Monumentalmusik, in dem sich Holz- und Blechbläser fest umschlingen, heroisch auftürmen und uns fast einen zehnminütigen Gänsehautmoment bescheren, wie Moonsorrow mit ihrem Wikinger-Epos "Tulimyrsky".


DL & Buy "On Fading"

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Donnerstag, Juni 2

Rue des Cascades - Odes to Love, Flames to Paris



Band: Rue des Cascades

Titel/Release: Odes to Love, Flames to Paris/Album (200x Gatefold Vinyl, Tape, Digital)

Label: Cruel Bones/Ashes Cult

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Post-Hardcore, Post-Rock, Post-Metal, Ambient, Shoegaze

FFO: Aussitôt Mort, Fall of Messiah, Sundowning

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Last.fm



Kurzinfo:


Eigentlich machte sich die Schweizer Band Rue des Cacades bisher immer ganz gut zwischen französischen (nicht nur des Namens wegen) oder deutschen Post-Hardcorelern wie REVOK oder Jungbluth. Mit ihrem Debüt-Longplayer "Odes to Love, Flames to Paris" entfernt sich das Quartett aus Winterthur allerdings nicht nur ein ganzes Stück weit weg von dieser Riege, sondern vor allem vom eigenen Sound.
Klar, bereits ihr old-schoolig angehauchtes Demo-Debüt aus dem Jahre 2012, das zwei Jahre nach Bandgründung erschien, bot Platz für einen epischen Neun-Minüter und ließ auch an anderen Stellen vorsichtig durchschimmern, dass die Band keine kompromisslose Knüppeltruppe ist. Was allerdings noch als etwas umherirrender Selbstfindungstrip anfing, entwickelte sich schließlich auf der Split-EP mit den Dub-Post-Punks Abrassiv und der "Katalepsie"-EP zu einem eigenen Konzept, mit dem sich Rue des Cascades auch im Hinblick auf die internationale Konkurrenz durchaus hören lassen konnten. Mittlerweile befinden sich die vier Schweizer im siebten Bandjahr. Zeit für einen Umbruch? Jein, denn Rue des Cascades haben erkannt, dass es zu Zeiten der Kaltherzigkeit nicht immer zielführend ist, mit dem Brecheisen durch die Wand zu rammeln. "Odes to Love, Flames to Paris" ist eine Reflektion der gegenwärtigen Umstände und trägt einen Titel, der vor allem im Bezug auf die jüngeren Ereignisse mehrfach ausgelegt werden kann.
Das Album setzt sich aus zwei Songs zusammen, die es addiert auf eine stolze Gesamtlänge von fast vierzig Mintuen bringen. Und wer der Band mit der Einstellung gegenüber tritt, sie würde nahtlos an ihren vorangegangenen Post-Hardcore-Releases anknüpfen, der/die könnte die ersten elf Minuten der A-Seite auch ganz leicht überhören. Denn bis auf ein kurzes Intermezzo, in dem sich die zart schwingenden Becken, der knarzende Bass, die dronigen Akkorde, die flirrenden Shoegaze- und seichten Post-Rock-Gitarren zu einem lärmenden Ganzen aufwölben, gleicht "Korea/Germany" bis dahin einem beklemmenden Kammerspiel, deren ansätzenden Ausbrüche und Fluchtversuche aus der Einöde auf ein Minimum reduziert sind. Erst danach ertönt eine monotone Stimme aus der Ferne, die den/die Hörer/in durch die nebelverhangenen und einsturzgefährdeten Klangruinen führt, bis sich schließlich der post-apokalyptische Trümmerhaufen offenbart.
Die B-Seite führt diesen Konzept weiter fort und schließlich auch zum Ende der LP. Und da die A-Seite bereits beste Vorarbeit geliefert hat, kann mensch diesmal auch von Anfang an den intensiv arrangierten Aufbau des Songs aufmerksam verfolgen. Trotz seiner Überlänge, orientiert sich "Der Russ Dresdens" etwas mehr an den altbekannten und -währten Post-Hardcore-Mustern und zieht den Spannungsbogen etwas schneller auf. Zudem reicht die Band der unter Umständen irritierten Hörerschaft die versöhnliche Hand mit einem ausgeprägten Groove-Part und beweist somit, dass sie keinesfalls an Druck und Biss verloren hat. Die Frage, wie eingangs erwähnt, ist nur, ob es tatsächlich am Können oder Wollen liegt. "Odes to Love, Flames to Paris" klingt in erster Linie nach einem Album, das sich die Band von der Seele geschrieben hat, statt damit irgendwelche Erwartungshaltungen zu erfüllen. Es ist ein beklemmendes und düster-sphärisches (Hand-)Werk, das von Marc Bouffé (die Drahtbürstenstimme von Hathor, Recording) und Role Wiegner (Die Tonmeisterei, Mix & Master) in einem organischen Sound gepackt wurde.

Stream "Odes to Love, Flames to Paris"

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Freitag, März 25

Platte des Monats 03/2016: fire walk with me! - ...neither the fires of hell will guide us home



Band: fire walk with me!

Titel/Release: ...neither the fires of hell will guide us home/Album (Digital, Vinyl in Planung)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Post-Hardcore, Post-Rock, Post-Metal, Progressive, Psychedelic

FFO: Amenra, The Canyon Observer, SURHYSA, DRIFTOFF, Paulinchen Brennt

Links: Facebook\\//Myspace\\//Last.fm



Kurzinfo:

Hardcore und Post-Rock, eine schier unendlich-leidenschaftliche Beziehung, die vor allem im letzten Jahrzehnt im musikalischen Untergrund entflammte und bisweilen sogar in die großen Konzerthallen getragen wird. Was bei vielen Vertretern allerdings nur ein Teilkompromiss ihres experimentellen Sounds ist, hat die Regensburger Band fire walk with me! zu ihrem Konzept erklärt, mit einer Intensität, die so im Untergrund wohl nur selten anzutreffen ist. Heißt für euch moshenden Tanzbären für die nächsten 60 Minuten (!!!), die ihr erster Longplayer "...neither the fires of hell will guide us home" von euch abverlangt, gepflegt die Beine hochzulegen und aufmerksam zuzuhören. Abzappeln könnt ihr ja schließlich noch beim zweiten Hördurchlauf.
Das Regensburger Quartett mit ehemaliger Hen:ge- und aktueller The Bear's Lair-Beteiligung existiert bereits eine ganze Weile, veröffentlichte 2008 ihre Debüt-EP "Jenova" und teilte sich seither mit mehr oder weniger großen Bands wie ASIWYFA, White Hills, Dear John Letter und Maybeshewill die Bühne. Im Jahr 2015 und somit bei ihrem ersten Album angekommen, sind fwwm! allerdings noch immer auf der Suche nach einem Label, das der Band bei einem Vinyl-Release unter die Arme greift. Eine Schande, ganz ehrlich!
"...neither the fires..." ist ein Kleinod - ich weiß, ein Begriff, der hier viel zu oft fällt aber diesmal wieder haargenau passt - der Gefühlsschwankungen und darüber hinaus eine Art Medley der o. g. Referenz- und Support-Bands. Ob Sehnsucht, Melancholie, Spannung oder auch Wut - fwwm! verschmelzen alles zu einem stimmigen Soundtrack, der entgegen der namentlichen Assoziation ("Fire Walk With Me", der nicht ganz unumstrittene Auflösungsfilm zur "Twin Peaks"-Serie) zwar genauso viel Geduld einfordert, aber alles andere als verworren und abstrakt wirkt.
Abgesehen von der Piano-Schrei-Ballade "Orkus", könnte man dabei jeden der fünf übrigen Songs fast schon mit einem eigenen Beitrag versehen. Mit einer durchschnittlichen Spieldauer von zwölf Minuten, mäandern diese etappenweise durch schwelgerische Soundscapes und werden immer wieder durch aufgewühlte bis walzende Krach-Attacken aufgebrochen. Das ist auf einer derartigen Gesamtlänge durchaus schon eine penibel konstruierte Angelegenheit und erklärt vielleicht auch, warum sich die Band so lange für ihr zweites Release Zeit ließ. Auf "...neither the fires..." geht es nicht darum, möglichst viel in einem begrenzten Raum hineinzustopfen, geschweige denn, die Songs mutwillig zu überladen. fwwm! wollen eine eigene Atmosphäre kreieren, die sich zwischen trügerischer Stille und düsteren Stolpersteinen nie der Hoffnungslosigkeit unterwirft und stellenweise sogar von einem treibenden Groove voran getrieben wird. Eine höchst spannende wie hoch-explosive Mixtur.

DL ...neither the fires of hell will guide us home



Mittwoch, Oktober 7

Boden - S/T 12"



Band: Boden

Titel/Release: Boden/EP (12" w/ screenprinted B-side, Digital)

Label: Holy Goat Records, Revolvermann Records, Meta Matter Records

Erscheiningsjahr: 2015

Genre: Black Metal + Shoegaze = Blackgaze, Post-Metal, Post-Rock, Ambient

FFO: Amber, Triste L'Hiver, Archivist, Sun Worship

Links: Tumblr\\//Facebook\\//Vimeo



Kurzinfo:

Es ist euch sicherlich schon aufgefallen - der Black-Metal-Markt boomt. Ein Umstand, der natürlich nicht spurlos an uns vorbeizieht. So tauchten hier vor allem in den letzten Monaten immer wieder nennenswerte Gruppen auf, meistens mit Affinität zum klassischen Black Metal. Mit dem Stuttgarter Quintett (derzeit Sextett) Boden, haben wir nun eine Band, die dem Black Metal etwas experimenteller gegenüber steht. Und da hier Powerviolence-/Fastcore- und Post-Screamo-erprobte Leute von WØLFENSTEIN und Loner mitmischen, ist das auch keine all zu große Überraschung. Ihre selbstbetitelte Debüt-EP, die im Laufe des Jahres als einseitig bespielte und b-seiten-besiebdruckte 12" über o. g. Labels erscheinen wird, entpuppt sich dennoch als ein unberechenbares und vor allem düsteres Biest. Klar, wer mit Black Metal nichts anfangen kann, braucht gar nicht erst weiter zu lesen, genauso wie Diejenigen, die kompromissloses Trommelfeuer erwarten. So läuft das nunmal bei sogenannten Blackgaze-Vertretern, die brachiale Härte mit viel Atmosphäre aufweichen. Das Genreuntypische an Boden allerdings ist, dass sie ihre vier Songs nicht nur zeitlich gesehen in einem überschaubaren Rahmen halten. Und das reicht auch vollkommen aus, um "Boden" mit sämtlichen düster-schimmernden Facetten zu beklecksen, ohne zu langweilen: Das bedrohlich einleitende "Correspondance"; das mit fragilen Momenten immer wieder bröckelnde "Morphin"; das permanent post-rockig schwebende "Shine"; und das anfangs morbide umhergeisternde und schlussendlich fast schon euphorisch ausklingende "The Light Inside Is Broken (But I Still Work)".

DL S/T 12"


Montag, September 28

Thurm - Thurm LP



Band: Thurm

Titel/Release: Thurm/Album (100x white Vinyl/w black inside & 400x clear/w black white marbled Vinyl, 25x Testpressings, Digital)


Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Black Metal, Düster-(Post-)Hardcore, Punk


Links: Facebook\\//Last.fm



Kurzinfo:

Der Musiksektor streikt! Gegen menschenverachtende Weltpolitik zum Beispiel, oder Gleichgültigkeit, Intoleranz und "moderne Sklaverei". Derartiger Protest ist unlängst nicht nur dem (Hardcore-)Punk vorbehalten. Auch der Metal, insbesondere der Black Metal, ist redlich darum bemüht, gegen seine Vorurteile anzukämpfen und sein Dasein wieder ins linke - und somit richtige - Licht zu rücken. Ancst, AST, Thraenenkind, WELK, uvm. - sie alle sind bereits mit guten Beispiel voran gegangen und können mit Thurm nun ein weiteres Mitglied in ihrer Familie begrüßen.
Thurm's gleichnamige Debüt-LP nimmt bereits einiges vorweg, vor allem, dass sich hinter dem Quartett keine musikalischen Neulinge und schon gar keine Mitläufer verbergen. Timo und Justus hatten mit ihrer (ehemaligen??) Band Anteater eine ebenso klare Stellung bezogen, wie die ex-Amber- und derzeitige Archivist-Shouterin Anna. Daraus lässt sich natürlich schonmal eine grobe Richtung ihres neuen Sounds ermitteln. Black Metal, der es nicht eilig hat auf den Punkt zu kommen und seine Einflüsse aus dem Post-Metal/-Rock und Düster-Hardcore untermauert. So entgleiten die radikalen und hektischen Schlagzeugattacken samt des bedrohlichen Gitarrengemetzels im Hintergrund immer wieder in apokalyptisch-atmosphärische Soundscapes, die entweder düster-post-rockig (z.B. "Modern Slavery Exists") oder sludgig-walzend ("FGM", "Shores") ausgerollt werden. Das könnte vor allem dem klassisch-gemeinen Black-Metaller etwas zu bunt werden, zumal das Mathcore-Gehacke in "Children of Darkness" und das ohne große Umschweife im Post-Rock schwebende "Enough" den apuristischen Gedanken des Albums noch weiter hinaus tragen.

DL & Buy S/T LP Here & Here

Buy Here, Here & Here

 

Mittwoch, April 1

Der Weg einer Freiheit - Stellar LP



Band: Der Weg einer Freiheit

Titel/Release: Stellar/LP (Silver, Blue + 7", Black or Semi-Transparent Brown Vinyl; Lim. Digi-Box, CD, Digital)

Label: Seasons of Mist

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Black Metal, Atmospheric Black Metal, Post-Black-Metal

FFO: Wolves In The Throne Room, AST, ██████

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Soundcloud\\//Bandcamp



Kurzinfo:

Von der Presse in den Metal-Olymp gelobt und von Mille Petrozza gar einst zur Zukunft des deutschen Extreme Metal erklärt. Dem gegenüber steht die Antihaltung der alteingessenen True-Metaller und ein Bandstatement über die unpolitische Ausrichtung ihrer Musik, was wieder einmal Grauzonendiskussionen auslöste. Die Würzburger Atmospheric Black Metal - Band Der Weg einer Freiheit waren spätestens mit ihrem zweiten Album "Unstille" in aller Szenemunde - teils zu Recht und gewollt, teils das Gegenteil. Ihre Songs entstanden stets intuitiv und immer aus einem bestimmten Befinden heraus und sollten ihren natürlichen Fluss behalten. Ihre Musik sollte Musik bleiben und kein Instrument zum Transport irgendwelcher Ideologien. Für ihr drittes Album "Stellar", das passend fast zeitgleich mit der kürzlich stattgefundenen Sonnenfinsternis (siehe Cover) erschien, engagierte das Quartett für den Feinschliff diesmal Jan Kerscher und Philipp Welsing und setzten somit ein klares Zeichen Richtung der paranoiden Kritikerschaft. Was übrig bleibt, ist also der Geschmack, über den es sich ja bekanntermaßen am besten Streiten lässt. So sticht auch "Stellar" in erster Linie mit einer ordentlichen Produktion heraus und offenbart Songs, aus denen sich immer wieder fast schon majestätische Melodien schälen, in denen Blast-Beats von ruhigem Geplänkel abgelöst werden und die mit Piano ("Repulsion", von Jan Kerscher himself) und Cello ("Requiem", von Sebastian Schlecht) durchaus auch progressive Wanderungen unternehmen. Das kann dem gemeinen Metalhead, der über die Jahre hinweg seinen Nacken auf Dauerrotation getrimmt hat, verständlicher Weise schon ziemlich auf die Nerven gehen. Ob diese allerdings zur Zielgruppe zählen, lässt sich doch arg bezweifeln, denn DWEF fordern vor allem Kompromissbereitschaft und Offenheit.

Stream & Buy Digitally

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Dienstag, März 17

Yon - You



Band: Yon

Titel/Release: You/Album (50x White Tape Edition, 50x Wooden Case Tape, 25x DIY-CD, Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Post-Rock, Post-Metal, Post-Hardcore, Ambient

FFO: Aldo Raine, Kopf hoch., Arroyo

Links: Facebook\\//Bandcamp



Kurzinfo:

Tja, bei der englischen (oder zumindest Englisch schreibenden) reddit-Kundschaft ist das Dresdner Quartett Yon mit ihrem neuen Release "You" nicht so gut weggekommen. Warum? "[...]This also isn't post-rock or post-metal. It's basically alt. rock with more instrumental sections." Verstehe! Da haben sich wohl ein paar Oasis- und Keane-Hörer im Forum geirrt. Zumindest was das tolle Cover-Artwork angeht, deckt sich die Meinung der kritsischen Engländer mit der Meinigen. Fast so gut, wie DAS von the pAper chAse, nur, dass Congleton damals mit "Now you are one of us" den etwas besseren Albumtitel wählte. Darum geht es aber auch gar nicht. Klar, schweben Yon fast schwerelos irgendwo im Post-Whatever-Universum und legen spontan da eine Pause ein, wo es ihnen gerade recht ist. Das lässt sich puristisch gesehen nur schwer bis gar nicht einordnen, will es auch gar nicht werden. Allerdings vermitteln die vier Songs auch nicht den krampf- und zwanghaften Versuch, übertrieben künstlerisch oder experimentell wirken zu wollen. "Lance Armstrong", "Christoph Daum", "OJ Simpson" und "Ray Rice", allesamt Persönlichkeiten, die mehr oder weniger offene, düstere Geheimnisse in sich tragen. Und genauso verhält es sich auch mit der musikalischen Ummantelung, die sich post-rockig schwelgend, psychedelisch vernebelt, ambient verträumt oder metallisch berstend ihren Weg bahnt. Das ist sicherlich nicht neu, aber auch nicht verboten. Im Gegenteil. Yon's zweites Release erweist sich als spannend, mystisch und stets unberechenbar. Oder wer hätte am Ende des Mini-Albums doch tatsächlich noch mit einem hit-verdächtigen Song wie "Ray Rice" gerechnet?!

DL "You" Album

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Donnerstag, Dezember 18

Yon - Catch EP



Chaotische Fußballfans und eine beunruhigend anwachsende Pegida-Gemeinschaft, die am vergangenen Montag nun schon zum siebten Mal in einer fragwürdigen Großdemonstration in Dresden mündete, ernüchterten den Blick auf die ansonsten recht schöne Fassade der sächsischen Hauptstadt. Sicherlich darf man nicht Alles und Jeden über einen Kamm scheren, ein Aushängeschild für Aufgeklärtheit und Toleranz lässt sich damit allerdings auch nicht begründen. Die Punkszene wächst weiter und steht mit den jüngsten gegenteiligen Entwicklungen vielleicht vor ihrer bislang größten Herausforderung. Doch genauso, wie man mittlerweile seit Jahren erfolgreich den braunen Mob zum alljährlichen Bombardierungsquatsch in die Flucht schlägt, besteht auch hier Hoffnung. Alles andere als hoffnungsvoll präsentiert sich zunächst der Opener "Growing Old" von Yon's Debüt-EP "Catch". "And if i become one million years. there's no life to live inside those walls.", lauten die letzten Zeilen des Songs, die man im Kontext sicherlich verschieden auslegen kann, aber durchaus die elementare Frage auwirft, was ein Leben ohne Freiheit noch lebenswert macht. Die Freiheit eines zuflucht- und hilfesuchenden Menschens, der selbiges nicht einmal in einem Land findet, dessen Einwohner lediglich aufgrund steigender Kaffeepreise um ihre Existenz fürchten und reelle Probleme höchstens als Unterhaltungszugabe aus dem Frühstücksfernsehen kennen. Da kann einem schonmal ein großes Stück Galle hochkommen, scheinbar wie auch dem dresdner Quartett Yon. Wenn deren Frontshouter erst einmal loslegt, kann man all den Hass und die Wut, aber auch die Verzweiflung über derartige Miszstände heraushören. Dennoch ist Yon keine kompromisslose Band, zumindest im instrumentalen Sinne. Ihr Sound vereint Hardcore, Rock und Metal, die allesamt mit einem fettgedruckten POST-Präfix bekleidet sind. Letztgenanntes von Klammern umschlossen, da sich die insgesamt vier EP-Songs weniger beklemmend auf's Gemüt niederdrücken, als vielmehr von einer genre-untypischen Leichtigkeit getragen werden. "Stay Away From People Who Hate Themselves" - eine Weisheit, die ich meinem ungeborenen Sohn als erstes mit auf dem Weg geben werde - offenbart zur Mitte hin gar eine fröhliche Gitarrenmelodie, während "End Something" nach einem etwas unentschlossenem Anfang zu einem schwerelosen und spannenden Post-Rock-Juwel anschwillt.
Nicht nur angesichts der Tatsache, dass "Catch" von der Proberaumaufnahme bis zur physischen Tape- und CD-Vollendung komplett in Eigenregie entstand, ist Yon mit ihrem Debüt ein facettenreiches, homogenes und irgendwie andersartiges Werk gelungen, das man sich schleunigst zulegen sollte, bevor die restlichen Tapes vergriffen sind.

Neue Songs sind bereits in der Mache und könnten schon bald eine neue EP schmücken. In der Zwischenzeit kann man sich noch den Schädel von Chevin's (Eric) trashigen Fastcore wegblasen oder die Ohren mit ambienten Post-Rock von Surrounded by Infantry (Johannes) zukleistern lassen.




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Freitag, Oktober 18

Rosetta - The Anaesthete LP


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Das Post-Metal-Quartett Rosetta aus Philadelphia treibt nun schon seit 2003 sein Unwesen, kann mittlerweile auf hunderte absolvierte Shows zurückblicken und veröffentlichte im August 2013 ihr viertes Studioalbum "The Anaesthete". Um in der Masse und zu Gunsten der altbekannten Gesichter wie Isis, Neurosis & Co. nicht vollkommen unterzugehen, ließen sich Rosetta bereits für ihr Debüt-Album "The Galilean Satellites" etwas besonderes einfallen. Das Album setzt sich aus zwei CD's zusammen, eine mit dem von der Band gewohnt zelebrierten Post Metal und eine mit ambienten Soundscapes. Beide CD's verfügen über die gleiche Anzahl von Songs, die jeweils und in chronologischer Reihenfolge auch die exakte Länge ihres Gegenübers besitzen. Spielt man beide CD's nun synchron ab, vereinen sich die zwei jeweils angespielten Tracks zu einem Post-Metal-Ambient-Mix. Toll, oder?! Für den ambienten Teil zeichnete sich Rosetta-Sänger/-Shouter Mike Armine verantwortlich, der sich nebenher mit seinem Soloprojekt und Rise of Because im elektrnoischen Bereich austobt und dessen Vielseitigkeit auch die experimentellen Post-Metal-Sludge-Rocker Zodiak oder zuletzt auch die mehr als seltsame Post-Metal-Jazz-Whatever-Band Potmos Hetoimos, zu schätzen wussten. Auch "The Anaesthete" weiß wieder zu überraschen. In erster Linie allein desshalb, weil die Band das Album gegen eine frei wählbare Spende anbietet, aus deren Erlös das nordamerikanische Vinylrelease finanziert werden soll, die Rosetta unabhängig und in Eigenregie veröffentlichen wollen. Eine limitierte europäische Double-LP- sowie Digifile-CD-Version erschien bereits über das französische Label Debemur Morti Productions. Zum zweiten überzeugt "The Anaesthete" natürlich rein musikalisch, denn Rosetta huldigen auch auf diesem Album nicht einfach bloß stur dem Post Metal. Neben Elementen des Sludge besticht das Album vor allem durch einen nicht unerheblichen Anteil an Shoegaze, der sich entweder dreits über die Wall-of-Sound ablegt oder wie im Song "Hodoku/Compassion" in seiner reinsten Form äußert, was sicherlich auch an dem schwelgerischen Gesang von  City-of-Ships-Sänger Eric Jennigan liegt, der hier einen Gastauftritt hat und der Band spätestens seit der geminsamen Split (höre HIER) kein Unbekannter mehr ist. Mit Songs wie den zehn-minütigen Opener "Ryu/Tradition", der mit seinem Wechsel von Brachialität und Epik wie eine Mischung aus Isis und den Red Sparowes klingt, kommen natürlich auch weniger verständnisvolle Genrefans auf ihre Kosten.

DL The Anaesthete

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Dienstag, Juni 11

Der Bandcamp-Hardcore Vol. 12

Arroyo:

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Das 2006 gegründete Quartett debütierte 2009 mit ihrer EP "Individuum & Massen" (2 Tracks in 30 Minuten, Stream HIER), wohlgemerkt noch einige Zeit vor der jüngst los getretenen Post-Metal/Postcore-Welle, die den deutschen Untergrund regelrecht platt walzte. Ihre DIY-Releases sind längst vergriffen, ihr erster Langspieler "Arroyo" steht nun zum Pay-What-You-Want-Download auf Bandcamp bereit. Das tronte seiner Zeit nicht zu Unrecht in der Visions-Rubrik "Demo des Monats". Die Hessen um Gitarrist Yannic Pöpperling (Aldo Raine, siehe auch weiter unten) spielen sich durch epische Melancholie, die immer wieder durch akustische Orkanausbrüche durchbrochen wird. Die Wall-of-Sound in Windeseile aufgestellt, nur um den Hörer kurz darauf und abrupt in tiefe und dunkle Abgründe zu schubsen, der sich fortan stoischer Klaustrophobie ausgesetzt fühlt. Wahnsinns Debüt-Album!   



Buy Here


Sun Worship:

Soundcloud//Last fm
Die Berliner Post-Black-Metal-Band Sun Worship mischte Februar diesen Jahres ihre zweite EP unter's Volk. Nach zwei Tape-Releases findet mit "Surpass Eclipse" nun auch endlich ihr erstes Werk seinen längst überfälligen Platz auf 180g Vinyl. Zwei Tracks auf über 13 Minuten Spielzeit gestreckt. Post-Metal, der mit düsterem Gekeife das Ende aller Tage einzuläuten vermag, der sich über morbide und paranoide Ambientparts tief ins Unterbewusstsein frisst und Riffs, die sich wie um eine Spirale gewickelt immer enger zusammenschnüren, bis einem die Luft weg bleibt. Könnte aber auch daran liegen, dass man vor lauter Spannung einfach mal vergessen hat zu atmen. Gelungener Vinylauftakt, trotz des viel zitierten Genres.     




Painted Wolves:

Facebook//Soundcloud//Bandcamp
Painted Wolves aus Göteborg verbinden rifflastigen als auch melodiösen Hardcore-Punk mit Düsterästhetik und führen diese unter dem strengen und gnadenlosen Arm des Straßengesetzes zusammen. Das schwedische Quartett, bestehend u. A. aus (ehemaligen und aktiven) Mitgliedern von Anchor, Dead Vows, 8 Days of Nothing und Death is Not Glamorous (siehe unten), wird Ende Juni 2013 ihre neue "s/t"-EP veröffentlichen, ein Five-Label-Co-Release.

DL Unholy EP

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Death is Not Glamorous:

Facebook//Myspace//Bandcamp
Die Band, die sich nach einer Textzeile des Embrace-Songs "No More Pain" benannte, schlägt ihre Wurzeln eher im Melodic Punk, trifft aber auch mal die rauheren Töne. 2011 waren die Jungs mit La Dispute und Touché Amoré auf Tour. Wenn das mal keine Hausnummer ist...

DL Soft Clicks EP (Songs einzeln)
DL Undercurrents EP (Songs einzeln)
DL Demo (Songs einzeln)
DL Split w/ Another Year
DL Split w/ Down & Outs
 Buy Here, Here & Here



Problems:

Bandpage//Myspace
Mit Problems wollten Death-is-Not-Glamorous-Sänger Christian und -Gitarrist Espen andere Einflüsse auf ihre Musik wirken lassen. Zusammen mit Henrik von Evolve (Free-Downloads HERE & HERE) und Lars von Okkultokrati geht's Richtung Galle spuckenden Hardcore-Punk, der's fast schon trashig eilig hat, über die Bühne zu fegen. Nach Angaben von Christian das negative Pendant zu den positiven DING-Songs.




Trembling Hands:

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Gemeinsames Bandprojekt von Johann Dyrsson (Tjuvjakt und Mitbegründer des Labels Ödebygd Records), Henrik Michelson (ebenfalls Tjuvjakt) und Daniel Pettersson (Suis La Lune). Roher Postcore mit einigen Melodic-Hardcore-Einschüben und Punk-Attitüde. Ihre Debüt-LP soll diesen Sommer über Adagio 830 erscheinen.
Außerdem

Boysetsfire - While a Nation Sleeps...:
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Zugegeben, etwas überraschend trifft uns ihr fünftes Album "While a Nation Sleeps..." schon. Geschlagene sieben Jahre ist es her, als Boysetsfire ihr bis dato letztes Album "The Misery Index: Notes from the Plague Years" veröffentlichten. Frontmann Nathan Gray gründete inzwischen seine neue Band The Casting Out, mit denen er mittlerweile auf drei Alben zurückblicken kann und reiste mit seiner Punk-Combo The New Recruits unter Gottesbeistand. Und mit I Am Heresy bekannte er sich jüngst zu einer neu entfachten Leidenschaft - und die Bewunderung zu seinem Sohn Simon. Aus dem Nichts also feierte "While a Nation Sleeps..." eine berauschende Releaseparty im kleinen Kreis, wovon es die limitierte Red-Vinyl-Variante (250 St.) nicht mal in die Regale der Plattenläden schaffte, da sie bereits im Preorder restlos vergriffen war. Auch die 500 Exemplare der Clear-Vinyl dürften sich mittlerweile zur Rarität gemausert haben. Auf ihrem neuen Album machen Boysetsfire im Grunde nicht viel anders, als auf ihren bisherigen - und somit auch vieles richtig. "While a Nation Sleeps..." ist nicht die befürchtete Kurzschlussreaktion, sondern die bewährte Quintessenz aus Emocore, Post-Hardcore und Hardcore-Punk, die der Band seit ihren Anfangstagen nicht nur die Rolle eines der wichtigsten Vorreiter auf dem Leib brannte, sondern auch seit fast 20 Jahren noch immer einzigartig und unverwechselbar macht. Keine Experimente, kein krampfhaftes Anpassen an die Gewohnheiten der Gegenwart, und vor allem, kein niederträchtiger Kniefall vor der Musikindustrie. Das hat Gray nach Gründung seines eigenen Labels End Hits Records sowieso nicht mehr nötig. Noch immer die selben unbarmherzigen Riffs im Anschlag, die durch Gray's fiesem und angepisstem Gekeife durch die Strophen gepeitscht werden, angestachelt von Neu-Drummer Dan Pelic und Rückkehrer Robert Ehrenbrand, der sich die Bassistenrolle mit dem ebenfalls neu hinzugekommenen Rev. Chris Rakus teilt. Wenn sich etwas geändert hat, dann höchsten die flehende Theatralik, die sich in den meisten Refrains zu bislang unerreichten Höhen hochschaukelt. Und die oftmals vorangestellten Kommentar-Samples, die ihre Funktion als einleitende Stimmungsanheizer nicht verfehlen. Aber das beherrschten sie schon immer wie keine zweite Band. "While a Nation Sleeps..." dürfte sich über dem Status des Überraschungsalbums hinaus, mit Sicherheit einen Platz ganz weit vorne in der diesjährigen Liste der Besten seiner Art sichern. In jedem Fall ist es aber ein beispielhaftes (Quasi-)Comeback.        

Buy Here, Here, Here, Here ..... und allen gängigen Onlinestores und Mediamärkten.   


Aldo Raine/Nous Étions 12"-Split:

Pünktlich zur letztjährigen Bescherung deportierten die Düsseldorfer Doom-Post-Rock/-Metaller Aldo Raine und das kanadische Postcore-/Screamo-Quintett Nous Étions ihre gemeinsame Split (bereits HIER besprochen) als kostenlosen digitalen Download unter unseren Weihnachtsbäumen. Das nicht näher für 2013 bestimmte, angekündigte physikalische Release soll nun endlich Ende Juni die Tore der Pressfabrik verlassen, nachdem beide Bands bereits kurz zuvor die Test-Pressungen in ihren Händen halten konnten. Erscheinen wird die 12" über das Münsteraner DIY-Label Maniyax Records, das nach einigen Problemen im letzten Jahr seit Mai mit einem neuen Webstore am Start ist. 10€ kostet ein Exemplar der auf 500 Stück limitierten EU-Pressung auf schwarzem Vinyl.

Mittwoch, Mai 8

Was geht denn eigentlich so in Frankreich?

Zero Absolu


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Die Idee der Ein-Mann-Band ist sicherlich nicht neu. Der Franzose Nak Golaz ist ein Egomane durch und durch und Diktator seiner eigenen musikalischen Auffassung. Nicht etwa, weil er sich nicht mit anderen Musikern arrangieren könnte, immerhin spielte Nak schon in vielen Indie- und Hardcore-Bands, aktuell als Bassist bei Sport und Sänger der Metal-Band NERV. Anderen seine Ideen aufzudrängen liegt ihm halt nicht. Darum ist sein seit 2006 existierendes Projekt Zero Absolu (bei englischen Medien als Absolut Zero geführt) auch zu 100% Solo, einem Prinzip, dem er auch bei Live-Auftritten - bewaffnet mit Loopers, einer Drummachine, seinem Instrumentenarsenal und einer Videowand - treu bleibt. Und das erfordert schon ein gewisses Maß an handwerklicher Begabung, erst recht, wenn man sich allein der Herausforderung Post-Metal stellt. Natürlich nur eines von vielen Genres, die Nak neben Indie, Shoegaze, Post-Rock, Ambient und Electronica in seinem eigenen experimentellen Klangkosmos auf die Reise schickt. Was, wann, wie und womit dann aufeinander trifft, kollaboriert, sich wegstößt oder ineinander verschmilzt, bleibt eine spontane Reaktion und unterliegt keinen Rahmenbedingungen. Dennoch entfalten sich seine Songs zumeist in atmosphärischer Schönheit, tragen Trauer oder verdichten sich zu etwas Großem, was die Songs zwar unberechenbar macht, keinesfalls aber ins Chaos stürzt. Hilfreich dafür sind auch die Konzepte, an denen sich Nak auf seinen Alben entlang hangelt. So stellte das Debüt "Du Vide Au Néant..." das Wunder der Geburt und die Schönheiten des Lebens gegen Endlichkeit und die Bitternis des Todes auf, während "Dans Le Bras de Morphée" zwischen Traumwelten und Schlaflosigkeit pendelte. Sein drittes Album "Autømn" verzichtet erstmalig auf ein inhaltliches Konzept. Es sollte nunmehr der Song in den Fokus rücken, organischer und rockiger klingen. Das Konzept ist vielmehr die Atmosphäre, die von einer enormen Klangfülle transportiert wird. Wie ein Fischer, der mit seinem kleinen Boot auf offener See vom Nebel eingefangen wird. Orientierungslos, paranoid, mystisch und die beängstigende Vorstellung, was da draußen so alles lauern könnte, das rettende Ufer suchend. Fast ein Jahr hat Nak an diesem Album getüftelt. Ich denke es hat sich gelohnt. 

DL Autømn

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Lost in Kiev

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Das Pariser Quintett Lost in Kiev gibt's bereits seit 2007, ihr Debüt-Album "Motions" erschien nun endlich im letzten Jahr. Ein Album, dem man das lange Warten durchaus anhört, das nicht voreilig zum Releasen frei gegeben wurde. Dafür dürfte auch Sylvain Biguet (Birds in Row, Comity, As We Draw, etc.) - der sich auch aufgrund seiner engen Zusammenarbeit mit Amaury Sauvé bereits einen beachtlichen Namen als Hardcore- und Metal-Produzent  in Frankreich erarbeitet hat - gesorgt haben, der eine unfertige LP wohl eher als Raucherkerze in die Küche stellen würde, als sie voreilig zu veröffentlichen. Als bekennender Fan von Steve Albini darf "Motions" somit seinen rohen Sound behalten, was nicht unbedingt üblich ist im Post-Rock. "A Mere Shift of Origin" ist der Roadtrip eines jungen Menschen, der die Lehren seines Vaters als Anlass nimmt das Elternhaus zu verlassen, um die Welt für sich zu entdecken. Halt- und rastlos und am Ende mit der Erkenntnis: "I’ve remembered all my old friends I had betrayed by being a selfish bastard/ a useless ghost./ Everything was so clear: my life has always been about escaping not moving." Die Instrumentierung ebnet der Geschichte etappenweise den Weg und bäumt sich zur Mitte hin über treibende Gitarrenrhythmen zum Metal auf. Damit sind die beiden Variablen - Post-Rock und -Metal -, mit denen Lost in Kiev durch die 46 Minuten ihrer sieben, auf eigenen Erlebnissen beruhenden Songs geleiten, auch schon genannt. Einziger Seitensprung ist das letzte, über neun-minütige "The Day I Ruined My Life", das in seinen stürmischen Ansätzen und die letztendliche Brachialität keinen anderen Ausweg mehr sieht, als sich in den Post-Hardcore zu flüchten. Im April diesen Jahres erschien eine Split mit o. g. Zero Absolu, die auch einen mit dem Pariser gemeinsam eingespielten Song enthält.


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Comity

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Comity existieren bereits seit 1996, teilten die Bühne mit Größen wie Dillinger Escape Plan, Converge, Cave In und JR Ewing und wurden 1998 mit ihrem Debüt-Demo "First Whisper" vom Produzenten-Duo Sauvé/Biguet entdeckt, die die Releases der vier Pariser noch heute in die passenden Formen stechen. Das ist nicht immer ganz einfach, da sich Comity strikt dem digitalen Zeitalter verwehren und ihre Songs lieber analog aufgenommen, gemixt und gemastert haben wollen. Ihrer dreckbeklebten Mixtur aus Post-Hardcore, Metal, Powerviolence, Noisecore und einigen anderen Ausbrüchen, steht das sicherlich nicht schlecht. Für Sauvé und Biguet allerdings ein Knochenjob, denn eine normale Tracklist bzw. klare Songstrukturen kommen bei Comity nicht in Frage. Ihr 2006er Album "...As Everything is a Tragedy" beispielsweise enthält 56 Minuten Songmaterial, aufgeteilt in 99 Songs (der Bandcamp-DL hat diese auf vier Parts zusammengezogen), die an einem Stück eingespielt wurden. Die "You Left Us Here.."-EP, das erste Release nach ihrer zwei-jährigen Pause, beherbergt dagegen nur einen 17-minütigen Song, bei dem es ebenfalls galt, sich bei der Aufnahme nicht zu verspielen. Alles aber kein Problem, solange sich beide Parteien mit diesem Geduldsspiel arrangieren können. Die üblichen Formate findet man eh an jeder Ecke.    

 DL The Journey is Over Now
DL ...As Everything is a Tragedy
DL The Deus Ex-Machina As a Forgotten Genius
DL You Left Us Here...EP
DL The Andy Warhol Sucks EP
DL The Catharsis Syntax Project EP

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 Radius System


Nach anfänglichen Wohnzimmer-Experimenten am Rechner und etlichen Garagenparties bildeten Gregory Hoepffner und Axel Dallou schließlich das Duo Radius System. Ihr Debüt-Album "Work in Progress" entstand in Eigenregie, und obwohl ihr damaligen Sound noch unüberhörbar der Geiste ihrer jugendlichen Jam- und Tüftelorgien inne wohnte, fanden sich mit Season of Mist und Several Bleed Records gleich zwei Labels, die das Debüt der beiden Pariser an den Mann bringen wollten. Etwas weiter weg von der noisigen Wall-of-Sound und der melancholischen Elektronik erschien 2008 ihr zweites Album "Escape/Restart" (nur als Download), welches zwar nicht vollkommen auf Experimente verzichtete, nun aber immerhin Genreklassifizierungen zuließ. Mit Ambient, Post-Rock und Shoegaze lösten sie sich von ihrer kakophonischen Zerstörungswut. Das kann bisweilen an o. g. Zero Absolu erinnern, nur dass der Sound von Radius System wesentlich heller klingt, was Genreverschmelzungen und -sprünge angeht, aber mindestens genauso weit ausholen können. 


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Da die beiden ihre ganze Kreativität unmöglich in lediglich einem musikalischen Projekt ausleben können, haben sich mit der Zeit einige Neben- bzw. Soloprojekte ergeben. Hier sind sie im Schnelldurchlauf:

Almeeva:

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Das aktuelle Solo-Projekt von Gregory Hoepffner, der live auf die Hilfe seines Radius-System-Kollegen Axel Dallou und Vincent Baudron zurückgreifen kann. Hoepffner widmet sich hier seinem Lieblingsgenre - dem Electro. Angefüttert mit etwas Abstract, Ambient und Minimal, wobei die erste EP mit Letzterem reichlich ausgedünnt wurde. Beide EP's erschienen als Tape, u. A. bei Swarm of Nails.  


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Template:

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Sein erstes und bis 2011 aktives Solo-Projekt Template orientierte sich noch näher am Shoegaze, nicht zuletzt wegen Hoepffner's schwebenden Gesanges, der hier noch einen größeren Stellenwert einnahm. Mit beißender Elektronik wagt er sich bis in den Noisepop vor und schreibt zum Ende hin seiner "Third Hindsight EP" den passenden, düsteren Soundtrack seines Kopfkinos.







Dawnshape:

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Eine Band im Wandel: Bei Dawnshape schwingt Hoepffner die Drumsticks und verteilt Percussions. Mit ihrem Minialbum "We Couldn't Size.." probierte sich das Trio aus, bediente vom Alternative bis Electro, über Shoegaze und Dreampop bis hin zum Noiserock alles, was die Musikpalette damals hergab, inklusive der beiden Grunge-Songs "Prunus" und "Depicted Intimacy". Mit "Either This/Much Long" näherten sie sich dann mit verquerem Piano langsam den Electro und Minimal an, ehe man mit "Sparse Prism" wieder beim experimentellen Rock landete.  


Kid North:

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Französische Indierock-Band, mit mächtig Pop- und Danceappeal. Hoepffner, Dallou und Dawnshape-Sänger Antoine Ollivier stießen Mitte 2011 zu der bereits bis Dato drei Monate exisitierenden Band. Im Januar 2013 erschien ihr erster Longplayer "Atlas" über Tsunami-Addiction.







Time to Burn:

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In Paris stieß Hoepffner, der bei Time to Burn die Rolle des Bassisten einnimmt, auf drei wahrhaft unangenehme Zeitgenossen, mit denen er im Stile dessen Vorbilder Botch, Cult of Luna und Neurosis eine unaufhaltsame und unbarmherzige Walze über's Schlachfeld führt. Sänger und Gitarrist Eddy Duluc zeigt aber auch, dass sein rauhes Kehlchen wesentlich mehr ausspucken kann, als fieses Gekeife.

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Painting By Numbers:

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Hoepffner, Dallou und Ollivier zum zweiten Mal gemeinsam in einer Band. Das Trio hat nicht nur einen Song nach den Medienkünstler Matthew Barney benannt, sondern liefert mit ihrem bislang einzigen Output auch noch den passenden Soundtrack zu dessen experimenteller Aktionskunst und bedient sich dabei beim Mathrock, Avantgarde und Free-Jazz. "2008-2009" nahm Hoepffner selbst in seinem eigenen Feels-Like-Home-Studio auf, wo die neun Tracks live eingespielt wurden. 


Jahres-Sampler