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Samstag, August 6

Die Bandcamp-Punks Vol.27

Routeens



Manchmal kann Punk auch ein unkompliziertes Vergnügen sein, so wie im Falle der jüngst gegründeten Band Routeens. Im Gießener Quintett finden sich u. A. Mitglieder von Kick It!, The Hip Nuns und Berlusconi Headshot wieder, die gemeinsam melodischen Punkrock und treibenden Garage miteinander vermengen, inklusive direkter Ansagen. So finden sich auf ihrem selbstbetitelten Demo-Debüt sechs Songs ein, die sofort ins Tanzbein wandern und in ihrer simplen Art so rein gar nicht den Anspruch hegen, das Rad neu erfinden zu wollen. Angeführt von einer herrlich angenervten Sängerin, die gelegentlich von einigen Backgroundchören zur Heiterkeit animiert wird, erinnert das Ganze dann im Hinblick auf die hiesige Szene an Kombos wie Kenny Kenny Oh Oh, Femme Krawall oder Gurr.

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DL S/T Demo

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Honeymoon

Bandpage\\//Vimeo
Ich habe keine Ahnung, ob Namedropping immer im Sinne des jeweiligen Künstlers ist. Ist mir ehrlich gesagt aber auch egal, denn ich für meinen Teil habe so schon eine Menge anderer toller Bands entdecken können, die mir ansonsten wohlmöglich nicht in die Ohren gerutscht wären. Los geht's! Die Mitglieder von Honeymoon verteilen sich nicht nur auf die Städte Nürnberg, Erlangen und Leipzig, sie waren vorher und nebenbei auch in Hardcore-Punk-, Punk- und Screamo-Gruppen wie Vengeance, White Boy Problems, The High Society, Leidkultur, I Refuse oder Rêche aktiv.
Mit Honeymoon haben sie seit 2014 ein Projekt am Laufen, mit dem sie sich nicht zwangsläufig wiederholen wollen, allerdings ihrer Linie treu geblieben sind und gegenläufig zur Assoziation mit dem Bandnamen eine Art Kein-Spaß-Punk spielen. Drei Akkorde reichen der Band zumeist aus, um daraus eine unprätentiöse aber durchaus treibende Masse zu formen, der stets etwas Twang nachhallt und mit verbitterten wie aufgeregten Gesang gen 80er-Jahre-Hardcore-Punk und -Wave schielt. 
Neun locker in der Hüfte sitzende Songs beherbergt ihr Debüt-Lonplayer, der als Tape über Jean-Claude Madame erschienen ist und dessen Vinyl-Variante noch in der Planung feststeckt (über Taken by Surprise Records).



Desastro

Bandpage\\//Vimeo\\//Bandcamp
Und weil mir Namedropping so viel Freude bereitet gibt's gleich nochmal Nachschlag. Nicht von ungefähr, denn bei Desastro mischen nicht nur Leute von Smart Ass Dynamite & The New Generation of Destructive Entertainment und Here Comes Conclusion mit, sondern auch von eben vorgestellten Honeymoon und entsprechenden Nebenkombos. Vor allem im Hinblick auf die beiden Erstgenannten dürfte klar sein, dass die Grenzen des herkömmlichen Punkrocks für die Musik von Desastro zu eng bemessen sein dürften, obwohl sich auf ihrer zweiten, selbstbetitelten EP fast nur Ohrwürmer tummeln. Fast schon selbstverständlich entgleiten der Nürnberger Band die eingängigen Melodien, die über der EP verteilt mit etwas Cold Wave, Noise, Deutsch- und Post-Punk verfeinert werden, mit ein paar härteren Riffs aber auch den Hardcore-Punk nicht vollkommen außer Acht lassen.
Im Februar diesen Jahres spielte die Band ihr Abschiedskonzert und hinterließ der Hörerschaft ihr Demo und die EP gegen Spende auf Bandcamp. Die 2013 über Jean-Claude Madame erschienenen Demo-Tapes sind bereits restlos vergriffen.




Atmen, weiter...

Bandpage\\//Last.fm
Als ich den Bandnamen Atmen, weiter... das erste Mal las, musste ich sofort an die mittlerweile verflossenen Der Trick ist zu atmen denken. Ein ziemlich schlichter Gedankengang, ich weiß, der sich nach einem ersten Hördurchlauf ihres Demos "Die fabelhafte Welt der Lethargie" auch schnell wieder verflüchtigte, denn bis auf die clever ausgeklügelten Lyrics und ein paar dezente Hardcore-Punk-Anleihen, hat die Mainzer/Landauer Band mit ehemaliger Burn/It/Out-Beteiligung nicht wirklich viel gemein mit den ehemaligen Hamburgern. Vielmehr tobt sich das Trio auf dem viel beackerten Post-Punk-Feld aus und erinnert in seiner angerauhten Art an die allseits bekannten Trbstt. "K-Pax 2.0" plätschert etwas abseits davon im eingängigen Indie-Punk herum und "Haus/Hell" mündet nach seichtem Einstieg gar im Düster-Screamo. Das sind natürlich alles altbekannte Zutaten, die allerdings souverän zusammengemixt wurden. Und wer nebenher noch McLusky zitiert (aus "Balbo's Theme" im Non-Demo-Track "Die Scheissheit"), der hat bei mir ohnehin ein Stein im Brett.
Das besprühte Demo-Tape kommt übrigens in selbstgebastelter und handnummerierter Papphülle mit Textblatt und Sticker.


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Das Tante Mathilda P.r.o.j.e.k.t.

Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud
Ich sag's euch, die Bandnamen und Musik werden immer interessanter und natürlich zieht sich auch im Falle von Das Tante Mathilda P.r.o.j.e.k.t. das Namedropping wie ein roter Faden durch das 27. Bandcamp-Punk-Volumen. Diesmal aber durchaus berechtigt, denn die vier Düsseldorfer_innen um Sängerin Lotte Lindex sind allesamt bekannte Gesichter aus dem AK47-Umfeld und diverser Punk-Gruppen wie Die Schwarzen Schafe, Saigoons, Scum and Nancy, Punk-O-Mat (Karaoke mal anders, geile Nummer!) The Lazy Bombs und Marshmallow Muschis, die sich selber eher als Konglomerat bzw. Projekt sehen. Bleibt also abzuwarten, wie lange es das Quartett am Laufen hält. Zunächst einmal steht ihre Debüt-EP "...und der freie Fall" zu Buche, die auf Tape und CD als Co-Release zwischen Racoone Records und My Delight Records erscheint. Darauf zu finden sind fünf Songs, die zwischen satten Alternative Rock und Stoner umherpendeln und eigentlich nach etwas Größerem verlangen, als einem AZ. Tonangebend ist dabei ganz klar die kräftige Stimme von Lotte, die den Songs energetisch in feinster Cristina Llanos-Manier (Dover) oder rotzig-poppig á la Maria Mummert (MIA.) und Judith Holofernes, aber auch avantgardistisch an Amanda Palmer erinnernd, vielen Gefühlsschwankungen unterzieht.


Buy Here, Here & Here


20 Liter Yoghurt

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Viele verschiedene Eindrücke zu verarbeiten, galt es auch auf der Debüt-EP "HeartCore" der Grimmaer Band 20 Liter Yoghurt, die wir hier erst vor ein paar Monaten vorgestellt hatten. Auch auf "Thoughts of the Modern Youth", ihrem quasi dritten Demo-Release, das diesmal auch in einer limitierten und selbstgebastelten CD-Auflage erscheint, wollen sich die vier Sachsen stilistisch noch immer nicht genau festlegen. Authentischer Hardcore-Punk und ansteckender Melodic Hardcore kämpfen um die Vormachtstellung, zwischendurch und in ihrer Art unerwartet glänzen die Alternative-Nummern "Animals" und "Our World", mit denen die Band einen nostalgischen Sprung zurück in die spröden 90er wagt. Ihre tollen Melodien stülpen 20 Liter Yoghurt über direkte Texte, die in ihrer Einfachheit sicherlich keine große Erleuchtung bringen. Im Opener "Aryan" (bereits auf dem '15er-Demo, Artikel zum rechtsextremen Mode-Label HIER) klingen die sich überschlagenen Lyrics stellenweise gar etwas zu sehr in die Melodie gepresst. Egal. Die Probleme heutzutage sind nunmal die gleichen, wie vor zwanzig Jahren. Was soll Band da schon großartig rumschwafeln?


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Useless (Winterthur)

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Wesentlich mehr dem 90er-Alternative/Grunge zugehörig, fühlen sich die drei Jungs um Bassistin Sarah von Useless aus Winterthur, womit unsere Schweizer Wochen auch in diesem Beitrag vertreten sind. Nicht nur Sänger und Gitarrist Nik Petronijevic kann mit seinen Vorbands The Stifflers, Molotov Rocktail und seinem jüngeren Solo-Projekt King Contradiction schon auf einiges an Banderfahrung zurückgreifen, auch Zweit-Gitarrist Flurin Wäger und Schlagzeuger Lukas Wäger (Fake Empire) sind keine unbeschriebenen Blätter mehr. Dass bei einer Alternative/Grunge-Band ausgerechnet die Bassbesetzung zum ersten Mal auf der Bildfläche erscheint, ist nur eine Sonderbarkeit von Useless. Vor allem aber ihr ungewöhnlich düster-grummelnder Retro-Sound mit den Nirvana- und später auch The Vines-typischen, langezogenen Interjektionen (aaaaaah, yeeeeeah, usw. ;) dürfte Nostalgikern ein sehnsüchtiges Lächeln abgewinnen können. In der Quintessenz beider Bands bewegt sich der Sound von Useless, die diesbezüglich sehr offen mit ihren Referenzen umgehen. Im epischen EP-Closer "Thoughts of a Suicide" weicht die Band sogar nochmal Sludge-doomig Richtung Melvins aus. Wenn schon 90er, dann eben richtig.




Rivers & Tides

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Mensch muss schon wahnsinnig aufpassen, dass Rivers & Tides nicht spurlos an einem/einer vorbeiziehen. Ihr selbstbetiteltes Demo-Debüt, das als Tape über Koepfen erschien und natürlich schon restlos vergriffen ist, liegt nun schon zweieinhalb Jahre zurück. Es folgte ein exklusiver Sampler-Beitrag und anfang 2015 klammheimlich ihre zweite EP "Shelved", auf der die fünf Regensburger abermals ein Melodiefeuerwerk aus Alternative, Pop-Punk und Emo ablieferten. Klar, dass kennt mensch auch hierzulande schon von Bands wie Twin Red (ex-Client.), Rowan Oak (ex-Western Grace) oder den Rollergirls. Rivers & Tides gehen allerdings mit dem (Selbst-)Verständnis der ganz großen dieses Genres zu Werke und schaffen es, den/die Hörer_in mit viel Gefühl, vielleicht auch etwas Theatralik, vor allem aber treibenden Songs mitzureißen. Da stellt sich eigentlich nur die Frage, warum die Band noch kein Label gefunden hat.
Immerhin ist ihre bereits angekündigte dritte EP "Complete", von der es den Vorläufer "Eclipse" bereits auf Stageload zu hören gibt, als Tape-Release über das Wiener Label Featherlight Records geplant. Wenn hier keiner will, dann eben in Österreich.




Young Season

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Auch mit Young Season will die Alternative-Welle in diesem Beitrag einfach nicht abflachen, auch wenn sich die erst kürzlich zusammengeraufte Band aus Hannover etwas mehr im Dreck suhlt, als die vorangegangenen Rivers & Tides. Auf ihrem 4-Song-Demo-Debüt schielen Young Season nicht nur mit einem Augen über den Großen Teich Richtung Gainesville, obwohl die Songs sicherlich auch nochmal für einen guten Antrieb auf dem Skateboard sorgen dürften. Ihre Proberaum-Buddies von Schmutzstaffel sprechen dagegen eine etwas andere Empfehlung aus: "Falls ihr auf Title Fight in schlecht, oder auf No Fun At All in gut steht, dann checkt das mal ab."




In der Kürze liegt die Würze



JaaRi

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Hat sich Dÿse-Drummer Jarii van Gohl etwa eine neue Frisur zugelegt und das als Anlass genommen, gleichmal ein neues Projekt zu starten, nachdem schon sein Mitstreiter An3 Dietrich mit Haik abtrünnig wurde? Dies waren zumindest meine ersten Gedanken, als mein Blick über JaaRi's Bandfoto gleitete und an der linken Seite hängen blieb. Doch dann fiel es mir wie Shuppen von den Augen - die Band JaaRi hat ihren doppelten Vokal auf's A vorgezogen. Als ersten Song präsentiert uns das Hauptstadt-Trio "Interflug", der durch eine Art Alternative-Pop-Punk mäandert und mich vielleicht auch wegen des verhallten Gesangs wirklich stark an das Debüt-Album von Desaparecidos erinnert. Kann gerne so weiter gehen.

DL Song "Interflug"


Acerola

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Post mortem haben Acerola nun endlich auch Bandcamp für sich entdeckt und ihr zweites Album "Meister der Romantik" aus dem Jahre 2007 zum kostenlosen Download freigegeben. Erschien damals als CDr auf den Tru-Punk-Labels Kill All Human Records und Empty Head Records, ihr Debüt-Tape "This Boy is *Acerola*" über Aldi-Punk. Somit dürfte klar sein, was uns mit Acerola erwartet. Eine typische Band aus dem Backkatalog von Greffo Lachpansen (u. A. Lafftrak und Der Kopflose Börsenmakler), Marian Brenneke (u. A. Huchi Can Take It und Affenscheisse) und Neon Bone-Lars: holprig, blechernd, Texte Freischnauze voraus. Kurzum: Asselpunk der dilettantischen Sorte, der damals sogar das Ox-Fanzine zu einem ordentlichen Verriss verleitete: "Schülerband, aus der vielleicht was werden kann, wenn sie mehr übt." Wie wir heute wissen, wurde aus ihnen nichts.

P.S.: So ganz stimmt das natürlich nicht. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist Marian Brenneke einer der führenden Köpfe hinter dem jüngst gegründeten Label Stajner Youth Entertainment, das mit dem Sampler "Die Realität muss sterben, damit wir leben können" einen furiosen Start hinlegte.

DL Meister der Romantik LP


Schnulz

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Die Bezeichnung dilettantisch dürfte das Frankfurter Duo Schnulz dagegen wohl eher als Kompliment aufschnappen. Auf ihrem Debüt-Album "Schnulzianic Ohmacht" entgleiten die Songs stellenweise gen Opernbühne, driften an anderer Stelle ins Musikantenstadl ab oder finden sich im Gangster-Rap wieder. Ich stelle mal die waghalsige Vermutung auf, auf ein nicht ganz ernstgemeintes Album gestoßen zu sein, dass vielleicht Diejenigen mit offenen Armen in Empfang nimmt, denen Knorkator, Alfons Bauer und Cindy aus Marzahn schlichtweg zu ernst sind.

DL Schnulzianic Ohnmacht


Freitag, Dezember 13

Die Bandcamp-Punks Vol.16


Rivers & Tides:

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Ein tolles Debüt legte jüngst die Regensburger Band Rivers & Tides vor. Zwar setzt das Quintett mit ihrem Mix aus Alternative, Emo und Pop-Punk auf eine altbewährte Formel, diese allerdings beeindruckend gut in die Tat um. Nach dem anfeuernden Instrumental-Intro werden die Anhänger mit dem hoch-melodiösen "Untitled" gleich mal in den ersten Reihen zusammengezogen und zum ausgelassenen Auf-und-Ab-Hüpfen aufgefordert. Viel Zeit wollen Rivers & Tides dabei gar nicht erst vergeuden, hier geht's schließlich um den ersten Eindruck. Und der gibt sich auf der Debüt-EP nicht nur mit dem Fazit "Positiv" zufrieden, sondern will mit den folgenden "Neverlasting" und "Everlasting" auch gleich mal die Vielseitigkeit der Band unter Beweis stellen. Zwar lässt sich auch hier ihre Pop-Punk-Affinität erkennen, schielt mit etwas energischeren Gesang aber auch Richtung Gainesville. Auch wenn ich es noch nicht beweisen kann, bin ich mir doch sicher, dass hier keine Anfänger zu Werke gehen. Zumal Regensburg mittlerweile kein schwarzer Fleck auf der Musiklandkarte mehr ist, denkt man z. B. an Irish Handcuffs oder Glorious Thieves.



Kenny Kenny Oh Oh:

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Ist die Punk- und Hardcoreszene immer noch eine Männerdomäne? Das Leipziger Frauen-Quartett Kenny Kenny Oh Oh um Fritte, Made, Olaf und Kutte greift vorsichtshalber noch mal zur Schere und entfernt mit unmissverständlicher Riot-Grrrl-Attitüde und durchdrehendem Pogo-Punk unnützes Klischee- und Mackertum-Gebammel. Und das machen sie mit viel Lärm und Trara, konstant hohem Tempo und eingängigen Nummern, aus deren Kern sich auch immer eine treibende Melodie herausschält. Nein, diese vier Damen brauchen sich hinter niemanden zu verstecken und sie müssen schon gar nicht klein beigeben. Werden sie auch nicht! Dass zumindest beweist vorerst ihre selbstbetitelte Debüt-7", die folgerichtig über Contraszt! und Emancypunx Records in einer Auflage von 500 Exemplaren (+ DLC) erschien.


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Lambs:

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Mit Lambs formierte sich 2012 eine Art AZ-Köln-All-Star-Supergroup (Mitglieder von Finisterre, Static Me, zOSCH!, Alte Schule Masthorn), die auf ihrem Label-Debüt den Spagat von alter zu neuer Deutschpunkschule wagt. Zu hören sind sechs Songs, die von einprägsamen Hooks, gelegentlichen Tempowechseln, klar verständlichen Texten und leicht hysterischem Gesang voran getrieben werden und somit einige schüchterne Ohrwürmer parat hält. Lambs klingen zwar weder angestaubt noch altbacken, an manchen Stellen aber bewusst reduziert, sodass die Nähe zu neueren Turbostaat und Captain PlanET zwar durchaus hörbar ist, dennoch auf den fett aufstampfenden Einzug verzichtet. Wie ein stilles Mäuschen, das auf seine Cleverness setzt und nur die Ausdauernden vollends belohnt. Die selbstbetitelte 7" (300 Stück) erschien in besiebtdruckter Pappe auf Contraszt! Records und enthält sechs Songs ihres 2012 selbstveröffentlichten Demo Tapes (auf diesem gab's zusätzlich noch den Song "Not Enough", 75 Stück).


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Static Me:

Bandpage
Ein weiteres Gewächs aus dem AZ-Köln-Umfeld stellt das Mitte 2012 gegründete Quintett Static Me dar, das sich somit nicht zufällig zwei Mitglieder mit den Hardcore-Crust-Punks Finisterre (Free Downloads HIER) und jeweils Eines mit oben genannten Lambs und der Riot-Grrrl-Grunge-Band Two Tears for Barbarella teilt. Im Juli 2013 erschien nun ihr erster selbstbetitelter Longplayer mit elf melodischen Post-Punk-Nummern, darunter auch die fünf ihres ein Jahr zuvor erschienenen Demo Tapes. Und obwohl ihre Musik sicherlich so einige Assoziationen nach sich zieht - vielleicht auch oder gerade wegen des weiblichen Gesangs - , begnügen sich Static Me nicht bloß einfach damit, auf der Retrowelle zu surfen. Roh und eingängig ist ihr Punkrock, aber auch vielseitig, wie das düstere "Fields of Abuse", das mit einer melancholischen Schwere mangt treibenden Melodic-Punk-Rhythmen á la "Safety Lines" und "Sober Needs" und fast schon poppigen Songs wie "Knots" und "Blister", etwas herunter zieht. Rundum ein mehr als gelungenes LP-Debüt, das ADAGIO830 auf 100x Clear und 400x Black Vinyl presste.


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WØLFENSTEIN: 

Tumblr//Facebook//Last.fm
Dass politisch verfolgte Gegner des Nationalsozialismus auch gerne als Bandnamen fungieren, wissen wir hierzulande nicht erst seit Jungbluth ("Part Ache" ist mittlerweile als Spenden-Download erhältlich) oder Van der Lubbe. Auch das Stuttgarter Quartett Wølfenstein gedenkt in seinem Namen an den jüdischen Schriftsteller Alfred Wolfenstein, der während der Kriegszeit von den weißen Bräuten durch halb Europa gehetzt wurde. Assoziationen zum gleichnamigen Computerspiel lassen sich nur dahingehend ziehen, weil man darin Nazis töten kann. Und die stehen auf Wølfenstein's Abschussliste nunmal an oberster Stelle. Verständlich! Aber auch musikalisch lassen sich durchaus Parallelen zu oben genannten Kollegen finden. Wølfenstein ballern sich auf ihrem Demo durch 14 düstere Hardcore-Punk-/Fastcore-Attacken, die sie mit Gift und Galle regelrecht auskotzen. Und wer so viel Hass in sich trägt, von dem braucht man natürlich auch keinen gepflegten Ausdruck erwarten, sodass die lyrische Originalität hier öfter den Parolen weichen muss. Aber egal. Parolen lassen sich eh leichter Mitgrölen und sind darüber hinaus unmissverständlicher: "You Fucking Racist Scum GO KILL YOURSELF!!!". Dann müssten Wølfenstein wenigstens nicht mehr so lange vor dem Computer hocken...

DL Demo


Turbobart:

Facebook//Soundcloud
Kennt noch jemand Olli Schulz? Der Singer/Songwriter war für mich auf Konzerten immer interessanter als auf Platte, da er live vielseitiger und unberechenbarer war. Davon abgesehen, habe ich ihn in der Post-Grand-Hotel-van-Cleef-Ära eh aus den Augen verloren. Olli Schulz ist also Schnee von gestern und mittlerweile tummelt sich hierzulande eine Vielzahl akustischer Singer/Songwriter (z. B. Cowboy Poetry, Tigeryouth, No Surprising News, etc.). Um in dieser Masse nicht unterzugehen, muss man sich als Solo-Künstler schon etwas einfallen lassen. Und da auch die Akustikanschläge irgendwann immer die gleichen sind, bleibt einen da meist nur der Gesang, den man möglichst vielseitig gestalten sollte. Christian Konermann alias Turbobart (na wenn das mal nicht berechnend ist, in der Hoffnung, dass sich so mancher bei der Google-Suche vertippt...) versucht seinen Schwerpunkt auf eben genau diesen zu legen, singt aufgeschlossen, mal melancholisch und manchmal auch etwas energischer wie im Song "Ich bin" oder im gemeinsamen Duett mit seinem Osnabrücker Kollegen Tigeryouth in "Mutterschiff". Seine Debüt-EP "Pottwal" bringt somit sicherlich nicht die große Erleuchtung, aber immerhin frischen Wind mit sich. Die sechs Songs wurden übrigens von Clark-Can't-Gitarrist Iko Helms aufgenommen und gemastert.

DL Pottwal EP


APS:

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So richtig weiß man es nicht, was man der Band APS glauben kann. Zunächst einmal bleibt zu bezweifeln, dass es sich bei dem Quintett aus Eisenberg um eine Castingband handelt (obwohl es durchaus mal interessant wäre zu hören, wie eine professionell gecastete Punkband klingt). Und ob die Auflösung ihres im Namen enthaltenem Buchstabenrätsels im gesampelten Intro - nämlich Asoziale Persönlichkeitsstörung - tatsächlich von Anfang an so gedacht war oder sich doch eher zufällig ergeben hat, lässt sich ohne Weiteres auch nicht beweisen. Hinzu kommt ein Cover von Ben E. King's Welthit "Stand by Me", der einfach mal in "erotica" umbenannt wurde. Von ihrer Debüt-EP "Eins" kann man sich seit Mitte dieses Jahres natürlich auch selber überzeugen. Dort zu hören ist tief gestimmter Punkrock, der meistens von einer kratzigen Frauenstimme angetrieben wird. Die fünf Songs sind allesamt ziemlich eingängig, die beiden letzten "Freiheit" und "Ich kann nicht mehr" klingen gar wie eine Mischung aus prolligen DDR-Punk und NDW. Schön simpel, herrlich verschroben und sympathisch unterproduziert. Tapes sind in Planung.



Failed:

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Das (ehemalige?) Bremer Quintett Failed bewies bereits mit dem 2010er Demo (zu hören auf Myspace) ein glückliches Händchen für dynamische und brutal gute Hardcore-Punk-Nummern. Doch irgendwie muss alles dann doch anders gekommen sein als gedacht, denn zunehmendst wurde es um die Band ruhiger, ehe sie sich 2012 mit zwei neuen Songs zurück meldete. Mehr allerdings auch nicht. Schade, denn ein Longplayer wäre sicherlich höchst interessant gewesen.

DL selftitled EP





Jesus kommt aus  Bützow:

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Jesus ist also ein Ossi. Zumindest wenn es nach der fünf-köpfigen Band Jesus kommt aus Bützow geht. Die wiedrum kommen aus Schwerin, Heimatstadt der DDR-Punk-Legende First Arsch. Zusammengewürfelt aus Bands wie Kruppstahldonnerblitz, NoiseFreaK und PUK und nebenher noch in den Bands Blood in the Chair und AORTA aktiv. Ein bunter Haufen, der nun all seine verschiedenen Einflüsse unter einen Hut bringen muss. Oder eben auch nicht. Grindcore, Fastcore, Powerviolence, Trash- und Hardcore-Punk werden im dreckigen Anarcho-Mix präsentiert. In diesem Sinne werden auf ihrem selbstbetitelten Debüt- und bislang einzigen Album zwölf Songs unprätentiös niedergeknüppelt, die aber auch klarstellen, dass die ureigenste Art des Punks auch im Jahr 2008 noch in Schwerin beheimatet war.

DL selftitled Album


 We Will Fly:

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Eine Berliner Band, die versierten, amerikanisch klingenden Melodic-Punk mit dreckigem Hardcore-Punk, wie er so überwiegend nur in Schweden zu finden ist, kreuzt, sollte gerade hierzulande eigentlich kein Geheimtipp mehr sein. Eigentlich. We Will Fly existieren bereits seit 2005 und veröffentlichten ihr zweites und bislang letztes Album "Bangarang!!" 2010. Dessen Opener "Fervid" stolpert anfangs noch etwas ungestüm über die Schwelle, ehe einem bereits das darauffolgende "Archivists" regelrecht das Hirn wegbläst. Was folgt, sind dermaßen treibende Nummern, die nicht mal im Ansatz einen Anbiederungsversuch starten und schon gar nicht nach Referenzen greifen müssen. Im Gegenteil. We Will Fly schieben selbst eingesessene Genre-Kollegen wie Thought Explode, The Unseen oder A Wilhelm Scream locker in die Ecke ab. Im Gegensatz zu ihrem Debüt-Album "Your Darkness Shows Us the Light", welches noch hörbarer am melodischen Punkrock der Satanic Surfers angelehnt war, fahren sie auf "Bangarang!!" nun deutlich die härtere Schiene, was dem damaligen Trio (mittlerweile sind sie zu viert) mehr als nur gut zu Gesicht steht. Fast vier Jahre warten Fans nun schon vergebens auf ein Folgewerk, aber immerhin scheinen sie in diesem und dem nächsten Jahr wieder öfter die Bühne betreten zu wollen, wie zuletzt mit den tollen Goodbye Fairground und Idle Class.


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Talk Us Down:

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Kleinreden muss man die fünf Augsburger Jungs von Talk Us Down sicherlich nicht. Immerhin schlägt die 2011 gegründete Band mit ihrem eingängigen Pop-Punk mit Emo-Schlagseite einen sicheren Weg ein und könnte somit für Diejenigen interessant sein, die sich zuletzt mit Rollergirls, Irish Handcuffs oder oben genannten Rivers & Tides schon mal warm gemacht haben. Nach ihrem Demo-Debüt im letzten Jahr, folgte Mitte 2013 ihr zweiter digitaler Output "Boiling Rage". Vier Songs, die von Powerchords, euphorischem Gesang und einigen Ooh-Ooh-Chören melodisch voran getrieben werden und dabei das sympathische DIY-Feeling nie aus den Augen verlieren. Fehlt eigentlich nur noch der Sprung auf's Vinyl oder Tape. Mit dem befreundeten Rapper eRRdeKa (Free Download Discography HIER) haben sie nicht nur einen Fan, sondern auch jemanden, der da bestimmt was deichseln kann.



Herrengedeck Royal:

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Wo bleibt denn bitte schön die Penisfeuerwehr? Nicht, dass ich sie unbedingt brauchen würde, mal davon abgesehen, dass ich mir gerade auch gar nicht herleiten kann, wofür ich sie denn gebrauchen könnte. Vielleicht sollte ich erst einmal ein paar Flaschen aufklinken, bis mein Geist von Anti- auf Funattitüde gesprungen ist und ich mich von Nonsens verführen lasse, für dent ich mich nüchtern schämen würde. Das Augsburger Quartett Herrengedeck Royal ist zweifellos partytauglich, vorausgesetzt, man hält die Promille im Blut möglichst weit oben. Auf dem Debüt-Album "Mixtape Fatal", nach einem Demo das zweite Release der Band, kann man sich so durch acht eingängige Songs mit einprägsamen Melodien, Gute-Laune-Chören und ganz viel Biergeschmack arbeiten.

Jahres-Sampler