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Mittwoch, Februar 13

OXMO - Was hast du dir dabei gedacht?



Kurzinfo:

Wie auch schon mit ihrer Quasi-Vorband Oxnard Montalvo, teilen uns OXMO in ihrem Bandnamen ihr Faible für retrospektive Zeichentrickserien mit. Das passt irgendwie, denn mit seinem Hip-Hop-Crossover-Mix transportiert das süd-deutsche Quartett viel unbekümmertes und überdrehtes 90er-Jahre-Feeling, irgendwo zwischen unpeinlichen Die Fantastischen Vier, Fettes Brot und Tic Tac Toe. .......... Aber im Ernst, vieles auf "Was hast du dir dabei gedacht", dem Debüt-Album unter dem neuen Bandnamen, klingt nach gut gelaunten Fratzen, die in ausgewaschenen Baggy Pants und schlabbrigen Karohemden durchs knallbunte VIVA-Programm hüpfen, natürlich in schlechter Bildqualität. Auch, wenn das alles schon mal da gewesen ist und vielleicht zwanzig Jahre zu spät kommt, begründen OXMO vor allem textlich ihre Daseinsberechtigung im Hier und Jetzt. Neben dem aktuell vorherrschenden Rechtsruck, prangern die eigentlichen zehn Songs vor allem von der Gesellschaft auferlegte Erwartungshaltungen an, was unter dem Album-Motto "Frei sein" oder ironischer Weise eben "Was hast du dir dabei gedacht" zusammengefasst werden könnte. Frei sein von Zwängen und der Meinung von Andersdenkenden, wie auch die stilistische Willkür aus Hip Hop, Electronicas, Ska und Reggae zeigt, die hier zu locker in der Hüfte sitzenden Pop- und Rhythmus-Hymnen vereint wurde. Und wenn mensch bedenkt, dass sich hier ein Mitglied der Pop-verliebten Punkkombo Arbeitstitel: Bullenblut hinterm Mikro versteckt, lässt sich das Album ohnehin mit einem Augenzwinkern genießen.


Band: OXMO

Titel/Release: Was hast du dir dabei gedacht?/Album (Digipak-CD; Digital)

Label: DIY

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Hip Hop, Punk, Ska, Reggae, Funk

FFO: Strommasten, Ginsengbonbons, Die Fantastischen Vier

Links: Bandpage\\//Youtube\\//Soundcloud




Stream "Was hast du dir dabei gedacht?"

Buy via Mail to: kapellmeister@o-x-m-o.de



Samstag, Juli 21

Tetrafusion - Dreaming Of Sleep



Kurzinfo:

Wer hat, der kann! Auch noch mit ihrem dritten Album, gleichzeitg ihrem vierten Release, kann das Quartett aus Shreveport, LA auf ein Label im Rücken verzichten. Die selbstproduzierten CD's sind bereits restlos vergriffen und die Liste der Bandcamp-Unterstützer sorgt für einen immer kleiner werdenden Scrollbalken. Verständlich, denn Tetrafusion haben unlängst ihren eigenen Stil gefunden, um sich von der vielzitierten Progressive-Metal/-Rock-Barde abzusetzen. Ohnehin dürfte es Label-Chefs nur äußerst schwer fallen, den Sound der Band auf ihre eigenen Bedürfnisse zurechtzubiegen. War der Vorgänger "Horizons EP" schon eine progressive Wundertüte, kreieren die vier Amis mit Scale The Scummit- und Down To Ride-Beteiligung mit "Dreaming Of Sleep" nun eine moderne Rock-Oper und zugleich ihr eigenes Meisterwerk. Einzelne Songs rauszupicken ist schier unmöglich, da dieses Werk nur im Gesamtkonzept funktioniert. Zwar ergeben sich immer wieder mal tolle Melodien wie in "The Void. Letztendlich schafft es aber keiner von ihnen, diese eingängige Form über die volle Länge zu bringen. Neben smooth-jazzigen Key-Parts, kommt diesmal sogar ein Streicher-Quartett zum Einsatz, wenn auch dosiert, und Unterstützung gab's zusätzlich von John Baab (The Reign Of Kindo) und Myles Yang (Native Construct). 
Lieber schnell das Album saugen, bevor die Jungs mitbekommen, wie gut sie sind.


Band: Tetrafusion

Titel/Release: Dreaming Of Sleep/Album (CD; Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Progressive Metal, Progressive Rock, Avantgarde

FFO: Dog Fashion Disco, Dream Theater, Protest The Hero

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube\\//Instagram\\//Myspace\\//Twitter




DL "Dreaming Of Sleep"

 Buy Here



Sonntag, Mai 27

Riot In The Attic - Under The Sun EP



Kurzinfo:

Mensch darf sich vom ersten Song "Free The Sky" nicht täuschen lassen: auch auf ihrer zweiten EP "Under The Sun" entpuppen sich Riot In The Attic als wahre Retro-Veteranen. Vom Hard Rock á la Led Zeppelin ("Floating"), über die Metallica-Gedächtnisballade ("Men In Shades") bis hin zum Floyd'schen Psychedelic ("Don't Let Me Down"), räumen die drei Kölner alles ab, was ihnen auf ihrer Zeitreise durch die 70er/80er über den Weg läuft. Ein paar progressive Elementarteilchen aus dem Hier und Jetz sind aber trotzdem noch hängen geblieben.


Band: Riot In The Attic

Titel/Release: Under The Sun/EP (CD incl. "Lost & Found"-Songs as Bonustracks; Digital)

Label: Monkey Road Records

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Stoner, Metal, Psychedelic, Heavy Rock

FFO: Metallica, Led Zeppelin, Operators

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube\\//Soundcloud\\//Twitter




Stream & Buy "Under The Sun"



Mittwoch, Mai 23

Video Kills The Radio Star Vol.6


Formosa



Drei Männer springen fast vier Minuten halbnackt in der Fantasiewelt eines 13-Jährigen herum? Kurios, aber nun gut. Formosa ist eine drei-köpfige Formation aus Essen, die schweißtreibende Riffs mit sexy 80ies-Groove vermischen und in schwungvolle Retro-Hardrock-Nummern verpacken. Auf "Mañana", eine weitere Single-Auskopplung aus ihrem Debüt-Album "Sorry For Being Sexy", gab's Unterstützung von Fitches-Sänger Dennis Steinhoff.



 Affenzauberhand



Zwischen Affenmesserkampf und The Kongsmen, sind Affenzauberhand musikalisch wohl bloß handzahme Schimpansen. Es ist aber ohnehin vor allem der Freigeist, der auch über die Songs ihres dritten Albums "...auf der Flucht vor dem Gärtner, Im Garten der Musik" thront und sie zwischen Akustik-Punk, Jazz und Slapstick hin und her schubst. Aufgrund der vielen Hintergrundgeräusche vielleicht sogar als vorprägende Kinderlieder zu empfehlen.


Oxy Music


>>>Facebook<<<

Die selben beiden Herren, die nächste Dame: war auf der Debüt-Single "Vielleicht" noch Lil B neben den beiden Fixpunkten Torsun Burkhardt und Vredeber Albrecht (Mesmo, ex-Blumfeld) vertreten, platzierte der fotogene Egotronic-Kopf für die Zweite "Jeden Tag" nun Sina Synapse neben sich auf der Couch. Von beiden Stimmchen ist nach der digitalen Politur leider nicht mehr viel übrig geblieben und wie auch schon zuvor, hängt auch dieser Song noch dem eigens erklärten Anspruch eines "Trap-Indie-Grunge"-Gemisches zu Ungunsten der beiden Letzgenannten hinterher. Aber hey...der Rocco wird das sowieso wieder bedingungslos abfeiern.



The Pighounds


>>>Facebook<<<

Die Pause ihrer Hauptband Fitches, nutzen Peter Bering (Gesang + Gitarre) und  Alessandro de Luca (Schlagzeug) für einen kleinen Ausflug in den Grunge. Als The Pighounds haben sie innerhalb kürzester Zeit ein Album eingehämmert (VÖ: Sommer 2018 über Sweepland Records), dessen tief-groovenden Vorboten "Worn Out" und "As Good As Blind" schonmal gut auf die schweißtreibende Jahreszeit einstimmen.



Inwiefern



Nach "Adolf Hipster" präsentieren uns Inwiefern und Bakraufarfita Records nun die zweite Video-Single "Gefangen im Netz" vom zweiten Bandalbum "Irgendwas ist immer". Der Rocco treibt sich ja seit eh und je auf ihren Konzerten in Strausberg rum. Und wer oben laufenden Song hört, der kann sich sicherlich denken, dass er ein solches niemals ohne einem Schweiß-Bier-getränkten Shirt verließ. Toller, Pogo- und Mitgröltauglicher Deutschpunk aus der brandenburgischen Kreisstadt der Herzen.
Weißes und schwarzes Vinyl nach wie vor beim Bönxi Bönx erhältlich.

 

Samstag, Mai 19

Lady Blue Beard - Picture Of An Elephant



Kurzinfo:

Mensch merkt es schon an den Referenzen: Lady Blue Beard sind vielleicht etwas zu ambitioniert für unsere zurückhaltenden Blog-Seiten. Bevor sie aber irgendwann einmal vielleicht das Cover des Rolling Stone Magazines zieren, heißt es erst einmal sich mühsam aus dem Untergrund nach oben zu graben. Damit sind sie zwar bei uns an der falschen Adresse gelandet, denn wir sorgen bestenfalls für eine Popularitätsstagnation. Egal. Lady Blue Beard aus Dresden kreieren charmante Folk-Pop-Songs, mal etwas verträumter, mal etwas flotter. Band-Leader Klaus Fischer tritt mit seiner sanften bis leicht aufgeregten, in jedem Fall aber äußerst facettenreiche Stimme in die Fußstapfen von Größen wie David Bowie oder Lou Reed und nutzt diese als avantgardistisches Element des Singer/Songwritertums. Ich bin der Meinung, an einigen Stellen auch einen melancholisch-düsteren Unterton zu vernehmen, wie er mich schon bei Mark Linkous seit je her faszinierte. 
Da wir ja aber der Tiefsinnigkeit abgeschworen haben, beende ich die Besprechung an dieser Stelle einfach mal abrupt. Hört selbst.


Band: Lady Blue Beard

Titel/Release: Picture Of An Elephant/Album (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Singer/Songwriter, Folk-Pop

FFO: David Bowie, Sparklehorse, Dirty Projectors

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Youtube\\//Instagram




STREAM & BUY "Picture Of An Elephant"



Sonntag, Oktober 22

Krautstomper - EP



Leute die Krautstomper hören, lesen wahrscheinlich eher die Babyblauen Seiten. Gut, jetzt sind sie eben im Tanzcafé gelandet, und musikalisch offenherzig wie wir nunmal sind, heißen wir sie hier herzlich willkommen.
Die drei befreundeten Musiker Adam, Dennis und Tim kennen sich schon eine ganze Weile. Klar, in der beheimateten brandenburgischen Einöde, wo die drei Jungs anfingen erste kleine Auftritte zu absolvieren, ist es wohl auch schwieriger, sich nicht über den Weg zu laufen.
Nach einem Demo folgte 2014 ihre "EP", abermals mit fünf Songs und knapp 24 Minuten Laufzeit. Doch was zumindest statistisch nach mathematischer Routine klingt, offenbart klangtechnisch so einige Veränderungen. "Embankment" ist vielleicht noch der einzig verbliebene Song, der nahtlos in das wild taktumherspringende und stellenweise wüste Demo integriert werden könnte. Die übrigen Songs breiten in ihren Längen von 2½ bis fast 7 Minuten einen fast schon psychedelischen Klangteppich aus, gewebt aus monotonen Loops und minimalistischen Effekten. "Potaten" mit seinen smooth-jazzigen Gitarrenzupfern und das sich progressiv-auftürmende "Oranje" stechen dabei sicherlich etwas heraus. Allerdings ist die "EP" nicht darauf ausgelegt, irgendwelche Höhepunkte auszumachen. Vielmehr bilden die fünf Songs ein atmosphärisches Gesamtkonstrukt, über dem auch immer ein Hauch von improvisierter Proberaumsession schwebt. Kein Wunder also, dass sich das mittlerweile in Berlin aufhältige Trio erst so richtig wohl fühlt, wenn sie sich die Bühne mit Prog-Rock- und RIO-Vertretern wie Medulla, Transpanda oder Alex's Hand teilen.
Anfang des Jahres konnte mensch die drei Musiker unter dem Namen Trio ton auch als musikalische Begleitung zum Theaterstück "Veits Tanz" erleben.



Band: Krautstomper

Titel/Release: EP/EP (CD, Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2014

Genre: Kraut, Instrumental, Progressive, Stoner, Psychedelic, Sludge

FFO: I Like Polish Beer, Rotor, Experimental Audio Damage & The Research Control Groop, Transpanda, Thursday Catharsis

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube\\//Last.fm

Stream & Buy "EP"



Sonntag, Oktober 1

Wiederhören: JEFF The Brotherhood - We Are The Champions



Allein des schlichten Covers und des noch schlechteren Albumtitels wegen, hätte ich wohl niemals in das dritte Studioalbum (lässt man die früheren Split-Tapes und CDr-Releases als JEFF mal außen vor) der Orrall-Gebrüder reingehört. Was wäre mir da entgangen! Oberflächlich betrachtet sicherlich nativer Psychedelic-Grunge, der seine musikalischen Wurzeln in den anfänglichen 90ern versteht und seine naturverbundene, mystisch-spirituelle Inspiration wohl noch wesentlich weiter zurück vergraben sieht. Nicht nur, dass die beiden Jungs aus Nashville, Tennessee auf "We Are The Champions" eine locker in der Hüfte sitzende Melodie nach der Anderen aus dem Ärmel schütteln. Songs wie "Bummer", "Wastoid Girl", "Stay Up Late", "Mellow Out" oder "Cool Out" könnten auch der spaß-bringenden Kreativfeder von Weezer oder Dinosaur Jr. entsprungen sein. JEFF The Brotherhood verstehen es auf "We Are The Champions" aber vielleicht besser als auf jedem anderen ihrer bisherigen sieben Alben (der Vorgänger "Heavy Days" kommt vielleicht noch heran), ihre treibenden Melodien in einer ungezwungenen und nostalgischen Atmosphäre einzubetten. Auch der orgelnde "Shredder", das 90er-Indie-liebäugelnde "Diamond Ways", das psychedelisch-verspulte "Endless Fire", das in Trance versetzende "Health and Strenght" und vor allem der grandiose Opener "Hey Friends", werfen einen/eine zurück in die Zeit, in der vieles einfacher, unbekümmerter und vor allem selbstverständlicher schien. So, müsste ich also alle Songs des Albums angesprochen haben...ach ja, "Ripper" ist auch noch drauf.

Und nur mal am Rande: die beiden (Jake Orrall, u. A. bei Breast Message, Skyblazer & Jamin Orrall, ehemals bei Be Your Own Pet, Denney And The Jets; beide leiten auch das Label Infinity Cat) machen das allein unter sich aus, zumeist lediglich mit Gitarre, Schlagzeug und Gesang.


Buy Here & Here


Donnerstag, September 14

The Black Gay Jews - Bubblegum EP



Band: The Black Gay Jews

Titel/Release: Bubblegum/EP (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Akustik, Reggae, Singer/Songwriter, Punk

FFO: Tenacious D, Bird Berlin, Splandit

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Reverbnation\\//Instagram\\//Youtube



Kurzinfo:

Je nach Betrachtungsweise sind sie entweder provozierend oder ironisch. Ich für meinen Teil tendiere natürlich zu Letzterem und würde dem Berliner Duo The Black Gay Jews außerdem noch einen gehörigen Schuss an der Waffel attestieren. Oder wer würde einer eingängigen Melodie wie der von "Rhythm Of The Night" ausgerechnet eine Textzeile wie "Intimate Haircut Of My Life" zuschustern? Genau! Dass Kostia und Darp aber wesentlich mehr sind, als nur eine reine Spaßkapelle, zeigen ihre zum Teil und mehr oder weniger anprangernden Songtexte. Mensch muss sich halt eben nur die Zeit nehmen, zwischen den ganzen spontanen Richtungswechseln und dadaistischen und überdrehten Gesangseskapaden zu hören. Dann nämlich offenbart sich ein akustisches Konzept, dass hier und wahrscheinlich auch überall sonst seines Gleichen sucht, denn was die beiden lediglich mit Gitarre, etwas Percussion, Beatbox und zwei äußerst akrobatischen wie talentierten Stimmbändern auf die Beine stellen, verdient höchsten Respekt und dürfte so manche Rockformation vor Neid erblassen lassen. Erinnert mich vom Zusammenspiel zwischen Ohrwurmqualität, Comedyfaktor, Willkür und redundante Performance her höchstens an Tenacious D. Habe aber neulich einen besseren Vergleich gefunden (vom Zitronenhund): "[...] wie eine zugedröhnte Akustik-Version von System Of A Down." Ganz genau!

DL "Bubblegum"

Buy Here & Here


Montag, August 22

Youth Avoiders - Spare Parts E.P.



Band: Youth Avoiders

Titel/Release: Spare Parts/EP (Digital, 7" in Planung)

Label: Deranged Records, Destructure Records, Build Me a Bomb Records

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Hardcore-Punk, Punk

FFO: Clowns, Gatherers, Dean Dirg

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Last.fm



Kurzinfo:

Es gibt sie also doch noch. Wäre ja auch zu schade gewesen, hätten sich die fünf (Wahl-)Pariser Punk-Veteranen nach ihrem 2013er Hit-Album klammheimlich aus dem Staub gemacht. Seit 2009 gibt es die Youth Avoiders bereits, die sich aus einer Menge B-Prominenz der französischen Undergroundszene wie Black Spirals, Youssouf Today, Toad Flanders, Noisy Champs, Peur Panique oder RIXE zusammensetzt. Dennoch hat sich das Quintett nicht erst seit dem Album zu einer Art Main Act entwickelt. Schon auf den vorherigen EP's ließ sich erahnen, dass die Hauptstadtkatakomben irgendwann einmal nicht mehr ausreichen würden, denn die Youth Avoiders hatten von Anfang an ihr eigenes Verständnis vom Hardcore-Punk: eine rotzige Attitüde verpackt in treibenden Melodien. Das kennt man in etwa auch von Refused zu Zeiten von "The Shape of Punk to Come", die ihre fast schon mainstreamigen Melodien mit Lyxzén's räudiger Schreistimme immer wieder zurück in den Punk lotsten, aber auch von artverwandten Vertretern wie Kvelertak, Pulled Apart By Horses oder Every Time I Die. "Spare Parts", ihr fünftes Release (allesamt als PWYW-DL auf Bandcamp), führt den Gedanken des vorangegangenen Albums nun nicht nur weiter fort, sondern setzt ihm auch noch eine gehörige Schippe Melodie und Eingängigkeit oben drauf. Vier Songs, die sich abermals unterhalb der Zwei-Minuten-Grenze bewegen und ohne Umwege ihr Ziel erreichen. Mittlerweile kommt die Band ohne Orgel aus. Dennoch haftet der EP, allem voran "Crushing Machine" und "Face Up to It", eine dezente Garage- und umso größere Punk'n'Roll-Note an.
Ich sage es mal so: "Spare Parts" ist nur deshalb keine Pop-Punk-EP geworden, weil sich Sänger Christopher Gaultier noch einiges an Wut im Bauch aufgespart hat und seinen Stimmbändern der Schmutz vergangener Chaostage anhaftet.

Im März/April dieses Jahres waren Youth Avoiders auf großer US-East-Coast- und Puerto Rico-Tour. Mit dabei waren auch die Garage-Punks (Aha!) Stalled Minds, dem jüngeren Nebenprojekt von YA-Gitarrist Christoph Schmidt und -Drummer Marlon Roux.

DL Spare Parts E.P.

Buy Here, Here, Here, Here & Here


Sonntag, September 13

Nakam - S/T LP



Band: Nakam

Titel/Release: Nakam/Album (50x Wood Boxes Limited Edition LP, Limited Silver & Regular Black Vinyl, Digital)

Label: Spastic Fantastic Records/Crapoulet

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Trash-Punk, Hardcore-Punk, Punk'n'Roll, Punk

FFO: Bombenalarm, The Now-Denial, Tragedy

Links: Blog\\//Bandcamp



Kurzinfo:

Wer das Kamener Label Spastic Fantastic bislang nur mit Trash in Verbindung brachte, wurde in der jüngeren Vergangenheit immer wieder eines besseren belehrt. Mit Nakam hatte sich Ende 2013 eine Art Spastic-Fantastic-Supergroup zusammengerauft, deren Mitglieder um altehrwürdige Labelsprösslinge wie Nihil Baxter oder neueren Gruppierungen wie Danger! Danger!, HIGH, Derby Dolls oder Hysterese schonmal deutlich machen, mit welcher (Punk-)Vielfalt hier zu rechnen ist. Dabei lassen Bandname - "Nakam" war eine jüdische Terrororganisation, die "Rache" für den Holocaust verübte und verüben wollte - und auch ihr Demo-Debüt, dass u. A. in einer limitierten Grabstein-Edition erschien, zunächst eher mit dem Düstersten rechnen. Doch bereits die ersten beiden Songs ihres selbstbetitelten Debüt-Longplayers sind redlich darum bemüht, der voreingenommenen Hörerschaft die Berührungsängste zu nehmen. Zwar tackern sich die giftigen Vocals größtenteils mit der Kneifzange im Ohr fest. Doch die frivol kreuz und quer schießenden Rock'n'Roll-Gitarren im Hinter- als auch im Vordergrund, dürften wohl jeden, der vom melodischen Punkrock zumindest nicht vollkommen abgeneigt ist, ein Tanzbein abgewinnen können. Eine fiese wie schwungvolle Mischung zugleich, die sich auf elf (+ Outro) dynamische Hardcore-Punk-Nummern verteilt und ihrer Einflüsse nach gelegentlich zum Trash-Punk (z. B. "Get Up", "Plan B"), Garage ("Sirens") und dampfwalzenden Düster-Hardcore ("Torches") rüberschielt, überzogen mit einer Straßenmentalität, die zeigt, dass es sich im Punk wesentlich unbeschwerter leben lässt, als in einer aufgezwungenen und diktierten Gesellschaft.

Die LP enthält auch alle fünf Demo-Songs und erscheint als streng limitierte, handgefertigte Wooden Box (in zwei verschiedenen Farben, handnummeriert, silbergraues Vinyl), als Exklusiv-Variante auf silbergrauem Vinyl oder regulärer Black-Vinyl-Edition.

DL S/T LP Here & Here

Buy Here, Here, Here & Here or via Mail to: nakammeansrevenge@gmx.de

Dienstag, August 18

Gay Angel - Floral



Band: Gay Angel

Titel/Release: Floral/Album (4x Album auf jeweils einer CD oder komplett als Boxset, Digital)

Label: DIY/She Likes Me Drunk With Love

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Singer/Songwriter, Folk, Indie, Indie-Pop, Experimental, Chanson

FFO: Sufjan Stevens, Ariel Pink, Michael Cera, Jake Bellissimo

Links: Tumblr\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Last.fm



Kurzinfo:

Gay Angel - kein homophober Scheiß oder fragwürde Ironie, sondern ein Quasi-Coming-Out für all Diejenigen, die den amerikanischen Singer/Songwriter noch nicht kennen - hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Gefühle, Erlebnisse, Beobachtungen und sonstige in seinem Kopf umherkreisende Gedanken einzufangen und in akustische Signale umzuwandeln. Auf eine dementsprechend gut bestückte Diskografie kann er seit seinem letztjährig angefangenen Treiben als Gay Angel nun schon zurückblicken. Ein Minialbum und ein Longplayer entstanden bis Mitte 2014, seitdem widmete sich Jake Bellissimo Stück für Stück seinem 100-Song-Album "Floral", das er im Juli dieses Jahres schließlich vollendete. Vier Parts mit je 25 Songs, die einzeln auf CD oder als komplettes Boxset ergattert werden können und über Bellissimo's Label She Likes Me Drunk With Love erscheinen. Es macht daher wenig Sinn, ein 100-Song-Album bis ins Detail zu sezieren, was den Rahmen eines Kurzreviews eindeutig sprengen würde. Ich halte mich daher kurz: "Floral" ist über einen Zeitraum von einem Jahr hinweg entstanden und spiegelt somit auch viele Eindrücke wieder. Vom klassischen Singer/Songwriter-Rock, bis hin zum liebevoll arangierten Folk, der in seinen schönsten Momenten tatsächlich an einen Sufjan Stevens erinnern kann, in seinen stoischen als auch wilden Experimentierphasen aber auch gerne an Greg Ashley oder Michael Ceras' Schlafzimmerproduktionen. Einige Songs scheinen in einer längst vergangenen Zeit gefangen zu sein, andere wiederum strotzen nur so von neoklassischer oder kabarettistischer Willkür und Leichtfertigkeit. Ein Wechselbad der Gefühle und somit kein Album für Zwischendurch. Schade nur, dass der zwischenzeitliche Wahl-Berliner mit seinem bis zu 55 Mann und Frau starken Ensemble keine größere Lobby hat. Mit seinen Vorbildern und den ganz großen des Genres kann er allemale mithalten.

DL Floral (complete 100-Song-Album)

Dienstag, Juli 7

Refused - Freedom LP



Band: Refused

Titel/Release: Freedom/LP (Black, White, Yellow, Blue Vinyl; CD; Deluxe-CD mit Poster & 28-Seiten-Buch; Digital)

Label: Epitaph

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Hardcore-Punk, Punk, Sweden Hardcore, Hard Rock, Popcore

FFO: JR Ewing, Pulled Apart by Horses, INVSN

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Twitter\\//Bandcamp\\//Last.fm



Kurzinfo:

Ich will mich hier gar nicht in all zu vielen Worten verlieren, denn über dieses Album wurde und wird noch sehr viel geschrieben werden. Aber ich muss einfach, weil die wiederauferstandene Schweden-Legende Refused ein Album veröffentlicht haben, was man weder nach so langer Zeit nach "The Shape of Punk to Come", noch in dieser Form so erwarten konnte. Versteht mich nicht falsch: würden Refused nicht weit über der Liga der hier sonst vertretenen Bands spielen, sie wären mit "Freedom" von mir mindestens zur Platte des Monats gekürt worden. Aber es ist auch ein Album, dass die Massen garantiert spalten wird. Es war daher kein schlechter, oder anders gesagt, vielleicht sogar kalkulierter Schritt der Band, mit "Elektra" ausgerechnet den einzigen richtig groovenden Hardcore-Punk-Smasher vorab ins Rennen zu schicken, der schonmal durchblitzen ließ, dass Refused mittlerweile nicht mehr den Geheimtippstatus, sondern den einer weltbekannten Größe verteidigen müssen. Bereits der zweite vorab veröffentlichte Song "Françafrique" dürfte die eingefleischte Punkgemeinde wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen, denn der Song reitet nicht nur auf einem astreinen Hard-Rock-Riff durch die Strophen und bietet Blechbläsern Unterschlupf, sondern flirtet im Refrain ziemlich intensiv mit dem Pop. Und der Song bleibt nicht die Ausnahme. Auch "Old Friends/New War", das heavy-rockende "War on the Palaces" oder das 80er-Jahre-Synthpop verliebte "Servants of Death" könnten leicht zensiert im Mainstreamrockradio platziert werden. Allein Lyxzén's Zynismus und krächzendes Geschrei, das sich hörbar noch immer durch den aufgewirbelten Staub und Dreck einstiger Punkkonzerte und anarchistischer Wut im Rachen quält, ist es zu verdanken, dass "Freedom" noch weitgehendst unter dem Begriff Hardcore-Punk fällt. Es ist halt nicht spurlos an der Band vorbei gezogen, dass sich Lyxzén in den letzten Jahren lieber mit Bands wie AC4 oder INVSN vergnügt hat, aus deren Quintessenz sich mindestens 70% des Albums erklären lassen. Der Rest ist einer experimentellen Selbstphase gleichzusetzen - nicht so exzessiv wie bei der Pre-Refused-Band Text -, die insgesamt von einem seltsamen Groove lebt. Irgendwie vergleichbar mit Rodriguez-Lopez' poppigen Bosnian Rainbows: nicht wirklich schlecht, vielleicht sogar ganz gut. Aber eben nicht mehr The Mars Volta!

Stream "Freedom"

Buy Here, Here, Here & anywhere else

Donnerstag, Juni 25

Platte des Monats 06/2015: Pride and Ego Down - Tear Room LP



Band: Pride and Ego Down

Titel/Release: Tear Room/Album (Digital, lim. Edition CD in Planung)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Emo, Screamo, Emocore, Alternative

FFO: Thursday, Me Versus I, Sometree

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube\\//Last.fm



Kurzinfo:

Ich muss schon zugeben, dass ich in letzter Zeit wohl kaum einem anderen Release mehr entgegen gefiebert habe, als Pride and Ego Down's ersten Longplayer "Tear Room". Mit der Video-Single "Son of Rain", "Our Great Desire" vom gleichnamigen 2-Song-Tape und der Driftwood-Winter-Sampler-Beigabe "Oxygen", hat das Kölner Quartett bereits im Vorhinein ein Viertel des Albums unter die Massen gebracht. Mit diesen drei Songs haben die Jungs nun aber keineswegs den Zündstoff für's Album verpulvert. Im Gegenteil. Schon der düster-atmosphärisch schwelgende Opener "Thirtytwo", der auf die genre-typische Finte verzichtet, zeigt, dass sich die Band eher bedächtig und mit dem ganz großen Gefühl den Gehörgängen anschmiegt, anstatt mit dem Brecheisen hindurch zu rammeln. Einen großen Anteil daran trägt sicherlich die emotional-zerbrechliche Stimme von Skinrise (ehemals You≠Me)-Sänger Niklas, der im Duett mit dem melancholischen Gitarrengeplänkel den Songs einen enormen Tiefgang verleiht. "Tear Room" ist kein Album voller Balladen geworden, aber es ist stoisch konzipiert, das sich nur dann in Geschreie entlädt, wenn es tatsächlich nicht mehr anders geht. Ist das noch Screamo? Ja, irgendwie schon. Aber die eigentlich relevante Frage lautet wohl eher, ob PAED überhaupt noch eine Screamo-Band ist. "Know My Name" zum Beispiel ist so ein herrlich eingängiges Stück Indierock, und auch die eingangs erwähnten "Oxygen" und "Son of Rain" nebst dem tollen "Making Wheat out of Tares" würden hervorragend ins Rockradioprogramm zwischen älteren Muse und neueren Biffy Clyro passen, würde man die Schreipassagen kürzen. Allerdings wäre das schon wieder zu viel des Guten, denn: Referenzen hin oder her, im Untergrund kochen PAED lieber ihr eigenes Süppchen.

Auch mit einem so grandiosen Album wie "Tear Room" hat die Band noch immer kein Label gefunden. Schade, denn eigentlich gehört sowas als Trophäe in den Plattenschrank. Daher ist vorerst nur eine limitierte CD-Edition geplant. Mit einer Spende auf Bandcamp könnt ihr der Band dabei unter die Arme greifen.

DL "Tear Room"


Freitag, Juni 19

Mann kackt sich in die Hose - Nowosibirsk 7"



Band: Mann kackt sich in die Hose

Titel/Release: Nowosibirsk/EP (7" on white, black & lim. Hardbook-Vinyl, Digital)

Label: Spastic Fantastic Records

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Deutschpunk, Punk, Garage

FFO: Rotzkotz, Toleranzgrenze, Schmutzstaffel

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Last.fm



Kurzinfo:

Diese Band ist an arroganz kaum noch zu übertreffen. Da dachte man, es nach zwei Demo-Auflagen und einer LP endlich überstanden zu haben, und da legt der Dortmunder Vagabunden-Vierer mit dem obszönen Bandnamen und den ordinären Liedtexten doch tatsächlich noch eine kleine Schallplatte nach. Ganz ehrlich Jungs: hiermit könnt ihr vielleicht noch ein paar zurückgebliebene 80er-Jahre-Punks beglücken, davon abgesehen, dass ihr schon mit anderen sogenannten "Musikgruppen" wie Napoleon Deinameit, De Omnipresent Desieß oder Jim Tablowski Expirienz vollkommen am Nerv der Zeit vorbei gepeilt seid. Klar, die Melodien sind fast schon eingängig-poppig und die auf Rock rollenden Gitarren passen hervorragend in die Garage der Hives und Konsortium. Bringt halt bloß nichts, wenn all das allein durch die dilettantische Stimme in der Luft zerfetzt wird. Damit könnt ihr bei der Generation Modepunks sicherlich keine Punkte sammeln. Da kräuseln sich wohl eher die steif gegelten Haare und glattgebügelten Markenklamotten.

DL Nowosibirsk 7" Here & Here

Buy Here, Here, Here & Here

Samstag, Juni 6

Virgin Suicide - Virgin Suicide LP



Band: Virgin Suicide

Titel/Release: Virgin Suicide/Album (CD, Vinyl, Digital)

Label: Nordic Music Society

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Britpop, Pop-Rock, Psychedelic

FFO: The Beatles, Dr. Dog

Links: Facebook\\//Soundcloud



Kurzinfo:

Vorweg: bis dato ist wohl kaum eine andere Band den Beatles so nah auf die Pelle gerückt, wie Virgin Suicide aus Kopenhagen, die Beatles mit eingeschlossen (die Punkles zählen nicht!). Die Marschrichtung steht somit also. Auf ihren Weg von LA bis Kopenhagen haben die fünf Dänen vor allem Einflüsse vom 60er-Britpop und Psychedelic aufgegabelt und beide in die rockigeren 80er verschleppt. Die Quintessenz ist locker-leichter Pop-Rock für Frohnaturen, der das Melodieselbstverständnis der Inselbewohner in sich trägt. The Raveonettes-Frontmann Sune Rose Wagner steht dafür schließlich mit seinem Namen.

Stream S/T Album


Sonntag, Mai 31

Cool Cat Crazy - Pulverfass



Band: Cool Cat Crazy

Titel/Release: Pulverfass/Album (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Alternative, Hard Rock

FFO: Zeilenton, Ugly Kid Joe

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Myspace\\//Soundcloud



Kurzinfo:

Geht es nach Jack Black und Kyle Gass, ist Rock wesentlich mehr als nur ein Musikgenre - es ist eine Lebenseinstellung! Klar, Tenacious D's bisherige Reise durch die Rockepochen war eine Geschichte voller Wahnwitz und Selbstironie. Dennoch sind die beiden Amerikaner Angehörige einer fast ausgestorbenen Spezies, der weitgehendst auch der Kreuzberger Singer/Songwriter Stefan Schreiber alias Frankensnyder zugehörig ist. Es gilt, die ureigenen Werte des Rock zu ehren und zu wahren. Keine progressiven und schon gar keine digitalen Spielereien. Rock, wie ihn Satan einst als sein Sprachrohr für die Menschheit geschaffen hat.
Neben seinem Akustikrock und Techno (Die Energiemaschine), zeichnet er sich auch für Cool Cat Crazy größtenteils allein verantwortlich, mit dem er 2009 bereits mit dem gleichnamigen Debüt-Album ein erstes Ausrufezeichen und einen sympathischen Flashback Richtung 90er-Jahre setzte. Ein Album, dass sich unbeschwert und -geniert zwischen Alternative, Hard Rock, Metal und Industrial bewegte und vor allem von Frankensnyders angerauhter und rauchiger Rock'n'Roll-Grunge-Stimme profitierte und auch noch Hits wie "Full Moon" und "Home" in petto hatte.
Für sein zweites Album "Pulverfass" schwenkt er nun vollkommen auf seine Heimatsprache um und schraubt den Industrialanteil auf ein Minimum zurück. Was bleibt, ist die Quintessenz aus Alternative, Riff-Metal und Hard Rock, die nicht all zu überraschend in gitarrenbetonten Rock mündet. Klingt nach dicken Eiern in zu engen Hosen? Auf jeden Fall! Aber nicht nur. Psychedelische Gitarrensoli entgleiten den Songs ebenso unerwartet, wie kraut-rockige Experimente. Klingt bekannt? Klar! Cool Cat Crazy wollen den Rock schließlich nicht revolutionieren.

Stream & Buy Digitally "Pulverfass"

Donnerstag, Mai 7

Ni - Les Insurgés de Romilly LP



Band: Ni

Titel/Release: Les Insurgés de Romilly/LP (500x Gatefold-12", CD, Digital)

Label: Atypeek Music, Dur et Doux

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Mathcore, Mathrock, Noiserock, Experimental

FFO: Dmonstrations, SchnAAk, Primus, Future 1983

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Kurzinfo:

Jetzt mal ehrlich: den Einstieg in ihrem ersten Longplayer "Les Insurgés de Romilly" haben sich Ni doch bei Strung Out's "Exile in Oblivion" abgeschaut, oder?! Aber egal, ein harmonisches Sample abrupt in experimentelle Ekstase entgleiten zu lassen, passt eigentlich immer und dürfte wohl kaum dem Urheberrecht unterliegen. Ohnehin holt das Quartett aus dem französischem Mâcon in eine ganz andere Richtung aus. In ihrer umtriebigen Vergangenheit waren die vier - ob getrennt oder gemeinsam - bereits äußerst freigeistlich und fingerfertig in zahlreichen Zeuhl-, Jazz- und Avant-Prog-Gruppen wie Scherzoo, Ukandanz, ☉ (L'Effondras), JMPZ und V13 aktiv, was nicht vollkommen spurlos an ihrer gemeinsamen Band Ni vorbei gegangen ist. Mit polyrhythmischen, vertrackten und nervösen, aber auch eingängig zappelnden Gitarren, steuert die Band eher dem Noise- und Mathrock entgegen, könnte mit ihrer avantgardistischen Charakteristik aber auch mitten ins babyblaue Herz treffen. Dabei outen sich Ni weniger als Improvisationskünstler, als dass sie vielmehr komplexe Strukturen und Figuren ineinander verflechten und glücklicherweise den ganz großen Wahnsinn im Ansatz verpuffen lassen. "Les Insurgés de Romilly" ist dennoch ein forderndes Werk, für dessen Erarbeitung zumindest mathematische Grundkenntnisse und etwas Hirnschmalz von Vorteil sein könnten.

Stream & Buy Digitally "Les Insurgés de Romilly LP"



Freitag, Mai 1

Feverdreamt - Terban Te Ban



Band: Feverdreamt

Titel/Release: Terban Te Ban/Album (CD, Tape, Digital)

Label: Blackjack Illuminist Records

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Krautrock, Dreampop, Orientalische Folklore, Ambient

FFO: Secret Chiefs 3, Fantomas, Embryo

(Label-)Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud


Kurzinfo:

Bis auf die Wiesbadener Shoegaze-Post-Rocker Miumi, dominieren vor allem die eigenen Bandprojekte von Label-Chef Alexander Leonard Donat das Geschehen auf Blackjack Illuminist. Ob nun Dark-Ambient mit Flight Recorder oder Infravoids, Electro-Hardcore-Noise mit Jet Pilot oder Indie-Shoegaze mit Leonard Las Vegas - es wird nie langweilig auf dem Königs-Wusterhausener Label. Da sein letztes Release allerdings schon mehr als ein Jahr zurückliegt (sowohl label- als auch bandtechnisch), war es nunmehr schon längst überfällig, noch einmal nachzulegen. Feverdreamt heißt sein neues Projekt, das sich labelgetreu und grob überschlagen in mäandernden Dreampop verliert, diesmal allerdings einem orientalischem Einfluss unterliegt. So eröffnet der fast schon operettenhafte Titeltrack den betörenden Reigen zwischen Wahn und Realität, während der zehn-minütige Closer "Antrebax Nox" fortlaufend immer tiefer in fiebrige und schwüle Esoterik entgleitet. Feverdreamt auf einen vergleichbaren Konsens zu bringen, ist schlichtweg unmöglich. Weitgehendst spiegelt sich hier die gleiche Originalverliebtheit wider, wie sie ein Mike Patton, Trey Spruance, Trevor Dunn oder gar Charming Hostess phasenweise an den Tag legten. Wer mit diesen Künstlern bereits seine Erfahrungen gemacht hat, weiß, dass man mit jeglichen Überraschungen rechnen muss.







Mittwoch, April 22

Chick Quest - Vs. Galore LP



Band: Chick Quest

Titel/Release: Vs. Galore/Album (Digital)

Label: DIY

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Post-Punk, Spaghetti-Western, Garage, Rock'n'Roll, Indie

FFO: The Hives, Wire, Ennio Morricone

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Soundcloud\\//Twitter\\//Youtube



Kurzinfo:

Retro mal anders. Anstelle der üblichen Verdächtigen des 60er-Jahre-Pop/Rock, labt sich das Wiener Trio Chick Quest lieber am nostalgischen Italo-Western, 80er-Garage und -Surfrock, voran getrieben mit der forschen Rotzigkeit des Post-Punk. Klingt komisch, funktioniert aber klasse. Vor allem auch, weil seit Cursive's "Happy Hollow" wohl kaum eine Band die Trompete derart gut in Szene setzen konnte. Tarantino hätte für diese Musik sicherlich schon den passenden Film parat. Dabei entstand der Gedanke an einer gemeinsamen Band angeblich bloß bei einem Saufgelage. Sänger, Pianist, Orgler und Gitarrist Ryan White, der die gleichen Aufgaben auch bei seiner amerikanischen Indierockband Russian Spy Camera übernimmt und nebenher als Web- und Printdesigner bei der Thornhill Group tätig ist, gründete die Band Anfang 2014 mit der befreundeten Schlagzeugerin Iris Rauh, unter dem ursprünglichen Namen Lee Van Cleef lediglich als Spaßprojekt zur Unterhaltung von Freunden gedacht. Mit dem Zuwachs von Shellhouse-Bassistin Magdalena Kraev und der Unterstützung von Jazz-Trompeter Christian Sonderegger (u. A. Vienna Big One Band und The Soultravelers), entwickelte sich aus dem Spaß heraus schließlich ein ernsthaftes Projekt, das im April 2015 nun das erste offizielle Release feiert. "Vs. Galore" lautet der Titel des Longplayers, der in Eigenregie und vorerst nur digital erscheinen wird.

Hörproben HIER & HIER


Sonntag, April 5

Octopus Prime - The Attic Sessions EP



Band: Octopus Prime

Titel/Release: The Attic Sessions/EP (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2014

Genre: Electronic, Dub, Ska, Reggae

FFO: Five Alarm Funk, John Wayne and The Pain, VA - Dubstore Records Sampler

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube



Kurzinfo:

Der Ska einstiger Blockhead und Skapitanos brodelt im Inneren des achtarmigen Monsters Octopus Prime immer mal wieder auf. Das Crossover-Feuerwerk, das die Münsteraner/Verler Band auf ihrem 2013er Debüt-Album entfachte, scheute dennoch jeglichen Direktvergleich. Das ist durchaus beachtlich, denn neben partytauglichen Ska verbindet die Band um Sängerin Léa Landwehr mit Reggae, Dub, Electro und Pop-Rock vor allem massenkompatible Stile, die in dieser Eintracht doch tatsächlich noch ein Schlupfloch im Mainstream ausmachen konnten. Somit eigentlich Musik für die breite Masse, was genauso wenig überhörbar wie verwerflich ist. Octopus Prime haben nunmal ein äußerst geschicktes Händchen für poppige Melodien, die im bandeigenem Studio in einer - nunja - fetten Produktion eingefangen werden und sich somit auch innerhalb der DIY-Statuten bewegen. Ein nicht unwesentlicher Aspekt, mit dem sich die Songs vielleicht mit anderen Ohren hören lassen, bevor man ihnen voreilig den Stempel des überproduzierten Marketingprodukts aufdrücken möchte. Dass für die Band Regeln, Konventionen und Erwartungen allerdings da sind, um von ihr gebrochen zu werden, zeigt ihre EP "The Attic Sessions", die sich oberflächlich gesehen gar nicht all zu sehr vom gleichnamigen Album abhebt und in erster Linie wieder mit einer glasklaren Produktion auftrumpft. Die Songs bleiben zwar allesamt tanzbar, schleppen sich nunmehr aber zu Gunsten einer schleiernden Atmosphäre durch einen trägeren Groove. In "The Hounds" etwa, geben die Trompeten Léa's verrucht-rockigen Gesang einen flotten Takt vor, ohne ihn dabei zu einem Partysmasher ausarten zu lassen, was auf dem Album eben noch zum guten Ton gehörte. Nein, Octopus Prime wollen auf ihrer EP nicht zum wilden und unkontrollierten Gelage aufrufen, sondern verschmelzen ihre Einflüsse zu einem homogenen Sound. Sie experimentieren und treiben somit ihre Musik nochmals in eine ganz andere Richtung.

DL The Attic Sessions EP

Jahres-Sampler