Sonntag, Juni 28

Der Bandcamp-Hardcore Vol.30

Inkasso Moskau



Plastic Bomb schreibt: "Kaputter Sound für eine kranke Welt."

Flight13 schreibt: "...feinstes Gebretter."

IAMHAVOC schreibt: "...drei Jungs, welche zumindest optisch rein garnicht zusammen passten."

Inkasso Moskau schreibt: "...tight wie'n Schwitzkasten."

Gerdas Tanzcafé schreibt wie immer in eigenen Worten: "Drei kaputte Jungs im Schwitzkasten, brettern tight für eine feinere Welt."

Sie haben alle recht, ganz besonders wir. Die Richtung ist klar und gar nicht mal so neu: die punkige Artenvielfalt von Specht Ruprecht, vereint mit dem Wahnwitz von Kannibal Krach und der Ironie von Entrails Out!. Inkasso Moskau's Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen und vermutlich können sie auch nur die Wenigsten ertragen. Hardcore-Punk, Metal-Gebolze und grindige, mathige Doublebass-Attacken, dazu ein klangfarbenfrohes Schreirepertoire, werden in der Mischpalette gehörig durchgerührt und ohne Rücksicht auf Verluste rausgekotzt. Leider liegt mir kein Stream ihres ersten Longplayers "Motorsäge" (über Bigcartel als USB-Stick oder schwarzes Vinyl mit Katzen-B-Seiten-Siebdruck erhältlich, beide Varianten mit Sticker und Button!) vor. Sollte sich das Osnabrücker Trio hinsichtlich ihrer Debüt-EP "Zurück ins Eigenheim" (Spenden-DL, CD) aber nicht gerade um 180° gedreht haben, dürfte ein Blindkauf legitim sein.

+++Facebook\\//Soundcloud\\//Youtube\\//Last.fm+++

DL & Buy "Zurück ins Eigenheim" EP


Buy Here, Here, Here & Here


Hausmeister

Facebook
Eine Band, die mich gleich zweimal in die Irre geführt hat: 1.) Gemäß ihrer Bandcamp-Seite ging ich anfangs noch davon aus, dass sich hinter dem EP-Titel ein Anagramm versteckt. Tut es nicht. "Rean & Speim" heißt soviel wie "Kotzen & Weinen". 2.) Auch der Bandname ließ mich im Vorhinein eher an Deutschpunk, vielleicht sogar mehr in Richtung Rachut (Oma Hans oder so) denken. Letzteres vom letzten ist immerhin gar nicht so weit daher geholt, können hier getrost Referenzen wie Dackelblut, Captain PlaneT oder I Refuse herhalten. Und dass sich die drei Grazer Jungs von Hausmeister mit Bands wie Pack of Wolves oder The Noise Killed Hearts bereits vorher die Hörner am Punk abgestoßen haben, kann ihre routinierte Debüt-EP ebenso wenig verheimlichen. Für ihre Songs reißt sich die Band die Hitzigkeit des Post-Punks und die Unbeschwertheit des Midwest-Emos unter die Nägel, woraus sie fünf Songs geformt haben, die weniger in Gefühlsduselei verfallen, als vielmehr ordentlich das Blut in Wallung bringen. Tolles Debüt!

DL Rean & Speim EP


Wolf Teeth

Facebook\\//Bandcamp\\//Tumblr\\//Instagram
Ohio, du Hure! Wer sich einen Überblick von der Undergroundszene des US-Bundesstaates verschaffen will, fängt am besten bei Wolf Teeth an. Vier der fünf beteiligten Musiker waren bereits vorher bei Heirships aktiv und nebenher bei unzähligen anderen Gruppen wie Harvey Pekar, Shit Blimp, Rat Noose, Krelboyne, Spirit Guide oder Two Hand Fools. Wer sich jetzt noch die befreundeten Musiker und Bands jener zu Gemüte führt, landet früher oder später unweigerlich beim 6,6-Ecken-Gesetz. 
Wolf Teeth bestehen unter diesem Namen noch gar nicht all zu lange und kommen zusammen trotzdem auf eine beachtliche Summe an Bandjahren und -stationen. Genau der richtige Zeitpunkt also, um etwas am Sound herum zu experimentieren. Ihre Debüt-EP "A House//A Home" ist daher alles andere, als leicht verdauliche Hardcorekost. So kommt der Opener "It Started With..." sludgig-träge aus den Startlöchern; "Hidden Beneath..." outet sich als eine Art akustisches Alternative-Sprech-Interlude; "Wooden Sppons" ist jähzorniger Post-Hardcore mit Sprach-Sample-Outro; "Could Have Been" näher am Alternative und Emorock, als am Hardcore; "Mother and the Gun" mit einem Fuß fast schon im Deathcore. Umhüllt von einer allumfassenden dunklen Atmosphäre, klingt das dann weniger zerfahren, als es auf dem Papier wirkt. 

Für den Ronald Records/Way Grimace Records Labelsampler (HIER) und den von Label Friends hervorgebrachten Nepal-Benefiz-Sampler (HIER), steuerte die Band je einen Song bei. Über Tightwolf Records soll demnächst ein weiterer folgen, für den Wolf Teeth At the Drive-In's "Arcarsenal" coverten. Außerdem sollen bereits neue Songs für eine 4-Way-Split im Kasten sein.

DL "A House//A Home" EP Here & Here

Buy Here & Here


Follow the White Rabbit

Facebook\\//Bandcamp\\//Last.fm\\//Twitter\\//Myspace
So viel fantastische Magie entfleucht sonst nur dem Metal-Sektor. Zwischen progressiven Wahnsinn, avantgardistischen Metal und mathig-vertrackten Post-Hardcore, zwischen The Mars Volta, Mike Patton und The Dillinger Escape Plan. Klingt zunächst einmal nach der Kombination, auf die ihr musikalischen Freigeister da draußen ein Leben lang gewarten habt. Ein konzeptionelles Spektakel aus der russischen Unterschicht, losgetreten vom Quartett aus St. Petersburg um den Euglena- und Kolchak-Schlagzeuger Alex Trulala. Mindestens auf Augenhöhe mit ihren erfolgreicheren Vorbildern.

Über das beheimatete Label Grains of Sand Records erschien bislang eine CD-Version ihres Debüt-Albums "Endorphinia". Für ein Doppel-Vinyl-Release - was für ein derartiges Album eigentlich angebracht wäre - suchen Follow the White Rabbit noch händeringend nach einem Weiteren.

DL Endorphinia LP

Buy Here & Here or via PM on: https://www.facebook.com/cheeseass


Girlfight

Facebook\\//Twitter\\//Last.fm
Damit hatte vor knapp zwei Jahren wohl niemand gerechnet. 2012 noch die Single "Holy Fuck" mit dem angehangenen Beastie Boys-Cover "Fight For Your Right" zu Ehren des damals gerade verstorbenen Adam Yauch und wenig später die 7inch "Real Spite" veröffentlicht, Konzerte mit namenhaften Bands wie Kvelertak, Breach, Black Tusk und Cancer Bats in 2013. Man hätte behaupten können, es lief rund beim Pittsburgher Quartett Girlfight. Dass dem nicht so war, ließ auch ihr unsentimentales, leicht zynisches Statement zum Aus der Band durchblitzen, was die Jungs im Mai diesen Jahres nachreichten. Da braucht man nichts schönzureden, sie waren halt Punk. Mächtig angepisster Hardcore-Punk, um genau zu sein. Schnell, angriffslustig und präzise, aber auch irgendwie tanzbar. So kurz sie ihre Songs auch hielten, die meisten schafften es nicht mal bis an die Zwei-Minuten-Grenze, so schimmerte doch immer eine kleine dreckige Prise n'Roll mit durch, wie man es nur all zu gut von den Skandinaviern (z. B. Parasight, Alenah und natürlich Refused) oder auch Every Time I Die und Pulled Apart By Horses kennt, nur ohne Disco.
Schade, aber 4/5tel ihrer Diskografie hinterließen sie immerhin als Gratisnachlass.

DL Real Spite 7"
DL Holy Fuck 2-Track-Single
DL Defamate EP
DL Infinite Carcass EP

Buy Here, Here, Here, Here, Here & Here


Der Faustmörder

Facebook\\//Reverbnation\\//Last.fm
Fieser Fastcore für Ferrückte. ...??... Wedel in Schleswig-Holstein ist mit seinen knapp 30.000 Einwohnern ein recht überschaubares Städtchen und ein beschauliches noch dazu. Naja, zumindest oberflächlich. Denn vom Untergrund heraus hämmern radikal-musizierende Gruppen wie Yard Bomb, Schlimme Augen Wurst oder Der Faustmörder gegen die idyllische Mittelstadtfassade und bringen sie gewaltig zum Bröckeln. Letztere treiben angeblich schon seit 1998 ihr musik-metzelndes Unwesen, machen scheinbar aber erst in den letzten Jahren ernst damit. Die Band, in der auch zwei Mitglieder der nicht weniger fiesen Brutal-Death-Metal-Band Irate Architect mitmischen, veröffentlichte vor zwei Jahren ihre gleichnamige EP. Und wer es schafft, 17 Songs (!!) in 7:40 min (!!) auf eine 7inch (!!) zu prügeln, der muss schon ordentlich tatenhungrige Wut angestaut haben. Hier wird gemosht, gehated, verwamst und mächtig an Napalm Death's Weltrekord gerüttelt. An einigen Stellen vielleicht etwas zu penetrant.

Über Bolzkow Records (kennt wer einen Link dazu?) soll demnächst ein Tape erscheinen, das nebst den siebzehn 7inch-Stücken auch das 2011er Live-Konzert auf der MS Claudia enthalten soll.

DL S/T 7inch

Buy Here, Here & Here


Skyon

Facebook
Hochachtung und Hohn zugleich: die australische DIY-Metalcore-Band Skyon mit zweifacher Edalene-Beteiligung steht ihren kommerziellen Vorbildern Bring Me the Horizon, Underoath und 30 Seconds to Mars in Nichts nach. Glasklar ausproduziert, sitzt hier jeder Ton und Saitenanschlag. Pop-Musik für Möchte-Gern-Hardcoreler, wenn man so will. Klingt unfair? Vielleicht. Skyon werden es aber in jedem Fall schwer haben, mit diesen Sound aus der breiten Masse heraus zu stechen. Im Vergleich zu oben Genannten, ist ihre Musik aber immerhin kostenlos downloadbar. Noch...

DL Searching for Solace EP
DL & Buy Moments of Clarity EP

Donnerstag, Juni 25

Platte des Monats 06/2015: Pride and Ego Down - Tear Room LP



Band: Pride and Ego Down

Titel/Release: Tear Room/Album (Digital, lim. Edition CD in Planung)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Emo, Screamo, Emocore, Alternative

FFO: Thursday, Me Versus I, Sometree

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube\\//Last.fm



Kurzinfo:

Ich muss schon zugeben, dass ich in letzter Zeit wohl kaum einem anderen Release mehr entgegen gefiebert habe, als Pride and Ego Down's ersten Longplayer "Tear Room". Mit der Video-Single "Son of Rain", "Our Great Desire" vom gleichnamigen 2-Song-Tape und der Driftwood-Winter-Sampler-Beigabe "Oxygen", hat das Kölner Quartett bereits im Vorhinein ein Viertel des Albums unter die Massen gebracht. Mit diesen drei Songs haben die Jungs nun aber keineswegs den Zündstoff für's Album verpulvert. Im Gegenteil. Schon der düster-atmosphärisch schwelgende Opener "Thirtytwo", der auf die genre-typische Finte verzichtet, zeigt, dass sich die Band eher bedächtig und mit dem ganz großen Gefühl den Gehörgängen anschmiegt, anstatt mit dem Brecheisen hindurch zu rammeln. Einen großen Anteil daran trägt sicherlich die emotional-zerbrechliche Stimme von Skinrise (ehemals You≠Me)-Sänger Niklas, der im Duett mit dem melancholischen Gitarrengeplänkel den Songs einen enormen Tiefgang verleiht. "Tear Room" ist kein Album voller Balladen geworden, aber es ist stoisch konzipiert, das sich nur dann in Geschreie entlädt, wenn es tatsächlich nicht mehr anders geht. Ist das noch Screamo? Ja, irgendwie schon. Aber die eigentlich relevante Frage lautet wohl eher, ob PAED überhaupt noch eine Screamo-Band ist. "Know My Name" zum Beispiel ist so ein herrlich eingängiges Stück Indierock, und auch die eingangs erwähnten "Oxygen" und "Son of Rain" nebst dem tollen "Making Wheat out of Tares" würden hervorragend ins Rockradioprogramm zwischen älteren Muse und neueren Biffy Clyro passen, würde man die Schreipassagen kürzen. Allerdings wäre das schon wieder zu viel des Guten, denn: Referenzen hin oder her, im Untergrund kochen PAED lieber ihr eigenes Süppchen.

Auch mit einem so grandiosen Album wie "Tear Room" hat die Band noch immer kein Label gefunden. Schade, denn eigentlich gehört sowas als Trophäe in den Plattenschrank. Daher ist vorerst nur eine limitierte CD-Edition geplant. Mit einer Spende auf Bandcamp könnt ihr der Band dabei unter die Arme greifen.

DL "Tear Room"


Montag, Juni 22

Edalene - I'm Still Here EP



Band: Edalene

Titel/Release: I'm Still Here/EP (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Screamo, Post-Hardcore, Melodic Hardcore, Emotive Hardcore

FFO: Pianos Become the Teeth, I Hate Myself, Old Gray

Links: Facebook\\//Last.fm



Kurzinfo:


Wer die australische DIY-Szene bislang noch nicht auf dem Schirm hatte, hat einiges nachzuholen. Vor allem auf der süd-östlichen Küstengerade von Melbourne, über Sydney bis nach Newcastle, lassen schier unzählige und zielstrebige Newcomer und Szenegrößen zwischen Pop-Punk, Alternative, Post-Hardcore und Metal kaum einen Genrewunsch offen.
Hinter Edalene aus Sydney verbergen sich fünf junge Burschen, die erst Anfang des Jahres aus verschiedenen Gruppierungen zusammenfanden. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ihr Sound nicht nur routiniert, sondern vor allem bekannt und bewährt wirkt. Unter offen gelegten Referenzbands wie PBTT, I Hate Myself oder Merchant Ships, dreht das Quintett kräftig am Hardcore-Kaleidoskop, wobei melodische, melancholische, ruhige und schnellere Subgenreversatzstücke zu einem Sound verschmelzen, der gleichermaßen nach millenium-typischen Emocore und "Wellen"-surfenden Post-Hardcore klingt. Die metallischen Ausbrüche, beispielsweise im mittleren Teil von "Awakening", haben sich Charlie O'Brien und George Mackenzie höchst wahrscheinlich von ihrer nebenbei laufenden Metalcoreaffäre mit Skyon entliehen.
Bleibt eigentlich gar nichts weiter zu sagen, außer, dass ihre bislang nur digital erschienene Debüt-EP "I'm Still Here" so rein gar nicht nach einer Schlafzimmerproduktion klingt.

DL I'm Still Here EP


Freitag, Juni 19

Mann kackt sich in die Hose - Nowosibirsk 7"



Band: Mann kackt sich in die Hose

Titel/Release: Nowosibirsk/EP (7" on white, black & lim. Hardbook-Vinyl, Digital)

Label: Spastic Fantastic Records

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Deutschpunk, Punk, Garage

FFO: Rotzkotz, Toleranzgrenze, Schmutzstaffel

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Last.fm



Kurzinfo:

Diese Band ist an arroganz kaum noch zu übertreffen. Da dachte man, es nach zwei Demo-Auflagen und einer LP endlich überstanden zu haben, und da legt der Dortmunder Vagabunden-Vierer mit dem obszönen Bandnamen und den ordinären Liedtexten doch tatsächlich noch eine kleine Schallplatte nach. Ganz ehrlich Jungs: hiermit könnt ihr vielleicht noch ein paar zurückgebliebene 80er-Jahre-Punks beglücken, davon abgesehen, dass ihr schon mit anderen sogenannten "Musikgruppen" wie Napoleon Deinameit, De Omnipresent Desieß oder Jim Tablowski Expirienz vollkommen am Nerv der Zeit vorbei gepeilt seid. Klar, die Melodien sind fast schon eingängig-poppig und die auf Rock rollenden Gitarren passen hervorragend in die Garage der Hives und Konsortium. Bringt halt bloß nichts, wenn all das allein durch die dilettantische Stimme in der Luft zerfetzt wird. Damit könnt ihr bei der Generation Modepunks sicherlich keine Punkte sammeln. Da kräuseln sich wohl eher die steif gegelten Haare und glattgebügelten Markenklamotten.

DL Nowosibirsk 7" Here & Here

Buy Here, Here, Here & Here

Montag, Juni 15

Derbe Lebowski - Broken Glass LP



Band: Derbe Lebowski

Titel/Release: Broken Glass/Album (400x Black, 100 Clear Red w/ reg. Cover, 100x Clear Red w/ scr. pri. Cover, 10x TP Vinyl, Digital)

Label: Spastic Fantastic Records

Erscheinungsjahr: 2014

Genre: Powerviolence, Hardcore-Punk, Fastcore

FFO: Spazz, Henry Fonda, Charles Bronson

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud



Kurzinfo:

You are entering a record of pain! Keine Ahnung, ob das hier dem Dude gefallen würde. Scheinbar war aber zumindest der Maz dermaßen von Derbe Lebowski's Demo-Debüt "Remove Your Mask" angetan, dass er sich das Berliner Quartett gleich mal für deren ersten "Longplayer" unter den Nagel riss. Und wenn der Maz mit seinem Labelnamen dafür einsteht, dann kann es eigentlich nur ordentlich zur Sache gehen.
Der eröffnende Titeltrack gleicht verhältnismäßig fast schon einem bedächtigen Warm-Up für die folgenden 16 Songs, die mit Spielzeiten zwischen zwanzig Sekunden und zwei Minuten zumindest schonmal die offensichtliche Marschroute vorgeben: Tempo, Tempo, Tempo. So toben sich die vier Wüteriche ambivalent zwischen Powerviolence, Fastcore und Trash aus, ohne dabei an Punkspirit einzubüßen. Das passt in seiner rohen, dreckigen und unprätentiösen Art hervorragend ins Profil des Dortmunder Kultlabels, als auch in die San-Diego-Ecke. Eingefangen übrigens live nahe des nicht weniger kultigen und Berlins einzig wahren Dorfplatzes, in Form gebracht von Afterlife Kids- und Henry Fonda-Schlagzeuger Ben John.

DL & BUY "Broken Glass" LP or DL Here

Buy Here, Here, Here, Here & Here

Freitag, Juni 12

Dv Hvnd - Die nächste Flut LP



Band: Dv Hvnd

Titel/Release: Die nächste Flut/Album (100x CD, Digital)

Label: DIY

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Hardcore-Punk, Punkrock, Alternative

FFO: Jupiter Jones, Broilers, Zaunpfahl

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Twitter



Kurzinfo:

Über Referenzen lässt es sich mindestens genauso gut streiten, wie über den Geschmack. Wer vom Idsteiner Vierer Dv Hvnd Punk erwartet, bei den von mir genannten Referenzbands Jupiter Jones und Broilers aber nicht mehr als Stirnfalten auflegen kann, sollte dennoch nicht voreilig abschalten. Ein satter Alternativesound mit dezenten Metalanleihen auf poppige Mitgröhl-Melodien, serviert von einer vollen Reibeisenstimme, sind nunmal die Faktoren, die dem Punk nicht nur zuletzt durch oben genannte Vertreter den Einzug in den Mainstream ermöglichten.  
Dv Hvnd starten ihr zweites Album "Die nächste Flut" mit der treibenden Hardcore-Punk-Nummer "Grüße zurück", in der eine euphorische Posaune zusätzlich auf die Melodie drückt, die aber insgesamt vielleicht etwas zu hektisch für's herkömmliche Radioformat ist, und lassen es mit dem - zugegeben unnötigen - balladesken "Sperrstunde" ausklingen. Vielleicht ist das ja die anvisierte Richtung der Band, wer weiß. Glücklicher Weise läuft das Album aber insgesamt noch unter dem Motte "Der Weg ist das Ziel.". Soll heißen: Dv Hvnd können und wollen ihre Vergangenheit um Bands wie SPXM, Like Chasing Ghosts, Walter Kovacs oder LASERBLAST gar nicht verleugnen und verlagern ihr Hörspiel lieber in die (Hamburger) Hafenkneipe, wo übrigens auch das Akkordeon am Ende von "Nur noch ersaufen" hervorragend reinpasst. Wer also will, kann den ganzen anfänglichen Mainstreamquatsch auch außer Acht lassen und stattdessen im Punkuntergrund nach Querverweisen zu Dritte Wahl, Frau Potz oder Affenmesserkampf suchen.

Da Subwix leider die Labeltore zugenagelt hat, kümmerte sich die Band für ihr drittes Release diesmal selbst um die physikalische Produktion, die mit 100 CD's recht knapp bemessen ist. Wer ein Exemplar haben möchte, sollte die Band also schnellstmöglichst über FB anschreiben oder eine Mail raushauen.

Stream & Buy Digitally "Die nächste Flut"

Buy via PM on Facebook or Mail to: dvhvnd666@gmx.de

Dienstag, Juni 9

Mumbles - Geese My Eyes Tape



Band: Mumbles

Titel/Release: Geese My Eyes/Album (60x Tape, Digital)

Label: Kitchen Leg Records

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Weirdo-Rock, Anti-Folk, Punk, Experimental, Noise

FFO: SHVS, Ruins of Krüger, Man Man

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Soundcloud



Kurzinfo:
 
Oh Fuck! Wenn das Berliner Label Kitchen Leg Records eine Band mit nachfolgenden Statement anpreist, sind Erklärungsnöte eigentlich schon vorprogrammiert: "You don’t have to be able to play an instrument or be a musical person, just come by regularly.". Ganz so schlimm ist das dann doch nicht, denn hinter der Berliner Band Mumbles verbergen sich keine ahnungslosen Anfänger oder Stümper, sondern einfach bloß ... vier wahnsinnig freigeistliche und äußerst gut gelaunte Musiker. Stürmt der Opener "We Are the Rockstars" noch mit rotzigen Rockgörenpunk voran, folgt mit dem smooth-jazzigen "Snail Shells" bereits postwendend der erste Bruch. "Shave My Eyes" klingt nach einem missglückten White-Stripes-Folkversuch, "Pling Pling" und "Nanananaaaa" sind sich schlichtweg zu schade für einfachen Indie-Pop und wenn das Mikrofon von weiblich auf männlich wechselt, ist sowieso Mcluskyism angesagt. Keine Ahnung, wie man das zu einem Begriff zusammenfassen kann. Vielleicht trifft es ja Weirdo-Rock? Vielleicht reicht aber auch einfach bloß Kitchen Leg Records als Tag aus. Dort ist Mumbles' Debüt-Tape "Geese My Eyes" standesgemäß auf 60 Stück limitiert und enthält einen DLC für's Album + vier Bonussongs.

Stream & Buy "Geese My Eyes"

Samstag, Juni 6

Virgin Suicide - Virgin Suicide LP



Band: Virgin Suicide

Titel/Release: Virgin Suicide/Album (CD, Vinyl, Digital)

Label: Nordic Music Society

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Britpop, Pop-Rock, Psychedelic

FFO: The Beatles, Dr. Dog

Links: Facebook\\//Soundcloud



Kurzinfo:

Vorweg: bis dato ist wohl kaum eine andere Band den Beatles so nah auf die Pelle gerückt, wie Virgin Suicide aus Kopenhagen, die Beatles mit eingeschlossen (die Punkles zählen nicht!). Die Marschrichtung steht somit also. Auf ihren Weg von LA bis Kopenhagen haben die fünf Dänen vor allem Einflüsse vom 60er-Britpop und Psychedelic aufgegabelt und beide in die rockigeren 80er verschleppt. Die Quintessenz ist locker-leichter Pop-Rock für Frohnaturen, der das Melodieselbstverständnis der Inselbewohner in sich trägt. The Raveonettes-Frontmann Sune Rose Wagner steht dafür schließlich mit seinem Namen.

Stream S/T Album


Mittwoch, Juni 3

Gesplittet, Teil 8

Pride and Ego Down, Spooky Action Space Captain, SRVVLST, Tir Asleen - PSST! 4-Way-Split-7"



Vier Bands, vier Songs, vier unterschiedliche Eindrücke, eine 7inch. Das kleine Label Tightwolf Records aus Columbus, OH setzt weiterhin auf unkonventionelle Bands der weitläufigen Sparte Rock. Neben drei amerikanischen Bands, findet sich auf der 4-Way-Split auch die deutsche Formation Pride and Ego Down ein, die unseren Lesern sicherlich schon bekannt sein dürfte. Das Kölner Quartett zeigt sich in seinem Song "Wreckage and Whys" diesmal von seiner skramzigeren Seite, entschädigt die Emo-Kids zum Ende aber mit einem melancholischen Intrumentalpart. Kurioser wird es da schon mit den Chicagoern Spooky Action Space Captain. Das nimmt der Name bereits treffend vorweg. Die ebenfalls zu viert aufgestellten Amis spielen einen Mix aus Indie, Folk, Pop und Mathrock, was sie selber am besten in Worte fassen können: Pillowcore. Den kürzesten Weg zum Label legten die ebenfalls aus Columbus stammenden SRVVLST hin. Das Trio spielt übergreifenden Post-Punk, der in seiner aufgeregten und experimentellen Art an eine Mischung aus At the Drive-In und It's Not Not erinnert. Tir Asleen aus Calhoun, GA bilden schließlich den post-hardcorigen Abschluss einer rundum gelungenen Bandkonstellation.

100 transparent-goldene und 200 schwarze 7inches wurden gepresst.

Pride and Ego Down: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube

Spooky Action Space Captain: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Twitter

SRVVLST: Tumblr\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud

Tir Asleen: Bandpage\\//Bandcamp\\//Facebook\\//Soundcloud\\//Twitter

!

DL & BUY Psst! 4-Way-Split 7inch

BUY Here, Here, Here, Here, Here & Here


These Arms are Snakes & The Coathangers Split-7"


Leider hat sich die All-Star-Group These Arms are Snakes (mit ehemaligen und aktuellen Mitgliedern von Botch, Minus the Bear, Kill Sadie, Narrows, Mamiffer, Russian Circles, uvm.) nach ihrer offiziellen Auflösung im Jahr 2010 nicht wieder zusammengerauft. Nach dem Re-Release ihrer "Like a Virgin"-Split mit Harkonen, haut die Band post mortem - wie auch schon für Nirvana's "In Utero Tribute Sampler" - einen bis dato unveröffentlichten Cover-Song raus. Diesmal musste die ehemalige Garage-Synth-Rock-Band Lost Sounds dran glauben. Hinsichtlich der Unkenntlichmachung von "Heart-Shaped Box" und ihren eigenen Songs, erwies sich das Quartett aus Seattle diesmal geradezu handzahm und beließ den Song zumindest weitgehenst in seinem ursprünglichen Garage'n'Roll-Gewand. Das passt natürlich wie Deckel auf Klo zum rotzig-frechen Garage der drei amerikanischen Girlies von The Coathangers.

1000 rot-schwarz gesplatterte Clear-Vinyls warten auf euch.

The Coathangers: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Twitter

These Arms are Snakes: Facebook\\//Myspace\\//Twitter\\//Last.fm

STREAM & BUY Digitally

BUY Here, Here & Here


Lucent & Say I Am "Penguin for the Sake of Penguin" Split-CD


Das letzte Split-Release dieses Beitrags teilen sich - genau zwei Leute. Mit klassichen Singer/Songwriter-Rock haben die beiden Amerikaner allerdings nicht wirklich viel gemein. Joseph Nicely aka Lucent und Steven Ostroske alias Say I Am (auch als Coronado oder im Duett als We Look Like Scholars unterwegs) scheinen sich auf ihrer gemeinsamen "Penguin for the Sake of Penguin"-Split gesucht und gefunden zu haben. Grob überschlagen springt ihr Sound zwischen Alternative-, Math-, Post- und Progressive-Rock hin und her, wobei sie ein Gefühlschaos von hyperkativ, über aufgeregt, bis hin zu melancholischen Momenten entfachen.

Gibt's digital und kostenlos oder für 5 $ als Digipak-CD.

Lucent: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube

Say I Am: Facebook\\//Bandcamp

DL & BUY Lucent & Say I Am Split "Penguin for the Sake of Penguin" Here & Here

Sonntag, Mai 31

Cool Cat Crazy - Pulverfass



Band: Cool Cat Crazy

Titel/Release: Pulverfass/Album (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Alternative, Hard Rock

FFO: Zeilenton, Ugly Kid Joe

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Myspace\\//Soundcloud



Kurzinfo:

Geht es nach Jack Black und Kyle Gass, ist Rock wesentlich mehr als nur ein Musikgenre - es ist eine Lebenseinstellung! Klar, Tenacious D's bisherige Reise durch die Rockepochen war eine Geschichte voller Wahnwitz und Selbstironie. Dennoch sind die beiden Amerikaner Angehörige einer fast ausgestorbenen Spezies, der weitgehendst auch der Kreuzberger Singer/Songwriter Stefan Schreiber alias Frankensnyder zugehörig ist. Es gilt, die ureigenen Werte des Rock zu ehren und zu wahren. Keine progressiven und schon gar keine digitalen Spielereien. Rock, wie ihn Satan einst als sein Sprachrohr für die Menschheit geschaffen hat.
Neben seinem Akustikrock und Techno (Die Energiemaschine), zeichnet er sich auch für Cool Cat Crazy größtenteils allein verantwortlich, mit dem er 2009 bereits mit dem gleichnamigen Debüt-Album ein erstes Ausrufezeichen und einen sympathischen Flashback Richtung 90er-Jahre setzte. Ein Album, dass sich unbeschwert und -geniert zwischen Alternative, Hard Rock, Metal und Industrial bewegte und vor allem von Frankensnyders angerauhter und rauchiger Rock'n'Roll-Grunge-Stimme profitierte und auch noch Hits wie "Full Moon" und "Home" in petto hatte.
Für sein zweites Album "Pulverfass" schwenkt er nun vollkommen auf seine Heimatsprache um und schraubt den Industrialanteil auf ein Minimum zurück. Was bleibt, ist die Quintessenz aus Alternative, Riff-Metal und Hard Rock, die nicht all zu überraschend in gitarrenbetonten Rock mündet. Klingt nach dicken Eiern in zu engen Hosen? Auf jeden Fall! Aber nicht nur. Psychedelische Gitarrensoli entgleiten den Songs ebenso unerwartet, wie kraut-rockige Experimente. Klingt bekannt? Klar! Cool Cat Crazy wollen den Rock schließlich nicht revolutionieren.

Stream & Buy Digitally "Pulverfass"

Donnerstag, Mai 28

MR1919 - CS2015



Band: MR1919

Titel/Release: CS2015/EP (Tape, Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Post-Punk, Wave

FFO: Feeling B, N°ORD

Links: Last.fm



Kurzinfo:

Nach den ersten beiden Songs fragte ich mich verdutzt, ob ich vielleicht ein Feeling-B-Revival verpasst habe; beim dritten, ob die Ramones ihren Tod nur vorgetäuscht haben; beim fünften, ob Daniel Url jetzt endlich eine Band gefunden hat. So ist das halt, wenn man mit seinem Gefühls-Wirr-Warr alleine gelassen wird, denn MR1919 halten sich bislang äußerst bedeckt. Als "eine Art Post-Punk" hat sich mir die Berliner Band mit amerikanischen Background vorgestellt, was vorab schonmal eines deutlich macht: MR1919 wollen in keine bestimmte Schublade gesteckt werden. Gut so, denn wir bei Gerda mögen interessante und unkonventionelle Bands. Ein Auszug aus dem Back-Band-Katalog (u. A. Tyran Tyran, Urthsla, Die Schacht, Glow God und American Hate) gibt einen vagen Einblick in die Vielseitigkeit der drei Mitglieder. Heißt: MR1919 machen Musik für die Zielgruppe Toleranz und A-Purismus. Und wer etwas Spät-80er-Punk- und Wave-Erfahrung mitbringt, hat sowieso nichts zu befürchten. Allein damit kann man ihr Demo-Debüt "CS2015" allerdings nicht abspeisen. Vor allem im mehrstimmigen, etwas kakophonischen Gesang spiegelt sich eine Menge nostalgische Ost-Rebellion wider, während die Songs an sich, bevor sie zu sehr in die Eingängigkeit abdriften, immer wieder durch Weirdo-Schübe aus der Bahn geworfen werden.

DL & Buy Tape

Montag, Mai 25

Platte des Monats 05/2015: Snarg - Snarg



Band: Snarg

Titel/Release: Snarg/Album (Digital, Tapes in Planung)

Label: DIY (später vllt. Uga Uga Tapes??)

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Hardcore-Punk, Nintendocore, 8-bit

FFO: Lafftrak, Antitainment, The Blue Screen of Death

Links: Facebook, Bandcamp, Last.fm



Kurzinfo:

The boys are back in time! Und wie! Nämlich so, als wären sie nie weg gewesen. Dass sich hinter Snarg einige ehemalige Echsenmenschen von Lafftrak verbergen, dürfte mittlerweile jeder mitbekommen haben. Dass sie mich bereits mit ihrer Vorband in ihren kakophonischen Bann gezogen haben, eigentlich auch. Was also tun? Wiederkäuen? Behaupten, dass sich gar nicht so viel geändert hat? Snarg zur Platte des Monats machen und hoffen, dass diesmal mehr Leser darauf anspringen? Ja, denn es bleibt mir gar nichts anderes übrig. Ich habe es schonmal kurz erwähnt: nachdem sich Blue Screen of Death nur als One-10"-Wonder entpuppten, Antitainment lieber auf Les Trucs machen und Basti Hagedorn die extreme Experimentalmusik vorzieht, ist hierzulande nicht mehr viel zu finden, was sich Nintendocore mit Punkeinfluss schimpfen kann. Snarg sind daher nicht nur eine Band mit einem starken Überlebenstrieb, sie sind eine Rarität. Ich kann ohnehin nicht verstehen, warum Lafftrak's letzten beiden Releases ("Game Over Tape", "Das Ende der Welt 7inch") nicht schon längst ausverkauft sind und für das zehnfache auf Ebay feilgeboten werden.
Egal. Lafftrak waren gestern, Snarg sind die Gegenwart. Den etwas mathig-angeheizten Opener "Perspektiven" und das wahnwitzige Synthiespektakel "Emmett Brown" haben die Hannoveraner bereits vorab los gelassen. So weit, so marginal ist die Umstellung. Zu behaupten, die übrigen sieben Songs schlagen in andere Richtungen aus, wäre zu viel des Guten. Dennoch treten Snarg wesentlich songorientierter auf. Das melodisch punk-rockende "(◕__◕)" zum Beispiel ist klar strukturiert und zieht zur Mitte hin mit mächtig Tiefgang herunter; da stolpert das fröhliche "Dachs" mit viel Groove über die Unbeschwertheit des Indie-Pops; und "C+V" galoppiert heroisch dem psychedelischen Sonnenuntergang entgegen, ehe der Song nicht ganz unerwartet schließlich doch noch zur wilden Orgie ausartet. Die genretypischen Samples werden nunmehr nicht nur unprätentiös vor den jeweiligen Songs geschnitten, sie fließen regelrecht ein und auch generell schafft die Band eine homogene Symbiose der beiden Schwerpunkte Rock und Electro, wie man es nur von den Urvätern des Genres kennt.
Das ist kein Punk, der dir sagt, wie du zu leben hast oder dir ständig den Spiegel der Scham vor's Gesicht hält. Snarg machen, worauf sie Lust haben und singen über das, was sie wollen. Meistens (selbst-)ironisch, manchmal etwas ernsthafter, aber nie einfordernd oder klugscheißerisch - und das ist doch mehr Punk als Diejenigen, die es vehement von sich behaupten, oder?

DL Snarg Album


Freitag, Mai 22

Guns'n'Gänseblümchen - Wonder of Wheel 10"


Band: Guns'n'Gänseblümchen

Titel/Release: Wonder of Wheel/EP (10"-Vinyl, Mini-CDr, Digital)


Erscheinungsjahr: 2013

Genre: Post-Punk, Alternative, Noise


Links: Bandpage\\//Last.fm



Kurzinfo:

Nein, Guns'n'Gänseblümchen sind keine Coverband, auch keine Hard-Rock-, schon gar keine Pop-Punk-Combo. Die deutsch-französische Band um Monnocle- und Llamame La Muerte-Gitarrist Guillaume und Slux-Schlagzeugerin Denise, reiht sich nahtlos in die Riege der außergewöhnlichen Duos ein, indem sie in erster Linie versucht, nach genau einem solchen eben nicht zu klingen. La Casa Fantom und DŸSE beispielsweise, täuschen über diesen Umstand mit mächtigen Gitarrenwänden hinweg und fabrizieren Krach wie eine wildgewordene Armada von Kochtöpfen. Auch G'n'G können laut sein, wenn sie es möchten, oder die Gitarrensaiten noisig verzwirbeln, wie in "Amputated Heart", bei dem die zwei ihre Multitaskingfähigkeit auf alle acht Gliedmaßen verteilen. Vor allem aber Songs wie "Rainface", "80" und das tolle "Achterbahn", offenbaren G'n'G's feines Gespür für treibende Pop-Melodien, die zwar nicht selten mit schrammeligen und verzerrten Gitarrenlinien zusammen gesteckt werden, die Band aber eher in den Alternative-lastigen Post-Punk zieht, als in den Noiserock


Buy Here, Here & Here


Donnerstag, Mai 21

Bauarbeiten rund ums Blog: Dies ist nur ein Test.

Dieser Post zerstört sich von selbst.

Dienstag, Mai 19

Der Bandcamp-Hardcore Vol. 29

Kolari



Hinter der Hamburger Post-Hardcore-Band Kolari verbergen sich (ehemalige) Mitglieder von Beta Club, Talk Radio Talk, Average Engines und den Max Mutzke-Supportern Audiokind. Ääh, bitte was?! Mit Kuschelrock haben die fünf Hansestädter nicht wirklich viel gemein, stattdessen wären sie fast mal für He Is Legend in die Bresche gesprungen. Als bislang letztes Nesthäkchen im Hamburger Brutkasten, veröffentlichten sie im September letzten Jahres ihre Debüt-7inch "French Grammar" (111 St., White Vinyl + DLC). Es benötigt nur wenige Sekunden um heraus zu finden, in welche Richtung die drei Songs ausholen werden. Wer sich auf unnötige Diskussionen wie "Klingen doch wie ..." oder "Gab es und kennt man schon" einlassen will, ist bei Kolari eh an der falschen Adresse. Mittlerweile ist es ohnehin mühselig, ständig die üblichen Verdächtigen zu benennen. "French Grammar" sollte daher als ein solides Genrewerk anerkannt werden, das mit wuchtigen Breakdowns und Moshparts, einigen mathigen Rhythmuswechseln, aber auch cleanen und glasklar ausproduzierten Passagen mitten ins Herz der Fangemeinde trifft. Daher gilt: FFO!

Facebook\\//Twitter\\//Last.fm

Stream & Buy Digitally "French Grammar EP"

Buy 7" via Mail to: kolariband@googlemail.com oder tim@brutkasten.net

This Too Will Pass


Facebook
Tja, irgendwann geht halt alles vorüber. So steht's im Bandnamen und so lassen sich wohl auch ihre ersten beiden Demosongs thematisch zusammenfassen. Weiter brauchen This Too Will Pass dieses Motto aber auch gar nicht auslegen, denn die letztjährig zusammen gekommenen fünf Ham- und Lüneburger dürfen uns ruhig noch etwas mehr von sich preisgeben. Vier neue Songs sollen bereits in der Mache sein und zusammen mit einigen älteren noch in diesem Jahr den Weg ins Presswerk finden. Darf man also gespannt sein, was dem norddeutschen Quintett noch so alles gelingt, denn ihr ausdauernd plänkelnder, als auch dynamisch antretender Emo-Screamo/Skramz-Mix ruft eher Referenzen aus der amerikanischen (z. B. Old Gray, Android 18 und die Driftwood Rec. Connection) und neuerdings auch spanischen Szene (u. A. Science is Made Up of Mistakes, Descubriendo a Mr. Mime) hervor. Das bleibt im Underground, wirkt aber weitaus weniger experimentell und zerfahren, wie wir es hierzulande zuletzt von Bands wie Morla, Marais, Manku Kapak oder Torpedo Holiday erlebt haben.



Business As Usual

Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Myspace\\//Reverbnation
Die Geschäfte gehen ihren Gang, so die sinngemäße Bedeutung des Anglizismus', das sich das Wetzlarer Quintett für seinen Namen lieh. Seit mehr als dreizehn Jahre sind Business As Usual, kurz BAU, nun schon aktiv und dabei ihrem old-schooligen Straight-Edge-Hardcore-Punk nicht mehr als nötig von der Seite gewichen. Klar, die Zeiten ändern sich stets, was auch nicht spurlos am Sound der Band vorbei gegangen ist. Ihre bislang letzte EP "Hopes", die in drei verschiedenen DIY-Varianten erscheint (1.: als Doppel-CD inkl. der S/T-10"-Songs; 2.: als Split-Tape w/ Turn Away; 3.: als Split-Tape w/ Drowning in Preconception), versprüht dennoch eine Menge Youth-Crew-Mentalität und platziert die angriffslustigen Riffs und rohen Melodien mangt unprätentiösen Shouts - und somit irgendwo zwischen altehrwürdigen Bane oder Comeback Kid.

DL Hopes EP
DL S/T 12"
DL Split 7" w/Second Try (BAU-Hälfte)
DL From Nowhere EP

Buy Here, Here, Here or via Mail to: bauhc@live.de


 Death of Youth

Tumblr\\//Facebook\\//Youtube\\//Last.fm
Chaos und kontrollierte Wut; düstere, fast apokalyptische Resonanz; noisige Wall of Sounds, aus denen sich immer wieder melodische Gitarren schälen. Allem voran, ist es der hysterische Sprechgesang, der unweigerlich einstige Escapado auf den Referenzplan ruft. Und wären Death of Youth dreizehn Jahre früher dran gewesen, wer weiß, vielleicht würde ihnen heute ja eine Vorreiterrolle innewohnen. So findet sich die Mainzer Post-Hardcore-Punk-Crust-Band in einem mittlerweile hervorragend vernetzten Untergrund wieder, in dem es sich bei aller Vielfältigkeit durchzusetzen gilt. Death of Youth traue ich das ohne weiteres zu und hoffe, dass sie mit ihrem ersten offiziellen Release erst den Anfang einer noch langen Bandreise markiert haben.

"Lichter" erscheint in einer auf 200 Stück limitierten und handnummerierten Auflage von schwarzen 7inches mit DLC, denen je nach Label Patch oder Sticker beiliegen.

DL "Lichter EP" Here & Here

DL Demo 2013

Buy Here, Here, Here, Here, Here & Here


GRIM


2 € für eine einseitig bespielte 12" inkl. Lyricsheet im Pappschuber (erhältlich im Distro von Good Intentions Hardcore)? Ganz ehrlich - das ist nicht Punk, das ist ein Minusgeschäft und keines Releases würdig! Vielleicht war die Kölner Band GRIM einfach zu kurzlebig und immerhin liegt ihr einziges offizielles Release auch schon sieben Jahre zurück, auf dem sie ihre zwei zuvor erschienenen Demosongs plus vier weitere zu einem Minialbum vereinten. Hinzu kommt, dass der Bandname i. V. m. dem gleichnamigen Titel bei der Netzsuche sicherlich nur selten zum gewünschten Ziel führt. Na gut. An der Musik dürfte es jedenfalls nicht liegen, denn die spiegelt sich im rau-rohen und sympathieträchtigen 90er-Hardcore/Screamo wider. Kein Wunder, waren die Mitglieder Ende eben jenes Jahrzehntes bei Grindcore- und Emoviolence-Gruppen wie Francis Brady und Tumult aktiv und wissen somit, was sie da tun bzw. taten.

DL S/T 12"

Buy Here


Diswolf


Boah ey, sind die räudig. Diswolf aus dem Herzen Dänemarks, Kopenhagen, vermutlich sogar aus dem autonomen Stadtteil Christiania, stapeln mit ihrem Demo-Debüt ziemlich tief. Gewollter Maßen, denn egal was da noch kommen mag, es wird garantiert nicht qualitativ hochwertiger werden. Sechs Songs zwischen D-Beat und Crust, durchnässt mit pissigen und kratzbürstigen Anarchopunk. Diswolf, die bis auf Bandcamp bislang jegliche Internetpräsenz meiden, wollen nicht hoch hinaus. Ein kleiner feuchter Kellerraum, in dem Kakerlake und Ratte sich gute Nacht sagen, reicht ihnen vollkommen aus. Paragraf 119 lassen grüßen.

DL Demo

Buy Here


Jimmy Pistole

Facebook\\//Soundcloud\\//Myspace
Es gibt die "hässlichste Band der Welt", die "geilste Band der Welt", Die kleinste Band der Welt und sogar die "meiste Band der Welt". Jimmy Pistole sind die wohl "faulste Band der Welt", denn nach mittlerweile zwölf Bandjahren auf dem Buckel, hat es die Berliner Band nun tatsächlich doch noch geschafft, ihr erstes (hoffe das stimmt, aber ich konnte nichts Gegenteiliges finden) offizielles Release heraus zu bringen. DJ Tulpe hat dafür eigens einen coolen Tape-Teaser zusammen gebastelt. Zynischer Weise muss man allerdings sagen, dass dem Album diese lange Vorbereitungszeit keinesfalls anzumerken ist, außer dem scheinbaren Umstand, dass die dreizehn Songs der Zeit hinterherhinken. Das ist old-schooliger Hardcore-Punk mit Metalkante. Klingt schlicht und bekannt? Ist es auch. Denn bis auf dem kurzzeitig orgelnden "Homer Simpson" und dem etwas mathig stolpernden "Robin Hood", erfreuen sich Genreveteranen an unkomplizierte und experimentierfaule Genrekost. Klingt böser, als es gemeint ist ;).

Stream & Buy Digitally "S/T Album"

Buy Tape Here or via PN on Jimmy Pistole's Facebook


Graben

Bandpage\\//Facebook
Also eigentlich haben mich Bandname, Cover und Songtitel auf eine andere Fährte gelockt. Statt furchteinflößenden Black Metal, erfreute ich mich schließlich an furchteinflößenden D-Beat-Crust-Punk, irgendwo zwischen den von mir vielgeschätzten Kapytaen und Ruins. Was der Kölner Veteranenband Graben hoch anzurechnen ist, ist, dass sie weitgehend auf unnötige Downtempoparts verzichtet und ihre drei Debüt-Demo-Songs mit konstant hohen Tempo über die Ziellinie bringt.
Eine Demo-CD im Pappschuber entstand in Eigenregie, diabolisch-düster auf 66 Stück limitiert. Ob davon noch welche vorrätig sind, könnt ihr mit einer Mail an graben666@gmx.de hinterfragen (gibt auch Bandmerch). Für diesen Sommer ist ihr erster Longplayer geplant, wofür die Band noch nach Labels sucht. Sengaja Records und WOOAAARGH sind scheinbar schon mit an Board.

DL Demo


Das Simple

Facebook\\//Soundcloud\\//Youtube
Neben DASMODELL, nun also auch Das Simple. Das französische Label En Veux Tu? En V'la! unterstreicht erneut sein Faible für Experimental-Musik. Die Band aus Marseille um 1980-Vokalist Prince Armord Ferret fordert strapazierfähige Nerven ein und unterwirft sich nur spärlich dem Hardcoregenre. Vom Dillinger-Escape-Plan-typischen Mathcore, über dem progressiven Experimental-Rock von Fantômas, bis hin zu Meshugga, vereinen die vier Franzosen so ziemlich alles, was eigentlich gar nicht zusammen will. Das passt hervorragend in die Sparte des RIO und wird wahrscheinlich auch nur deren Anhänger zu begeistern wissen. Diese dafür umso mehr.

DL S/T Album

Stream & Buy "In Girum Imus Nocte" LP

Buy Here & Here


Stand der Dinge

Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud
Yage- und Escapado-Fans aufgepasst, hier kommen Stand der Dinge aus Gießen. Ja, in der hessischen Universitätsstadt tummeln sich mittlerweile nicht nur sorglose Studenten, sondern vor allem zahlreiche, untergründige Hardcore- und Punkformationen. Sicherlich nicht der Nabel der Welt, nicht einmal einer der bedeutendsten Regionen hierzulande. Dennoch profitiert die Stadt von einer Szene, von der man durchaus schonmal gehört haben sollte. So setzen sich Stand der Dinge aus mehr oder weniger bekannten Szenegruppen wie Business As Usual, Mike Dansen oder Love Channel zusammen. SDD sind nicht gekommen, um die Musikwelt zu revolutionieren, als vielmehr um sich lauthals zu beschweren. Ein Song wie "Wenn es wieder brennt" spricht einen da buchstäblich aus der Seele: "Gefoltert, Vertrieben, ihrer Heimat beraubt/Hierhergekomen, weil man noch an Menschlichkeit glaubt/Empfangen wie Tiere, in Ghettos gesteckt/Wie gern ihr sehen würdet wie jeder einzelne verreckt." Weder übertrieben kunstvolle Poesie, noch post-moderner Quatsch. SDD sagen, was viel zu gerne überhört wird und verpacken das Ganze in emotional treibenden Hardcore mit reichlich Punk blutenden Herzen.

DL Album 2014
DL Split-LP w/ Furtive Forest
DL Split-Tape w/ Frozen Man Syndrom
DL S/T EP

Buy Here, Here, Here, Here & Here

Jahres-Sampler