Dienstag, September 9

Die Bandcamp-Punks Vol. 22

Die Traktor



Glaubt man dem spartanischen, scheinbar von einem Fan mit Hilfe diverser CD-Booklets ausrecherchierten Wikipedia-Artikel - ja, Die Traktor haben einen eigenen Wiki-Artikel! - , so entstand der grammatikalisch inkorrekte Bandname während eines Konzertes in einer amerikanischen Kaserne, wo die Band, damals noch unter dem Namen The Fishheads, auf einem Traktoranhänger spielte und die Bandmitglieder von den Soldaten als "die Jungs mit die Traktor" bezeichnet wurden. Die Umbenennung zog nicht nur die Umsattlung auf deutsche Texte nach sich, sondern auch diverse Besetzungswechsel, darunter auch der Abgang von Gründungsmitglied Carsten Olbrich (Hacke Peters, Herr Ebu, uvm.), auf dessen ebenfalls spartanisch eingerichteten DIY-Punklabel Ebus Music Die Traktor zuvor veröffentlichten.
Das alles ist mittlerweile mehr als 15 geschlagene Jahre her, in denen Die Traktor stets eigenhändig einige Singles, EP's und zwei Alben veröffentlichten, auf denen sie sich in sämtlichen Spielarten des Punkrocks ausprobierten und sich Vergleiche zu Montreal, Muff Potter, den Toten Hosen, Die Ärzte und auch Tokio Hotel gefallen lassen mussten. Kontroverse Vergleiche, die allerdings nicht zwangsläufig von den Rezensenten/innen mit bösen Blut auf's Papier gekritzelt wurden, sondern vielmehr dem breitgefächerten, schwer auf einen gemeinsamen Nenner zu bringenden Sound der Band geschuldet sind. "Helden", der zweite Longplayer der vier Hessen aus dem Jahre 2012, kann man nun getrost als Zeitzeugnis der bisherigen Traktor-Historie ansehen, auf dem sowohl Anleihen ihres anfänglichen Fun-Punks (z. B. "Die Zeit steht still"), treibende Melodic-Punknummern wie der surfige Titelsong, "Ich bin raus" oder "Glauben", leider aber auch zu dick aufgetragene Alternative-Pop-Nummern wie beispielsweise "Es wäre anders", die gleichermaßen Punks verärgern und Mainstreamhörer*innen beglücken könnten. Letzteres bleibt glücklicherweise die Ausnahme der zwölf Songs des Albums. Für die Aufnahme und Produktion übrigens, konnte sich die Band die Dienste des Alternative-Papstes Kurt Ebelhäuser sichern, der dem Album insgesamt einen recht kräftigen Sound und gewissermaßen auch einen Live-Charakter verpasste.

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DL Helden LP


Moscow Death Brigade

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Der besorgniserregende Blick wendet sich dieser Tage vor allem Richtung Russland, dass nicht nur unter dem Einfluss eines nationalistischen Präsidenten samt seiner konservativen Partei im Rücken steht, sondern auch immer wieder mit einer stetig anwachsenden, rechtsextremistischen Bewegung von sich reden macht. Um so wichtiger ist es, dass Bands wie Moscow Death Brigade, die zusammen mit ihren Moskauer Kollegen What We Feel die Speerspitze des linken Widerstandes bilden, auf derartige Miszstände aufmerksam machen. Und auch, wenn sich mittlerweile immer mehr kritische Bands an die Oberfläche wagen (z. B. 210 und Old Styles Values), leben diese in Russland noch immer gefährlich, sei es die lauernde politische Verfolgung hinter der einen oder die braune Gefahr hinter der anderen Ecke. Aufgrund letzt genannter organisieren MDB für ihre Konzerte noch immer Sicherheitsleute, die das heimische Publikum vor rechtsextremen Übergriffen und Attacken schützen soll. Eine enorme Geste der Band für eine schockierende Tatsache.
Die Mitglieder von MDB waren bereits im Vorhinein in diversen Punkformationen wie Razor Bois aktiv oder lassen sich nebenher noch in anderen Projekten wie den ähnlich klingenden Siberian Meat Grinder aus. Die Hauptstadt-Band existiert seit 2007 und entstand aus der Idee heraus, Hip Hop mit der Hardcore-Punk-Attitüde zu kreuzen. In Russland keine Selbstverständlichkeit, teilt das Land seine verfeindeten Lager nicht nur in BRAUN und ROT, sondern auch in Musikgenres auf. MDB kümmert das nicht. Während sich der Frontmann durch die Verse der einzelnen Songs schrei-rappt, meißelt das druckvolle Schlagzeug im Hintergrund Takt für Takt in die sägenden Gitarren. Heraus kommt eingängiger Hardcore-Punk-Hop, der weniger nachdenklich als aggressiv stimmt und mit tollen Melodien frohlockt.
Ihre Debüt-EP "Hoods Up" ist als CD u. A. im Core-Tex-Shop zu finden, das Kieler Label Fire and Flames packte noch zusätzlich drei unveröffentlichte Bonussongs mit rauf. Über Tape or Die erschien jüngst auch eine Tape-Version, ebenfalls mit drei unveröffentlichten, mehr in Richtung Hip Hop abdriftenden Bonustracks aus den Anfangstagen der Band.


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Great Lakes USA

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Das Bostoner Trio Great Lakes USA wütet irgendwo zwischen Strike Anywhere, den früheren Donots und der rauhen Gainesville-Attitüde. Die 2010 gegründete Band debütierte ein Jahr später mit der EP "Life's Rough", gefolgt vom ersten Longplayer "Live Fast, Die Whenever" im Jahr 2012 und einer diesjährig erschienenen Akustik-EP. Dass die Band anfangs noch Hot-Water-Music- und Alkaline-Trio-Songs coverte, ist der Mentalität ihrer eigenen durchaus anzuhören. Rauher und temporeicher Emo-Punk, kurz vor der Hardcore-Kante, der größtenteils keine drei Minuten für sich beansprucht, um mit seinen drei Akkorden ins Ziel zu sprinten. Das klingt bekannt, ist es auch und brachte im letzten Jahrzehnt sicherlich eine Vielzahl an neuen Vertretern und Ablegern hervor. Great Lakes USA hört man ihren Spaß allerdings mit jeden Ton an. Vor allem wenn die drei den in den Songs thematisierten alltäglichen Problemen mit einer unbeschwerten, teils aber auch jugendlich naiven Sichtweise gegenüber stehen, kann einem das schon ein Schmunzeln entlocken.
Great Lakes USA sind ein angenehm frischer, authentischer und ansteckender Ausreißer, in einem scheinbar sterilem und überfülltem Genre.

DL Live Fast, Die Whenever LP
DL Gross Idiot. EP
DL Life's Rough EP

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Pacman


Einfach mal einfach kommt für die vier Mannen der "Inzest-Band" Pacman - zuvor noch unter dem Namen Girlfriends auf Streifzug - aus Hannover auch für ihr neues gemeinsames Projekt nicht in Frage. Natürlich nicht, denn immerhin haben die Beteiligten einen Ruf zu verteidigen, den sie sich hart und über viele Jahre mit experimentellen Gruppen wie den Math(core)-Indierockern Ponto, den instrumentalen Psychedelic-Indie-Postrockern Hermelin und den doomigen Slow-Stoner-Rockern WhiteBuzz erarbeitet haben. Ja, im hannoverschen Untergrund kann man sich mittlerweile schnell verirren, da bringt es auch  nichts, sich an Pacman zu klammern. Die hätten sicherlich das Zeug dafür, große Melodien zu schreiben. Auf ihrem Demo-Debüt "Girlfriends" werden diese allerdings häufig nur ange- und zum Ende hin mutwillig zerrissen, wie beispielsweise die Songs "Staub" oder "Mazel Tov" zeigen, deren melodische Ansätze immer wieder im Stonergeschreddere untergehen. Das balladesk leiernde "Malaise" und das folgende "Umgebungswandler" hingegen, offenbaren ihre Affinität zum Früh-90er-Grunge, während das grimmige "Libuda" eher in Richtung hardcore- und noise-lastigen Post-Grunge der Marke ULMe schielt. Und warum, verdammt nochmal, erinnert mich "Niemand" nur immer wieder an Udo Lindenberg? Egal! Das hier hat Hand und Fuß und lässt gespannt auf das warten, was da vielleicht in näherer Zukunft noch  kommen wird.
Mit ihrem Demo sind Pacman bei Zygmatron Music untergekommen, dem DIY-Label ihrer beheimateten Kollegen Deamon's Child und in deren eigenem Studio auch die Aufnahmen stattfanden.

DL Girlfriends Album


Charlie Baum

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Chris Clavin, Kyle Hall, Frankensnyder...und viele mehr aus der Reihe DIY-Singer/Songwriter-Punk. Sie alle produzier(t)en Songs wie am Fließband, allerdings auch mit der Gefahr, sich mit jedem Weiteren ein Stück weit mehr in die Belanglosigkeit zu katapultieren. Auch Charlie Baum kann mittlerweile auf eine stattliche Anzahl an Songs zurückblicken. Mitte der 00er kursierte der Iserlohner noch mit der verheißungsvollen Schülerband Halz Maul und spiel (höre HIER) in den deutschen Charts, hielt sich in Gruppen wie Buena Wispa Social Club und FA!L fit, und werkelte nebenher stets an seiner Solo-Diskografie, mit der er irgendwann mal berühmter werden will, als Die Ärzte. Das Talent für eingängige und tolle Melodien sitzt ihm durchaus im Nacken, keine Frage. Dass sämtliche Instrumente von ihm selbst separat eingespielt und anschließend eigenhändig in Form gebracht wurden, hört man den meisten Songs nicht einmal an. Kurzum: Charlie Baum klingt wie eine souveräne Fun-Punk-Band. Ganz im Stile einer solchen, finden sich nun aber auch (leider) genügend Lückenfüller auf seinen beiden bisherigen Alben. Klar, sein zweites "Notaufnahme" beherbergt 18 Songs und hält somit eine enorme Auswahl parat, mit den vier Singles "Notaufnahme", "Socke", "Doppelplusungut" und "Michael Eddington", dem chorverliebten "Köpfe im Sand", dem echauffierten "Toaster in dein Bad" und nicht nur zuletzt der schwelgerischen, sich steigernden Ballade "Afrika", sogar ein paar echte Ohrwürmer mit Hitqualitäten. Wenn es ihm nun noch gelingt, seine Quantität der Qualität dieser Songs anzupassen, wer weiß, vielleicht treffen wir Charlie Baum ja irgendwann nochmal in den Charts wieder.

DL Notaufnahme Album
DL Endgegnerlevel Album
DL Michael Eddington Single + Bonussongs
DL Socke Single + Bonussongs
DL Doppelplusungut Single + Bonussongs
DL Notaufnahme Single + Remixe
DL Live aber nicht live (Live-Compilation)


Tigrova Mast

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Freigeistlich, freigeistlicher, Tigrova Mast: das kroatische Trio fand vor über zehn Jahren zusammen und rekrutierte sich aus nicht weniger fordernde Gruppierungen wie Seven That Spells, Invisible Ghost Luigi und Peach Pit. Für ihren instrumentalen Avant-Prog-Rock dürften Bands wie Secret Chiefs 3, Ruins oder auch Hella Pate gestanden haben. Kein Wunder also, dass sich Tatsuya Yoshida höchst persönlich ums Mastering ihres selbstbetitelten Debüt-Albums kümmerte, das auf CD über R.A.I.G. erschien und neben den 18 Studio-Songs auch den 37-minütigen Auftritt der Band im Kset, Zagreb 2005 als Multimediapart enthält. Sechs Jahre dauerte es, bis sich die Band in leicht veränderter Formation erneut im Kramasonik Studio einfand und Hrvoje Nikšić (u. A. Radost!, The Marshmallow Notebooks) die gemeinsame Session digital einfing. Als Gäste lud die Band zusätzlich Owi-Pockshull-Saxofonist Lovro Zlopaša ein, ein bekanntes Gesicht aus dem ehemaligen Tigrova-Mast-Nebenprojekt Vergl Grind, und Percussionist Miro Mance von der Experimental-Pop-Band Petrol. Das zweite Album "Kobra Svlači Jaknu" wirkt somit handwerklicher, verzichtet weitgehendst auf mathiges Elektrogefrickel und erweist sich durch seine orientalischen Folk- und Psychedelic-Ausflüge zwar wesentlich harmonischer, aber keineswegs weniger experimenteller als sein Vorgänger.

DL Kobra Svlači Jaknu
DL Tigrova Mast CD

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Außerdem


Brangelina

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(Ehemalige) Mitglieder von I Might Be Wrong, Ter Haar, Heimer, Zelf und Robotron gründeten im letzten Jahr eine neue Band, die, zugegebener Maßen, auf den recht blöden Bandnamen Brangelina hört. Vielleicht spekulieren die vier Berliner darauf, dass sich der Eine oder Andere Klatsch-&-Tratsch-Leser bei der Google-Suche verirrt, vielleicht ist es auch einfach bloß pures Hipstertum. Wer weiß. Ihrem jugendlich frischem Post-Pop-Punk könnte man beides zutrauen. Die vier Songs ihrer Quasi-Debüt-EP "Blessur" (in Teilen bereits zuvor auf Bandcamp unter den Titeln "...ist da!" und "We Remembers" erschienen) pendeln so zwischen unbeschwerten Studentenrock und plänkelnden, neugierigen Emogitarren aus der Chicagoer Ecke ohne überzogenem Bombast, die sich darüber hinaus hervorragend in die Sinnbus-Riege einreihen lassen. Einziger Ausreißer: der Song "Marvin", der mit seinem Sprechgesang an eine weniger prollige und daher Light-Version von Kraftklub erinnert. 
Brangelina sind Teil des ebenfalls noch jungen Künstlerkollektives Flennen (Good Haircuts Festival; u. A. mit Pigeon, A Poor Man's Memory, Molde), mit deren Hilfe "Blessur" letztendlich auch zur physischen Vollendung fand (100 rote Tapes).

Stream, Buy Digitally & Tape "Blessur" EP

DL Flennen Sampler No.1


Robotron -> Robotron Trio

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Apropos. Brangelina-Basti spielt auch bei der, mittlerweile zum Trio angewachsenen, Mathcore-Synthie-Punkband Robotron, die sich nunmehr Robotron Trio nennt. Ob sich dadurch am Sound der Experimental-Rocker etwas ändert, kann jeder für sich anhand der ersten Hörprobe "Mondlicht" herausfinden.
Hartnäckige Sammler suchen bisweilen immer noch nach den raren und äußerst begehrten Split-Tapes mit The Lemma Glamour Band und Gtuk.

DL Track "Mondlicht"

DL Robotron - Kassette


Andalucía

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Das Debüt-Album "There Are Two of Us" von Andalucía sollte man am besten laut hören, nicht nur zuletzt wegen Philipp Ohnesorges schwer verständlichen Gesangs. Klar, im schlimmsten Fall steht der Nachbar mit einer Keule in seiner Hand vor der Tür oder hetzt dir gleich das unformierte Service-Personal auf den Hals. Aber mit ein bisschen Glück kann er dem Garage-Punk-Noiserock-Mix in Lo-Fi vielleicht genauso viel Nostalgie abgewinnen wie du und ihr versinkt beide im porösem Ledersofa zu ein paar Dosenbier. Aus dem anfänglichen Namedropping entfacht ihr dann einen ehrgeizigen Konkurrenzkampf: Dinosaur Jr., Pavement, Sonic Youth, Wipers, My Bloody Valentine, etc.. Sind Times New Viking eigentlich noch aktiv? Ihr könntet ewig so weiter machen, kommt letztendlich aber zu dem gemeinsamen Schluss, dass diese Musikära nichts mit Prahlerei zu tun hatte und Musik bekanntlich Geschmackssache ist. Und während sich dein Nachbar wieder wehmütig dem Familienalltag widmet, lehnst du dich zufrieden zurück, mit dem Wissen, dass auch Deutschland mittlerweile auf eine selbstständige und hochgeschätzte D.I.Y.-Szene zurückgreifen kann, deren Mitglieder mit dem Nötigsten zurecht kommen. So auch Andalucía, bei der sich André Martens für das scheppernde Schlagzeug und Philipp Ohnesorge für's Gitarrengeschrammel und den - wie eingangs erwähnt - Lo-Fi-Gesang verantwortlich zeichnen. Und bis auf das Keyboard im epischen Titeltrack, für den die Band Lukas Ziegler (The Pleasers) mit ins Boot holte, bleibt das auch so auf "There Are Two of Us". Gut so, denn dass auch ein Duo mindestens Krach für eine wild gewordene Kapelle fabrizieren können, wissen wir hierzulande nicht erst seit Dÿse. Vom infernalen Krach des Zweiers aus Berlin/Dresden sind Andalucía allerdings weit entfernt. Vielmehr schichten die beiden Münsteraner verzerrte als auch melancholisch plänkelnde Gitarrenläufe übereinander, aus denen sich immer wieder tolle Melodien heraus schälen und die vom taktangebenden, manchmal auch wirbelnden Schlagzeug in der Spur gehalten werden. Dass der Gesang dabei zwischen energisch, bemüht und gelangweilt pendelt, komplettiert den 90er-Jahre-Indie-Alternative-Flashback. Wenn dabei solch tolle und unbeschwerte Songs wie "Anonymous God", "The Shrill" oder "Lovers" herausspringen, umso besser.
Nostalgiker können "There Are Two of Us" auch als Vinyl-LP über das bandeigene Label Sic Life Records bestellen.

Stream & Buy Digitally "There Are Two of Us" LP

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Sonntag, September 7

Traktør - Traktør EP



In Sachen Stoner Rock ist Marburg mittlerweile kein schwarzer Fleck mehr auf der musikalischen Landkarte. Traktør leuchten das Spannungsfeld dieses Genres weiter aus.
Die Faustregel des Stoner Rocks ist eigentlich ganz simpel: finde ein fett groovendes Riff, setze es in Periode und spiele die Hörerschaft damit schwummrig. Der Rest wird sich schon irgendwie ergeben. Klar, dass muss man so erstmal hinbekommen und die Gefahr seine Vorbilder ungewollt zu Zitieren sitzt einem stets im Nacken. Glücklicherweise gibt es in der Rockmusik wohl kein toleranteres Genre als den Stoner Rock, in dem vor allem jüngere Bands unbeschwert und offen mit ihren Referenzen umgehen können. Kyuss, QOTSA, Colour Haze ... sind nur einige begründende und viel genannte Größen, die stets im retrospektiven Hall dieses Genres mitklingen. Auch Traktør klingt dieser Hall nach, nur, dass dem Marburger Trio darüber hinaus auch der Wille nach Abwechslung anzuhören ist. Im Opener "Don't Let It Die" ihrer selbstbetitelten Debüt-EP wird zu Beginn erstmal die Fuzzbox auf volle Pulle gedreht, ehe das eingangs erwähnte Stonerriff Stück für Stück in den Vordergrund rückt. Traktør wollen hieraus allerdings keine Partyhymne machen und bügeln den einsetzenden Gesang über einen smoothen Psychedelic-Part. Der zweite Song "Odd" kratzt und zerrt sich am doomenden Rock hinauf, hin zum aufwühlenden Finale. Und während sich das tonnenschwere, instrumentale "Kingdom of Stones" durch zähflüssigen Schlamm kämpft, entwickeln "Began a Journey" und "Beam" in ihren Überlängen zunehmendst mehr Spielfreude.
Letztendlich verstehen es Traktør, die Grenzen des Stoner Rocks nach allen erdenklichen Richtungen hin auszureizen. Nicht nur der hohe Fuzz-Rock-Anteil, sondern auch der Verzicht auf Ausflüge in den Classic Rock und der mehr auf Atmosphäre statt auf dicke Hose abzielende Aufbau der Songs, lässt die Band eher auf der großen Revival-Welle surfen, statt sang- und klanglos von ihr verschlungen zu werden.



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DL & BUY Limited Edition CD

Freitag, September 5

Outsourced Underground - First Takes Demo Tape



Es würde weder den Hörer_innen, noch den beteiligten Bandmitglieder_innen weiterhelfen, Outsourced Underground den Underground-Supergroup-Stempel aufzudrücken. Obwohl eigentlich alle Voraussetzungen dafür vorliegen...
Die "rotzige Rapperin" Lena Stoehrfaktor (Conexion Musical) und Produzent, Beatbastler und Rapper Tapete kollaborierten bereits vor einigen Jahren unter dem Namen Der Popstar & Das Topmodel, was 2013 die EP "Nichts, für Niemand und ohne das gewisse Etwas" (Freedownload HIER) zum Vorschein brachte. Für ihr neues gemeinsames Projekt Outsourced Underground holten sich die beiden nun noch zusätzlich Cellist Rizio und Drummer Scheng vom DancePunkTechnoMetalDubFusion-Duo Guts Pie Earshot (siehe auch Dubvasion, ehemals Subvasion) mit ins Boot. Eine höchst eigenwillige und interessante Konstellation, in der die Rollen zwar klar verteilt sind, deren erster Output "First Takes" dennoch nach wesentlich mehr klingt als nur die Summe seiner einzelnen Teile. In ihrem gemeinsamen Projekt wollen die vier Berliner_innen keinen egozentrischen Konkurrenzkampf lostreten, als vielmehr neue Wege und Möglichkeiten ausloten. Anfang April dieses Jahres schlossen sie sich in ihrem Proberaum ein und verließen ihn zwei Wochen später mit sechs Songs im petto, die die Beteiligten nun von einer bisher ungewohnten Seite präsentierten. Klar sind es Lenas' und Tapetes' direkte und anprangernde Texte über staatliche Einengung, Pseudomoral und Muckertum, die nach freiheitlicher Selbstbestimmung und Libertarismus lechzen. Auf der von Rizio und Scheng zusammengefrickelten, instrumentalen Basis, können sich die beiden nun aber auf einem neuen, schier unbegrenzten Spielfeld austoben. Die Band selbst nennt diese Fusion Rapcore, was zunächst sicherlich einen groben Rahmen absteckt, der den/die Hörer_in an einigen Stellen dennoch kalt erwischen kann. So reibt Tapete im Song "Ordnungsamt" sein kratzbürstiges Organ beispielsweise an biertriefenden und asozialen Street-(Hardcore-)Punk, im folgenden "Keine sichere Festung" fast schon am Rap-Metal, während er in "Perfekte Welt" von einem neugierigen und filigranen Cello in Szene gesetzt wird. Letzterer wäre bei bekannteren Kollegen wie Ferris MC sicherlich schon längst im Radio verbrannt. Outsourced Underground halten sich lieber bescheiden zurück und darüber hinaus nicht viel von massentauglichen Medien. Aber das könnte doch glatt auf Gegenseitigkeit beruhen.


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DL First Takes Demo Here & Here

Mittwoch, September 3

OHIOS - Faceless



Spaniens Untergrund bekommt Zuwachs aus dem spanischen Untergrund. Wären OHIOS zwanzig Jahre früher dran gewesen, würden sie heute die großen Hallen der Welt füllen - über Tage!
Allerdings waren die Spanier vor zwanzig Jahren überwiegend und wenn überhaupt auch noch ein feuchter Gedanke ihrer Eltern. Ihre musikalischen Vorbilder dürften die vier Freunde aus Kindheitstagen zu jener Zeit nur un(ter)bewusst wahrgenommen haben. Und dennoch spiegelt sich in den zehn Songs ihres Debüt-Albums "Faceless" eine dermaßen nostalgische Unbeschwertheit wider, wie man sie heute bestenfalls noch von Hörensagen kennt. Superchunk, Mission of Burma oder Hüsker Dü kommen einem sofort in den Sinn, die es mit ihren zeitlosen Indie-Hits zwar nicht in die Rock and Roll Hall of Fame schafften, dafür stets auf dem Boden der ehrlichen Handwerkerschaft blieben. Ähnlich intuitiv schütteln nun OHIOS aus Vic frenetische Songperlen wie "Aunt", "Weekend" oder "Lawful Delusion" locker-leicht aus dem Ärmel. "Dead Man" und der Titel-Song erinnern am drahtbürstigen Emo(core) ehemaliger Cap'n Jazz, das träge "Distance" und das brummend scheppernde "Stung" gar am Grunge kratzenden Alternative jüngerer Cloud Nothings. Nicht falsch verstehen: ich will die Band keinesfalls per Namedropping zur Schlachtbank führen, denn dafür gehen OHIOS mit viel zu viel Enthusiasmus und Songverständnis zu Werke, bei dem selbst ein instrumental-mathiger Ausraster wie "15 lps" nicht fehl am Platz wirkt. Ein Verständnis, das sich die vier über die letzten Jahre in gemeinsamen kleineren Gruppen wie The White Trashers und Carrouages und zum Teil mit größeren Kleinstbands wie L'Hereu Escampa, Univers oder Mates Mates antrainierten. Der letzten Riege dürften sie auch den Sprung auf das DIY-Label Famelic zu verdanken haben, der passenden Ergänzung zum Kultlabel Discos Humeantes.



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Stream "Faceless"

Montag, September 1

Danijel Zambo - Samsara



Auf seinem vierten Solo-Album "Samsara" widmet sich der Augsburger Gitarrist und Songschreiber Danijel Zambo dem immerwährenden und leidvollen Zyklus des Seins.
Ein Freund vieler Worte war er ja nie, dieser Danijel Zambo. Die instrumental konstruierten und improvisierten Stücke seiner bisherigen Veröffentlichungen sollten stattdessen lieber für sich selbst sprechen, ganz gleich, ob sich diese nun im abstrakten und cineastischen Electro-Soundtrack der ersten beiden Alben wiederfanden, im naturverbundenen Neo-Folk des Dritten und dem weiterführenden Gedanken seines spirituellen Nebenprojektes Walden, oder im atmosphärischen, melancholischen Doom Metal von derailed. Zambo selbst gibt mit den Album- und Songtiteln lediglich einen groben Rahmen vor, in dem sich die Hörer_innen gedanklich verlieren und fallen lassen können, vorausgesetzt, sie stehen derartiger Musik vorbehaltslos und mit der notwendigen Geduld gegenüber.
"Samsara" ist projektübergreifend nun sein neuntes Solo-Release innerhalb der letzten sechs Jahre, was statistisch gesehen eigentlich im Kontrast zum bescheidenen Lebensstil des Augsburgers steht. Eigentlich...ja, eigentlich wollte er sich mit der Veröffentlichung von "Samsara" auch noch Zeit lassen, bis Zambo schließlich auf die, mit einem iPhone aufgenommenen, Spenden-EP "Lost in Indigo" der Post-Rock/Metal-Ein-Mann-Band Černá aufmerksam wurde, mit der die Familie der im Oktober letzten Jahres ins Koma gefallenen Annika unterstützt werden soll. Und da Zambo die neuen Songs sowieso schon so gut wie fertig gestellt hatte, schließ er sich kurzerhand dem gutherzigen Vorhaben seines amerikanischen Kollegen an.
"Samsara" entpuppt sich deshalb keineswegs als Schnellschuss, stattdessen vielmehr als das experimentierfreudigste Album seiner Post-Electro-Ära. Der Opener "Soulshaker" knarzt sich beharrlich und mit Schulterblick in Richtung des Vorgängeralbums in die Herzen der DIY-Fraktion. Ein Song, der vielleicht auch am deutlichsten zeigt, dass Zambo mit seiner Musik nicht nach Perfektion streben will und sich für die Aufnahme und Nachbereitung noch immer viel lieber in die eigenen vier Wände zurückzieht, als diese in ein Tonstudio zu verlagern. Kleine Fehler bleiben somit Bestandteil eines warmen und insgesamt natürlichen Klangbildes. Auf dieser Basis zeigt sich "Samsara" nun etwas verspielter als seine Vorgänger. Gleich das darauffolgende und treffend betitelte "Feel Good" entführt mit einer sich immer weiter öffnenden E-Gitarre in akrophobische Höhen, der Schluszsong "Fragile" steht seinem Titel ebenso in Nichts nach und plänkelt nach einem morbiden Piano-Intro hauch-zart und zerbrechlich dem Ende entgegen. Generell lassen sich Songs wie der unwohlig verhallte Titeltrack, das neugierig pluckernde "Far Away" und das orientalische "Fire" gezielt herausfiltern. Während "The World is Too Loud" größtenteils von einer durchzogenen Grundstimmung lebte, sind die zehn Songs auf "Samsara" ein zwar ebenso ineinander greifender Reigen, der diesmal allerdings von der Wechselwirkung zwischen ihnen zusammen gehalten wird und somit einem vollkommen anderen Konzept unterliegen.







Samstag, August 30

Jan Frisch - Das ist keine Übung LP



Der Alin-Coen-Band- und Galakomplex-Gitarrist Jan Frisch veröffentlicht ein Solo-Album. Wer bereits mit beiden Bands vertraut ist, kann sich dennoch keinen Vorteil verschaffen. Auf "Das ist keine Übung" kommt alles anders, als man denkt.
Der Gitarrist, Sänger und Songschreiber aus Weimar werkelte bereits kurz nach der Jahrtausendwende an eigenen Songs herum, ehe er sich 2004 mit seinem späteren Galakomplex-Kollegen Boris Nielsen (u. A. Käptn Peng und Feindrehstar) und Vincent Hammel (u. A. Heiko Merz Trio, Joe B. Hard) als Jan Frisch & the Crazy Cranachs, später nur noch als Frisch, ins Bandleben stürzte.
Auf seinem Solo-Debüt "Das ist keine Übung" entpuppt sich Jan Frisch nun als Voyeur, in dem er alltägliche Situationen um sich herum in subtiler Art aufsaugt und sie geradewegs und ohne poetische Ausschweifungen in zehn akustischen Kleinods wieder ausspuckt. Dabei geht es ihm zunächst weniger um die Wertung dieser. Dennoch und vor allem aufgrund der schrulligen Symbiose aus der avantgardistischen Instrumentierung und dem chansonistischen Gesang, schwingt in den Beziehungskisten "Komm wir gehen uns noch die Scheißausstellung ansehen" und "Mir ist schlecht wann sind wir da ich will ein Eis", dem Hundesong "Hier mag er es gern", oder dem Beobachtungsmedley "Morgen soll es Minusgrade geben", stets ein leicht zynischer, wenngleich unaufgeregter Unterton mit. Es ist schon beeindruckend, wie sich Frisch den jeweiligen Situationen anpassen kann. So könnten die Songs "Keine Übung", "Heben wir uns das besser auf für später" und "Morgen soll es Minusgrade geben" den Hörer in einem melancholisch hypnotisierenden Strudel gefangen halten, würde sie Frisch nicht immer wieder mit gezielt platzierten Stolpersteine aus der Bahn werfen, wie das rumpelige Instrumentengeschreddere im Opener oder der atonale Bruch in letzt genanntem. Aber auch das melodiöse, mit Single-Charakter versehene "Wer nicht brennt" und das frivole, zum Ende hin freidrehende "Wovon ich nicht sterbe" verfehlen ihre Wirkung nicht.
Keine Frage, Jan Frisch "brennt", und darüber hinaus sprudelt die Freigeistlichkeit geradezu aus ihm heraus. Mit seinem Album legt er sich somit nicht nur einen soliden Grundstein, er reiht sich auch in die Riege der außergewöhnlichen Singer/Songwriter des von Christian Rottler mitbegründeten Labels Voodookind ein. 



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Mittwoch, August 27

Root Juice - Bucket Brigade



Für das zweite Album seiner Band rekrutierte Adam Keil eine wahnwitzige Kapelle. Und - sieh an, was man aus Folk so alles machen kann.
Je tiefer man gräbt, desto mehr schleicht sich der Verdacht ein, Lowell im US-Bundesstaat Massachusetts ist der Nabel des D.I.Y-Folks. Klar, ein großflächiges Netzwerk kann nur mit Hilfe vieler uneigennütziger Mitstreiter gesponnen werden. Wer sich einen ersten Überblick verschaffen will, schaut am besten zuerst beim Nice-Bass-Kollektiv (Free Downloads HERE) vorbei oder stellt die Autoradiofrequenz auf 91,5 FM um, dem städtischen Underground-Radio WUML, wobei im Rahmen der April Fools Show im vergangenen Jahr prominente "Gäste" wie The Strokes, The Kooks oder Taylor Swift (unbedingt mal beim Hit "Trouble" reinhören!) ihr massenfreundliches Antlitz verloren.
Auch die fünf, meistens sechs Mitglieder der Folk-Kapelle Root Juice trafen sich bereits zuvor in anderen Gruppen wie beispielsweise Durt Dog the Band, oder griffen Anderen aufnahme- und produktionstechnisch unter die Arme (u. A. Speed Trials, Little Corey). Das selbstbetitelte Debüt-Album friemelte Sänger und Multiinstrumentalist Adam Keil noch fast im Alleingang zusammen und bestellte sich Fiedler Dylan Smith sowie seine heutigen Bandkollegen, Posaunist Graham Clancy und Artworker Dave Garcia, lediglich als Gäste zu sich ins Studio.
Das zweite Album "Bucket Brigade" versprüht nun wesentlich mehr Straßen- als Studioflair, was vor allem an der äußerst frenetischen Holz- und Blechbläsersektion liegt. Das hat weniger mit beschwipsten Folk Rock zu tun, als das es vielmehr einer bedachten Improvisationssession gleicht, in der die Grenzen zwischen Brass, Jazz, Blues und Humppa marginal verschwimmen. Dennoch - oder glücklicherweise - bleiben die grundlegenden Songstrukturen weitgehendst erkennbar, sodass, ähnlich wie bei den Weirdo-Folk-Rockern Man Man, auch immer wieder verträumte, schwermütige, ausgelassene und vor allem tanzbare Melodien zum Vorschein kommen. Letztendlich muss man sich nur damit arrangieren können, dass der Freigeist im Nacken stets mittanzt.



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DL Bucket Brigade

Montag, August 25

Platte des Monats 08/2014: H.O.Z. - Band of Brothers LP



Seit der Gründung seiner Band H.O.Z. im Jahr 2001, forderte Songschreiber, Sänger und Gitarrist Emmanuel Aldeguer seiner treuen Anhängerschaft nicht nur eine Menge Geduld, sondern vor allem musikalische Offenheit ab. Wer gerade noch etwas Begeisterung für das metalcore-lastige und rauh (unter-)produzierte Debüt "Monkey Banana" (2006, erschienen auf CD) aufbringen konnte, kassierte bereits mit dem drei Jahre später folgenden Zweitling "Loud Noise Making" (ebenfalls auf CD über LME Recordz) den ersten Nackenschlag, auf dem sich das Trio aus Dunkerque wie vom Affen gebissen zwischen wilden Grind-, Mathcore und Hardcore-Punk ausließ. Auch Aldeguer's zwischenzeitliche Abstecher in die elektrische Klassik (AL°R) oder den Folkcore (42 the Band), reichten weit über das hinaus, was das normal geschulte Ohr verarbeiten kann. Diejenigen, die sich unbeeindruckt dessen bis heute nicht abschütteln ließen, haben sich also durchaus schon ein dickes Fell antrainiert. Und vielleicht hat sie ja Aldeguer sogar schon dahingehend konditioniert, dass sie schon fest mit dem Schlimmsten rechnen. Wer mit dieser Einstellung schon offenherzig dem dritten H.O.Z.-Album "Band of Brothers" (als Download & 180gr-12"-Vinyl über Head Records) entgegenfieberte, könnte dennoch eine dicke Überraschung erleben. Die wartet gleich mal im Opener "Ain't Got No Woman", einen Rock'n'Roll schwitzenden Garage-Rocker aus den Poren früherer Hives. Auch das folgende "Hey Ladies" schlägt seine Wurzeln trotz ausgelassener Partyhysterie vielmehr im Hard Rock, als im Hardcore, während "On the Road" nicht nur gehörig die Psychobilly-Kelle schwingt, sondern sie einem direkt vor den Latz knallt. Dass auf "Band of Brothers" aber auch potentielle Hits wie der chorverliebte Titeltrack und der eingangs erwähnte Opener funktionieren können, liegt vor allem daran, dass Aldeguer in der Zwischenzeit erheblich an seinem Gesang gefeilt hat und seine Stimme, ähnlich wie ein Arnim Teutoburg-Weiß oder Tim Kasher, nicht nur zu treibenden Melodien formen, sondern als willkürliches und avantgardistisches Instrument einsetzen kann.
Schlussendlich funktionert "Band of Brothers" fast schon wie umgekehrte Psychologie. Ein Album, das seinen Ursprung klar im anarchistisch-freigeistlichen (Hardcore-)Punk definiert und auf dem Genregrenzen lediglich Warnsignale darstellen, die laut aufheulen, sollte die Band doch mal den üblichen Hörgewohnheiten zu nah auf den Pelz rücken. Aber wer weiß, vielleicht ist H.O.Z. #4 ja ein reines Pop-Album....



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Stream, Buy 180gr-Vinyl & Buy Digitally "Band of Brothers"

Freitag, August 22

Turtle Party - Emphatic...EP



Von Experimental- hin zur Filmmusik und noch viel weiter...
In Hesses biblischen Liebesmärchen "Piktors Verwandlungen" ist die Metamorphose der Materie Ausdruck der göttlichen Schöpfung, womit Alles zu Allem, Jeder zu Jedem, Alles zu Jedem und Jeder zu Allem werden kann (Nano-Mikro-Mini-Kurzfassung). Hinter Turtle Party versteckt sich ein (mir bislang unbekannter, vielleicht aber ein gewisser Herr Pedro Sanchez oder Sven, vielleicht hat auch die ehemalige DudeLand-Gang was damit zu tun???) Solist, der seine erste Veröffentlichung "mostly cloudy with occasional rain" noch unter dem Künstlernamen Piktors Metamorphosis anpries. Acht konzeptionslos aneinander gereihte Songs, in denen sich der Soundtüftler ausprobierte und die technischen Möglichkeiten auslotete. Das Resultat war eine wie durch dem Kaleidoskop betrachtete Soundcollage, in der sich Ambient, Dub, Ansätze von Trip-Hop, seichte und härtere Gitarrenklänge und -wände gegenseitig verdrängten und absorbierten. Ein Experimental-Album, sozusagen, das sich leicht hätte auf Hesses kurioses und phantasievolles Werk adaptieren lassen. Vielleicht aber war es genau dieser Umstand, den der Solist mit seiner Namensänderung vorbeugen wollte. Keine weit her geholten Vergleiche oder pseudointellektuelle Vermutungen.Vielleicht aber auch bloß, weil ihm eine Jazz-Rock-Fusion-Band gleichen Namens bereits zuvor gekommen ist. Vielleicht sollte man viel lieber die Musik hören und auf sich wirken lassen, als sich unnötig darüber das Hirn zu zermatern. Das gelingt auf seiner im Mai erschienenen "Emphatic..." EP weitaus besser, mit der er nun seine Findungsphase ein Stück weit hinter sich lässt. Die Strukturen innerhalb der Songs sind klar erkennbar und fließen homogen ineinander, wenngleich jeder Song für sich eine andere Stimmung erzeugt. So gleicht der minimalistisch gesampelte Opener "Bottomless Box" eher einem sanften Intro. Der zweite Song "After Their Plan was Finished They Entered the Emperors Palace by Force" nimmt es im Titel bereits vorweg: "Emphatic..." ist ein fiktiver Soundtrack, der auf Atmosphäre bedacht ist. Und während der Song die Spannung allmählich steigert, bricht mit "War As a Permanent Condition" eine Art zerfahrenes Post-Metal-Versatzstück herein, das jegliche Harmonie dem Erdboden gleich macht. "Nothing Remains Forever" tröstet mit bedächtigem Gitarrenspiel und zieht den Hörer zum Ende hin mit mathiger Spielfreude zurück in die Fröhlichkeit, während der Schluszsong "Diazepam" nochmal alle Register zieht und die Spannung auf über zehn Minuten ausdehnt.
Dass Turtle Party auch Songs fernab von Experimental- und Filmmusik schreiben kann, bewies er kürzlich mit seiner Single "Weird Turtles", seinem Liebesgeständnis zum Radiohead-Song "Weird Fishes".



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DL Weird Turtles (Hommage to Radiohead) Single
DL Emphatic...EP

Dienstag, August 19

Lafftrak sind tot - lang lebe Snarg! Und der Salzstangenmann sowieso.



Wie war das nochmal mit dem Ende, Neuanfang und Abenteuer? Wie einige von euch vielleicht schon wissen, verteilte die sympathische 8bit-Synthie-Hardcore-Punk-Band von nebenan, Lafftrak, zu Beginn des Jahres keine Neujahrsglückwünsche (die hätte man ihnen sowieso nur bedingt abgenommen), sondern gab überraschend ihr Aus bekannt. Während sich flugs ein Meer aus Tränen und Beleidigungen seitens der treuen Anhängerschaft unter dem Abschiedspost ausbreitete, übersahen viele von ihnen den bereits mitgelieferten Hoffnungsschimmer am Horizont. Klar, ein Holzfäller mit Wildschweinkopf und lässig geschulterter Axt kann im verrückten Universum der ehemaligen Echsenmenschen so ziemlich alles bedeuten. In diesem Fall war es aber bereits der erste Hinweis zur Nachfolgeband Snarg. Mittlerweile haben sich auch die ersten Befürchtungen, Snarg könnten nicht nur zu waschechten Menschen, sondern auch zu einer Instrumentalband mutiert sein, wieder verflüchtigt. Zu den beiden instrumentalen Vorabsongs "Hummel" und "Pfau", gesellte sich wenig später der dritte animalische Song "Bär" (siehe unten) hinzu. Darin zu hören: 8bit-Synthie-Hardcore-Punk mit irrwitzigen Wendungen - und Geschreie. Alles das, wodurch man die einstigen Echsenmenschen einmal lieb gewonnen hatte...

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Sonntag, August 17

Kanntet ihr die?



Zugegeben, so richtig schlau bin ich aus Van Briel noch nicht geworden. Auf die Frage, wie und wann man etwa auf die Idee kam, eine Band zu gründen, verweist die Band auf eine höhere Macht, während die Erklärung zum Bandnamen mit dem bescheidenen Hinweis abgespeist wird, den Namen aufzuschreiben und einen Spiegel davor zu halten. Vielleicht liegt es ja auch bloß an meiner Sauklaue, dass ich das Geheimnis noch nicht lüften konnte. Bis hierher haben wir noch nicht einmal über die Musik gesprochen, wobei das Auseinanderklamüsern der im Sound der Band verflochtenen Stile(lemente) dagegen fast schon eine leichte Kopfübung ist. Fast, denn Dubstep, Trance, Punk, Hardcore und Hip-Hop finden über Van Briel hinaus wohl nur selten einen gemeinsamen Nenner. Aber auch hier lassen sich fünf Bandjahre nicht so einfach im Schnellüberflug erklären. Dass die Band nach ihrer Auflösung im Jahr 2012 nur drei ausgewählte Tracks unter dem Titel "Ganz normale Musik" als Nachlass in Soundcloud einpflegten, hat durchaus seine Gründe. So sind die Sprünge vom Rap-Metal in "Cosmic Caramel", zum eher hardcore-punkigen "BK7", hin zur radiotauglichen Deutschpop-Ballade "Wir sind die Kinder" (trotz einsetzenden Kinderchores warten Nostalgiker vergebens auf die Endung "vom Süderhof":) noch recht überschaubar gehalten. Sie distanzieren sich aber auch deutlich von den restlichen Songs, wie den an spacige The Cure erinnernden "Hej Mama" und "Roxstars", der 80er-verliebten Synthpop-Glamrock-Trancore-Collage "Stan Part II", von Totengräber-Electro-Hirnfuck, der bitterbösen und epischen Pianoballade "Jonny and Holly" oder der, an Manson angelehnten, Psycho-Goth-Industrial-Hitsingle "Days Awake".
Übrigens. Leider veröffentlichte die Band während ihres Bestehens kein einziges Release. Ein Best Of kann also jeder für sich allein über die Soundcloud-, Myspace-, Facebook- und Youtube-Seiten der Band zusammenstellen.



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DL Ganz normale Musik EP (Songs einzeln)
DL Song "Baum"

Freitag, August 15

Missiles of October - Don't Panic LP



Hinter Missiles of October verbirgt sich ein aus alten Szenegrößen rekrutiertes Trio, das in erster Linie Musik macht, die genau danach klingt: in dicker Hose verpackter Schweinerock.
Über die Namen Lionel Beyet, Bob Seytor und Mathias Salas könnten Einige bereits gestolpert sein, schließlich weisen die drei Belgier zusammen fast ein Jahrhundert Punk- und Hardcoreerfahrung auf, nachzuschlagen im Releasekatalog diverser Bands wie Rotyes, [P.U.T], Frau Blücher and the Drünken Horses, Galvanize oder auch Belgiens angeblich erster Punkband Contingent. 2012 war für die drei Urgesteine nun also die Zeit gekommen, um den gestylten Möchte-Gern-Rockbands der Gegenwart samt ihrer modebewussten Anhängerschaft mal wieder die wahren Werte der Rockmusik einzuprügeln. Wer Missiles of October's roh eingespielte Debüt-EP "Hangover" (2012) und die diesjährig erschienene LP-Vorab-EP "Body" mit Remix- und Live-Versionen bisher gekonnt ignorierte, kann sich nun mit dem ersten Album "Don't Panic" einen Gesamteindruck bilden. Neben den sieben neuen, enthält das Album auch sämtliche EP-Songs (bis auf eine Ausnahme), die in leicht abgewandelten Versionen und mit besserer Produktion im durchschlagenden Sound des übrigen Albums eingebettet wurden. Dabei könnte man es auch schon belassen, denn das Album lebt nicht nur von einem durchschlagenden, sondern vor allem auch einen eingängigen Sound, der das Hervorheben einzelner Songs eigentlich überflüssig macht. Elf Stück sind es an der Zahl, die allesamt von einem fetten Groove in die Flanken getreten werden, egal ob nun vom Sludge gezügelt oder mit grollenden Stoner-Gitarren ordentlich nach vorne gepeitscht. Das klingt nach wesentlich authentischerer "Hier bin ich!"- oder "Rock mich wie einen Orkan!(;)"-Attitüde, die allerdings auf Albumlänge etwas anstrengend, manchmal vielleicht sogar etwas monoton und uninspiriert daher kommt.
Egal! Da "Don't Panic" als Spenden-Download über die Band selbst und Beyet's D.I.Y.-Label P.O.G.O. Records zu ergattern ist, kann jeder für sich selbst entscheiden, ob es mehr Gedulds- oder Mutprobe ist.





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Mittwoch, August 13

East Indian Elephant - Columbus Never Had a Bicycle EP



Der EP-Titel nimmt es bereits vorweg: East Indian Elephant (ehemals The Murder of Miss Johnson) schicken vier Indiesongs auf eine rastlose und ausschweifende Entdeckerreise durch die Musikgenres.
Mit einem Fahrrad allein, wäre Columbus wohl niemals über den Großen Teich gelangt. Und hätte ihn sein befreundeter Kollege Peter vor eineinhalb Jahren nicht als zweiten Gitarristen angeheuert, müsste ex-Van-Briel-Bassist Alexander (van Nazareth) wohl noch immer auf sein erstes handfestes Release warten. Mit "Columbus Never Had a Bicycle" veröffentlichten East Indian Elephant kürzlich ihre Debüt-EP, womit Alex nun zumindest schonmal statistisch mehr Früchte ernten konnte, als in den fünf Jahren zuvor bei seiner ehemaligen und waghalsigen Cross(all)over-Band. Die Entscheidung, sich neben seinem Soloprojekt erneut in ein Bandkollektiv einzubringen, fiel angesichts der Tatsache, auf drei nicht weniger freigeistliche Musiker zu treffen, nicht schwer, auch wenn er mit EIE nun in eine vollkommen anderen Richtung ausholt. Die vier Songs auf "Columbus Never Had a Bicycle" stützen sich auf ein Grundgerüst aus bedächtigen und melodischen Indierock, dessen experimentelle Basis durch post-rockiges Geplänkel auseinander gezogen wird. So wickelt der Opener "Orchestrion" den Hörer mit einer einprägsamen Melodie um den Finger und schafft es mit lediglich wenigen sich wiederholenden Versen fast fünf Minuten unentwegt zu fesseln, ehe sich die Instrumente zu einem lauten Getöse auftun, aus dem sich der echauffierte Refrain ein letztes Mal heraus quält. Das folgende "Columbus" fährt die Gemüter mit fast schon jazzigen Zupfern wieder etwas herunter und hebt sich seinen dynamischen Endspurt ebenfalls für den Schluss auf, wohingegen das schizophrene "Raindrop" mit seinen art- und avantrockigen Ausbrüchen von Anfang an reinen Tisch macht. Dass die EP ausgerechnet mit der Hymne "Seaside", das im Gegensatz zu den drei vorherigen Songs nicht in den Karma-Recordings-Studios eingespielt wurde, sondern als Resultat der prettylivesessions. hervorging, ausklingt, stimmt fast schon wehmütig. Ein Song, der eigentlich mehr Aufbruch als Abschied vermittelt. Bleibt also nur zu hoffen, dass East Indian Elephant noch nicht am Ende ihrer Entdeckertour angelangt sind.



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Stream, Buy CDr & Buy Digitally "Columbus Never Had a Bicycle" EP

Montag, August 11

Jon Kohen - The Heart of the Machine EP



Ein Amerikaner, der auf seinem Debüt fernöstliche Rootsmusik und amerikanisches Singer/Songwritertum unter einen Hut zaubert.
Das klingt zunächst einmal nach einem großen Vorhaben und viel Selbstbewusstsein, schließlich kann man sein Debüt auch wesentlich einfacher gestalten, von dem Vergleich zu der vielleicht letzt verbliebenen Folk-Rock-Legende, seinem mit C geschriebenen Namensvetter, ganz abgesehen. Auf diesen Vergleich will es Jon Kohen aber auch gar nicht drauf ankommen lassen. Der junge Singer/Songwriter aus Lowell, MA fand seine Inspiration vielmehr in Elliot Smith, insbesondere im Song "Angeles", der mit seiner sanft dronigen Untermalung maßgeblichen Einfluss auf "The Heart of the Machine" ausüben sollte. Auf seiner EP führt Kohen die Grundidee zu Smith's mystisch angehauchten (Soundtrack)-Song nicht nur konsequent weiter fort, sondern verlagert diese mit geloopten Darbuka-, Tombak- und Tablarhythmen in andere Sphären. So verlieren sich das unwohlige "Melatonin", das zu Beginn einen dynamischen Kamelglockentakt vorlegt, und das immer tiefer versinkende "Your New Name (Phoenix)", trotz düsterer Synthesizer nicht vollkommen in vernebelter Melancholie. In "A Light" und "Dusk" wurde die Grundstimmung gar mit einer Tibetischen Klangschale aufgehellt. Viel Aufwand, der durch den Mix seines Speed-Trials-Kollegen Kevin Dwyer und dem professionellen Mastering von Grammy-Gewinner Toby Mountain (Northeastern Digital) in ein mehr als solides Gesamtpaket verpackt wurde. Dass "The Heart of the Machine" darüber hinaus nicht nur das musikalische Bindeglied dreier Kontinente darstellt, sondern auch der 2005 verstorbenen USIP-Mitarbeiterin Olympia Diniak gewidmet ist, spiegelt den vereinenden Grundgedanken der EP wider.
Für den kostenlosen EardrumsPop-Sampler "Between Two Waves - The Second Wave Vol. C" (Free Download Here) verschmolz Kohen für den Song "You Always Find a Way" mit der Psychedelic-Folk-Band Warped Forest. 



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Stream & Buy Digitally "The Heart of the Machine" EP

Samstag, August 9

Stop! Death Behind Her Smile - S!DBHS EP



Der Post-Hardcore ist tot - lang lebe der Post-Hardcore.
Zugegeben, es gibt effektivere Bands, als der Mannheimer Post-Hardcore-Vierer Stop! Death Behind Her Smile. Die 2009 gegründete Band brachte es bislang auf gerade mal eine EP, um der sich im Vor- und Nachhinein noch einige Singles rankten. Mit ihrer ersten, das noch trance-lastigere "A Last Goodbye", begründeten sie ihren eigens betitelten "Discocore", ehe das elektronische Element auf "S!DBHS" mehr dem Zwecke einer düster angehauchten Atmosphäre diente. Dementsprechend bedrohlich geleitet der Opener "The Beginning" durch ein spannend konstruiertes Horrorszenario. "Thanks for Nothing" löst an zweiter Stelle den Startschuss für eine ausgelassene Moshparty und offenbart im melodischen, cleanen Refrain ebenso viel Hitpotential, wie es bei den Szenegrößen Asking Alexandria, Bring Me the Horizon oder A Skylit Drive schon längst an der Tagesordnung ist. Das ist simple as fuck, aber genau das, was S!DBHS nunmal am besten können. Das zu Beginn auf Trance getrimmte "180° - The Turning Point" und das folgende "Try to Breathe", das zum Ende hin mit einem rockigen Gitarrensolo aufgehübscht wird, stehen der treibenden Energie ihres Vorgängersongs in nichts nach. Einzig "These Bad Intentions" fällt mit seinem unkonventionellen Aufbau und den stetigen Tempo- und Stimmungswechseln etwas aus der Rolle, ehe die EP mit dem noch einmal alles niederschmetternden "This Dying Illusion", bei dem auch Bury-My-Regrets-Frontmann Sven Brechtel mitmischt, standesgemäß ausklingt.
Letztendlich ist "S!DBHS" sicherlich keine EP, die aus dem engen Korsett des Post-Hardcores auszubrechen versucht oder gar Standards neu definieren will, diese aber immerhin vollends erfüllt und Genrefans zu begeistern weiß. Versprochen!
P.S.: Ihrer bislang letzten Single "Make Your Voice Hard" (siehe unten), soll im August die neue "Vultures" folgen.



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DL S!DBHS EP


Donnerstag, August 7

Bridges of Königsberg - Close to Everything and Nothing LP



Auf ihrem zweiten Album kommen Bridges of Königsberg etwas vom Wege ab. Falls das in ihrem unüberschaubaren Klangkosmos überhaupt noch möglich ist.
Im frühen 18. Jahrhundert stellte das Königsberger Brückenproblem Mathematiker vor einem kniffligen Rätsel. Dank Euler und seinem nach ihm benannten Kreis sind wir inzwischen etwas klüger geworden, bis knapp 300 Jahre später eine Chicagoer Band die Interessierten erneut in eine hitzige Debatte steckte. Diesmal lag das Problem auf musikalischer Ebene und fand seine Antworten wohl eher in der Auslegung des Einzelnen, als in der Wissenschaft. Bereits die Debüt-EP "We Have Many Faces" und der erste Longplayer "The Five Colors" entpuppten sich als gezielte Nackenschläge in Richtung sturer Stilpuristen. Klar, über Paul Petrosyan (u. A. auch bei Ix und Lunar Day) und seine drei Mitstreiter_innen stolperte eigentlich nur, wer einen etwaigen Überblick über das in den Endless Field Studios wütende freigeistliche Musikerkollektiv behielt. Mit "Close to Everything and Nothing" verhält es sich nun andersherum. Ein sanftes Annähern an eingängige Strukturen, wie es der tückischen, fast schon anbiedernden Vorab-Single "T-Girl" bereits anzuhören war. Einzelne Songs herauszupicken, funktioniert allerdings nur bedingt, da das Album von einer allumfassenden Atmosphäre lebt, in der sich Referenzen wie Nine Inch Nails oder Faith No More in Schall und Rauch verflüchtigen, und das von einem progressiven und schleiernden Post-Rock-Gedanken eingefangen wird. Somit steht "Close to Everything and Nothing" immer noch in der dunklen Ecke, abseits des allgemein verträglichen Hörbarem. Und wer nicht bereit ist, die vom Album geforderten 43 Minuten zu investieren, der wird wohl auch kaum Höhepunkte ausmachen können. Alle Anderen sollten sich ranhalten, da sich die kostenlosen Bandcamp-Downloads so langsam lichten.

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DL Close to Everything and Nothing LP


Dienstag, August 5

KR1M1 - Ihr müsst ja damit leben 12"



Eine Unverschämtheit! Das Quasi-Debüt der Bielefelder Melodic-Hardcore-Formation KR1M1 erschien bereits vor über einem Jahr und ist im Fairtrademerch-Shop noch immer für lausige acht Euro zu haben, statt für das fünffache über einen Privatanbieter.
Diese trägt den trotzigen, punkigen Titel "Ihr müsst ja damit leben" und wurde auf gerade mal 100 weiße, 180gr. schwere 12inches gepresst, mit Cover- und B-Seiten-Siebdruck und gestempelten Textblatt. Ein mehr als stimmiges Gesamtkonstrukt also, das mit etikettierten Bandnamen wie Defeater oder More Than Life sicherlich schon längst eine begehrte und nur noch schwer zu ergatternde Rarität unter Sammlern wäre. Die fünf Jungs von KR1M1, die sich bis zum Frühjahr 2013 noch als In Enemy Hands in die schreienden Herzen einer kleinen Fangemeinde spielten und einige Demosongs veröffentlichten, sind von einer derartigen Größenordnung (noch) weit entfernt. Gut für uns, denn ganz im Stile einer bescheidenen D.I.Y.-Band kann man sich die vier Songs ihrer Debüt-EP kostenlos und wahlweise über Facebook oder Soundcloud saugen. Die wiederum stehen o. g. Referenzen in nichts nach, sind sauber produziert und finden dennoch ausreichend große Schlupflöcher, um sich mit einem eigenständigen Sound in dieser Riege zu etablieren. "Ihr müsst ja damit leben" legt gleich mal zu Beginn mit dem treibenden Hit "Luxuslärm" los, ein Song, dem durchaus Single-Charakter inne wohnt und der sich mit seinem einprägsamen Einstiegsriff sofort im Ohr festsetzt. Auch das darauffolgende "Das war das erste und das letzte Mal" weiß die müden Tanzbeine zu animieren, erweist sich nach dem melancholischen Anfang und der sich langsam steigernden Rhythmussektion allerdings auch als wesentlich tempowechselnder, als sein Vorgänger. "Die Frage nach der Ewigkeit", bei dem einige Mitglieder der befreundeten Kollegen von Torpedo Holiday mitmischen, und "Leises Rauschen" offenbaren hingegen ihre Affinität zum wütenden Post-Hardcore.
Letztendlich überzeugen KR1M1 auf ihrer EP mit mehr als nur überdurchschnittlichen Newcomerpotential, um das sich Labels hierzulande eigentlich streiten müssten.

Den etwas länger ausgefallenen Winterschlaf der Band nutzte Sänger Daniel zur Entschlussfassung, KR1M1 endgültig zu verlassen, um sich voll und ganz auf seine bisherige Nebenbeschäftigung zu konzentrieren - die an The Thermals erinnernde Punkband Modern Saints. Nach Angaben der Band steht ein neuer Sänger bereits in den Startlöchern.

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DL Ihr müsst ja damit leben 12" (Songs einzeln)



Sonntag, August 3

Gesplittet, Teil 5

Peppone vs. [Hi Tereska]



Gesucht und gefunden, lautet eine volkstümliche Phrase, mit der sich auch gut das anfang 2014 erschienene Split-Tape der Magdeburger/Potsdamer "Beatbox"-Punkband Peppone und der Wassenberger Emo-Punkband [Hi Tereska] umschreiben lässt. Die Einflüsse beider Bands finden ihren gemeinsamen Nenner wohl in verblichene Deutschpunk-Größen wie EA80 und Boxhamsters. Umso schöner ist es, dass sie die Möglichkeiten eines Split-Formates voll und ganz ausreizen, indem die Beteiligten nicht nur separat aufgenommene Songs beisteuern, sondern wie in "Raketenrucksack" und "Raacke" auch noch gemeinsame Sache machen. Eine hervorragende Ergänzung, die tatsächlich geschichtlich relevanten Deutschpunk zurück in die Gegenwart transferiert, zu authentisch und mit viel Spaß an der Sache, um dabei wie ein bloßer Abklatsch zu klingen.
Während Peppone mit dem Split-Tape bereits ihr drittes Release feiern (PWYW-DL des Demos 2010, S/T-Album als rotes und schwarzes Vinyl erhältlich), ist bei [Hi Tereska] das erste Mal Thorsten hinter dem Mikrofon zu hören, der im Jahr 2012 Sängerin Nadja ablöste, die sich wiederum nach der Einleben-Ära ab 2003 für den Gesang verantwortlich zeichnete. Mit ihr veröffentlichte die Band 2007 das Album "Winter im Herzen".
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Kratzer & Kvazar Split-12"


Die deutsch-griechische Freundschaft kann auch außerhalb einer scheinheiligen Oberfläche aus fragwürdigen Rettungspaketen und der Forderung nach Sparkursen bestehen. Die politische Unsicherheit zweier Nationen führte die Hamburger Crust-Punk-Band Kratzer und ihr griechisches Grindcore-Äquivalent Kvazar zueinander, die Musik schweißte sie auf natürliche Art zusammen. Musik kennt eben keine Grenzen, schon gar keine nationalen. Kurzum: sie verbindet gegen einen gemeinsamen Feind.
Die A-Seite beackert das norddeutsche Quintett mit sieben düsteren, teils fiesen Crust-Punk-Nummern, in denen zwei Gitarren mittels wüstem D-Beat-Geballere und melodischen Hooklines wetteifern. Erinnert ein wenig an die Bielefelder Szenegröße Ruins.
Auch Kvazar bepflastern ihre Seite mit sieben Stücken. Nach einem kurzen Sample im B-Seiten-Opener "Off By One-Mutant Rhetorics" ist die Schonzeit auch schon vorbei. Das Quartett aus Thessaloniki legt ein rasendes, wütendes Grindcoregemetzel hin, das vor allem in den "trägen" Momenten etwas (Death)Metal-Affinität offenbart. Die sieben Songs waren, wie vorher angekündigt, die letzten Aufnahmen der 1998 gegründeten Band, die mit Hilfe von Straighthate- und Dephosphorus-Schreihals Panos Agoros und Soundtüftler Pascal Cretain fertiggestellt wurden. Während sich die Griechen nach einem Demo und zwei Alben mit ihrem vierten Werk von der musikalischen Bühne verabschiedeten, feierten Kratzer mit der gemeinsamen Split-12" ihr erstes handfestes Release. Glückwunsch und weiter so!

Beide Bands sind übrigens auch auf dem Sociopathic-Sound-100-Song-Mixtape Vol. 4 (Free Download HERE) vertreten.

Kratzer-Links: Wordpress//Facebook

Kvazar-Links: Bandcamp//Facebook//Myspace

DL Kratzer/Kvazar Split-12" Here, Here & Here

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Sky:Lark & Meatpacker Split


Weder kanadischer Pop, noch italienischer Power Metal. Sky:Lark (getrennt durch einen Doppelpunkt!) ist ein Londoner Trio, das zumindest auf dem Papier in der klassischen Besetzung mit einer Gitarre, einem Bass und einem Schlagzeug aufgestellt ist. Mehr herkömmliche Strukturen wird man bei der englischen Band auch nicht finden, denn was im musikalischen Kontext durch die Boxen berstet, ist ein wilder Mix aus riffigen Math- und hardcoreversetzten Noiserock, beschichtet mit einer Schippe dreckigen Punk.
Hinter Meatpacker verbirgt sich lediglich das Ein-Mann-Chaos-Orchester James Stringer aus Leicester. Nach zuvor zwei Demo-EPs, ist die Kollaboration mit Sky:Lark bereits das vierte Split-Release des veganen Grindcore-Punks. Neben halbminütigen Krachblizzards und ungewohnt ausdauernden Songs - eineinhalb Minuten könnte man vergleichsweise schon fast als episch bezeichnen - , finden sich mit "Welcome", "Have You Ever?" und "McMassacre" auch zwei Offspring- und ein Macabre-Cover wieder.
Fazit: Nervenzerrend bis -zerreißend! 100% D.I.Y.! 100% Punk!

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DL Sky:Lark & Meatpacker Split Here & Here

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das eNde & Human Abfall Split 7"


Eine Konzept-EP der anderen Art. Auf der A-Seite servieren uns die vier Stuttgarter von Human Abfall zwei "Kalorienbomben". Genießbar sind diese allerdings nur für Diejenigen, die ihre Ohren bereits mit ähnlichen Hirnf**k-Post-Punk á la Goldenen Zitronen, Herpes oder Fehlfarben reichlich eingewöhnt haben. Dabei bildet Post-Punk lediglich das Grundgerüst ihres Sounds, das mit NDW, Wave und ganz viel Noise gehörig durchrüttelt und von Flávio Bacon's kryptisch verbauten und dadaistischen Sprechgesang durchzogen wird.
Die zwei "Fettexplosionen" auf der B-Seite, die uns die Hamburger Band das eNde vorsetzt, gehen da schon wesentlich leichter ins Ohr. Das war auf ihrem Debüt-Album "Der Teufel ist ein Silberfisch" immerhin keine Selbstverständlichkeit, denn auch die Hansestädter experimentieren wie wild auf der Basis des Deutschpunks herum und lassen dabei Vorbilder der Rachut-Riege (Dackelblut, Oma Hans) erahnen. "Himbeerpool" und vor allem das treibende "Muskatnuss" haben zwar auch ihre Ausbrüche, können (oder müssen vielleicht auch) aber getrost als zwei der eingängigsten Songs der Band benannt werden. Leider stand die noch junge Band zu ihrem Wort und nutzte die Split-Release-Party im Juni gleichzeitig, um Lebewohl zu sagen. Während die Bandmitglieder inzwischen den Fokus auf das eigene Label ChuChuRecords , über das die Split-7" auch in einer limitierten und handnummerierten Silber-Spiegel-Siebdruckcover-Version erschien, richten, soll ein neues Bandprojekt bereits in den Startlöchern stehen.

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Stream A-Seite & B-Seite

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Freitag, August 1

extrem*ist*in - tolerant Demo



extrem*ist*in - tolerant. Schon klar! Nicht nur der Bandname für sich oder in Kombination mit dem Titel ihres Demo-Debüts gelesen, zeigen, dass die Band ein Faible für Wortspiele hat, was auch in der Tracklist mit dem Song "henry fordschritt" konsequent weitergeführt wird, oder mit "wer viel redet schweigt", in dem sämtliche Sprichwörter erstmal gehörig durch den Fleischwolf gedreht werden. Dabei ist das Trio aus Trier ansonsten in ihren politischen und anprangernden Texten so gar nicht zum Scherzen aufgelegt. Wo Bedürftige froh sind, dass der gemeine Bürger wenigstens ein paar Euro für den wohltätigen Zweck locker macht, kontern extrem*ist*in lieber: "spendest gegen dein schlechtes gewiszen" (aus "dein race"). Das ist natürlich etwas aus dem Zusammenhang gerissen, denn was der Song eigentlich anklagt, ist, dass wir Deutschen eben nur zu gerne den Weg des geringsten Widerstandes gehen, ohne sich großartig die Hände schmutzig machen zu müssen (um jetzt mal bei den Sprichwörtern zu bleiben). In den eigenen vier Wänden kann man nunmal keine Revolution anzetteln und der Kampf gegen Miszstände und Ungerechtigkeiten findet sowieso nur auf den Straße statt. Nur einer von vielen vorherrschenden Umständen, der die Band unweigerlich in die Fraktion "anti-deutsch" getrieben hat. Kein Verständnis! Kein Applaus! Keine Ausreden!
Diese einschlägige Aussage wurde für das Demo nun in sieben eingängige Songs verpackt, die wie im Opener "wer viel redet schweigt" mal an verätzten Deutschpunk (sorry, aber so lautet nunmal immer noch die offizielle Bezeichnung dieser Sparte) der Marke Mann kackt sich in die Hose erinnern oder diesen schnell, dissonant oder einfach nur radikal im Stile von Bands wie halbstark oder Rattenkönig zur Schlachtbank führen. Aber eben nicht nur mit Speed, sondern vor allem mit einfachen und eingängigen Melodien, erweist sich "tolerant" als ein kurzweiliges Punkvergnügen, das sicherlich auch live ordentlich abgefeiert werden kann, inklusive blauer Flecken und anschließenden Nacken- und Kopfschmerzen.
Neben einigen anderen Newcomern und Szenegrößen wie Kaput Krauts, Dödelhaie und Mülheim Asozial, sind extrem*ist*in mit zwei Songs (darunter auch der Non-Demo-Song "wir verein") auch auf dem Hyperwelt-Media-Sampler "Schlachtrufe DFB" (Free Download HIER) vertreten. Passt!

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DL Tolerant Demo

Jahres-Sampler