Freitag, April 11

Gesplittet, Teil 3


Leitkegel / I Like Ambulance Split 7"


Das Prinzip des ungleichen Paares findet für gewöhnlich eher Anwendung im filmischen Sektor. Mit dem Essener Quartett Leitkegel und dem Berliner Trio I Like Ambulance haben sich nun auch musikalisch zwei Gruppen gefunden, die auf dem ersten Blick in zwei vollkommen verschiedene Richtungen ausholen. I Like Ambulance gehen mit ihrem ersten Stück "Glück" gleich zu Beginn auf Schmusekurs und werfen einen eingängigen und äußerst poppigen Indie-Hit in den Topf. Den Titel des Songs darf man dabei ruhigen Gewissens für bare Münze nehmen. Hier wird romantische Clickclickdecker-Poesie direkt von der Feel Good Inc. verarbeitet. Uneingängiger und alternative-lastiger - und somit auch wieder etwas vertrauter - gehen die drei Hauptstädter  in ihrem zweiten Song "Via Negativa" zu Werke und stimmen so schonmal vorsichtig für die B-Seite ein. Leitkegel wildern mit ihrem post-punkigen Post-Hardcore natürlich in anderen Genres und offenbaren somit zumindest oberflächlich erst einmal keine Gemeinsamkeiten zu ihren Split-Partnern. Genauer betrachtet, entpuppen sich aber beide Bands als Wolf im Schafspelz, die sich einen hörbaren Spaß daraus machen, ihre Hörer mit überraschenden Wendungen bei Laune zu halten. Mit einer düsteren Bassline und einer psychedelisch verspulten Gitarre trudelt "Schall & Rauchen" gemächlich ein und bereitet den allseits erwarteten Ausbruch vor. Der kommt natürlich und reißt in Windeseile das a-seiten-besungene "Glück" mit viel Wut und Verzweiflung wieder ein. Übrigens erinnernt mich der Song zur Mitte stark an Always Wanted War's Video-Single "Derry". Euch vielleicht auch? Für den zweiten Song "Kein Schlaf bis List" lehne ich mich mal etwas weiter aus dem Fenster und behaupte einfach mal, dass es der beste Song ist, den Leitkegel bislang geschrieben haben. Verspielte Gitarren, treibende Hooks, progressiv, in seiner kreativ mäandernden Art auch irgendwie an bessere und unberechenbare Adolar erinnernd. Und vor allem ein Song, der sich das Beste für den Schluss aufhebt. Nicht nur ein krönender Abschluss sondern insgesamt ein mehr als empfehlenswertes Split-Release. 500 schwarze 7inches wurden gepresst.

Leitkegel Links: Facebook//Tumblr//Bigcartel//Last.fm//Bandcamp
I Like Ambulance Links: Facebook//Bandcamp//Gigmit

Stream Here & Here

Buy Here, Here, Here & Here


The Michael Character & Lawn Care Split-EP: Pinky Swear


Eigentlich sind Akustikgitarre spielende Singer/Songwriter die mutigsten aller Musiker, da sie sich in ihren Mitteln selbst stark einschränken und es sich somit auch schwerer machen hervorzustechen. Das akustischer Singer/Songwriter-Folk, im hier vorliegendem Falle mit dem Zusatztag Punk, aber auch durchaus variieren kann, zeigt die Split-EP "Pinky Swear", die sich die beiden Amerikaner James Ikeda und Cameron LaViere alias Lawn Care gerecht teilen. Erst genannter versammelt um seinen Künstlernamen The Michael Character sogar eine ganze Punkband, was man eigentlich aber nur dem Debüt-Album "So Punk Rock." so richtig anhört. Auf den folgenden drei Alben experimentierte sich Ikeda mehr oder weniger Solo durch immer minimalistischer werdenden Folk-Rock, ehe erst seine bis dato letzte EP "...And There Goes the Convoy." wieder nach einem Kollektiv klang. Die vier neuen Songs, die er der Split mit Lawn Care beisteuerte, bilden nun fast genau das Mittelmaß. Nach einem Gesang-auf-Glockenspiel-Intro, präsentieren uns The Michael Character lebhaften Folk-Punk, mal mit etwas hektischem Gesang und manchmal mit fast schon gospelartigen Chören wie im Song "The Spins".
Seinen Landsmann LaViere traf er Anfang 2013 auf einer gemeinsamen Show in Pittsburgh, wo er nach eigenen Angaben, sofort von dessen Art des Songschreibens begeistert war und zum Fan wurde. Es folgte ein gemeinsames Konzert, woraufhin die Veröffentlichung einer Split nur noch von den Leuten abhing, die sich um Aufnahme und Verpackung kümmern sollten. Im Gegensatz zu seinem Kollegen, packt Lawn Care den Folk-Rock etwas härter an, schlägt die Saiten zu antreibenden Akustikriffs und führt seine Songs mit energischem bis auf die Zähne beißenden Gesang in die Spelunke. Und um auf Ikedas Faszination für LaVieres Songwriting zurückzukommen: man hat das Gefühl, dass sich LaViere scheinbar von seiner Stimme tragen lässt. Zwar nicht ziellos, aber eben auch nicht zwangsweise einem solchen folgend. Nicht improvisiert, aber leichtfüßig und unbeschwert vor sich hin trabend. So wie einst das Genie Jeff Mangum.

The Michael Characters Links: Facebook////Bandcamp

Lawn Care Links: Bandcamp

DL The Michael Character & Lawn Care Split-EP HERE & HERE


Euglena & General Lee Split 10"/Tape

Unglaubliche zwölf Bandjahre haben die sechs (!) Franzosen von General Lee bereits auf dem Buckel, wobei sie sich durchschnittlich alle zwei Jahre mit einem neuen Release zurückmelden. Durchhaltevermögen kann man der Band aus Béthune somit also schonmal attestieren. Allerdings auch eine Zeitspanne, in der die Band vor einigen Veränderungen nicht gefeit war. Etliche Personalwechsel, andere Projekte wie The Gay Corporation, Jarod oder One Way Mirror, die General Lee immer wieder in die sporadische Nebentätigkeit steckten, und vielleicht auch die unterschiedlichen Einflüsse, die durch gemeinsame Auftritte mit den Szenegrößen Baroness, The Ocean, Cult of Luna und This Will Destroy You sicherlich auch irgendwie auf die eigene Musik drückten, führten dazu, dass sich der Sound der Band über die Jahre hinweg mehrfach änderte. Der anfängliche dynamsiche Post-Hardcore ("The Sinister Menace", "Split w/ As We Bleed" ->PWYW-Downloads) trat zwischenzeitlich beiseite und räumte dem Sludge- und Post-Metal die nötige Zeit zur atmosphärischen Entfaltung ein, ja sogar melodiefixierter waren die Songs, ehe sie sich mit ihrem bislang letztem Album "Raiders of the Evil Eyes" wieder auf die Anfangsjahre besannen. So auch die beiden Songs ihrer neuen Split, die sich wieder aggressiver und chaotischer gegen die Melodie auflehnen und mit wilden Stakkatorhythmen die Gitarrenwände dem Erdboden gleich machen, erzeugt durch drei konkurrierende Gitarren. Das ist ausgeklügelter Mathcore mit einem Schuss Wahnsinn.
Gegenüber ihren routinierten Split-Partnern, genießt das russische Quartett Euglena fast noch Welpenschutz. Den hat die um 2010 herum gegründete Band aus Sankt Petersburg aber eigentlich gar nicht mehr nötig. Nach ihrer beeindruckenden Debüt-EP "An Anxious Surface", suchten diese nämlich gleich mal den direkten Vergleich zu den Größeren, indem sie sich auf der 3-Way-Split mit der von "Underground-Hero-Produzent" Amaury Sauvé geführten Crust-Postcore-Band As We Draw und der zu dieser Zeit ebenfalls gerade aufstrebenden Black-Post-Metal-Combo Hexis beweisen mussten. Abschluss mit Bravour, will ich mal behaupten, denn Euglena stehen den ganz großen Namen in Nichts nach, wenngleich als Referenzen nicht nur die üblichen Spartenbands herhalten können. Im ersten Song "Дно" prügeln sich Euglena hemmungs- und schonungslos durch eine Art mathigen Post-Hardcore. "Желчь", der zweite und letzte Song, streckt das strukturierte Chaos auf fast acht Minuten und politiert die Übergänge mit atmosphärischen Post-Metal. Als "Gromi Kabak" bezeichnen die Russen ihren Stil selbst. Da sich meine Schulrussischkenntnisse leider nur auf meine persönlichen Daten und Hobbies begrenzen und selbst diese Fertigkeiten schon etwas angerostet sind, musste ich mich bei der Übersetzung auf das Resultat eines Suchmaschinenstools verlassen. Demnach bedeutet "Gromi Kabak" so viel wie "Donnernde Kneipe". Passt ja auch irgendwie, denn trinkfest ist dieses große Völkchen allemal und dass sie ein Donnerwetter entfachen können, haben sie nicht nur mit diesen zwei Songs hier bewiesen.
Меня зовут сериоус крусти. Я живу в Берлине. Я играю в футбол. Fertig!

Euglena Links: Facebook////Bandcamp////Myspace////Twitter

General Lee Links: Facebook////Bandcamp////Myspace////Reverbnation////Twitter


Buy Here, Here & Here


Chambers & The Death of Anna Karina "Dicotomia" Split LP


Wenn zwei Bands aus Italien auch vierzehn Jahre später noch das Millenium feiern und sich dazu entschließen, diese Party auf einer Split-LP zu veranstalten, dann kann das schonmal nostalgische Wehmut hervorrufen. Die mir bislang unbekannten Chambers aus Pisa klingen zunächst einmal herrlich unverkrampf altbacken und eröffnen die Split mit dem vergleichsweise flotten Song "La Sera Leoni,...", der sich in den Zwischenräumen von Raein, Yage und schwermütigen Alternative regelrecht austobt. Das folgende "Tutto é Bene..." schüttelt dazu noch ein paar rockige Gitarren aus dem Handgelenk, ehe Gastsänger Johnny Mox (Nurse!Nurse!Nurse!, Fonda Sisters) im dritten und letzten Chambers-Song "Le Facce..." mit einem Freshmaker-Rap die okkulten Fantomas-Gedächtnischöre aufmischt.
The Death of Anna Karina (vor 2002 noch unter dem Namen Inedia aktiv) darf man getrost noch als Originale bezeichnen, die sich ungeniert offenkundig am Sound ihrer Vorbilder orientieren. Die findet man allerdings erst ein ganzes Stück weiter Richtung Norden oder auf der anderen Seite des Großen Teiches. Den rohen und unverschönten Hardcore einstiger Fugazi, Refused und JR Ewing kann man genauso heraushören, wie La Quiete's oder Lady Tornado's Screamo(violence)-Einschlag. Mit beiden zuletzt genannten teilte man sich zeitweise auch einige Mitglieder. Aber auch an einer Band wie TDOAK zieht die Zeit nicht spurlos vorbei und so klingen die fünf Italiener im Jahr 2013 wesentlich aufgeräumter. Statt ihre Songs im Eiltempo herunter zu preschen, wirft die Band jeglichen Noisecore- und Powerviolence-Ballast über Bord, bis tatsächlich einfache Rockstrukturen erkennbar werden oder wie im ersten Song "Nero", der durch eine tolle Hookline besticht, plötzlich eingängige Melodien entstehen. "E Poi Niente" wirkt da eher wie ein letzter Versöhnungsversuch, was letztlich aber auch nicht mehr viel an der Tatsache ändern kann, dass TDOAK scheinbar genug von den wilden Eskapaden der Anfangszeit haben. Ein neues Gesicht, deren rockiges Antlitz sie vielleicht auch ihrem neuen Sänger Andrea zu verdanken haben, der in den vier Split-Songs erstmalig auf einem Release zu hören ist.
Die "Dicotomia"-Split erschien am letztjährigen Record Store Day in einer Auflage von 500 schwarzen LP's.

Chambers Links: Wordpress////Bandcamp////Facebook////Myspace////Soundcloud

The Death of Anna Karina Links: Facebook////Myspace////Reverbnation////Bigcartel


Buy Here, Here & Here

Mittwoch, April 9

One Hundred Year Ocean - Where Were You While We Were Getting High? EP



Bei The World is a Beautiful Place & I Am No Longer Afraid to Die und Old Gray spielt er nur die zweite Gitarre. Mit One Hundred Year Ocean erfüllt sich Derrick Nathaniel Shanholtzer-Dvorak, der in seinem Namen auch eine deutsche Durchschnittsfamilie unterbringen könnte, nun selber den Traum, Kopf seiner eigenen Band zu sein. Angetrieben von dem unstillbaren Verlangen, eines Tages selbst hinter dem Mikrofon Stellung beziehen zu können, schrieb er bereits über die letzten sechs Jahre hinweg an eigenen Songs. Ein passendes Line-Up für diese ließ sich nur spärlich und erst nach mehreren missglückten Probesessions auf die Beine stellen. So polterte die Debüt-EP "Poison Smoak" noch relativ holprig und unausgegoren vor sich hin. Für den Nachfolger "Where Were You..." feilte Shanholtzer also weiter am Personal und holte neben Ehefrau Katie Lynne, noch drei weitere Mitglieder der letzten TWIABP&IANLATD-Besetzung mit ins Boot, darunter auch Trompeter Patrick Malone und Sänger David Bello. Um so erstaunlicher ist es, dass "Where Were You..." trotzdem eigenständig klingt, weniger nach Sehnsucht, als vielmehr nach entschlossenem Aufbruch. Darauf rechnet Shanholtzer mit seiner Vergangenheit ab und holt imposant zum Befreiungsschlag aus, alles das von sich abschüttelnd, was sich in den letzten Jahren wie tonnenschweres Gestein auf seinem Gemüt abgelagert hat. Wenn es im Song "Apples" heißt: "Then we drank each other's piss out of white coffee cups./When it hits your lips it tastes just like warm water./What kind of disappointment is this?", dann singen er und seine Frau das voller Enthusiasmus. Und sogar ein selbstzerstörerischer Song wie "Magnetic Curses", in dem sich Shanholtzer vom kaum verständlichen, brüchigen Gesang bis zum Geschreie hineinsteigert, lässt mit einer heroisch aufspielenden Trompete keine Untergangsstimmung aufkommen.
Mit One Hundred Year Ocean hat Shanholtzer nun endlich seinen Frieden gefunden. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass da noch einiges übrig ist, mit dem er abzurechnen hat und vielleicht ja sogar ein herrlich pessimistisches Album nachlegt.

"When Were You..." erschien, wie bereits zuvor die Live-EP-Compilation "It's Not Punk, But We Are Getting Close", als Tape über Shanholtzer's eigenem Label Broken World Media.

+++Tumblr////Facebook////Bandcamp+++

DL Where Were You While We Were Getting High? EP

Dienstag, April 8

Record Store Day 2014


Bald ist es wieder so weit. Wie jedes Jahr zur selben Zeit. An jedem verdammten dritten Samstag im April. Der internationale Record Store Day (RSD) geht in diesem Jahr in die siebte Runde und wird wohl auch diesmal wieder zahlreiche Vinylliebhaber und -sammler in die unabhängigen Plattenläden und Kleinstlabels locken. Leider wahrscheinlich aber auch wieder Diejenigen, die in dreister Voraussicht die limitierten Releases nur deshalb ergattern, um sie wenig später für viel Geld weiter zu verscherbeln. Ein fader Beigeschmack, der mit der Zeit an diesem, in ehrenwerter Absicht ins Leben gerufenem Tag leider haften geblieben ist. Da helfen auch keine Exemplarlimits pro Käufer. Viele in Frage kommende Shops sagen ihre Teilnahme deshalb bereits im Vorhinein ab (in Berlin z. B. Bis Auf's Messer), wohl auch, weil es ihnen unmöglich ist, den ehrlichen Plattennarr von dem Kapitalistischen zu unterscheiden. Ein anderes Problem besteht darin, dass die Läden und Labels viele Exklusiv-Veröffentlichungen aus dem Ausland bereits für einen überteuerten Preis einkaufen (müssen).

Nichtsdestotrotz, bietet dieser Tag mal wieder die Gelegenheit für einen gemütlichen Tagesausflug, und sei es bloß, um die eigene Stadt etwas besser kennen zu lernen, den kleinen Plattenladen um die Ecke zu entdecken oder auf Gleichgesinnte zu treffen. Ein Großteil der teilnehmenden Stores konzentriert sich dabei natürlich auf die größeren Städte wie Berlin (z. B. Vopo Records, Mr. Dead & Mrs. Free, Leila M., Core Tex Records, 33rpm Store), Bremen (z. B. EAR Schallplatten, Boombastic Store), Hamburg (z. B. Zardoz, Michelle Records, Plattenkiste, Remedy Records), Dortmund (z. B. The Hangout, Black Plastic), Leipzig (z. B. Musikhaus Kietz, Schall & Rausch) oder München (z. B. Echt Optimal Schallplatten, Little Teddy Recordings, Shirokko). Die komplette Liste findest du HIER.

Die Liste der Exklusiv-Veröffentlichungen ist wie immer lang und erstreckt sich auf sämtliche Genres. Geplant sind u. A. knallbunte Re-Releases von Pennywise, Rancid, NOFX und Bad Religion und jede Menge Neuveröffentlichungen. So erscheint beispielsweise eine editierte, 50-minütige Clear-LP-Version von Flaming Lips 24-Stunden-Song "7 Skies H3", der 2011 in Form eines Totenkopf-Flash-Drives (13 Stück) nur mit viel Glück erlangt werden konnte. Die Pixies hingegen, verzichten auf die Fortsetzung ihrer EP-Einzelveröffentlichungen und packen ihre dritte lieber gleich zusammen mit EP #1 und #2 auf das erste Album nach 1991 "Indie Cindy" (Deluxe-CD kommt mit 40-seitigem Buch). Interessant dürfte auch sein, was Green Day auf ihrer Album-Trilogie "¡Uno!", "¡Dos!", "¡Tré!" alles weggelassen haben, denn eigentlich kann die Demosammlung auf "Demolicious" ja nur besser werden. Hierzulande dürfen wir uns über die 4-Way-Split "TCM-Tones" freuen, für die das Hamburger Label This Charming Man die Bands Messer, Sex Jams, Night Shirts und Karies auf eine 12" (100 weiße und 425 rote Vinyls) untergebracht hat.
Natürlich gibt's auch wieder jede Menge remastertes und längst vergriffenes Zeug in aufwendig gestalteten Boxen. Hier sollte man vielleicht am genauesten hinschauen, denn letztendlich sind es die liebevollen Details und die Extras, für die man wahrscheinlich wieder den einen oder anderen Schein mehr auf den Tisch legen muss. Lohnenswert erscheint die 7x 7"-Collection der Dead-Kennedys-Singles aus den Jahren 1979-1982, inklusive 12-seitigem Booklet mit Liner Notes und Bandinterview, ebenso wie Dinosaur Jr.'s "Visitor"-Box, die die ersten vier Singles der Band jeweils auf einer 7" gepresst beinhaltet, plus einer Bonus-Cover-7", einem Buch mit unveröffentlichten Werken und einem Maura-Jasper-Essay. Soundgarden's Re-Release ihres Referenzalbums "Superunknown", bietet nun ausgerechnet der jüngeren Compact-Disc-Fraktion den besseren Deal an. Zumindest statistisch. So hält die 2-CD-Deluxe-Edition neben dem remasterten 16-Song-Album noch eine weitere, 16 Song starke CD mit Demos, B-Sides, Remixes, usw. parat. Das Herzstück dürfte die 5-CD-Super-Deluxe-Edition darstellen, die von eben genanntem wesentlich mehr enthält und mit einem Blue-Ray-Audio 5.1.-Mix des Albums ein Hörerlebnis der Extraklasse verspricht. Die Vinyl-Version dagegen, splittet sich in fünf Singles-10inches, bringt es zuzüglich B-Sides-, Live- und Demo-Tracks allerdings "nur" auf insgesamt 22 Songs. Jammern auf hohem Niveau.

Am 19. April 2014 auf die Pirsch zu gehen - was auch immer ihr jagen wollt - dürfte sich so oder so lohnen.



Montag, April 7

Kennt ihr die schon?



Zweifelsohne, diese drei Riesenglieder haben den Beat gefressen und machen ihrem Namen alle Ehre. Das Geheimnis ihres Erfolges: die Zusammenführung zweier Elemente, die von Grund auf, physikalisch, chemikalisch, biologisch und anderen blasphemischen Anschauungen nicht zueinander passen. In Zahlen ausgedrückt: Sächsische Mundart & Rap.

+++Facebook+++

Samstag, April 5

Gran Noir - Alibi LP



Das Visions Magazin (Demo des Monats) und der Rocki (kurz und knapp) kündigten die schweizer Band Gran Noir ja bereits als hoffnungsvolle Newcomer an. Nun waren die fünf Züricher in der Pflicht, das unglaubliche Songgefühl ihres "Panic"-Demos auch auf Albumlänge zu beweisen. Und um es vorweg zu nehmen: was die Band auf ihrem Debüt-Album "Alibi" abliefert ist einfach nur der pure Wahnsinn, stellt so ziemlich alles in den Schatten, was sich an Artverwandtes in den letzten Jahren hervorgetan hat und braucht auch den direkten Vergleich zu den ganz Großen nicht zu scheuen. Die großen Referenzbands sind in diesem Falle Weezer, Queens of the Stone Age, ja sogar Muse. Das mag den einen oder anderen vielleicht abschrecken. Dennoch sind es genau die Einflüsse, die die Band zu ihrem eigenen Sound aus Alternative, Indie, etwas Punk und Wüstenrock homogen vermengt. Und wer diese Stile genauer betrachtet, der weiß auch, dass sie dafür keinen besseren Produzenten als Kurt Ebelhäuser (Blackmail, Scumbucket, uvm.) hätten finden können. Der kennt sich immerhin damit aus, treibende, fast schon poppige Melodien mit druckvollen Gitarren an die Wand zu brettern. "Alibi" beginnt mit den vier starken Songs "A New Day", "We Fall Apart", "Mirrors" und "Near/Far", die allesamt selbstbewussten Single-Charakter nach außen tragen und die man am liebsten in die Endlosschleife setzen würde, wären da die gemeinen Radiosender nicht mahnendes Beispiel dafür, wie schnell man sich an solch eingängigen Liedern satthören kann. Auch die übrigen 2/3tel des Albums hangeln sich an diesem Muster entlang. Und genau das ist auch das Tolle daran. Oder anders gesagt: nie war Berechenbarkeit schöner, nämlich die, dass hier ein Ohrwurm den nächsten jagt.

Auch wenn das Release nun fast schon ein Jahr zurückliegt, wer bisher noch nicht die Gelegenheit hatte, sich "Alibi" zuzulegen, der sollte das schleunigst nachholen. Als Download, CD oder limitierte Vinyl (300 Stück).

+++Bandpage////Facebook////Myspace////Soundcloud+++

Stream "Alibi"

Buy Here & Here

Donnerstag, April 3

Miles Oliver - Demo EP



Hätte Thees Uhlmann schon mal etwas von Miles Oliver gehört, er hätte den französischen Singer/Songwriter wohl zur Johnny-Cash-"Gedächtniskirche" ernannt. Aber auch Dylan oder spätere Künstler wie Bonnie Billie schwingen im Sad-Folk des Parisers mit. Was trieb diesen nun also in einen solch melancholischen Engpass, ließ er doch zuvor seine Finger als Gitarrist diverser Hardcore- und Punk-Bands (u.A. ATELO/phobia, Le Dead Projet) messerscharf über die Saiten gleiten? Zunächst einmal das Bedürfnis, düstere Geschichten in eingängige, hinabziehende Melodien zu verpacken, die von seiner sonoren Stimme fast ins Delirium befördert werden. Das kann bisweilen eine schwelgerische Sogwirkung entfalten (z. B. "The Rat"), mit etwas willkürlichen Sprechgesang aufgepeppt werden ("Your Blue Screen") oder wie im Song "Going Nowhere Fast" durchaus auch flotter vonstattengehen, in dem Miles zum Ende hin in einen Beziehungsstreit mit der Sängerin Milkymee gerät.
Bis auf das ausgeschmückte "D.R.E.A.M.S.", für das Produzent Amaury Louvet seine magischen Finger einsetzte, zeichnete sich sein grungiger Singer/Songwriter-Kollege The Absolute Never für die Aufnahme und das Abmischen verantwortlich. Derzeit laufen die Vorbereitungen zu Miles Oliver's Debüt-Album.

+++Facebook////Last.fm+++

DL Demo EP

Buy Demo-CDr via Mail to: mrplus@hotmail.com


Mittwoch, April 2

Useless-Benefit-Sampler für KEIN BOCK AUF NAZIS!



Klassische Win-Win-Situation: Spende einen Betrag für das ehrenamtliche Projekt "Kein Bock auf Nazis!" (ins Leben gerufen von ZSK und dem apabiz) und du erhältst - neben dem Gefühl, etwas Gutes vollbracht zu haben - einen 26-Song-Sampler, der von dem ganz und gar nicht unnützen Fanzine Useless auf die Beine gestellt wurde. U. A. mit dabei: KMPFSPRT, Paper Arms, Mikrokosmos23, Love A, Willy Fog, Käfer K und Bazooka Zirkus.





Dienstag, April 1

Operators - Contact High LP



Lasst die Leute reden...z. B. über ihre alten Helden und das nichts mehr so ist, wie es früher einmal war. Oder über mehr oder weniger gelungene Reunions oder die Gruppen, die jene Größen am originalgetreusten Nacheifern können. Wer an ihrem grandiosen selbstbetitelten Debüt-Album bislang vorbeigeschrammt ist, der könnte zumindest durch eine ihrer schweißtreibenden Shows auf die Underground-Heroes von Operators gestoßen sein. Sich in diesem einen Namen zu erspielen, dürfte in der Tat nicht das leichtetse Unterfangen einer Band darstellen. Fakt allerdings ist, dass wohl kaum eine zweite Band (vielleicht sogar weltweit betrachtet) die altehrwürdige Orgel so gekonnt in Szene setzen kann, wie das Berliner Sextett, was sie nun auch erneut auf ihrem zweiten Album "Contact High" eindrucksvoll unter Beweis stellen. Wer noch immer der Meinung ist, dass Retro- mit kopierenden Rock gleichgestellt werden muss, dem werden wohl auch die Operators nicht weiterhelfen können. Nur soviel: was können denn die sechs Jungs dafür, dass sie nicht sechzig Jahre zuvor geboren sind? Eben! Sollte man jetzt also voreilig eine Band verurteilen, die sich für analoge Handarbeit statt digitalem Aufgeblähe entscheidet und den verblassten Classic Rock und die Orgel als treibende Rhythmusfraktion für sich wiederentdeckt hat? Eben, eben! Dass sich die Operators von derartigen Vorurteilen nicht sonderlich beeindrucken lassen, hört man ihnen jederzeit an. Die sind sich auch nicht zu schade dafür, auf ihrem Album-Cover gleichmal ein bisschen Werbung für ihre befreundeten Kollegen Neume, Satellite Beaver und Stonehenge (siehe Jackenpatches) zu betreiben. Eine Hand wäscht eben die andere, sei es die gemeinsame, vergangene Oktober-Tour mit erstgenannter oder die grobe musikalische Nähe zu letzterer.
Dennoch ruht sich "Contact High" nicht etwa stur auf den Lorbeeren seines Vorgängers aus. Operators feilen weiter an ihrem eigenen Sound, indem sie den Classic Rock ein Stück weit hinter sich lassen und stattdessen mehr mit dem Stoner Rock liebäugeln. Die Weichen dafür stellt gleich zu Beginn das tief groovende "Terra Ohm", das ab der Mitte mit äußerst spielfreudigen Gitarrensoli in die Breitbeinstellung übergeht. Das können nur Diejenigen so überzeugend rüberbringen, die auch mit dem dafür notwendigen Gebamsel ausgestattet sind. Und auch wenn ich der Band noch nicht so aufdringlich zwischen die Beine gestarrt habe, es klingt verdammt nochmal nach einem mächtigen Gebamsel! So wie auch die beiden folgenden Tracks "Bring Me the Spice" und "Tangerine", ehe sich die schnellere Nummer "Kiss of de Ath" etwas vom Riff distanziert und das ausdauernde "Arrows" sich widerspenstig zur Quasiballade mausert. Mit dem Schlusssong "Trip van Winkle" tobt sich die Band dann nochmal so richtig aus. Ein Song, der nach ausgelassener Jamsession zwischen Jahrmarkt und Zirkusmanege klingt und für meinen Teil mit dem Höhepunkt abschließt.

Mit "Contact High" sind Operators auf dem Jenaer Independent-Rock'n'Roll-Label Fuzzmatazz Records gelandet, dass das Album auf schwarzes und limitiertes orangefarbenes Vinyl (inkl. DLC) presste.



+++Facebook////Bandcamp////Soundcloud////Myspace+++

Hörproben HIER & HIER


Sonntag, März 30

Day to Resist - Strike a Match [Video]



Die vier Osnabrücker Day to Resist, die mit "Strike a Match" einen äußerst energetischen Song zum Tanzcafé-Sampler 2013 beisteuerten, veröffentlichten heute ein ebenso geladenes Musikvideo, das wir euch nicht vorenthalten wollen:



Ebenso wollen wir das Video zum Anlass nehmen euch auf die beiden EP's der Band hinzuweisen. Denn die CDs sind fast ausverkauft und sind mit einem lockeren Preis von 6€ pro Exemplar ein gut investierter Spontaneinkauf. Also schnell noch zuschlagen. T-Shirt gibts auch.

BIGCARTEL

Bandpage
Facebook

Samstag, März 29

Malcom Rivers - The Evolution EP



Verdammt! Und schon wieder einmal hat es mich eiskalt erwischt. Ein Hipster zu sein wird aber auch von Tag zu Tag schwieriger. Mal davon abgesehen, dass ich das Zielgruppenalter jener Subkultur schon längst überschritten habe, kann ich mittlerweile gar nicht mehr so viel Gleichgültigkeit an den Tag legen, wie scheinbar neue, nervige Trends täglich zum Vorschein kommen. Und irgendwie ist es ja auch schon wieder vielmehr Hipster, ein Anti-Hipster zu sein. Wie gesagt, es ist nicht leicht. Den Glauben am Metalcore hatte ich eigentlich schon recht frühzeitig verloren - ich glaube es war im Jahre 2005 -, als eine walisische Band den Hardcore-Metal in den Pop-Dreck zog. Harte Kritik, aber mindestens genauso harte musste ich damals auch sein, um dieses Gedudel ertragen zu können, das sogar bis in die kleinsten Rockbaracken eindrang und zu dem sich die auf Pop konditionierte Gesellschaft auf der Tanzfläche regelmäßig selbst feierte. Dass Eingängigkeit, provoziert durch einen wummernden Bass, melodische Gitarren und Breitbeinriffing, neben Alkohol nunmal der beste Tanzpartner ist, wissen auch die fünf münsteraner Jungs von Malcom Rivers. Und die wollen für ihre Hörer sowieso nur das Beste, angefangen von der fetten Produktion bis hin zum kostenlosen Download ihrer zweiten EP "The Evolution". Wer nach den drei darauf enthaltenen Songs immer noch armeverschränkt abseits der Tanzfläche steht, wird entweder schwarz angemalt oder gleich aus dem Tanzklub gepogt. In der Sache zumindest dürften sich die getrennten Lager von Mainstreamern und Hipstern mal ausnahmsweise einig sein. Während die erst genannte Fraktion allerdings mit Malcom Rivers bereits die Thronfolge von Bullet For My Valentine ausgemacht hat, sucht letztere vor allem durch die eingestreuten Keys nach Querverweisen zu weniger chaotischen The Devil Wears Prada. Zu verdanken ist dieser Umstand vor allem dem Shouter, dessen rauhes Geschreie und auch die cleanen Passagen sich zwar auf der eher glatten Oberfläche ablegen, dafür mit viel Gefühl und der Drahtbürste in die Haut des Hörers einmassiert werden. Das verleiht dem Metalcore von Malcom Rivers dann immerhin die nötige Authentizität und vermittelt ihm ein ganzes Stück weit mehr Hardcore- als Pop-Gefühl. Tolle Melodien springen dabei trotzdem heraus, was der Mainstreamer natürlich toll finden oder der gemeine Hipster weiterhin stur ablehnen kann.

Neben der "The Evolution " EP als Digipak-Format, findet ihr im Bandshop auch die acht Song starke, selbstbetitelte Debüt-EP im Jewel Case.

+++Bandpage////Tumblr////Facebook////Myspace////Soundcloud////Last.fm+++

DL The Evolution EP


Donnerstag, März 27

The Gebruder Grim - The Priestess EP



Alles beginnt wieder mit der nervigen Frage nach dem Ursprung. Ist das nun Vintage (die Originale) oder doch eher Retro (die Anlehnung an die Originale)? Das Berliner Dreiergespann The Gebruder Grim kam hier ja bereits mit ihrer Debüt-EP "Waltzes" (ehemals Visions Demo des Monats und noch immer als Free Download erhältlich) zur Ansprache und überzeugte uns mit retrospektiven Metal irgendwo an der Schnittstelle zwischen Anthrax, Metallica und Corrosion of Conformity. 2012 kamen zu den vier EP- noch fünf weitere Songs hinzu, die gemeinsam auf das erste Album "Bamberg Apocalypse" (Stream auf Bandcamp; erhältlich als limitierte CD im Pappschuber + Shirt) versammelt wurden.
Auf ihrer letztjährig erschienenen EP "The Priestess" wildert die mittlerweile zum Quartett angewachsene Band um Frontmann Berni Mayer, der sich bereits in den vorangegangenen Gruppen The Sealevel und Tri-Anger einen Szenenamen erspielte und sich nebenher als Autor und Blogger ausprobiert, nun gezielt im prestigeträchtigem Metal und Hard Rock der 70er- und 80er-Jahre und entdeckt dabei auch die Heavyness des Rock'n'-Roll und den Groove des 90er-Stoner-Rocks für sich. In "Killing Machine", dem Opener der 5-Track-EP, zerlegen die Gebrüder gemeinsam mit Motörhead und Black Sabbath die Bühne, während sie im folgendem "Confuser" Iron Maiden und die Hellacopters zu einem schwitzigen Heavyrocker verschmelzen lassen. Mit dem "catchy" Titeltrack und "Hounds" grollen und grooven sich The Gebruder Grim durch die Anfänge des Stoner Rocks und der Schlusssong "Meat Eating Sun" schwingt neben einen brummenden Bass noch zusätzlich die Psychedelic-Kelle.
Bei all den gezielten Flashbacks, die einem die Gebrüder hier nach und nach in die Hirnwinden jagen, sollte man allerdings eines nicht aus den Augen verlieren, nämlich die Band an sich, die sich schließlich für die fünf tollen Songs selbst verantwortlich zeichnet. Eine Band, die Denjenigen, die sowieso immer was zu nörgeln haben, sicherlich einige Vorlagen direkt vor die Füße spielt. Alle anderen erfreuen sich an einer Band, die wahnsinnig viel Spaß am Zitieren hat und darüber hinaus Songs schreiben kann, die den vergangenen Größen damals nicht eingefallen sind.




Buy CDEP via Mail to: info@gebrudergrim.com

Buy Digitally Here & Here

Dienstag, März 25

Platte des Monats 03/2014: Like Lovers - Fire EP



Es ist schon längst überfällig, einen unserer "unsichtbaren" Blog-Stammgästen einen eigenen Beitrag zu widmen. Jan Kerscher ist Gründer und Kopf von Ghost City Recordings, ein Musikproduzent aus Leidenschaft und somit inoffizielles Mitglied vieler Bands, die sich ihm vor allem wegen seiner emotionalen Hingabe und Fertigkeiten anvertrauen. Mit Referenzen wie beispielsweise El Camino Car Crash, An Early Cascade, Mutiny on the Bounty, Start A Fire, uvm., lässt sich nicht nur stilistisch ein roter Faden spinnen, sondern vielmehr eine grundlegende Intention erkennen, nämlich die, dass der eigene Sound möglichst ehrlich und natürlich klingen soll, statt sich irgendwelchen Zwängen und Verpflichtungen zu unterwerfen. Es sind aber nicht nur Mischpultregler o. Ä., die zwischen seinen Fingern unbeschwert auf und ab gleiten. Auch was Instrumente angeht legt Kerscher gerne mal selbst Hand an und unterstützt mit Gitarre, Piano, Schlagzeug und Gesang, was er auch schon als festes Bandmitglied (z. B. Armchairpolitician, Carry the Weight, My Pink Eyed Tragedies, We Had A Deal) ausreichend zur Schau stellte.
Like Lovers ist eines seiner jüngeren Projekte. Naja, zumindest irgendwie. Im April vergangenen Jahres veröffentlichte er die Debüt-EP "Former Selves" mit sechs Songs, die innerhalb einer Zeitspanne von acht Jahren entstanden. Menny Leusmann (ex-Kill Kim Novak und -vs.Rome, aktuell bei Macky Messer), den er noch aus der gemeinsamen Zeit bei der luxemburgischen Electro-Rock-Band INBORN! kannte, und Patrick McCranc griffen der vierköpfigen Band dabei unter die Arme. "Fire" heißt nun also die zweite EP, die Like Lovers Ende 2013 der Hörerschaft vorsetzten. Wer dem experimentellen Anspruch der ersten EP nicht gewachsen war, kann dennoch der "Fire"-EP einen Hörversuch schenken. Zwar bewegen sich die vier neuen Songs immer noch weit weg von gewöhnlichen Indie- und Singer/Songwriter-Strukturen, folgen nun aber immerhin einem inhaltlichen Konzept. "Fire" erreicht vor allem auf der gefühlsbetonten Ebene eine besondere Eindringlichkeit, in der die Liebe und der Umgang mit einem geliebten Menschen als Resultat der Selbstfindung, im Mittelpunkt steht. Das betitelte Feuer könnte somit symbolisch für Leidenschaft stehen und daher auch als Kontrast zum aufziehenden Unwetter über der ruhigen See fungieren. "Fire" ist daher weder ein Abgesang, noch eine klischeebehaftete Liebeserklärung. Natürlich ließen schon unzählige Musiker_innen zuvor ihre Protagonisten aufgrund zwischenmenschlicher Gefühle zueinander finden oder auseinander brechen. Allerdings wurde das selten so außergewöhnlich in Szene gesetzt. Unter der Oberfläche der Songs lauert stehts der oft zitierte Wolf im Schafspelz, der jede Gelegenheit nutzt, um den Hörer zu überraschen. Vielleicht auch zu überfordern. Offenheit ist der Preis, den der Hörer bereits sein muss zu zahlen. Den Preis für die EP könnt ihr selbst bestimmen.

P.S.: Zur Erläuterung für Diejenigen, die unsere "Platte des Monats" für verhältnismäßig zu unspektakulär erachten: in der Gesamtbewertung floss diesmal auch entscheidend das Drumherum mit ein. Hinter Like Lovers verbirgt sich insbesondere ein freigeistlicher und überzeugter Musiker, der darauf bedacht ist, die Tugenden der Untergrundmusik zu wahren und zu fördern, egal welches Kaliber sich gerade in sein Studio verirrt. Wir finden, das hat zusätzlich Anerkennung verdient.



+++Bandpage////Facebook////Soundcloud////Bandcamp+++

DL Fire EP


Samstag, März 22

Felias - Mein Bruder, das Meer EP



Was könnte die im Hardcore-Punk verwurzelten Mitglieder bloß dazu gebracht haben, plötzlich zum Indie-Pop überzulaufen? Wer böses denkt - und zu Beginn des ersten Songs "Beringmeer" können sich solche Gedanken schonmal schnell einschleichen - , sollte sich dennoch kein voreiliges Urteil über die jüngst in Erscheinung getretene, Leipziger/Hallenser Band Felias bilden. Dies gilt allerdings nicht nur für die Fraktion, die eingängigen, massentauglichen und klischeebehafteten Indie-Pop befürchtet, sondern vor allem auch für Diejenigen, die sich mit diesem durchaus zufrieden geben. Nach einem Durchlauf ihrer Drei-Song-Debüt-EP "Mein Bruder, das Meer" könnten sich beide Lager ausnahmsweise mal einig in den Armen liegen. Oder zumindest ohne gegenseitige Skepsis in die Augen schauen. Dabei sind Felias weder das Nonplusultra, noch der ultimative Kompromiss, als vielmehr ein schönes Beispiel dafür, dass seichter Indie-Pop nicht zwangsläufig in ein Radio kompatibles Format gepresst werden muss. Viel zu oft verlieren sich die Gitarren in plänkelnden Post-Rock und nehmen somit den sehnsüchtigen Gedanken der Texte auf, allen voran der Schlusssong "Löwenherz". Hier lässt sich vielleicht auch noch am ehersten eine Parallele zur Vorband Robert Paulsen ziehen, von der sich drei Mitglieder letztendlich bei Felias wiederfanden. Oder durch den letzten verzweifelten Ausbruch am Ende von "Beringmeer". Die romantischten Liebesgrüße verschicken Felias aber erst mit ihrem zweiten Song "Tessin", der zwar etwas morbide einsteigt, dem man aber durchaus den Ausbruch aus der regionalen Szene zutrauen könnte.

Wer jetzt schon für den nächstjährigen Valentinstag vorplant, der sollte sich lieber schnell die EP in CD-Format sichern, die zusätzlich mit einem Poster und Sticker ins Haus geliefert wird, und für nur drei Euro um einiges günstiger ist, als ein Strauß Rosen.
+++Facebook+++

Stream & Buy Digitally "Mein Bruder, das Meer"



Donnerstag, März 20

Old Gray - An Autobiography LP



Old Gray aus New Hampshire ist wieder mal so eine Band, die auf hundert Hochzeiten und mehr gleichzeitig tanzen will. 2011 debütierte das Quartett mit ihrer Demo-EP, auf der auch Bicycle-Sunday-Sänger Joe McAndrew zu hören war, und auf der sich die Amerikaner noch eher im plänkelnden und akustischen Midwest-Emo verloren. In den folgenden zwei Jahren folgten mehrere Line-Up-Wechsel, EP's, die etwas mehr die Nähe zum Screamo und Post-Hardcore suchten, Solo-Akustik-Splits, Samplerbeiträge und etliche Nebenbeschäftigungen (u. A. Cameron Boucher, Sorority Noise, Youth Funeral). 2013 gelangten Old Gray mit "An Autobiography" auch zu ihrem ersten Full Lenght. Den Geheimtippstatus hatten sie zu diesem Zeitpunkt bereits längst hinter sich gelassen, sodass Diejenigen, die erst mit diesem Album auf die Band aufmerksam geworden sind, eigentlich keine Zeit mehr mit der Suche nach den rar gesäten Demo-CDr's und Split-Tapes verschwenden mussten. "An Autobiography" kann über diese Tatsache hinwegtrösten, denn neben einigen Gastsängern - darunter auch die kreischende ex-Cerce-Frontfrau Becca Cadalzo - bauen Old Gray erstmalig eine Violine in ihrem Songgeflecht ein. Auf dieser Grundlage erfahren die acht Songs der LP eine vollkommen neue Intensität, bzw. die düstere Thematik um Todesängste, Einsamkeit und Selbstaufgabe einen atmosphärischeren Background, was auf den ungestümeren Vorwerken in dieser Dringlichkeit noch nicht unbedingt zu erkennen war. Die musikalische Nähe zu The World is a Beautiful Place & I am No Longer Afraid to Die oder We Came Out Like Tigers scheinen sie dabei nicht ganz zufällig gefunden zu haben. Mit erst genannter teilen sie sich seit diesem Jahr nicht nur Gitarrist Derrick Shanholtzer-Dvorak, sondern ihm dürften sie es auch zu verdanken haben, dass "An Autobiography" bereits in der zweiten Auflage über das Windhamer Label Broken World Media erschien. Über das englische Partnerlabel Dog Knights Productions, auf dem auch WCOLT mit ihrem Debüt-Album vertreten sind, ist das Album auch als streng limitiertes Double Pack mit alternativem Cover (25 St.) erhältlich.



+++Tumblr////Facebook////Bandcamp////Twitter////Soundcloud+++

DL An Autobiography LP
DL Do I Dare Disturb the Universe EP

Dienstag, März 18

Echolons))) - Mount Neverest EP



Es ist immer blöd, Musik anhand des Alters festzumachen. Reif und anspruchsvoll klangen die fünf Frankfurter von Echolons))) auf ihrem Debüt-Album "About Sugar and Other Bitter Things" dennoch, trotz ihrer Testosteronschübe. Und irgendwie drehte sich ja darauf auch alles um das Erwachsensein und dem "bittersüßen" Beigeschmack, der damit einherging. Seit diesem sind mittlerweile mehr als drei Jahre vergangen. Christoph Heyd hat sich in der Zwischenzeit als neues Mitglied hinter dem Keyboard positioniert, was sich nach Aussagen der vier übrigen, alteingesessenen Hessen maßgeblich auf den Sound der fünf Songs ihrer neuen EP "Mount Neverest" ausgewirkt haben soll. Aufgeräumter klingen sie nun und somit weniger vertrackt und sporadisch, aber immer noch genauso fordernd. Wer sich auf der sicheren Seite wiegt, sollte seine Ohren lieber weiterhin an die Foo Fighters oder Scumbucket verleihen oder zu Beginn gleich mal bis zum dritten Song "I'm A Believer" vorskippen. Ein eingängiger und fett groovender Alternativerocker mit Feel-Good-Chören als Bindeglied für das Wir-Gefühl zwischen Band und Hörer. Den Vergleich zu eben genannten Bands provozieren Echolons))) aber nicht nur aufgrund ihrer musikalischen Kombination von Alternative-, Prog- und Wüstenrock, sondern vor allem auch mit ihrem Sänger Daniel Dorn, der in seinen energischen Momenten mit ähnlich viel Biss wie ein Dave Grohl die echauffierte Masse mitreißen kann, oder einsam und melancholisch seine Kreise zieht und damit an den markant warmherzigen und vertraut eindringlichen Gesang von Kurt Ebelhäuser erinnert. Wenn Dorn in der pianobegleiteten Quasiballade "Rough Cut Wonderland" bis in soulige Sphären abhebt, lässt man sich bereitwillig fesseln und man würde ihm am liebsten seine dunkelsten Geheimnisse anvertrauen. Mit "Losing Cells" und dem Titelstück zieht die Band dann für die letzten zwölf Minuten den Bühnenvorhang für die moderne Rockoper beiseite und lässt sich episch und tempowechselnd von der Melodie in ungeahnte Richtungen entführen. Vor allem der Schlusssong "Losing Cells", der trotz Twang und mit prospektiver Orgel gar nicht erst den müden Retrogedanken aufkommen lassen will, versammelt das Repertoire der Band zum Ende hin nochmal unter dem Begriff Art Rock, allerdings weniger im avantgardistischem Sinne, als vielmehr zum Ausdruck bringend, dass Echolons))) auch auf ihrer zugänglicheren Seite noch immer unberechenbar bleiben.



+++Facebook////Tumblr////Bandcamp////Soundcloud////Reverbnation////Myspace+++

Stream "Mount Neverest EP"

Sonntag, März 16

Die Bandcamp-Punks Vol.18


Mr. Burns


Die Zeiten, unsere Probleme mit Albernheiten auf's Korn zu nehmen und die der Schönrederei sind unlängst vorbei. Einige Bands mussten das wieder erst neu erlernen, die Punkgemeinschaft Mr. Burns weiß das schon seit 1999. Deshalb nehmen die vier Flensburger auch auf ihrem jüngst erschienenem vierten Album "Flying Blind" kein Blatt vor dem Mund. Maulkörbe sind schließlich für bissige Hunde gedacht, nicht aber für zähnefletschende Punks. Auch wenn sie mit "Flying Blind" mittlerweile im Katalog von Cargo Records gelistet sind, bleiben Mr. Burns ihrem rohen Sound treu, was sicher auch daran liegen dürfte, da das Album im heimischen Proberaum aufgenommen wurde. Anders würde ihre Old-School-Mentalität auch nicht funktionieren, mit der sie alte Helden wie Good Riddance, Millencolin oder Pennywise zwischen treibenden Hardcore-Punk, Melodycore und der Leichtigkeit des Skate-Punks hin und her schubsen. Die insgesamt zwölf neuen Songs sind demnach weiterhin kurz und knackig gehalten und auf das Nötigste beschränkt. Mehr braucht es eigentlich auch nicht, um die Melodien unkompliziert mit dem Ohr einzufangen und möglichst lange festzuhalten.
Auf Bandcamp könnt ihr euch "Flying Blind" im Stream anhören, Album Nr. 2 und 3, sowie die "Restbestand" 7inch warten als Free Download auf euch.
Schallplatten-Fetis kaufen sich eine der auf 500 Stück limitierten LP's (+ DLC), wovon die ersten 200 auf grau marmorierten Vinyl erscheinen.

+++Bandpage///Facebook///Bandcamp///Myspace+++


Buy Here, Here, Here & Here


Trouble Every Day

Bandpage//Facebook//Tumblr//Bandcamp
Das französische Quartett Trouble Every Day feiert in diesem Jahr bereits sein zehnjähriges Jubiläum und tüftelt dafür fleißig an neuen Songs, um es gebührend mit einem neuen Release feiern zu können. Zeit wird es, denn ihr letztes offizielles Release - die Split-7" mit den Pop-Punks Stick Around - liegt nun schon fast drei Jahre zurück. Bisweilen können wir uns an ihrer kompletten Diskografie (außer die Split) als PWYW-Download-Paket auf Bandcamp erfreuen. Dabei lässt sich trotz einiger Besetzungswechsel und Nebenaktivitäten der Bandmitglieder (Santa Cruz, Draw Me a Butt, u. A.) durchgängig ein erdiger wie ehrlicher und roher Sound als roter Faden erkennen. Einzige Veränderung seit dem Demo-Debüt "K.R. Kids", sind die mit jedem weiteren Release mehr hinzu gekommenen Skate-Punk-Einflüsse, die Trouble Every Day vom anfänglichen Hardcore-Punk ein Stück weit Richtung Melodycore drängten. Aushängeschild der Band ist seit jeher Frontmann Guillaume, der mit seinem rauhen Gesang zwischen Whiskey und Heiserkeit wie eine angepisstere Variante von Alice Cooper klingt, dessen Horroraffinität ansonsten aber nur auf dem zweiten (Demo-)Release "Terrorvision" zum Ausdruck kam.


Buy Here, Here & Here


Big Eater

Tumblr//Last.fm
Sie würden liebend gerne in großen Hallen spielen, doch letztendlich holt sie ihre nüchterne Betrachtungsweise doch auf den Boden der Tatsachen zurück. Die führt unweigerlich zu der Erkenntnis, dass sich große Hallen in Verbindung mit einem kleinen Bekanntheitsgrad eben nicht so leicht ausverkaufen lassen. Also doch lieber die kleinen und ranzigen Schuppen, dafür aber bei voller Hütte. Und genau dort lässt sich ihr expressiver Mix aus Psychedelic, Bluesrock und Garage nunmal am besten ausleben, der mehr als nur eine gelungene Hommage an die offenkundigen Vorbilder James Brown und Screamin' Jay Hawkins darstellt. Wild und ausgelassenen, und dermaßen konventionslos, dass sich die Band wahrscheinlich selber am meisten darüber ärgert, dass man ihre Musik zwangsläufig in Kategorien einteilen muss. Man stelle sich Hendrix nicht auf der Woodstock-Bühne, sondern in einem feucht-schummrigen Kellergewölbe vor, also mit weniger Sexappeal. Und was hat das alles mit Punk zu tun? Was die Musik von Big Eater angeht, erstmal nicht viel. Allerdings sollen alle vier Berliner schonmal irgendwie mit Punkrock in Berührung gekommen sein. Ja klar, dass kann viel bedeuten. Zumindest einem kann ich es nachweisen. Al Burian, amerikanischer Wahl-Berliner, Comiczeichner, Autor und ehemals bei der Post-Hardcore-Punk-Referenzband Milemarker aktiv. Vielleicht klappt's ja doch noch irgendwann mit den großen Hallen.

DL s/t Tape

Buy Here
or
via Mail to: recordsale.1980@gmx.de (Monkey Bizz Tape Empire)
or
BIGEATERBAND@GMAIL.COM


Shortcuts

Facebook//Tumblr//Bigcartel//Bandcamp
Lange hielt sich das englische Quartett Shortcuts ja nicht über Wasser. Nach einem Demo, zwei EP's und der letztjährig erschienen Split-7" mit den amerikanischen Screamo-Punks Indian Taker (Free Downloads HIER), war nach fast genau zwei aktiven, wenn auch ertragreichen, Jahren schon wieder Schluss. Vielleicht, weil ihr Label Close To Home Records (Free Downloads HIER) zu viel Zeit beanspruchte und sie es für wichtiger erachteten, anderen Bands unter die Arme zu greifen. Vielleicht auch, weil sie in ihren Songs bereits alles gesagt haben, womit sich Punks heutzutage nunmal so herumärgern müssen. Weiter weg vom klassischen Punk, stattdessen die Nähe suchend zum westlichen Emo-Punk, präsentierten sich ihre Songs, die nicht selten an (vergangene) Größen wie Lifetime, Basement, Saves the Day oder (meines Erachtens) auch frühere Beatsteaks erinnern. Eingängige, ins Ohr treibende Songs mit eindringlichem Gesang, der eben in seiner rauhen Art einen Ari Katz oder Arnim Teutoburg-Weiß im Gedächtnisprotokoll aufführt.
Die Demo- und EP-CD's/Tapes sind mittlerweile allesamt vergriffen. Die Split-7" erschien in vier verschiedenen Farben (grün, rot, gold, mysteriös=???) und hat allen Unstimmigkeiten zum Trotz sogar den Sprung auf die irische Insel geschafft.

DL Self Titled EP
DL Guidance EP
DL When Will Things Change? Demo 2011

Buy Here, Here & Here


Aye Aye Goodbye

Tumblr//Facebook
Auf nicht einmal ganz zwei Jahre brachte es das Mendener Quartett Aye Aye Goodbye, deren musikalische Hinterlassenschaft sich auf die "I Will Never Make Promises, I Promise"-EP beschränkt. Diese klingt eigentlich mehr nach einem hoffnungsvollen Anfang, als nach einem Abgesang auf das Bandleben. Nach unbeschwert mäandernden Emo- und Indierock nämlich, der zwar mit den besungenen Alltags- und Beziehungsproblemen nicht alles rosa-rot ausmalt, aber mit der Leichtfüßigkeit einstiger Cap'n Jazz und sonstiger Kinsellascher Auswüchse voran schreitet, die vor und um die Jahrtausendwende dem Emo nicht nur zur uneingeschränkten, freigeistlichen Entfaltung verhalfen, sondern ihm auch einen signifikanten DIY-Stempel aufdrückten. Aye Aye Goodbye spielen also alles andere als undefinierbaren Rock, dafür uneingängige Songs, die sich den Standardschemata entziehen und ihren Schwerpunkt auf die Instrumentierung legen. Zwar halten sich diese zeitlich im überschaubaren Rahmen, dennoch bringt es ein Song wie das zweiminütige "Cut All These Ties Off" gerade mal auf vier Verse, das eine Minute längere "My Beard Grows Faster Than Me" nur auf drei, während das fröhlich aufspringende "Life.Love.Baguette" gar ganz instrumental gehalten wurde. Schade also, dass schon wieder Schluss ist, bevor es hätte noch interessanter werden können. Die Bühne teilten sie sich u. A. immerhin mit ihren Hardcore-Homies Cannoneer und Caller, sowie ihren Dortmunder Nachbarn von The Jim Tablowski Experience und Willy Fog. Zudem waren sie letztes Jahr auf dem ersten Sampler-Release des UK-Hardcore-Punk-Labels Nothing to Lose (PWYW-Download HIER) vertreten.

Aye-Aye-Goodbye-Sänger Tim Becker startete derweil sein Akustik-Singer/Songwriter-Pop-Projekt East Ends mit dem er bereits ein Demo veröffentlichte, das als Tape über das eigene Label Basement Memories erscheint, wo es auch noch die letzten Exemplare des "I Will Never Make Promises, I Promise"-Tapes (als rote, blaue und weiße Variante) zu ergattern gibt.

DL I Will Never Make Promises, I Promise

Buy Here & Here


Hey, Joni

Facebook//Soundcloud
Auch die vier Engländer von Hey, Joni haben 2012 zusammengefunden und sich dem ausufernden Midwest-Emo verschrieben. Ende 2013 verkündete Drummer Hayden seinen Ausstieg aus der Band, während Sänger Isaac Ashby gerade fleißig am Debüt-Album seiner ähnlich gestrickten Nebenband Cøllege arbeitet. Im Gegensatz zu oben genannten Aye Aye Goodbye, lässt sich das Trio (ehemals Quartett) davon nicht aus der Ruhe bringen und kündigte sattdessen große Pläne für das Jahr 2014 an. Neben der großen Europa-Tour im Juli mit den Screamo-Punks Healing Powers, dürfte das vor allem ein neues Release bedeuten, dessen neue Songs wohl bereits fertig geschrieben sind. Bis dahin können wir uns durch ihre komplette Diskografie, die neben dem selbstveröffentlichten Debüt-Demo und der "Some Milk?"-7inch noch das Split-Tape mit den Sheffielder Pop-Punks Cast Ashore beinhaltet, arbeiten, die auf Bandcamp als Free- bzw. PWYW-Downloads auf uns warten. Übrigens, wer diesen Beitrag etwas zu sehr an den Vergleich zu Aye Aye Goodbye hochgezogen sieht, ich denke er ist durchaus berechtigt, nur, dass Hey, Joni etwas rauher und manchmal auch ungestümer zu Werke gehen.

DL Some Milk? 7"
DL Demo Tape

Buy Here & Here


Lovechild

Bandpage//Facebook//Bandcamp
Demotape, Pre-7"-Demo, Debüt-7" - so lautet die bisherige Bilanz der kleinen Hardcore-Punk-Kapelle Lovechild nach gut einem halben Jahr. Dabei fand gerade erst das Abschiedsrelease "Adieux" ihres Alter Egos Cerce (Free Downloads HIER) zur physikalischen Vollendung, das bereits schon ohne ihre keifende Frontfrau und Old-Gray-Gastsängerin Becca Cadalzo auskam. Bei Lovechild greifen mit Bassist Zach Weeks und ex-Debaser-Sänger Greg Cook gleich zwei Schreihälse zum Mikrofon, die auf der "In Heaven Everything is Fine"-7inch noch zusätzlich Rückendeckung von The-Hotelier-Frontmann Christian Holden bekommen. Die neuen Songs orientieren sich dabei eher an die schnelleren ihrer Vorband und hetzen durch pfeilschnellen Hardcore-Punk und Powerviolence der San-Diego-Schule. Auf ihrer 7" prügeln sie demnach elf Tracks in weniger als zwölf Minuten durch und bleiben dabei an Themen wie Gentrifizierung, Rassismus und Menschenrechte hängen. Den Rest kann man ihrem Facebook-Statement entnehmen: "If you like police, you're not gonna like our band." Ich denke, dass ist einvernehmlich.

DL In Heaven, Everything is Fine 7" + Alternative Download Link
DL Second Demonstration Demo
DL Demonstration Demotape

Buy Here & Here


Nora Yeux

Bandpage//Facebook//Bandcamp
Ja wo kommen denn diese beiden Songs urplötzlich her? Nora Yeux, bestehend aus 3/4tel-Kosslowski und ex-Thoughts Paint the Sky-Mitgliedern, waren im Oktober 2013 zu Gast im Düsseldorfer Institut für Musik und Medien, indem sie einer Einladung von This April Scenery-Sänger und Songwriter Nico Vetter zur Teilnahme an dessem Projekt prettylivesessions. folgten, an dem sich bereits zuvor schon Bands wie Adolar, City Light Thief oder FJØRT beteiligten. Der Deal: die Band soll sich individuell und in voller Lautstärke im Studio auslassen, während sich Vetter nebenan am Aufnahmeequipment positioniert und Daniel Polle das Ganze auf Video aufnimmt. Mit "Freiheit" und "Parallelen" können Nora Yeux somit auf zwei neue Songs zurückgreifen, die vorerst als Videos auf Youtube erschienen (HIER & HIER) und mittlerweile als Spendendownload auf Bandcamp zu finden sind. Sänger und Songschreiber David Frings verbaut weiterhin seine intelligenten Texte in vertrackte Satzformen, allerdings weniger kryptisch als es bei Kosslowski oder FJØRT der Fall ist. Dem leichten und ansatzweise poppigen Indie-Punk hört man diese Tiefgründigkeit im ersten Moment gar nicht an, da die Lyrics rund und fließend in die eingängigen Melodien eingebettet sind. Ein Grund mehr also, um genauer hinzuhören und Nora Yeux nicht voreilig in eine überfüllte Schublade zu stecken.
Im Übrigen ist ihre Debüt-EP jetzt auch in physikalischer Form erhältlich. 50 handgemachte Digifile-CD's sind jeweils mit Textblatt und Sticker ausgestattet.

DL Freiheit/Parallelen EP

Buy Here & Here



Außerdem


Señor Karōshi
Zu routiniert und ausgetüftelt sind die Songs, zu clever die Texte. "| ñ | ō |" kann keinesfalls das (Demo-)Debüt von blutigen Anfängern sein, soviel steht fest. Als Bassist Mace mitte des letzten Jahres die Band Corman (ehemals Rest in Question) verließ, bedeutete dies das Aus der Trierer Punkcombo und gleichzeitig den Neubeginn unter dem neuen Bandnamen Señor Karōshi, mit dem die verbliebenen drei Mitglieder Pal, Jaeger und Pasi zwar dem Punk-Genre die Treue schworen, fortan aber dennoch vollkommen anders klingen sollten. Trotz einiger verbleibender Tempowechsel bewegten sich ihre Songs weg von den komplexen und hin zu eingängigeren Strukturen, die mit den neuen deutschsprachigen Lyrics und etwas Alternative-Einschlag an eine Mixtur aus nordischer Schule á la Turbostaat und benachbarten Indie-Punk der Marke Love A erinnert. Klingt aber eigentlich schon wieder viel komplizierter, als es sich hören lässt, da die vier Songs schon beim ersten Durchlauf vom Ohr rezipiert und sofort in Form von aufwühlender Euphorie an die Gliedmaßen weitergeleitet werden. Geht ab, macht Spaß, verlangt nach mehr.

Stream & Buy "| ñ | ō |" CD/7"


Kurzmeldung:

Zum Geheimtipp erklärte ich die Alternative-Emo-Punk-Band Rivers & Tides bereits Ende letzten Jahres, kurz nachdem diese mit ihrer selbstbetitelten Debüt-EP (PWYW-Download HIER) an den Start gingen. Nachdem die EP zuvor nur digital erschien, fanden die fünf Regensburger ausgerechnet im Leipziger Artwork- und Tattoostudio Koepfen ein Label, dass mit der Veröffentlichung der EP auf Tape ihr erstes Release feiert. Hundert Stück wurden zu gleichem Anteil auf schwarze und weiße MC's verteilt, zudem handnummeriert und mit Siebdruckcover. Außerdem veröffentlichte die Band mit "Away" einen neuen Song (PWYW-Download HIER), der sich auf der 47-Band-Compilation des Mannheimer Labels Forged Promotions wiederfindet.

Jahres-Sampler