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Sonntag, November 25

Platte des Monats 11/2018: Pogendroblem - Erziehung zur Müdigkeit



Kurzinfo:

Maaßen, Erdogan, Hambacher Forst und Chemnitz - allein die Miszstände und Fragwürdigkeiten der jüngsten Vergangenheit werfen unweigerlich die Frage auf, an welcher Stelle die menschliche Vernunft eigentlich vollkommen verloren gegangen ist. Es ist aber eben auch noch nicht alles, denn neben alltäglichen, radikalen Flüchtlingsheimrazzien und Räumungen links-alternativer Einrichtungen und Begegnungsstätten, die es nicht über die regionale Presse hinaus schaffen, herrscht noch immer eine ganze Menge Ungerechtigkeit und staatliche Willkür fernab des medialen Bombasts. Und wer sich auf dem vermeintlichen Erfolg des G20-Gipfels ausruht, hat vielleicht noch nicht selbstkritisch hinterfragt, mit wem man dort eigentlich so alles Seite an Seite demonstriert hat.
Keine Frage, die Gesamtscheiße ist mächtig am Brodeln. Mit ihrem Debüt-Album wirbelt die Band mit dem Prechtschreibroblem somit sicherlich keine neuen Fragen auf, sondern konzentriert sich vielmehr darauf, die richtigen zu stellen. Denn gerade zu Zeiten einer orientierungslosen Regierung, ist moralischer wie physischer Angriff die beste Verteidigung. So richtet sich der Appell von Pogendroblem nicht nur an die Marionetten in Staatstracht ("Gebrochen") oder dem gemeinen Hipster und Schnösel, sondern vor allem auch an die Philosophie des gemütlichen Widerstands der eigenen Szene ("Banden", "Schnöselpunx") - "Erziehung zur Müdigkeit".
Authentisch wirkt das, weil das Quartett aus Bergisch Gladbach seine Attitüde in herrlich aseligen Schrammelpunk packt, anstatt sie mit post-modernen Schnörkeln zu verkleiden. Ausflüge werden höchstens in eng benachbarte Genres wie dem Garage und Hardcore-Punk unternommen oder eben in die drei Jahrzehnte zurückliegende Punk-Vergangenheit. Für diesen Charme sorgt allein schon die herrlich kratzige Produktion von Lau Velthaus (u. A. HerrinGedeck und Reiche_Weiße_Cis_Männer).


Band: Pogendroblem

Titel/Release: Erziehung zur Müdigkeit/Album (500x Black Vinyl; Tape; Digital)

Label: In A Car (Vinyl), Zehnagel Records (Tape)

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Deutschpunk, Punk, Garage

FFO: Mühlheim Asozial, Urinprobe, Novotny TV

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube




DL & Buy "Erziehung zur Müdigkeit"

Buy Here, Here, Here, Here & Here


Dienstag, Juni 12

Die Bandcamp-Punks Vol. 30


AUS - AUS LP



Eine Band mit dem Namen AUS und die ihr Debüt-Album auch noch selbstbetitelt, will scheinbar nicht im Internet gefunden werden. Dabei könnte ihr nihilistischer und kalter Mix aus Post-Punk und Wave vor allem für Diejenigen interessant sein, die der Post-Moderne abgeschworen haben und stattdessen lieber im Backkatalog der deutschen Untergrundszene der 80er/90er-Jahre blättern. Schon der unterkühlte Opener "Abgemacht" mit seinen monotonen Bassläufen und morbiden Synthies jagt dem/der Hörer_in einen einskalten Schauer über den Rücken. Dazu der geisterhaft-verhallte und beschwörende Gesang der Frontfrau, der wie düstere Prophezeihungen aus der Zwischenwelt die Grundstimmung von Stück zu Stück immer weiter hinab zieht.
"AUS" wirkt wie eine Séance ohne Wiederkehr ins Bewusstsein. Also am besten nachts in einer alten Lagerhallenruine anhören.

Pogendproblem - Raus

Bandcamp\\//Facebook\\//Youtube
"Asipunk" und "spannendste Deutschpunk-Band" sind nur einige Phrasen, die in Artikeln über Pogendroblem zu lesen sind. Ja gut, für eine Band aus Bergisch-Gladbach ist letztgenanntes sicherlich etwas nüchtern zu betrachten. Tatsächlich aber hat ihre zweite EP "Raus" weitaus mehr zu bieten, als stumpfes D-Punk-Gedresche. Songs wie der Opener "CDU" oder das folgende "Dippen im Nachtbus" können zwar nur schwer über eine aselige Kellerästhetik hinwegtäuschen. Dennoch finden sich auch immer wieder kleine Stolpersteine in Form von Post-Punk- und Garage-Ausflügen, Hardcore-Punk sowieso, im Sound von Fritte, Gero, Lau und Marci wieder, was zu einer spannenden Eigendynamik führt.


Buy Here & Here


Zebrassieres - I Am A Human

Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube
Eine ausgelassene Spaßtruppe aus umtriebigen kanadischen Musikern (u. A. The Creeps, Crusades, The Funfuns, Sudden Infant Dance Syndrome, Century Palm) verbirgt sich hinter Zebrassieres (ausgesprochen: Zebra's Ears), die mit "I Am A Human" ihr viertes und bis dato letztes Release veröffentlichten. Auf ihrem zweiten Album drehen die vier ihren fröhlichen Pop-Punk-Garage mit der Durchschlagskraft des Power-Pops durch's knallbunte Kaleidoskop und setzen dem Ganzen mit einer frivolen Orgel die Krone auf. Klasse Gute-Laune-Album, nicht nur für Zwangsneurotiker.



Buy Here & Here


Sissters - there's a party in my mouth but you're not invited
 
Nach fast sieben Jahren Stille, dürfte sich das Warten auf einen Nachfolger ihrer Debüt-LP "there's a party in my mouth but you're not invited" wohl kaum noch lohnen. Vielleicht hatten die beiden Sissters Micha Ristock (aka Mika Risiko, derzeit bei CRIME und Scream Club) und Philip Rau aber auch schon alles gesagt, was gesagt werden musste. Zumindest in dieser Form. Ledernder Noise Rock mit anarchistischer Punkwillkür und 60er-Garage-Sprödniss, mindestens genauso catchy wie anstrengend. Zwei Songs ihrer LP, die 2011 über das deutsche Independent-Label Coraille (u. A. Birthmark und mOck) erschien, sind im Stream auf Bandcamp zu hören. Wer mehr will, sollte schleunigst zusehen, noch eine der auf insgesamt 450 Stück limitierten schwarzen Langrillen zu ergattern.



Nullwert - Demo

Facebook\\//Youtube
Nicht viel zu finden über diese scheinbar nur kurzlebige Berliner Band, deren hauptsächliches Stilmittel die Monotonie ist. Auf ihrer höhepunktarmen Demo-EP, spielt das Trio einen kruden Mix aus No Wave, Deutsch- und Post-Punk, der sich latainischer Sprichwörter bedient und zudem noch Rantanplan zitiert. Immerhin herrlich und kompromisslos krachig mit sympathischen End-80er/Früh-90er-Charme.



Oi!ronie - The First Two Years

Facebook\\//Bandpage\\//Bandcamp\\//Youtube
Workless Class - kein Bock auf Maloche!
Workless Class – nicht jeden Tag die gleiche Sosse!
Workless Class – Sei auch du dabei!
We are the Workless Class! Oi! Oi! Oi!

Relativ junge Band aus Berlin mit Tompa von Henry Fonda. Stimmungsvolle Street-Punk/Oi!-Punk-Mucke, wie sie noch aus den 90ern aus einem Hinterhof in Berlin nachschallen könnte. Eingängig und unverblümt, rausgekotzt von Mia's herrlich analogen Stimme, die in den Refrains meistens von ihren männlichen Kollegen unterstützt wird. Und vor allem: endlich mal wieder ein geiler Bullensong.

DL & Buy "The First Two Years"

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Reiche_Weiße_Cis_Männer - Reiche_Weiße_Cis_Männer


Reiche_Weiße_Cis_Männer, egal ob mit oder ohne Unterstrichen oder komplett klein geschrieben, ist doch schonmal ein Bandname, der extrem neugierig macht. Ich muss gestehen, dass ich den Begriff "Cis-Männer" erst einmal nachschlagen musste und nach gefundener Definition immer tiefer in eine hitzige Diskussion eintauchte, in der sich auch ein gefährlicher Trend innerhalb der Queer-feministischen Szene offenbarte. Dazu macht euch aber mal schön selber Gedanken, indem ihr euch durch's World Wide Web grabt. 
Für die Band selbst bedeutet der Name zuallererst einmal Konfrontation mit Mackertum und die damit einhergehende Diskriminierung der vermeintlich Schwächeren. Und so stürmt die Band, die im Wesentlichen nur aus einem festen Kern mit ständig wechselnden Mitglieder_innen besteht, durch aufgewühlten Deutsch-Post-Punk, mit typischen Samples und an Sarkasmus grenzenden Texten. 
Das selbstbetitelte, sechs Songs umfassende Demo-Debüt wurde übrigens von Lau Velthaus von Pogendroblem aufgenommen. Der Apfel....

DL "Reiche_Weiße_Cis_Männer"


Ponys Auf Pump - Ponys Auf Pump

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Gar nicht mehr so junge Band aus der Verboten in Deutschland-Familie für Fans von Hans-A-Plast und Bärchen und die Milchbubis. Auf dem Debüt-Album (mit einer Gesamtlänge von nicht mal 14 Minuten verteilt auf neun Songs vielleicht auch eher 'ne EP?) startet das Berliner Quintett mit seinem frivolen Synthie-NDW-Punk mit mehrstimmigen Punkgörengesang eine ungenierte 80er-Party.
Leider hatte Sängerin Nina im Kampf gegen länger anhaltenden stimmlichen Problemen das Nachsehen, sodass die Band kürzlich beschloss, vorerst zu viert weiter zu machen.

DL "Ponys Auf Pump"

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Jahres-Sampler