Sonntag, Oktober 20

Affenmesserkampf machen's mit Robinson Krause auf Narshardaa


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Als sich die Kieler Hardcore-Punk-Band Tackleberry anfang diesen Jahres mit einigen ausgewählten Abschiedsshows in den Ruhestand verabschiedete, lagen Trauer und Freude dicht beieinander. Die eingefleischte Fangemeinde schielte zu diesem Zeitpunkt nämlich zumindest mit einem Auge rüber zu Affenmesserkampf, wo ihr charismatischer Lieblingssänger Hannes gemeinsam mit einigen anderen bekannten Gesichtern der Punkszene gerade ein neues Album verkündete. Damit war nach fast vierjähriger Release-Abstinenz nicht unbedingt mehr zu rechnen, um so schöner also die Überraschung. Ihr zweites Album betitelten sie schlicht mit "Doch", dessen imaginäres Ausrufezeichen sich allerdings mit eindeutiger Attitüde in jeden einzelnen der zwölf Songs presst. Wenn nötig sogar mit Gewalt. Oder mit Ironie. Dass ruft dann Kollegen wie Antitainment oder Lafftrak auf den Referenzplan, nur ohne Nintendo. Andere widerum hören melodischere Tackleberry oder flüssigere Turbostaat. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Oder ganz weit weg. Oder im Ohre des Hörers. Vielleicht könnten wir die Wahrheit aber auch gar nicht vertragen?! Na nun aber... Die Fakten jedenfalls liegen wie ein Schlagring fest in der Hand: Deutschpunk mit Hardcore-Kante.Viele tolle und dynamische Melodien, die der Catchyness und dem Pop den kalten Rücken zu drehen. Wenn sich etwas zum Vorgängeralbum "Seine Freunde kann man sich nicht aussuchen" geändert hat, dann höchstens, dass Hannes seinen Sprechgesang nicht mehr ganz so hysterisch freien Lauf lässt.

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Passend zu ihrer vergangenen Herb- sttour mit dem Hamburger Punk - Trio Robinson Krause erschien im September eine gemeinsame Split- 7", der beide Bands jeweils zwei neue Songs bei- steuerten.


Im Gegensatz zu oben genannten Affenmesserkampf, runden Robinson Krause ihren Punkrock auch mit dem meist mehrsprachigen Gesang ab und setzern dabei auf fast schon pop-punkige Chöre. Ihr 2009 erschienenes Debüt-Album "Epifanias" gibt's auf Bandcamp gegen einen frei wählbaren Obolus, Album Nr. 2 und 3 (als unplugged Nebenprojekt + zwei Freunde unter dem Namen Robinson Krause and The Gays of Thunder, LP kommt mit Hörbuch-CD) als Stream bzw. Download/LP/CD. Neben Deutschpunk liefert ihr Debüt eine Menge Fun, einige Ausflüge in den Ska und Hamburg hört man hier und da auch ein bisschen heraus.

Die beiden Spenden-Downloads der Affenmesserkampf-Releases werden übrigens vom Kieler DIY-Punk-Label und -Mailorder Narshardaa Records gesponsert, auf dessen Bandcamp-Seite noch einige Downloads mehr auf euch warten. 

DL Affenmesserkampf - Doch LP
DL Affenmesserkampf Split 7" /w Robinson Krause

DL Robinson Krause - Epifanias

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Samstag, Oktober 19

Hacklerberry Pi & Die Faulen Kompromisse - Ein Lieferwagen voller Mausefallen


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Ob nun solo als Pi Papo, als Stuntman Pi seinen österreichischen Hip-Hop-Kollegen Huhnmensch (Free-DL's HIER) aushelfend oder als Frontmann der Hip-Hop-Gangs Panta Rhei und 19hundertSchnee - der Wiener Singer/Songwriter und Gitarrist Pi ist schon weit rumgekommen. Als Hacklerberry Pi hat er nun eine Schar befreundeter Kollegen aus dem Lied-Gut-Umfeld, einem Musikerkollektiv, dass regelmäßig gemeinsame Sessions und Konzerte veranstaltet, um sich versammelt, die sich da schlicht Die Faulen Kompromisse nennen. Mit dabei sind u. A. Produzent G-U-R-U, eine Hälfte Huhnmensch sowie Mitglieder der Band Monomania. Alles nur langweilige Statistiken, die aber schon mal vorweg deutlich machen, dass auf dem Debüt-Album "Ein Lieferwagen voller Mausefallen" eine Menge Aufwand betrieben wurde. Nicht etwa um einen künstlich wirkenden Bombast in die Höhe zu schießen, sondern die Vielfältigkeit dieses Kollektives bis an seine Grenzen auszureizen und zumindest vorerst die alten Blumentopf-Hip-Hop-Tage hinter sich zu lassen. Ein dementsprechend abwechslungsreiches Potpourrie ist "Ein Lieferwagen voller Mausefallen" nun also geworden, das dennoch eine durchweg freundliche und unbeschwerte Stimmung transportiert, die sich einige Jahrzehnte vor der heutigen Pop-Musik wohlfühlt. Dass der Opener "Die Jungs aus meiner Gang" auf einen Traveling-Willsbury-Song basiert und das herrlich orgelnde "Paperthin Hotel" seine Inspiration bei Leonard Cohen sucht, sind dabei nur Eckpfeiler. Die Vorab-Single "Alter brauner Schuh", die es schon in die Sendezeiten von FM4 und GOTV geschafft hat, könnte auch klammheimlich aus der Kiste der unveröffentlichten Gute-Laune-Hits der Beatles gegriffen sein. In diesem Sinne könnte man eine ganze und längst vergangene Generation von Musikern nennen, die einem fortlaufend immer wieder vor dem geistigen Auge erscheinen. Seien es nun die rock'n'rolligen "Gib acht, Gmunden" oder das arrogantere "Downtown"; das leicht beschwipste "Trübe Tage, Müde Augen", das munter die Finger über's Klavier springen lässt; und die country'esquen Ausflüge, für die sich Pi mit seiner Mundharmonika (in der bayerischen/österreichischen Volkssprache "Fotzhobel" genannt) selbst Zeit nimmt. Dass alle zehn Songs analog aufgenommen wurden, rundet den Vintage-Gedanken des Albums ab. Schade nur, dass "Ein Lieferwagen voller Mausefallen" bislang nur digital erschienen ist, denn derartige Musik sollte eigentlich auf einen Plattenteller rotieren.    

 
STREAM & BUY "Ein Lieferwagen voller Mausefallen"

Freitag, Oktober 18

Rosetta - The Anaesthete LP


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Das Post-Metal-Quartett Rosetta aus Philadelphia treibt nun schon seit 2003 sein Unwesen, kann mittlerweile auf hunderte absolvierte Shows zurückblicken und veröffentlichte im August 2013 ihr viertes Studioalbum "The Anaesthete". Um in der Masse und zu Gunsten der altbekannten Gesichter wie Isis, Neurosis & Co. nicht vollkommen unterzugehen, ließen sich Rosetta bereits für ihr Debüt-Album "The Galilean Satellites" etwas besonderes einfallen. Das Album setzt sich aus zwei CD's zusammen, eine mit dem von der Band gewohnt zelebrierten Post Metal und eine mit ambienten Soundscapes. Beide CD's verfügen über die gleiche Anzahl von Songs, die jeweils und in chronologischer Reihenfolge auch die exakte Länge ihres Gegenübers besitzen. Spielt man beide CD's nun synchron ab, vereinen sich die zwei jeweils angespielten Tracks zu einem Post-Metal-Ambient-Mix. Toll, oder?! Für den ambienten Teil zeichnete sich Rosetta-Sänger/-Shouter Mike Armine verantwortlich, der sich nebenher mit seinem Soloprojekt und Rise of Because im elektrnoischen Bereich austobt und dessen Vielseitigkeit auch die experimentellen Post-Metal-Sludge-Rocker Zodiak oder zuletzt auch die mehr als seltsame Post-Metal-Jazz-Whatever-Band Potmos Hetoimos, zu schätzen wussten. Auch "The Anaesthete" weiß wieder zu überraschen. In erster Linie allein desshalb, weil die Band das Album gegen eine frei wählbare Spende anbietet, aus deren Erlös das nordamerikanische Vinylrelease finanziert werden soll, die Rosetta unabhängig und in Eigenregie veröffentlichen wollen. Eine limitierte europäische Double-LP- sowie Digifile-CD-Version erschien bereits über das französische Label Debemur Morti Productions. Zum zweiten überzeugt "The Anaesthete" natürlich rein musikalisch, denn Rosetta huldigen auch auf diesem Album nicht einfach bloß stur dem Post Metal. Neben Elementen des Sludge besticht das Album vor allem durch einen nicht unerheblichen Anteil an Shoegaze, der sich entweder dreits über die Wall-of-Sound ablegt oder wie im Song "Hodoku/Compassion" in seiner reinsten Form äußert, was sicherlich auch an dem schwelgerischen Gesang von  City-of-Ships-Sänger Eric Jennigan liegt, der hier einen Gastauftritt hat und der Band spätestens seit der geminsamen Split (höre HIER) kein Unbekannter mehr ist. Mit Songs wie den zehn-minütigen Opener "Ryu/Tradition", der mit seinem Wechsel von Brachialität und Epik wie eine Mischung aus Isis und den Red Sparowes klingt, kommen natürlich auch weniger verständnisvolle Genrefans auf ihre Kosten.

DL The Anaesthete

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Mittwoch, Oktober 16

Die Bandcamp-Punks Vol.14


Cowboy Poetry & Tigeryouth & life.story

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Hinter Cowboy Poetry verbirgt sich der Singer/Songwriter und Gitarrist Philipp Dunkel aus Trier, der dieses Solo-Projekt 2009 ins Leben rief. So richtig ausgetobt mit diesem hat er sich allerdings nur in den ersten 2 1/2 Jahren, wo er auch mit den Stuttgarter Hardcore-Punks Turn Away auf Euro-Tour unterwegs war. In diesem Zeitraum entstand auch der Großteil seiner Songs, die er passend vor seiner zweiten Euro-Tour 2013 als Spendendownload ins Netz stellte. Und da sich die diesjährige Tour überraschend als Abschiedstour erwies, können die 14 auf Bandcamp erschienenen (Demo-)Songs auch gleichzeitig als sein Vermächtnis für die Nachwelt angesehen werden. 14 akustische Punknummern, in denen sich manchmal auch eine Orgel zur Klampfe hinzu gesellt, die allesamt als Spiegelbild von Dunkel's emotionalen Gemüts herhalten. Mit forschem Gesang und einigen aufmüpfigen Akustik-Anschlägen allerdings alles andere als Emo-Kitsch. Dunkel war es auch, der sich größtenteils für's Songwriting der Saarländer Punk-Combo life.story verantwortlich zeichnete. Das Quintett gründete sich 2012, spielte in derselben Formation aber bereits seit drei Jahren unter dem Namen Finding Faith. So war es lediglich der Stil, der sich unter neuem Namen ein Stück weit vom Hardcore-Punk entfernte und sich dem Pop-Punk annäherte. Im Juni 2013 verkündete die Band dann ihre Auflösung, welche sie mit ihrem Abschiedskonzert am 14. September vollzog. Immerhin spielten sie vorher noch ein Demo ein, dass als Tape über den Bigcartel-Shop oder als Spendendownload erhältlich ist. Trotz der vielen Auflösungserscheinungen seiner Bands, muss man sich dennoch keine Sorgen um Philipp Dunkel machen. Mit Perfect Youth hat er bereits ein neues Solo-Projekt am Start. Um dieses seinen alten Fans nun vorzustellen, geht's im November gemeinsam mit dem Akustik-Punk-Singer/Songwriter Tilman Benning aka Tigeryouth auf Tour, der nach seinem Live-Album im letztem Jahr (höre & lade HIER), vor einigen Monaten erneut die Lala Studios besuchte, um seine neue EP "Im Sitzen" aufzunehmen und somit seinen Fans ebenfalls etwas Neues vorzuweisen hat. Bislang sind noch einige Termine ihrer "YouthYouthTour" offen. Wer also ein besetztes Haus, eine geräumige Wohnung, Klub usw. kennt, in denen die beiden ihr musikalisches Unwesen treiben können, kann ihnen gern unter die Arme greifen -> Infos HIER.

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Turn Away:

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Apropos Turn Away. Das Quintett aus Ludwigsburg gelangte nicht ganz grundlos in den obigen Post, denn 2009 war auch für die Hardcore-Punk-Urgesteine kein gewöhnliches Jahr. Es war das Jahr nach Erscheinen von "Ways to Say it, Ways to Get it", dem letzten Album mit Sänger und Gründungsmitglied Tobi, der die Band nach acht gemeinsamen Jahren verließ. Hinter'm Mikrofon konnte mit Daniel ein ebenso engagierter wie aggressiv treibender Frontmann vorgestellt werden, mit dem Turn Away in den folgenden drei Jahren eine EP ("To the Open Sea", Stream HIER) und ihr bislang letztes Album "Time and Tide...Wait for No Man" (Stream HIER) veröffentlichten. Vielleicht auch um der eingefleischten Fangemeinde diesen Personalwechsel etwas versöhnlicher zu gestalten, überließ es die Band dem Hörer, wieviel dieser für den Download von "Ways to Say it, Ways to Get it" zahlen möchte. Und egal wieviel dieser nun letztendlich zahlt, lohnen tut es sich so oder so. Ein Album das vor Energie nur so strotzt und eine Hymne nach der anderen ausspuckt, das zum Moshen und Mitgrölen oder einfach bloß zum Mittelfinger ausstrecken animiert und vor allem die melodieverliebte Fraktion ordentlich verwöhnt. 



Zustände:

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Ganz klar: Zustände aus Mannheim kommen, um sich zu beschweren. Worüber? Den inhaltlichen Kontext ihres Debüt-Demos bündelt der letzte Song "Bleib ein Penner" vielleicht am besten. Dabei bringen "Aufziehen" und "Trostpreis" die artikulierte Pennerattitüde vielleicht noch am ehesten rüber, die rotzig und ohne Kompromisse schnell über die Bühne gebracht werden. Frühere TempEau. kommen einen da in den Sinn. "Prost!" hingegen könnte auch von den Hives stammen, die anstelle der Kopfschmerztablette versehentlich die blaue Pille mit dem Smiley eingeworfen haben. Und genau mit dieser Garage-Breitseite verabschieden sich Zustände dann wieder von ihrem Pennerpathos, indem sie ihren berstenden Krachblizzards auch immer wieder etwas Melodie einhauchen. Die kann sich zwar selten für längere Zeit über Wasser halten, aber sie ist da. Nach sieben Songs und zehn Minuten ist ihr Demo Tape auch schon wieder vorbei. Dafür finden sich die Songs auf der B-Seite des Tapes noch einmal wieder. Im August und September war die Band mit den Wiesbadener Punks von The Void unterwegs. Am 2. November sind sie dann auf dem Mannheimer Pennerfest zu erleben. Wo sonst?!

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Liberty Madness:

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Man mag es kaum glauben, aber auch Liberty Madness kommen aus Mannheim. Dass ist weniger negativ auf die Stadt bezogen, als dass es vielmehr zum Ausdruck bringen soll, dass man derartig routinierten Punkrock eher auf der anderen Seite des großen Teiches verorten würde. Von daher drängen sich Referenzen zu Größen wie Strike Anywhere und NOFX regelrecht auf, in deren Spannungsfeld zwischen Melodycore und Pop-Punk sich das Quartett mit viel Spaß austobt. 13 treibende Hymnen zählt ihr S/T-Debüt-Album aus dem Jahr 2011, dass die Band zur noch größeren Freude kostenlos anbietet. Liebhaber versuchen noch eine der auf hundert Stück limitierten LP zu ergattern, müssen nach erfolgreicher Jagd aber aufpassen, dass sich die Nadel bei diesem Tempo nicht all zu tief ins orangefarbende Vinyl fräst. Nach einer EP und einer Split mit den Tübinger Hardcore-Punks Derby Dolls, ist es das dritte Release der Band. Mitglieder von Liberty Madness spielen u. A. auch bei Modern Pets und The Rätz. Mit letzterer ist eine gemeinsame Split-12" geplant, von der es die ersten Roughmixes bereits zu hören und kostenlos zu saugen gibt -> HIER.


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I Kissed Captain Hook:

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I Kissed Captain Hook sind fünf junge Männer aus dem Alpenländle, die mittlerweile auch schon über vier Jahre auf dem Buckel haben. Die Band aus Garmisch-Partenkirchen konzentrierte sich bislang hauptsächlich auf ihre Shows, rockte bereits zweimal das, sich für wohltätige Zwecke einsetzende, Kulturknall-Festival, auf dem sie sich in diesem Jahr unplugged bis zu den Backstreet Boys durchcoverten. Eine Band, die sich selbst eben nicht ernster nehmen muss, als erforderlich. Erforderlich ist es erst dann, wenn es um die eigenen Songs geht. Die präsentieren I Kissed Captain Hook auf ihrer S/T-EP in einem ordentlich ausproduzierten Melodic-Hardcore-Gewand, bzw. um beim Thema zu bleiben, mit Hook-lastigem Hardcore-Punk und einsetzenden Riff-Gewittern. Mit ihren vier Songs versuchen sie es recht schnell, sich aus dem Untergrund Richtung breitere Masse zu bohren, was keineswegs negativ gemeint sein soll. Wer kann, soll das auch ruhig zeigen. Und I Kissed Captain Hook können.


Power:

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Was kann man schon großartig von einer Band erwarten, die sich selbst Power nennt?! Im Falle des Kieler Quintetts eben genau das. Hemmungslos abgehender Hardcore-Punk, der sich seine Vorbilder aus den 80ern und Früh-90ern zusammensucht, mit seiner Affinität zur unvollkommenen Melodie aber auch etwas mit den frühen Beatsteaks liebäugelt (z. B. der Song "Humanoid Liars"). Und überhaupt klingt alles was die Band bisher so über ihre Instrumenten geschreddert hat, als käme es als mahnender Weckruf direkt aus der Vergangenheit, um den Leuten noch einmal vor Augen zu führen, was Punk einmal ausmachte. Und das, ohne Retro zu wirken. Ende letzten Jahres erschien ihre 12" "Overthrown by Vermin", die auf grünem und schwarzem Vinyl über Horror Business Records erschien, dem Ruhrpotter Hardcore-Punk-Label um Krombacherkellerkinder-Sänger und Not Enough-Gitarrist David Zolda. Eine bessere Adresse hätten sie wohl nicht finden können.
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A State of Grace:

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Fünf Jahre lang spielten sie zusammen als Blind Weasel, bis nach einigen Line-Up-Wechseln und einer Neuordnung der Bandphilosophie schließlich auch ein neuer Bandname her musste. 2009 wagte das Quartett nun also den Neuanfang und ist seither als A State of Grace unterwegs. Und als Nachweis dafür, dass die vier Hanauer nicht nur dem lotterhaften Punk-Dasein fröhnen, stehen bislang schon über 50 Konzerte und ihre 2011 erschienene Debüt-EP "And the Savant Starts to Think..." auf der Habenseite der Band. Diese wurde komplett und nicht überhörbar im Proberaum eingespielt und später von Offpist- und Rotvelt-Bassist Kristoffer Follestad in dessen Cantus Studio abgemischt und gemastert. Heraus gekommen sind fünf Hardcore-Punk-Songs, die nostalgische 80er-UK-Punk-Luft atmen, wobei das leicht verschrobene und kratzige "1-50" gar an kultige Dead Kennedys erinnert. Mit dem letzten Akustik-Song "Big Dipper & The Snow" schweifen A State of Grace dann nochmal mit einer Mundharmonika im Rücken in Richtung Country-Punk ab. Ein Song, der allerdings auch offenbart, dass sich Sänger Sepp, ehemals Schlagzeuger der Alternative-Punks Johnny Hates Rock, deutlich wohler fühlt, wenn ihm seine Kollegen ein höheres Tempo vorgeben. Derzeit arbeiten die vier an ihrem ersten Album, wovon die ersten drei Songs bereits im Kasten sein sollen.



No More Art:

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Zum Abschluss gibt's nochmal eine Art Supergroup, die ich vor allem der noch immer trauernden Masshysteri-Gemeinde ans Herz legen möchte. Dass sich hinter dem 2011 gegründetem Quartett No More Art aus Hamburg keine Anfänger verbergen, merkte man schon dem anfang 2012 erschienenem Demo an, das bereits mit vor Selbstbewusstsein strotzenden Ohrwürmern keine Berührungsängste kannte. Ein Blick hinter die Fassade offenbart dann Namen wie Jessica "Milo" Milone, Multiinstrumentalistin, Songschreiberin und Sängerin, die bereits mit ihrer Punk-Band Rhonda viel Bühnenerfahrung sammeln konnte. Ihre leicht unsichere und zerbrechliche Art als Rosie Tie streift sie als No-More-Art-Sängerin von sich ab und schlüpft stattdessen in die Rolle einer energetischen Rock-Röhre mit ordentlich Punkattitüde. Angefeuert wird sie von Drummer Juan Miguel Pardo (u. A. bei Los Dolares und Etacarinae), No Options Records- und New Dark Age Records-Gründer sowie ehemaliges Mitglied der amerikanischen Anarcho-Crust-Punks Born/Dead (Free-DL's HIER) und der Portländer Punk-Truppe Red Dons (Free-DL's HIER) Will Kenser und Bassist Jonas Ball. Dass ist sicherlich eine ganze Menge Information, kann angesichts der vielen und vor allem langjährigen Einflüsse aber durchaus mal erwähnt werden. Zusammen spielen die vier nun also klassichen und melodiösen Punk im Stile der Adolescents, mit etwas Pop-Punk-Einschlag und somit einen Riesen-Spaß macht. Einzig allein die Tatsache, dass man sich ihre Songs von diversen Split's und 7inches zusammensuchen muss, ist etwas nervig. Aber eine erste LP, die voraussichtlich den Titel "Sorrows of Youth" tragen wird, ist bereits in Arbeit. 


Buy Here, Here, Here & Here


Außerdem

Zentralheizung of Death:

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Ich habe Zentralzeizung of Death, deren Name man auch beliebig mit des Todes verlängern oder auf ZHOD komprimieren kann, erst vor kurzem auf dem Berliner Torstraßen Festival kennengelernt, dem weniger der Charakter eines Straßenfestes als vielmehr einer ausgedehnten Kneipentour inne wohnt. In jedem Fall ist es aber eine Veranstaltung, die Fans von mainstreamartigen Hörgewohnheiten einen großen Bogen um den kultigen Szenebezirk schlagen lässt. In diesem Sinne verteilte sich das Publikum im St. Oberholz an jenem Samstagnachmittag entweder auf neugierige Kulturtouristen, die von der Musik hinter diesem merkwürdigen Namen nun etwas vollkommen anderes erwartet hätten, oder auf Leute, die den infernalen Krach des Thüringer Quintetts bereits kennen und lieben gelernt haben. Beide Parteien konnten jedenfalls eine ausgelassene Show begutachten, bei der die Band in schrägen Outfits und in gewohnt zügelloser Manier auftrat. 2010 erschien ihre Debüt-10" "The Death of Death - Scusi Capitano Kirk" in Eigenregie, welches sieben Songs zählt und nach knapp zwanzig Minuten Spielzeit eine tiefe Furche in den Gehörgängen hinterlässt. Schwer zu sagen, ob es nun Garage-Punk oder Noiserock ist, was den Hauptteil von ZHOD's Musik für sich beansprucht. Auf jeden Fall spielen schneidende Surfgitarren ebenso eine Rolle, wie ein an Tobsucht leidendes Schlagzeug. Mal rein instrumental gehaltene Songs, dann wieder die volle Dröhnung abgedrehten Gesangs oder Gekreische. In diesem Jahr erschien ihre "Busy Ghost"-7", diesmal auf einem Label und in ungewohnt zugänglicher Weise, da sich die drei neuen Songs fast schon am eingängigen Garage Rock orientieren. Die 10" und die 7" sind noch vorrätig, kommen beide aber leider ohne DL-Code. Das "Kneel Before"-Tape ist bereits vergriffen.      

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or mail to: zentralheizungdestodes@gmail.com

Kazimir:

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Wird eine Band ruhiger, gemäßigter, ihre Texte intellektueller, oder nähert sie sich gar den gewohnten Strukturen, ist oftmals zu lesen, sie sei erwachsener geworden. Ein gutes Beispiel dafür dürften wohl Tocotronic darstellen, die sich mittlerweile vollkommen von ihren ungestümen Anfangsjahren verabschiedet und sich der Ernsthaftigkeit zugewandt haben. Wie aber kann man eine Band beurteilen, die bereits seit ihrem ersten Release den mahnenden Zeigefinger in ihren gesellschaftskritischen und emotionalen Texten erhoben hält und dennoch keinen Gedanken daran verschwendet, ihre Dynamik und Energie zu drosseln? Muss man das denn überhaupt beurteilen? Vielleicht auch deshalb betitelten Kazimir ihr zweites Album "Messlattenblues", dessen Song "Rückennummer 0815" diese Thematik am deutlichsten zur Ansprache bringt. Nein, Kazimir wollen diesen Vergelich nicht. Nicht einmal mit den "Altlasten der sogenannten Hamburger Schule" wollen sie in Berührung kommen, was als 3/4-tel Hamburger Band und angesichts dessen, dass man neben Turbostaat-Ausbrüchen tatsächlich auch etwas jugendliche Tocotronic in ihrer Musik wahrnehmen kann, äußerst schwierig sein dürfte. Ihr Debüt-Album "Keine Zeit für Starallüren" verstand es schon ziemlich gut, Emo- bzw. Indie-Punk mit etwas Aggressivität zu vereinen. Auf ihrer selbstveröffentlichten EP "Brokenlande" (Free-DL, bereits HIER besprochen) fand sich plötzlich diese Ballade "Junge küsst Mädchen..." wieder. Allerdings nicht ohne Grund sind es die Songs "Schienenspiel", "Brokenlande" und "Joggen vs. Amoklaufen" von eben genannter EP geworden, die auch auf "Messlattenblues" ihren Platz fanden, da diese dann doch besser ins dynamische Albumkonzept einfließen und sich mühelos mangt den neuen Punk-Hymnen wie beispielsweise "Sternenschießen", "John Hume" oder "Too Big to Fail" einreihen können. Ein tolles Album, dass Eindringlichkeit und Melodie perfekt unter einem Hut vermengt. Glücklicherweise hat dass auch das Hamburger Label My Favourite Chords erkannt, dass "Messlattenblues" auf schwarzem Vinyl (im Gatefold mit Sticker und DL-Code) und als Digipak-CD veröffentlicht.


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Kurzmeldung: Die Darmstädter Punkband Rollergirls will noch in diesem Jahr ihre erste LP veröffentlichen. Die Release-Tour steigt im November (u. A. mit den Wiener Post-Punks Lorraine), danach soll das Album über das Darmstädter Label Fear of Heights erhältlich sein, wo auch schon Rollergirls Gesangs-Debüt-EP "Bombs" (Free-DL HIER) erschien. Es wird das vierte Release des Labels.

Montag, Oktober 14

Taunuszweitausend - Obergeile Selbstzweifel EP


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Es wäre wohl zu viel verlangt, eine Musikgruppe einfach mal anhand ihrer Tags beschreiben zu können. Dann müsste man als Rezensent nicht immer so viel Herumeiern oder sich bis in die undefiniertesten Subgenres hinabgraben. So ganz einfach macht es einem das Hanauer Trio jedenfalls nicht, und dass fängt schon mal mit der bandeigenen Definition ihrer Musik an - "Elektro Laser Dada Pop". Aber auch das trifft den Kern eben nur an seiner fauligsten Stelle, denn wohin und wie weit Taunuszweitausend mit ihrer Debüt-EP "Obergeile Selbstzweifel" kommen wollen, ist ihnen anscheinend selber noch nicht so recht klar. "Kaspar" lautet der erste Song dieser EP, der aus mäandernden Indierock eine mathematische Wissenschaft machen möchte und in schizophrenem Gedudel endet. Soweit, so gut kann ich damit noch leben. Mit den folgenden "Der Demokratische Konsum" und "Liebe" allerdings, weiß ich mich noch nicht so recht anzufreunden. Ersteres beginnt tatsächlich mit den selbstbetitelten Dada-Pop und erinnert mich leider nur an den albernen Comedy-Pop des Berliner Duos Keule (ja genau, die von dem Bundesvision Song Contest!), endet später aber immerhin etwas versöhnlicher. Naja und "Liebe" könnte nicht nur vom Titel her aus dem Reportoire der Söhne Mannheims gegriffen sein. Aber bevor man hier bereits völlig entnervt die STOP-Taste drücken möchte, lohnt es sich tatsächlich noch einen Song weiter zu hören, denn "Desig", der beste Song der EP, knüpft etwas unvorbereitet am ersten Song an und greift dessen verschleierten Post-Rock-Gedanken auf, um den Song in einem tollen Finale explodieren zu lassen. Hier offenbart sich dann auch Taunuszweitausend's sympathischte Seite, nämlich wenn sie etwas nach Hamburger Schule klingen. Dass "Fakten über Fett" ein reiner Indiepop-Song ist und das auch ruhig zeigen darf, ist ebenfalls nicht weiter schlimm. 
Eine Band, die weitaus mehr als zwei Gesichter hat, von der allerdings nicht alle hübsch anzuschauen sind. Den Wortwitz und die Kreativität für spannenden Indierock - oder meinetwegen auch -pop - haben sie bereits für sich gepachtet. Warum also noch Dadaismus?! Für Albernheiten und Peinlichkeiten seid ihr schlichtweg verschwendetes Talent.

Vor kurzem erschien ihre zweite EP "Gestalt von Zeit", die drei neue Songs zählt, die allerdings noch nicht im Stream verfügbar sind. Vielleicht gibt's ja da wieder spannenden Indie. Wer eine von der Band selbstveröffentlichten CD haben möchte, schreibt eine Mail an taunuszweitausend@googlemail.com oder hinterlässt einen Kommentar bei Facebook.

DL Obergeile Selbstzweifel EP
DL Song Pirz

Sonntag, Oktober 13

Herlathing - Alva und die Nachtgespenster + Interview


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Mit ihren beiden EP's "Parasit" und "Inferno" kam die Dark-Metal-Band Herlathing aus Menden bei uns bereits im letzem Jahr kurz zur Ansprache. Ende August diesen Jahres erschien nun ihr Debüt-Album "Alva und die Nachtgespenster" mit etwas Verspätung, dafür - wie bislang all ihre Releases - als Free Download. Eine DIY-Band, die sich in den Dienst des Hörers stellt und die ihre Musik nicht als Job, sondern als Freizeitspaß ansieht. Arbeit machte ihr Album trotzdem, sogar mehr als den beiden lieb war. Und so war es schließlich nicht nur ein langer, sondern vor allem auch mühseliger Weg bis zu dessen Vollendung. Familie, Jobs und ein Umzug, der die beiden Herlathing-Mitglieder fortan 400 km voneinander trennte, führten immer wieder zur Verzögerung des Releases. Ein Umstand, der nicht spurlos am Albumkonzept vorbei gegangen ist. Dennoch erweist sich "Alva und die Nachtgespenster" als ein solides Genrewerk, dass vor allem eines zum Vorschein bringt: nämlich Verständnis für Songstruktur und -wirkung. "Lass mich gehen" und "Nur ein Tropfen Blut" beispielsweise sind Songs, die schaurig-schön und mit toller Melodie sofort ins Ohr wandern. "Parasit" besticht durch eine bedrohlich treibenden Gitarren-Hook, während "Von Fleisch und Blut und Knochensplittern" fast schon von sinfonischem Black Metal getragen wird.

Anlässlich ihres Albums bitten wir Cauldyr (Gesang & Texte) und Clavayn (Gitarre & Programming) zum Interview, in dem sie nicht nur über Höhen und Tiefen in den Entwicklungsphasen von "Alva und die Nachtgespenster"sprechen, sondern uns auch gleich mal den Dark Metal etwas näher bringen.

Hallo Cauldyr, hallo Clavayn. 

Was verbirgt sich hinter den beiden Pseudonymen?
Cauldyr: Cauldyr ist ein alter angelsächsischer Name, den ich vor vielen Jahren als mein Pseudonym auserkoren habe. Eine tiefere Bedeutung steckt nicht dahinter, aberich mochte diesen Namen sofort und fühlte mich irgendwie mit ihm verbunden.
Clavayn: Dieser Name ist eine leichte Abwandlung eines, mir sehr am Herzen liegendenCharakters des Sci-Fi Autoren Alastair Reynolds. Es ist eine rein sentimentale Bedeutung.


Wie lange kennt ihr euch schon und wann habt ihr gemerkt, dass es Zeit für eine gemeinsame Band wird?

Herlathing: Wir kennen uns seit der Schulzeit. Die Liebe zur Musik war damals bereitstief in uns verwurzelt und entwickelte sich im Laufe der Jahre weiter. Wir hörten beide bereits zu dieser Zeitbevorzugt Metal und Hardrock. Anfang der neunziger Jahre entdeckten wir die düstereSeite dieser Musik und tauchten tiefer in die Materie ein. Clavayn kaufte sich eine Gitarre und wirnahmen ein paar Songs auf, damals noch mit einem Kassettenrecorder und in entsprechend schlechterQualität. Als wir dann etwas später weitere Mitstreiter fanden, gründeten wir unsereerste Band namens Beltane.

Mit Beltane, quasi die Herlathing-Vorgänger-Band, habt ihr euch bereits Mitte der Neunziger dem Dark Metal verschrieben, als dieser gerade durch eine Vielzahl stilübergreifender Metal-Bands neu definiert wurde und sich somit als eigenständiger Stil innerhalb der Metal-Szene etablierte. Wer oder was nahm Einfluss auf euch, dass ihr euch damals ausgerechnet dieser noch jungen, unerforschten Sparte zugewandt habt?

Herlathing: Das geschah nicht wirklich bewusst. Anfangs bezeichneten wir unsere Musik noch als Gothic-Metal, stellten später aber fest, dass die, noch recht neue Bezeichnung Dark-Metal wesentlich treffender war, da wir uns vieler Stilrichtungen bedienten. Unsere damaligen Einflüsse/Lieblingsbands waren Rotting Christ, Samael, Lake of Tears, Cemetary, Tiamat, Moonspell und noch viele weitere.

Mit Beltane habt ihr euch vor allem durch Live-Auftritte eine regionale, treue Fangemeinde aufgebaut. Jetzt seid ihr nur noch zu zweit. Wie sieht die Promotion bei Herlathing aus? Kann man euch live erleben?

Herlathing: Live-Auftritte stehen momentan für uns nicht zur Debatte. Für die Promotion nutzen wir die vielfältigen Möglichkeiten, die uns das Internet bietet, verteilen Flyer und CDs und halten engen Kontakt zu unseren Fans. Wir schließen es aber nicht völlig aus, eines schönen Tages nochmal in irgendeiner Form die Bühne zu entern.

Mit seinen vielen, weit in die Tiefe gegliederten Stilen ist der Metal ein sehr komplexes Genre. Allein der Dark Metal greift auf Elemente des Black-/Gothic- und Death-Metals zurück. Die wiederum beziehen ihre Ursprünge und Orientierungspunkte aus anderen Sparten. Läuft man als Metal-Band die Gefahr, vielleicht auch mal das falsche Publikum anzuziehen?

Clavayn: Im Metal ist die Akzeptanz eigentlich recht groß. Wir selbst hören auch von Hardrock bis Black -Metal alles, was das Metal-Spektrum hergibt. Wir stellen ja keine Bedingung an unsere Hörer. Wer uns mag, soll uns hören, Wer nicht, der nicht.
Cauldyr: In musikalischer Hinsicht ist es für eine Dark-Metal-Band in der Tat nur schwer möglich, so etwas wie ein „Falsches Publikum“ anzuziehen. Menschen, die Dark-Metal mögen sind in der Regel recht kompromissbereit und wissen, worauf sie sich einlassen. Diese Tatsache sorgt auch dafür, dass man sich als Dark-Metal-Band nicht so stark abgrenzen muss. Wir sind offen für (fast) jeden, solange er unsere Musik mag. Dazu kommt in unserem Fall ja auch noch die Tatsache, dass man sich irgendwelche Spinner im Internet weitaus leichter vom Hals halten kann, als z.B. auf Konzerten.

Der Dark Metal zeichnet sich vor allem durch eine düstere Grundstimmung aus, wie man ja an eurer Musik und Bandpräsenz ziemlich gut erkennen kann. Wie sieht denn der restliche Tag nach dem Proberaum aus?
Cauldyr: Unser Alltag sieht ziemlich gewöhnlich aus, wir zelebrieren weder irgendwelche satanischen Rituale, noch beschäftigen wir uns damit, rund um die Uhr böse zu sein. Ich denke zudem, dass dies bei den meisten Metal-Bands der Fall ist. Es mag zwar, insbesondere im Black-Metal ein paar Bands geben, die ihr musikalisches Wirken zur Lebensphilosophie erklärt haben, aber so etwas ist eher die Ausnahme. Ich hege zwar auch ein gesteigertes Interesse für düstere Literatur und für Horrorfilme,aber diese Neigung bestimmt keineswegs meinen komplettes Leben.
Clavayn: Meine innere Einstellung ist schon ziemlich düster und spiegelt sich in unserer Musik wieder. Ich denke, das muss auch ein Stück weit so sein, da es sonst nicht authentisch wirkt. Du kannst als reine Frohnatur keinen Dark-Metal machen. Allerdings sind wir nach Außen durchaus Gesellschaftsfähig und schwiegermuttertauglich. Was den Proberaum angeht, den gibt es nicht. Ich nehme die Musik auf und Cauldyr den Gesang. Und das an unterschiedlichen Orten. Dem Internet sei Dank.

Und wie würden euch eure Nachbarn beschreiben?

Clavayn: Meine Nachbarn bestehen momentan zu 100% aus Studenten und die sind einiges gewohnt.
Cauldyr: Meine aktuelle Nachbarschaft lebt gekonnt aneinander vorbei und das finde ich auch gut so. Ich stamme allerdings aus einem kleinen Dorf und meine dortigen Nachbarn sehen mich schon seit vielen Jahren als freundlichen, umgänglichen Menschen, der halt lange Haare hat und meist schwarze Klamotten trägt.


An dieser Stelle erst mal einen herzlichen Glückwunsch zu eurem jüngst erschienenem Debüt-Album, das es in einer streng limitierten Stückzahl auch gleich mal auf CD geschafft hat. Zufrieden mit dem Endprodukt?

Herlathing: Danke. Wir waren wirklich überrascht, dass die CD-Version innerhalb kürzester Zeit komplett vergriffen war und wir möchten uns hiermit nochmal ganz herzlich bei unseren großartigen Fans für die Unterstützung bedanken. Wir sind allerdings mit dem Album nicht zu 100% zufrieden. Kurz vor dem Release musste Clavayn leider berufsbedingt umziehen und somit konnten wir das Album nicht gemeinsam fertigstellen. Das finale Stadium, welches natürlich sehr wichtig für ein Album ist, sollte ursprünglich als Team gemeistert werden. Wir haben beide wenig Ahnung von Mixing und Mastering, ergänzen uns bei solchen Dingen aber immer hervorragend und sind somit meist in der Lage, gemeinsam ein gutes, intuitives Ergebnis zu erzielen. Darauf konnten wir leider in diesem Fall nicht bauen und so haben sich viele kleine Fehler eingeschlichen. Wir wollten den Release aber nicht ein weiteres Mal verschieben und haben getan, was getan werden musste, um die CD endlich zu veröffentlichen. Angesichts der unzähligen Probleme sind wir wirklich stolz auf das Ergebnis.

Im Vergleich zu den überwiegend düsteren und bizarren Themen klingt "Alva und die Nachtgespenster" eher wie eine freundliche Gruselgeschichte für Kinder. Was hat es mit diesem Albumtitel auf sich?

Herlathing: Dieser Titel entstand während eines Brainstormings und gefiel uns damals auf Anhieb, weil er wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge passte. Der ursprüngliche Plan für "Alva Und Die Nachtgespenster" war äußerst komplex. Es sollte ein klassisches Konzeptalbum werden und eine epische Geschichte erzählen. Wir wollten tatsächlich so etwas wie ein Urban-Fantasy-Märchen in musikalischer Form erschaffen und dachten zeitweise sogar über ein Booklet in Comicform nach, welches die Hintergrundgeschichte erzählen sollte. Leider reichten unsere finanziellen Mittel nicht aus, um dies umzusetzen. Dennoch ist das Ergebnis natürlich im weitesten Sinne ein Konzeptalbum und verfügt über einen roten Faden, der sich durch alle Songs zieht. Dieser ist allerdings nicht leicht zu erkennen und wird für unsere Hörer vermutlich nur schwer zu interpretieren sein.

Der Song "Lass mich gehen" handelt von einer schockierenden Familientragödie, die ihr schonungslos durch die Verse tragt. Die Band Eisregen, einer eurer späteren Einflüsse, sang in ihrem Song "Zeit zu Spielen" über die Zerstückelung einer Frau. Sollte man Dark-Metal-Bands in der Nacht lieber nicht über dem Weg laufen?


Cauldyr: Meine Texte sind sicher teilweise etwas extrem, aber sie spiegeln nur das wieder, was in unserer Welt tagtäglich passiert. Diese Dinge sind leider sehr real und sollten nicht nur in psychiatrischen Sitzungen und/oder Horrorfilmen thematisiert werden. Zudem zeigen meine Texte nur jenen kleinen Teil meiner Persönlichkeit, den man als „Dunkle Seite“ bezeichnen könnte. Niemand ist immer nur gut drauf. Entscheidend ist, was man daraus macht. Ich schreibe Texte und versuche somit u.a. auf Missstände aufmerksam zu machen und meine negativen Emotionen in etwas positives zu verwandeln. Unser Album "Alva Und Die Nachtgespenster" verfügt über ein komplexes textliches Konzept, eine Geschichte mit vielen verschiedenen Figuren, in deren Rollen ich schlüpfe. Keine dieser Rollen entspricht mir wirklich, aber in jeder steckt natürlich ein kleines Stück meiner Persönlichkeit. Mir kann man übrigens recht gefahrlos in der Nacht begegnen - Ich tu nichts, ich will nur spielen ;) 
Clavayn: Ich sehe unsere Musik unter anderem auch als eine Art Therapie. Für mich, für unsere Fans. Man soll über das, was einen bedrückt reden. Dann kann man es verarbeiten und kommt mit dem Leben etwas besser zurecht. Diese „Political Correctness“, die einem verbietet, die Sachen beim Namen zu nennen sorgt nur dafür, alles in sich hineinzufressen. Und dann wundert man sich, dass orientierungslose Jugendliche Amok laufen. Also immer frei raus damit. Nachts sind wir Dark-Metaller übrigens meistens besonders zutraulich ;)

Bis zur Vollendung des Albums verstrichen mehrere Jahre. Warum dauerte es so lange und wie schwer ist es, über einen so langen Zeitraum an einem Konzept festzuhalten?

Clavayn: Unterschiedliche Wohnorte, Job, Kinder, Zeitmangel und Unwissenheit bezüglich der richtigen Herangehensweise an so ein Album mit nur zwei Mann.
Cauldyr: Sowas ist verdammt schwer, insbesondere, wenn man im Laufe der Zeit bemerkt,dass man nicht alles so umsetzen kann, wie man es sich gewünscht hätte. Wie bereits von Clavayn erwähnt, gab es viele Punkte, die uns Probleme bereiteten.  Uns blieben nur zwei Möglichkeiten. Aufgeben oder weitermachen ohne Rücksicht auf Verluste. Wir haben weitergemacht und das Konzept umgesetzt. Nicht perfekt und auch nicht ganz so, wie es geplant war, aber wir haben es geschafft, trotz all der Schwierigkeiten.

Der Song "Swansong" verfolgt euch seit eurer Vorband und hat es nun auch in seiner dritten Version auf's Album geschafft, wo er von einer lieblichen Frauenstimme vorgetragen wird. Wer versteckt sich hinter dieser Stimme?

Herlathing: Dieser Song verfolgt uns tatsächlich schon seit beinahe 2 Jahrzehnten. Damals hatten wir noch eine Sängerin, später (auf der Parasit-EP) übernahm ich dann ihren Part. Kurz bevor unser aktuelles Album fertig wurde, bekamen wir die Möglichkeit, mit der ausgebildeten Sängerin Maredith Placencia zusammenzuarbeiten. So entstand eine weitere Version,die nun auf dem Album zu hören ist.



Im letzten Drittel des Albums kommt es zum Bruch, indem ihr mit sämtlichen Stilen (Industrial, Goth-Rock,usw.) herum experimentiert. Vor allem das letzte Stück "Tanz in den Ruinen" sticht als Punkrock-Nummer hervor. Alles nur experimentelle Ausflüge oder das Preview zum neuen Herlathing-Sound?

Clavayn: Das ist wohl dem Umstand geschuldet, dass das Album über mehrere Jahre entstand und ich auch diversen Stimmungen unterlag. Das hat sich in den Kompositionen natürlich niedergeschlagen. Wir wollen allerdings dem Dark-Metal treu bleiben. Was nicht heißt,dass wir nicht weiterhin den ein oder anderen Ausflug in andere Genres wagen werden.

Cauldyr: "Tanz in den Ruinen" ist unser Kniefall vor dem Punkrock, den wir neben dem Metal bereits seit unzähligen Jahren lieben. Die Grundidee war, den recht negativ belegten Text durch die Musik in einen fröhlichen Mitgröhl-Song zu verwandeln. Beim Songwriting machen wir eigentlich immer das, was uns gerade in den Sinn kommt. Meist entsteht aus den ersten Ideen dann ganz automatisch wieder ein Dark-Metal-Song. 

Apropos. Wird es ein weiteres Album geben?

Cauldyr: Unser großes Ziel war es, ein Album zu veröffentlichen. Dieses Ziel haben wir nun endlich erreicht. Wir haben mit dem Release von "Alva Und Die Nachtgespenster" auch all den musikalischen Ballast der letzten Jahre abwerfen können. Was nun folgt, ist noch ungewiss, aber wir werden definitiv weitermachen. Erstmal gönnen wir uns nun eine kleine Pause und wenn die vorbei ist, werden wir anfangen neue Songs zu schreiben. Vermutlich wird es 2014 eine Single oder sogar eine EP geben. Eine komplette Überarbeitung des Alva-Albums ist eine weitere Option, allerdings eher auf lange Sicht.
Clavayn: Es ist nicht so, als hätte ich nicht bereits neues Material für neue Songs. Und sollten wir ein weiteres Album realisieren, wird es diesmal schneller vonstattengehen. Jetzt wissen wir ja, auf was wir achten müssen.

Wollt ihr noch etwas sagen?

Herlathing: Das wäre wohl die Stelle, an der wir sagen sollten "Saugt euch unser neues Album gratis unter: http://herlathingband.bandcamp.com, besucht unsere Facebook-Seite: https://www.facebook.com/Herlathing" und sagt am besten auch gleich euren Freunden bescheid...
Da wir eben dies ja nun bereits ganz unauffällig erledigt haben, möchten wir uns natürlich noch ganz herzlich bei dir für das Interview bedanken und es mit einem kleinen Zitat aus einem unserer Lieblingsfilme abschließen: „Bunt ist das Dasein und granatenstark, volle Kanne Hoschi!“

Vielen Dank für das Interview.

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