Samstag, November 22

Ruins of Krüger - s/t Tape



In ihren Reihen befinden sich Produzenten, Labelinhaber und Grafikdesigner, darüber hinaus fegten sie schon mit so komischen Gruppen wie Ze People og Korh, Kapitalspektakel/Systemgüter/+, Ilmatar & Kauko, Children of Love, Palais Ideal und Belgiaan Rrobots querbeet durch sämtliche Genres und hinterließen zumeist einen musikalischen Kauderwelsch. Kann sich all das nun auch auf ihre neue Band, die auf dem seltsamen Namen Ruins of Krüger hört, niederschlagen? Muss ja, ...
... denn die eingangs erwähnten Nebentätigkeiten der insgesamt fünf Bandmitglieder deuten in erster Linie daraufhin, dass hier eben nicht nur äußerst experimentierfreudige Musiker zu Werke gehen, sondern auch welche, die darum bemüht sind der/ihrer Musik einen künstlerischen Anspruch zu vermitteln. Bezogen auf die Musik der Berliner Band Ruins of Krüger bedeutet das ein Ausreizen des Erträglichen oder anders gesagt: Nervenfledderei. Das können die ersten drei Songs ihres selbstbetitelten Debüt-Tapes noch halbwegs unter dem Deckmantel einer senilen Post-Punk- oder No-Wave-Band verstecken. Spätestens jedoch bei dem vierten Song "Der Halbwaise", ein instrumentaler, knallbunter Psychotrip durch Surf-, Fuzz- und Mathrock, sollte das körpereigene Warnsystem anspringen. Wer hiermit bereits überfordert ist, kann sich die übrigen neun Songs getrost sparen. Kunst ist eben nicht immer ganz einfach und sicherlich auch Geschmacks- und Ansichtssache. Wer in Picasso ohnehin übermäßigen Weinkonsum hineininterpretiert, als avantgardistischen, abstrakten Kubismus oder bei Monet mehr Langeweile als Sehnsucht verspürt, für den ist "Ruins of Krüger" vielleicht einfach nur sinnloser Krach. Das Schöne an der Musik allerdings ist, dass mit den Texten und akustischen Reizen schon zwei Komponente vom Künstler vorgegeben werden, zu denen sich die Hörer_innen eigene Bilder im Kopf ausmalen können, beispielsweise eine wilde, verzerrte und bunte Achterbahnfahrt durch's LSD-Wunderland. Und wenn man die Ausdauer aufbringen kann, dann gilt es in den Songs von Ruins of Krüger eine Menge Details einzusammeln, wie im mathigen Weirdo-Rock vom fast neunminütigen "Monuments of Love", im psychedelisch ausufernden "Space" oder im fast schon progressiven "Futera". Klar, ein Song wie "Hakkebeil", der über fünf Minuten ein und die selbe Hook zu ein und dem selben Vers loopt, kostet schon einiges an Überwindung. Vielleicht interpretiere ich ja auch einfach bloß viel zu viel Unsinn hinein. Vielleicht sitzt ja gerade in diesem Moment am anderen Ende eine Band, die sich über einen sinnlos das Hirn zermaternden Rezensenten kaputt lacht. Vielleicht aber ist dieses streng limiterte Tape in zwanzig Jahren auch ein enorm begehrtes und rares Sammlerobjekt, so wie die Demotapes von Mr. Bungle es heute sind, die für ihren damaligen Jamaika-Metal anfangs auch noch belächelt wurden.



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