Sonntag, Oktober 4

Der Bandcamp-Hardcore Vol.31

te:rs



Anteater und Sailing On, zwei (ehemalige) Hardcore-Bands, deren Frontfrauen wohl kaum einen hörbaren Untertschied zur männlichen Konkurrenz ausmachten. Nun, nachdem letztere nicht mehr ist und die Mitglieder erst genannter mittlerweile im Black Metal und anderswo herumstreunen, kann etwas frischer - oder besser: düsterer - Sturm im hiesigen Bereich des female fronted Hardcore sicher nicht schaden. Et voilà, hier sind te:rs aus Göttingen, deren vier Mitglieder sich gerecht auf zwei Frauen (Vocals, Bass) und zwei Männer (Drums, Guitar) aufteilen. Nach einigen Konzerten mit mehr oder weniger bekannten Szenegruppen wie Finsterre, Varan oder Moro, folgt Ende September die Veröffentlichung ihrer ersten 12", die auf Vinyl über unten verlinkte Labels erscheinen und das Qualitätssiegel der Oldenburger Tonmeisterei tragen wird.
Das te:rs aber nicht nur die Genres-Klischees des Post-Hardcores bedienen, sondern vor allem mit eigenen Ideen überraschen wollen, zeigt bereits der Opener "scopes below the line". Unter dem wüsten Geschreie von Sängerin und Gitarristin Nora schiebt sich langsam eine melodische Gitarre hervor, die den Song trotz aller modern-apuristischen Tendenzen Richtung Punk steuert. Auch die übrigen fünf Songs öffnen sich immer wieder dem seichten Gitarrengeplänkel, das mit etwas mehr Ausdauer auch gut dem Post-Rock zu Gesicht gestanden hätte. te:rs sind aber weder eine Post-Rock-, noch eine reine Punkband, sondern lassen diese Einflüsse gezielt und nathlos in ihrem Hardcore-Kontext mit einfließen. Das die cleanen Gesangspassagen und das Schlagzeug stellenweise recht roh klingen, dürfte wohl ein bewusster Schritt der Band gewesen sein, denn das hätte die Tonmeisterei sicherlich auch besser hinbekommen. Sollte es aber nicht, was letztendlich auch für einen insgesamt organischen Sound beiträgt.

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DL S/T 12"

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Idylls

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Eine Band, wie ein sich ständig drehendes Kettenkarussell. Seit ihrer Gründung im Jahr 2009 hat die australische Band Idylls schon viele Mitglieder kommen und gehen sehen. Dementsprechend tummelte sich dort schon eine Menge musikalische B-Prominenz aus Gruppen wie Nuclear Summer, The Ailment, The Vanguard Tic, Okemah oder Ironhide, was sich zwangsläufig auch auf den stets wandelnden Sound der Band auswirken musste. So lässt sich ihr Stil - für den, der es unbedingt möchte - auch nur schwer in eine bestimmte Schublade stecken, denn die Einflüsse aus dem Math-, Technical Grind- und Metalcore, zerstreuen sich ebenso gleichermaßen auf die Songs, wie die Ausflüge in den Post-Punk und Noiserock. Eingefleischte Anhänger der San-Diego-Ecke um The Locust, Dmonstrations & Co. dürfen sich daher gerne angesprochen fühlen, zumal sich auf ihrem letzten Release "Prayer For Terrene" ein free-jazziges Saxophon verirrte, das dem Wahnsinn noch zusätzlich die Krone aufsetzte.

DL Farewell All Joy LP
DL Indian Circle EP
DL Split-Tape w/ Palisades
DL Amps for God/Plague Hell 7"

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SIC BOY

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Kassel? Da war doch mal was... .Genau! Die Ryker's, eine der erfolgreichsten deutschen Hardcore-Bands der 90er und somit ein mir äußerst gut gelungener Einstieg (#schulterklopf), um euch die 2013 gegründete Hardcore-Formation SIC BOY vorzustellen. Man muss eigentlich gar nicht lange um den heißen Brei herumreden, denn das hessesche Quintett praktiziert das old schoolige Hardcore-ABC, wie es in den 90ern nunmal noch gelehrt wurde. Als Hass noch mit ß geschrieben wurde und Kraftausdrücke wie FUCK noch ohne die Kürzung sämtlicher Vokale auskam. Direktheit, lautete das Motto, so wie "direkt in die Fresse" zum Beispiel oder tighte Hosen, die die Blicke unweigerlich und direkt auf den prall gefüllten Schritt lenkten. Soll heißen: mit kantigen Riffs, niederschmetternden Breakdowns, zügellosen Moshparts, Crewshouts und einer angepissten und rotzigen Stimme oder einer mal eben dazwischen geschobenen, mitfiebernden Hardcore-Punk-Melodie wie in "A Bitch Called V", wollen SIC BOY gar nicht erst den Versuch unternehmen, aus den altbewährten Strukturen auszubrechen. Und weil sich das Ganze, zumindest oberflächlich gehört, nur maginal vom verrufenen Hatecore unterscheidet, lässt die Band kaum eine Gelegenheit aus zu erwähnen, dass Rassisten und vergleichbarer Dreck herzlichst NICHT-willkommen sind.
All das liest und hört sich sicherlich etwas unprätentiös und ernüchternd an. Wer SIC BOY's Debüt-EP "HCMC" allerdings mit genau dieser Einstellung entgegnet, kann sich über ein durchaus gelungenes und solides Genrewerk freuen.

Ob noch Merch oder selbstgebastelte CDEP's vorrätig sind, könnt ihr am besten selbst hinterfragen: Mail an sicboyhc@web.de.

DL HCMC EP


Soul Structure

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Die Emo-Post-Hardcoreler Plaids, die Alternative-Indierocker The Blue Period, die Post-Hardcore-Emo-Punks Akallabêth und die Math-Post-Punks What Price, Wonderland? teilen sich vor allem eine Gemeinsamkeit: ihre Musik ist alles andere, als einfach-verträgliche Alltagskost und sicherlich auch nur den Wenigsten ein Begriff. Um so beachtlicher ist nun also der Mut einiger Beteiligter, mit ihrem neuen Projekt Soul Structure - und somit quasi eine Underground-Supergroup der Nottinghamer Szene - den Radius ihres Bekanntheitsgrades nicht zwangsläufig erweitern zu wollen. Im Endeffekt kann und muss vielleicht auch ihre Debüt-EP "The Body of Man" als exakt die Summe der einzelnen Teile beschrieben werden. Ein hektisches Schlagzeug, leicht echauffierter Gesang, nervöse und plänkelnde Gitarren, die sich den 90er-Midwest-Emo anschmiegen und etwas innere Post-Hardcore-Aufruhr durchblitzen lassen. Vielleicht ging es ja dabei auch gar nicht darum, etwas völlig neues ausprobieren zu wollen. Vielleicht haben sich hier einfach bloß vier befreundete Engländer gefunden, die wahnsinnig viel Spaß an Musik jenseits des Mainstreams haben.

DL The Body of Man Here & Here

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Trapped in Cold Season

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Selbsteinschätzung und Außenwirkung sind zwei grundverschiedene Sachen. Übrigens auch ein Grund, warum wir bei Gerda grundsätzlich keine Band verreißen wollen, ausgenommen ein paar Meinungsfetzen in den jeweiligen Beiträgen. Das (Wahl-)Ilmenauer Quintett Trapped in Cold Season, eine Studentenband, die so rein gar nicht nach Studentenrock klingt (#Meinungsfetzen), hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Hardcore etwas Neues abzugewinnen (lest mal den Beitrag vom Verstärker). Klar, diesen Vorsatz haben viele, wovon oftmals aber nicht mehr als Größenwahn oder Selbstüberschätzung übrig bleibt. Beides kann man TICS nun attestieren oder eben auch nicht. Auf ihrer zweiten EP "Forgive/Forget" zeichnen sich ihre Einflüsse aus dem Metal(core), Post-Hardcore, Modern Hardcore und Melodic Hardcore deutlich ab, mehr noch, als auf ihrem etwas zerfahrenenem (Was ist das denn für ein Wort, sieht irgendwie falsch aus?!) Debüt "Sunwards". Allesamt etablierte Genres, an denen es nunmal nichts mehr zu rütteln gibt. Wollen sie ja auch gar nicht, denn TICS konzentrieren sich vielmehr darauf, all das in einer höchst eigenwilligen Art in den Einklang zu bringen, für das sich tatsächlich nur schwer Vergleiche heranziehen lassen. Als Resultat springen einen sechs Songs ins Gesicht, die sich auf einem Fundament aus treibenden Riffs und aufheulenden Melodien stützen und selbst vor jazzigem Gitarrengeplänkel oder einer zarten Pianoforte kein Halt machen. In diesem Sinne ist "Forgive/Forget" ein moshendes wie unberechenbares Stück Experimental-Hardcore geworden, dass man weder dem gemeinen Metal-, noch Post-Hardcoreler nahelegen kann. Aber vor diesem Problem stand man ja auch schon bei Dillinger Escape Plan oder Mr. Bungle.

DL Forgive/Forget EP
DL Sunwards EP

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Turtle Rage

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Na klar! Wenn man sowieso schon fleißig mit High-Speed-Combos wie eQues, Violent Frustration und Nervous Nerds untergwegs war, macht es durchaus Sinn, auch mit der neuen Band das Gaspedal bis zum Anschlag durchzutreten. Und das in jeglicher Hinsicht. Seit ihrer Gründung im Jahr 2014, hat es die Berliner Fastcore/Grindcore/Powerviolence/Trash-Punk-Band Turtle Rage auf bislang drei Veröffentlichungen gebracht ("SK"-Demo digital, "CoC" und "CoP" jeweils auf Tape, zumindest Letzteres auch als CDr), die jeweils mit zehn Songs und einer Spielzeit von durchschnittlich 6½ Minuten auskommen. Angeführt vom Presslufthammerschlagzeug, schimmern unter der berstenden Oberfläche des genretypischen Geknüppels aber auch immer wieder eingängige Punkmeldodien hervor. Weniger kompromissbereit zeigt sich da schon das extrem kehlige Gekrächze von Frontmann Fabian, das irgendwie klingt, als hätte man dem armen Kerl seine Hoden an den Oberschänkel getackert. Auch das wäre Punk und der Band ohne Weiteres zuzutrauen.

DL Chambers of Peace
DL Collapse of Confidence
DL Sticking Knifes Demo

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Kings of Forlorn Lands

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Ein bisschen Hardcore für etwas mehr Liebe, lautet das Motto der dreiköpfigen Band Kings of Forlorn Lands aus Essen. Nur so am Ramde, denn angesichts ihres düster-doomenden und apokalyptisch-groovenden Sounds, könnte diese Message auch leicht untergehen. Natürlich ist das Trio, das sich in der Ruhrpottszene bereits mit Bands wie Menschenwahn, Impala und CenterMyself einen Namen erspielt hat, nicht von Naivität umnachtet. Ihr lyrischer Appell für mehr Menschlichkeit und Toleranz fungiert vielleicht sogar ganz bewusst als krasser Gegensatz zum mathig-vertrackten Postcore der Band: sollte sich an der Einstellung der Menschen nicht schleunigst was ändern, schreiten wir unserem sicheren Untergang entgegen. Das unentschlossen und morbide zwischen Post-Rock und -Hardcore pendelnde "Trümmer für Dich" bringt den derzeitigen gesellschaftlichen und politischen Zwiespalt ganz gut auf den Punkt und überlässt die Hörerschaft einem offenen Ende: Hoffnung, Chaos oder doch Untergang.

P.S.: Nicht nur mit ihrer Musik, sondern auch mit einer extra angefertigten Charity-Jubiläumsbox, beteiligten sich KoFL an die Flüchtlingshilfe.

DL Everyday Blues EP
DL EP (2013)


WELK

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Auf ihrer Bandcamp-Seite, begrüßen uns WELK gleichmal mit einem herzlichen !!!FUCK NSBM!!!. Kann ja nichts schaden, so kann man sich wenigstens ohne ein mulmiges Gefühl im Bauch voll und ganz auf die Musik konzentrieren. Kann man das erst einmal unbeschwert tun, wird man spätestens ab Mitte des Openers ihrer Debüt-EP "My Heart Has No Home" feststellen, dass Black Metal beim Leipziger Quintett nur eine Randnotiz ist. Denn das Grundgerüst, auf dem WELK ihren brachial-düsteren Sound aufbauen, ist feinstes Metalcore-Geballer, das wie in "In Grey" sicherlich auch die schwarzen Metal-Herzen zum Glühen bringt oder in "Along and Beyond" dem Crust-Punk zuzwinkert.
Etwas unkonventioneller klingt da schon das letztjährig veröffentlichte "Urne", ein quasi Akustik-Folk-Screamo-Song, mit dem WELK scheinbar den kreativen Tatendrang einläuten, der ihnen mit ihrer Vorband Hunting Area Brain County zuletzt fehlte.

DL My Heart Has No Home EP

Buy CDr via PM on Facebook or Mail to: Hannes.Starke@gmx.net


Contwig

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Das  Freibad der rheinland-pfälzischen 5000-Einwohner-Gemeinde Contwig hat sich scheinbar bis nach Frankreich herum gesprochen, denn die französische Hardcore-Band Contwig scheint genau das als Bandnamen-Debüt-LP-Konzept zu verwenden. Alles andere zumindest wäre wohl ein merkwürdiger Zufall. Die fünf Beteiligten der Straßburger Band haben bereits mit Another Five Minutes, Amoeba und More Dangerous Than a Thousand Rioters kräftig die Underground-Szene aufgemischt und probierten sich dabei im Death Metal, Screamo und Hardcore-Punk aus. Einflüsse, die nicht vollkommen spurlos an ihrem neuen Projekt vorbei gezogen sind. Dennoch holen sie mit Contwig in eine völlig andere Richtung aus. Fies berstenden und nervenfleddernden Mathcore nämlich, der sich weniger an experimentierfreudigen Dillinger Escape Plan orientiert, als vielmehr an kompromisslosen The Chariot. Das seichte Geplänkel in "With the Target of My Knife" bleibt die Ausnahme auf einem ansonsten durchsprintenden Album. Die pfeilschnellen Gitarren zirpen, quietschen, ändern abrupt die Richtung und schneiden sich messerscharf ins Ohr. Keine Frage, das hier verlangt schon ein Faible ab. Um so erstaunlicher ist es, dass die Band für "Freibad" ganze 13 (!) europäische DIY-Labels (darunter auch Miss the Stars und Dingleberry Records) begeistern konnte, die sich um das Vinyl-Release des Albums kümmerten, und zudem Amaury Sauvé (As We Draw, Birds in Row, uvm.) und Nick Zampiello (u. A. Isis, Gay for Johnny Depp) für sich gewinnen konnten, die dem Chaos genügend Struktur, Schärfe und Brachialität bescherten.


DL Freibad LP Here, Here, Here & Here

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Goolagoon

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Na wenn sich hier nicht mal jemand als SpongeBob-Fan outet. Aber warum auch nicht?! Trash für Erwachsene, so könnte man auch die Musik des Bostoner Quartetts Goolagoon um Frontfrau Lily bezeichnen. Ein genretypisches Fastcore-Powerviolence-Gemisch, mit eingängigen Punkmelodien im Hinter- und unprätentiösem Gebrüll im Vordergrund. Vor allem Letzteres erinnert mich in seiner räudigen Straßenmentalität stark an die Hallenser Pennerviolencer BATTRA//, nur, dass hier eben eine versiffte Pennerin ins Mikrofon keift. Kurz und schmerzvoll, und wäre jedem Song nicht noch ein Sample vorangestellt, wäre es noch kürzer und schmerzvoller. Am Ende ihres Debüt-Releases "Patrickviolence" gibt's mit dem Surf-Instrumental "Goo Lagoon" sogar noch etwas Strandfeeling. Klasse!

Über DICKCRUSH RECORDS, dem DIY-Punk-PV-Label der beiden Bastard-Grinder von XsaladcrusherX, erscheint "Patrickviolence" bereits in der zweiten Tape-Auflage. Diesmal pink, statt gelb.

DL Patrickviolence Demo Here, Here & Here

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