Mittwoch, Oktober 16

Die Bandcamp-Punks Vol.14


Cowboy Poetry & Tigeryouth & life.story

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Hinter Cowboy Poetry verbirgt sich der Singer/Songwriter und Gitarrist Philipp Dunkel aus Trier, der dieses Solo-Projekt 2009 ins Leben rief. So richtig ausgetobt mit diesem hat er sich allerdings nur in den ersten 2 1/2 Jahren, wo er auch mit den Stuttgarter Hardcore-Punks Turn Away auf Euro-Tour unterwegs war. In diesem Zeitraum entstand auch der Großteil seiner Songs, die er passend vor seiner zweiten Euro-Tour 2013 als Spendendownload ins Netz stellte. Und da sich die diesjährige Tour überraschend als Abschiedstour erwies, können die 14 auf Bandcamp erschienenen (Demo-)Songs auch gleichzeitig als sein Vermächtnis für die Nachwelt angesehen werden. 14 akustische Punknummern, in denen sich manchmal auch eine Orgel zur Klampfe hinzu gesellt, die allesamt als Spiegelbild von Dunkel's emotionalen Gemüts herhalten. Mit forschem Gesang und einigen aufmüpfigen Akustik-Anschlägen allerdings alles andere als Emo-Kitsch. Dunkel war es auch, der sich größtenteils für's Songwriting der Saarländer Punk-Combo life.story verantwortlich zeichnete. Das Quintett gründete sich 2012, spielte in derselben Formation aber bereits seit drei Jahren unter dem Namen Finding Faith. So war es lediglich der Stil, der sich unter neuem Namen ein Stück weit vom Hardcore-Punk entfernte und sich dem Pop-Punk annäherte. Im Juni 2013 verkündete die Band dann ihre Auflösung, welche sie mit ihrem Abschiedskonzert am 14. September vollzog. Immerhin spielten sie vorher noch ein Demo ein, dass als Tape über den Bigcartel-Shop oder als Spendendownload erhältlich ist. Trotz der vielen Auflösungserscheinungen seiner Bands, muss man sich dennoch keine Sorgen um Philipp Dunkel machen. Mit Perfect Youth hat er bereits ein neues Solo-Projekt am Start. Um dieses seinen alten Fans nun vorzustellen, geht's im November gemeinsam mit dem Akustik-Punk-Singer/Songwriter Tilman Benning aka Tigeryouth auf Tour, der nach seinem Live-Album im letztem Jahr (höre & lade HIER), vor einigen Monaten erneut die Lala Studios besuchte, um seine neue EP "Im Sitzen" aufzunehmen und somit seinen Fans ebenfalls etwas Neues vorzuweisen hat. Bislang sind noch einige Termine ihrer "YouthYouthTour" offen. Wer also ein besetztes Haus, eine geräumige Wohnung, Klub usw. kennt, in denen die beiden ihr musikalisches Unwesen treiben können, kann ihnen gern unter die Arme greifen -> Infos HIER.

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Turn Away:

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Apropos Turn Away. Das Quintett aus Ludwigsburg gelangte nicht ganz grundlos in den obigen Post, denn 2009 war auch für die Hardcore-Punk-Urgesteine kein gewöhnliches Jahr. Es war das Jahr nach Erscheinen von "Ways to Say it, Ways to Get it", dem letzten Album mit Sänger und Gründungsmitglied Tobi, der die Band nach acht gemeinsamen Jahren verließ. Hinter'm Mikrofon konnte mit Daniel ein ebenso engagierter wie aggressiv treibender Frontmann vorgestellt werden, mit dem Turn Away in den folgenden drei Jahren eine EP ("To the Open Sea", Stream HIER) und ihr bislang letztes Album "Time and Tide...Wait for No Man" (Stream HIER) veröffentlichten. Vielleicht auch um der eingefleischten Fangemeinde diesen Personalwechsel etwas versöhnlicher zu gestalten, überließ es die Band dem Hörer, wieviel dieser für den Download von "Ways to Say it, Ways to Get it" zahlen möchte. Und egal wieviel dieser nun letztendlich zahlt, lohnen tut es sich so oder so. Ein Album das vor Energie nur so strotzt und eine Hymne nach der anderen ausspuckt, das zum Moshen und Mitgrölen oder einfach bloß zum Mittelfinger ausstrecken animiert und vor allem die melodieverliebte Fraktion ordentlich verwöhnt. 



Zustände:

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Ganz klar: Zustände aus Mannheim kommen, um sich zu beschweren. Worüber? Den inhaltlichen Kontext ihres Debüt-Demos bündelt der letzte Song "Bleib ein Penner" vielleicht am besten. Dabei bringen "Aufziehen" und "Trostpreis" die artikulierte Pennerattitüde vielleicht noch am ehesten rüber, die rotzig und ohne Kompromisse schnell über die Bühne gebracht werden. Frühere TempEau. kommen einen da in den Sinn. "Prost!" hingegen könnte auch von den Hives stammen, die anstelle der Kopfschmerztablette versehentlich die blaue Pille mit dem Smiley eingeworfen haben. Und genau mit dieser Garage-Breitseite verabschieden sich Zustände dann wieder von ihrem Pennerpathos, indem sie ihren berstenden Krachblizzards auch immer wieder etwas Melodie einhauchen. Die kann sich zwar selten für längere Zeit über Wasser halten, aber sie ist da. Nach sieben Songs und zehn Minuten ist ihr Demo Tape auch schon wieder vorbei. Dafür finden sich die Songs auf der B-Seite des Tapes noch einmal wieder. Im August und September war die Band mit den Wiesbadener Punks von The Void unterwegs. Am 2. November sind sie dann auf dem Mannheimer Pennerfest zu erleben. Wo sonst?!

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Liberty Madness:

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Man mag es kaum glauben, aber auch Liberty Madness kommen aus Mannheim. Dass ist weniger negativ auf die Stadt bezogen, als dass es vielmehr zum Ausdruck bringen soll, dass man derartig routinierten Punkrock eher auf der anderen Seite des großen Teiches verorten würde. Von daher drängen sich Referenzen zu Größen wie Strike Anywhere und NOFX regelrecht auf, in deren Spannungsfeld zwischen Melodycore und Pop-Punk sich das Quartett mit viel Spaß austobt. 13 treibende Hymnen zählt ihr S/T-Debüt-Album aus dem Jahr 2011, dass die Band zur noch größeren Freude kostenlos anbietet. Liebhaber versuchen noch eine der auf hundert Stück limitierten LP zu ergattern, müssen nach erfolgreicher Jagd aber aufpassen, dass sich die Nadel bei diesem Tempo nicht all zu tief ins orangefarbende Vinyl fräst. Nach einer EP und einer Split mit den Tübinger Hardcore-Punks Derby Dolls, ist es das dritte Release der Band. Mitglieder von Liberty Madness spielen u. A. auch bei Modern Pets und The Rätz. Mit letzterer ist eine gemeinsame Split-12" geplant, von der es die ersten Roughmixes bereits zu hören und kostenlos zu saugen gibt -> HIER.


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I Kissed Captain Hook:

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I Kissed Captain Hook sind fünf junge Männer aus dem Alpenländle, die mittlerweile auch schon über vier Jahre auf dem Buckel haben. Die Band aus Garmisch-Partenkirchen konzentrierte sich bislang hauptsächlich auf ihre Shows, rockte bereits zweimal das, sich für wohltätige Zwecke einsetzende, Kulturknall-Festival, auf dem sie sich in diesem Jahr unplugged bis zu den Backstreet Boys durchcoverten. Eine Band, die sich selbst eben nicht ernster nehmen muss, als erforderlich. Erforderlich ist es erst dann, wenn es um die eigenen Songs geht. Die präsentieren I Kissed Captain Hook auf ihrer S/T-EP in einem ordentlich ausproduzierten Melodic-Hardcore-Gewand, bzw. um beim Thema zu bleiben, mit Hook-lastigem Hardcore-Punk und einsetzenden Riff-Gewittern. Mit ihren vier Songs versuchen sie es recht schnell, sich aus dem Untergrund Richtung breitere Masse zu bohren, was keineswegs negativ gemeint sein soll. Wer kann, soll das auch ruhig zeigen. Und I Kissed Captain Hook können.


Power:

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Was kann man schon großartig von einer Band erwarten, die sich selbst Power nennt?! Im Falle des Kieler Quintetts eben genau das. Hemmungslos abgehender Hardcore-Punk, der sich seine Vorbilder aus den 80ern und Früh-90ern zusammensucht, mit seiner Affinität zur unvollkommenen Melodie aber auch etwas mit den frühen Beatsteaks liebäugelt (z. B. der Song "Humanoid Liars"). Und überhaupt klingt alles was die Band bisher so über ihre Instrumenten geschreddert hat, als käme es als mahnender Weckruf direkt aus der Vergangenheit, um den Leuten noch einmal vor Augen zu führen, was Punk einmal ausmachte. Und das, ohne Retro zu wirken. Ende letzten Jahres erschien ihre 12" "Overthrown by Vermin", die auf grünem und schwarzem Vinyl über Horror Business Records erschien, dem Ruhrpotter Hardcore-Punk-Label um Krombacherkellerkinder-Sänger und Not Enough-Gitarrist David Zolda. Eine bessere Adresse hätten sie wohl nicht finden können.
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A State of Grace:

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Fünf Jahre lang spielten sie zusammen als Blind Weasel, bis nach einigen Line-Up-Wechseln und einer Neuordnung der Bandphilosophie schließlich auch ein neuer Bandname her musste. 2009 wagte das Quartett nun also den Neuanfang und ist seither als A State of Grace unterwegs. Und als Nachweis dafür, dass die vier Hanauer nicht nur dem lotterhaften Punk-Dasein fröhnen, stehen bislang schon über 50 Konzerte und ihre 2011 erschienene Debüt-EP "And the Savant Starts to Think..." auf der Habenseite der Band. Diese wurde komplett und nicht überhörbar im Proberaum eingespielt und später von Offpist- und Rotvelt-Bassist Kristoffer Follestad in dessen Cantus Studio abgemischt und gemastert. Heraus gekommen sind fünf Hardcore-Punk-Songs, die nostalgische 80er-UK-Punk-Luft atmen, wobei das leicht verschrobene und kratzige "1-50" gar an kultige Dead Kennedys erinnert. Mit dem letzten Akustik-Song "Big Dipper & The Snow" schweifen A State of Grace dann nochmal mit einer Mundharmonika im Rücken in Richtung Country-Punk ab. Ein Song, der allerdings auch offenbart, dass sich Sänger Sepp, ehemals Schlagzeuger der Alternative-Punks Johnny Hates Rock, deutlich wohler fühlt, wenn ihm seine Kollegen ein höheres Tempo vorgeben. Derzeit arbeiten die vier an ihrem ersten Album, wovon die ersten drei Songs bereits im Kasten sein sollen.



No More Art:

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Zum Abschluss gibt's nochmal eine Art Supergroup, die ich vor allem der noch immer trauernden Masshysteri-Gemeinde ans Herz legen möchte. Dass sich hinter dem 2011 gegründetem Quartett No More Art aus Hamburg keine Anfänger verbergen, merkte man schon dem anfang 2012 erschienenem Demo an, das bereits mit vor Selbstbewusstsein strotzenden Ohrwürmern keine Berührungsängste kannte. Ein Blick hinter die Fassade offenbart dann Namen wie Jessica "Milo" Milone, Multiinstrumentalistin, Songschreiberin und Sängerin, die bereits mit ihrer Punk-Band Rhonda viel Bühnenerfahrung sammeln konnte. Ihre leicht unsichere und zerbrechliche Art als Rosie Tie streift sie als No-More-Art-Sängerin von sich ab und schlüpft stattdessen in die Rolle einer energetischen Rock-Röhre mit ordentlich Punkattitüde. Angefeuert wird sie von Drummer Juan Miguel Pardo (u. A. bei Los Dolares und Etacarinae), No Options Records- und New Dark Age Records-Gründer sowie ehemaliges Mitglied der amerikanischen Anarcho-Crust-Punks Born/Dead (Free-DL's HIER) und der Portländer Punk-Truppe Red Dons (Free-DL's HIER) Will Kenser und Bassist Jonas Ball. Dass ist sicherlich eine ganze Menge Information, kann angesichts der vielen und vor allem langjährigen Einflüsse aber durchaus mal erwähnt werden. Zusammen spielen die vier nun also klassichen und melodiösen Punk im Stile der Adolescents, mit etwas Pop-Punk-Einschlag und somit einen Riesen-Spaß macht. Einzig allein die Tatsache, dass man sich ihre Songs von diversen Split's und 7inches zusammensuchen muss, ist etwas nervig. Aber eine erste LP, die voraussichtlich den Titel "Sorrows of Youth" tragen wird, ist bereits in Arbeit. 


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Außerdem

Zentralheizung of Death:

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Ich habe Zentralzeizung of Death, deren Name man auch beliebig mit des Todes verlängern oder auf ZHOD komprimieren kann, erst vor kurzem auf dem Berliner Torstraßen Festival kennengelernt, dem weniger der Charakter eines Straßenfestes als vielmehr einer ausgedehnten Kneipentour inne wohnt. In jedem Fall ist es aber eine Veranstaltung, die Fans von mainstreamartigen Hörgewohnheiten einen großen Bogen um den kultigen Szenebezirk schlagen lässt. In diesem Sinne verteilte sich das Publikum im St. Oberholz an jenem Samstagnachmittag entweder auf neugierige Kulturtouristen, die von der Musik hinter diesem merkwürdigen Namen nun etwas vollkommen anderes erwartet hätten, oder auf Leute, die den infernalen Krach des Thüringer Quintetts bereits kennen und lieben gelernt haben. Beide Parteien konnten jedenfalls eine ausgelassene Show begutachten, bei der die Band in schrägen Outfits und in gewohnt zügelloser Manier auftrat. 2010 erschien ihre Debüt-10" "The Death of Death - Scusi Capitano Kirk" in Eigenregie, welches sieben Songs zählt und nach knapp zwanzig Minuten Spielzeit eine tiefe Furche in den Gehörgängen hinterlässt. Schwer zu sagen, ob es nun Garage-Punk oder Noiserock ist, was den Hauptteil von ZHOD's Musik für sich beansprucht. Auf jeden Fall spielen schneidende Surfgitarren ebenso eine Rolle, wie ein an Tobsucht leidendes Schlagzeug. Mal rein instrumental gehaltene Songs, dann wieder die volle Dröhnung abgedrehten Gesangs oder Gekreische. In diesem Jahr erschien ihre "Busy Ghost"-7", diesmal auf einem Label und in ungewohnt zugänglicher Weise, da sich die drei neuen Songs fast schon am eingängigen Garage Rock orientieren. Die 10" und die 7" sind noch vorrätig, kommen beide aber leider ohne DL-Code. Das "Kneel Before"-Tape ist bereits vergriffen.      

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or mail to: zentralheizungdestodes@gmail.com

Kazimir:

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Wird eine Band ruhiger, gemäßigter, ihre Texte intellektueller, oder nähert sie sich gar den gewohnten Strukturen, ist oftmals zu lesen, sie sei erwachsener geworden. Ein gutes Beispiel dafür dürften wohl Tocotronic darstellen, die sich mittlerweile vollkommen von ihren ungestümen Anfangsjahren verabschiedet und sich der Ernsthaftigkeit zugewandt haben. Wie aber kann man eine Band beurteilen, die bereits seit ihrem ersten Release den mahnenden Zeigefinger in ihren gesellschaftskritischen und emotionalen Texten erhoben hält und dennoch keinen Gedanken daran verschwendet, ihre Dynamik und Energie zu drosseln? Muss man das denn überhaupt beurteilen? Vielleicht auch deshalb betitelten Kazimir ihr zweites Album "Messlattenblues", dessen Song "Rückennummer 0815" diese Thematik am deutlichsten zur Ansprache bringt. Nein, Kazimir wollen diesen Vergelich nicht. Nicht einmal mit den "Altlasten der sogenannten Hamburger Schule" wollen sie in Berührung kommen, was als 3/4-tel Hamburger Band und angesichts dessen, dass man neben Turbostaat-Ausbrüchen tatsächlich auch etwas jugendliche Tocotronic in ihrer Musik wahrnehmen kann, äußerst schwierig sein dürfte. Ihr Debüt-Album "Keine Zeit für Starallüren" verstand es schon ziemlich gut, Emo- bzw. Indie-Punk mit etwas Aggressivität zu vereinen. Auf ihrer selbstveröffentlichten EP "Brokenlande" (Free-DL, bereits HIER besprochen) fand sich plötzlich diese Ballade "Junge küsst Mädchen..." wieder. Allerdings nicht ohne Grund sind es die Songs "Schienenspiel", "Brokenlande" und "Joggen vs. Amoklaufen" von eben genannter EP geworden, die auch auf "Messlattenblues" ihren Platz fanden, da diese dann doch besser ins dynamische Albumkonzept einfließen und sich mühelos mangt den neuen Punk-Hymnen wie beispielsweise "Sternenschießen", "John Hume" oder "Too Big to Fail" einreihen können. Ein tolles Album, dass Eindringlichkeit und Melodie perfekt unter einem Hut vermengt. Glücklicherweise hat dass auch das Hamburger Label My Favourite Chords erkannt, dass "Messlattenblues" auf schwarzem Vinyl (im Gatefold mit Sticker und DL-Code) und als Digipak-CD veröffentlicht.


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Kurzmeldung: Die Darmstädter Punkband Rollergirls will noch in diesem Jahr ihre erste LP veröffentlichen. Die Release-Tour steigt im November (u. A. mit den Wiener Post-Punks Lorraine), danach soll das Album über das Darmstädter Label Fear of Heights erhältlich sein, wo auch schon Rollergirls Gesangs-Debüt-EP "Bombs" (Free-DL HIER) erschien. Es wird das vierte Release des Labels.

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