Sonntag, Februar 14

Der Bandcamp-Hardcore Vol.32

BETTYŒTKER



Oetker und Hamburg, das passt. Dennoch reagiert der Hanse-Vierer BETTYŒTKER ausgesprochen allergisch auf Vergleiche mit dem Lebensmittel-Riesen. Ihren Namen nämlich entlieh sich die Band aus Siegfried Lenz' Roman "Deutschstunde". Wusste ich natürlich auch schon vor dem Bandinterview mit dem Bizarre Radio... . 
Bis zu ihrem 2014er Debüt "Barricades" musste sich die Band als solche erst einmal finden, was vielleicht auch die Vielseitigkeit ihrer EP erklärt. Vom anfänglichen, Kyuss-beeinflussten Steinmonument steht nur noch ein fragiles, wenngleich tief wummerndes Grundgerüst, das von außen mit viel Düster-Hardcore bzw. Hardcore-Punk verkleidet ist und oberflächlich melodisch aufpoliert oder mit etwas Noise zerkratzt ist. Klingt doch nachvollziehbar, oder?! Zumindest aber nicht ganz unbekannt, denkt mensch zum Beispiel an Dead Flesh Fashion oder Younger Us. Kein Wunder also, dass sich bei einer derartigen musikalischen Willkür Nils Wittrock (The Hirsch Effekt) und René Pablotzki (GREY, Benthic) nicht zweimal bitten ließen, die Aufnahme, den Mix und das Mastering der EP zu übernehmen und dabei in einigen Songs auch noch selbst Hand anzulegen.

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DL Barricades

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Meraine

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Als Akela-Schreihals Samuel Anfang des letzten Jahres seinen Abschied bekannt gab, war für die fünf Lüdenscheider klar, die Band gemeinsam und vor allem würdevoll zu Grabe zu tragen. Ans Aufhören dachte das verbliebene Quartett nicht, sodass sie mit neuem Bandnamen und neuen Songs nahtlos in ein neues Bandkapitel übergehen konnten.
Als Meraine knüpfen nun also ehemalige 4/5tel-Akela mit ihrem Demo-Debüt genau dort an, wo der einstige Midsummer-Sprössling nach zwei Alben, einer EP und einer Split-7" aufhörte. Vier Songs, vollgestopft mit düsterem Post-Hardcore, der mächtig viel Zerstörungswut im Bauch trägt, post-rockig anschwillt oder mit noisiger Zerfahrenheit durchberstet und sich auch einige Experimente gönnt, wie das versteckte Geplänkel am Ende von "Floatage". Das ist genau der atmosphärische Stoff, der sich hervorragend auf einer Langrille machen würde. Auf eine entsprechende Lobby dürften sie ja bereits zurückgreifen können, zumal sich Meraine für ihre Promo-Tour gleich mal an die Versen der fränzösischen Hardcore-Punk-Größe Birds in Row hefteten. 
Ihr Demo erscheint in einer kleinen Auflage von 50 Silberlingen, die in einem besiebdruckten Cardboard untergebracht sind und von der Band in Eigenregie veröffentlicht wurden. Wie schon zu Akela-Zeiten, geht der Erlös an die Hardcore Help Foundation.




EXTINCT

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Na das wurde ja verdammt nochmal auch höchste Zeit, dass die Querfurter Powerviolence-Legende Extinct nach dem 2015er Debüt-Demo endlich mal ein "Greatest Hits" raushaut. Darauf enthalten sind sämtliche Songs, die die Band seit ihrer Gründung im eigenen Slacker-Studio eingehämmert hat. Macht Sinn, denn Songanzahl und Spielminuten steigen dadurch gleichermaßen auf zehn an.
Zehn Songs fei(n)stes Geballere, dass auch wegen der strikt antifaschistischen Attitüde direkt ins Herz der San-Diego-Connection trifft und mit beißenden Riffs, fiesen Breakdowns, sludgigen Momenten und wütendem Gekeife kein Genrewunsch offen lässt und darüber hinaus für eine Menge Abwechslung sorgt.
Demo-Phase überstanden, würde ich mal behaupten. Es darf beherzt mit einem "Longplayer" nachgelegt werden.

DL Greatest Hits - The Early Year



Okilly Dokilly

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Ok, sie sind nicht die erste Band, die die kultige Zeichentrickserie "The Simpsons" als Thema aufgreift. Und geht man in den direkten Vergleich zur australischen Stoner-Doom-Band Dr. Colossus, ist sie wahrscheinlich auch nicht die Beste. Dennoch - wer es noch nicht mitbekommen haben sollte - hat das amerikansiche Quintett Okilly Dokilly im letzten Jahr innerhalb kurzer Zeit einen Riesen-Hype ausgelöst, der auch zu uns hier in Deutschland herüber geschwappt ist. Egal ob das Rolling Stone Magazine, Billboard oder Der Spiegel - sie alle hatten die Ned-Flanders-Tribute-Band auf ihren Programmzetteln. Dabei war der Aufwand, den die fünf Freunde aus Phoenix betrieben, vergleichsweise recht marginal: vier Homerecord-Demos eingespielt (wovon "Nothing at all" nicht einmal der eigenen Idee entstammt), einigen Freunden davon erzählt, ein paar Konzerte absolviert - und schon hatten sie quasi über Nacht 30000 Facebook-Likes. So etwas klappt wohl bloß in Amerika.
Musikalisch bewegt sich die Band irgendwo zwischen Alternative, Metal- und Nintendocore. Entgegen ihres fiktiven Vorbildes, scheint Okilly Dokilly dabei nichts heilig zu sein. Auf akustischen Parts mit zart-schmelzender Indiepop-Stimme folgen niederschmetternde Metaleskapaden und wahnwitzige Synthiefeuerwerke. Nicht gerade das, was einen derartigen Hype rechtfertgien würde. Egal. Einem Album dürfte ja somit nichts mehr im Wege stehen.

DL Okilly Demos

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Whalehunter

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Einfacher wird's auch nicht mit der Münsteraner Band Whalehunter, hinter der sich ehemalige GILF-Mitglieder sowie der aktuelle Narconaut-Schreihals verbergen. Aus konversativer Sicht liefern die vier mit ihrem Demo-Debüt wohl genau den Stoff, der perfekte Schwiegersöhne in eiskalte Killer verwandelt. Aber auch Hartgesottene brauchen für dieses Teufelsgebräu ein dickes (Zwerch-)Fell, denn Whalehunter lassen einem kaum Zeit zum Durchschnaufen. Das ist hyperaktiver Mathcore, der sogar den Godfathers dieses Genres, The Dillinger Escape Plan, Verdauungsprobleme bescheren dürfte. Hinzu kommt eine dezente Prise San Diegoer Trash-Grind á la The Plot to Blow Up the Eiffel Tower wie in "Trashbag Full of Wonders" oder "Pursesnatcher" und quengeliger Noise-Punk der Marke Dmonstrations in "Set Panzers to Stun".
Für ihr 2015er Demo haben Whalehunter ein eigenhändiges CD-Release geplant, das neben den sieben Songs auch einen Bonussong enthalten soll.

DL Demo 2015


Naechte

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"Die Stadt gehört den Besten" betitelte die Münchener Post-Hardcore-Band Marathonmann einen Song aus ihrem Debüt-Album "Holzschwert". Und weil das nunmal so ist, zog sich Gitarrist Tom Fischer, als er die Band im Jahr 2013 verließ, auch nicht aus dem Musikgeschäft zurück, sondern gründete mit befreundeten Kollegen aus der Münchener Punkszene eine neue Kombo. Die hört auf den ungooglebaren Namen Naechte und wird vermutlich nicht all zu lange im städtischen Untergrund verweilen. Naechte's Debüt-EP "Irrlichter" läuft getrost unter dem Motto "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm", z.B. von Hardcoregewächsen wie Turbostaat, Edgar R. und Frau Potz. Melodischer Post-Hardcore, der mit viel Dynamik nach vorne peitscht, sich für einige Plänkelpausen und Breaks aber auch nicht zu schade ist und mit einer wohlwollenden Produktion daher kommt. Das dürfte für die eingeschworene Kellergemeinschaft wohl etwas zu rund sein, für die breite Masse widerum vielleicht dann doch etwas zu sperrig. Eine typische 13-Uhr-Band auf dem Highfield-Festival eben. Und wenn letztendlich nicht mehr, als der kleine Bruder von Marathonmann dabei herausspringt, dann ist das eben so. Mit ihrem Konzept, die Hörerschaft auf Bandcamp mit lediglich zwei Songs ihrer EP anzufüttern, geht jedenfalls auf, denn die machen eindeutig Lust auf mehr.


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Republic of Dreams

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Republic of Dreams - klingt irgendwie nach bitterer Enttäuschung und Unerfülltheit. Wer der Band um den React With Protest - Kopf und nebenher bei unzähligen Bands mitmischenden Lars Ulbrich (u. A. The Apoplexy Twist Orchestra, Resurrectionists) und ehemaligen Louise Cypher- und Tristan Tzara-Mitgliedern ein Ohr leiht, wird schnell feststellen, dass die Band ihren Namen den passenden und verstörenden Soundtrack liefert. Hektischer und chaotischer Emoviolence, der trotz des überwiegend rasanten Tempos immer wieder melodische Lichtblicke durchschimmern lässt. Um Einiges direkter kommen da schon die Lyrics rüber, mit denen das deutsch-polnische Trio auf kritischer, mahnender und verzweifelter Art die gegenwärtigen gesellschaftlichen Probleme auseinandernimmt, ohne viel Zeit und Worte zu verlieren. Erinnert mich stark an die im letzten Jahr auftrumpfenden kishote.

DL Split 7" w/ Autarkeia
DL Split-LP w/ Cloud Rat

Stream Split 7" w/ Beau Navire
Stream Republic of Dreams Compilation

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20 Liter Yoghurt

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20 Liter Yoghurt, ein Bandname, mit dem man vielleicht eher klassischen und dreckigen Deutschpunk assoziieren würde. In Wahrheit allerdings zieht das Grimmaer Quartett eher eine tiefe Schneise durch das weite Spektrum des Hardcores und tangiert dabei auch einige Randzonen. Ihre EP "HeartCore", mit der die vier Sachsen Ende 2014 debütierten, tobt sich somit noch eher unentschlossen auf der Experimentierwiese aus: post-rockiges Instrumental-Intro; Hardcore-Punk mit Heavy-Metal-Anleihen; Grunge; melancholischer Post-Hardcore. Und dazwischen eine Menge Melodic Hardcore. Das ist legitim, denn schließlich ist man als Band mit einem derartigen Namen an keine Erwartungshaltungen gebunden.
Auch das 2015er 2-Song-Demo lässt mit dem düsteren "Aryan, hau ab!" und der räudigen Fastcore-Nummer "Schule" noch keinen roten Faden erkennen. Immerhin konsequent.

DL Demo 2015
DL HeartCore EP


Pale Prophet

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Das für amerikanische Verhältnisse fast schon überschaubare Athens, Georgia kann unlängst auf eine eigene und solide Metalszene zurückgreifen, auch wenn sich nach wie vor Vieles im Untergrund abspielt. Als Zach Thrower im Jahr 2010 seine Gitarre für die - meiner Meinung nach viel zu unterschätzten - Screamoviolencer NATIONALE ablegte, stand mit Pale Prophet bereits sein neues Projekt in den Startlöchern, für das er diesmal allerdings gehörig das Schlagzeug vermöbelte.
Ihr 2012er Demo-Debüt gestalteten die drei Amis mit Songlängen zwischen einer Minute und dreieinhalb Minuten recht kurz, aber auch kurzweilig. Pale Prophet hängen lose zwischen Black- und Post-Metal rum, ohne sich vollendst manifestieren zu müssen und verleihen ihren düsteren Sound eine dezent-skandinavische Death- und Trash-Note. Klingt gelesen chaotischer, als es sich Anhören lässt.

DL & BUY Demo 2012


ACxDC

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2003 gegründet; 2005 beendet; 2006 Reunion für ein Konzert; Besetzungsrad dreh dich; 2010 Comeback; Besetzungsrad dreh dich. Auch mit der zwischenzeitlichen Unterbrechung und davon abgesehen, dass mittlerweile nur noch die Hälfte der 2003er Originalbesetzung übrig ist, kann die Los Angelesser Powerviolence/Grindcore-Truppe Antichrist Demoncore, kurz ACxDC, auf eine verhältnismäßig überdurchschnittlich lange Bandgeschichte zurückblicken. Dabei scheint es vor allem nach der Neugründung erst so richtig zu laufen, nachdem sich die alten und neuen Mitglieder zwischendurch bei artverwandten Genrevertretern wie ¡Libérate!, Hit em Where It Hurts, Shoes of Cement, Despise You, Asshole Assassination Squad, Ruptures oder NOMADS reichlich austoben konnten. Vielleicht liegt es ja auch daran, weil die Band während ihrer Pause scheinbar in der Zeit stehen blieb und nahtlos an ihren anfänglichen Releases anknüpft. Das klingt dann herrlich old-schoolig, räudig, brutal und trashig. Typischer Californicore, wenn man so will, der sich hervorragend in der San Diegoer Ecke machen würde.

DL Antichrist Demoncore
DL Second Coming EP
DL He Had It Coming EP
DL 3-Way-Split 10" w/ Magnum Force & Sex Prisoner ->ACxDC-Seite
DL Split 7" w/ To The Point ->A-Seite
DL TBFH Live Session
DL Jack Trippin Demo
DL Live Noise/Demos/Unreleased Compilation

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