Sonntag, März 16

Die Bandcamp-Punks Vol.18


Mr. Burns


Die Zeiten, unsere Probleme mit Albernheiten auf's Korn zu nehmen und die der Schönrederei sind unlängst vorbei. Einige Bands mussten das wieder erst neu erlernen, die Punkgemeinschaft Mr. Burns weiß das schon seit 1999. Deshalb nehmen die vier Flensburger auch auf ihrem jüngst erschienenem vierten Album "Flying Blind" kein Blatt vor dem Mund. Maulkörbe sind schließlich für bissige Hunde gedacht, nicht aber für zähnefletschende Punks. Auch wenn sie mit "Flying Blind" mittlerweile im Katalog von Cargo Records gelistet sind, bleiben Mr. Burns ihrem rohen Sound treu, was sicher auch daran liegen dürfte, da das Album im heimischen Proberaum aufgenommen wurde. Anders würde ihre Old-School-Mentalität auch nicht funktionieren, mit der sie alte Helden wie Good Riddance, Millencolin oder Pennywise zwischen treibenden Hardcore-Punk, Melodycore und der Leichtigkeit des Skate-Punks hin und her schubsen. Die insgesamt zwölf neuen Songs sind demnach weiterhin kurz und knackig gehalten und auf das Nötigste beschränkt. Mehr braucht es eigentlich auch nicht, um die Melodien unkompliziert mit dem Ohr einzufangen und möglichst lange festzuhalten.
Auf Bandcamp könnt ihr euch "Flying Blind" im Stream anhören, Album Nr. 2 und 3, sowie die "Restbestand" 7inch warten als Free Download auf euch.
Schallplatten-Fetis kaufen sich eine der auf 500 Stück limitierten LP's (+ DLC), wovon die ersten 200 auf grau marmorierten Vinyl erscheinen.

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Trouble Every Day

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Das französische Quartett Trouble Every Day feiert in diesem Jahr bereits sein zehnjähriges Jubiläum und tüftelt dafür fleißig an neuen Songs, um es gebührend mit einem neuen Release feiern zu können. Zeit wird es, denn ihr letztes offizielles Release - die Split-7" mit den Pop-Punks Stick Around - liegt nun schon fast drei Jahre zurück. Bisweilen können wir uns an ihrer kompletten Diskografie (außer die Split) als PWYW-Download-Paket auf Bandcamp erfreuen. Dabei lässt sich trotz einiger Besetzungswechsel und Nebenaktivitäten der Bandmitglieder (Santa Cruz, Draw Me a Butt, u. A.) durchgängig ein erdiger wie ehrlicher und roher Sound als roter Faden erkennen. Einzige Veränderung seit dem Demo-Debüt "K.R. Kids", sind die mit jedem weiteren Release mehr hinzu gekommenen Skate-Punk-Einflüsse, die Trouble Every Day vom anfänglichen Hardcore-Punk ein Stück weit Richtung Melodycore drängten. Aushängeschild der Band ist seit jeher Frontmann Guillaume, der mit seinem rauhen Gesang zwischen Whiskey und Heiserkeit wie eine angepisstere Variante von Alice Cooper klingt, dessen Horroraffinität ansonsten aber nur auf dem zweiten (Demo-)Release "Terrorvision" zum Ausdruck kam.


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Big Eater

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Sie würden liebend gerne in großen Hallen spielen, doch letztendlich holt sie ihre nüchterne Betrachtungsweise doch auf den Boden der Tatsachen zurück. Die führt unweigerlich zu der Erkenntnis, dass sich große Hallen in Verbindung mit einem kleinen Bekanntheitsgrad eben nicht so leicht ausverkaufen lassen. Also doch lieber die kleinen und ranzigen Schuppen, dafür aber bei voller Hütte. Und genau dort lässt sich ihr expressiver Mix aus Psychedelic, Bluesrock und Garage nunmal am besten ausleben, der mehr als nur eine gelungene Hommage an die offenkundigen Vorbilder James Brown und Screamin' Jay Hawkins darstellt. Wild und ausgelassenen, und dermaßen konventionslos, dass sich die Band wahrscheinlich selber am meisten darüber ärgert, dass man ihre Musik zwangsläufig in Kategorien einteilen muss. Man stelle sich Hendrix nicht auf der Woodstock-Bühne, sondern in einem feucht-schummrigen Kellergewölbe vor, also mit weniger Sexappeal. Und was hat das alles mit Punk zu tun? Was die Musik von Big Eater angeht, erstmal nicht viel. Allerdings sollen alle vier Berliner schonmal irgendwie mit Punkrock in Berührung gekommen sein. Ja klar, dass kann viel bedeuten. Zumindest einem kann ich es nachweisen. Al Burian, amerikanischer Wahl-Berliner, Comiczeichner, Autor und ehemals bei der Post-Hardcore-Punk-Referenzband Milemarker aktiv. Vielleicht klappt's ja doch noch irgendwann mit den großen Hallen.

DL s/t Tape

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BIGEATERBAND@GMAIL.COM


Shortcuts

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Lange hielt sich das englische Quartett Shortcuts ja nicht über Wasser. Nach einem Demo, zwei EP's und der letztjährig erschienen Split-7" mit den amerikanischen Screamo-Punks Indian Taker (Free Downloads HIER), war nach fast genau zwei aktiven, wenn auch ertragreichen, Jahren schon wieder Schluss. Vielleicht, weil ihr Label Close To Home Records (Free Downloads HIER) zu viel Zeit beanspruchte und sie es für wichtiger erachteten, anderen Bands unter die Arme zu greifen. Vielleicht auch, weil sie in ihren Songs bereits alles gesagt haben, womit sich Punks heutzutage nunmal so herumärgern müssen. Weiter weg vom klassischen Punk, stattdessen die Nähe suchend zum westlichen Emo-Punk, präsentierten sich ihre Songs, die nicht selten an (vergangene) Größen wie Lifetime, Basement, Saves the Day oder (meines Erachtens) auch frühere Beatsteaks erinnern. Eingängige, ins Ohr treibende Songs mit eindringlichem Gesang, der eben in seiner rauhen Art einen Ari Katz oder Arnim Teutoburg-Weiß im Gedächtnisprotokoll aufführt.
Die Demo- und EP-CD's/Tapes sind mittlerweile allesamt vergriffen. Die Split-7" erschien in vier verschiedenen Farben (grün, rot, gold, mysteriös=???) und hat allen Unstimmigkeiten zum Trotz sogar den Sprung auf die irische Insel geschafft.

DL Self Titled EP
DL Guidance EP
DL When Will Things Change? Demo 2011

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Aye Aye Goodbye

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Auf nicht einmal ganz zwei Jahre brachte es das Mendener Quartett Aye Aye Goodbye, deren musikalische Hinterlassenschaft sich auf die "I Will Never Make Promises, I Promise"-EP beschränkt. Diese klingt eigentlich mehr nach einem hoffnungsvollen Anfang, als nach einem Abgesang auf das Bandleben. Nach unbeschwert mäandernden Emo- und Indierock nämlich, der zwar mit den besungenen Alltags- und Beziehungsproblemen nicht alles rosa-rot ausmalt, aber mit der Leichtfüßigkeit einstiger Cap'n Jazz und sonstiger Kinsellascher Auswüchse voran schreitet, die vor und um die Jahrtausendwende dem Emo nicht nur zur uneingeschränkten, freigeistlichen Entfaltung verhalfen, sondern ihm auch einen signifikanten DIY-Stempel aufdrückten. Aye Aye Goodbye spielen also alles andere als undefinierbaren Rock, dafür uneingängige Songs, die sich den Standardschemata entziehen und ihren Schwerpunkt auf die Instrumentierung legen. Zwar halten sich diese zeitlich im überschaubaren Rahmen, dennoch bringt es ein Song wie das zweiminütige "Cut All These Ties Off" gerade mal auf vier Verse, das eine Minute längere "My Beard Grows Faster Than Me" nur auf drei, während das fröhlich aufspringende "Life.Love.Baguette" gar ganz instrumental gehalten wurde. Schade also, dass schon wieder Schluss ist, bevor es hätte noch interessanter werden können. Die Bühne teilten sie sich u. A. immerhin mit ihren Hardcore-Homies Cannoneer und Caller, sowie ihren Dortmunder Nachbarn von The Jim Tablowski Experience und Willy Fog. Zudem waren sie letztes Jahr auf dem ersten Sampler-Release des UK-Hardcore-Punk-Labels Nothing to Lose (PWYW-Download HIER) vertreten.

Aye-Aye-Goodbye-Sänger Tim Becker startete derweil sein Akustik-Singer/Songwriter-Pop-Projekt East Ends mit dem er bereits ein Demo veröffentlichte, das als Tape über das eigene Label Basement Memories erscheint, wo es auch noch die letzten Exemplare des "I Will Never Make Promises, I Promise"-Tapes (als rote, blaue und weiße Variante) zu ergattern gibt.

DL I Will Never Make Promises, I Promise

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Hey, Joni

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Auch die vier Engländer von Hey, Joni haben 2012 zusammengefunden und sich dem ausufernden Midwest-Emo verschrieben. Ende 2013 verkündete Drummer Hayden seinen Ausstieg aus der Band, während Sänger Isaac Ashby gerade fleißig am Debüt-Album seiner ähnlich gestrickten Nebenband Cøllege arbeitet. Im Gegensatz zu oben genannten Aye Aye Goodbye, lässt sich das Trio (ehemals Quartett) davon nicht aus der Ruhe bringen und kündigte sattdessen große Pläne für das Jahr 2014 an. Neben der großen Europa-Tour im Juli mit den Screamo-Punks Healing Powers, dürfte das vor allem ein neues Release bedeuten, dessen neue Songs wohl bereits fertig geschrieben sind. Bis dahin können wir uns durch ihre komplette Diskografie, die neben dem selbstveröffentlichten Debüt-Demo und der "Some Milk?"-7inch noch das Split-Tape mit den Sheffielder Pop-Punks Cast Ashore beinhaltet, arbeiten, die auf Bandcamp als Free- bzw. PWYW-Downloads auf uns warten. Übrigens, wer diesen Beitrag etwas zu sehr an den Vergleich zu Aye Aye Goodbye hochgezogen sieht, ich denke er ist durchaus berechtigt, nur, dass Hey, Joni etwas rauher und manchmal auch ungestümer zu Werke gehen.

DL Some Milk? 7"
DL Demo Tape

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Lovechild

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Demotape, Pre-7"-Demo, Debüt-7" - so lautet die bisherige Bilanz der kleinen Hardcore-Punk-Kapelle Lovechild nach gut einem halben Jahr. Dabei fand gerade erst das Abschiedsrelease "Adieux" ihres Alter Egos Cerce (Free Downloads HIER) zur physikalischen Vollendung, das bereits schon ohne ihre keifende Frontfrau und Old-Gray-Gastsängerin Becca Cadalzo auskam. Bei Lovechild greifen mit Bassist Zach Weeks und ex-Debaser-Sänger Greg Cook gleich zwei Schreihälse zum Mikrofon, die auf der "In Heaven Everything is Fine"-7inch noch zusätzlich Rückendeckung von The-Hotelier-Frontmann Christian Holden bekommen. Die neuen Songs orientieren sich dabei eher an die schnelleren ihrer Vorband und hetzen durch pfeilschnellen Hardcore-Punk und Powerviolence der San-Diego-Schule. Auf ihrer 7" prügeln sie demnach elf Tracks in weniger als zwölf Minuten durch und bleiben dabei an Themen wie Gentrifizierung, Rassismus und Menschenrechte hängen. Den Rest kann man ihrem Facebook-Statement entnehmen: "If you like police, you're not gonna like our band." Ich denke, dass ist einvernehmlich.

DL In Heaven, Everything is Fine 7" + Alternative Download Link
DL Second Demonstration Demo
DL Demonstration Demotape

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Nora Yeux

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Ja wo kommen denn diese beiden Songs urplötzlich her? Nora Yeux, bestehend aus 3/4tel-Kosslowski und ex-Thoughts Paint the Sky-Mitgliedern, waren im Oktober 2013 zu Gast im Düsseldorfer Institut für Musik und Medien, indem sie einer Einladung von This April Scenery-Sänger und Songwriter Nico Vetter zur Teilnahme an dessem Projekt prettylivesessions. folgten, an dem sich bereits zuvor schon Bands wie Adolar, City Light Thief oder FJØRT beteiligten. Der Deal: die Band soll sich individuell und in voller Lautstärke im Studio auslassen, während sich Vetter nebenan am Aufnahmeequipment positioniert und Daniel Polle das Ganze auf Video aufnimmt. Mit "Freiheit" und "Parallelen" können Nora Yeux somit auf zwei neue Songs zurückgreifen, die vorerst als Videos auf Youtube erschienen (HIER & HIER) und mittlerweile als Spendendownload auf Bandcamp zu finden sind. Sänger und Songschreiber David Frings verbaut weiterhin seine intelligenten Texte in vertrackte Satzformen, allerdings weniger kryptisch als es bei Kosslowski oder FJØRT der Fall ist. Dem leichten und ansatzweise poppigen Indie-Punk hört man diese Tiefgründigkeit im ersten Moment gar nicht an, da die Lyrics rund und fließend in die eingängigen Melodien eingebettet sind. Ein Grund mehr also, um genauer hinzuhören und Nora Yeux nicht voreilig in eine überfüllte Schublade zu stecken.
Im Übrigen ist ihre Debüt-EP jetzt auch in physikalischer Form erhältlich. 50 handgemachte Digifile-CD's sind jeweils mit Textblatt und Sticker ausgestattet.

DL Freiheit/Parallelen EP

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Außerdem


Señor Karōshi
Zu routiniert und ausgetüftelt sind die Songs, zu clever die Texte. "| ñ | ō |" kann keinesfalls das (Demo-)Debüt von blutigen Anfängern sein, soviel steht fest. Als Bassist Mace mitte des letzten Jahres die Band Corman (ehemals Rest in Question) verließ, bedeutete dies das Aus der Trierer Punkcombo und gleichzeitig den Neubeginn unter dem neuen Bandnamen Señor Karōshi, mit dem die verbliebenen drei Mitglieder Pal, Jaeger und Pasi zwar dem Punk-Genre die Treue schworen, fortan aber dennoch vollkommen anders klingen sollten. Trotz einiger verbleibender Tempowechsel bewegten sich ihre Songs weg von den komplexen und hin zu eingängigeren Strukturen, die mit den neuen deutschsprachigen Lyrics und etwas Alternative-Einschlag an eine Mixtur aus nordischer Schule á la Turbostaat und benachbarten Indie-Punk der Marke Love A erinnert. Klingt aber eigentlich schon wieder viel komplizierter, als es sich hören lässt, da die vier Songs schon beim ersten Durchlauf vom Ohr rezipiert und sofort in Form von aufwühlender Euphorie an die Gliedmaßen weitergeleitet werden. Geht ab, macht Spaß, verlangt nach mehr.

Stream & Buy "| ñ | ō |" CD/7"


Kurzmeldung:

Zum Geheimtipp erklärte ich die Alternative-Emo-Punk-Band Rivers & Tides bereits Ende letzten Jahres, kurz nachdem diese mit ihrer selbstbetitelten Debüt-EP (PWYW-Download HIER) an den Start gingen. Nachdem die EP zuvor nur digital erschien, fanden die fünf Regensburger ausgerechnet im Leipziger Artwork- und Tattoostudio Koepfen ein Label, dass mit der Veröffentlichung der EP auf Tape ihr erstes Release feiert. Hundert Stück wurden zu gleichem Anteil auf schwarze und weiße MC's verteilt, zudem handnummeriert und mit Siebdruckcover. Außerdem veröffentlichte die Band mit "Away" einen neuen Song (PWYW-Download HIER), der sich auf der 47-Band-Compilation des Mannheimer Labels Forged Promotions wiederfindet.

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