Donnerstag, Juli 4

Der Bandcamp-Hardcore Vol. 13

Circle Takes the Square

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Sieben Jahre nach ihrem Debüt-Album und drei Jahre nach ihrer letzten Show, gab sich die amerikanische Post-Hardcore-Band Circle Takes the Square 2011 im Black Cat in Washington D.C. erstmals wieder zum besten. Nicht etwa aus dem kalten heraus, sondern mit den neuen Songs der "Rites of Initiation" -EP in der Setlist (siehe unten), die damals als Vorbote ihres zweiten Albums "Decompositions: Volume Number One" ins Feld geschickt wurde. Das Konzert kann man sich über die Internet-Präsenz des National Public Radios herunterladen, einem Netzwerk amerikanischer, nicht-kommerzieller Hörfunksender. An einem Stück und leider nur in der bescheidenen Qualität von 128 kbps. Besser als gar nichts.     

Setlist:

"Our Need to Bleed"
"A Crater to Cough In"
"In the Nervous Light of Sunday"
"Enter by the Narrow Gates"
"Spirit Narrative"
"Crowquill"
"We're Sustained by the Corpse of a Fallen Constellation"
"Non-Objective Portrait of Karma"
"A Disclaimer to the Self"

Spielzeit:

43:14




Pg.99

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Auch die 1998 gegründete Hardcore-Punk-Emoviolence-Band Pg.99, die es bis zu ihrem Auseinanderscheiden im Jahr 2003 auf 13 Releases (Document #1 - #13, ihr bis dato letztes war die Split mit o. g. CTTS) schaffte, feierte am 27. August 2011 im Black Cat (DL erneut über NPR in 128 kbps) ihr Comeback. Nach acht-jähriger Trennung, bei dem sich die acht Mitglieder zwischenzeitlich bei abstrakten Bands wie die tollen Shoegaze-Grunge-Rocker Tideland, der Progressive-Rock-Band A Papier Mache Monster und den Psychedelic-Landschaftsmalern Pygmy Lush warm hielten, veranstalteten sie ein Reunion-Konzert, zu siebt anstelle von ehemals acht Mitgliedern. Darüber hinaus legte Robotic Empire Pg.99's "Document #8" neu auf und veröffentlichte mit "The Singles" ein Sammelsorium mit OOP-EP-, Split-, Compilation- und Demo-Songs. Beide Releases sind über der Bandcamp-Seite des Labels gegen Spende erhältlich.

Setlist:
"More Complicated Than a Sci-Fi Flick"
"In Love With an Apparition"
"Your Face Is a Rape Scene"
"Life in a Box"
"Ruiner of Life"
"We Left As Skeletons"
"Punk Rock in the Wrong Hands"
"Ballad of Circling Vultures"
"The Hollowed Out Chest of a Dead Horse"

Spielzeit:

26:19


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Batalj:

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Zwei Schweden und ein Australier lassen sich in der Kulturhauptstadt Berlin nieder, um die Grauzone zwischen GTUK und The Locust zu beackern. Empor schießt ein trashiger Krach-Blizzard aus Synthesizer-Laser-Schlachten und Arm in Arm Stakkato galoppierenden Gitarren und Drums. Für die Aufnahme und den letzten "Feinschliff" gab's prominente Unterstützung von Felix-Florian Tödtloff (u. A. Sun Worship und Solemn League), Shelby Cinca (Gitarrist und Sänger von ehemaligen Frodus) und - natürlich - Bastian Hagedorn alias GTUK.
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Van der Lubbe:

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Fiesester Fastcore und Powerviolence aus Leipzig, benannt nach dem vermeintlichen und hingerichteten Reichstags-Zündler Marinus. Konsequenter Weise erschien ihr Debüt-Release "Reichstagsviolence" nicht nur pünktlich zum 80-jährigem Reichstagsbrand-Jubiläum, sondern wurde auch auf 80 Tapes streng limitiert. Im März 2013 waren sie mit den Wiesbadener Hardcore-Punks SARG unterwegs, was ein gemeinsames Tour-Split-Tape (Free-DL SARG-Hälfte HIER; höre Lubbe-Hälfte HIER) zur Folge hatte.




I Found Myself in Austin, Texas:

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2009 fanden die vier Hamburger, die bereits vorher schon in Bands wie Mietzekotze und Girolamos Walk aktiv waren, zusammen. Ihrem ausufernden Emo, der gerne auch in Erinnerungen an die 90er schwelgte, mischten sie Post-Hardcore und etwas Punk unter und verarbeiteten so ihre Songs zu ungeschliffene, dennoch melodische und rastlose Rocknummern. Ihre im Februar absolvierte 5-Tages-Tour mit den u. g. Jackson Pollock's Action Painting, bedeutete auch gleichzeitig den Abschied der Band. All ihre Songs (überschaubar auf sieben durchnummeriert) sind auf dem Bandcamp verankert, darunter ihr 4-Track-Demo (in Eigenregie auf Tape und CDr erschienen), ihr für die "Leave Nothing But Footprints, Take Nothing But Photographs"-7"-Serie neu gemixter Song "Too Late" und zwei unveröffentlichte Songs, die eigentlich auf zwei geplanten Split-7inches verteilt werden sollten. Während Tobi und Nicola mit ihrer neuen Postcore/-Hardcore-Band Tiny Vessels gerade versuchen eine Tour auf die Beine zu stellen, kann die andere IFMIAT-Hälfte um Lars und Karol mit ihren Ashtray Monument immerhin schon auf ein Demo-Release (Spenden-Download HIER) zurückgreifen. Zwei Songs ihrer kommenden Debüt-EP können schon probegehört werden (höre HIER). Erscheinen soll sie über Tief in Marcellos Schuld.     

DL Demo (Songs einzeln, sonst 1,50€ für Komplett-DL)

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Jackson Pollock's Action Painting:

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Post-Punk und -Hardcore mit etwas Emo-Einschlag passt nicht zusammen? Im Grunde genommen stimmt das auch. Die Genre-Stränge, die die vier Hamburger (darunter auch ein Mitglied von Captain PlanET) auf ihrer Debüt-7" ineinander verknoten, hinterlassen hörbare Narben an den Schnittstellen. Aber genau wie man der abstrakten, expressionistischen Malkunst eben jenes Jackson Pollock ein Faible entgegen bringen muss, sollte man auch bei Jackson Pollock's Action Painting die Toleranzgrenze für experimentelle Musik weit oben ansetzen. Andernfalls würde man wahrscheinlich sowieso nicht über das sympathische Hamburger Label Kids in Misery stolpern, über das die 7" 2012 erschien, und das die heimischen Soundanlagen bekannter Weise nicht stur mit massentauglicher Fließbandware füttert.    


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Patsy O'Hara:

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Düster und vor allem Anti kommen die fünf Bielefelder von Patsy O'Hara daher. Ihr Debüt "Pariahs", auf dem man die Demo-Qualitäten vergebens sucht, da fett rockend und gut ausproduziert, gönnt sich vier Songs, die selbstbewusst durch Hardcore-Punk, Metal und groovenden Rock marschieren. Wem die Zeit zum Durchstöbern ihrer bisherigen Releases fehlt, kann sich das Diskografie-Tape der Band für schlappe 4,50 € zulegen, das alle 25 Songs der Band enthält (darunter auch die neun Songs ihres diesjährig erschienem zweiten Albums "...Sings the Burgeois Blues") und über Farblos Records erschien. Geht auch blind. 

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Außerdem

The Dillinger Escape Plan:

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Drei Jahre nach ihrem letzten und nach eigenen Angaben härtesten Album "Option Paralysis" erscheint nun endlich das neue Album von The Dillinger Escape Plan, das mit seinem Titel erstmal gehörig bunkert, da "One of Us is the Killer" nämlich elf Killersongs (auf der Limited Edition CD noch zusätzlich mit "One of Us is the Killer" im Easy Girl Remix und einer Demoversion von "Nothing's Funny") bei sich aufnimmt. Allerdings muss man den Begriff "Killersong" auch auf ihrem neuen Album wieder einmal in Relation setzen. Nur die wenigsten Songs bersten geradlinig durch den Mathcore wie der Opener "Prancer". Vielmehr servieren sie den Wahnsinn in Schüben, basteln sich kleine Jazz-Arrangements zusammen und kontern ihrer eigenen chaotischen Kakophonie mit genialen Taktwechseln, die fließender als jemals zuvor die Songs in eine andere Richtung schubsen. Nie blitzte der scheinbar positiv hinterlassene Eindruck und -fluss von Mike Patton's vorübergehendem Gastspiels auf "Irony is a Dead Scene" in Greg Puciato's Stimme deutlicher hervor, als auf Dillinger's fünftem Studioalbum, auch wenn "Ire Works" schon damals die Fangemeinde mit diesem verhältnismäßig eingängigen Popsong "Black Bubblegum" verunsicherte, bei dem Puciato die Facetten seines Organs bis hin zum Falsettgesang ausreizte. Fans der ersten Stunde hatten sich da sowieso schon längst von The Dillinger Escape Plan abgewandt. Die neu hinzu gewonnenen freuten sich über die dezent gestreuten Melodiebrocken, die sich auf "Miss Machine" nur spärlich ihren Weg zur Oberfläche bohrten und seitdem immer mehr Beachtung fanden. "One of Us is the Killer" setzt weiterhin auf solche Brocken, nur werden die Anteile von Math- und Chaoscore, Jazz und Melodie neu verteilt. Letzteres offenbart einige neue "Hits" mit pedantischem Wiedererkennungswert, die im Zuge der experimentellen Selbstbestimmung der Band durchaus ihre Daseinsberechtigung untermauern.
        
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Letlive.:

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2010 veröffentlichten Letlive. mit "Fake History" ihr zweites Album, für das die vierköpfige Post-Hardcore-Band aus L.A. reichlich positive Kritik einheimste. Epitaph Records, das Label von Bad-Religion-Gitarrist Brett Gurewitz, sah sich genötigt und nahm die Band unter Vertrag, um ein Jahr später ein Re-Release von "Fake History" unter's Volk zu bringen, das in der europäischen Version mit drei Bonustracks daher kam. Dabei war es nicht die Neuerfindung des Rades, das die Band so aufregend machte. Da waren andere schon viel früher so schlau, Hardcore mit Punk, Metal und etwas Jazz in den Eintopf zu schütten. Es war vielmehr die bandeigene Auslegung des Post-Hardcores, das Jonglieren mit Klischees und die Überzeugung, das Hardcore generell ein dreckiges Geschäft ist. "Fake History" drängte den Hörer somit nicht nur in die engsten Ecken der dunkelsten Kellerräume, sondern präsentierte auch stolz sein enormes Hitpotenzial. Mit "The Blackest Beautiful" erscheint nun also ihr zweites Album über Epitaph, auf dem Jason Aalon Butler den ersten Eindruck, er könnte vielleicht als geouteter Sänger einer Boygroup zu Letlive. rüber geschwappt sein, verdrängen will und den Beweis tätigt, dass er tatsächlich den Geist des einstigen King of Pop in seiner Stimme beherbergt. "The Blackest Beautiful" zielt somit eindeutiger auf die Melodie ab. Die Kanten rund geschliffen und die Kellerlokalität verlassen, um ihre zukünftigen Auftritte in der großen Halle zu feiern. Das verortet die Band noch nicht automatisch im Mainstream, nähert sich allerdings im großen Sprung dem beunruhigenden Trend, mit dem sich bereits damals The Used in die Belanglosigkeit beförderten. Davon sind Letlive. noch einige Schritte entfernt, denn dank einiger eingebauter Details weiß auch "The Blackest Beautiful" zu überraschen, wie z. B. die Violine am Ende von "Virgin Dirt", die düster den darauf folgenden Song "Younger" einleitet. Bleibt also abzuwarten, wohin ihr Weg führt. Hoffentlich nicht in die Belanglosigkeit.     

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Retox:

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Die Band Retox um Schreihals Justin Pearson und Drummer Gabe Serbian (beide The Locust, Holy Molar, Head Wound City, etc.) debütierte 2011 mit ihrer s/t 7" auf Pearson's Label Three.One.G. Für die digitale und physikalische Vollendung ihres ersten Albums "Ugly Animals" griff der Band Patton's Label Ipecac unter die Arme. Mit ihrem zweiten Album "YPLL" sind sie nun ebenfalls auf Epitaph gelandet, wo sie sich gegenüber ihres ersten Albums für ihren halsbrecherischem Punkcore fast doppelt so viel Zeit lassen (22 Minuten). Die zwölf Songs auf "YPLL" sind dennoch präzise und schnell auf den Punk(t) gespielt. Die Gitarren heulen ebenso auf wie Pearson's garstiger, hysterischer Gesang und Serbian-Ersatz Brian Evans vermöbelt das Schlagzeug, als gäbe es keinen Morgen mehr. Allerdings ist "YPLL" ein Stück weit mehr als der Sprung ins Moshpit mit nach vorn ausgestrecktem Bein. Es trägt die gallige Attitüde einstiger Punkhelden im Herzen (oder sonst wo) und stellt vor allem eins klar, nämlich das die San-Diego-Ecke noch einiges zu sagen hat. Und wir hören aufmerksam zu.

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