Donnerstag, Mai 9

Die Bandcamp-Punks Vol. 8


Leitkegel:

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Wir schreiben das Jahr 2011. Draußen bereitet gerade der Herbst mit nass-kalter Wetterfront im Schlepptau seinen Einzug vor. Für vier junge Essener genau die richtige Zeit, um sich für einen Kurzurlaub im Duisburger Le Fink Studio einzumieten. Mit ihrer Debüt-EP "LTKGL" verließen sie es im Dezember, die in den abgeschotteten Studiomauern von der tristen Stimmung außerhalb nicht's mitbekommen hat. Natürlich werfen ihre Texte auch die Frage auf, ob man mit seinem bisherigen Leben und den erreichten Zielen zufrieden sein kann, allerdings ohne sich in Hoffnungs- und Ausweglosigkeit zu begraben. Zu verdanken ist das vor allem Daniel Schnaithmann, der mit seinem forschen bis mahnenden Gesang der Melancholie nur wenig Freiräume lässt, dafür um so energischer in die Vollen gehen kann. Ein Jahr später und mit Erscheinen ihres ersten Minialbums "Raketenwissenschaft", welches digital (Stream HIER) über das Netlabel Pinmusik und in limiterter Pappschuber-CD (100 Stück) über die Band erhältlich ist, haben Leitkegel jeglichem Schubladendenken einen fetten Riegel davor geschoben und basteln aus den Zutaten Indie, Punk, Post-Hardcore und Post-Rock jene Songs, die sich den Hörer nicht gleich vor die Füße werfen, sondern Zeit brauchen und erarbeitet werden müssen.      




Pferd des Gärtners:

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Kleine Mogelpackung: die Münchener Band Pferd des Gärtners ist zwar nicht auf Bandcamp vertreten, ihr bislang einziges Album "Sturmtaucher" gibt's dennoch kostenlos als Directdownload über der Bandpage. Dort erhältlich ist auch die komplett in Eigenregie entstandene CD, eingepackt in einer Metalbox mit 20-seitigem Booklet und handnummeriert auf 296 Stück. Die darauf enthaltenen 18 Songs widmen sich dem 80er-Post-Punk und No-Wave, teils von schummrig düsterer Aura umhüllt und somit etwas an Joy Division und Bauhaus erinnernd. Angeführt wird das Quartett von Gitarrist und Sänger Peter - der etwa in gleichen Teilen auf Englisch und Deutsch singt - , dessen sonore Stimme er sich auch gut und gerne von einem nicht-das-R-rollenden Till Lindemann antrainiert haben könnte. Für etwas Hardcore- und Synthie-Einschlag zeichnet sich dann Drummer Mike verantwortlich.  


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Glorious Thieves:

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Etwas nördlicher, in Regensburg, haben die fünf Mannen von Glorious Thieves gerade die Leinen gelöst und steuern mit ihrer 5-Track-EP "Kurs auf Eisberg" geradewegs in den Sturm. Sänger Tobi hält das Steuer fest in der Hand, zieht beim furchtlosen Trällern gerne mal die Vokale etwas in die Länge und versammelt die restliche Crew zum feucht-fröhlichem Chorus an Deck. Das dabei auch sämtlicher Schmutz und Dreck weggespült wird, wird billigend in Kauf genommen. Ihre Wurzeln liegen eh im Pop-Punk, als in der Gosse. Und solange die Bugwelle noch höher schlägt als die Flut, werden sie daran auch nicht zerbrechen.   



Rollergirls:

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Seit ihrem selbstaufgenommenen 2009er-Debüt "In Heaven Everything is Fine" (Stream HIER) hat sich viel getan bei der Darmstädter Band Rollergirls. Damals spielten sie noch spannenden Post- bzw. Instrumtalrock und waren noch zu viert. Auf ihrer neuen EP "Bombs" und mit einigen Umbesetzungen hat nun auch das Mikrofon seinen Platz auf der Bühne gefunden, oder besser gesagt - gleich drei. Denn ihr hymnenhafter Pop-Punk, der irgendwie noch in den 90ern des Mittleren Westens der USA festhängt, wird stets von einem Chor rotzig vorangetrieben. Und das steht der Band verdammt gut. Ihren neuen Song "Idiot" konnte man jüngst als Vorgeschmack auf das erste, für Mitte 2013 angekündigte Album in der Oetinger Villa in Darmstadt hören. Schlagzeuger Nicolai Hildebrandt übrigens kennt man auch von den Hardcore-Punks SARG und den Psychedelic-Rockern Okta Logue. Entgegen dem Download, befinden sich auf dem roten "Bombs"-Tape vier Songs, zu denen sich zusätzlich vier songbezogene Karten in der Hülle befnden. Da die Erste bereits restlos vergriffen ist, folgte eine zweite Auflage, deren Bestand sich allerdings auch schon dem Ende zuneigen dürfte.     


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Shitface:

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Schaffhausen, den 15.03.2013: Im Neustadt 52 spielen The Raving Mads gerade das Abschiedskonzert ihres Drummers Bernie. Kurz zuvor feierte das Schweizer Trio Shitface ihren ersten Gig. Endlich mal wieder eine Punkband, die sich mit ihrem obszönen Namen selbst in die unterste Schublade steckt. Spätestens jedoch beim ersten Hördurchlauf kann man diese Schublade wieder getrost schließen, denn ihr Pop-Punk präsentiert sich wesentlich geschmackvoller, als ihr Name anfangs vermuten ließ. Unveil-Gitarrist Johann hat selbige froh gestimmt und begleitet zu unbekümmert euphorischen Gesang durch vier frenetische Melodien. Ihr "Hellflip Demo" haben sie in Eigenregie zu je 50 Stück auf clear/grey und black 7"-Vinyl, sowie auf CD pressen lassen, welche auf Konzerten verteilt bzw. per Mail an die Band bestellt werden können.      

DL Hellflip Demo


DxBxSx:

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Sie klingen wie die "Stones auf LSD" oder wie "Testosteron gesteuerte Queens of the Stoneage", oder das als Trio emporgeschossene Keimgut deutscher Punkgeschichte der letzten 40 Jahre. DxBxSx (Drive By Shooting) liefern genügend Gründe, das Phrasenschwein voll zu stopfen. Sie beziehen ihre Einflüsse aus Stoner-, Hard-, Psych- und Punk-Rock, wobei jeder für sich entscheiden kann, welche Phrase nun zutreffend ist. Einige sind übertrieben, Andere sind naheliegend. Ein paar scheinen wie für die Band geschaffen. Eines steht jedenfalls fest - DxBxSx bieten 100% ROCK, und das fett groovend! So macht Prollrock spaß. Über Bandcamp gibt's zwei digital überarbeitete Live-Mitschnitte gratis. Ihre beiden Alben - darunter auch ihr im März erschienenes neues Album "Ihr! Alle! Immer!" -, eine 7" und ein Demo kann im Stream probegehört werden. Na dann mal los... 


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Außerdem

Drahtmensch:


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Einmal Jam-Band, immer Jam-Band. Hinter Drahtmensch verbergen sich Eric Bauer und Christian Dräger aus Westerwald, die schon gemeinsam bei der experimentell jazzigen Avantgarde-Band Laube spielten. Mit deren Debütalbum "Ausmerzen" (höre HIER, kaufe HIER) schafften sie es immerhin auf Sonic Meditations, dem Label von Expo '70-Frontmann Justin Wright. Ihre erste eigene Jam-Session packten die beiden 2011 auf das Demo "Als gäb es kein Morgen" (Stream HIER), damals noch unter den anfänglichen Namen Nail Me und aufgenommen im eigenen Proberaum "Laube". Vielleicht lag es am anstößigen Namen, dass sie sich 2012 in Drahtmensch umbenannten. Ihr Quasi-Debüt "As Everything Slows Down", erschienen als Tape über das italienische Experimentell-Label HysM?, ist weniger Jam, als vielmehr die Quintessenz ihrer bisherigen Noiseeskapaden. Auch wenn der Song "Made Out of Glue" nach fünfminütigen Trommelschlagen und Gitarrenzupfen plötzlich durch rohes Geschrei zerborsten wird, bewegt sich das Duo nun näher an der Struktur, als jemals zuvor. Der folgende Song "This Room" lässt den Hörer nicht ganz so lange zappeln und explodiert zum melodischen Post-Punk-Reigen. Mit "Interactions" folgt ein nervöser Post-Rock-Song, der sich zur Mitte hin seiner melancholischen Fesseln entledigt und die Harmonie im aufwirbelnden Sturm verliert. Aber Harmonie ist sowieso so seine Sache, an der Drahtmensch lieber vorbeispielen, als sie erzwingen zu müssen. Und manchmal ergibt sie sich eben.   


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 Ludger:

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Das letzte Release "Monsignore Krusenotto" der Hamburger Punkgruppe liegt bereits zwei Jahre zurück. Nicht mehr ganz so aktuell also und dennoch hat sich in den letzten Jahren bei den fünf Beteiligten so einiges getan. Juri Gagarin und peters. gehören der Musikgeschichte an, ClickClickDecker veröffentlichen seit langem nur noch gesplittet (am 24.05. erscheint ihre Split mit Captain Planet über GHVC) und Herrenmagazin beeindruckten mit ihrem letzten Album "Das Ergebnis wäre Stille" nicht nur die Leute von der Visions. Nach einer Session Weihnachten 2009 in der Hamburger Astra Stube,  fanden sich einige derer Mitglieder nun also in der Supergroup Ludger wieder, angeführt von ex-peters.-Sänger Jörg Fuchs, was irgendwie auch nicht zu überhören ist. Deutschpunk, aufgeregt, ehrlich, abgeklärt und irgendwo in der Schnittmenge von Dackelblut und Knochenfabrik. Ihr auf 7"-Format gepresstes, zweites Album erschien über Kids in Misery und ist noch vorrätig. Die Tapes und CD's des Debüt-Albums "Auf Eis" sind bereits seit langem vergriffen.  


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