Mittwoch, Juli 24

Der Bandcamp-Hardcore Vol.14


Wild Zombie Blast Guide:

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Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde zurück...und Wild Zombie Blast Guide gleich hinterher. Auf ihrem Debüt-Album sind sich die fünf Würzburger nicht zu schade, die Zombie-Klischees und die des Metalcores gleich noch hinterher, zu bedienen. Das ist nicht weiter schlimm, denn wer bei dem Bandnamen und Cover was anderes erwartet hätte, hat es nicht anders verdient als enttäuscht zu werden. Genre-Fans hingegen bekommen die volle Breitseite Hardcore-Riffs und Doublebass um die Ohren geballert und freuen sich über kompromisslose, eingängige Songs mit cleanen Gesangseinlagen.  


The Sky Above and Earth Below:

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The Sky Above and Earth Below aus Portland spielen vertrackten Post-Hardcore und runden diesen mit Screamo ab. Dabei sieht sich das 2009 gegründete Trio von Bands wie Portraits of Past, Shai Hulud und generell Screamo-Bands um die Jahrtausendwende, beeinflusst. Ihre 2010er Debüt-EP "Quest's Timescape" klingt im Vergleich zu ihrem ersten Album "Parting Ways" (höre HIER), welches Mai 2013 über Friends For Life Records erschien, noch etwas roher und verzichtete auf cleane Gesangparts. "Parting Ways" trumpft mit einer Vielzahl von Gastsängern auf, die das ändern sollten. Über Miller Reda's, Gitarrist und einer von drei TSAAEB-Schreihälsen, Bandcamp-Seite kann man sich einige instrumentale Akustik-Demos downloaden, darunter Covers, angefangene Ideen und Songs seines angekündigten Akustik-Albums.



DL Acoustic Demos by Miller Reda:

Grandfather:

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Nach der Auflösung seiner Band A Ghost's Face Two Inches From Your Own Face lieh Miller Reda 2011 den frickeligen und scheinbar schizophrenen Mathcorelern Grandfather sein garstiges Organ und gliederte sich in selbiger Art problemlos ins Bandgefüge ein. Mit jazzigen Jameinlagen erinnert ihre teuflische Mixtur eher noch an Ephel Duath, aber Vergleiche und Referenzen sucht man hier eh überall und doch nirgends. Bei Grandfather traf Reda auf Sam Pape, von dem er schwärmte, er sei der beste Drummer mit dem er jemals zusammen gespielt hätte (und hört man sich die Grandfather-Songs an, weiß man wohl auch, was er damit meinte). Reda und Pape trafen sich schließlich im Proberaum oben genannter TSAAEB wieder.




Pardee Shorts:

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Nicht leichter machen es einen Pardee Shorts, bei denen TSAAEB-Bassist und Friends-For-Life-Eigner Reid Stubblefield mitmischt und unsere kleine Portland-Exkursion nun schließlich enden soll. Die spielen einen Mix aus Jazz-Fusion und Screamo, die in ihren wahnwitzigsten Momenten eine ebenso große Leidenschaft für 50er-Jahre-Cartoons entwickelt, wie es Fantomas bereits auf ihrem Album "Suspended Animation" taten.    



Truth:

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Das texanische Straight-Edge-Quartett Truth fand 2011 zusammen und präsentiert sich in bester Youth-of-Today-Manier. Ihrem 2011er Demo, welches mit freundlicher Unterstützung von Like Glue Records, ein für Hardcore-Demo-Releases offenes Einsteiger-Label (viele Free-Downloads HIER), veröffentlicht wurde, folgte letzten Monat ihre Debüt-EP "Where I Stand", die die Band als Tape-Version (40 gelb, 25 rot -> bereits vergriffen) an den Mann bringt. Darauf enthalten ist auch der Song "Just Understand", der es auf den kostenlosen Sampler (lade HIER) des Hardcore-Collectives, einem Hardcore-Online-Zine, geschafft hat.


Old Ghosts:

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Wie die Hohepriester ins Intro von "Invocation" gelangt sind, bleibt Spekulation. Old Ghosts huldigen auf ihrer Debüt-LP "Caskets" aber keineswegs den fiesesten und dunkelsten Kreaturen der Unterwelt. Vielmehr geht es um den Teufel, den jeder Mensch mehr oder weniger in sich trägt, und diejenigen, die ihn nicht kontrollieren können zu den wahren Monstern dieser Welt werden lässt. In diesem Sinne verpacken Old Ghosts ihre Songs in kompromisslosen Hardcore-Punk, der mit treibenden Riffs und konternder Attitüde zum Rundumschlag gegen jene Monster ausholt. Und da sie bereits ihr Debüt mit einer fachmännischen Routine belegen, wird auch schnell klar, dass hier keine Anfänger zu Werke gehen. Neben dreier Gründungsmitglieder ehemaliger Dead Hearts, stießen sich einige Mitglieder zuvor ihre Hörner bei nicht weniger ambitionierten Halfmast, The Pavers und anderen, der Buffaloer Undergroundszene zugehörigen Hardcore-Bands, ab.


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Unified Right:


Noch ohne Internetpräsenz und mit erstem Demo melden sich Unified Right. Letzteres verteilt fünf pfeilschnelle und präzise Hardcore-Arschtritte, wovon mehr als die Hälfte nicht mal die Ein-Minuten-Grenze knacken. Das neu gegründete Chiller Than Most Fanzine will die Band in seiner ersten Ausgabe zur Rede stellen. Wer also mehr erfahren möchte, sollte das im Auge behalten. Bis dahin kann man sich ihr Debüt-Demo kostenlos saugen oder ein Tape direkt über der Band ordern (unifiedrightdemo@gmail.com).

Außerdem

Dÿse:

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Unlängst sind fast alle ihrer Vinyl-Releases (vor allem ihre 7"-Trilogie "Honig", "Agaragnag" & "Houthakkertje", die in einer rostigen Metalbox verpackte 5"+DVD sowieso) zu Objekten der Begierde sämtlicher Genre-Liebhaber avanciert. Dabei macht es einem das chemnitzer Duo Dÿse (mittlerweile in Berlin und Dresden sesshaft) mit seinem Noise-vertrackten Mix aus Hardcore, Stoner, Punk und anderen avantgardistischen Einlagen gar nicht mal so einfach. Vielleicht liegt es nur daran, dass man das, was man nicht haben kann, am meisten will. So sollte man sich lieber schnell beeilen, will man noch eine der auf 200 Stück limitierten roten 7" "Sag Hans zu mir" (inkl. DLC) ergattern, die nur über dem Major Label oder auf den Konzerten erhältlich ist. Alle anderen müssen sich mit der Standard-Black-Vinyl-Variante vergnügen. Egal, der Inhalt bleibt ja der gleiche. Für die A-Seite verlagern die beiden ihren Standort in die staubige Wüste und krönen das Ganze mit Falsett-Chören. Das auf der B-Seite enthaltene "Sag Hans zu mir" treibt im Piratenoutfit weit hinaus auf's tief-blaue Meer. Ein toller Vorgeschmack auf das 2013 angekündigte dritte Album, auf das wir alle gespannt sein dürfen.  

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The World is a Beautiful Place & I am No Longer Afraid to Die:
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Es ist sicherlich äußerst optimistisch, TWIABPAIANLATD in die Liste der Hardcore-Vertreter aufzunehmen, denn bereits bei ihrem ersten Auftritt bei Gerda (siehe HIER) musste ich mich redlich bemühen, die Genre-Klassifizierungen im überschaubarem Zaum zu halten. Post-rockender Emo, der sich unbeschwert und leicht von frenetischen Chören über sommerliche Melodien tragen lässt und vielleicht auch deshalb so unerwartet an einigen Stellen in den Post-Hardcore ausbricht. Ein Spagat, der niemals aufgesetzt wirkt oder erzwungen werden muss. Bei TWIABPAIANLATD kommt eben das, was kommen muss. Und das ist neben das gute Gefühl, am Leben zu sein, eben auch die Kehrseite. Nun ist die mittlerweile auf acht Mitglieder angewachsene Band aus Willimantic, CT seit Mitte Juni 2013 mit ihrem langersehnten ersten Album "Whenever, If Ever" am Start, welches dem 2010er Demo (2012 über TWIABPAIANLATD-Gitarrist und Mitsänger Derrick Shanholtzer-Dvoraks Label Broken World Media als auf 40 St. limitiertes Tape neu aufgelegt), zwei vorangegangenen EP's, einer Split-LP mit Dear Leap (jeweils kostenlos über Bandcamp) und der diesjährig erschienenen 4-Way-Split folgt. Die Single "Gig Life" wurde vorab ins Rennen geschickt und offenbarte im einleitenden Akustik-Part neben den gewohnten auch eine vollkommen neue Stärke der Band. Derrick's Frau Katie konnte als Keyboarderin und festes Bandmitglied gewonnen werden und streut zudem gelegentlich ihre liebliche Stimme mitunter. "Whenever, If Ever" ist die konsequente Fortführung ihres bisherigen Schaffens, auf dem der Topshelf-Dauerbrenner glücklicherweise auf eine Extra-Schippe Cello- und Trompeten-Bombast (oder -Kitsch) verzichtet. Die LP war bereits im Pre-Order fast vollständig ausverkauft. Eine zweite Pressung von 1000 St. auf Hunter Green Vinyl wurde nachgelegt.     
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Crash of Rhinos:
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Nach ihrem 2011 erschienenem Debüt-Album "Distral" (über Bandcamp immer noch als PWYW-DL HIER) legen die fünf Engländer von Crash of Rhinos nun also zwei Jahre später ihr zweites Album nach. Wieder pompös mit zwei Gitarren, zwei Bässen und fünf Sängern ausgestattet. Wieder tobt sich der Großteil der Songs weit oberhalb der Vier-Minuten-Grenze aus. Die beiden kürzesten Songs "Everything is..." und "The Reason I Took so Long" sind akustische Instrumental-Interludes, das an dritter Stelle folgende "Lean Out" eine Ballade. Crash of Rhinos sind auch im Jahr 2013 noch eine energetische Math-Rock-Band, die ihre Eingängigkeit höchstens aus der ständigen Unberechenbarkeit ihrer Songs bezieht. Auf "Knots" hat sich dennoch einiges geändert. Zwar führen Crash of Rhinos noch immer ihre Paradedisziplin - nämlich dem fortlaufenden Takt- und Tempowechsel - mit Begeisterung und ideenreich aus, nur müssen diese nicht zwangsläufig mehr Katz und Maus miteinander spielen. Ihre Songs lassen sie nicht mehr durch's rechtwinklige Labyrinth mäandern, sondern ziehen sie durch die Wendeschleife und lassen somit den tollen Melodien mehr Platz zur Entfaltung und gestalten die Übergänge fließender. "Knots" leistet sich somit mit einigen Songs den Luxus des Wiedererkennungswertes und das steht der Band außerordentlich gut, da sie nunmal tolle Melodien schreiben können. Abgerundet, aber nicht glatt geschliffen. So bleiben immer noch genügend Freiräume für kleine Punk- und Post-Hardcore-Ausflüge.   
Neben der CD-Version erscheint "Knots" auch auf Vinyl, das man über Topshelf Records in der Standard Black Edition (550 St.) und in der limitierten Schwarz-Weiß-Splatter-Variante (150 St.) ordern kann. In letzterer limitierten Auflage kann das Album auch als Blood-Red-Vinyl über das italienische Label To Lose La Track ergattert werden.
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Malm:
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Für all Diejenigen, die dem Würzburger Trio Malm in ihrer 15-jährigen Bandgeschichte noch nicht über dem Weg gelaufen sind: spätestens mit ihrem Debüt-Longplayer "Blut geleckt" (2005, höre HIER), dem Kurt Ebelhäuser damals einen brachial fetten Sound verpasste, dürfte man als Liebhaber der Extreme das erste Mal über die Band gestolpert sein. Ihr stakkato-hüpfender Noisecore erinnert heute an nicht weniger leicht zu verdauende Dÿse, nur dass diese auf ihrem S/T-Debüt-Album eben "Der Mann aus Gold" schrieen und nicht "Zu viele kleine Wichser überall!", wie es Malm-Reibeisen-Stimme Ali Hartmann in "4 Meter" voller Inbrunst tat. Im Juni 2013 folgte nun also mit "Hüllenlos" ihr zweites Album, wofür die drei Mitglieder von Malm wahrscheinlich die komplette Oldenburger Tonmeisterei auseinander nahmen. Und unbeeindruckt dessen, dass die Blütezeit derartiger Noisecore-Bands schon einige Jahre zurückliegt, machen Malm da weiter, wo sie 2009 auf ihrer gemeinsamen Split mit den 2010 aufgelösten, nicht weniger komplizierten Noise-Rockern Kint aufhörten. Noch immer steckt in ihren Texte eine Menge Wut, die uns Ali mit reichlich Galle ins Gesicht spuckt. Vom metallisch scheppernden Schlagwerk lassen wir uns danach die Knochen aus unserem Korpus prügeln. Aber wer bis hierher gekommen ist, kann auch das wegstecken. Wenn in den Songs "Entzug" und "Moderne Sklaverei" dann erstmal die treibenden Hooks ausgepackt werden, können wir uns schließlich doch noch mit schmerzverzerrtem Gesicht zu einem rhythmischen Kopfnicken zwingen.           
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