Samstag, April 19

Die Bandcamp-Punks Vol.19

Dirt Nap



Ob Springfield, Missouri die Heimatstadt der Simpsons ist, bleibt weiterhin ungewiss. Zumindest aber ist die 160.000-Einwohner-Stadt Herberge einer stetig anwachsenden DIY-Musikszene, in der sich die Beteiligten gerne auch mal gegenseitig aushelfen oder auf die Füße treten. Das Quartett Dirt Nap gründete sich irgendwann im Laufe des Jahres 2013 und veröffentlichte noch Ende selbigen das Debüt-Album "Just Ask the Boys", auf dem auch Gastsängerin Inge Chile von der Math-Pop-Gruppe Ings und Blackhole-Frontshouter Hal zu hören sind. Neben ihren Oberlippenbärtchen, servieren uns Dirt Nap vor allem musikalisch einen sympathischen Flashback aus den 80ern. Fuzz Rock, Surf, Garage, Punk und Psychobilly werden der Reihe nach abgearbeitet, letztendlich im Lo-Fi-Sound gebündelt und mit freundlichen Grüßen vom Batmobile, der Stray Cats und den Beach Boys in die Gegenwart katapultiert. Fetzt!

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DL & Buy Tape "Just Ask the Boys"

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Hans-Dieter X

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Yakuzzi Tapes/Spastic Fantastic, die Erste: "Diese Männer haben sich nicht zum Zeitvertreib versammelt. Sie haben ein gemeinsames Problem: Ihr Vorname ist Dieter und sie leiden darunter." Wer also irrtümlicher Weise davon ausgegangen ist, hier eine Spaßkapelle vorgesetzt zu bekommen, der kann sich jetzt mal gepflegt in die Ecke stellen und sich gründlich schämen. Denn für einige Betroffene scheint Hans-Dieter mehr als nur ein äußerst undankbares Geschenk ihrer Eltern zu sein, nämlich eine Krankheit. Als Therapie wählen die vier Darmstädter die Frust - von - der - Seele - schreien - und - dazu - wild - auf - die - Instrumente - einkloppen - Methode, und verlieren sich dabei im ausgelassenen und schnellen Trash-Punk bzw. Fastcore. Nach dreizehn Attacken und vierzehn Minuten ist die Sitzung dann auch schon wieder vorbei. Ob die Betroffenen vollständig genesen sind, bleibt zu bezweifeln. Dafür gibt's jetzt 'ne neue Therapiegruppe.

DL Demo Tape HERE & HERE



Nakam

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Yakuzzi Tapes/Spasic Fantastic, die Zweite: Nakam steht kurz für Noise aka Music. Oder vielleicht doch für die jüdische, radikale Organisation gleichen namens, die in der Nachkriegszeit Rache (= Nakam) für den Holocaust verübte und verüben wollte? Letzteres würde zumindest die Songnamen "Plan A" (der Plan, die Trinkwasserversorgung in mehreren Städten zu vergiften und somit Rache am deutschen Volk zu nehmen) und "Plan B" (die Vergiftung inhaftierter SS-Angehöriger) erklären. Musikalisch verbindet die Freiburger Band auf ihrem Demo-Debüt trashigen Punk der Marke Nihil Baxter mit den melodisch rockenden Gitarren der Derby Dolls und Hysterese. Und warum zieht er als Referenz nun ausgerechnet diese Bands heran? Naja, dürfte wohl klar sein. Ihr seid ja schließlich nicht auf den Kopf gefallen. Demo Tape soll im April erscheinen.

DL Demo HERE & HERE


Tesla Cessna

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Weg vom Trash und hin zum derbst angepissten Hardcore-Punk, zieht uns die Greifswalder Band Tesla Cessna, deren Frontmann Archi sich schon bei Schleim (???) austobte und der mit seiner melodischen Nebenband Auf Bewährung mittlerweile halb Europa aufgemischt hat. Weniger melodisch, als vielmehr mit reichlich Attitüde, prügelt uns das Trio auf ihrer Debüt-10inch "Revenge" zwölf Songs innerhalb von sechzehn Minuten in die Ohren. Natürlich darf die Gitarre auch gerne mal die eine oder andere treibende Hook ausspucken. Titel wie "Burn the Major Labels", "Frustrated", "Fick die Cops" und das einleitende "Anti" zeigen jedoch, dass die Band auch inhaltlich mächtig viel Staub aufwirbeln will. Damit konnten sie immerhin schon die Berliner Reisegruppe Morgenthau beeindrucken, die gleich mal den Aggro-Hit "Alles kaputt" coverten, und auch die Agressive Punk Production, die Tesla Cessna auf den Bonus-Download-Sampler zum letzten Aggropunk-Volumen raufpackten. Der auf Bandcamp bereitgestellte Spendendownload enthält nur sieben der insgesamt zwölf 10"-Songs. Wer das komplette Paket haben möchte, kann sich eine der 300 Vinyl-Scheibchen zulegen, von denen die ersten hundert auf blut-rotem Wachs gepresst wurden.


Buy Here, Here & Here


Bambi

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Will uns das Gladbacher Quartett Bambi mit diesem nicht gerade selten vergebenen Namen vorab etwas mitteilen? Erwartet uns etwa unstillbarer Herzschmerz, so wie im gleichnamigen Zeichentrickfilm? Soll dieser Name die Juroren des ebenfalls unter diesem Namen bekannten Medienpreises beeinflussen? Oder wollen sie lediglich ihre Hörerschaft bei der Google-Suche nach ihnen etwas ärgern? Mit ihrem Mix aus Indie-Pop und Indie-Punk, erinnert die Band Bambi ansonsten eher an erst kürzlich vorgestellte Felias. Manchmal vielleicht etwas sprunghafter und dynamischer, aber mindestens genauso ausschweifend. Die Band war sogar schon auf einem Vision-Sampler vertreten und verkörpert mit über 1000 Facebook-Likes den zumindest statistisch gesehenen, prominentesten Vertreter dieses Beitrags.

DL Egotrip EP HERE & HERE


Krawehl

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Den meisten dürfte das Bielefelder Trio Krawehl wohl eher durch ihre gemeinsame Split mit Willy Fog in den Köpfen hängen geblieben sein. Damit schafften sie immerhin den Sprung in die Release-Liste von Lala Schallplatten und musikalisch in die goldene Mitte der Labelsprösslinge Käfer K, Jan.tenner, Jimmy Kafka und eben auch Willy Fog. Post-Punk und angerauter Emo, der sich bis an die Grenze zum Post-Hardcore vorwagt und die Nähe zum mittleren Westen sucht. Und wer weiß, ob der Song "100kiloschmerz" ihrer Debüt-EP "Aus der Geschichte kommt keiner raus", die auf 150 CDr's und 50 handnummerierte Tapes jeweils mit A4-Textblatt gebannt wurde, nicht schon eine böse Vorahnung auf das in diesem Jahr besiegelte Aus des Schwelmer Labels 100kiloherz war. Vom Titel her, als auch von der Grundstimmung des Songs, dürfte es jedenfalls im Kern das wiederspiegeln, was Benja und Pia wohl gefühlt haben müssen, als sie Ende Februar die Türen zu ihrem Label endgültig verschlossen. Auch wenn Krawehl's letztes Release fast schon drei Jahre zurückliegt, muss man die Band nicht zwangsläufig abschreiben. Derzeit konzentrieren sie sich mehr auf's Touren, wo sie im Mai den Städten Halle/S. und Frankfurt a. M. einen Besuch abstatten und auf der Strecke dazwischen noch gerne einen Zwischenstopp einlegen würden. Wer Vorschläge hat, darf diese gerne mit Mail an Krawehl@lala-schallplatten.de oder PN über Facebook unterbreiten.


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Youth Avoiders

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Frankreich und Deutschland, ausnahmsweise mal keine Geschichte voller Missverständnisse. Und das nicht nur, weil in regelmäßigen Abständen auch immer wieder französische Bands auf unserem Blog breit getreten werden. Das Quintett Youth Avoiders beschäftigt neben vier Parisern nämlich auch einen Deutschen. Um euch ein Bild davon zu machen, wie gut das funktioniert, könnt ihr euch über Bandcamp die komplette Diskografie der Band gegen Spende saugen, darunter auch ihr letztjährig erschienenes, selbstbetiteltes Debüt-Album. Darauf untermauern Youth Avoiders nochmal eindrucksvoll ihre außergewöhnliche und individuelle Herangehensweise an den Hardcore-Punk, die sie auch unter tausenden Bands noch herausstechen lässt. Aus den elf eingängigen Nummern, die permanent von echauffierten Geschreie begleitet werden, stechen vor allem die immer wieder einspringenden Westerntwangs heraus, am auffälligtsen vielleicht im Song "Snake Charmer". Der Opener "Cold Mines" und "Affliction" bieten gar der "Casio-Orgel" eine Lobby, während "Casting Lots" mit einem frivolen Marsch ausklingt und der letzte Song "Oil Slick" durch seine Punk-Chöre hängen bleibt. "Grit Your Teeth" und "Control" bringen gar Single-Charakter mit sich. Fazit: Blöder Amiga-Game-Bandname, Hammer-Album. Kaufen!

DL Split 7" w/ Zombies Are Pissed! ->A-Side////B-Side

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Soda Bomb

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Der frühere Punk der Pixies, gepaart mit dem emotionsgeladenen Rock älterer Brand New. Ihr feines Gespür für tolle Melodien haben sie von beiden Bands gleichermaßen absorbiert. So schlicht und schnell könnte man die noch junge Band Soda Bomb aus Long Island beschreiben. Dass allerdings wesentlich mehr Potential in der Band steckt, als das zusammenschmeißen ihrer Einflüsse, hat auch Derrick Shanholtzer-Dvorak erkannt, der Soda Bomb nicht nur als Support für seine Band TWIABP&IANLATD mit auf Tour nahm, sondern sie mit ihrer neuen EP "The Future is Gonna Suck" auch gleich mal auf seinem Label Broken World Media unterbrachte. Neben Lo-fi-Punk und Garage, offenbart die Band darauf auch ihr Faible für überraschend kurzweilig plänkelnde Gitarren, und auf der sie sogar einen Song wie "Soft Grunge" buchstäblich zum Programm machen. Kaum vorstellbar, was da noch alles möglich wäre, sollte die Band zur Aufnahme ihrer Songs mal in ein richtiges Studio besuchen. 




Posture & the Grizzly

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Posture & the Grizzly ist ein Nebenprojekt von Mitgliedern der Band One Hundred Year Ocean, die sich widerum ebenfalls "nur" als Nebenprojekt aus TWIABP&IANLATD herauskristallisiert hat. Wie bereits ihre Demo-EP "Calling All Creeps (...)", die auf pissgelbes Tape gebannt wurde, erschien kürzlich und vorerst nur digital auch ihr erster Longplayer "Busch Hymns" über Broken World Media, womit sich der Kreis um Mittelpunkt Derrick Shanholtzer-Dvorak schließt. Und auch wenn die Diskografie des Art-Designers, Produzenten, Songschreibers, Sängers, Gitarristen und Trommlers mittlerweile nur noch schwer nachzuverfolgen ist, resultiert sein neues Projekt nicht aus überhasteter Torschlusspanik. Mit Posture & the Grizzly darf es nun auch wieder etwas dynamischer zur Sache gehen. Weg vom plänkelnden und ausbrechenden Emocore, hin zum anfänglichen Punk früherer Jugendtage. Die acht Songs auf "Busch Hymns" sind ungestüm und "catchy" zugleich und bilden somit das perfekte Bindemittel zu J Nasty's rauhen, kratzigen Gesang, der vor den Aufnahmen anscheinend viel Gainesville-Luft eingeatmet hat. Im Ganzen zu emotional für klassischen Punkrock und zu roh und kantig, um Pop-Punk-Jünger verzücken zu können, obwohl ihre inhaltliche Direktheit stark an frühere Blink oder gar an die Bloodhound Gang erinnern.




Außerdem


Together

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Together sind sicher nicht mehr der Geheimtipp schlechthin. Dafür trug die Aschaffenburger Band in den letzten Jahren selbst Sorge, indem sie sich durch fleißiges Touren durch ganz Europa regelrecht den Arsch aufriss - und die der Hörerschaft am besten gleich mit. Höhepunkt dürfte wohl die gemeinsame Minitour 2011 durch Deutschland mit Defeater und More Than Life darstellen, die ihre Supportbands sicherlich auch nicht im Blind-Dart-Verfahren auserwählen. Schließlich wird Together seit ihrem 2010er Double-Seven-Inch-Release "The Odyssey" ja auch eine musikalische Nähe zu beiden Bands attestiert. Damit haben sie scheinbar auch Jay Mass, Gitarrist und zweite Stimme von Defeater, beeindrucken können, der sich gleich mal eigenhändig um's Mastering ihrer dritten EP "-Prologue-" kümmerte. Nun war "-Prologue-" aber ausgerechnet die EP, die Together ein Stück weit weg vom eng beräumten, sperrigen Hardcore und hin zum omnipräsenten Rock lotste. Was dies für das erste Album der Band bedeuten sollte, konnte man zwar erahnen, das Ausmaß dürfte aber dennoch den einen oder anderen überrascht, vielleicht sogar kalt erwischt haben. "Of Life and Love and Some Things in Between" klingt zunächst einmal so, wie die beiden Cover der "Odyssey"- und "-Prologue-"-EP nebeneinander gelegt wirken. Nämlich nach altehrwürdigen Heavy-Stoner-Rock und jugendlich frischen, aggressiven Melodic Hardcore. Bereits in "Youth", dem regulären Opener des Albums, rollen zu Beginn die tiefgestimmten Gitarren genauso haltlos wie die entwurzelten Wüstenbüsche, ehe das echauffierte Geschreie den Song in die Spur des Modern Hardcore treibt. Das darauffolgende "To the Beautiful Ones" entführt mit aufheulenden Gitarren gar in den Orient, während das schrammelige "Generation Y" die Band von ihrer ebenfalls ansehnlichen, uneingängigen Seite zeigt. Damit machen Together zu Zeiten, wo Stoner scheinbar das neue "Back to the Roots" symbolisiert, alles richtig. "The Sharktown Boys Reign" setzt da sogar noch einen drauf und reitet nicht nur selbstbewusst durch die Prärie, sondern mit Schmackes durch den Rock'n'Roll. Die Hit-Single platzieren Together dann an neunter Stelle, um noch mal ordentlich für den Schlussspurt einzuheißen.
Es ist schwer, alle Einflüsse der Band auf "OLALASTIB" zu benennen, ohne den Hörer bereits vor einem ersten Hörversuch abzuschrecken. Hört selbst - und kniet nieder!



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