Dienstag, August 7

Die Bandcamp-Punks Vol. 1



Hallo,

hab mir diesmal das Punkgenre zur Brust genommen und bei meinem Streifzug durch's Bandcamp einige interessante Vetreter eingekeschert. Auch hier scheint ein rasend schneller Anstieg der Population stattzufinden, sodass ich letzten Endes einige wieder aussetzen musste. Andere, lohnenswerte Fänge dagegen, wurden erst einmal ins Aquarium gesetzt und werden sicherlich im zweiten Volumen aus(einander)genommen. Viel Spaß beim Reinhören.


Iron Chic

"Come with us if you want to live." steht auf der Facebook-Seite als Begrüßung. Naja..nicht gerade sehr kreativ, wahrscheinlich aber auch bloß halb so ernst gemeint, wie es sich liest. Die fünf Spaßvögel aus Long Island dürften wohl die prominentesten Vertreter dieser Liste sein. Sie verfügen über einen Labelvertrag, zeigen mit Myspace, Facebook und einer eigenen Bandpage die meiste Internetpresänz und allesamt stießen sich die Hörner bereits in anderen Projekten (Small Arms Dealer, Latterman, Capital & Jonesin') ab. Vor allem letzteres ist dem Melodie verliebten und hymnenhaften Punk von Iron Chic anzumerken. Bereits ihr 2008 erschienenes Demo strotzt nur so vor schnörkelloser Rountine. Eine Reise im Tourbus der Jungs wäre wahrscheinlich in der Tat ein kleines Abenteuer und Autoradio kompatibel ist ihre Musik sowieso. Bleibt nur abzuwarten, wie lange die Suche nach der perfekten Melodie noch gelingen wird. Schweres Laster, das schon so manch anderem Gleichgesinnten zum Verhängnis wurde. Abwarten, über Bandcamp bekommt ihr erstmal das Demo, die Shitty Rambo Ep und einige Euro-Tour-Releases kostenlos, das Album Not Like This kostet unwesentlich mehr.
 


Rabbit Lesson


Fünfer-Combo aus der Schweiz spielt Melodic-Punk der aggressiveren Sorte. Klingt wie eine Light-Version von Boysetsfire, halt nur weniger Riffs und Hardcore. 3-Track-Ep gibt's gratis. Könnte was werden und sollte man bespitzeln.






Kid Valiant

Und weil's so schön war, gleich noch eine hinterher. Diesmal aus dem Norden Indianas. Allerdings dekorieren Kid Valiant ihren Melodic-Punk mit 'ner ordentlichen Portion FUN. Bisweilen erinnert ihr Sound stark an frühere Donots. Unsere Jungs sind aber cooler!




Sarongs

Diese Band hätte eigentlich eine eigene Rezension benötigt, denn das Debüt-Tape der fünf Amis um Frontfrau Lindsey Leonard, ist mit seinen gerade mal sieben Tracks derart vielseitig und verschroben, dass es unweigerlich die Frage aufwirft - wo fängt Punk an und wo hört er auf?! Und wären da nicht die sozial- und politisch kritischen Texte, hätte ich diese Band hier wahrscheinlich nicht aufgelistet. Aber nun gut, sie steht hier, also machen wir das Beste drauß: die ersten beiden Songs machen es einen noch recht leicht. Das ist surrealistisch angehauchter, kabarettistischer Punk auf Surfgitarren und Orgel. Klar! Danach wendet sich die Band etwas dem Post-Punk zu, ehe es mit "Police Chase" auf dem Surfbrett und mit Blaulicht Richtung 70-/80ger geht. Das fast 10-minütige "Mineral" wiederum, hätte in seiner düster umhüllten Aura und dem zum Ende hin fast schon debilem Ausarten, wohl auch getrost Platz auf Fantomas "Director's Cut" einnehmen können. Im letzten Song wird dann noch mal alles durch den Verzerrer gejagt und zu einer dommenden Spirale gepresst. Fans von Dresden Dolls, Be Your Own Pet oder den Tornadoes werden gleichermaßen erfreut und geschockt sein. Gut so!



Poesie Zero

Poesie Zero aus Frankreich machen es einen da schon leichter. Die spielen klassischen Punk, treibend, dynamisch, der Marke Shandon (nur ohne Ska). Die in ihrer Landessprache rausposaunten Lyrics lassen die Band zwar nicht außergewöhnlich, aber immerhin sympathisch rüber kommen. 

Buy via Bigcartel
DL Demo via Bandcamp
DL PZHC via Bandcamp
DL Bonne Attitude via Bandcamp



Auf Bewährung

Zu guter Letzt immerhin noch 'ne Band aus unserem Lande. Konnte da auf die Schnelle leider nicht so viel finden. Und leider deshalb, weil man für den "asozialen" (kann nach Belieben positiv oder negativ ausgelegt werden) Streetpunk der vier Jungs von Auf Bewährung, sicherlich ein Faible mitbringen sollte. Vorweg: mein Ding ist das nicht, aber darum geht's hier ja nicht. Die Jungs standen bereits mit Kollegen wie Fahnenflucht, Rasta Knast, Kotzreiz und den Skeptikern auf einer gemeinsamen Bühne. Dürfte daher UNMISSVERSTÄNDLICH klar sein, in welche Richtung sie ihre geballte Faust strecken: Rassismus, Krieg und Politik. Der Song "1312 (Hass wie noch nie)" dürfte zudem nicht nur ihre Ablehnung gegenüber unserer Staatsgewalt zum Ausdruck bringen, sondern auch zeigen, wie und wo die Jungs ihre Freizeit verbringen. Musikalisch reizen Auf Bewährung eigentlich die volle Bandbreite ihres Genres aus: offensive Gitarren und Bass im Homerecord-Soundgewand, ein bisschen Ska und Schlachtrufhymnen vom Fließband. Wer jetzt schon mit der Zunge schnalzt, darf sich noch auf penetrant provozierte Reime freuen. Geht ja im Punk schließlich nicht um den Literaturnobelpreis und muss zudem für Jedermann klar verständlich sein!

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