Mittwoch, November 22

ZilpZalp - ...auf den Versen



Sucht mensch im Internet nach dem Namen Zilpzalp, muss er/sie nicht zwangsläufig über den musikalischen Dortmunder Vierer ZilpZalp stolpern. Wahrscheinlicher ist es, auf irgendeinen Naturbericht oder Lexikoneintrag zu einem niedlichen, kleinen und singenden gefiederten Freund zu stoßen. Ich will mich jetzt aber auch gar nicht weiter auf einen Vergleich zwischen Mensch und Tier einlassen, denn das einzige verträumte Stück auf ZilpZalp's Debüt-Album "...auf den Versen" ist das instrumentale Intro "Wohin ohne Ausblick", auch, wenn einige Klagelieder sicherlich auch stellvertretend für beide Seiten stehen könnten. Von lieblichen Vogelsang ist der Frontmann der Ruhrpott-Band jedenfalls weit entfernt. Zu aufgeregt, zu erschöpfend und viel zu wütend kracht der flehende Schreigesang über die restlichen acht Stücke herein und zerkratzt die ohnehin schon aufgewühlten Oberflächen-Strukturen. Auf "...auf den Versen" brodelt es gewaltig. Das zwischen schrammeliger Wucht und Harmonie pendelnde "Aus meinem Glashaus komm' ich nur mit Steinen" zeigt vor allem lyrisch, wie schnell Verzweiflung zu purem Hass umschlagen kann, wenn einem/einer der Verdacht heimsucht nicht gehört zu werden. Aber Hass ist immerhin noch ein Gefühl, dass einem am Leben erhält, zum Kämpfen ermutigt und vielleicht auch ein Stück weit mit Hoffnung nährt, und somit nicht vollkommen der Resignation ausliefert, wie es zuvor in "M & Y" noch der Fall war. ZilpZalp's Songs malen ohne Zweifel graue Wände, reden nichts schön, wo es nichts schönzureden gibt. Dennoch ist "...auf den Versen" auch eine kleine Wundertüte voll poetischer Tristesse, spannenden Kurzgeschichten über Hoffnungslosigkeit und (Un-)Moral und vor allem vielen musikalischen Wendungen, ohne dabei in die Willkürlichkeit abzudriften oder den eigenen Rahmen zu sprengen.

Band: ZilpZalp

Titel/Release: ...auf den Versen/Album (300x White Vinyl, Digital)

Label: Tanz auf Ruinen, Zilpzalp Records, Trace in Maze Records

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Progressive Screamo, Emo, Punk

FFO: JTZT, Reznik Syndrom, Hausrotschwanz

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