Samstag, November 2

Monotonstudio Records


Monotonstudio Records ist ein kleines Independent-Label aus Dortmund, das von Robert Kupiaj geführt wird. Das Label ging im Jahr 2000 an den Start, zwei Jahre nach Gründung von Robert's damaligen Band Kobra Khan. Diese stellte mit ihrem Debüt-Album "Pleure Qui Peut Rit Qui Veut" auch gleichzeitig das erste Label-Release dar. In den nächsten zwei Jahren folgten Veröffentlichungen von gerade aufstrebenden Szenegrößen wie The Party of Helicopters, Racebannon und sogar Hot Hot Heat, ehe das Label 2002, fast zeitgleich mit Robert's zweiten Band Tristan Tzara, dicht machte. Zumindest für eine Weile, denn 2008 erhob sich das Label aus seine Asche und traf seitdem vor allem mit Black Metal- und Hardcore-Bands wie This Gift is a Curse, Hexis, die frisch aufgenommenen Black Table (Free-DL HIER) und die angekündigten VUYVR den Nerv der Zeit. So könnte das und wird es hoffentlich auch was werden.



This Gift is a Curse:

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Guter oder mindestens solider Black Metal, der aus Schweden kommt, ist mittlerweile keine Eintagsfliege mehr. Und um genau zu sein sind sie ja schon über Generationen hinweg die Meister ihrer Klasse. Ob Skandinaviens Neugeborene nun tatsächlich schon mit einer schwarz befleckten Seele zur Welt kommen oder es ihnen von ihren Erzeugern mit in die Wiege gelegt wird, bleibt dabei vorerst Spekulation. Das Stockholmer Quartett This Gift is a Curse jedenfalls wendet sich von der Sonnenseite des Lebens ab und steckt seine treibende, finstere Kraft in okkulten Black Metal, den sie durch eine meterdicke Schlammschicht aus Sludge und Hardcore hinter sich herziehen. Auf ihrer Debüt-12inch "I, Guilt Bearer" gelingt ihnen das entweder rasend schnell wie im Opener "The Swarm", atmosphärisch düster und bedrohlich wie im vorletzten Song "Sounds of Broken Bells" oder im morbiden "I Will Swallow All Light". In jedem Fall aber setzen sich This Gift is a Curse dafür ein, dass der Begriff Walze nun endlich auch mal und schon längst überfällig seine eigene Musikkategorie besetzt. "I, Guilt Bearer" ist in der Erstpressung auf blutrotem Vinyl bereits restlos vergriffen. Es folgte eine zweite Auflage auf schwarz-weiß-gesplatterten Vinyl.  



Medusa:

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Die Fakten erstmal vorweg: Das Quintett Medusa aus Bloomington beherbergt 3/4tel Racebannon, sowie Mitglieder der noisigen Indierocker Rapider Than Horsepower,  den hypnotischen Punks Thee Open Sex und sogar der Americana-Folk-Band The Hollows. Und bis auf zuletzt genannter lassen sich sämtliche Einflüsse ihrer Vor- und Nebenbands auf Medusa's Debüt-Album "En Raga Sül" hören, vorausgesetzt, das vernarbte Trommelfell kann derartigen Noise(-core) noch differenzieren. Dann nämlich lassen sich dreckiger und trashiger Hardcore der Marke Slayer und weniger tief verwurzelter Doom á la Melvins erkennen. "Back to Durst" könnte gar als schmissige Garage-Rock-Nummer. Wird das Gekeife etwas zurückgeschraubt, blitzt sogar groovender Punk'n'Roll durch, wie ihn Minus elegant und tanzbar auf die Bühne brachten. Neben einer nachträglich veröffentlichten Demo, erschien in diesem Jahr die neue 12" "Divine Malice", der zusätzlich noch die digitale EP "Crack & Bleed" beigefügt wurde. Den Stream und Download gibt's auf Medusa's Bandcamp, die einseitig bespielte 12" mit silbernen B-Seiten-Siebdruck erlangt ihr über Auris Apothecary.



Shock Cinema:

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Shock Cinema ist die Kollaboration des zeitweisen ...And You Will Know Us By the Trail of Dead-Gitarristen Audry Fulbright II, des Multiinstrumentalisten und Sängers ehemaliger Rogers Sisters Miyuki Furtado und Sängerin Destiny Montague, die mit ihrer lieblichen Stimme bereits bei den Jazz-Funk-Hip-Hoppern Psyche Origami und auf Trail of Dead's Album "The Century of Self" zu hören war. Als gemeinsames Projekt unter Freunden waren die drei anfangs überwiegend live unterwegs, ehe TV on the Radio-Gitarrist und Keyboarder David Sitek sie 2007 in sein mittlerweile geschlossenes Stay Gold Studio in Brooklyn einludt, wo sie schließlich ihre erste EP "Our Way is Revenge" aufnahmen. Sitek wiederum hatte alle Hände voll zu tun, den ausufernden und experimentellen Art-Rock des Trios im überschaubaren Rahmen zu halten, denn zu einem großen Teil haben die sechs Songs durchaus mehr Live-Qualitäten, als dass sie sich in umkesselten Studiomauern entfalten können. Das Endprodukt kann sich dennoch hören lassen. Mit "Hell & Highwater" folgte wenig später auch das erste Full Lenght der Band, welches ebenfalls als CD über Monotonstudio Records erhältlich ist. Der Inhalt des Albums ist an einer Kurzgeschichte von Fulbright angelehnt, die Elemente der versunkenen Stadt Atlantis, der großen Flut und dem Bermuda Dreieck miteinander verbindet.

The Party of Helicopters:

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Dass das Quartett The Party of Helicopters aus Ohio in einer anderen Zeit aufgewachsen ist und somit auch anderen Vorbildern unterliegt, ist kaum zu überhören. Eine Band, die 1995 zueinander fand und sich nach drei Alben und etlichen 7inches im Jahr 2004 wieder auflöste, seitdem immer mal wieder für einige Konzerte zurückkehrte, deren Mitglieder nun aber anscheinend endgültig mit der Band abgeschlossen haben und sich stattdessen anderen Projekten widmen, so wie TPOH-Drummer Jamie Stillman, der derzeit an dem Debüt-Album seiner Progressive-Rock-Band Relaxer arbeitet. Gerade durch ihren zerfahrenen Mathrock der härteren Gangart, erspielten sich TPOH mit ihren ersten beiden Alben einen beachtlichen Ruf. Auf ihrer "Space...And How Sweet It Was"-12", welche 2002 erschien, bewegte sich die Band erstmalig mit einer ungewohnten, wenn auch relativen Eingängigkeit etwas von ihrem Ursprungssound weg, was nunmehr aber auch die Türen für eingefleischte Dinosaur Jr.-Fans aufstieß, wenngleich TPOH immer noch eher im 90er-Alternative verwurzelt waren, als im Grunge.



Kobra Khan:

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Achtung! An dieser Stelle befindet sich weder ein Beitrag zur neuseeländischen Hardcore-Punk-Band Cobra Khan, noch zum gleichnamigen Mensch - Kobra - Hybriden und Wiedersacher He-Mans. Das Dortmunder Quartett Kobra Khan existierte in der Zeit von 1998 bis 2001und teilte seinen Drummer Nils Quak zeitweise mit den ähnlich gestrickten Tristan Tzara. Beide Bands sind somit nicht nur zeitlich, sondern auch aufgrund ihres ausgeflippten DIY-Screamoviolences Teil der zu dieser Zeit aufblühenden deutschen Undergroundszene, um Bands wie Calling Gina Clark oder The Apoplexy Twist Orchestra. Kobra Khan's Stil beschreibt vielleicht sogar das über Monotonstudio nachträglich erschienene Discography-Tape "A Retrospective of Frantic and Spastic Melody" (enthält 37 Songs!) am treffendsten. P.S.: Auch Tristan Tzara's zweites Release "Da Ne Zaboravis" erschien post mortem über Monotonstudio in einer zweiten Auflage auf schickem schwarz-rot-gesplattertem 7"-Vinyl. Nils Quak dagegen ist seit einigen Jahren mit seinem nach ihm benannten und ambienten Solo-Projekt unterwegs (höre HIER). 



Hexis:

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Die seit 2010 existierende Band Hexis aus Kopenhagen ist schon weit herumgekommen. Für ihre bislang mehr als 150 Shows bereisten sie nicht nur ganz Europa, sondern sogar das weit entfernte Kuba. Mit ihren Releases verhält es sich ähnlich. Allein an der "Seputus/Fatum"-7inch, die sich zwei Songs der gleichbetitelten Debüt-EP leiht, beteiligten sich fünf Labels aus fünf verschiedenen Nationen. Das Quartett war u. A. auch mit o. g. This Gift is a Curse unterwegs, mit denen sie sich ihre Leidenschaft für brachialen und finster doomigen Black Metal teilen, nur dass Hexis noch eine Schippe Post-Metal drauf packen. Die "Seputu/Fatum"-7" übrigens erschien in einer Auflage von 511 Stück, wovon die kleinste limitierte Variante EINE grün/blau/schwarz-gesplatterte 7" darstellt. Das dürfte sogar Sammler zu der Suche animieren, die mit der Musik eigentlich gar nichts anfangen können.


But God Created Woman:

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"Supergod" ist nach einer EP, einem Album und einer Split (mit dem New Yorker Synth-Dub-Duo Talibam!), das vierte und bislang letzte Release des italienischen Duos But God Created Woman. Vier Songs zählt die schwarze 10", auf der die beiden rauhen Indie und experimentellen Post-Punk mit poppigem Unterton zu dynamischen und verspielten Nummern verarbeiten. Daher irgendwo zwischen Sonic Youth und The Mae Shi anzusiedeln, vor allem dann, wenn sich die kratzige Männer- und die liebliche Frauenstimme im Duett eher beißen als ergänzen.





Cut City:

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Die schwedische Band Cut City gründete sich 2002, fand anfangs einen Platz auf dem heimischen und von Cut-City-Drummer David Hagberg mitbetriebenen Label Deleted Art, ehe sie später zu Gold Standard Laboratories rüberschwappten, dem ehemaligen Label diverser Hardcorekoryphäen wie The Locust, XBXRX oder anderen Sonderlingen wie Mars Volta oder Dmonstrations. Cut City lassen sich anhand dieser Beispiele allerdings nicht erklären, außer eben, dass auch ihre Musik nur bestimmte Zielgruppen anspricht. In ihrem Fall wäre das wohl im groben die kompromissbereite Post-Punk-Fraktion um Liebhaber von Joy Division und Bunny & the Echomen. Unüberhörbar ist allerdings der Shoegaze-Einschlag, den Magnus Borg und Gast-Keyboarder und Produzent Adam Magnusson anscheinend direkt aus den Venen ihrer ehemaligen Band The New Mess in die Musik von Cut City injizierten.



Racebannon:

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An dieser Stelle lohnt es sich eigentlich nicht, großartig über die Band Racebannon bis ins Unendliche auszuholen. Man könnte, denn ihre Diskografie ist mittlerweile genauso unüberschaubar, wie die von Merzbow, mit denen sie 2009 dieses großartige Projekt Merzbannon ins Leben riefen und eine gemeinsame 12" einspielten. Den quirligen Noise-Punk von Racebannon kann man entweder lieben oder hassen, vielleicht auch Hasslieben. Für regelmäßige Melt-Banana-Hörer stellt sich diese Frage allerdings nicht. Mal ganz davon abgesehen, dass die vier Amis aus Bloomington auf der Split mit den ebenfalls als Quartett antretenden The Disease lediglich mit einem Song vertreten sind. Die A-Seite der Split-7" beherbergt dann immerhin schon drei Songs, nur machen es einen die vier Greenviller mit ihrem an den Nerven zerrenden Noisecore und -Punk nicht unbedingt leichter. Wie auch, wenn deren Mitglieder ihr Handwerk bei nicht leichter zu verdauenden Brocken wie The Slasher Film Festival Strategy, Index for Potential Suicide oder Guyana Punch Line erlenrt haben?!



Hot Hot Heat:

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Die kanadischen Hot Hot Heat haben es mittlerweile zu einer festen Indie-Größe geschafft. Über Monotonstudio erschien 2001 diese Drei-Song-7", die noch als Originalpressung über das Label erhältlich ist. Langweilig sind Hot Hot Heat auch nach vierzehn Jahren Bandgeschichte noch nicht geworden, allerdings waren sie selten so selten so ausgelassen und wild, wie auf diesem Release. Schnelle Songs, die von einem ausflippenden Keyboard zur Ekstase gebracht werden und ein Sänger, der seine Stimmbänder kaum noch unter Kontrolle halten kann. So hat Post-Punk gefälligst zu klingen!




Winfred E. Eye:
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Winfred E. Eye ist kein Singer/Songwriter, auch wenn die Musik nach Singer/Songwriter-Folk klingt. Dies ist aber nicht die einzige Überraschung, die ein Blick hinter die Fassade der Band aus Oakland offenbart. Deren Mitglieder nämlich waren oder sind in Bands wie 13 & God, Get Hustle, Cars Get Crushed und Evergreen involviert, die allesamt nun nicht wirklich mit gemäßigter Musik in Verbindung gebracht werden können. Um so verblüffender ist natürlich das Resultat, das mit eindringlicher Stimme mächtig unter die Haut geht und mit einem tollen Randy-Newman-Cover auftrumpfen kann.

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