Freitag, Januar 17

Cannon for Cordoba - Among All Letters EP



Der zurückblickende Gedanke an die glorreiche Zeit des Emo(-core)s wühlt mit Sicherheit genauso viel Staub auf, wie das altbackene Cover oder der einer alten Western-Klamotte entliehene Bandname. Irgendwann ist jeder mal zu der Einsicht gelangt, dass früher doch irgendwie alles besser war. Oder zumindest anders. Das hessische Quartett Cannon for Cordoba aus Frankfurt interessiert es herzlichst wenig, dass sich der Emo mittlerweile mehr mit Pubertätsproblemen herumärgern muss. In einer Schublade, zusammengefercht mit klischee-fördernden Bands, wäre ihnen der Status des hässlichen Entleins sowieso gewiss. Doch bevor die kritischen Blicke der Anderen zur direkten Ausladung führen könnten, lassen CfC diese Schublade lieber gleich aus und klettern weiter. Nicht auf der Suche nach einer passenden, sondern um die eigene zu finden, in der Platz für Freizügigkeit und Selbstbestimmung ist. Eine, in der Grenzen lediglich dafür gedacht sind, um von Abenteuerern erforscht und schließlich überwunden zu werden, und in der sich sture Puristen nur in Begleitung ihrer Eltern hineinwagen. Nun dann also, auf ins unentdeckte Land. "Among All Letters" ist das wilde und entschlossene Resultat einer Band, die mit ihrem Debüt noch keineswegs am Ende ihrer Vorstellungen angelangt ist. So wirkt fast jeder der sieben Songs wie ein eigener Impuls, ausgelöst durch viel Aufbruchstimmung, innere Aufruhr und melancholische Einsicht, die zusammen zu treibenden Melodien geformt vor allem Nostalgikern (z.B. Funeral for a Friend, Senses Fail) ein Lächeln ins Gesicht zaubern und in ihren mathigen, verspielten Post-Hardcore-Momenten (z. B. Fall of Troy, Soma Nowaja) der aufgeschlossenen Hörerschaft der Gegenwart ein nervöses Zucken im Augenwinkel bescheren dürften. Ein wehmütiger Blick zurück mit nüchterner Betrachtungsweise, sozusagen, der zur Erkenntnis führt, dass früher sicherlich vieles gut, in Anbetracht zu den großartigen CfC aber bestimmt nicht besser war. Anders halt.

"Among All Letters" erschien 2011 über das Bonner DIY-Label Lechuza Records, aus Geldmangel vorerst nur als CD im Cardboard Sleeve (lese hierzu das ausführliche Label- und Bandspecial von Borderline Fuckup).

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DL Among All Letters EP

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