Mittwoch, September 3

OHIOS - Faceless



Spaniens Untergrund bekommt Zuwachs aus dem spanischen Untergrund. Wären OHIOS zwanzig Jahre früher dran gewesen, würden sie heute die großen Hallen der Welt füllen - über Tage!
Allerdings waren die Spanier vor zwanzig Jahren überwiegend und wenn überhaupt auch noch ein feuchter Gedanke ihrer Eltern. Ihre musikalischen Vorbilder dürften die vier Freunde aus Kindheitstagen zu jener Zeit nur un(ter)bewusst wahrgenommen haben. Und dennoch spiegelt sich in den zehn Songs ihres Debüt-Albums "Faceless" eine dermaßen nostalgische Unbeschwertheit wider, wie man sie heute bestenfalls noch von Hörensagen kennt. Superchunk, Mission of Burma oder Hüsker Dü kommen einem sofort in den Sinn, die es mit ihren zeitlosen Indie-Hits zwar nicht in die Rock and Roll Hall of Fame schafften, dafür stets auf dem Boden der ehrlichen Handwerkerschaft blieben. Ähnlich intuitiv schütteln nun OHIOS aus Vic frenetische Songperlen wie "Aunt", "Weekend" oder "Lawful Delusion" locker-leicht aus dem Ärmel. "Dead Man" und der Titel-Song erinnern am drahtbürstigen Emo(core) ehemaliger Cap'n Jazz, das träge "Distance" und das brummend scheppernde "Stung" gar am Grunge kratzenden Alternative jüngerer Cloud Nothings. Nicht falsch verstehen: ich will die Band keinesfalls per Namedropping zur Schlachtbank führen, denn dafür gehen OHIOS mit viel zu viel Enthusiasmus und Songverständnis zu Werke, bei dem selbst ein instrumental-mathiger Ausraster wie "15 lps" nicht fehl am Platz wirkt. Ein Verständnis, das sich die vier über die letzten Jahre in gemeinsamen kleineren Gruppen wie The White Trashers und Carrouages und zum Teil mit größeren Kleinstbands wie L'Hereu Escampa, Univers oder Mates Mates antrainierten. Der letzten Riege dürften sie auch den Sprung auf das DIY-Label Famelic zu verdanken haben, der passenden Ergänzung zum Kultlabel Discos Humeantes.



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Stream "Faceless"

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