Dienstag, Juli 19

Gesplittet, Teil 13


te:rs & Tempano Split-7inch



Scheint da etwa zwischen Koepfen und der spanischen Gruppe Tempano eine neue Liebe entflammt zu sein? In Planung steht nicht nur ein Diskografie-Tape, das die Songs der beiden Split-LP's mit ihren Landsmännern La Tumba de Nicolas Cage und Eros+Massacre vereinen soll. Erst kürzlich erschien über dem Wiesbadener Label (u. A. noch Dingleberry, lifeisafunnything und Pifia Records beteiligt) auch die Split-EP mit den Göttinger Jungs und Mädels von te:rs, die jeweils einen neuen Bandsong parat hat und auf grüner Kurzrille in drei verschiedenen Cover-Farben (100x cream/light brown, 100x coconut/dark brown & 347x old grey) daherkommt.
Auf der vorangegangenen Split mit den Madrilenen Eros+Massacre kam das Trio aus Torrelavega bei den Kritikern nicht ganz so gut weg, vielleicht auch, weil sich beide Bands in unterschiedlichen Ecken des Post-Hardcores austoben. Kein Grund, den Kopf voreilig in den Sand zu stecken, denn mit ihrem Song "Pasajes de desencanto" zeigen Tempano erneut, dass ihnen Konventionen relativ weit am Hinterteil vorbeigehen. So stürmt der Song mit fiesem Duett-Gekeife und düsterem Geschrammel gleich zu Beginn mit der Tür ins Haus und zieht Elemente des Emoviolence, Screamos und Black Metals gehörig durch den Fleischwolf, ehe mit bedächtigen Post-Rock-Geplänkel der finale Ausbruch eingestimmt wird.
Mit dem niedersächsischen Vierer te:rs in der Konstellation Männer-Frauen halb und halb, haben sich Tempano diesmal einen Split-Partner geangelt, der den Post-Hardcore/Screamo in einer ähnlich a-puristischen Weise angeht. Im Gegensatz zum spanischen Song, wirkt "Melodies & Crazes" weitaus subtiler. Ein sehr stoisch instrumentierter Song, der selbst in den Phasen, wo Sängerin Nora inbrünstig aus ihrer Haut fährt, nicht die Kontrolle über das melodische Gitarrenspiel verliert.

te:rs: Facebook\\//Bandcamp

Tempano: Facebook\\//Bandcamp

DL Complete Split-EP Here & Here

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Temple Steps & Wreck

Temple Steps aus dem englischen Lincoln und die Landauer Wreck trotzen dem Brexit und beweisen zumindest musikalische Einigkeit. Zu hören gibt's zwei Variationen des Doom-/Sludge-Metals, die uns schonmal hervorragend auf die bevorstehende dunkle Jahreszeit einstimmen und sich durch finstere Abgründe schleppen.
Den Weg hinab ebnet uns das englische Duo Temple Steps mit knapp fünfzehneinhalb Minuten düsterem Songmaterial. Dessen Schlagzeug spielende und growlende Hälfte Mike Shields ist ein umtriebiges und äußerst aktives Mitglied der regionalen Hardcore-Szene, spielte u. A. schon bei den Post-Metallern Flatlands und den trompetenden Post-Hardcorelern The Slow Blade, hilft beim organisieren von DIY-Shows und ist einer der Hauptakteure bei Ninehertz. Viel Erfahrung also, die sich auch im routinierten Sound von Temple Steps widerspiegelt, wobei die provozierte, düster-flächige Monotonie immer wieder von dezenten Post-Metal-Anleihen und groovenden Stoner-Gitarren aufgerissen wird.
Ein Geduldsspiel liefert auch das pfälzische Trio Wreck ab, deren zwei Songs etwas mehr als dreizehn Minuten abverlangen. Ihr Opener "On the Gallows" ist zwar nicht darum bemüht, die dunkle Grundstimmung aufzulockern, wirkt mit hartem Riffing und vollerem Gebrülle dennoch etwas kolossaler und vielschichtiger. Hier dringen am Ende des Songs nicht nur die Abwechslung bringenden Synthezizer durch, sondern auch ihre Referenzen zu 80er-Jahre-Death-Metal-Bands. Das depressive, fast schon misanthropische "Unleash the Drones" läutet schließlich endgültig den Herbst ein. Schon verrückt, diese Wetterschwankungen.
Tolles, unheilvoll-kryptisches Cover-Artwork vom Band-Bassisten Rainer Steve Kaufmann (u. A. für The Necronautics) übrigens, das eigentlich ausgedehnt auf LP-Format gehört. Vorerst aber erscheint die Split auf Tape in drei verschiedenen Farben: 75x gelb über Wreck; 75x schwarz über Temple Steps; 50x grün über Vetala Productions.

Temple Steps: Facebook\\//Bandcamp



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East Sherman & Déformer Split-EP


Ein Déformer<->East-Sherman-Split-Release macht nicht nur Sinn, weil beide Knüppeltruppen aus Spokane, WA stammen, sondern auch, weil sich einige Mitglieder noch aus ihrer gemeinsamen Zeit bei Bad Hex kennen. Glücklicher Weise ist das beiden Bands nicht anzuhören, was ihr Split-Tape zu einem abwechslungsreichen, wenngleich kurzem Vergnügen werden lässt.
East Sherman sind auf der A-Seite mit einem Song vertreten, der nach anfänglicher Black-Metal- und Crust-Raserei plötzlich die Notbremse zieht und fortan durch düsterem Downtempo-Hardcore und Doom mäandert. Für mehr Vielfalt sorgt der wechselnde Growl-Kreisch-Mix von Katharine Cheevers, die ansonsten gerne auch mal mit ihrem Cello bei artgenössischen Gruppen wie die eingangs erwähnten Bad Hex oder A God or an Other aushilft, und Avery Strobel (u. A. Vociferii), die beide nebenher noch ihr Pagan-Folk-Projekt Crow's Head unterhalten. 
Déformer orientieren sich mit ihren zwei Songs auf der B-Seite an vergangene Screamo-Legenden wie Daïtro, Hot Cross oder La Quiete. In schöner DIY-Manier schrammelt sich das Gitarre-Schlagzeug-Duo durch aufgeregte Melodien, die redlich darum bemüht sind, mit möglichst vielen Taktwechseln für etwas Unruhe zu sorgen. Screamo ist eben nichts Couch Potatoes.

East Sherman: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp

Déformer: Facebook\\//Bandcamp

Wer A-SEITE sagt, muss auch B-SEITE sagen

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Space Camp & Dérive COLLAB-EP


Die beiden amerikanischen Bands Space Camp und Dérive sind nicht nur in ihrem jeweiligen Experimental-Sound außergewöhnlich, sie gehen auch ihr gemeinsames Release anders an, als die vorstehenden Vertreter. "COLLAB" ist, wie der Titel bereits verrät, eine Kollaboration, bei der zwei Songs von den insgesamt acht freigeistlichen Mitgliedern beider Bands zusammen ausgetüftelt wurden und im Anschluss jede Band jeweils einen Song der anderen covert. Das mag hier zwar wie die Faust auf's Auge passen, da beide Gruppen in etwa einen irrwitzigen Genre-Mix aus Art-Noise-Punk, Avant-Funk, Indie und Post-Hardcore fabrizieren. Bei dermaßen vielen Einflüssen, lässt sich bei den gemeinsamen Songs aber auch recht schlecht herausfiltern, welcher Anteil von wem kommt. Was zum Beispiel bei Isis und Aereogramme auf ihrer "In the Fishtank"-EP wunderbar miteinander harmonierte, führt das bereits vorherrschende verrückte Durcheinander von Space Camp und Dérive nur noch auf einen neuen Höhepunkt. Auch beim gegenseitigen Nacheifern geht's ausschließlich darum, einen bereits kaputten Originalsong den Rest zu geben. Absolut schwer verdauliche Kost.

Space Camp: FCBK\\//BNDCMP\\//TWTTR\\//LSTFM

Dérive: AAE\\//AEOO\\//AA\\//IE

DL Split-EP Here & Here

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