Mittwoch, September 20

Die Bandcamp-Punks Vol.29


Cold Kids - Das wollen wir EP



Ich sag es ja fast nur ungern, aber von diesen vier Bamberger/Erlanger Jungs hier könnte sich Jens Rachut mal eine Scheibe abschneiden. Wtf?! Das soll jetzt kein Kopie-schlägt-Original-Vergleich werden, obwohl die Cold Kids das mit den Synthies-meets-zynischen-Post-Punk schon etwas  solider hinbekommen, als zuletzt Rachut mit seiner Band Alte Sau. Meim Meimumg, sorry! Sogar der spröde, schnoddrige Gesang von Hobel (falls das wirklich sein richtiger Name ist) klingt so herrlich angepisst, analog kalt und irgendwie auch mehr nach Rachut, als Rachut selbst (ok, ist wohl doch ein Vergleich geworden). Bevor hier aber noch jemand denkt, ich hätte 'ne Wette verloren und müsste nun den Namen Rachut so oft wie möglich in einem Beitrag unterbringen, konzentriere ich mich mal wieder auf das Wesentliche. Rachut.
So herrlich 80er und N.D.W. Cold Kids auch klingen, so toll können sie es in der ersten halben Minute des Openers "Tout Avec Raison" verstecken. Da paaren sich nämlich ein tolles Punkriff mit frivolen Synthesizern, Snarg und Antitainment grüßen aus der Ferne. Ein Kontrast, der schon auf dem tollen Demo-Debüt der Band vollendst aufging und ihnen gleich mal den Geheimtippstatus überhalf. Cold Kids sind aber nicht nur eifrige Bastler oder haben ein glückliches Händchen für tolle Melodien, denn das haben sie zweifelsohne. Vor allem ihr Gespür, im richtigen Moment einen Gang zurückzuschalten und somit eben nicht über das Ziel hinaus zu schießen, dürfte die Band trotz der a-puirstischen Ausflüge für 80er-Jahre-Punk-Veteranen interessant machen.
"Das wollen wir" erscheint als schwarze 7" in türkisem Cardboard inkl. Lyric Sheet (1st Press über 30 Kilo Fieber Records und Raptor Records) und als 100x rote & 200x schwarze 7" in rotem Cardboard inkl. Lyric Sheet (2nd Press über Pifia Records und 30 Kilo Fieber Records).
RachutRachutRachutRachutRachutRachutRachutRachutRachutRachutTuhcarRachutRachutRachutRach
RachutRachutRachutSauerkrautRachutRachutRachutRachutRacabRachutRachutRachutRachutRachut


DL "Das wollen wir" EP Here & Here

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Pleite - Demo

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Mensch ist ja schon einiges gewohnt aus dem Henry Fonda/Afterlife Kids/Ancst-Umfeld. Nun also als Pleite unterwegs, bei denen auch noch Leute von Chevin und Dikloud mitmischen, was natürlich auch das Label Phantom Records mit ins Boot holt, worüber das Debüt-Demo nun schon in der zweiten Tape-Auflage erschienen ist (1st Press = 80x white tape/grey slipcase; 2nd Press = 50x yellow tape in green slipcase). Hardcore-Punk lautet auch diesmal wieder die große Überschrift, allerdings mit einer ordentlichen Post-Punk-Kante. Es dürfte eigentlich klar sein, dass einem/einer das vermeintliche Glücksschwein auf dem Spielautomatencover (übrigens als Die-Cut-Slipcase) nur etwas vor macht (mensch beachte den leeren Blick, denn bei einem ernst gemeinten Lächeln, lachen die Augen mit). Die Texte behandeln Themen wie Alltags-Tristesse und Eigensinn, was auch die akustische Grundstimmung der drei Songs ganz gut zusammenfasst. Die Drums hämmern blechernd und monoton, immerzu. Der Bass drückt ordentlich nach und die beiden angepissten Schreihälse tragen ihre Klagelieder vor, während die Gitarren ab und an auszubrechen versuchen. Ordentliches Debüt.

DL "Demo"

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Gewaltbereit - Ein Leben lang verreckt

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Der Name ist Programm. Gewaltbereit aus Leipzig, bei denen auch der ex-Columbo-Bassist Paul mitmischt, prügeln auf ihrem Debüt-"Longplayer" 16 brachiale wie brutale, kurze Hardcore-Punk-Nummern runter und werden damit vor allem überlebende der 80er-Punk-Revolte zu begeistern wissen. Vorkriegsjugend, Chaoz Z und natürlich auch die 80er-Jahre-Slime kommen einen/einer unentwegt in den Sinn. Klar, das ist unprätentiös, manchmal auch etwas stumpf und monoton, vor allem aber herrlich analog dreckig. Mensch muss das nicht bedingungslos abfeiern. Es ist aber wichtig zu wissen, dass es heutzutage zwischen hipster-esquen Post- und intellektuellen Studentenpunk noch etwas anderes gibt - nämlich Punk mit reichlich Wut im Bauch und in der Galle.

DL "Ein Leben lang verreckt" Here & Here

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Bob Ross Effect - The Place To Be EP


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Endlich hab ich sie gefunden, eine Band, die sich nach dem wohl behaglichsten Maler der Zeitgeschichte benannt hat. Obwohl ich mir da schon eher eine Melanchpop-Band unter dem Namen The Bob Ross Experience oder etwa eine Slowcore-Gruppe als BOBxROSS oder so ähnlich vorgestellt hatte. Egal, jetzt haben wir eben Bob Ross Effect, die melodischen und choralen Punkrock spielen. Das Würzburger Quartett besteht zu 3/4tel aus ehemaligen Surfing Hundekuchen, deren Melodic Punk ja auch schon recht unkompliziert ins Ohr wanderte, nur, dass die Jungs jetzt eben komplett zur englische Sprache übergelaufen sind, was sie ein Stück weit ins internationalere Format gepresst hat (na, weiß noch jemand worum es am Anfang des Schachtelsatzes ging?). 
Ihre 4-Way-Split mit Bad Cop/Bad Cop, The Decline & Success und ihre EP "The Place To Be" sind über das bandeigene Label Lensen Industries erhältlich. Von letzterer soll demnächst auch eine Tape-Version im Wooden Case erscheinen.


Stream & Buy Digitally "The Place To Be" EP

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Der Feind - DFMC

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Hinter Der Feind verbergen sich drei auf Krieg getrimmte Hardcore-Trash-Punks. Bandname, Songtitel ("Panzer", "Schlachtfeld",...) inklusive "Heartbreak Ridge"-Sample in "Nam", Tape-Aufmachung (Artwork, Tape besprüht mit Panzer- und Bombenmotiv) inklusive Camouflage-Patch, Künstlernamen (Helmut Freudenstahl, Ede Ostfront, usw.) und selbstkreierter Stil ("Marinecore") geben da schon eine eindeutige Richtung vor. Natürlich ist das Alles wie üblich mit dem nötigen Schuss Ironie, nein Zynismus, zu betrachten, denn prinzipiell tragen die drei Neu-Köllner ihre Herzen am linken Fleck. So gibt es letztendlich eben auch genau das auf die Ohren, was Artwork und Biografie versprechen: simplen wie kompromisslosen, kurzen und eingängigen, extrem angepissten Old-School-Trash-Punk, der als hervorragende Ergänzung zu o. g. Gewaltbereit passt.
Das Demo-Tape "DFMC" erschien in drei Auflagen über Tape Or Die Records und Bleeding Heart Nihilist Poductions, die bereits restlos vergriffen sind.

DL "DFMC"

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Primetime Failure

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Einmal Pop-Punk, immer Pop-Punk? Wenn man sich die Bielefelder Punkszene so anschaut, gibt es da schon so einige Überschneidungen zu beobachten, auch abseits des AJZ-typischen Düstersounds. Tobias Trockel zum Beispiel ist so ein Stilpurist, der bereits über Jahre und Bands hinweg - Modern Saints, The Langoliers, Krusty Crew, Übergangsregierung, um nur einige zu nennen - die dortige Szene am Laufen hält, und auch die anderen drei Primetime Failure-Mitglieder dürften wohl schon in dem einen oder anderen Line-Up aufgetaucht sein.
Primetime Failure haben sich 2015 zusammengerauft und noch im selben Jahr ein Demo veröffentlicht. 2016 folgte schließlich das zweite, abermals mit drei Songs zwischen Pop- und Skate-Punk. Hören Skater heutzutage überhaupt noch Skate-Punk? Egal, das hier jedenfalls macht richtig Laune und animiert dazu, mal wieder in den alten Kisten herum zu kramen, das zerschrammte Skateboard von der Wand zu nehmen oder einfach bloß die PlayStation 1 anzuschmeißen.
Mit drei Songs und in etwas mehr als sechs Minuten Spielzeit leider auch etwas kurz geraten, um seinen zweiten Frühling zu erleben. Ein gelungener Flashback ist dieser gut gelaunte 3-Akkorde-Punk mit leicht angerauter Stimme allemal.

DL "Demo 2016"

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Daikiri - Marcel Supra

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Vielleicht genauso wie bei kleingewachsenen Menschen, liegt es auch in der Natur einer schmal aufgestellten Band, sich ständig profilieren zu müssen. Das Drum'n'Bass-Duo Daikiri, sind auch schon gemeinsam mit Klaus Legal als Dalida oder mit Don Vito als DonKiri in Erscheinung getreten, sind in ihrer französischen Heimat schon mit Melt Banana umher getourt und lassen sich musikalisch auch grob in deren Nähe einordnen. Dabei schaffen es die beiden Metzer dem zerfahrenen Noise-Rock der Japaner_innen noch einen Schuss Wahnsinn oben drauf zu setzen. Das manisch ackernde Schlagzeug und die nicht weniger zwanghaften Bass-Loops, dazu der - nunja - gutturale und teils wortlose Gesang, die im Zusammenspiel klingen, als seien sie in einer Zeitschleife gefangen. Das selbst das fast zehn-minütige letzte Stück "Fofaid" nicht aus diesem Muster ausbricht, zeugt vom Durchhaltevermögen der Band, verlangt dieses aber auch bedingungslos von der geneigten Hörerschaft ab.
Das dritte Band-Album erscheint digital, als CD oder auf Bubblegum-pinkem Vinyl.

DL "Marcel Supra"

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It's The Lipstick On Your Teeth - Crystal Death EP

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Waren das noch Zeiten, als Alec Empire und Band während der Mai-Demonstration '99 von den Bullen von der Bühne gezogen wurden. Diese Schwerverbrecher... . It's The Lipstick On Your Teeth aus dem österreichischem Wien, mit Alec's weiblichen Pendant Michelle am Mikro, erinnern mit ihren aggressiven Trap-Beats, mal metallisch oder industrial-mäßig hämmernden Riffs und antreibenden Noise-Rock stark an einstige und legendäre Atari Teenage Riot. Klar, mittlerweile haben sich die Zeiten etwas geändert und nicht nur Alec oder ATR mussten sich den Umständen anpassen. Auch ITLOYT wollen nicht nur mit der Brechstange voraus durch die Wand, wie es der Opener "Baptism Riot" ihrer zweiten EP "Crystal Death" vorgibt. Schon der zweite Song wird mit reichlich verstörender Atmosphäre Richtung Nine Inch Nails aufgeweicht.
Einen Gesamteindruck über das Potpourri der Band bietet übrigens das in diesem Jahr erschienene Debüt-Album "Skintrade", das digital und als CD über das Wiener Label Seayou Records erworben werden kann.

DL "Crystal Death EP"

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Akne Kid Joe - Haste nich gesehn! EP

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Akne Kid Joe - bei dem Bandnamen sollte mensch eigentlich stutzig werden und vielleicht sogar mit dem Schlimmsten an deutschsprachigen Straßenpunk rechnen. Weit gefehlt. Die Nürnberger Debütanten bestechen in erster Linie mit erfrischenden und aufgeregten Punknummern, die zwar lyrisch kein Blatt vor den Mund nehmen, mit einigen Synthie-Einschüben und Schrammelpassagen aber auch hervorragend in die Indie-Disko passen. Das sich für ihre erste EP "Haste nich gesehn!" gleichmal das Label Kidnap Music gefunden hat, lässt den Verdacht aufkeimen, dass sich hinter Akne Kid Joe vielleicht keine völlig unbekannten Gesichter verbergen.

Stream & Buy Digitally "Haste nich gesehn!" EP

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In der Kürze liegt die Würze



You Are The Problem - Demo



Das You Are The Problem aus Italien kommen und sich aus mehr oder weniger bekannten Szene-Veteranen (Cavernicular, Elopram, uvm.) zusammensetzen, ist ihrem Demo-Debüt durchaus anzuhören. Die Band aus Palermo spielt einen wilden aber durchaus melodischen Mix aus Hardcore-Punk und Fastcore, mit Schwerpunkt auf Erstgenannten. Trotz der kurzen Songlängen, die sich knapp über- oder unterhalb der Ein-Minuten-Grenze bewegen, gelingt es der Band immer wieder antreibende Nummern nach vorne zu peitschen, die dem/der geneigten Hörer_in mehr als nur ein epileptisches Schädelzittern abverlangen.

DL "Demo" Here

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Das Wiesel

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Mit Trierer Bands haben wir hier bei Gerda ja schon gute Erfahrungen gesammelt. Nun also Das Wiesel, Proberaum-Buddies von magret., Post-Punk-Affinität zu Rachut (da ist er wieder) und somit auch im näheren Umfeld von Extrem*ist*in zu finden. Sicher verbergen sich hinter der Band einige bekannte Gesichter aus der regionalen Szene, die daraus allerdings keinen allzu großen Aufriss machen wollen. Der Sound ihres Debüt-Demos klingt roh, die Instrumente im Vergleich zum spröden bis aufgeregten Geang fast rudimentär, dass selbst die Bezeichnung analog schon geschmeichelt wirkt. Demo-Vorgaben erfüllt, es darf mit einem Album nachgelegt werden.

DL "Demo"


Glitzer

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Da tut sich wieder was beim Label Spastic Fantastic und dessen Kopf Maz Richard. Der Dortmunder Bassist und Keifhals (u. A. bei Napoleon Dynamite, Die Eule im Bart des Judas und Mann kackt sich in die Hose) unterhält bereits seit dem letzten Jahr sein Solo-Projekt Glitzer, das wie eine Kirmes-Mischung aus Kraftwerk, Peter Licht und Wuki klingt. LP ist bereits angekündigt.

DL Songs

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