Donnerstag, März 21

Miami Death 2 - Miami Death 2 EP



Kurzinfo:

Hat es dem Druckwelle-Benny etwa ordentlich in den Fingern gejuckt oder war es mal wieder an der Zeit, gewaltig Druck über die Gesamtscheiße abzulassen? Der ex-Rant- und Voyta-Sänger hat sich jedenfalls mit vier anderen bekannten Gesichtern aus dem Leipziger Bandsalat (u. A. Chevin, Robert Paulson, Choir Boys) zusammen getan und unter dem schönen Namen Miami Death 2 (wahlweise auch Miami Death II) kürzlich eine EP veröffentlicht. Und die bietet der geneigten Hörerschaft in ihren nicht mal acht Minuten Spielzeit sämtliche Facetten des gestörten Musikgeschmacks. Angefangen vom harsh-noisig übersteuerten Opener "Strange Presents", dem Powerviolence-Freakout im folgenden "Leberglühen", bis hin zum grindigen Blastbeat-Gehämmere in "Beerdigt Alle", die allesamt ihren nervenfleddernden Höhepunkt im sich quälenden Gesang und dem asozialen Gegrowle finden. Das alles eingefangen in einer herrlich finsteren und gammeligen DIY-Produktion, die vor allem den (Hardcore-)Punk-Gedanken in den rhythmischen "Ruhephasen" der Band unterstreicht, wie etwa in "Food Play" oder "The Ballad Of MDII".

Eigentlich sollte dieses herzliche Stück Musik pünktlich zum Valentinstag auch als CD- und Tape-Version erscheinen. Eigentlich... . Musste ich meiner Freundin halt doch eine Bruno Mars CD schenken.


Band: Miami Death 2

Titel/Release: Miami Death 2/EP (Digital; CD's und Tapes in Planung)

Label: DIY/Bandcamp, Colossus Tapes, Gafas del Rigor Cassettes (evtl. CD)

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Powerviolence, Grindcore, Punk, Harsh Noise

FFO: Infest, Get Worse, Extinct!

Links: Youtube\\//Instagram




DL "Miami Death 2"

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Montag, März 18

Lypurá - b́



Kurzinfo:

Nach einem kurzen Winterschlaf melden sich Lypurá mit zwei neuen Songs zurück. Mit dem Titel "b́" schmiegt sich die bislang nur digital erschienene EP nicht nur namentlich an das vorangegangene Debüt-Album "á" an. Das äußerst bedächtig einklingende "Behind All These Walls And Above My Head" und das schwerelos vor sich hin treibende "...There Is Nothing But Torment", hätten ebenso ihren Platz im atmosphärischen Mittelteil des Longplayers einnehmen können. Das Karlsruher Trio vereint diese beiden Songs stattdessen lieber zu einem eigenen gefühlvollen, wengleich lyrisch-tristen und schier emotional-klaustrophobischen Soundtrack, der sich sowohl mit den Songtiteln als auch musikalisch zu einem konzeptionellen Kleinod formt.
Fährt der Opener zumindest über kurze Phasen aus seiner melancholischen Haut und verliert sich mit schwelgerischen Delay-Gitarren schlussendlich im Post-Rock, gestaltet sich das abschließende Stück mit sanften Pianoklängen und minimalistischer Instrumentierung zu einem plätscherndem Outro.

Aufgenommen wurde jeweils im Januar 2018 und '19, in Form gebracht hat es diesmal komplett allein David Saia (Maskros).
Über der bandeigenen Bandcamp-Seite, gibt's die knapp 6 ½-kurze Konzept-EP gegen Spende. Für die Streaming-Vielfalt (Spotify & Co.) sorgt das benachbarte Label Twisted Chords.
 

Band: Lypurá

Titel/Release: b́ / EP (Digital)

Label: Twisted Cords

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Screamo, Emo, Punk, Post-Hardcore, Post-Rock

FFO: Yaphet Kotto, ...Who Calls So Loud, ...And Its Name Was Epyon

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube




DL"b́" EP



Freitag, März 15

Malm - Kollaps



Kurzinfo:

Kennt noch jemand diese Telefonsex-Werbung, die zu später Stunde auf diversen kommerziellen TV-Sendern lief, in der eine in schwarzem Lack gehüllte, ältere Dame mit Peitsche energisch dazu aufforderte: "Ruf! Mich! An!"? Obwohl sich die vermeintlich angebotenen Dienstleistungen fernab meiner damaligen Interessen bewegten, überkam mich als junger Dorf-Bursche das erdrückende Gefühl, ihrem Aufruf nachkommen zu müssen, lag es nun an der zweifelsohne stringenten Rhetorik der reifen Dame oder schlichtweg an meiner elterlichen Erziehung, stets respektvoll mit älteren Menschen umzugehen. Zum Glück aber hatte ich damals noch kein eigenes Telefon... .
Tja...Malm haben Ende letzten Jahres ihren dritten Longplayer "Kollaps" veröffentlicht, womit sich nun auch beim letzten geneigten Noise-Rock-Hörer der bandeigene Slogan endgültig eingebrannt haben dürfte: "Merke! Dir! Malm!". Mit dem Opener "Schwarze Liste" fallen die vier Würzburger auch gleich mal mit der Tür ins Haus, platzieren in kurzen Abständen messerscharfe Riffs und Breaks wie blutige Peitschenhiebe, während Sänger Ali Hartmann Gift und Galle spuckt. Auch das folgende "Tanz auf dem Vulkan" fühlt sich an wie ein hektischer und schier endloser Gang über glühende Kohlen. Das mathig-umherspringende "Enge" schafft in seinen knapp 3½ Minuten mehr Rhythmuswechsel unterzubringen, als Nickelback in ihrer gesamten, fast 25-jährige Diskografie. Und dann urplötzlich schmiegen sich Malm inmitten von "Captain" doch tatsächlich mit einer Art eingängigem Refrain einer melodieverwöhnten Randgruppe an. Man könnte das Spielchen nun bis zum 12. Track fortsetzen und unzählige Details offenlegen, wie das fast schon jazzige Intro von "Stopp!", der kleine psychedelische Ausritt im Titeltrack oder das, im Albumkontext vollkommen irritierende und irgendwie auch nichtssagende "Interlude". Dabei ist es schon beeindruckend, mit welchen minimalistischen Mitteln die Band hier maximale Abwechslung bietet. Malm verzichten bewusst auf Experimente außerhalb ihrer Komfortzone. Kein free-jazziges Saxofon oder überflüssiges Key-Geklimper, das die Hörerschaft nochmals mit gezielten Schlägen auf den Hinterkopf auf den freigeistlichen Gedanken des Albums hinweisen muss. Wo andere Genre-Vertreter über die Jahre hinweg schon längst in einer anderen Sparte gelandet sind, geht das Quartett seinen Weg unbeirrt weiter. So gibt es immerhin kein böses Erwachen und den Forderungen nach einem Back To The Roots dürften sich Malm ebenfalls nicht ausgesetzt sehen.
So ist "Kollaps" nicht mehr und nicht weniger ein brachiales, ur-instinktives Noise-Rock-Stück ohne Schnörkel und Kompromisse.

Auch, wenn der einleitende Vergleich zur sexuellen Extreme sicherlich an einigen Stellen hinkt (sorry, ein SM-Vergleich ist auch für mich absolutes Neuland), so wollte ich zumindest nicht vorangegangene Besprechungen wiederkäuen, die "Kollaps" metaphorisch mit klimatologischen und Straßenbau-technischen Ereignissen gleichsetzten. Im Endeffekt laufen aber alle Umschreibungen auf das gleiche Ziel hinaus: Hartgesottene machen Musik für Gleichgesinnte. Oder: man muss als Band schon leicht sadistische Tendenzen aufweisen, um derartige Musik einer etwas mehr noch masochistisch veranlagten Hörerschaft zugänglich machen zu können.


Band: Malm

Titel/Release: Kollaps/Album (500x Smokey Clear Vinyl; CD w/ Bonus-Song; Digital)

Label: Jackalope Music

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Noise Rock, Hardcore

FFO: Dÿse, Magnapinna, Haik

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube




Stream & Buy "Kollaps"

Buy Here, Here & Here



Dienstag, März 12

Gesplittet, Teil 16


Karina Kvist & Farbenflucht - Prototyp/Distanz Split-EP


Ein herrliches DIY-Split-Release veröffentlichten Anfang des letzten Jahres die seit jeher und immer wieder zusammen auftretenden Bands Karina Kvist und Farbenflucht.
Karina Kvist waren bei uns bereits mit ihrem zweiten Release "EP '16" vorstellig und blieben, zumindest mir, vor allem wegen ihres männlich-weiblichen Duett-Geschreies im Kopf hängen. Das wäre an und für sich nichts Besonderes, bietet im überfluteten Screamo-Sektor aber eine willkommene Abwechslung und steht vor allem als Wiedererkennungsmerkmal der Band. Trotz der auch hier eher traditionellen, rohen Unterproduktion der Songs, gehen die vier Bamberger_innen mit einer stoischen Versiertheit zu Werke, die sich wie im Kammerspiel-artigen "Nullnummer" intensiv unter die Haut brennt und für eine verstörende Atmosphäre sorgt. Der schwelgende und durch Delay-Gitarren erzeugte Post-Rock-Gedanke im zweiten Song "John", tut sein übriges.
Die Band Farbenflucht debütiert auf der B-Seite mit ihren ersten drei Songs. Bereits mit dem Opener "Leicht&Schwer" stellen die vier Hallenser ihr breitgefächertes Reportoire eindrucksvoll unter Beweis, indem sie dem Purismus die eiskalte Schulter zeigen. Post-Hardcore und Blackened Screamo, der sich bis an die Grenze zum Black Metal herantastet und in den folgenden Songs um einen subtilen wie melancholischen Post-Rock- und Emotive Hardcore-Gedanken erweitert wird.
Derzeit arbeitet das Sachsen-Anhaltinische Quartett mit Magnus Wichmann in den Lala Studios an neuen Songs. Ich bin gespannt, was da noch kommt.

Die Split-EP entstand als komplettes DIY-Release und kann als schick aufgemachte 12"-Vinyl über der jeweiligen Band bestellt werden. 


Karina Kvist: Facebook\\//Bandcamp

Farbenflucht: Facebook\\//Youtube

DL "Prototyp/Distanz" A-Seite & B-Seite




Havarii. & Naechte - Tremor Split-EP


Äußerst emotional-düster geht es auch auf dem Split-Release "Tremor" zu, auch wenn sich das musikalisch gefühlt ein bis zwei Ebenen höher abspielt, als obige Veröffentlichung.
Trotz einer namenhaften Besetzung, allen voran ex-Marathonmann-Gitarrist Tom Fischer und ex-Nerds On Prom Night-Sänger/Gitarrist Daniel Belz, bewegen sich Naechte noch weitestgehend unter dem Radar der hiesigen Post-Hardcore-Szene, womit sie sich allerdings ein scheinbar generelles Problem Hierzulande mit vielen tollen Genre-Vertretern teilen. Mit ihrer Debüt-EP "Irrlichter" trafen die vier Münchner vor drei Jahren eigentlich genau den Nerv der Zeit, kombinierten Post- und Melodic Hardcore mit sozialkritischen Texten und wurden gleichermaßen mit hoffnungsvollen Kombos wie Loose Suspense, Chiefland, Nosiyah oder ihren ständigen Bühnenpartnern Kalá an die Oberfläche gespült. Naechte sind weniger glattgebügelt und aufpoliert als ihr großer Bruder und finden ein ausgeglichenes Maß an Hymnenhaftigkeit und überschaubarer Sperrigkeit. Entgegen dem Debüt, sind die beiden Songs auf "Tremor" recht atmosphärisch, hinsichtlich der beklemmenden Texte vielleicht sogar brachial-düster ausgefallen. Ein Konzept, das sich auch über die beiden Havarii.-Songs erstreckt und somit das abgründige Thema der Split-EP deklariert.
"Vermessen", der Opener, trudelt mit einer melancholischen Gitarrenmelodie ein, die sich alsbald in verzweifelte Zerrissenheit entladen soll und mit sich auftürmenden Gitarrenwänden immer weiter ins ungewisse Schwarz, der Realität, hinab gleitet. Das zweite Stück "Zwischen Welten" greift den misanthropischen Ansatz seines Vorgängers direkt auf, wirft mehr existenzielle Fragen auf, als Antworten zu liefern und schafft es mit viel post-rockiger Theatralik und dem leidenschaftlich-explodierenden Gesang von Mareike, die allgegenwärtige Ausweglosigkeit fast schon zu verdrängen.

Wie bereits die Debüt-EP's beider Bands, erschien auch die gemeinsame Split-EP in Eigenregie und kann als CD über den jeweiligen Bigcartel-Shop bestellt werden.


Havarii.: Facebook\\//Youtube\\//Bandcamp

Naechte: Facebook\\//Instagram\\//Youtube

STREAM Havarii. & Naechte

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Unicorn Hole & Weekly Words And Grammar - 👌 (or New Super Weekly Words and Unicorn Hole Brawl DX & Knuckles)


Retro-Konsolensound-Jüngern dürften beide Bands durchaus schon mal unter die Ohren gekommen sein. Vor allem Diejenigen, die sich während ihrer Suche nach neuer Inspiration über dem Genre-Blog Nintendocorelives auf dem Laufenden halten, könnten über den Titel "NCU" gestolpert sein. Die Idee dahinter: die Schaffung einer epischen wie komplexen Fantasy-Welt, die sich mit jedem weiteren Chapter einer anderen individuellen Figur widmet und deren Handlungsstränge sich früher oder später kreuzen werden. Ins Leben gerufen wurde dieses Projekt von John Nelson aka Unicorn Hole, der sich für Chapter I und IV selbst verantwortlich zeichnete und auch beim Chapter III (von der "Nintendocore-Supergroup" Nuerra zusamengetüftelt) persönlich Hand anlegte. Chapter II steuerte der Amerikaner Mike aka Weekly Words And Grammar bei, womit sich der Kreis bei der hier vorliegenden Kollaboration "👌" beider One-Man-Nintendocore-Bands schließt.
Fernab dieser Fantasy-Saga, ballern sich die beiden Nerds durch stilsicheren Chiptune und famosen Metalcore, der nicht nur aufgrund seiner Einflüsse aus dem Deathcore, Cybergrind und sogar Hip Hop, sondern auch wegen vieler detailreicher Breaks und Rhythmuswechsel, eine enorme Vielfalt und somit ein kurzweiliges Vergnügen bietet.
Ein Highlight für Fans, die es bei aller Liebe zur nostalgischen Spielebox trotzdem organisch mögen.  

Unicorn Hole: Facebook\\//Bandcamp

Weekly Words And Grammar: Facebook\\//Bandpage\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Twitter\\//Myspace

DL "👌"
DL "👌" (Instrumentals)


Samstag, März 9

Yellnikow - Am tiefsten Punkt der Erde EP



Kurzinfo:

So recht kann ich es immer noch nicht ganz nachvollziehen, warum wir als simpler Blog mehr als doppelt so viele Follower auf Facebook haben, als die Band Yellnikow. Während wir unsere Finger in die Tastatur hauen und damit lediglich die Polsterung unserer Gesäße fördern, besetzt das nordrhein-westfälische Quintett nun schon über sechs Jahre hinweg eine schier undefinierbare, musikalische Nische. Auch ihr drittes Release "Am tiefsten Punkt der Erde" weckt wieder viele nostalgische Reminiszenzen an vergangene Indie-, Emo- und Screamo-Größen, die jedoch abermals auf eine dermaßen eigenwillige Art verschwurbelt werden, dass sie jeglichen Direktvergleich scheuen.
Yellnikow sind Geschichtenerzähler, die ihre triste Poesie mit düster-melancholischen Tönen ummanteln. Wer sich darauf nicht einlassen kann, wird ihre Musik auch nur schwer greifen können. Die fünf Songs treiben sphärisch und subtil durch einen dichten Nebel aus sanften Melodien, die in ihren minimalistischen Momenten fast komplett zum Erliegen kommen, sich an anderer Stelle wiederum zu tosenden Orkanen aufbäumen können. Der Opener "Tiefster Punkt der Erde" oder auch der Closer "Session IV" erinnern mich mit ihrer hauchzarten Fragilität unweigerlich an Rue Des Cascades' kammerspielartiges Glanzwerk "Odes To Love, Flames To Paris", nur, dass Yellnikow ihre episch-mäandernden Songs in einem überschaubareren Rahmen halten. Ausgesetzt in der Dunkelheit, geblendet vom grellen, kreisrunden Scheinwerferkegel. Von allen Seiten der schier unendlichen, allgegenwärtigen Finsternis sauselt, flüstert, kreucht und fleucht die unerträgliche Ungewissheit. Den Lichtkegel zu verlassen kostet zuviel Überwindung, doch Stehenbleiben scheint auch keine wirkliche Option zu sein. Bis mittendrin und unerwartet das Paperbite-Rap-Feature "Schlaflied" die morbide Grundstimmung zumindest für einen kurzen Moment aufreißt und den verunsicherten Protagonisten erstmals mit einer klaren Struktur an die Hand nimmt. Und so hoffnungsvoll die elektronischen Teilchen im folgenden "Session IV" auch den vermeintlichen Weg aus der Dunkelheit weisen, so sicher ist man sich am Ende von "Der tiefste Punkt der Erde", dass alles nur traurige Illusion ist.


Band: Yellnikow

Titel/Release: Am tiefsten Punkt der Erde/EP (Digital; DIY-CD's in Planung)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Alternative, Emo, Indie, Post-Hardcore, Post-Rock

FFO: Fljora, Alkali Lake, The Scarabeusdream

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube I\\//Youtube II\\//Soundcloud




DL "Der tiefste Punkt der Erde"


Mittwoch, März 6

Seax - No Sugar EP



Kurzinfo:

Es war wieder eine dieser unerwarteten Hiobsbotschaften, als sich die Cold Kids im letzten Jahr auflösten, keine fünf Monate nach der Veröffentlichung ihres starken Debüt-Albums. Diese eingängig-tollen Melodien, überzogen mit einer Outlaw-Mentalität und dezenten Laser-Einschüben, dazu diese verruchte Stimme, die einen glatt mal 30 Jahre zurück wirft. Aber gut, leider hatte ich es zum damaligen Zeitpunkt versäumt, zum Album Stellung zu beziehen und an dieser Stelle ist es sicherlich nicht angebracht. Warum ich all das trotzdem erwähne? Ohne Laserschwert und Sänger Hobel, dafür mit neuer Frontfrau, haben die ex-Cold Kids Volvo, Winkler und Brille bereits ein Folge-Projekt am Start, das mit "No Sugar" auch gleich ein erstes Ausrufezeichen setzt. Und vielleicht braucht es da auch erstmal einen Song wie "No Compliments", in dem es heißt: "I'm not a target just by going outside", um mit der Vergangenheit abzuschließen und in ein neues Kapitel zu starten. Recht wüst, kompromisslos und unmissverständlich wird hier eine klare Linie gezogen. Das lyrisch triste "Aspirations" rollt da schon auf wesentlich ebeneren Wegen gen Garage und heizt zum Ende hin mit ordentlich Riot Grrrl-Attitüde ein. Im spielfreudigen "Yin and Yang" und vor allem im melodischen Höhe- und gleichzeitigen Schlusspunkt "Sadness", offenbaren Seax aber auch ihre Versiertheit und Affinität zum melodischen Punkrock.
Das ist alles noch ein wenig auf Sparflamme getrimmt und es bleibt auch sicherlich abzuwarten, wohin sich die Band mit ihren nächsten Releases, die da noch hoffentlich folgen werden, entwickeln wird. Ihre Bandbreite haben sie mit "No Sugar" jedenfalls schon mal eindrucksvoll unter Beweis gestellt.


Band: Seax

Titel/Release: No Sugar/EP (Digital, Tapes in Planung)

Label: DIY/Bandcamp (Tapes out in May '19 via Twisted Chords)

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Post-Punk, Punk, Riot Grrrl

FFO: Au Pairs, Dead Cult, Bikini Kill, Belgrado

Links: Bandpage




Stream & Buy Digitally "No Sugar"


Sonntag, März 3

magret. - Schiessen-Session



Kurzinfo:

Live hatten sich magret. in den letzten Monaten eher rar gemacht, dafür verbrachten die vier Trierer scheinbar mehr Zeit im Studio. Die digitale Tinte zu ihrer dritten EP "Surfen" war noch nicht ganz getrocknet, da veröffentlichte die Band mit "Driften" auch schon den zweiten Teil ihrer angekündigten Doppel-EP und keine drei Monate später gleich noch EP #4 hinterher.
Angesichts ihrer letzten Meldung, dem Aus der Gruppe nach sieben gemeinsamen Jahren, wohl eher ein letztes Aufbäumen und die finale, selbstgegebene Freiheit nochmal am eigenen Sound herum zu experimentieren. Auch die "Schiessen-Session" fällt weitestgehend unter dem eigenen Etikett "Rotzpop", denn im aufgewühlten Gesang schwingt immer noch genügend Unverständnis, Klage und Wut mit. Dennoch sind magret.'s (vorerst) letzten fünf Songs wesentlich eingängiger und vor allem melancholischer ausgefallen. "Sleepover", "Caput" und der tolle Closer "Sören" sind zeitlose Ohrwürmer in der Schnittmenge zwischen Indie(pop) und Indie-Punk, wie er um die Jahrtausendwende Hierzulande groß geworden ist und mittlerweile in den Kultstatus gehoben wurde. Nicht zuletzt deshalb finde ich es extrem schade, dass die Band während ihrer sieben-jährigen Schaffensphase nicht die Aufmerksamkeit erhielt, die sie verdient gehabt hätte und kein einziges Label-Release aufweisen kann. Zumal magret. mit den dumpfen Keyboardeinlagen und dem düster-bissigen, fast schon Cold-wavigen "Sichtbar" auf "Schiessen-Session" zu guter Letzt nochmal ihre Wandelbarkeit unterstreichen und ihrem Sound einen vollkommen anderen Anstrich verpassen.
Bye bye, liebe magret.s. Ich werde euch vermissen.


Band: magret.

Titel/Release: Schiessen-Session/EP (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Indie, Indie-Punk, Wave

FFO: Kazimir, 2nd Skin, Messer

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube




DL "Schiessen-Session"


Donnerstag, Februar 28

Extinct - A Piece Of Extinction!



Kurzinfo:

Nach dem Best Of, ist vor dem Nächsten. Die Querfurter Band Extinct legt knapp drei Jahre nach ihrem "Greatest Hits" eine sechs Song starke EP nach und erweitert damit ihre bislang eindrucksvolle Diskografie. Wie es sich für eine Band im Spannungsfeld zwischen Powerviolence und Hardcore-Punk gehört, lassen sich die Songs nicht anhand von Attributen wie den klassischen Strophe-Refrain-Mustern oder Schönklang bewerten. Stattdessen sorgen die vier Sachsen-Anhaltiner auch diesmal wieder für einen wohlig-düsteren AZ-Sound im gemütlichen Kreis der Pogenden.
Und so kündigen sich Extinct mit dem anfangs noch schleppenden Opener "Redundancy" standesgemäß bedrohlich an, ehe der Track mit dem einsetztenden Scream-Shout-Duett so langsam Betriebsklima aufnimmt. Mit dem folgenden "Abuse" legen die Jungs dann auch furios los. Was für ein Brett, dass die Angepissheit über die Gesamtscheiße auf den Punkt bringt. Ein misanthropischer Reigen, der sich mit niederdrückendem Downtempo-Riffing und explodierenden Blowouts über die gesamte EP erstreckt.
Untermalt wird die Endzeitstimmung durch das tolle Artwork von OdeToBlack.
Kleiner Schmankerl für die Kassetten-Liebhaber: die Tape-Version über Lower Class Kids kommt auf der B-Seite mit einem kompletten Live-Set vom Gig im Gerber 3 in Weimar vom 14. August 2018.


Band: Extinct

Titel/Release: A Piece Of Extinction!/EP (7" Vinyl -> 5x Testpress w/ Alternate Cover, 57x Black, 156x Green; 66x Tape; Digital)

Label: Affront Vinyl (7"), Lower Class Kids (Tape)

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Powerviolence, Hardcore-Punk

FFO: Strafplanet, Svffer, Derbe Lebowski

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Instagram\\//Youtube




Stream "A Piece Of Extinction!"

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Montag, Februar 25

Platte des Monats 02/2019: Whole - Bias



Kurzinfo:

Musikalisch spielt sich heutzutage Vieles auf digitaler Ebene ab. Klar, die Sound-technischen Möglichkeiten sind schier unbegrenzt, während sich der logistische Aufwand dazu in einem überschaubaren Rahmen bewegt. Eine Band jedoch live zu erleben, entfaltet dann aber doch nochmal eine ganz andere Intensität - oder führt im schlimmsten Fall zu einem bösen Erwachen. 
Das ist sicher nicht die Weisheit des Tages, im Falle von Whole aber schon etwas Besonderes. Hat sich Eigentüftler Alex Donut in den letzten Jahren überwiegend im heimischen Studio eingenistet und über das eigene Label in regelmäßigen Abständen seine Solo-Projekte (u. A. Feverdreamt, Fir Cone Children, Vlimmer) veröffentlicht, tourt die andere Whole-Hälfte Thomas Schernikau seit 2011 mit der Depeche-Mode-Tribute-Band Forced To Mode äußerst erfolgreich durchs Land und spielt vor ausverkauften Häusern. 
Seit ihrer gemeinsamen Tour in 2009 - mit ihren damaligen Bands Leonard Las Vegas und der FTM-Quasi-Vorband Forced Movement - , verbindet die beiden Musiker eine Freundschaft, die im letzten Jahr schließlich zum erneuten musikalischen Zusammenschluss führen sollte. Nur diesmal eben als gemeinschaftliche Band, die sich entgegen ihrer anfänglichen Intention nicht scheut, ihre Virtuosität auch auf der Bühne auszuleben. Und mit dem Begriff Virtuosität stehen wir auch schon im Mittelpunkt von Whole's Debüt-Album "Bias". Die beiden (Rand-)Berliner haben es in Rekordzeit geschafft, ihre unterschiedlichen Einflüsse und Vorlieben perfekt miteinander zu verflechten. So schwebt nicht nur über den morbiden "Lust/Terror" und "Tides Made By Our Hands" die schwarze Seele von Depeche Mode, während sich ein Song wie "What Scares You" in einer ähnlichen Weise psychotisch verstrickt, wie es auf den letzten beiden Leonard Las Vegas-Releases nicht selten der Fall war. Diese allgegenwärtige, düstere Abgründigkeit saugen Whole aber nicht nur aus ihrer eigenen Inspiration. Reminiszenzen an Bowie-esken Avantgardismus bis hin zu Reznor-ische Destruktivität, aber auch schwelgerische Passagen á la Radiohead, ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album. "Berghain" nimmt den Hörer mit einer eingängigen Melodie an die Hand und entführt ihn fast schon verführerisch in immer trügerischere Sphären, nur, um ihn einen Song später inmitten einer fast schon versöhnlichen Düsterballade abzusetzen.
Whole öffnen mit "Bias" das Tor zu einer neuen Dimension des Synthpop. Ein Album zwischen Licht und Schatten, gespickt mit vielen versteckten Details, voll fragiler Poesie, betörend und verstörend zugleich.


Band: Whole

Titel/Release: Bias/Album (15x Tape, Digipak-CD, Digital)

Label: Blackjack Illuminist

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Synthpop, Indie, Electronic, New Wave, Gothic

FFO: David Bowie, Radiohead, Depeche Mode

Links: Facebook




Stream & Buy "Bias"


Freitag, Februar 22

Wiederhören: Stompin' Souls - ...And It's Looking A Lot Like Nothing At All



Es liegt sicher auch an der zeitgenössischen Überflutung gleichartiger Bands, dass einige tolle Genre-Vertreter schlichtweg in die Belanglosigkeit versunken sind. Was wurden meiner Zeit Mando Diao oder The Hives in den Indie-Discos und Radiostationen durch die Boxen gejagt und somit regelrecht totgenudelt. Doch warum, verdammt nochmal, habe ich da nie einen Song wie "Into The Firing Line" oder "Nothing Is Holy Now" von den Stompin' Souls gehört?! Ganz im Ernst: manchmal frage ich mich, ob mein Musikgeschmack wirklich so verkorkst ist. Wahrscheinlich würde ich als DJ auch immer bloß vor einer handvoll Anstandsgästen wie meinen Eltern auflegen. Ja, du kannst alles schaffen, wenn du nur daran glaubst. Ich glaube jedenfalls, dass Stompin' Souls mit ihrem Album "...And It's Looking A Lot Like Nothing At All" ein klasse Debüt abgeliefert haben, das sich hinter den vermeintlichen Größen keineswegs zu verstecken braucht. Energie-geladener Schweden-Pop trifft auf rotzigen Garage und vereint sich zu höchst infektiösen Moshpit-Gedränge. Und mit "Put Me On, Bring Me Out" hatten die fünf Schweden, von denen einige vorher bei der Ska-Kombo The Funpark Five mitmischten und andere mittlerweile Game-Soundtracks komponieren, sogar einen echten Hit hierzulande. Für mich eher einer der schlechteren Songs des Albums, wo wir aber wahrscheinlich wieder bei meinem verkorksten Musikgeschmack gelandet wären.
Ob es nun an der banal-beiläufigen Orgel liegt, dem mangelnden Durchhaltevermögen der Band (Album #3 wurde 2012 angekündigt aber nie veröffentlicht) oder doch an der starken Konkurrenz - Stompin' Souls hatten leider nie die Aufmerksamkeit erhalten, die sie meiner Meinung nach mit diesem Album verdient gehabt hätten.


Dienstag, Februar 19

Paulinchen Brennt - "wie Salz"



Kurzinfo:

Ich hatte schon die Befürchtung, dass Paulinchen Brennt bloß ein kurzweiliges Spaßprojekt wird, das nach dem ersten musikalischen Aufschrei ("Viele werden satt", 2016) mindestens genauso schnell wieder verstummt. Auch, weil Bassist, Sänger und Tausendsassa Daniel Schmitt in der Zwischenzeit für mehr Furore mit der Alternative-Desert-Rock-Formation Cannahann sorgte und kürzlich mit Maffai ein kleines Independent-Star-Ensemble um sich versammelte.
Zum Glück, wie sich nun also herausstellte, sind die drei Nürnberger/Leipziger immer noch kräftig am Tüfteln, was sie der Hörerschaft in Form einer zwei Song starken 7inch präsentieren. Ihr Label- und gleichzeitig Vinyl-Debüt "wie Salz" beginnt mit messerscharfen, abgehackten Riffs, mündet in plänkelnden Hooks, Flirr-Gitarren und wird durch kehliges Geschreie aufgerieben, ehe inmitten des Songs dieser unerwartete Hymnenchor selbigen vollkommen aus der Bahn wirft. Mit "Souzeraine" macht das Trio unmissverständlich klar, dass Menschen mit Vorliebe für Erwartungshaltungen und Schubladendenken bei ihnen nicht lange durchhalten werden. Mich persönlich erinnert der Song stark an Biffy Clyro zur "Infinity Land"-Ära oder auch Masada, die in ihren Konzepten einen ähnlichen Ansatz von destruktivem Schönklang verfolgten.
Der Titel-Track kommt da schon mit wesentlich monotoneren Saitenschlägen aus, verleiht dem schleiernden Post-Rock-Gedanken des Vorgängers hingegen mehr Kontur und galoppiert mit einer melancholischen Grundstimmung gen 90er-Skramz.
Aufgenommen und aufpoliert wurde übrigens im Leipziger Laboratorium von LIITTO-Kopf Jens Anders, der sich mit verqueren Genre-Koryphäen jeglicher Art (u. A. DRRST, Empire Club und Kraene) ja bestens auskennt und "Souzeraine" kurzzeitig sein zartes Stimmchen leiht.


Band: Paulinchen Brennt

Titel/Release: "wie Salz"/EP (200x Black 7inch; Digital)

Label: 30 Kilo Fieber Records, Different Records, Not So Happy Records

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Mathcore, Post-Hardcore, Screamo

FFO: Cortarmao, Tentackle, Dÿse, Masada

Links: Bandcamp\\//Facebook\\//Youtube




DL "wie Salz" Here & Here

BUY Here & Here




Strommasten - Allerzweite Sahne



Kurzinfo:

Einige werden mir jetzt sicherlich zusammengewachsene Augenbrauen wünschen, aber auch nach neun Jahren kann ich noch immer nichts mit dem Proleten-Punk von Kraftklub anfangen. Zum Glück sind Strommasten eben nur "Allerzweite Sahne" und fliegen noch weitestgehend unter dem Radar. Dabei haben die elf Stücke ihres Debüt-Albums durchweg das Zeug in sämtlichen Mainstream-Radio-Playlisten zu rotieren. Ungeniert und unbekümmert dessen, dass die vier Dortmunder mehr darauf bedacht sind, Klischees zu bedienen als neue Akzente zu setzen, bewegen sich die Stücke straight durch fröhlich hüpfenden Indie-Pop mit vielen elektronischen Plucker-Elementen und dezentem Silberblick Richtung überdrehte und knallbunte NDW. So schwebt nicht nur über das selbstgefällige "Gleich vorne an" der Geist von Falco. Ansonsten könnten sich Strommasten auch unbemerkt unter die Riege der Anfang 2000 sprießenden deutschen Indie-Pop/Rock-Szene mischen, in der einprägsame wie simple Melodien und pathetische Lyrics eben noch gebührend abgefeiert wurden in den Dorfdiskotheken. Würde mich doch stark wundern, wenn das 2019 anders sein sollte...


Band: Strommasten

Titel/Release: Allerzweite Sahne/Album (200x Digipak-CD; Digital)

Label: DIY (Boketto Records)/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Indie, Indie-Pop

FFO: Samba, Virginia Jetzt!, Die Sterne

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube




Stream & Buy "Allerzweite Sahne"



Samstag, Februar 16

Die Bandcamp-Punks Vol. 31

Bruised Willies - Dark Humour



Die Südost-asiatische Insel-Kette war für mich in musikalischer Hinsicht bislang nicht sonderlich interessant, mit Ausnahme des malaiischen Labels Utarid Tapes natürlich, das aufgrund gemeinsamer musikalischer Interessen kontinuierliche Beziehungen auch zu deutschen Labels pflegt (u. A. Time As A Color, Moment Of Collapse). Bruised Willies haben damit direkt erstmal recht wenig zu tun, fördern mit ihrer dritten EP nun aber auch schon über zwei Releases die deutsch-asiatische Freundschaft. Wie zuvor schon "John Malkovich Was Great As John Malkovich In Being John Malkovich", erscheint auch "Dark Humour" als Co-Release der Labels Dangerous Goods und Dingleberry Records. Und wie bereits Bandname und Titel der Vorgänger-EP zeigen, erweisen sich die drei Singapurer als wahre Cineasten, was auch auf der neuen EP in Form von schwarz-humorigen Zitaten aus Filmen wie "Grosse Point Blank", "7 Psychos" oder "Kiss Kiss Bang Bang" zum Ausdruck kommt. Musikalisch bewegen sich Bruised Willies ziemlich straight zwischen Emo, Punk, Alternative und Post-Grunge mit ganz viel Pop-Punk-Affinität. Das ist zwar nichts Neues und erinnert ungeniert an Größen wie Citizen und Cloud Nothings oder auch Vertreter hierzulande (Pool Rules, Oat), bringt aber eine Menge Spaß mit. Und eben das, ist auch das erklärte Ziel dieser Spaßtruppe aus Szene-bekannten Musikern von Bands wie The Caulfield Cult, To Hell With You und Abolition A.D.. Nicht mehr und nicht weniger.


DL "Dark Humour"

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Disgusting News - Demo

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Auf wesentlich pissigeren, aber keineswegs melodieärmeren Pfaden wandelt die Band Disgusting News, die im Sommer dieses Jahres mit ihrer Demo-EP debütierte, deren Sound der dunklen Jahreszeit aber irgendwie besser zu Gesicht steht. Die Band aus Bielefeld, die sich den Drummer mit der noisigen Hardcore-Punk-Band Phantom Pain teilt, vermittelt vor allem lyrisch viel aggressive Anti-Haltung, die sicher auch im ortsansässigen AJZ viel Anklang finden dürfte. Dazu ein herrlich manisch-wirbelndes Schlagzeug, in die Prärie galoppierende, dreckige Gitarren und eine Sängerin, die echauffiert Gift und Galle spuckt und dabei gelegentlich Rückendeckung ihrer nicht weniger angepissten männlichen Kollegen erhält. So und nicht anders, sollte Punk klingen, der ernst genommen werden will.
Mit Hilfe von No Firecracker, Please, veröffentlichte das nordrhein-westfälische Quartett sein Demo auf Tape. 

DL "Demo" Here & Here

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Lunch Break - Demo 2018


Herrlich angespisst klingt auch der heisere Schreihals hinter dem Mikro von Lunch Break. Das Berliner Trio, dem zwei ex-Sleep Routines angehören, spielt rotzig-schnellen Hardcore-Punk mit einem Hauch von D-Beat und Crust, der mich vor allem in den rockig-überschäumenden, melodischen Parts wie in "Wrongnorw", "Radar Love II" und "Solving Strategies" an die dänischen Crust-Punks Parasight erinnert. Übrigens genauso eilig scheinen es die drei Hauptstädter auch zu haben, die die neun Songs ihres Debüt-Demos in der gleichen Zeit über die Bühne bringen, wie oben genannte Disgusting News die sechs ihres eigenen. Und die lagen mit knapp 9 ½ Minuten schon gut in der Zeit. 
Bis auf den PWYW-Download auf Bandcamp, sind derzeit nicht wirklich viele Infos über Lunch Break im Netz zu finden. Aber sowohl das kultige Cover (ich liebe diese verdammte Frühstück-Szene) als auch der kurze musikalische Amoklauf, hätten zumindest ein Tape-Release mehr als verdient.

DL "Demo 2018"



Bomb Out - Bomb Out

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Dritte EP des 2013 gegründeten Quartetts Bomb Out. Das Berliner Underground-Star-Ensemble um (ehemalige) Mitglieder von Fabrik Fabrik, Sleep Routine, New Golden und somit auch aus dem näheren Henry Fonda/Ancst/Afterlife Kids-Umfeld, serviert uns auf der selbstbetitelten EP vier gewohnt eingängige und äußerst aggressive Hardcore-Smasher, die im Moshpit garantiert für eine unangenehme und schmerzhafte Rudelbildung sorgen dürften. Straight in your face, lautet hier wohl die Attitüde. Nur gut, dass diese Jungs ihre Herzen am linken Fleck tragen, da verzeiht mensch dann gerne auch mal einige platt-gedroschene Phrasen. Zumal "Bomb Out" zu guter Letzt mit dem Chab Loozy-Rap-Feature "Kein Pardon" nochmals ordentlich hinlangt.


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Gilb - Tape 1


Na wenn das mal kein gewollter Flashback ist... . Vieles auf Gilb's Debüt-EP "Tape 1" klingt wohl-wollend vertraut. Noisige, fast schon surfige Schrammelgitarren, die das solide und um Ordnung bemühte Drum-Bass-Fundament immer wieder aus der Ruhe bringen und hektisches Weirdo-Geschreie, sind die simplen wie effektiven Bausteine dieses katharsischen Garage-Hardcore-Punk-Gebräus. Sechs Songs, die in knapp neun Minuten weniger um Schönklang, als vielmehr um ein ausgelassenes AZ-Feeling bemüht sind.
Freunde des Flennen-Kollektives wissen unlängst, dass sich hinter Gilb umtriebige Gesichter aus Berliner Kombos wie Zelf, Pigeon, Molde und Pretty Hurts verbergen und zudem 3/4tel Deltoids, was optisch (Tape-Cover) wie musikalisch einige Parallelen offenbart.

DL "Tape 1"



Videowelt - Benediction

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Mit der ebenfalls aus Berlin stammenden Band Videowelt, folgt ein Vertreter aus dem Umfeld des Flennen-nahen Labels Spaeti Palace. Videowelt ist ein audio-visuelles Musikprojekt von Alex Roth (Yoga, Redakteur bei Tausend Ebenen), der sich für die musikalsiche Umsetzung u. A. Billy Billfred  von Trucks und Benjamin Wild aka DJ Dingo Susi auf die Bühne holte. So ist es nicht überraschend, dass auch in akustischer Hinsicht über die Debüt-EP "Benediction" ein künstlerischer wie experimenteller Charakter schwebt, der sich glücklicher Weise nicht zu tief in Spielereien verstrickt. 
Stilelemente aus Drone, Doom, Lo-Fi und Noise fordern von der Hörerschaft zwar eine gewisse a-puristische Offenheit ein. Auf der Basis von eingängigem Post-Punk, liefert das Quartett mit "Seventeen", "Televangelism" und dem Titeltrack dennoch einige melodische Songs zum Mitwippen ab.

DL "Benediction"



Freidenkeralarm - Nie Wieder Faschismus

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Kennt hier noch jemand diese intellektuelle Emo-Indie-Ska-Punk-Band Tut Das Not? Ich war jedenfalls ziemlich von derem Album "Bildfänger" angetan, was wahrscheinlich aber auch an der damaligen Zeit lag, in der ich meine Ohren mit viel Deutsch-Indie(-pop) á la Tomte, Tocotronic, Samba und Schrottgrenze weichspülte. Jedenfalls hat sich die Trierer Band Freidenkeralarm nach dem scheinbar auf Spotify beliebtesten Song eingangs erwähnter Band benannt, wobei wir die Suche nach weiteren Gemeinsamkeiten auch schon wieder getrost einstellen können.
Das Trio aus der ältesten Stadt Deutschlands (ja, wir sind stets um etwas Rucksackwissen bemüht) spielt munteren wie melodiösen Punkrock. Ihre zweite, ebenfalls im letzten Jahr erschienene EP "Nie wieder Faschismus" richtet sich konzeptionell über fünf Songs gegen braunes Gedankengut, mal direkter, mal ironisch oder Klischee-bedienend. Die Marschroute ist von Anfang an klar und mündet stets in eingängige Singalongs. Das hier hat Potential zu mehr, 2018 war zumindest das Ertrag-reichste Jahr der Ende 2016 gegründeten Band. Mal schauen, was Freidenkerlalarm 2019 noch so alles reißen können.

DL "Nie wieder Faschismus"



Limp Blitzkrieg - Koniec Kraju Polska

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Nicht nur wir sehen uns mit einem zunehmenden Rechtsruck konfrontiert, auch die polnische Bevölkerung muss spätestens seit 2015 miterleben, wie durch die rechts-konservative Partei PiS die Demokratie Stück für Stück aus der eigenen Verfassung gedrängt wird. 
Die in Polen beheimatete Band Limp Blitzkrieg hat mit ihrem zweiten Longplayer darauf nur eine Antwort - "Koniec Kraju Polska", zu deutsch: "Nieder mit dem polnischen Staat". 
Mit wütendem Hardcore-Punk keift das Warschauer Quartett gegen Diskriminierung, Patriotismus und rechte Tendenzen, aber auch gegen die Gemütlichkeit der Punk-Szene. Der grundlegende Queer-Gedanke der Band, der vor allem durch die Galle-speiende Frontfrau versprüht wird, findet schlussendlich Fromvollendung im Alex Freiheit (Siksa) - Feature "Dobre Rady" und Limp Wrist-Cover "The Ode".

DL "Koniec Kraju Polska"

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Knarre - Live Demo (Epple, 23.06.18)

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Und als seichten Abgang zum Schluss bekommt ihr nochmal eine rohe Schippe Rumpelpunk serviert. Eigentlich bin ich auf das Quartett Knarre aus Baden-Württemberg auch nur aufgrund meiner Recherchen zur gleichnamigen Berliner Skramz-Pop-Band gestoßen. Doch statt Balsam für die Ohren, durchdrang meine selbigen überraschender Weise kakophonischer wie ironischer als auch herrlich angepisst-direkter Deutschpunk, der mich vor allem wegen des schräg-krächzenden Gesangs nicht selten an Mann kackt sich in die Hose erinnert. Schön rumpelig, knarzend und einige nette Hook-Fetzen, die scheinbar vom übermäßigen Bierkonsum oder fehlendem Talent immer wieder verrissen werden. Vielleicht ist das ja auch einfach bloß Angst vorm Schönklang. Egal. Molle her, Nacken dehn, Pogen gehn!

DL "Live Demo (Epple, 23.06.18)"

Mittwoch, Februar 13

OXMO - Was hast du dir dabei gedacht?



Kurzinfo:

Wie auch schon mit ihrer Quasi-Vorband Oxnard Montalvo, teilen uns OXMO in ihrem Bandnamen ihr Faible für retrospektive Zeichentrickserien mit. Das passt irgendwie, denn mit seinem Hip-Hop-Crossover-Mix transportiert das süd-deutsche Quartett viel unbekümmertes und überdrehtes 90er-Jahre-Feeling, irgendwo zwischen unpeinlichen Die Fantastischen Vier, Fettes Brot und Tic Tac Toe. .......... Aber im Ernst, vieles auf "Was hast du dir dabei gedacht", dem Debüt-Album unter dem neuen Bandnamen, klingt nach gut gelaunten Fratzen, die in ausgewaschenen Baggy Pants und schlabbrigen Karohemden durchs knallbunte VIVA-Programm hüpfen, natürlich in schlechter Bildqualität. Auch, wenn das alles schon mal da gewesen ist und vielleicht zwanzig Jahre zu spät kommt, begründen OXMO vor allem textlich ihre Daseinsberechtigung im Hier und Jetzt. Neben dem aktuell vorherrschenden Rechtsruck, prangern die eigentlichen zehn Songs vor allem von der Gesellschaft auferlegte Erwartungshaltungen an, was unter dem Album-Motto "Frei sein" oder ironischer Weise eben "Was hast du dir dabei gedacht" zusammengefasst werden könnte. Frei sein von Zwängen und der Meinung von Andersdenkenden, wie auch die stilistische Willkür aus Hip Hop, Electronicas, Ska und Reggae zeigt, die hier zu locker in der Hüfte sitzenden Pop- und Rhythmus-Hymnen vereint wurde. Und wenn mensch bedenkt, dass sich hier ein Mitglied der Pop-verliebten Punkkombo Arbeitstitel: Bullenblut hinterm Mikro versteckt, lässt sich das Album ohnehin mit einem Augenzwinkern genießen.


Band: OXMO

Titel/Release: Was hast du dir dabei gedacht?/Album (Digipak-CD; Digital)

Label: DIY

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Hip Hop, Punk, Ska, Reggae, Funk

FFO: Strommasten, Ginsengbonbons, Die Fantastischen Vier

Links: Bandpage\\//Youtube\\//Soundcloud




Stream "Was hast du dir dabei gedacht?"

Buy via Mail to: kapellmeister@o-x-m-o.de



Sonntag, Februar 10

Maffai - Maffai EP



Kurzinfo:

Spätestens mit dem Millenium wurde auch ein neues Kapitel im deutschen Post-Punk-Sektor aufgeschlagen. Fast zwanzig Jahre später, liegt es also an Bands wie Maffai, die Geschichte immer weiter fortzuschreiben. Und dass die drei Nürnberger und der Würzburger nicht nur gute Autoren, sondern vor allem auch großartige Musiker sind, beweisen sie eindrucksvoll mit ihrer selbstveröffentlichten und -betitelten Debüt-EP. 
Das Konzept dahinter ist nicht neu, allerdings auch wesentlich mehr als ein bloßer Abklatsch. Das liegt vor allem am homogenen Zusammenspiel zwischen modernen Pop- und altehrwürdigen Wave-Elementen, aber auch am aufgewühlten Gesang, der unter der seichten Oberfläche aus Indie-Rock und Post-Punk gewaltig brodelt und stets auszubrechen droht. In diesem Sinne könnte man fast meinen, dass das Quartett auf "Maffai" sein Faible für Kontraste auslebt, auch, wenn es eben nicht zwangsläufig danach klingen muss. Die vier Songs huschen eingängig ins Ohr und verschrecken sicherlich nur eine kleine Gruppe streng-puristischer Mainstream-Hörer.
Im Prinzip liefern Maffai genau das ab, was die Mitglieder bereits in ihren Vorprojekten immer wieder offenbarten: Jan Kretschmer (Panda People), Mike Illig (Cannahann), Simon Züchner (Godzilla Was A Friend Of Mine) und Daniel Schmitt (Paulinchen Brennt, Tending To Huey, Cannahann, 52 Hertz) überzeugen mit aufpolierter Sperrigkeit.


Band: Maffai

Titel/Release: Maffai/EP (300x Black 7inch; Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Indie, Post-Punk

FFO: Kazimir, Turbostaat, Edgar R.

Links: Bandpage\\//Instagram\\//Youtube\\//Facebook




Stream & Buy "Maffai"


Donnerstag, Februar 7

Agador Spartacus - Agastonishing



Kurzinfo:

Agador Spartacus beschreiten auch auf ihrer dritten EP "Agastonishing" ihren Weg konsequent und entwickeln sich dabei stets weiter. Wie auch schon beim Vorgänger "Agadawesome" und entgegen dem Debüt "Agadorable", haben sich die vier Ruhrpottler/Hamburger im Kaputtmacher Studio eingenistet und die Aufnahme und den Feinschliff in die Hände von Jochen Stummbillig gelegt, was abermals in einem sehr druckvollen Soundgewand mündet.
Die EP startet mit einem Intro, das nahtlos in den folgenden Song "Living Slow/Dying Hard" hineinfließt und mit einem düsteren Schwarm auf die schwermütige Atmosphäre niederdrückt. Natürlich verliert sich auch dieser Song wieder in einer eingängigen Melodie, auch wenn sich die eigentlichen sechs Songs nie so ganz an einer manifestierten Songstruktur festklammern. Generell wird man den Eindruck nicht los, als hätten die Donots bei ihrem letzten Studiobesuch einen nachhaltigen Eindruck beim o. g. Tontechniker hinterlassen. Agador Spartacus schaffen einen beeindruckenden Spagat aus alternativer Hymnenhaftigkeit und post-hardcoriger Sperrigkeit, aus sozialkritischen Texten aus persönlichem Blickwinkel. Das ist vielleicht etwas zu viel Willkür für die große Stadionbühne, allerdings auch überqualifiziert für die kleinen Kellerspelunken.


Band: Agador Spartacus

Titel/Release: Agastonishing/EP (ca. 100x DIY-CD; Digital)

Label: DIY (Boketto Records)/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Alternative, Post-Hardcore, Punk, Emo

FFO: Paraquat, Passed Me By, Ashes Of Pompeii, We Will Fly

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Instagram\\//Youtube




Stream & Buy Digitally "Agastonishing"

Buy CD-r via Mail to: contact@agageddon.com


Montag, Februar 4

Video Kills The Radio Star Vol. 8


Malm - Ins Nirwana


Es gibt Bands, die feiern gefühlt alle fünf Jahre eine Reunion oder eben solche, die sich für ihr nächstes Release die nötige Zeit nehmen, ohne gleich alles über den Haufen zu werfen. 
Die Würzburger Band Malm, deren Mitglieder zwischenzeitlich auch bei Bands wie Omega Massif, Blacksmoker und Elision aushalfen, ist seit 1998 eine feste Größe im deutschen Noise-Rock-Sektor. Über drei Alben und vier EP's, blieben sich die vier Bayern ihren kompromisslosen Stil stets treu. Pünktlich zum 20-jährigen Bandjubiläum, erschien nun also Album Nummer vier, "Kollaps", auf dem das Quartett abermals ein wahres Noisegewitter entfacht. Minimalistisch, dissonant und brachial zugleich, ohne die blank liegenden Nerven über das nötige Maß hinaus zu strapazieren. "Ins Nirwana" ist nur eines von zwölf eindrucksvollen Belegen dafür.
Nach der Split (2008) mit der Berliner Noise-Rock-Formation Kint, ist "Kollaps" das zweite Bandrelease, das u. A. auch auf Vinyl erscheint.


Buy "Kollaps" Here & Here



Kind Kaputt - Unperfekt


Pop und radiotaugliche Härte - ein Konzept, dass sich spätestens mit dem Debüt von Madsen in den Mainstream-Sendern hierzulande durchgesetzt hat. Ein Klischee, das vor allem im letzten Jahrzehnt durch Bands wie Marathonmann, Naechte, Kaff König oder Heisskalt kräftig bedient und vom geneigten Publikum durchaus belohnt wird. Auch der Sound der relativ jungen Formation Kind Kaputt erscheint für die feucht-dunklen Wände der Punk-Spelunken etwas zu überambitioniert, obwohl das Mannheimer Trio auf seiner Debüt-EP "Die Meinung der Einzelnen" textlich am Zahn der Zeit bleibt und musikalisch durchaus einige Überraschungen parat hält.
"Unperfekt" ist der etwas ruppigere Ausreißer der EP, was sicherlich auch dem Feature von Jonas Jakob (8KIDS) zu verdanken ist.
Die zur EP gehörige CD ist über dem bandeigenen Shop erhältlich.





Peter Coretto - Sie zündeln wieder



Peter Coretto sind auch schon gefühlt eine Ewigkeit Bestandteil der deutschen Post-Punk-Bewegung. Jetzt, wo die Euphorie nach dem letzten Turbostaat-Studio-(und meiner Meinung nach weitaus nicht bestem)-Album allmählich verflogen ist und einige hoffnungsvolle Nachzügler vorzeitig die Segel gestrichen haben, könnte für die vierköpfige Band aus München vielleicht genau der richtige Zeitpunkt gekommen sein, um mit ihrem neuen Album "Angst kostet Freiheit" ein paar desillusionierte Genre-Verehrer zurück zu erobern. Der Vorreiter "Sie zündeln wieder" erzählt zwar nichts Neues, packt aber den heimischen und scheinbar stetig wachsenden Tumor direkt an der Wurzel: "Rassismus - keine Meinung! Antisemitismus - keine Meinung! Faschismus, Sexismus - keine Meinung!". So sieht's aus. Und vielleicht braucht es eben diese direkte Art und eine solch eingängige Hymne, um die breite, gleichgültige Masse zu erreichen und ihr die Augen zu öffnen.
Wurde die Vorgänger-EP "Gier" einmal mehr vom Quartett selbst produziert, legte diesmal kein geringerer als Torsun Burkhardt (Egotronic) persönlich Hand an.


Buy "Angst kostet Freiheit" Here & Here



[trap] - Gommage Éclat



Eigentlich gar nicht meine Musikrichtung, eigentlich nicht mal ein richtiges Video. Eigentlich habe ich mich auch bloß mal wieder gefragt, auf welchen musikalischen Pfaden Emmanuel Aldeguer (H.O.Z., Ebisu, 42 The Band) gerade so wandert. Und siehe an, da stoße ich doch tatsächlich auf ein (schon älteres) Projekt namens [trap], dem Manu zwar seine Stimme leiht, ansonsten aber gar nicht so wirklich involviert ist.
Hinter [trap] stecken der Breakbeat- und Sample-Virtuose Zôl und Drummer und "Hybrid Artist" Merlin Ettore. Für ihr Debüt-Album "Offrande 1,697", das standesgemäß über das japanische Label Murder Channel erschien, vereint das Duo schneidende Breakbeats mit tollen Drum n Bass-Kombinationen und etwas Dubstep - und sampeln dazu Manu's und Sylvain Bekaert's Gekreische und Geshoute aus dem H.O.Z.-Album "Loud Noise Making".



 

Jahres-Sampler