Freitag, Mai 25

Platte des Monats 05/2018: Cortarmao - Herzmaschine



Cortarmao liefern mit "Herzmaschine" ihren ersten Longplayer ab und das abermals in kompletter Eigenregie. So erscheint das Album als rot-grau-marmorierte Vinyl und als handgestempelte und -nummerierte CD über das eigene Label Feenoise, wobei sich die Band ganze Nächte um die Ohren schlug, um sich mit den Tücken des Aufnehmens, Mischens und Mastern herumzuärgern.
Ein Umstand, der dem Album sicherlich an einigen Stellen anzuhören ist, unter dem Deckmantel des D.I.Y. aber zumindest billigend und für die Hörerschaft wohlwollend in Kauf genommen wurde.
Was mit den zwei 2015er Demo-Songs vielleicht noch etwas zu kurz für einen Gesamteindruck ausfiel, wird auf "Herzmaschine" nun zu einem wahren Wahnsinnsspektakel für Hartgesottene zusammengepfercht. Was mit der fiesen, schleppenden Doomwalze "Aorta" noch recht monoton vor sich hinrumort, wird bereits mit dem fetten Riff im folgenden "Baldachin" in eine andere Sphäre katapultiert. Fortan bewegen sich Cortarmao auf einen schmalen Grad zwischen Genie und Wahnsinn, durchbrechen ihre mitreißende Hooks mit wüsten Noise-Eskapaden und fangen ihre trügerische Stille in verstörenden Kammerspielchen ein. Über jeden der neun Songs schwebt stets die mit Spannung erwartete Unberechenbarkeit, die die vier Thüringer mindestens genauso meisterhaft beherrschen wie die vielzitierten Math- und Noisecore-Größen. Dass dafür auch noch einige befreundete Musiker aus der Region mit eingebunden wurden - u. A. sind zwei Mitglieder von .leaves zu hören, mit denen sich Cortarmao ja zuvor ein schick aufgemachtes Split-Tape teilten (siehe HIER) - , setzt der Vielfalt natürlich noch die Krone auf.

Auch wenn es für diese Sparte des Hardcores vielleicht nur eine relativ kleine Fangemeinde gibt - Bands wie Cortarmao sind enorm wichtig, um dieses Genre auch hierzulande salonfähig zu machen.

Band: Cortarmao

Titel/Release: Herzmaschine/Album (300x Red Marbled Vinyl, 49x CD, Digital)

Label: Feenoise

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Mathcore, Post-Hardcore, Metal

FFO: The Dillinger Escape Plan, Soma Nowaja, Tentackle, Norma Jean

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube\\//Soundcloud\\//Last.fm



Stream "Herzmaschine"

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Mittwoch, Mai 23

Video Kills The Radio Star Vol.6


Formosa



Drei Männer springen fast vier Minuten halbnackt in der Fantasiewelt eines 13-Jährigen herum? Kurios, aber nun gut. Formosa ist eine drei-köpfige Formation aus Essen, die schweißtreibende Riffs mit sexy 80ies-Groove vermischen und in schwungvolle Retro-Hardrock-Nummern verpacken. Auf "Mañana", eine weitere Single-Auskopplung aus ihrem Debüt-Album "Sorry For Being Sexy", gab's Unterstützung von Fitches-Sänger Dennis Steinhoff.



 Affenzauberhand



Zwischen Affenmesserkampf und The Kongsmen, sind Affenzauberhand musikalisch wohl bloß handzahme Schimpansen. Es ist aber ohnehin vor allem der Freigeist, der auch über die Songs ihres dritten Albums "...auf der Flucht vor dem Gärtner, Im Garten der Musik" thront und sie zwischen Akustik-Punk, Jazz und Slapstick hin und her schubst. Aufgrund der vielen Hintergrundgeräusche vielleicht sogar als vorprägende Kinderlieder zu empfehlen.


Oxy Music


>>>Facebook<<<

Die selben beiden Herren, die nächste Dame: war auf der Debüt-Single "Vielleicht" noch Lil B neben den beiden Fixpunkten Torsun Burkhardt und Vredeber Albrecht (Mesmo, ex-Blumfeld) vertreten, platzierte der fotogene Egotronic-Kopf für die Zweite "Jeden Tag" nun Sina Synapse neben sich auf der Couch. Von beiden Stimmchen ist nach der digitalen Politur leider nicht mehr viel übrig geblieben und wie auch schon zuvor, hängt auch dieser Song noch dem eigens erklärten Anspruch eines "Trap-Indie-Grunge"-Gemisches zu Ungunsten der beiden Letzgenannten hinterher. Aber hey...der Rocco wird das sowieso wieder bedingungslos abfeiern.



The Pighounds


>>>Facebook<<<

Die Pause ihrer Hauptband Fitches, nutzen Peter Bering (Gesang + Gitarre) und  Alessandro de Luca (Schlagzeug) für einen kleinen Ausflug in den Grunge. Als The Pighounds haben sie innerhalb kürzester Zeit ein Album eingehämmert (VÖ: Sommer 2018 über Sweepland Records), dessen tief-groovenden Vorboten "Worn Out" und "As Good As Blind" schonmal gut auf die schweißtreibende Jahreszeit einstimmen.



Inwiefern



Nach "Adolf Hipster" präsentieren uns Inwiefern und Bakraufarfita Records nun die zweite Video-Single "Gefangen im Netz" vom zweiten Bandalbum "Irgendwas ist immer". Der Rocco treibt sich ja seit eh und je auf ihren Konzerten in Strausberg rum. Und wer oben laufenden Song hört, der kann sich sicherlich denken, dass er ein solches niemals ohne einem Schweiß-Bier-getränkten Shirt verließ. Toller, Pogo- und Mitgröltauglicher Deutschpunk aus der brandenburgischen Kreisstadt der Herzen.
Weißes und schwarzes Vinyl nach wie vor beim Bönxi Bönx erhältlich.

 

Montag, Mai 21

Upfluss - EP



Kurzinfo:

Zweite EP des Saarländer Quartetts um Frontfrau Mira mit drei neuen Songs + einer neu eingespielten Version vom Titelstück der ersten EP.
Die fast in kompletter Eigenregie entstandene Kurzrille braucht keine neun Minuten um auf dem Punkt zu kommen. Wer generell mit Deutsch-(Hardcore-)Punk etwas anfangen kann, braucht auch keine große Eingewöhnungszeit. Genretypische Riffs, brummende Amps, ein paar Chöre zur Aufwertung des Wir-Gefühls und herrlich analoger Kratzgesang, sorgen für eine rundum wohlige Proberaumästhetik. 
Die schwarze 7" kommt mit Poster, Textblatt und Downloadcode und ist auf 300 Stück handschriftlich durchnummeriert.


Band: Upfluss

Titel/Release: EP/EP (300x Black 7"; Digital)

Label: Buddy Building Records, LSD im Trinkwasser

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Punk, Deutschpunk, Hardcore-Punk, Riot Grrrl

FFO: Shitizen, Cheap Surgery, Kackschlacht

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube




Stream & Buy "EP"

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Samstag, Mai 19

Lady Blue Beard - Picture Of An Elephant



Kurzinfo:

Mensch merkt es schon an den Referenzen: Lady Blue Beard sind vielleicht etwas zu ambitioniert für unsere zurückhaltenden Blog-Seiten. Bevor sie aber irgendwann einmal vielleicht das Cover des Rolling Stone Magazines zieren, heißt es erst einmal sich mühsam aus dem Untergrund nach oben zu graben. Damit sind sie zwar bei uns an der falschen Adresse gelandet, denn wir sorgen bestenfalls für eine Popularitätsstagnation. Egal. Lady Blue Beard aus Dresden kreieren charmante Folk-Pop-Songs, mal etwas verträumter, mal etwas flotter. Band-Leader Klaus Fischer tritt mit seiner sanften bis leicht aufgeregten, in jedem Fall aber äußerst facettenreiche Stimme in die Fußstapfen von Größen wie David Bowie oder Lou Reed und nutzt diese als avantgardistisches Element des Singer/Songwritertums. Ich bin der Meinung, an einigen Stellen auch einen melancholisch-düsteren Unterton zu vernehmen, wie er mich schon bei Mark Linkous seit je her faszinierte. 
Da wir ja aber der Tiefsinnigkeit abgeschworen haben, beende ich die Besprechung an dieser Stelle einfach mal abrupt. Hört selbst.


Band: Lady Blue Beard

Titel/Release: Picture Of An Elephant/Album (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Singer/Songwriter, Folk-Pop

FFO: David Bowie, Sparklehorse, Dirty Projectors

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Youtube\\//Instagram




STREAM & BUY "Picture Of An Elephant"



Donnerstag, Mai 17

Ille Tanten - Freudig Destruktiv / Schwindelig



Kurzinfo:

Hat da etwa jemand das D am Anfang des Bandnamen verschluckt oder sind das wirklich kranke Tanten? Eine Punkband, die selbst die hartgesottenen oder hart besoffenen Schreiberlinge vom Bierschinken ratlos zurücklässt ("Ist das Kunst, oder ist das Scheiße?"), macht doch schon etwas neugierig. Und in der Tat schwanken die Songs zwischen beschwipsten Punknummern, ausgelassener Weirdo-Laune und monotonem Singsang, der sich gerecht auf beide Geschlechter verteilt. Die sporadisch hereinplatzende Melodica setzt dem bunten Treiben zu guter Letzt noch das trashige Sahnehäubchen auf.
Da der Kasseler Vierer zum Release ihrer dritten EP "Freudig Destruktiv" noch nicht genug Dosenpfand für neue Tapes sammeln konnte und auf den B-Seiten der noch vorhandenen "Schwindelig"-Bänder reichlich Platz über war, wurden beide EP's kurzerhand auf ein Tape vereint. Vorbildlich ökonomisch.


Band: Ille Tanten

Titel/Release: Freudig Destruktiv / Schwindelig / Doppel-EP (Tape mit beiden EP's verteilt auf A- und B-Seite, Digital)

Label: Gönner Records

Erscheinungsjahr: 2016/2017

Genre: Punk, Garage, Lo-Fi, Weirdo

FFO: Ursus, Lötfett, Blue Screem Of Death

Links: Bandcamp





DL "Freudig Destruktiv"

DL "Schwindelig"

BUY via PM on Facebook or via Mail to: ille.tanten@gmx.de

Dienstag, Mai 15

Chalk Hands - Burrows & Other Hideouts



Kurzinfo:

Manchmal ist weniger mehr, haben sich wohl diese vier Herren aus dem englischen Brighton gedacht, die ihre Debüt-EP "Burrows & Other Hideouts" gerade mal mit zwei Songs bestückten. Dabei fängt ihr emotional mitreißender Screamo mit melancholisch ausladenden Post-Rock-Ausflügen nach dem finalen Ausbruch in "Arms" erst richtig an Spaß zu machen.
Solide Genre-Kost, wie sie im Ranch Production House gut und gerne serviert wird.


Band: Chalk Hands

Titel/Release: Burrows & Other Hideouts/EP (50x Grey Tape; 50x Green Tape; 50x CD; Digital)

Label: Future Void Records, Dekaden

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Screamo, Post-Rock, Post-Hardcore

FFO: Chiefland, Terrible Love, Kalkavé

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Soundcloud\\//Youtube\\//Instagram




DL & BUY "Burrows & Other Hideouts"

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Sonntag, Mai 13

Derbe Lebowski - Derbe Lebowski



Kurzinfo:

Dass die vier Jungs der misanthropischen Berliner Undergroundszene entspringen, zeigt schon das düstere Artwork ihrer zweiten LP "Derbe Lebowski". Leute von Henry Fonda, Hatehug und Femme Krawall treten zum dritten Mal das Gaspedal bis zum Anschlag durch und lockern ihren zerfahrenen Powerviolence/Fastcore-Hybriden mit einigen treibenden Punkmelodien auf.


Band: Derbe Lebowski

Titel/Release: Derbe Lebowski/Album (100x Silver Vinyl w/ Red Screenprinted B-Side; 100x Silver Vinyl w/ Black Screenprinted B-Side; Black Vinyl; Digital)

Label: Spastic Fantastic Records, Dead Heroes Records

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Hardcore, Punk, Powerviolence, Fastcore

FFO: Spazz, Henry Fonda, Charles Bronson

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud




DL "Derbe Lebowski"

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Freitag, Mai 11

Sinatra - I Have Failed



Kurzinfo:

Hier nun also der Anfang unseres neuen, wesentlich abgespeckteren Vorstellungskonzeptes:

Zusammenkunft von erfahrenen Musikern aus Bands wie ANCST, HEDGER, We Are Crooks und Redlined, die als Sinatra vor allem Fans von Converge & Co. zu begeistern wissen. Fies, dreckig, rotzig, stark!

Die 1ste Ladung von schwarzen, chrombespränkelten Tapes ist logischer Weise bereits restlos vergriffen. Dieses Jahr soll es allerdings Nachschub geben - als buntbekleckste weiße Tapes.

Band: Sinatra

Titel/Release: I Have Failed/EP (Tape; Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Hardcore, Punk, Metal

FFO: Converge, The Dillinger Escape Plan, WØLFENSTEIN

Links: Facebook\\//Youtube




DL "I Have Failed"



Mittwoch, Mai 9

SeeYouSpaceCowboy... - Fashion Statements Of The Socially Aware



Kurzinfo:

Als geneigte_r Math/Chaoscoreler_in kann man natürlich noch immer dem Verlust einer der wohl bedeutendsten Vertreter dieser Sparten hinterhertrauern. Oder, man akzeptiert endlich die Vergänglichkeit seiner einstigen Helden und öffnet sich neuen interessanten Gruppen.
Nach ihrem 2016er Demo, der "Fashion Statements..."-EP und der jüngst erschienenen "Cassingle", haben SeeYouSpaceCowboy aus San Diego ihren Geheimtippstatus längst hinter sich gelassen. San Diego? Genau, da sollte der/die geneigte Chaos/Mathcoreler_in erst recht die Ohren spitzen. Holy Molar, The Locust und nicht zu vergessen Cattle Decapitation - da kreuchen und fleuchen schon so einige verrückte Viecher umher. Mit jenen Bands haben die fünf "Sassgrinder" (so ihre eigens kreierte Stilbeschreibung) zwar keine direkte Verbindung, dennoch verbergen sich hinter SYSC keine unbekannten Gesichter. Letters To Catalonia, Flowers Taped To Pens, Recluse, René Descartes oder Meryl Streaker lauten etwaige Vor- und Nebenprojekte der Beteiligten, was auch erklären dürfte, warum man beim Kauf ihrer physikalischen Releases nicht allzu lange zögern sollte. Und natürlich, weil sich das musikalische Spektrum dieser Band über wesentlich mehr erstreckt, als "nur" dem genre-typischen Stakkato-Geknüppel. Aber am besten selber hören - und kaufen!


Band: SeeYouSpaceCowboy...

Titel/Release: Fashion Statements Of The Socially Aware/EP (1st, 2nd Press & 3rd Press 7" Vinyl in many different colours; 50x Tape, Digital) 

Label: React With Protest, Zegema Beach Records, Middle-Man Records, Contrition Recordings, Structures//Agony Records

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Mathcore, Sassgrind, Metal, Chaoscore

FFO: The Dillinger Escape Plan, Daughters, extinct!

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STREAM & BUY "Fashion Statements of the Socially Aware"


BUY Here, Here & Here
 

Montag, Mai 7

WORTH - Lacus



Kurzinfo:

Das war schon ziemlich harter Tobak, was die Bonner Band Worth mit ihrer letztjährigen Debüt-EP "W O R T H" ablieferte. Zwei Songs über menschliche Monster, oder eigentlich vielmehr zwei Geschichten in musikalischer Umrahmung. Jedenfalls sehr düster und musikalisch aus der Schablone gedrückt.
Mit neuem Schreihals hinter dem Mikro sollte sich nun auf ihrer zweiten EP "Lacus" so einiges ändern. Die Texte sind poetischer, wenngleich ziemlich pessimistisch, geworden und in englischer Sprache, der Sound runder und somit ein Stück weit weg vom Post- und hin zum Melodic Hardcore. Crew-Shouts, Chöre und melancholischen Momenten, aber auch fast schon brachialere Metalcore-Eskapaden (z. B. der wilde Ritt am Anfang von "Lacus/IV") - das Quintett hat seinen fragil-düsteren Sound für viele, altbekannte Hardcore-Bausteine geöffnet, die souverän und äußerst homogen zu eingängigen Songs geformt wurden. Das klingt eigentlich fast schon zu überambitioniert für den hiesigen Underground, zumal eine Hardcore-Band mit Instagram-Account da aber wahrscheinlich auch gar nicht lange verweilen will. Bleibt nur abzuwarten, wie sich Worth unter all den tausenden und hundertfach bekannteren Schwarzmalern dieser Welt schlagen werden.


Band: WORTH

Titel/Release: Lacus/EP (30x Tape incl. "Pinehouse"-Single; CD, Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Melodic Hardcore, Punk, Emo

FFO: Celestica, The Tidal Sleep, Kepler

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DL & BUY "Lacus"


Samstag, Mai 5

DER_WARRIOR - Mannborg



Kurzinfo:

So ganz ohne Umschweife zur deutschen Grindcore-Legende Japanische Kampfhörspiele kommt der Kölner Fünfer DER_WARRIOR nun doch nicht aus. Und dabei meine ich nicht nur ihren Beitrag zum Sampler "A Tribute To Japanische Kampfhörspiele". Auf ihrem zweiten Release "Mannborg" tummelt sich mittlerweile genauso viel trashiges Horrorfilmmaterial, wie auf den Veröffentlichungen von Fake Idyll (mit JaKa-Beteiligung) oder Fantômas. Dabei entfernt sich die Instrumental-Band ein ganzes Stück weit weg vom ausdauernden Doom ihres Erstlings "Ehrenfeld³" und öffnet ihren Sound vielmehr für viele a-puristische Einflüsse. Glockenspiel, Reggae-esque Hooks wie in "Captain", aber auch monolithisches Georgel, führen den geneigten Hörer durch eine fast schon wahnwitzige Abenteuer-Fahrt durch die Kontroverse.
Kommt als schick aufgemachtes Tape in auffaltbarer Pappe.

Band: DER_WARRIOR

Titel/Release: Mannborg/EP (50x Tape; Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Instrumental, Experimental, Doom, Kraut

FFO: Fake Idyll, Fantômas, Goblin

Links:  Facebook\\//Bandcamp




DL and BUY "Mannborg" EP

Donnerstag, Mai 3

Celestica - How To Speak With Gravity



Kurzinfo:
 
Celestica, 2013 aus ehemaligen Concubine hervorgegangen, haben uns bereits 2014 mit ihrem Demo-Debüt so ziemlich sprachlos gemacht. Irgendwo zwischen Punk, Post- und Melodic Hardcore toben sich die fünf Schweden aus Örebro aus und beackern dabei nicht gerade unbeachtete Gefilde.
Eine Split mit ihren schwedischen Kollegen aus Umeå, The State The Sea Left Me In, und eine Vorab-Single konnte das Quintett seit dem verbuchen. Und mit "How To Speak With Cravity" nun also auch ihr erstes Studio-Album, für dessen Grobschliff die Band keinen Geringeren als Jack Shirley verpflichten konnte. Das ist den insgesamt zehn Songs durchaus anzuhören, die sich auch hervorragend in die goldene Screamo-Mitte der 00er-Jahre integrieren lassen könnten. Flirrende Gitarren-Melodien treffen auf wohl dosiertes Geschreie treffen auf eine treibende Rhythmus-Sektion und sorgen somit für ein Rund-Um-Sorglos-Paket für Melodic-Hardcore-Begeisterte. 
Typischer Sweden-Hardcore, dem die kompromisslose Direktheit nicht unbedingt auf dem ersten Lauscher anzuhören ist.

Band: Celestica

Titel/Release: How To Speak With Gravity/ Album (Digital)

Label: DIY/ Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Melodic Hardcore, Post-Hardcore, Punk

FFO: Loose Suspense, No Omega, KR1M1

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Twitter\\//Bigcartel




DL "How To Speak With Cravity"

Freitag, Dezember 1

mira - mira



Auf dem kleinen aber feinem Label mum says; be polite rec. scheint wohl nichts so beständig zu sein, wie der stetige Wechsel. War vor einigen Jahren Manku Kapak noch die einzige Label-Konstante, treibten sich die befreundeten Musiker mittlerweile in kurzlebigen Seitenspung-Projekten wie Cetacea, ilill, Fljora oder They Sleep We Live herum. Aus Mitgliedern eben jener Gruppen setzt sich auch die Bremer Band mira zusammen, die Anfang des Jahres mit einer Drei-Song-EP debütierte und hoffentlich etwas langlebiger ist.
Natürlich spielt sich das auch diesmal wieder im großen Kosmos des Emos ab, allerdings etwas retrospektiver in Richtung 90er. Schön analog roh und rau. Dabei ist der wilde Start vom Opener "Trembling" sicherlich nicht stellvertretend für die kompletten 7½ Minuten Spielzeit, denn überwiegend schlagen die vier Musiker hier melancholische Töne an, teils sehnsüchtig verträumt wie im spacigen "Among Stars" oder auch mathig verspult wie im abschließenden "Abyssal".
Dass Band und EP nach einem 300 Lichtjahre entfernten Feuerschweif-Stern (Omikron Ceti), einen sogenannten Roten Riesen, aus dem Sternbild Wal benannt sind, wird nicht nur in den Lyrics verbaut, sondern ist auch durch liebevolle Zeichnungen der Band im allseits linol-berdruckten 7"-Klapp-Cover mit eingetackerten Booklet ersichtlich. Alles D.I.Y und für wenig Geld zu erstehen. Zuschlagen, solange der Vorrat reicht!

Band: mira

Titel/Release: mira/EP (150x CDr & 250x Black 7inch + CDr in Linoprinted FOC)

Label: mum says; be polite rec.

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Emo, Hardcore, Emocore, Screamo

FFO: Indian Summer, Yaphet Kotto, Kaywinnet, Torpedo Holiday

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Dienstag, November 28

Neska Lagun - Schon/Erst



Neue Band, taufrisches Debüt - dabei sind sowohl Musiker als auch Release schon weit über das ein-jährige Jubiläum hinaus.  
Neska Lagun, was aus dem Baskischen übersetzt Freundin bedeutet, haben zwar erst kürzlich ihre EP "Schon/Erst" mit Hilfe von Rauschemusik/Ruffmo Records als schicke 12"-Vinyl in drei verschiedenen Farbvarianten veröffentlicht, als digitales Release gibt es die 4-Song-EP aber bereits seit August 2016. Damals agierten die vier Berliner noch als Grav Zahl (nicht zu verwechseln mit dieser blutdurstigen Puppe), ehe Mitte Juli diesen Jahres dann die Namensänderung verkündet und diese mit neuen Träumen und Plänen begründet wurde. Und so ist "Schon/Erst" sowohl der wehmütige Blick zurück, als auch die besorgniserregende Sicht auf die Gegenwart und ebenso die kleine Hoffnung für die Zukunft; ein Abschied und ein Neuanfang. Dass sich die Songs in mehreren Sprachen (französisch, deutsch/englisch, deutsch, spanisch) zeigen, kann sicherlich auch am internationalen Charakter unserer Hauptstadt liegen. Ohnehin könnte man den roh-scheppernden und analogen Screamo von Neska-Lagun auch in Spanien oder der italienischen Provinz verorten. Mäandernde und teils plänkelnde, aber auch aufgeregte Gitarren, rudimentäre Basslinien, blechernd-manisches Schlagwerk und rauhes Geschreie, das mehr einem Flehen gleicht. "Mensch", der längste und vielleicht eingängigste Song der EP, bleibt unter der experimentellen DIY-Haube wohl noch am ehesten hängen. Dennoch: tolles Quasi-Debüt.

Band: Neska Lagun (ex-Grav Zahl)

Titel/Release: Schon/Erst/EP (100x Yellow+100x Magenta+100x Black 12" Vinyl, Digital)

Label: Ruffmorecords

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Screamo, Post-Hardcore, Punk

FFO: This Too Will Pass, Todlowski, sur l'eau

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Samstag, November 25

Platte des Monats 11/2017: Danny Trejo - Another Trejo's Night



Danny Trejo, the BAND, kamen bei uns schonmal vor exakt drei Jahren mit ihrer Debüt-EP zur Ansprache. Damals allerdings nur im kleinen Rahmen unserer "Hollywood Trash"-Reihe und somit auch leider bloß viel zu oberflächlich. Denn kurze Zeit später legten die sechs italienischen, neu rekrutierten Hardcore/Punk/Ska-Veteranen (u. A. aus Kombos wie Los Fastidios, Tears/Before, Slander, uvm.) mit "Human Extinction" auch ihren ersten Longplayer nach, der mich dermaßen in Ekstase versetzte, dass ich nicht einmal Zeit dafür aufbringen konnte darüber zu schreiben. Die Scheibe rotiert zwar noch immer in regelmäßigen Abständen über meinen Plattenteller, mittlerweile würde ich aber behaupten, bin ich über dieses pubertäre Groupie-Verhalten hinweg gekommen. Und was machen Danny Trejo? Na klar, hauen vollkommen unvermittelt ein neues Album raus, das den Vorgänger in puncto Groove sogar noch übertroffen hat. Ich drehe noch durch!
Aber mal ganz von vorne: Danny Trejo sind altgediente Punks aus Venedig, die in der regionalen und internationalen Szene schon weit rum gekommen sind. Vielleicht auch deshalb haben sie einen etwas nüchterneren Blick auf die aktuellen Geschehnisse, denen sie mit viel Ironie und Galgenhumor entgegnen. Das ändert natürlich nichts an der Sache an sich, denn grundsätzlich läuft auch ihr drittes Album "Another Trejo's Night" unter dem Banner Hardcore-Punk, nur, dass die zwölf kurzen Nummern mit reichlich Speed über die Bühne gebracht werden und eine süchtig machende, rockige Note verleiht bekommen. Fast schon wie die Glam-Rocker unter den Fastcorelern, führen Danny Trejo ihre Songs aus die feuchten Katakomben und hinauf auf die Festival-Bühnen. Das ist natürlich immer noch weit genug weg von der punk-verhassten Stadiontauglichkeit. Zum Glück! Parallelen zu The Casualties (nur mit cooleren Crew-Shouts anstelle der nervigen Aah- und Ooh-Chöre) und Kvelertak (nicht ganz so metallisch) könnten sich aber durchaus noch erahnen lassen.
Angeführt von Krachern wie "Forced Evolution" (knallt mich mindestens genauso an die Wand wie "Memories vs. Goals" vom Vorgänger), "Gold Digger", "Nothing To Live For" und das ebenfalls steil gehende "Nuclear Holocaust", haben Danny Trejo mit ihrem dritten Release noch mal eine Schippe Dynamik, Melodie und vor allem Groove drauf gelegt.


Band: Danny Trejo

Titel/Release: Another Trejo's Night/Album

Label: Mustard Mustache (100x Pro-Tape, Digital), Indelirium Records (CD, Digital)

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Hardcore-Punk, Fastcore

FFO: La Crisi, Youth Avoiders, Clowns

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Mittwoch, November 22

ZilpZalp - ...auf den Versen



Sucht mensch im Internet nach dem Namen Zilpzalp, muss er/sie nicht zwangsläufig über den musikalischen Dortmunder Vierer ZilpZalp stolpern. Wahrscheinlicher ist es, auf irgendeinen Naturbericht oder Lexikoneintrag zu einem niedlichen, kleinen und singenden gefiederten Freund zu stoßen. Ich will mich jetzt aber auch gar nicht weiter auf einen Vergleich zwischen Mensch und Tier einlassen, denn das einzige verträumte Stück auf ZilpZalp's Debüt-Album "...auf den Versen" ist das instrumentale Intro "Wohin ohne Ausblick", auch, wenn einige Klagelieder sicherlich auch stellvertretend für beide Seiten stehen könnten. Von lieblichen Vogelsang ist der Frontmann der Ruhrpott-Band jedenfalls weit entfernt. Zu aufgeregt, zu erschöpfend und viel zu wütend kracht der flehende Schreigesang über die restlichen acht Stücke herein und zerkratzt die ohnehin schon aufgewühlten Oberflächen-Strukturen. Auf "...auf den Versen" brodelt es gewaltig. Das zwischen schrammeliger Wucht und Harmonie pendelnde "Aus meinem Glashaus komm' ich nur mit Steinen" zeigt vor allem lyrisch, wie schnell Verzweiflung zu purem Hass umschlagen kann, wenn einem/einer der Verdacht heimsucht nicht gehört zu werden. Aber Hass ist immerhin noch ein Gefühl, dass einem am Leben erhält, zum Kämpfen ermutigt und vielleicht auch ein Stück weit mit Hoffnung nährt, und somit nicht vollkommen der Resignation ausliefert, wie es zuvor in "M & Y" noch der Fall war. ZilpZalp's Songs malen ohne Zweifel graue Wände, reden nichts schön, wo es nichts schönzureden gibt. Dennoch ist "...auf den Versen" auch eine kleine Wundertüte voll poetischer Tristesse, spannenden Kurzgeschichten über Hoffnungslosigkeit und (Un-)Moral und vor allem vielen musikalischen Wendungen, ohne dabei in die Willkürlichkeit abzudriften oder den eigenen Rahmen zu sprengen.

Band: ZilpZalp

Titel/Release: ...auf den Versen/Album (300x White Vinyl, Digital)

Label: Tanz auf Ruinen, Zilpzalp Records, Trace in Maze Records

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Progressive Screamo, Emo, Punk

FFO: JTZT, Reznik Syndrom, Hausrotschwanz

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Sonntag, November 19

I Recover - Searching For You EP



Das Kölner Quartett I Recover legt knapp anderthalb Jahre nach ihrem EP-Debüt einen zweiten Kurzspieler nach. Auf dem Programmzettel der Band um ehemaliger Mitglieder von Bands wie Schmutzstaffel, Kumulus, Blank, Punch und Zosch, steht abermals emotionsgeladener und DC-tauglicher Hardcore-Punk, der nach vier Songs und etwas mehr als acht Minuten aber auch leider wieder viel zu schnell vorbei ist. Jeder Song macht enorm viel Spaß und dürfte vor allem jung gebliebenen Dischord-Veteranen mindestens anderthalb Ohren abverlangen können. Die Gitarre locker in der Hüfte platziert, das Schlagzeug ordentlich scheppernd und der Gesang schön rauh. Alles herrlich analog knarzend. Der Opener "Ghosting" kommt gar dermaßen frivol aus den Startlöchern, dass er schon fast im ausgelassenen Garage mündet, wohingegen das folgende "Kiss the Floor" mit verzerrt-leiernder Gitarre einen nostalgischen End-80er-Flashback aufkeimen lässt.
Tolles Ding, kommt zudem als pechschwarze 7" im aufklappbaren Hardcore-Blümchenmuster, dass von einem Obi-Strip zusammen gehalten wird, u. A. über Dingleberry und Pifia Records.

Band: I Recover

Titel/Release: Searching For You/EP (Black 7inch, Digital)

Label: Dingleberry Records, Pifia Records, Boslevan Records, Cosmic Note

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Hardcore, Emo, Punk

FFO: Minor Threat, Fugazi, Rites Of Spring

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DL "Searching For You"

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Donnerstag, November 16

20 Liter Yoghurt - L'Art D'Oublier



Nun ist es wohl amtlich. Auch auf ihrem vierten selbstproduzierten Release bleiben 20 Liter Yoghurt ihrem apuristischen Stil treu und toben sich irgendwo zwischen Melodic Hardcore, Hardcore-Punk, old-schooligem Emocore und einigen Post-Auflügen, aus. Das klingt zwar nicht mehr so zerfahren wie auf ihren ersten zwei digitalen Demo-Releases "Heartcore" und "Demo 2015", die mittlerweile von ihrer Bandcamp-Seite verschwunden sind, und auch hinsichtlich der Produktion haben die vier Grimmaer einige Erfahrungspunkte hinzu gewonnen, obwohl natürlich immer noch nicht alles ganz rund klingt. Soll es womöglich aber auch nicht, denn ein tief verwurzelter D.I.Y.-Spirit ist der jungen Band ebenso anzuhören, wie ihre Freude am Experiment.
"L'Art d'Oublier", das wie schon der Vorgänger als selbstgestaltete Digifile-CD im Eigenvertrieb erscheint, ist trotz dieser Einflüsse kein halsbrecherischer Spießrutenlauf durch die Genres geworden, sondern entpuppt sich als bislang homogenstes Werk des Quartetts. Der Opener "Burn" hält die Affinität der Band zu ihrem kontrastreichen Sound zwischen tollen Melodien und hartem Riffing noch etwas unter einem düster-wütenden Mantel verborgen. Doch spätestens mit "Ghost" kehren nicht nur die cleanen Gesangspassagen in den Songs ein, sondern vor allem auch mehr Helligkeit. Natürlich gibt es hier nichts schönzureden. Für schönere Melodien sorgt es allemal.

Band: 20 Liter Yoghurt

Titel/Release: L'Art D'Oublier/EP (500x Digifile-CD, Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Melodic Hardcore, Hardcore-Punk

FFO: Ashes Of Pomopeii, Loose Suspense,

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DL "L'Art d'Oublier"

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Sonntag, November 12

Les Trucs - Manchmal sind welche nackt



Kurzinfo:


Band: Les Trucs

Titel/Release: Manchmal sind welche nackt/EP (30x Tape w/ acrylic sausage; Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Electro, Experimental, Art-Pop, Theater, Ambient

FFO: Zan-zan-zawa-veia, Bubblyfish, STU

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Ja, es existiert noch, dieses selbsternannte 2-Mensch-Ding-Orchester um ex-Antitainer Tobi Piel und Charlotte Simon (u. A. Droll Academy & The Latah Movement). Vier Jahre nach ihrer selbst-betitelten EP senden Les Trucs mal wieder völlig aus dem Kalten und ohne viel Promotion ein musikalisches Lebenszeichen ab. "Manchmal sind welche nackt" lautet der banale wie schwer widerlegbare Titel der 2-Track-EP, die mindestens genauso kunstvoll wie ihre Musik, als schlicht-labelloses, rotbraunes und handnummeriertes Tape mit Acryl-Wurst daher kommt. Diesmal in Eigenregie und wohl auch mehr als Gestus gedacht, um die Wartezeit auf ihr drittes, für das nächste Jahr angekündigte (!!!!) Album zu überbrücken.
Die zwei Songs entstanden im Studio während der Vorbereitungen zu ihrer Musical-Performance im Art Rotterdam, Februar 2017, der auch andere Künstler wie Anna Hjalmarsson (Herpes) und Anne-Louise Hoffmann (Rubbert Twist) beiwohnten. Daher gestalten sich diese auch wesentlich avantgardistischer, als das auf ihren bisherigen Veröffentlichungen der Fall war. "It's The Fascia...." bleibt mit seinem vokalen Mittelpart wohl noch am ehesten im Gedächtnis hängen, als die restlichen, stoisch zusammen gebasteltete acht Minuten Ambient.
Für mich zwar nicht gerade ein Highlight-Release der beiden Electro-Freigeister, was vielleicht aber auch daran liegt, dass es für eine Live-Performance konzipiert wurde. Für hartgesottene Fans natürlich ein Pflichtkauf, is klar, ne?!

Stream & Buy "Manchmal sind welche nackt"

Donnerstag, November 9

Video Kills The Radio Star Vol.5

Rolo Tomassi



Rolo Tomassi gehören wohl zweifelsohne zu den Bands, denen mensch gar nicht böse sein kann wegen der vielen experimentellen Ausflüge in benachbarte Genres. Im Falle der englischen Band ist es ohnehin erstmal schwierig, ein passendes Hauptgenre zu definieren. Progressive-Core, Jazzcore und Mathcore - so ganz einig oder sicher scheinen sich die globalen Journalisten da nicht zu sein. Dabei verläuft der Trend von Rolo Tomassi seit ihrem letzten Album "Grievances" sogar etwas gegenläufig, nämlich hin zu "normaleren" Strukturen, was auch nicht unbedeutend daran liegt, dass Frontfrau Eva Spence ihre zarte Stimme entdeckt hat. "Rituals" ist glücklicher Weise weit entfernt von einem harmonischen Reigen wie "Opalescent", passt sich dennoch am ehesten der düsteren Grundstimmung ihres letzten Albums an und überzeugt abermals durch ein melancholisch-atmosphärisches Keyboardspiel. Und Eva? Die zeigt eindrucksvoll, dass ihr rauhes Kehlchen noch immer hervorragend zu Double-Bass-Attacken funktioniert. Größtenteils...




A Perfect Circle
 

Dass ein neues Tool-Album immer unwahrscheinlicher wird, zeigt vor allem die noch wesentlich unwahrscheinlichere Tatsache, dass Maynard James Keenan mit seiner Zweit-Band A Perfect Circle dreizehn Jahre nach "eMOTIVE" einen neuen Song veröffentlicht hat. Ja gut, dazwischen kam "By And Down" und live tauchte auch der eine oder andere unbekannte Song auf. Aber so richtig auf dem Schirm hatte mensch das amerikanische Quartett nicht mehr. Umso kalter erwischt einen "The Doomed", der seinen Namen im Rahmen der bandeigenen Philosophie alle Ehre macht. Kein Doom-Rock, dafür ein kalter Schocker mit einer schaurig-schönen Melodie. Ein Song, der sich auf Anhieb in meiner Best-Of der Band katapultiert hat. Vielleicht kommt da ja noch was....



Specht Ruprecht


2012 debütierte das Erfurter Quartett mit ihrem Album "Kaisers neue Kleider". Danach kleine Konzerte in unregelmäßigen Abständen, ehe ab Juli diesen Jahres die heiße Promo-Phase für den Zweitling "Jubel Trubel Halbwahrheit" begann. Dazu gehört auch "Quader", der wohl heißeste Album-Anheizer dieser heißen Boys. Ein behutsam aufbauendes Intro, gefolgt von Crossover-Rap und einem nicht weniger old-schooligem Schlachtruf-Refrain, natürlich einem Schlager-tauglichem Gitarren-Solo und einem Schlusspart, der nochmal so richtig - na klar - anheizt. Geiler Song, und ich verspreche euch, es soll nicht der Einzige des Albums bleiben.




Cortarmao


Den Thüringener Vierer Cortarmao hatten wir hier bereits mit ihrem verheißungsvollen Demo besprochen, das vor allem Mathcore-Begeisterte um Bands wie The Dillinger Escape Plan & Co. zu beglücken wusste. Für dieses Jahr war nun auch der erste Longplayer avisiert, dessen Vinyl-Release die Vorbesteller jedoch etwas auf die Probe stellte - ohne dem Eigenverschulden der Band. Egal, Download und CD gab es pünktlich und noch pünktlicher den Vorreiter "Decoder". Der liefert ohne Abstriche ab, was der/die geneigte Hörer_in von einem ordentlichen Mathcore-Album erwartet: etwas verstörende Atmosphäre, markerschütterndes Gegrowle und psychotisches Gekeife, sprunghafte Rhythmen und die eine oder andere melodische Nuance, da mensch ja schließlich nicht vollkommen abgestumpft ist.




Funeral For A Friend



Zugegeben, es ist wohl vergleichsweise ein geringer Aufwand für eine gemeinsame Split-EP, lediglich den Anderen zu covern. So geschehen auf der Split-7" von Boysetsfire und Funeral For A Friend, die wohl aus einer jahre-langen Freundschaft beider Bands resultiert. Hat sich die legendäre Post-Hardcore-Vorreiterband wenigstens noch einen weitgehendst unbekannten Song aus der Anfangsära ihrer Kollegen heraus gepickt, haben es sich die fünf Jungs aus Bridgend da schon wesentlich einfacher gemacht und den wohl größten Hit ihrer Split-Partner gwählt - "Rookie". Letztendlich bleiben FFAF mit ihrer Interpretation so ziemlich 1:1 beim Original. Klar, "Rookie" kann Band eigentlich auch bloß Kaputtspielen, als ernsthaft verbessern.



 

Jahres-Sampler