Montag, November 12

Migal - Migal



Kurzinfo:

Im Norden Deutschlands hat die musizierende Bevölkerung noch immer kräftig Spaß am Splitten und Fusionieren. Eines dieser neueren Freundschaftsprojekte hört auf den Namen Migal, die sich auch gar nicht lange feiern lassen wollen und gleichmal mit ihrem ersten Output daher kommen. Auf dem gleichnamigen Debüt sticht sofort der markante Gesang bzw. das gutturale Geschreie vom ex-Chuck Bass-Sänger Felix ins Ohr. Zusammen mit den dynamischen Melodien ehemaliger Reasonist und den verspielten und spontan rhythmuswechselnden Gitarrenläufen einstiger Torpedo Holiday und Bijou Igitt, haben die vier Jungs aus Hamburg und Kiel schnell eine gemeinsame Basis für die ersten vier Songs gefunden.


Band: Migal

Titel/Release: Migal/EP (Digital; Tapes in Planung)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Screamo, Post-Hardcore

FFO: Masada, The Tidal Sleep, Todlowski

Links: Facebook




DL "Migal"

Freitag, November 9

SHRIMP - SHRIMP EP



Kurzinfo:

Ende 2016 musste die All-Grrrl-Band Ball Torture den Abgang ihrer Gitaristin verkraften, was mit der folgenden Suche nach adäquaten Ersatz schließlich den ersten Kerl in die Band spülte. Da der vorher praktizierte "Schwanzrock" (Quelle: FB/Torture Ball) somit scheinbar mit einem Verlust der Glaubwürdigkeit einhergehen würde, setzte die Aachener Band lieber gleich auf einen Neuanfang - hallo SHRIMP. Mit einem zusätzlichen Keyboarder an Bord, huldigt das angewachsene Quintett nunmehr dem "Überschrimp" oder hat sich der Suche nach einem solchen verschrieben, was weiß ich. Anarchistischer Spaß steht jedenfalls weiterhin ganz weit oben auf dem Programmzettel der Band, der auf der selbstbetitelten Debüt-EP in sechs eingängige Punkrock-Nummern mit viel Rockröhren-Appeal mündet. Und je nach Lust und Laune der Sängerin, rücken die überschaubaren Akkorde dann auch mal gerne an die Ränder zum Garage, Hardcore- und Streetpunk. Alles tanzbar, nicht's muss!
Und weil das nunmal so ist, hat die Band kürzlich den Restbestand ihrer selbstproduzierten, Cover-losen Tapes nochmal schnell ein Artwork zurecht gebastelt - mit einem Bild vom Tape. Klasse!


Band: SHRIMP

Titel/Release: SHRIMP/EP (Tape-Edition without Cover; last Copies w/ Cover; Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2017/2018

Genre: (Hardcore-)Punk, Riot Grrrl, Synthie-Punk

FFO: Ball Torture, Inner Conflict, Til Schweiger Must Die & Die Sky Du Monts

Links: Facebook\\//Bandcamp




DL & Buy "SHRIMP"

Buy Here & Here


 

Mittwoch, November 7

Ebisu - Paris/Berlin



Kurzinfo:

Sucht mensch im Netz nach dem Begriff "Ebisu", könnte er/sie auf ein chinesisch wirkendes, sich allerdings als japanisch herausstellendes Restaurant in Frankreich stoßen. Das ist toll, aber irgendwie auch wenig hilfreich. Geht die Suche weiter, stolpert mensch unweigerlich über die shintoistische Gottheit Ebisu, dem Geist der Fischer und des Glücks, womit mensch der hier avisierten Sache schon etwas näher kommt. Der japanischen Mythologie nach, wurde Ebisu als Krüppel geboren (ohne Knochen), weswegen ihn seine Eltern in einem Boot aussetzten. Als er an den Strand einer japanischen Insel angespült wurde, erwachte er zu neuem Leben. Genau dort will das gleichnamige französisch-deutsche Duo musikalisch ansetzen - laut, krachig, imposant, impulsiv. Kein Wunder also, dass Ebisu, The Band, in ihrer experimentellen Vielfalt nicht selten an die japanischen Zeuhl-Götter Ruins erinnert. Und so trudelt der Opener "Le Concert" auch fast schon majestetisch ein und irrt folgend in seinen knapp acht Minuten Spielzeit zwischen trashigen 70er-Jahre-Keyboardsounds und wild umher hüpfenden Avant-Jams.
Ebisu ist ein Nebenprojekt von Jean Jacobi (Guts Pie Earshot, Tecbilek, Subvasion) und Emmanuel Aldeguer (42 The Band, AL°R), den ich seit H.O.Z. schon etwas lieb gewonnen habe, ohne mich jetzt komplett als Groupie entblößen zu wollen. Eben jener leiht dem folgenden El Machetti-Remix des Openers auch seine Stimme, was den Wahnsinn in eine ganz andere Ecke drängt. Den letzten A-Seiten-Song, ein Idiot Saint Crazy-Remix des Openers, will ich an dieser Stelle nur mal höflichkeitshalber erwähnen.
Die B-Seite setzt die wilde Odyssee zunächst über drei Songs verteilt in Berlin fort. Vom Prenzlberg über F-Hain bis nach Lichtenberg, schafft es das Duo trotz minimalistischer Instrumentierung und ohne Gesang, die Hektik und Tücken der Großstadt einzufangen und in eine fast schon Noir-mäßige Verfolgungsjagd durch die 70er ausarten zu lassen. Auch wenn die eingesetzten Stilmittel sicherlich begrenzt sind, gestalten sich die Songs vor allem durch die vielen Rhythmuswechsel als äußerst spannend, die nie im unüberschaubarem Chaos enden. Dass die EP dennoch im noisig-überlagerten "St. Petersburg" ihr knirschendes Finale findet, rundet das Gesamtbild eines, im wahrsten Sinne des Wortes, internationalen Releases ab.

"Paris/Berlin" wurde ursprünglich als Crowdfunding-Projekt über Indiegogo gestartet, das sein Mindestziel allerdings nicht erreichte. Emmanuel Aldeguer finanzierte das 10"-Vinyl-Release daher kurzerhand aus eigener Tasche mit Hilfe von Broken Silence und dem Major Label. Wer eine Scheibe haben möchte, wendet sich somit ungeniert an dem Franzosen.


Band: Ebisu

Titel/Release: Paris/Berlin / EP (Black 10"-Vinyl; Digital)

Label: DIY

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Noise-Rock, Experimental

FFO: Mike Patton, Ruins, Rotor
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         Links:     \_(°_°)_/


Buy via PM on FB to Emmanuel Aldeguer or Mail to: manuhoz@gmail.com





Montag, November 5

Chambers - Depart\\Disappear



Kurzinfo:

Täglich erreichen uns neue schockierende Nachrichten über Hass, Angst, Tod und Elend aus aller Welt, während Patrioten, rechtsoffene und besorgte Büger zu verunglückten Flüchtlingsbooten applaudieren und sich gleichartige Politiker Abschiebungen zum Geburtstag schenken. Keine Frage also, dass der Black Metal dieser Tage gewiss nicht mehr auf satanische Kulte angewiesen ist, denn die Hölle auf Erden erreicht uns jeden Tag aufs Neue. 
Eben jene nihilistische Energie bündeln Chambers für ihren düsteren Sound, der sich verteilt auf sechs Songs auf ihrem Debüt-Album "Depart//Disappear" ausbreitet. Nicht menschenverachtend, aber vielleicht als mahnende Dystopie zu verstehen, in der ein Miteinander mit so viel emotionaler Leere auf Dauer nicht gut gehen kann. Der melancholische Einstieg des Openers "Wretchedness" könnte fast über diesen Umstand hinwegtäuschen, zumindest solange, bis das Gekeife einsetzt. Was verteilt über den folgenden 33 Minuten folgt, ist ein a-puristischer Ritt durch morbiden Düster- und Post-Hardcore, der mit furiosem Black Metal-Geballere in die Sporen geht und durch post-rockige Soundscapes trabt. Zwischendurch gilt's den einen oder anderen Ausflug in den Blackgaze zu entdecken, wie z. B. in "End Transmission". Selbiger Song erinnert mich mit seinem morbide-brummenden Intro stark an den Score des Netflix-Films "Wolfsnächte" (solltet ihr euch mal geben, passt auch insgesamt ziemlich gut zum Thema hier).
Insgesamt ein tolles Album, das bislang leider nur digital erschienen ist, und eine klare Empfehlung für alle Schwarzmaler.


Band: Chambers

Titel/Release: Depart//Disappear/Album (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Black Metal, Blackened Hardcore, Post-Hardcore

FFO: Der Weg Einer Freiheit, Hexis, Thurm

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube\\//Instagram\\//Bigcartel




Stream & Buy Digitally "Depart//Disappear"



Freitag, November 2

Schelm - Ein bisschen mehr...



Kurzinfo:

Mensch könnte auch meinen, dass eine Platte, die es bereits in den Vertrieb von Saturn, Mediamarkt, Weltbild & Co. geschafft hat, normaler Weise schon zwei Ligen zu hoch spielt für unsere kleinen Blogseiten. Dabei läuft bei der schweizer Band Schelm noch vieles in Eigenverantwortung ab. Nach der Split-EP mit Die Braunen Raketen im Jahr 2016 und einer Deutschland-Tour, veröffentlichte das Baseler Quartett nun auch sein Debüt-Album "Ein bisschen mehr..." in Eigenregie. Die Aufnahme und Produktion lief abermals im heimischen Proberaum ab, den Mix und Master übernahm Nico Vetter (prettylivesessions, Lygo, uvm.), der sich ja Gerüchten zufolge mit solch einen D.I.Y.-Kram ganz gut auskennen soll.
Mit ihrem Clip zur Vorab-Single "Schallalala" hatten wir die Band bereits auf dem Schirm und sie vor allem Fans ehemaliger Muff Potter nahegelegt. Daran hat sich im Grunde auch auf Albumlänge nichts geändert. Angeführt vom stark eintrudelnden "Mühlen", knallen uns die Schweizer zehn emotionale und eingängige Songs vor den Latz, die sich strikt im Spannungsfeld zwischen Emo- und Indie-Punk bewegen. Naja, ausgenommen der Song "Nein sagt schon sollen wir", der mit viel Wohlwollen auch im Deutschpunk verortet werden könnte, wenn mensch die Band dort unbedingt sehen möchte. Das aber nur als Randnotiz, denn insgesamt besticht das Album vor allem durch seine intensiven bis erschöpfenden Gefühlsschwankungen, die fast im Alleingang von Sänger Fabian's wechselnden melancholischen Gesang und Reibeisengedresche hervorgerufen werden. Erstgenantes kann bisweilen bekanntlich auch ziemlich unangenehm werden, etwaige Beispiele kann sich jede/r selbst aus dem deutschsprachige Mainstreamsektor heraussuchen. So ist das nunmal: wo persönliche Texte, da eben auch Melancholie. Doch zum Glück versickern Schelm selbst mit ihrer Quasi-Ballade "Wofür du brennst" nicht all zu tief im seichten Pop. Das ist gut. Es wäre ja auch ein Jammer, dieses tolle Kehlchen für belanglosen Mainstreamkitsch zu verschwenden, wie es die Fronttypen von AnnenMayKantereit oder Jupiter Jones ja gerne machen.


Band: Schelm

Titel/Release: Ein bisschen mehr.../Album (50x Ltd. Numbered Black Vinyl Edition w/ Screenprint from Dani Mahrer; Regular Black Vinyl Edition; Digital)

Label: Sportklub Rotter Damm (Digital)

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Emo-Punk, Emo-Pop, Indie-Punk

FFO: Muff Potter, Jupiter Jones, Matula

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Stream via Spotify

Buy Here, Here & Here


Mittwoch, Oktober 31

DEW - Dew-Stortion//Dew-Morgen



Kurzinfo:

Mit "Dew-Stortion//Dew-Morgen" legt uns die Oberhausener Band DEW ihr Debüt-Album vor. Und was für eins! Das kryptisch veranlagte Trio, dem Mitglieder ehemaliger Powerpissed und Clarkys Bacon angehören, klingt mit seinem apokalyptischen Sound wie eine Dystopie der in den 70er-Jahren von Kraftwerk prognostizierten "Mensch-Maschine"-Beziehung.
Das Zusammenspiel der rumpeligen Drums, den molligen Saitenanschläge und dem gequälten Gesang, wirkt wie monoton-maschinelle Akkordarbeit, die eine düstere bis erdrückende Atmosphäre schafft. Die Proberaumaufnahme mit anschließenden Live-Overdub-Vocals, dürfte dem Gesamtbild dieses beklemmenden Kleinods sicherlich zu Gute gekommen sein.

Wer an eine CD-r in Vinyl-Look in selbstgebastelter Hülle (zwei Artwork-Varianten, siehe Bandcamp) interessiert ist, schreibt der Band eine Mail.


Band: DEW

Titel/Release: Dew-Stortion//Dew-Morgen/Album (Selfmade CD-r on demand; Digital)

Label: P.O.G.O. Records (Digital)

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Alternative, Industrial, Noise-Rock, Post-Punk, Wave

FFO: Gewalt, Pigeon, Vlimmer, AUS

Links: Facebook\\//Youtube





DL "Dew-Stortion//Dew-Morgen" Here & Here

Buy CD-r via Mail to: dewcentury@gmail.com


Montag, Oktober 29

Der Bandcamp-Hardcore Vol. 40


Opaque - Genuin



Mit ihrer Mixtur aus Post-Hardcore, Post-Rock, Sludge und Doom, sind Opaque genau der richtige schwer-verdauliche Happen zwischen den Hauptmahlzeiten Fjørt und Alteri. Auf ihrem Debüt-Mini-Album "Genuin", das wie bereits das ein Jahr zuvor erschienene Demo als schick aufgemachte Kassette über das Leipziger Label Bharal Tapes erscheint, beginnen die fünf Hamburger recht kompromisslos, indem sie im Titeltrack ihren zerfahrenen Post-Hardcore mit mathigen Rhythmuswechseln regelrecht zerhacken. "Zerfall" öffnet sich mehr der Melodie und wühlt mittendrin mit hektischen Trommelwirbeln auf, ehe die Band im folgenden epischen "Sink" ihr vielleicht schönstes Gesicht offenbart. Ein Song, der zwei Minuten durch post-rockige Soundscapes mäandert, ehe er Stück für Stück aus seiner düster-melancholischen Atmosphäre ausbricht und über fast schon Kammerspiel-artiges Geplänkel wieder in gewohnte Strukturen verfällt. Opaque sind keine blinden Metzler, wie auch das vierte Stück "Hope Gone" eindrucksvoll unter Beweis stellt, indem das hanse-städtische Quintett phasenweise sogar mit dem Melodic Hardcore liebäugelt.





Kora Winter - Welk EP
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Wer ab und zu eine Auszeit von den üblichen Post-Hardcore-Hörgewohnheiten braucht und gleichzeitig denkt, mit The Hirsch Effekt schon das Höchstmaß an deutscher Experimental-Innovation entdeckt zu haben, der darf gerne mal einen Lauschangriff auf die Berliner Band Kora Winter wagen. Zwischen einem Saxofon-Solo (in "Bluten") und einer weiblich vorgetragenen Akustik-Ballade ("∞"), bewegt sich das Quintett hauptsachlich zwischen progressiv-ausschweifenden Erscheinungen wie Protest the Hero und The Mars Volta, ohne dabei, trotz aller experimentellen Vielfalt, den Bezug zur musikalischen Raffinesse zu verlieren. Das muss Band erstmal so hinbekommen.




Left To Wither - Left To Wither

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So recht will ich noch nicht an einen Zufall glauben, dass sich Left To Wither ausgerechnet nach einen Song von Will Haven benannt haben. Die Band aus Lille birgt sicherlich nicht die große Erleuchtung im Postcore-/Post-Hardcore-Sektor, setzt ihr gleichnamiges Debüt-Album aber immerhin solide und routiniert in die musikalische Praxis um. Immerhin setzt sich das französische Quartett aus bewährten Underground-Musikern von Gruppen wie The March, Watch Your Six!, SunStare und Ira Caine zusammen und kann so schonmal eine Menge Vielfalt in den gemeinsamen, neuen Sound mit einfließen lassen. Bis auf das Intro "Wooden Mice", hält der Fünfer die Dezibelzahl ihrer epischen Songs über 42 Minuten fast konstant hoch, ohne dabei in a-puristische Experimente abzudriften. Muss auch mal sein!



Toadeater - Demo

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Wer es im Black Metal etwas weniger geradlinig mag, könnte an dem jüngst erschienenem Demo-Debüt der Band Toadeater gefallen finden. Drei rohe und ungeschliffene Songs, die neben dem konstant-düsterem Geschreie vor allem Ausflüge in benachbarte Genres wie Crust und Blackened Hardcore unternehmen und sich auch für die eine oder andere akustische Pause nicht zu schade sind.
Für das Demo der Osnabrücker/Bersenbrücker/Vechtarer Band, der u. A. Mitglieder von Misery Vortex und Urinprobe beiwohnen, ist demnächst ein Tape-Release geplant, das über Kellerasseln Records erscheinen wird.



Homes - Youth EP

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Für den bereits a-puristisch getrimmten Post-Hardcoreler hingegen, bietet die Debüt-EP "Youth" der Marburger Band Homes sicherlich keine neuen Aspekte. Wahrscheinlich ist das so aber auch gewollt. Unter dem leidenschaftlich geschrieenem Gesang des Frontmannes, breiten sich melancholische wie melodiöse Post-Rock-Gitarren aus, die sich überwiegend im Mid- und Downtempo-Bereich abspielen. Das Indie-esk vor sich hin plätschernde "Blue Into Grey", das sich zum Ende hin doch nochmal fast schon theatralisch im Melodic Hardcore verliert und das folgende, wesentlich dynamischere "Noble Thought | Miserable Action", bilden bis dato vielleicht den Höhepunkt einer noch jungen Band, die sich von unnötigen Gedanken über Plagiatsvorwürfe und Fahrwasser-Gequatsche nicht ausbremsen lässt.


Buy Physical Version via FB or Mail to: homesmhc@hotmail.com


Dinosaurier - Demos

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Kurzum: Dinosaurier sind offenkundige Fans von Bands wie The Fall Of Troy, A Lot Like Birds, The Hirsch Effekt und Adolar. Und natürlich von Zinnschauer (bzw. dessen Vorband And The Waves Will Carry Us Home), auf dessem Album "Hunger . Stille" drei der Jungs des ehemaligen Quartetts zu hören sind. 
Die zwei Demo-Songs aus dem Jahre 2014, die bislang als einziges Vermächtnis der Band aus Kassel auf Bandcamp ruhen, bieten in diesem Sinne dem geneigten Progressive-/Math-Hörer vielleicht eher wenige Überraschungsmomente an. So kurios das aber auch sein mag, erwecken Bandname, Cover und die beiden routiniert produzierten Songs Lust auf ein ganzes Album, dass sich mensch am besten auf dem Plattenteller rotierend zu Gemüte führen sollte. Wohl eher ein Wunschglaube, denn seit dem Abgang von Sänger Patrick ist es um die eingefleischte Nicolas-Cage-Fangemeinde recht ruhig geworden.

DL "Demos"


We've Got Muscles -  HÆLLSTRŒM

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Auch wir wagen ab und an das eine oder andere Experiment - und quetschen jetzt einfach mal eine Instrumental-Band in ein Hardcore-Volumen.
Das Kölner Trio We've Got Muscles kommt mit klassischer Intrumentenbesetzung (G-B-S) daher und schafft es auch ohne Gesang, die vier Songs der Debüt-EP "HÆLLSTRŒM" äußerst spannend und abwechslungsreich zu gestalten. Grundsätzlich dürfte die Band mit ihrem progressiven wie groovigen Mix aus Alternative, Math, Post-Rock und - um jetzt mal den Bogen zu spannen - post-hardcorigen Gitarrenwänden vor allem Fans von ASIWYFA und Long Distance Calling abholen. 
Wem das für eine Berechtigung in diesem Volumen nicht ausreicht, kann ja mal folgendes probieren: stellt euch zu den dynamischen Parts einfach mal theatralisch-cleanen Emo-Gesang im Wechsel mit gutturalem Gekeife vor. Und? Irgendjemand, der nicht sofort an Chiodos, Crows-An-Wra, Just Like Vinyl, usw. denken muss?

DL & BUY "HÆLLSTRŒM"

BUY Here


Krachwalze - The Best Of John Bun Jovi

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"Föjetong" wäre wohl der bessere Einstieg gewesen, um euch die Band Krachwalze vorzustellen, ist es so ziemlich das einzige Release mit Albumcharakter. Feste Strukturen und Ordnung sind für die beiden Bremer Hans Sprungfeld (Simpsons-Fans hier??) und Kalle Stein-Hirth allerdings eh nur Schall und Rauch und lediglich dafür da, um aus ihnen auszubrechen. Halbwegs ernst angegangen, könnte man Fans von Gtuk, älteren Les Trucs, Kannibal Krach, Ursus und Lafftrak gleichermaßen eine Hörempfehlung aussprechen. Chiptune, Metal, Mathcore, Grind und Punk-Ironie, werden hier herrlich unbekümmert durch anarchistische Willkür gezogen. Wie auch schon bei ihren Vor- und Nebenprojekten Grünlich Grau und SchreiKrachBumm, muss das nicht jedem/jeder gefallen und trägt nicht nur einen beiläufigen Spaßband-Charakter.
"The Best Of John Bun Jovi" ist nun also auch noch eine lose Sammlung von albumlosen Songs aus den Jahren 2016 - 2018, die nahtlos am ersten Release "Ist Bambis Mutter auch wirklich tot, wenn niemand ein Bild von ihrer Leiche auf Facebook postet?" (sorry, aber es war mir ein inneres Bedürfnis, den Titel komplett zu benennen) anschließen. Die Band selbst drückte es in etwa folgender Maßen aus: Wenn das schon die B-Seiten sind, muss der Rest pures Gold sein. 

DL "The Best Of John Bun Jovi"


Samstag, Oktober 27

Heart Circle Part III - Sampler



Kurzinfo:

Einen Sampler zu gestalten ist mit einem enormen Aufwand verbunden, zumindest wenn man das Ganze halbwegs legal aufziehen möchte. Das liegt weniger an die Bereitschaft der jeweiligen Bands und Künstler, als vielmehr an den etwaigen Label-Ansprüchen und mafiösen Machenschaften der GEMA. Da schreiben wir aus eigener Erfahrung. Hat man diese Hürde erst geschafft, gilt es auch noch, die Songs in einer halbwegs homogenen und schlüssigen Reihenfolge zu setzen...
Die Facebook-Gruppe The 90s Screamo/HC/Emo/Indie-Rock Friends war mir bislang zwar ein Begriff, nur hatte ich mich weniger mit deren Inhalt auseinandergesetzt. Umso bitterer ist der Nachgeschmack, denn die Erlöse der Sampler-Reihe "Heart Circle" kamen dem an Herzinsuffizienz erkrankten Admin, Blogger, Outspoken Forum- und Pretty-In-Noise-Rezensenten Marc Köhler zu Gute, der seine letzten Gedanken und Wünsche auf dem Blog "Herzgeschichten" festhielt. Marc hat schlussendlich den Kampf gegen die Krankheit verloren. Und auch, wenn die Tränen der Trauer seiner Mitmenschen noch nicht vollkommen getrocknet sind, können sie inzwischen vielleicht auch mit einem Lächeln zurückblicken - oder eben nach vorne.
Kürzlich veröffentlichte die Gruppe den 84-Song (!!!) umfassenden Sampler "Heart Circle Part III", deren Spenden-Erlös ganz im Geiste des Verstorbenen zu 100% den gemeinnützigen Organisationen "Safe Gigs For Women" und "Agisra" zukommt. Eine große Geste, die sicherlich mit viel Kraft verbunden war und deren Resultat sich durchaus hören lassen kann. Neben zahlreichen mehr oder weniger bekannten, unabhängigen und internationalen Bands, hat sich abermals das Label Midsummer Records als äußerst "spendabel" erwiesen, das mit einigen Sprösslingen am häufigsten vertreten ist. Ansonsten gilt es hier eine Vielzahl an talentierten Gruppen oben genannter Genres zu entdecken. 
Meine Tipps: Boneflower, Ashes Of Pompeii, CATCATCAT, Cortarmao, Erai, Finte, Rivers & Tides, Varan - und natürlich alle anderen auch.


Band: V.A.

Titel/Release: Heart Circle Part III/Sampler (Digital)

Label: D.I.Y/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Emocore, Emo, Alternative, Screamo, Post-Hardcore, Punk

FFO: siehe Genre

Links: Facebook

 



DL "Heart Circle Part III"


Donnerstag, Oktober 25

Platte des Monats 10/18: Oat - Hardy



Kurzinfo:

Passend zum kürzlich veröffentlichtem DIY-Re-Release ihrer tollen Debüt-EP "Oatism", erschien noch kürzlicher Oat's zweite EP "Hardy", mit dem die Leipziger Stoner-Punks auf dem ortsansässigen Label Lala Schallplatten gelandet sind und somit auch auf ihr erstes Vinyl-Release zurückblicken können.
Im Vergleich zum experimentellen Vorgänger, startet das neue Werk mit dem Opener "Bernd" und dem folgenden "Ritalin" recht eingängig und erinnert mich stark an eine Mischung aus jugendlich-ausgelassenen wie drückenden Post-Millenium-Alternative-Emocore-Combos wie Element Eighty, Colour Of Fire oder Emanuel. Aber bereits der dritte Streich "Papaya" liebäugelt ungeniert und vielleicht auch provokativ mit Freestyler-Heavy-Rock, während "Meatbags" mit etwas mehr texanischem Wüstenstaub rumröchelt. Spätestens aber mit dem fünften Song "Young Blood" und dem Closer "Rogger Density", der standesgemäß mit einem Vocalensemble ausklingt, sind Oat wieder in ihrem eigenen, unberechenbaren Klang-Kosmos angekommen.
Ich laß am kürzlichsten in einer "Hardy"-Review, dass der Rezensent vor allem diese Inkonstanz nicht richtig einordnen könne. Nunja - abgesehen davon, dass besagten Online-Schreiberling scheinbar die Debüt-EP entgangen ist, würde ich an dieser Stelle mal behaupten, dass vor allem dieser spannende Mix aus hartem Groove, (Pop-)Punk-affinen Melodien, etwas Gossen-Rotzigkeit und willkürlichen Wendungen, den Reiz dieser Band seit jeher ausmachen.


Band: Oat

Titel/Release: Hardy/EP (Yellow Vinyl; Digital)

Label: Lala Schallplatten

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Stoner Rock, Punk, Alternative, Experimental

FFO: Colour Of Fire, Element Eighty, Cannahann

Links: Facebook\\//Youtube\\//Bandcamp




DL "Hardy"


Buy Here, Here or via Mail to: oaterspace@gmail.com


Dienstag, Oktober 23

0101 - 0101



Kurzinfo:

Gerdas Tanzcafé goes ARTE! Genau richtig, um unsere kunstbanausischen Blog-Seiten mal wieder mit etwas Kultur aufzupolieren, landete kürzlich elektronische Post vom bayerischen Label Hicktown Records in unserem Mail-Konto. Anfangs noch in der Annahme, in der Betreffzeile "Album 0101" die Katalognummer des angepriesenen Releases gelesen zu haben, stellte ich wenig später fest, dass es sich bei dieser Zahlenfolge tatsächlich um Band und Album gleichermaßen handelte.
Hinter 0101 verbirgt sich der Dokumentarfilmer und Fotograf Daniel von Rüdiger, der sich für die audio-visuelle Projekt-Idee Gitarrist Stefan Carl mit ins Boot holte. Entsprungen ist diese Idee Rüdiger's 2014 absolvierter Papua-Neuguinea-Reise, auf der er abegelegene Dörfer besuchte, die verschiedenen Kulturen wie auch (über)lebens-notwendigen Arbeitstechniken der jeweiligen Dorfbewohner begleitete und schließlich zur preisgekrönten Kurz-Doku "Kanu Belong Keram" zusammenfügte.
Musikalisch bewegt sich das Duo wohl grob im ambienten - oder wie die beiden Künstler es selbst nennen - cineastischen Post-Rock, basierend auf bedächtigen Gitarren-Loops, Drum-Samples und elektronischen Verzerrungen, die von den aus den Dokumentationsaufnahmen gewonnenen Field Recordings in einen besonderen Rhythmus geleitet werden und somit eine Eigendynamik entwickeln, die schlussendlich von einem beispiellosen und hypnotischen Sog eingefangen wird.
Auf dem Debüt-Album "0101" hausen zwei Songs, die sich die Gesamtlänge von 33 Minuten so ziemlich gerecht aufteilen. "Kanu" beschreibt den gemeinschaftlichen, kräftezehrenden Bau eines Einbaums und das erfolgreiche Zuwasserlassen, während "Sago" die Ernte und deren Bedeutung eines in dieser Region wichtigsten Grundnahrungsmittels thematisiert.
Laut Rüdiger und Carl, soll auf "0101" das Leben in einer post-industriellen Gesellschaft ("komplex und leicht"), der einer sich selbst versorgenden ("einfach und schwer") gegenüber gestellt werden. "Wertungslos", wohlgemerkt, wobei die beiden Begrifflichkeiten der Vernunft sicherlich schonmal mit einem kleinen Zaunpfahl zuwinken. Klar, eine Gesellschaft, deren Angst sich vor allem von dem vermeintlichen Verlust tonnenschwerer, unnützer Luxusgüter nährt, sieht sich nunmal ganz anderen moralischen Problemen ausgeliefert. Allein der Aspekt, dass Rüdiger von den Dschungel-Bewohnern freundlich aufgenommen und als oberstes Gebot nach dem einheimischen Brauch vor den dortigen Gefahren beschützt wurde, steht leider im krassen Widerspruch zu den Gewohnheiten der westlichen Länder.
Auch, wenn die beiden Musiker ausdrücklich darauf bedacht sind, "0101" ausschließlich als audio-visuelles Projekt zu betrachten, ist es ihnen gelungen, oben erwähnten Kontrast in einem organischen wie nachvollziehbaren Sound einzufangen. Die zwei Songs wurden live in einer Industriehalle aufgenommen, anschließend auf analogem Tape gemastert und schlussendlich auf Vinyl gepresst.


Band: 0101

Titel/Release: 0101/Album (100x Black Vinyl; Digital; Audio-Visuell)

Label: Hicktown Records

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Field Recordings, Cinematic Post-Rock, Instrumental, Ambient

FFO: Tim Kinsella, Danijel Zambo, Case Western

Links: Bandpage\\//Facebook




Teaser & Buy "0101"


Sonntag, Oktober 21

Cannahann - Staub und Wasser



Kurzinfo:

So stilistisch durchwachsen ihre Nebenprojekte Die ignorierte Art, 52 Hertz, Thoreau, Paulinchen Brennt, Jaked Off Short And Heads, BØRLAUB und Tending To Huey auch sein mögen, mit Cannahann gehen die vier Franken ihren Weg durch altehrwürdigen Alternative/Stoner/Desert Rock unbeirrt weiter. Entgegen ihres vielleicht noch etwas experimentierfreudigeren Debüt-Albums "NN", steht auf dem Nachfolger "Staub und Wasser" nun eindeutig die Rhythmussektion im Rampenlicht der Stadion-tauglichen Bühne. Die Single "Echolocation", die zusammen mit dem Exklusivsong "A Colour Story" und einer Demo-Version vom Albumsong "Thinkable" auf CD-R gebannt und zur Releaseshow an die ersten 25 Gäste vergeben wurde, ist mit seiner markanten Melodie sicherlich auch der einprägsamste Song des Album. Aber auch der Opener "A Murky Room", der nach etwas Anlaufzeit zum Ende hin vollkommen durchdreht, oder die Scumbucket-Gedächtnishymnen "Do The Crawl" und "Beatitude", haben den schweren Groove locker-leicht in der Hüfte sitzen. Dazwischen finden sich natürlich auch immer wieder ein paar Ausreißer, die das Alternative/Stoner/Desert-Grundgerüst des Albums etwas zum Wackeln bringen und hinüber zu benachbarte Genres wie Bluesrock und Psychedelic schwanken.
Alles in Allem ist "Staub und Wasser" aber ein homogenes Album, das den Schwerpunkt klar auf ein großes ROCK legt - auch Dank der kräftig-erhabenen Stimme von Ralf Rossbach und dem tonnenschweren Master der Tonmeisterei.


Band: Cannahann

Titel/Release: Staub und Wasser/Album (100x Clear Vinyl; 200x Black Vinyl; 500x Digipak-CD; Digital)

Label: Barhill Records

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Alternative, Stoner Rock, Hardcore, Desert Rock

FFO: Hyne, Element Eighty, Scumbucket, Samavayo

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Youtube\\//Instagram


Stream "Staub und Wasser"

Buy Here & Here



Freitag, Oktober 19

Fir Cone Children - The Straight & The Curly



Kurzinfo:

Neben Vlimmer und Leonard Las Vegas, ist Fir Cone Children nun schon über mehrere Jahre hinweg die dritte musikalische Konstante im Leben von Alexander Donat und somit auch seines Labels Blackjack Illuminist. Beeindruckend ist das vor allem deshalb, weil er sich für jedes seiner Projekte so ziemlich allein verantwortlich zeichnet und dabei eine schier unerschöpfliche Kreativ-Quelle freigelegt hat, die sich sowohl in tollen Melodien als auch atmosphärischen Klangexperimenten widerspiegelt. Beides vereint findet mensch auch auf dem dritten Album "The Straight & The Curly" seiner Über-Kinder-Band FCC, mit der er die launischen und willkürlichen Seiten der kleinen Racker in einen ebenso unberechenbaren Sound einfängt. So beginnt das Album mit dem rastlosen "3D", das sich ohne Umschweife in einer eingängigen Melodie verliert. Etwas melancholischer wird es da schon mit dem folgenden "On My Plate" mit träumerischen Key-Einlagen und dem verhallt-schwelgerischen "Chasing Shadows". "The Straight & The Curly" ist insgesamt ein sehr helles und warmes Gute-Laune-Album geworden, das sich auch von dem eher Kontur-fragileren "The Straight & The Curly (Part 2: To The Rescue)" und dem wilden Garage-Ritt in "Blend In" nicht trüben lässt. Ein Auf und Ab, Hin und Her. Eine Entdeckungsreise, Rückbesinnung, Wohlfühloase und ein Loslassen zugleich. Ein Album, das in herrrlich naiver und unbekümmerter Art vollkommen zwanglos aus jeglichen musikalischen Mustern bricht.
Wie auch schon auf dem Vorgänger "No Gravity Girls", ist in fünf Stücken die liebliche Stimme von Krissy Vanderwoude zu hören, die ihre seidenden Stimmbänder gewöhnlich bei Whimsical ölt oder auch gelegentlich oder öfters bei The Churchhill Garden und Seasurfer aushilft.


Titel/Release: The Straight & The Curly/Album (15x Tape; Digipak-CD; Digital)

Label: Blackjack Illuminist

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Pop-Punk, Dream-Pop, Dream-Punk, Shoegaze, Garage, Alternative

FFO: Weezer, The Rational Academy, Jeeps

Links: Facebook




Stream & Buy "The Straight & The Curly



Mittwoch, Oktober 17

Peppone - Ohne Grund



Kurzinfo:

Mensch kann sich natürlich auch ein Leben lang an alte Helden klammern, halbgare Reunions abwarten, alles Neue als einen billigen Abklatsch abtun und sich vehement einreden, dass früher ja doch alles irgendwie besser war. Mensch könnte dabei aber eben auch die Gefahr laufen, dass ihm die eigens verpassten Scheuklappen die Sicht auf wirklich gute Vertreter der Gegenwart trüben. Peppone aus Magdeburg, die sich zu 3/4-tel aus ehemaligen Braying Boredom zusammensetzen, wollen ihre Einflüsse erst gar nicht verleugnen. Ihren Indie-/Emo-Punk müssten sie eigentlich um vier Anführungsstriche ergänzen, so nah bewegt sich das Trio an seinen Vorbildern. Allein dem leicht schrägen Gesang, der sowohl von den mitreißenden Melodien dynamisch vorangetrieben wird als auch mit schroffer Antihaltung gegen den Mainstream wettert, wohnt eine dermaßen wohlig-vetraute Melancholie und gleichzeitig rebellische Rotzigkeit inne, als hätten Coburger und Junge Sänger Jens Freimark höchstpersönlich dafür Gesangsunterricht spendiert.  Dass die Band auf einen Drum-Computer zurückgreift, fällt nicht weiter ins Gewicht, da das Hauptaugenmerk der Rhythmussektion eindeutig auf den hochinfektiösen Gitarren liegt, wobei auch der Bass gerne mal aus seiner Linienform ausbricht und sich herrlich-egozentrisch in den Vordergrund drängt, wie im von weiblichen Gaststimmen begleiteten "Schweigen". In "Das Urteil" gibt's gar prominenten Duett-Gesang mit Budde von Die Strafe.
Wahnsinns-Album, das mit seinen dezent-orgelnden Key-Einlagen sympathisch aus der Zeit gefallen klingt, ohne Schicki-Micki-Allüren und digitalen Bombast. Und da hier auch noch ein Ohrwurm den nächsten jagt, will ich mal dreist behaupten: besser als das Original. Word!


Band: Peppone

Titel/Release: Ohne Grund/Album (300x White Vinyl; 200x Digipak-CD; Digital)

Label: Bördebehörde Tonträger

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Punk, Indie-Punk, Emo

FFO: EA80, Boxhamsters, Kazimir

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Stream & Buy "Ohne Grund"

Buy Here, Here & Here


Montag, Oktober 15

Leonard Las Vegas - Jagmoor Appendix



Kurzinfo:

Hier sind sie also, die fehlenden sechs Songs zum vorangegangenen "Jagmoor Cynewulf", die die Buch-Album-Kombination nun auch musikalisch zum Abschluss bringen.
Vertraut und Achterbahn-artig eintrudelnd mit "Birth & Death", das hier als Original-Version vom Album-Song seinen Platz findet und als wohl einer der aufregensten Songs aus Leonard Las Vegas' langer Diskografie-Liste benannt werden kann, taucht der desillusionierte Protagonist im folgenden "The Best" wieder in schwelgerische Trübheit ab. Doch wie schon beim Album, transportiert auch die EP viel akustische Wärme und Licht, die die innere Zerrissenheit des tragischen Helden und dem damit einhergehenden schizophrenem Konzept mit viel experimentellen Pop umschmeicheln. So springen die Songs zwischen bittersüßen, verträumten und dynamisch galoppierenden Melodien hin und her, münden auch mal in den einen oder anderen Freak-Out und verschmelzen so zum spannendem wie unberechenbarem Finale.

Nach der finanziellen Vinyl-Release-Misere des Albums, erscheint "Jagmoor Appendix" wieder standesgemäß dem Königs-Wusterhausener Labels Blackjack Illuminist als limitiertes Tape und liebervoll gestalteter Digipak-CD.


Band: Leonard Las Vegas

Titel/Release: Jagmoor Appendix/EP (CD; 10x Tape; Digital)

Label: Blackjack Illuminist

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Alternative, Dream-Pop, Indie, Shoegaze, Noise

FFO: The Cure, My Bloody Valentine, The Rational Academy, David Bowie

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Stream & Buy "Jagmoor Appendix"


Samstag, Oktober 13

Baical - War Scene Single



Kurzinfo:

Ich trauere immer noch dem Split der Pennerviolencer Battra// nach, denn so seltsam es klingt, irgendwie haben mich diese beiden Suffköppe an das gute in Halle glauben lassen (wer da mal gewohnt hat, weiß, dass es da nicht nur Gutes gibt). Inzwischen probieren sich die beiden Halunken - einzeln oder gemeinsam - im Lo-Fi-Noise (BARF) aus, drehen mit ihren Freunden von PAAN durch (wie HIER) oder frönen das "Malochen, Kleechen und Kleingeldverprassen" (Oi.GVALT). 
Eines ihrer wohl ernsteren Projekte hört auf den Namen Baical, bei dem, neben den beiden Battra//s, eben auch PAAN-Gitarrist und -Mitsänger Chris involviert ist - und gewisser Maßen auch Magnus Wichmann, der ihre Songs regelmäßig in den Lala Studios aufnimmt, abmischt und mastert. 
Nach der Debüt-EP "Euphoria" (Vinyl-Release über Black Verb Records und Manic Depression Records), ist "War Scene" nun der erste Vorbote ihres ersten, für dieses Jahr angekündigten Longplayers "Funeral Party". Ein Song, der mit seiner melodischen Schlagzeug-Bass-Gitarre-Sektion und dem tief-verhallten, düster-romantischen Gesang einen nostalgischen Flashback in Richtung End-80er-/90er-Gothic-Wave-Post-Punk entsendet. 
Als Single-Bonus gibt's ein ebenso melancholisches Bleib Modern-Cover, die Band, die zur Hälfte das Label Black Verb Records betreibt. Wie war das noch gleich: der Mörder entstammt zu 90% dem näheren Umfeld des Opfers - oder so...


Band: Baical

Titel/Release: War Scene/Single (50x Tape; Digital)

Label: Black Verb Records

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Cold Wave, Post-Punk, Gothic Rock

FFO: Bleib Modern, Factice Factory, This Is The Bridge

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Stream & Buy"War Scene" Here & Here



Donnerstag, Oktober 11

Skognatt - Ancient Wisdom



Kurzinfo:

Atmospheric Black Metal mausert sich so langsam aber sicher zu einem ähnlich asozialem Genre, wie das klassische Singer/Songwritertum. Auf Bandcamp tummeln sich mittlerweile zahlreiche sogenannte Ein-Mann-Armeen, die, wie im Falle des Slowenen Tilen Šimon aka Veldes oder dem Ungarn Wildr aka VVilderness, den vielzitierten Band-Größen durchaus Paroli bieten können.
Auch der Augsburger Danijel Zambo kocht nun schon über Jahre hinweg lieber ungestört sein eigenes Süppchen und kreiert seiner bunten Gedankenwelt abstrakte, progressive bis minimalistische Soundtracks, die wahrscheinlich auch nur er selbst so einfangen kann. Mit Skognatt nehmen nun auch seine dunklen Fantasien akustische Gestalt an. Und damit diese möglichst organisch durch die Boxen fließen, lud er sich diesmal mit Asche der Welten-Schlagzeuger Gerileme einen erfahrenen Artgenossen zu sich ins heimische Studio ein.
Mit "Ancient Wisdom", welches die gleichnamige Vorab-EP um vier Songs ergänzt, veröffentlicht er nun sein erstes Album, das auf voller Länge vielleicht nicht ganz mit der tollen "Landscape Of Ice"-EP mithalten kann, dem gemeinen Schwarz-Metaller damit aber immerhin solide Kost serviert. Zambo flüstert-faucht und growlt sich durch sphärisch-epische Soundscapes, die durch düster-metallische Wucht, finstere Synthieklänge wie auch ambiente und akustische Parts zusammengeschweißt werden. Vor allem in den Passagen der beiden Letztgenannten, dringen immer wieder Zambo's naturverbundene und mystische Wurzeln aus dessem Nebenprojekt Walden in die sagenumwobene Finsternis ein.


Band: Skognatt

Titel/Release: Ancient Wisdom (50x Digifile CD; Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Atmospheric Black Metal, Dark Metal, Ambient

FFO: blyh, Wolves In The Throne Room, Agalloch

Links: Facebook\\//Bandcamp




Stream & Buy"Ancient Wisdom"

Dienstag, Oktober 9

Rome Asleep - Rome Asleep EP



Kurzinfo:

Leider habe ich die Mannheimer Band Rome Asleep um ein paar Jährchen verpasst.  Ihre aktive Phase endete nach drei veröffentlichten EP's abrupt Mitte 2013, das angekündigte, mystische Folge-Projekt DVRTAL kam auch zum Erliegen, ehe es richtig an Fahrt aufnehmen konnte.
All das ging bislang spurlos an mir vorbei, bis ich kürzlich mal wieder in Steff's Bandsalat hängen blieb, der zufällig auf ein Exemplar der selbstbetitelten 7inch gestoßen ist und post-wendend eine kleine Retrospektive zum ehemaligen Quartett in die Tasten hämmerte. Und auch, wenn eine Verlinkung an dieser Stelle vielleicht vollkommen ausreichend wäre, möchte sich der Eine oder die Andere ja doch noch eine Zweitmeinung einholen. Nun denn, auch mein Fazit fällt durchweg positiv aus. ...........................................................................................................................................................
Rome Asleep haben keinen allzu großen Hehl um ihre musikalischen Vorbilder gemacht, die allesamt relativ genau um das californische San Diego der 90er/Anfang 00er-Jahre verortet werden können. Vielleicht fehlte der Band in puncto Nachhaltigkeit dann aber doch etwas die Hymenhaftigkeit unten stehender Referenzbands, anders zumindest kann ich es mir nicht erklären, warum die Band weniger FB-Likes einsammelte als wir. Oder sie waren schlichtweg zu nah am Original, wer weiß. Ich für meinen Teil bewundere ihre Dynamik und Experimentierfreudigkeit, mit der sie den Post-Hardcore regelrecht zerstückeln und um zwei Dekaden in die Vergangenheit katapultieren; ihre Kompromisslosigkeit und zugleich glamouröse Art, kleine Melodien zu verstecken; ihren Wahnwitz und natürlich ihren frenetischen Doppelgesang.
Das selbstbetitelte Mini-Album kann gegen eine frei wählbare Spende über Bandcamp gesaugt werden, die 7inch zur gleichnamigen EP über das Label ergattert werden.


Band: Rome Asleep

Titel/Release: Rome Asleep/EP (Black 7"-Vinyl, Digital)

Label: 1000milesintomyheart

Erscheinungsjahr: 2009

Genre: Post-Hardcore, Experimental, Punk

FFO: The Blood Brothers, Test Icicles, At The Drive-In

Links: Facebook\\//Myspace\\//Bandcamp




Stream "Rome Asleep"

Buy via Mail to: 1000milesintomyheart@gmx.de or rome-asleep@gmx.de


Sonntag, Oktober 7

Fashion Week - So Last Season



Kurzinfo:

Nach ihrem Demo "Applicator" und dem Debüt-Album "Prêt-Á-Porter", ist die amerikanische Underground-All-Star-Band Fashion Week nun also mit ihrem finalem Release "So Last Season" zum dritten Mal auf unseren Blog-Seiten vertreten. Zurecht, denn die Compilation, die neben der remasterten "Coextinction #11"-EP und die als Download beigefügte "Applicator"-Demo auch die Helmet- und Unsane-Coversongs "I Know" und "Only Pain" sowie zwei Live-Tracks und eine B-Side enthält, zeigt nochmal schonungslos die ganze Bandbreite der Band aus New York auf. Knirschender Grunge, kratziger Noise-Rock, zerrender Hardcore - und mittendrin immer wieder ein paar krachige Ohrwürmer wie "God Save McQueen" und "So Last Season".
"So Last Season" ist das Monument einer Band, die während ihrer relativ kurzen Schaffensphase viele Eindrücke sammelte und zu einem brachialen wie eigenständigen Soundtrack formte. Gastspieler wie Tom Tierney (Tidal Arms), Kurtis Lee Applegate (Family), David Castillo (Primitive Weapons) und Vinnie Signorelli (Unsane), ergänzen standesgemäß das vielseitige Haupt-Quintett um Mitglieder von Bands wie Godmaker, Queen Elephantine, The Cutest Babyhead Ever, Aberdeen Lizards, Ghost Robot Ninja Bear, Inswarm, Nakatomi Plaza, Jarboe, Victory At Sea und Lidia Stone.
Kaufen, ehe ihre Platten in 20 Jahren als gesuchte Sammlerstücke zum Fünffachen feilgeboten werden.


Band: Fashion Week

Titel/Release: So Last Season/Compilation (300x Seafoam Green Vinyl, Digital)

Label: Solar Flare Records

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Grunge, Hardcore, Noise

FFO: 

Links: Facebook\\//Bandpage\\//Last.fm\\//Bandcamp




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Freitag, Oktober 5

eigen.Welt - F32.



Kurzinfo:

Auch fünf Jahre nach dessen Veröffentlichung, ist das Demo-Debüt von eigen.Welt ein gottverdammtes Kleinod, das vor allem für a-puristische Metalheads interessant sein dürfte. Daniel Bieberstein's Solo-Projekt war leider nicht sehr langlebig, eine angekündigte zweite EP kam wohl auch wegen fehlender Resonanz nicht mehr zustande. Dabei verbergen sich hinter dem Titel "F32." vier atmosphärische wie groovig-bretternde Songs, die mit Hilfe von "Reverend" Rossbach in ein standesgemäßes Format gebracht wurden. Dass der Würzburger bereits reichlich Metalerfahrung in Gruppen wie Rising Sunset, Creeping Scythe, Path Of Devastation und 7th Abyss sammeln konnte, tut sein Übriges. Doch so (schaurig-)schön sich seine instrumentalen Soundscapes aus ambienten Keyboardklängen, stürmischen Blastbeatattacken und schwelgenden Melodien auch den Gehörgängen anschmiegen, ist seine EP dennoch ein ziemlich intimes Werk, in dem Bieberstein seine eigene Krankheit verarbeitet. F32 ist ein Begriff aus dem medizinischen Sektor, der sich im wesentlichen mit den depressiven Phasen beschäftigt, wobei die Zahl 3 wohl für die stärkste Form steht. Was der Musiker also tatsächlich durchstehen musste, lässt "F32." wohl nur im Ansatz erahnen...


Band: eigen.Welt

Titel/Release: F32./EP (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2013

Genre: Atmosphäric Black-Metal, Post-Black-Metal, Ambient, Instrumental

FFO: VVilderness, Svrm, Ewig.Endlich.

Links: Facebook\\//Youtube




DL "F32."


Mittwoch, Oktober 3

Pigeon - Pigeon



Kurzinfo:

Mit ihrem ersten Longplayer brechen Pigeon erstmalig aus ihren DIY-Kollektiven Flennen und Späti Palace aus und veröffentlichen es, neben den beiden deutschen Labels Black Verb Records und Dunkelziffer Records, auch über die polnischen Kollegen von Antena Krzyku.
Seinem Sound bleibt das Berliner Quartett um Kopf Denes Bieberich (u. A. Ich, Alexander, Molde, Zelf, Deltoids) dabei natürlich treu, indem es mit "Pigeon" genau dort ansetzt, wo die drei Songs ihrer gemeinsamen Split-EP mit Girlie aufhörten. Nämlich irgendwo in der End-80er- bis Mitte-90er-Jahre-Noise-Rock-Ära. Zwischen grungig-krachenden und -quietschenden Dissonanzen, etwas mathematischer Willkür, kratzigem Schrammel-Indie und narzisstischem Post-Punk mit kühlem (No-)Wave-Überzug, schälen sich immer wieder klare Strukturen und tolle Melodien heraus, allen voran im eingängigen "Nizza", aber auch im treibenden "Gaping" oder den mal kurz im düsteren Industrial vorbeischauenden "Couches" und "Lower".

Band: Pigeon

Titel/Release: Pigeon/Album (300x Black Vinyl; Digital)

Label: Black Verb Records, Dunkelziffer Records, Antena Krzyku

Erscheinungsjahr: 2018

Genre: Post-Punk, No Wave, Noise-Rock, Industrial

FFO: The Jesus Lizard, Milemarker, No Trend, Sonic Youth

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Blog\\//Flennen




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Jahres-Sampler