Samstag, September 23

Lypurá - á



Band: Lypurá

Titel/Release: á/Album (100x Limited Yellow Vinyl, Black Vinyl, Digital)

Label: Twisted Chords

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Post-Hardcore, Emo, Punk, Screamo, Post-Rock

FFO: The Tidal Sleep, Masada, ...Who Calls So Loud

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube\\//Last.fm\\//lypura@gmx.de



Kurzinfo:

Wenn ich etwas in letzter Zeit gelernt habe, dann, dass Twisted Chords nichts dem Zufall überlässt. Ob mit den Noise-Rockern Colored Moth oder zuletzt auch den Hardcore-Punks Kapot - das Pfinztaler Label beweist neuerdings ein äußerst glückliches Händchen für innovative Bands. Meistens verbergen sich dahinter natürlich keine Grünschnäbel, und so könnte mensch auch das eine oder andere Gesicht vom Karlsruher Trio Lypurá schonmal irgendwo gesehen haben - z. B. bei Juvenalis oder It All Takes Places. Mit dem durchwachsenen, experimentellen Post-Hardcore-Sound jener muss man natürlich erst einmal zurecht kommen. Auch "á", nach dem 2015er Demo (Digital und Tape) das ein Jahr später erschienene Debüt-Album der Band, will sich dem sturen Schubladendenken entziehen, entpuppt sich dabei aber als wesentlich zugänglicher. Vielleicht auch, weil ihr Screamo-Emo-Post-Rock-Mix an ältere wie jüngere Artgenossen wie Comadre, Who Calls So Loud oder auch die großartigen Masada erinnert. Songs zwischen Wut, Verzweiflung, Sehnsucht und Hoffnung. Chaos und Schönheit. Und natürlich laut und leise. Wer sich diesem Stil-Experiment stellt, läuft oft die Gefahr über das eigentliche Ziel hinaus zu schießen. Nicht Lypurá, die all das mit einer fast schon nostalgischen Selbstverständlichkeit ineinander verflechten und daraus leidenschaftliche Songs formen.

DL "á"

Buy Here, Here, Here & Here

Donnerstag, September 21

Tomas Tulpe - In der Kantine gab es Bohnen...



Kurzinfo:
Der Musiker aus Berlin ist nicht nur völlig irre, sondern hat auch noch einen an der Klatsche. Tomas Tulpe lässt nächsten Freitag sein dritten Album In der Kantine gab es Bohnen... auf die Menschheit los. Titel und Cover geben euch einen Einblick darauf, was euch erwartet. Hier werden ganz alltägliche Geschehnisse in trashige Schlager-Elektro Songs verwandelt. Textzeilen wie ››Sweat Sweat Sweat - Ich brauch Eau de Toilette‹‹ oder ››Ich war noch nie im Berghain - Sven Marquardt lässt mich nicht rein‹‹ bilden dabei noch nicht mal die Spitze des Eisbergs. Der Mann, der schon seit '92 musiziert, ist aber nicht nur der Durchgeknallte, der wie in seinen Videos fast immer rumschreit und -springt, sondern auch ein durchaus professioneller Musiker, der weiß wie man seine Texte mit 80er angehauchten Synth verpackt und so eingängige Melodien schafft. Da ist es kein Wunder, dass die Punks komplett durchdrehen, wenn er die Aftershow für Feine Sahne Fischfilet begleitet. Kurz gesagt: Tulpe bietet euch die Exzesse, die ihr auf einer Aftershowparty erwartet. Grund genug die CD bei der nächsten Haus-Party einzulegen.



Band: Tomas Tulpe

Titel/Release: In der Kantine gab es Bohnen

Label: Bakraufarfita Records

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Elektro / Schlager

Links: Facebook

Buy In der Kantine gab es Bohnen... [Digipack]

Mittwoch, September 20

Die Bandcamp-Punks Vol.29


Cold Kids - Das wollen wir EP



Ich sag es ja fast nur ungern, aber von diesen vier Bamberger/Erlanger Jungs hier könnte sich Jens Rachut mal eine Scheibe abschneiden. Wtf?! Das soll jetzt kein Kopie-schlägt-Original-Vergleich werden, obwohl die Cold Kids das mit den Synthies-meets-zynischen-Post-Punk schon etwas  solider hinbekommen, als zuletzt Rachut mit seiner Band Alte Sau. Meim Meimumg, sorry! Sogar der spröde, schnoddrige Gesang von Hobel (falls das wirklich sein richtiger Name ist) klingt so herrlich angepisst, analog kalt und irgendwie auch mehr nach Rachut, als Rachut selbst (ok, ist wohl doch ein Vergleich geworden). Bevor hier aber noch jemand denkt, ich hätte 'ne Wette verloren und müsste nun den Namen Rachut so oft wie möglich in einem Beitrag unterbringen, konzentriere ich mich mal wieder auf das Wesentliche. Rachut.
So herrlich 80er und N.D.W. Cold Kids auch klingen, so toll können sie es in der ersten halben Minute des Openers "Tout Avec Raison" verstecken. Da paaren sich nämlich ein tolles Punkriff mit frivolen Synthesizern, Snarg und Antitainment grüßen aus der Ferne. Ein Kontrast, der schon auf dem tollen Demo-Debüt der Band vollendst aufging und ihnen gleich mal den Geheimtippstatus überhalf. Cold Kids sind aber nicht nur eifrige Bastler oder haben ein glückliches Händchen für tolle Melodien, denn das haben sie zweifelsohne. Vor allem ihr Gespür, im richtigen Moment einen Gang zurückzuschalten und somit eben nicht über das Ziel hinaus zu schießen, dürfte die Band trotz der a-puirstischen Ausflüge für 80er-Jahre-Punk-Veteranen interessant machen.
"Das wollen wir" erscheint als schwarze 7" in türkisem Cardboard inkl. Lyric Sheet (1st Press über 30 Kilo Fieber Records und Raptor Records) und als 100x rote & 200x schwarze 7" in rotem Cardboard inkl. Lyric Sheet (2nd Press über Pifia Records und 30 Kilo Fieber Records).
RachutRachutRachutRachutRachutRachutRachutRachutRachutRachutTuhcarRachutRachutRachutRach
RachutRachutRachutSauerkrautRachutRachutRachutRachutRacabRachutRachutRachutRachutRachut


DL "Das wollen wir" EP Here & Here

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Pleite - Demo

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Mensch ist ja schon einiges gewohnt aus dem Henry Fonda/Afterlife Kids/Ancst-Umfeld. Nun also als Pleite unterwegs, bei denen auch noch Leute von Chevin und Dikloud mitmischen, was natürlich auch das Label Phantom Records mit ins Boot holt, worüber das Debüt-Demo nun schon in der zweiten Tape-Auflage erschienen ist (1st Press = 80x white tape/grey slipcase; 2nd Press = 50x yellow tape in green slipcase). Hardcore-Punk lautet auch diesmal wieder die große Überschrift, allerdings mit einer ordentlichen Post-Punk-Kante. Es dürfte eigentlich klar sein, dass einem/einer das vermeintliche Glücksschwein auf dem Spielautomatencover (übrigens als Die-Cut-Slipcase) nur etwas vor macht (mensch beachte den leeren Blick, denn bei einem ernst gemeinten Lächeln, lachen die Augen mit). Die Texte behandeln Themen wie Alltags-Tristesse und Eigensinn, was auch die akustische Grundstimmung der drei Songs ganz gut zusammenfasst. Die Drums hämmern blechernd und monoton, immerzu. Der Bass drückt ordentlich nach und die beiden angepissten Schreihälse tragen ihre Klagelieder vor, während die Gitarren ab und an auszubrechen versuchen. Ordentliches Debüt.

DL "Demo"

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Gewaltbereit - Ein Leben lang verreckt

Bandcamp\\//Last.fm
Der Name ist Programm. Gewaltbereit aus Leipzig, bei denen auch der ex-Columbo-Bassist Paul mitmischt, prügeln auf ihrem Debüt-"Longplayer" 16 brachiale wie brutale, kurze Hardcore-Punk-Nummern runter und werden damit vor allem überlebende der 80er-Punk-Revolte zu begeistern wissen. Vorkriegsjugend, Chaoz Z und natürlich auch die 80er-Jahre-Slime kommen einen/einer unentwegt in den Sinn. Klar, das ist unprätentiös, manchmal auch etwas stumpf und monoton, vor allem aber herrlich analog dreckig. Mensch muss das nicht bedingungslos abfeiern. Es ist aber wichtig zu wissen, dass es heutzutage zwischen hipster-esquen Post- und intellektuellen Studentenpunk noch etwas anderes gibt - nämlich Punk mit reichlich Wut im Bauch und in der Galle.

DL "Ein Leben lang verreckt" Here & Here

Buy Here, Here or via Mail to: abfall-records @web.de


Bob Ross Effect - The Place To Be EP


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Endlich hab ich sie gefunden, eine Band, die sich nach dem wohl behaglichsten Maler der Zeitgeschichte benannt hat. Obwohl ich mir da schon eher eine Melanchpop-Band unter dem Namen The Bob Ross Experience oder etwa eine Slowcore-Gruppe als BOBxROSS oder so ähnlich vorgestellt hatte. Egal, jetzt haben wir eben Bob Ross Effect, die melodischen und choralen Punkrock spielen. Das Würzburger Quartett besteht zu 3/4tel aus ehemaligen Surfing Hundekuchen, deren Melodic Punk ja auch schon recht unkompliziert ins Ohr wanderte, nur, dass die Jungs jetzt eben komplett zur englische Sprache übergelaufen sind, was sie ein Stück weit ins internationalere Format gepresst hat (na, weiß noch jemand worum es am Anfang des Schachtelsatzes ging?). 
Ihre 4-Way-Split mit Bad Cop/Bad Cop, The Decline & Success und ihre EP "The Place To Be" sind über das bandeigene Label Lensen Industries erhältlich. Von letzterer soll demnächst auch eine Tape-Version im Wooden Case erscheinen.


Stream & Buy Digitally "The Place To Be" EP

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Der Feind - DFMC

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Hinter Der Feind verbergen sich drei auf Krieg getrimmte Hardcore-Trash-Punks. Bandname, Songtitel ("Panzer", "Schlachtfeld",...) inklusive "Heartbreak Ridge"-Sample in "Nam", Tape-Aufmachung (Artwork, Tape besprüht mit Panzer- und Bombenmotiv) inklusive Camouflage-Patch, Künstlernamen (Helmut Freudenstahl, Ede Ostfront, usw.) und selbstkreierter Stil ("Marinecore") geben da schon eine eindeutige Richtung vor. Natürlich ist das Alles wie üblich mit dem nötigen Schuss Ironie, nein Zynismus, zu betrachten, denn prinzipiell tragen die drei Neu-Köllner ihre Herzen am linken Fleck. So gibt es letztendlich eben auch genau das auf die Ohren, was Artwork und Biografie versprechen: simplen wie kompromisslosen, kurzen und eingängigen, extrem angepissten Old-School-Trash-Punk, der als hervorragende Ergänzung zu o. g. Gewaltbereit passt.
Das Demo-Tape "DFMC" erschien in drei Auflagen über Tape Or Die Records und Bleeding Heart Nihilist Poductions, die bereits restlos vergriffen sind.

DL "DFMC"

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Primetime Failure

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Einmal Pop-Punk, immer Pop-Punk? Wenn man sich die Bielefelder Punkszene so anschaut, gibt es da schon so einige Überschneidungen zu beobachten, auch abseits des AJZ-typischen Düstersounds. Tobias Trockel zum Beispiel ist so ein Stilpurist, der bereits über Jahre und Bands hinweg - Modern Saints, The Langoliers, Krusty Crew, Übergangsregierung, um nur einige zu nennen - die dortige Szene am Laufen hält, und auch die anderen drei Primetime Failure-Mitglieder dürften wohl schon in dem einen oder anderen Line-Up aufgetaucht sein.
Primetime Failure haben sich 2015 zusammengerauft und noch im selben Jahr ein Demo veröffentlicht. 2016 folgte schließlich das zweite, abermals mit drei Songs zwischen Pop- und Skate-Punk. Hören Skater heutzutage überhaupt noch Skate-Punk? Egal, das hier jedenfalls macht richtig Laune und animiert dazu, mal wieder in den alten Kisten herum zu kramen, das zerschrammte Skateboard von der Wand zu nehmen oder einfach bloß die PlayStation 1 anzuschmeißen.
Mit drei Songs und in etwas mehr als sechs Minuten Spielzeit leider auch etwas kurz geraten, um seinen zweiten Frühling zu erleben. Ein gelungener Flashback ist dieser gut gelaunte 3-Akkorde-Punk mit leicht angerauter Stimme allemal.

DL "Demo 2016"

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Daikiri - Marcel Supra

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Vielleicht genauso wie bei kleingewachsenen Menschen, liegt es auch in der Natur einer schmal aufgestellten Band, sich ständig profilieren zu müssen. Das Drum'n'Bass-Duo Daikiri, sind auch schon gemeinsam mit Klaus Legal als Dalida oder mit Don Vito als DonKiri in Erscheinung getreten, sind in ihrer französischen Heimat schon mit Melt Banana umher getourt und lassen sich musikalisch auch grob in deren Nähe einordnen. Dabei schaffen es die beiden Metzer dem zerfahrenen Noise-Rock der Japaner_innen noch einen Schuss Wahnsinn oben drauf zu setzen. Das manisch ackernde Schlagzeug und die nicht weniger zwanghaften Bass-Loops, dazu der - nunja - gutturale und teils wortlose Gesang, die im Zusammenspiel klingen, als seien sie in einer Zeitschleife gefangen. Das selbst das fast zehn-minütige letzte Stück "Fofaid" nicht aus diesem Muster ausbricht, zeugt vom Durchhaltevermögen der Band, verlangt dieses aber auch bedingungslos von der geneigten Hörerschaft ab.
Das dritte Band-Album erscheint digital, als CD oder auf Bubblegum-pinkem Vinyl.

DL "Marcel Supra"

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It's The Lipstick On Your Teeth - Crystal Death EP

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Waren das noch Zeiten, als Alec Empire und Band während der Mai-Demonstration '99 von den Bullen von der Bühne gezogen wurden. Diese Schwerverbrecher... . It's The Lipstick On Your Teeth aus dem österreichischem Wien, mit Alec's weiblichen Pendant Michelle am Mikro, erinnern mit ihren aggressiven Trap-Beats, mal metallisch oder industrial-mäßig hämmernden Riffs und antreibenden Noise-Rock stark an einstige und legendäre Atari Teenage Riot. Klar, mittlerweile haben sich die Zeiten etwas geändert und nicht nur Alec oder ATR mussten sich den Umständen anpassen. Auch ITLOYT wollen nicht nur mit der Brechstange voraus durch die Wand, wie es der Opener "Baptism Riot" ihrer zweiten EP "Crystal Death" vorgibt. Schon der zweite Song wird mit reichlich verstörender Atmosphäre Richtung Nine Inch Nails aufgeweicht.
Einen Gesamteindruck über das Potpourri der Band bietet übrigens das in diesem Jahr erschienene Debüt-Album "Skintrade", das digital und als CD über das Wiener Label Seayou Records erworben werden kann.

DL "Crystal Death EP"

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Akne Kid Joe - Haste nich gesehn! EP

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Akne Kid Joe - bei dem Bandnamen sollte mensch eigentlich stutzig werden und vielleicht sogar mit dem Schlimmsten an deutschsprachigen Straßenpunk rechnen. Weit gefehlt. Die Nürnberger Debütanten bestechen in erster Linie mit erfrischenden und aufgeregten Punknummern, die zwar lyrisch kein Blatt vor den Mund nehmen, mit einigen Synthie-Einschüben und Schrammelpassagen aber auch hervorragend in die Indie-Disko passen. Das sich für ihre erste EP "Haste nich gesehn!" gleichmal das Label Kidnap Music gefunden hat, lässt den Verdacht aufkeimen, dass sich hinter Akne Kid Joe vielleicht keine völlig unbekannten Gesichter verbergen.

Stream & Buy Digitally "Haste nich gesehn!" EP

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In der Kürze liegt die Würze



You Are The Problem - Demo



Das You Are The Problem aus Italien kommen und sich aus mehr oder weniger bekannten Szene-Veteranen (Cavernicular, Elopram, uvm.) zusammensetzen, ist ihrem Demo-Debüt durchaus anzuhören. Die Band aus Palermo spielt einen wilden aber durchaus melodischen Mix aus Hardcore-Punk und Fastcore, mit Schwerpunkt auf Erstgenannten. Trotz der kurzen Songlängen, die sich knapp über- oder unterhalb der Ein-Minuten-Grenze bewegen, gelingt es der Band immer wieder antreibende Nummern nach vorne zu peitschen, die dem/der geneigten Hörer_in mehr als nur ein epileptisches Schädelzittern abverlangen.

DL "Demo" Here

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Das Wiesel

Facebook\\//Soundcloud
Mit Trierer Bands haben wir hier bei Gerda ja schon gute Erfahrungen gesammelt. Nun also Das Wiesel, Proberaum-Buddies von magret., Post-Punk-Affinität zu Rachut (da ist er wieder) und somit auch im näheren Umfeld von Extrem*ist*in zu finden. Sicher verbergen sich hinter der Band einige bekannte Gesichter aus der regionalen Szene, die daraus allerdings keinen allzu großen Aufriss machen wollen. Der Sound ihres Debüt-Demos klingt roh, die Instrumente im Vergleich zum spröden bis aufgeregten Geang fast rudimentär, dass selbst die Bezeichnung analog schon geschmeichelt wirkt. Demo-Vorgaben erfüllt, es darf mit einem Album nachgelegt werden.

DL "Demo"


Glitzer

Facebook\\//Bandcamp
Da tut sich wieder was beim Label Spastic Fantastic und dessen Kopf Maz Richard. Der Dortmunder Bassist und Keifhals (u. A. bei Napoleon Dynamite, Die Eule im Bart des Judas und Mann kackt sich in die Hose) unterhält bereits seit dem letzten Jahr sein Solo-Projekt Glitzer, das wie eine Kirmes-Mischung aus Kraftwerk, Peter Licht und Wuki klingt. LP ist bereits angekündigt.

DL Songs

Sonntag, September 17

Kaptain Kaizan - Einatmen, Ausatmen



Band: Kaptain Kaizan

Titel/Release: Einatmen, Ausatmen/Album (Digipak-CD, Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Punk, Emo, Indie

FFO: Captain PlaneT, Duesenjaeger, Disco//Oslo

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube\\//Last.fm



Kurzinfo:

Kaptain Kaizen aus dem Südwesten Deutschlands existieren seit 2013 und beschreiben ihren Stil selbst als "wohl am ehesten Punkrock". Richtig so! Sollen sich doch die den Kopf darüber zerbrechen, die unbedingt darüber schreiben wollen. Nun denn. Deutschsprachiger Punkrock à la Captain Planet oder Duesenjaeger, mit etwas Emo vertrieft und Hamburger Schule intellektualisiert, mal vertrackt oder polyrhythmisch, forsch oder verspielt. Vor allem aber bleibt das selbstveröffentlichte Debüt-Album der Band trotz dieser vielen Einflüsse stets im überschaubaren Rahmen. Songs wie "Love Me Tinder", "Im Westen nur Neues" oder "Der Mann" sind echte Ohrwürmer, bleiben hängen und animieren. Und zwischendurch blitzen immer wieder einige Tomte- und sogar Sportfreunde Stiller-Reminiszenzen (natürlich die guten Freunde) durch. Was will mensch mehr?!

DL "Einatmen, Ausatmen"

Donnerstag, September 14

The Black Gay Jews - Bubblegum EP



Band: The Black Gay Jews

Titel/Release: Bubblegum/EP (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Akustik, Reggae, Singer/Songwriter, Punk

FFO: Tenacious D, Bird Berlin, Splandit

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Reverbnation\\//Instagram\\//Youtube



Kurzinfo:

Je nach Betrachtungsweise sind sie entweder provozierend oder ironisch. Ich für meinen Teil tendiere natürlich zu Letzterem und würde dem Berliner Duo The Black Gay Jews außerdem noch einen gehörigen Schuss an der Waffel attestieren. Oder wer würde einer eingängigen Melodie wie der von "Rhythm Of The Night" ausgerechnet eine Textzeile wie "Intimate Haircut Of My Life" zuschustern? Genau! Dass Kostia und Darp aber wesentlich mehr sind, als nur eine reine Spaßkapelle, zeigen ihre zum Teil und mehr oder weniger anprangernden Songtexte. Mensch muss sich halt eben nur die Zeit nehmen, zwischen den ganzen spontanen Richtungswechseln und dadaistischen und überdrehten Gesangseskapaden zu hören. Dann nämlich offenbart sich ein akustisches Konzept, dass hier und wahrscheinlich auch überall sonst seines Gleichen sucht, denn was die beiden lediglich mit Gitarre, etwas Percussion, Beatbox und zwei äußerst akrobatischen wie talentierten Stimmbändern auf die Beine stellen, verdient höchsten Respekt und dürfte so manche Rockformation vor Neid erblassen lassen. Erinnert mich vom Zusammenspiel zwischen Ohrwurmqualität, Comedyfaktor, Willkür und redundante Performance her höchstens an Tenacious D. Habe aber neulich einen besseren Vergleich gefunden (vom Zitronenhund): "[...] wie eine zugedröhnte Akustik-Version von System Of A Down." Ganz genau!

DL "Bubblegum"

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Montag, September 11

Debutante - Covers



Band: Debutante

Titel/Release: Covers/EP (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Drone, Noise, Alternative, Post-Punk, Chiptune

FFO: Radio Berlin, Life In Slow Motion, The Goslings

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Twitter\\//Last.fm / debutante@gmx.ch



Kurzinfo:

Als wir letztes Jahr seine "EP3" besprachen, wagten wir uns vielleicht etwas zu weit hinaus in den musikalischen Kosmos, denn mit Drone hatten wir hier bei Gerda bislang recht wenig Berührungspunkte. Zum Glück entwickelten sich daraus aber auch ebenso wenig Berührungsängste, denn der Züricher Student Christoffer Zimmermann alias Debutante öffnete seinen Sound für reichlich Post-Punk, Alternative und Dream-Pop.
Auch seine Cover- und Remix-EP "Covers" bedeutet für uns mehr freudiges und interessantes Spektakel als Überwindung, und das obwohl er sich mit Noise- und Doom-Vertretern wie Swans (Original HIER) und Have A Nice Life (Original HIER) nicht gerade leichte Basis-Kost ausgesucht hat. So pendeln die zwei anfänglichen Cover zwischen nostalgischen Advanturescapes, verstörender Fragilität und harshen Noise-Attacken. Mit den Neuinterpretationen zu den Soundtracks der PC-Rollenspiele "The World Ends With You" (höre HIER) und "We Know The Devil" (höre HIER) wird's dann etwas eingängiger und Chiptune-lastiger, ehe die Remix-Sektion (vom "Yume Nikki OST", Life In Slow Motion und dem Rapper-Duo Abraxas Axents) der EP einen rauheren und avantgardistischen Ausklang beschert.

DL "Covers"

Freitag, September 8

Video Kills the Radio Star Vol.4


Kratze - Meter


"Eine pelzige Kreatur auf der Suche nach sich selbst." ...???... Ihr merkt also schon, dass es mit Kratze nicht einfach werden wird. Das Berliner Quintett, nach eigenen Angaben seit 2014 aktiv, legt nach der letztjährig erschienenen Zwei-Song-EP "Muteroom Reels" nun mit "Meter" ihren dritten digitalen Song nach. Auch hier verwursteln die Hauptstädter_innen rhythmisch sprunghaften wie treibenden Metal und Post-Hardcore und bringen sogar noch eine plänkelnde Jazz-Pause unter. Sollten aufgeschlossene Hörer_innen vielleicht im Auge/Ohre behalten.



Forkupines - By The Sea


Dass Midsummer Records auch außerhalb seiner Steckenpferdchen Punk und Post-Hardcore ein glückliches Händchen für tolle Bands beweist, zeigt sich am Beispiel des Braunschweiger Trios Forkupines. Deren Debüt-Album "Here, Away Fom" wird nämlich am 29.09.17 über das saarländische Label erscheinen, als limitierte blau-schwarz marmorierte (100x) oder weiße (400x) Vinyl. Ihre erste Single-Auskopplung "By The Sea" lässt erahnen, warum die Band vor ein paar Jahren noch mit einigen Startschwierigkeiten zu kämpfen hatte, mittlerweile aber enorm wichtig geworden ist für die Emo-Rock-Szene. Vor allem, weil Größen wie Jimmy Eat World scheinbar zunehmend die Ideen ausgehen und somit unfreiwillig die Bühne räumen für schlecht geschminkte Teenager.





The Hirsch Effekt - INUKSHUK


Ich brauche wohl niemanden mehr vor die drei progressiven, mathigen, chaotischen, konzeptionellen, melodischen Metal-Artcoreler aus Hannover warnen. Entweder man mag The Hirsch Effekt oder man mag es eben geradlinig. Nach der "Holon"-Album-Trilogie folgt im August nun mit "Eskapist" das vierte Studioalbum der Band. Mit "LIFNEJ" ließ die Band bereits im Juni den ersten Vorreiter auf die Hörerschaft los, ein wild-zerhackter und störrischer Brocken, der seine Schönheit erst im Endspurt offenbarte. Der zweite Song "INUKSHUK", in dessem Video DŸSE's Jaari van Gohl zu sehen ist, baut sich da schon wesentlich bedächtiger auf und wölbt sich im Quasi-Refrain gar heroisch auf. Kein Licht und Schatten, eher Genie und Wahnsinn. Wie gewohnt.




Haik - Strich (Liebe-Hass-Frieden)



Bereits im April letzten Jahres veröffentlichte das von An3 Dietrich (DŸSE, Volt, Roerhedds) ins Leben gerufene Musik-Projekt Haik ihre erste Single "Strich". Danach legte das Quartett, dem außerdem noch Tim Menzel (Rotor, Tschaika), Joh Weisgerber (Flo Mega, The Ruffcats) und Onkel (Ohrbooten, Alligatoah) beiwohnen, eine noch längere Pause ein, als wir zwischenzeitlich.
Nach eigenen Angaben, schrieb An3 den gesellschaftskritischen Song innerhalb einer Stunde, was man der vergleichsweisen (zu seinen anderen Projekten) einfachen Struktur auch irgendwie anhören kann. Nichtsdestotrotz hoffentlich erst das Start- und nicht bereits das Schluszsignal des All-Star-Ensembles.

Dienstag, September 5

Sky:Lark - LP2



Band: Sky:Lark

Titel/Release: LP2/Album (250x Black Vinyl, Digital)

Label: SuperFi Records, Boslevan Records, Dingleberry Records & Distribution, Deadwood Records

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Post-Hardcore, Hardcore, Noise Rock, Progressive, Punk, Mathrock

FFO: Fugazi, Drive Like Jehu, Colored Moth

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Myspace\\//Last.fm



Kurzinfo:

Es hat schon etwas von einem Hütchenspiel, wenn sich Mensch bei der Internetsuche nach der Trashpunkband Man Hands und den Garagepunks Snob durch die Seiten klickt und schließlich erst nach dem zig-fachen Versuch zufällig den richtigen Link erwischt (die Emo-Punks Kinshot machen es einem da schon leichter). Auch ihr gemeinsames Projekt Sky:Lark kann einen irrtümlicherweise zum Swing/Jazz oder barbusigen Italo-Powerpop führen, wenn man nicht ganz genau hinschaut. Vielleicht haben es sich die drei Londoner Johnbear Andrews, Charlie E. M. Cameron und Benjamin Graham ja auch auf die Flagge geschrieben, möglichst viel Unruhe zu stiften und es der geneigten Hörerschaft eben nicht allzu einfach machen zu wollen. Ein Indiz dafür könnte ihr zerfahrener, avantgardistischer Stilmix aus Post-Hardcore und Noise Rock sein, der es vor allem auf in den 90ern hängen gebliebenen Eigenbrödlern abgesehen hat. Hipster suchen spätestens beim quer-schießenden Saxofon in den ein- und ausführenden Songs "Inner Ear Destruction" und "Scenic" das Weite.

DL "LP2" Here, Here & Here

Buy Here, Here, Here, Here & Here

Samstag, September 2

Shakers - Shakers EP



Band: Shakers

Titel/Release: Shakers/EP (300x green 7", Digital)

Label: Lifeisafunnything, I.Corrupt.Records, Miss The Stars Records

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Post-Hardcore, Screamo

FFO: Touché Amoré, The Tidal Sleep, La Dispute

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Kurzinfo:

Aus der Asche ehemaliger Snakes And Lions und derzeit aktiven Gruppen wie Burke, Kiterunner und Cool Living, haben sich diese fünf Mainzer/Wiesbadener Jungs unter dem schlichten Namen Shakers zusammen gerauft. Eine Quintessenz aus den eher Screamo- und Emo-lastigen Vor- und Nebenprojekten lässt sich nicht wirklich ausmachen, denn als Shakers agieren sie wesentlich post-hardcoriger. Das lässt schon der Name durchschimmern, der auf das obligatorische The verzichtet.
Dennoch sind Shakers keine kompromisslose Knüppeltruppe. Ihr Sound öffnet sich immer wieder klaren und melancholischen Strukturen wie im Mittelteil von "Corner View". Der Opener "Heaving" wird nicht nur von einem poppigen Drum-Solo eingeleitet, sondern im ausbrechenden Endspurt gar von einer heiteren Indie-esquen Hook durchbrochen. Und auch der erschöpfend ausufernde Closer "Lihou" zeigt, dass Shakers mehr verzweifelte Hoffnung und Leidenschaft in sich tragen, als blinde Raserei. Großartige Debüt-EP, der hoffentlich noch einige Releases folgen werden.

DL "Shakers" Here, Here & Here

Buy Here, Here, Here & Here

Donnerstag, August 31

Yellnikow - Beizeiten EP



Band: Yellnikow

Titel/Release: Beizeiten/EP (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Alternative, Indie-Punk, Post-Rock, Post-Hardcore

FFO: Bängks, Fljora, Manku Kapak

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube



Kurzinfo:

Auch mit ihrem zweiten Release "Beizeiten" bleibt das nordrhein-westfälische Quintett Yellnikow weitgehend undefinierbar. Alternative, Indie, Post-Rock und -Hardcore bilden weniger den Hauptteil einer experimentellen Basis, als dass sie sich vielmehr zu einer dünnen Membran vereinen, durch die noch viele andere Einflüsse sickern. Vor allem aber die taktvollen wie holprigen, teils fragilen Piano-Keys und morbiden Cello-Klänge, heben die Band aus der Vielzahl an Genre-Vertretern hervor. Die ruhigen, eingängigen Parts im Opener "Felsenmäher" und der melancholische Closer "Djanet" wecken gar Erinnerungen an die Hamburger Schule à la Blumfeld.
Das Ganze ein Mal auf Vinyl zum Mitnehmen, bitte.

DL "Beizeiten"


Montag, August 28

Loose Suspense - Past Mistakes



Band: Loose Suspense

Titel/Release: Past Mistakes/EP (100x Black Vinyl, 200x Clear Vinyl, Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Melodic Hardcore, Hardcore, Punk

FFO: More Than Life, Defeater, We Had A Deal, I Saw Daylight

Links: Facebook\\//Bandcamp\\//Tumblr\\//Youtube\\//Last.fm



Kurzinfo:

Ihre erste EP "Tragedy" (lese HIER) hinterließ bereits einen tollen Eindruck, ihrer zweiten, selbstbetitelten EP sprachen wir vor mehr als zwei Jahren dann den Titel "Platte des Monats" (HIER) zu. Mehr Wertschätzung können wir hier bei Gerda keiner Band zukommen lassen, wenngleich wir natürlich bestrebt sind jeder vorgestellten Band/Musiker_in mit dem nötigen Respekt zu begegnen. Boah...liest sich ja fast wie ein Amtsschreiben... . Soll heißen: Venerunt, viderunt et vicerunt. Da sich die vier Stuttgarter, die bereits vorher in Hardcore-Kombos wie It's A Boy, Boden und The Fucking Miley Cyrus Experience gespielt haben und 2015 mit ex-Reznik Syndrom-Jörg einen neuen Sänger in ihren Reihen begrüßen konnten, nun scheibar auf einen Sound eingeschossen haben, heißt es von nun an also Abliefern. Und das tun sie mit ihrer dritten EP "Past Mistakes" - die zwar abermals in Eigenregie entstand, dafür erstmals als Medium Vinyl erscheint - in einer Erwartungshaltung, wie mensch es sonst nur von Bands anderer Größenordnungen gewohnt ist. Diese unglaublich routinierten und treibenden Riff-Parts, die sich mit den hintergründigen Post-Rock-Spiralen zu leidenschaftlichen Melodien paaren und schlussendlich mit dem fast schon flehendem, heiserem Geschreie zur Genre-Ekstase auftürmen. Hört euch "Wrecked" an oder auch das irgendwie old-schoolig angehauchte "Perspectives" mit Gast-Shouter Sebi von kála und ihr wisst, was ich meine. Hören/Kaufen/Weitersagen!!!

DL Past Mistakes EP

Buy Here, Here & Here



Inwiefern - Irgendwas ist immer



Kurzinfo:
Als ich hörte, dass die 5 Punkrocker aus meiner Geburtsstadt Strausberg (Rand-Berlin) bei so einem sympathischen Label wie Bakraufarfita Records unter Vertrag stehen, war mein Interesse sofort geweckt und ich war gespannt was mich da erwartet. Als ich dann noch im Press Kit lesen durfte, dass die Jungs quergedachten Deutschpunk spielen, der irgendwie an Knochenfabrik und Chefdenker anlehnt, war ich sehr skeptisch und musste mir eben darum die Platte unbedingt anhören. Ich war froh, dass Inwiefern keinen zweiten Lüer aufstellen und überhaupt nicht so klingen wie ich angenommen hatte. Stattdessen spielen sie eine Mixtur aus klugen Punkrock, der schnell, melodisch und oft auch witzig ist. Das erinnert zwar an dutzende Dorfpunk-Bands, die man mal auf ländlichen Festivals gesehen hat - Inwiefern aber bringen den Sound der "Jugendbühne" auf die Platte und schaffen so einen Longplayer, der zum Mitgrölen verdammt ist und jung hält.

Das Album erscheint am 15.09.2017 auf weißes und schwarzes Vinyl mit beigepackter CD, Download und Lyricsheet bei Bakraufarfita Records.




Band: Inwiefern

Titel/Release: Irgendwas ist immer (12" Vinyl + CD + Download)

Label: Bakraufarfita Records

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Deutschpunk

FFO: Knochenfabrik, Chefdenker, Supernichts

Links: Facebook

Buy Irgendwas ist immer LP

Freitag, August 25

Platte des Monats 08/2017: Cruor Hilla - Zurück ins Bällebad



Band: Cruor Hilla

Titel/Release: Zurück ins Bällebad/Album (200x Digipak-CD, Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Punk, Deutschpunk

FFO: Die Shitlers, Die Traktor, Mülheim Asozial, The Bottrops, Arbeitstitel: Bullenblut

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud\\//Youtube\\//Last.fm



Kurzinfo:

Verdammt, was geht denn hier ab?! Cruor Hilla ist wohl die erste und einzige Deutschpunk-Band, die auf ihr eigenes Point-and-Click-Adventure zurück blicken kann:


Ist das noch Punkrock? Zumindest nicht weniger, als wir es sind. Immerhin sitzen wir ja gerade auch alle vor einem Computer, Smartphone oder Tablet. Pre-Postmoderne nennt sich das wohl. Wesentlich old-schooliger läuft das da schon mit ihrer Musik ab. Die Produktion - von der Aufnahme bis hin zum Digipak - ihres dritten Albums "Zurück ins Bällebad" übernahm das Hauptstadt-Trio komplett in Eigenregie und kratzte das Geld dafür buchstäblich vom Straßenasphalt ab. Das ist Punkrock.
2/3tel ihrer Bandbreite offenbart die Band bereits in den ersten drei Songs: melodiöser Punkrock mit viel Herz, Sorge und Humor. Und natürlich etwas Ska-Einschlag wie in "21 Euro", in dem Cruor Hilla sich auch gleich mal als weltbeste Band outen. Pow!
Das Ganze voll macht spätestens der Song "Dieselbe Gitarre", mit dem die Band auch ihr Gespür für etwas beschwipste Lagerfeuerromantik beweist. Ganz ehrlich, mehr braucht es im Punkrock nicht. Daher verzichten Cruor Hilla auch vollkommen auf hipster-esque Gastinstrumente und was irgendwie noch viel sympathischer ist - auf den Feinschliff.

DL "Zurück ins Bällebad" Album


Dienstag, August 22

Belka - Ermitage



Band: Belka

Titel/Release: Ermitage/EP (1st & 2nd Press Tape in Paper Sleeve, Digital, Vinyl in Planung)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Post-Hardcore, Screamo, Punk, Emo

FFO: FJØRT, Kalkavé, Kepler

Links/E-Mail: Facebook\\//Bandpage\\//Bandcamp\\//Instagram / belkapunx@riseup.net



Kurzinfo:

Aus dem Hause Hamburger Inzest-Production: Mitglieder aus zerflossenen und aufstrebenden Bands wie Moro, Snakes and Lions, Dearest, Zerre, See More Glass, Shakers und Reasonist haben sich zusammen gerauft, um eine Band zu gründen, die weniger zerfahren klingt, als es ihre Ursprünge vermuten lassen.
Schon der sich melancholisch steigernde Opener "First Grade Marathon" zeigt eine eingespielte Band, die weiß, wohin ihre Reise gehen soll und der Lust auf mehr macht. Mit einem Schuss post-moderner Willkür, untergründiger Unbekümmertheit und leidenschaftlicher Härte, liefern sich die Songs einen offenen Schlagabtausch zwischen internationaler The Wave-Abgeklärtheit und experimentierfreudiger Amateur-Liga Hierzulande. Geht steil!

DL "Ermitage"

Montag, August 21

Egotronic - Keine Argumente!




Es gibt so viele Dinge über die man eigentlich sprechen müsste in diesen Tagen, zum Beispiel über die tägliche Gewalt an Flüchtlinge. Seit Jahresbeginn verging in Deutschland praktisch kein einziger Tag ohne einen Anschlag auf ein Flüchtlingsheim und es grenzt an ein Wunder, dass es bisher noch keine Toten gab. Nur öffentlich gesprochen wird darüber so gut wie gar nicht. Glauben Sie nicht? Schauen Sie mal!

Deutschland war ja an sich schon immer Scheiße, aber mit der Gründung von AfD und Pegida e.V. geht es hier doch noch schneller den Bach runter. Gut, dass Torsun von Egotronic noch seiner Attitüde treu bleibt und 10 Jahre nach Raven gegen Deutschland weiterhin Songs schreibt, die polemisch und unverblümt das Leben in diesem Land kritisieren. Damals noch im Elektropunk-Gewand geht es heute mit richtiger Band in Garage-Punk-Richtung. Gitarren und Schlagzeug verleihen Egotronic mehr Klangfarbe und Härte, die man bei so viel Wut erwartet. "Keine Argumente!" ist aber nicht nur ein Bollwerk gegen Deutschland, sondern auch gegen Sexismus, provinzialen Faschismus, Arbeit und den restlichen menschlichen Ekel auf dieser Welt.
Mit "Deutschland, Arschloch, fick dich" wird direkt zu Beginn des Album klar in welche Richtung es hier geht. Der Song ist zwar schon etwas älter, wurde aber speziell für das Album noch mal neu vertont und wird mit dem Vegan Bacon - Refrain zur wahren Hymne des Antideutschen.
Folgend der Song "Scheiße bleibt Scheiße" mit der Elektroband Alles.Scheisze. Die kennt man vielleicht schon durch ihre Tracks "Frei.Wild ist scheiße", "Israel ballert" oder "Deutschland du mieses Stück Deutschland" und machen damit ganz klar deutlich, wo der Merkava drüber muss. Beide Bands passen also zusammen wie die Faust auf's Auge und umso schöner ist das Schreiduell im gemeinsamen Song:


Anschließend wird's mit "Hallo Provinz" leicht post-punkig. Torsun macht in diesem Song deutlich, wie sehr der Konservatismus auf dem Dorf total für'n Arsch ist und wieso man da so schnell wie möglich weg sollte. Ähnlich in den nächsten Songs "Odenwald", der übrigens von Rod Gonzalez von den Ärzten mitproduziert ist, und "Komm wir zieh'n ans Meer". Beide Songs sind etwas ruhiger und entnehmen dem Album etwas die Hektik für "Hauptstadt der Bewegung" und "Die neue Hammerhead". Letztere ist eine Ode an die Hardcore-Punks Hammerhead, deren EP "Opa war in Ordnung" ein echter Segen für die Musikwelt 2016 war. Mit erhöhtem Einsatz von Synthesizer schaffen Egotronic hier einen krassen Gegensatz zur besungenen Band und feiern den Punk auch über Genre-Grenzen hinaus. Frontmann Torsun hegte aber auch schon lange vor seiner Egotronic-Karriere Liebe und Kontakte zu Bands jeglicher Punk-Genres. So spielte er '93/'94 Bass in der Punkrock-Truppe Kalte Zeiten, die er in "Deine Melodie" besingt. Diese Melodie halten Egotronic in einem Synthesizer-Intro fest und verewigen damit eine Melodie, die ein sehr guter Freund Torsuns damals immer auf Gitarre gespielt hat.


Das folgende "Ich weiß die Welt riecht streng nach Pisse" ist ein interessanter Versuch aus einem Hass-Song ein Liebeslied zu machen. Der Song hilft dabei die Stimmung des vorigen Songs zu relativieren, bevor dann mein persönlicher Lieblingssong "An die Wand" an der Reihe ist. An der Stelle will ich einfach nur Emilie Krawall (Frau Mansmann) zitieren, die im Refrain singt: "Wir stell'n ganz Deutschland an die Wand und Sachsen ist als erstes dran!
Abschließend gibt es das obligatorische Lied über Prokrastination mit scharfer Kritik an die heutige Leistungsgesellschaft, das bei noch keinem Egotronic-Album fehlte.

Als besonderes Highlight der Platte gibt es für die Retro-Fans auf der zweiten Scheibe die komplette Tracklist nochmal als 8-Bit-Versionen. Das ganze kann man physisch auf 2 LP mit Downloadcode oder 2 Doppel-CD erwerben.


Band: Egotronic

Titel/Release: Keine Argumente!

Label: Audiolith Rec.

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Electro, Garage, Punk, Chiptune

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Audiolith Rec.

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Samstag, August 19

Wiederhören: Hella - There's No 666 In Outer Space



Ihre ungeraden Math-Rhythmen, bizarren Sprünge und progressiven Windungen, das hyper-aktive Schlagzeug von Tentakel-Mann Zach Hill  - Hella waren schon immer eine Nischenband zwischen Faszination und Wahnsinn. Klar, phasenweise recht interessant, technisch beeindruckend und fernab der üblichen Hörgewohnheiten. Aber auf fünf Albenlängen und dazu noch rein instrumental? Das zerrte gewaltig und machte jede Ohrmuschel irgendwann porös.
Für ihr 6. Album "There's No 666 In Outer Space" lud sich das amerikanische Duo daher ordentlich Rückendeckung zu sich ins Studio ein. Mit dabei: Zach's Cousin Josh Hill (Gitarre), Bassist Carson McWhirter und mit Aaron Ross auch erstmalig einen Sänger. Die letzten beiden kannten Hill und Hella-Gitarrist Spencer Seim bereits aus vorangegangenen gemeinsamen Projekten wie Solos, Holy Smokes und The Advantage. Ein frivoles Name-Dropping und Band-Hopping, dass auf "There's No 666..." zu einem erstaunlich homogenen Resultat führte. Die Songs wurden voller, bekamen ungeahnte Strukturen und Konturen. Sogar die eingeschleusten Gäste Saxofon und Cello schafften es nicht, den ur-eigenen Wahnwitz zu überspitzen. Schnell keimten Vergleiche zu den Progressive-Göttern The Mars Volta auf. Zu Recht, denn so komisch es klingt: greifbarer als auf diesem Album, klangen Hella noch nie und nie wieder.




Buy Here, Here & Here

Mittwoch, August 16

Der Bandcamp-Hardcore Vol. 36


Universe - Passenger



Screamo/Crust/Hardcore/Metal mit Folk-typischen Instrumenten sind mittlerweile sicher keine Ausnahme mehr. Bands wie Respire, Recreant und auch Mononoke hierzulande, befinden sich zweifelsohne an der Kreativ-Ader. Auch die ehemalige Band Universe aus Bloomington, Indiana kann sich getrost dieser Riege anschließen, obwohl sie doch vollkommen anders klingen.
Die Band mit damaligen Mitgliedern aus nicht weniger verqueren Gruppen wie Sophie Nun Squad, Ghost Mice, Good Luck, Harry And The Potters, Black Rainbow und Dead Letter Auction, spielt auf einer Basis von melodischen wie teils mathigen Alternative-Rock, mit einigen Twinkle-Twinkle-Pop aber auch Emocore-Ausflügen - und eben diesen Harfen- und Violinenklängen, die Songs wie "Pass The Ipecac" oder "Interplanetary Land Grab" einen fast schon seriösen Anstrich verpassen. Im Grunde sind Universe aber auch auf ihrem zweiten Release "Passenger", das halb DIY und halb über das Bloomingtoner DIY-Punk-Label Harlan Records erschien, eine ziemlich ausgelassene Truppe, die mensch lieber nicht seiner seriösen Verwandtschaft vorstellen möchte.

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DL "Passenger"


Forgive Me - Demo

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Junge Band aus alten Bekannten. Hinter der Offenburger Band Forgive Me verbergen sich Gitarrist Ben und Bassist Kevin, die zuvor bereits gemeinsam bei Sense und meines Erachtens auch bei Century (lasse mich aber gerne korrigieren) gespielt haben. Ohne viel Vorgeplänkel, dafür mit bedrohlichem Riff und wütendem Geshoute, stürmt ihr selbst-veröffentlichtes und -produziertes Demo durch Tür und Angel. Im Laufe der drei Songs blitzen immer wieder kleine Post-Rock-, Melodic Hardcore- und sogar Old-School-Versatzstücke in ihrem - nunja - Post-Hardcore-Sound auf, die allerdings aufgrund der rohen und analogen Aufnahme nur unterschwellig wahrgenommen werden. 
Ihr Demo gibt's kostenlos oder gegen Spende auf Bandcamp. Dazu fertigte das Trio eine Kleinstauflage von CDr-Unikaten (jedes Cover anders bemalt) an, die scheinbar schon restlos vergriffen ist.

DL "Demo"


Minutes From Memory - Start From The Beginning EP

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Da hat sich Einiges getan bei der Stuttgarter/Ludwigsburger Band Minutes From Memory. Nicht nur, dass sich im Gegensatz zum drei Jahre zuvor erschienenen Vorgänger "Life Portrait" zwei neue Gesichter hinter Bass und Gitarre wiederfinden. Auch die cleanen Gesangspassagen von Frontfrau Marta haben zu Gunsten des reichlich emotionalen Geschreis deutlich abgenommen, was die Band dann doch endlich ein Stück weiter weg vom immer mehr aufkeimenden Vergleich zu Paramore drängt. Vielleicht verbirgt sich ja auch genau das hinter dem EP-Titel - ein Neuanfang. Gut so, denn die emotionalen, teils düsteren und persönlichen Texte stehen dem wütendem Sound so eindeutig besser zu Gesicht. Auch, weil sich die Songs wesentlich aufgeräumter, um nicht zu sagen eingängiger, präsentieren und nun scheinbar mit der Sparte Melodic Hardcore ihr endgültiges Ziel gefunden zu haben. Hört euch nur die Songs "Witness" und "Day In Day Out" an, zwei Ohrwürmer, die mensch nicht zwangsläufig in der untergründigen Musiklandschaft vermuten würde.
Toll gelungen ist auch das Artwork, dass mit dem zentrierten Waldgott aus dem Anime "Prinzessin Mononoke" den niemals vollkommen resignierenden Gedanken der EP zum Ausdruck bringt. Lässt sich übrigens am besten auf dem Cardboard der selbstveröffentlichten CD bewundern.

Stream & Buy Digitally "Start From The Beginning" EP

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New Golden - New Golden EP

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Und wieder einmal so 'ne Clique, die sich auf irgendeinem Dorfbums in Berlin kennen und schätzen gelernt und das nächtliche Saufgelage zur Gründung einer neuen Inzestband genutzt hat. Vermutlich.
Bei New Golden mischen ehemalige und aktive Mitglieder von Sidetracked, Flyktpunkt, Nervöus und Sleep Routine mit, die mit ihrer selbstbetitelten Debüt-EP auch gleich mal beim Berliner Szene-Label Colossus Tapes gelandet sind. Ob von den schwarzen Kassetten im weißen Pappschuber mit Poster-Inlay noch welche vorrätig sind, erfragt ihr lieber per Mail (colossus.tapes@gmail.com), da der Label-eigene Bigcartel-Shop schon seit geraumer Zeit nicht ganz rund läuft.
Für ihr neues Projekt haben sich die vier (Wahl-)Hauptstädter ein Stück weit weg von ihren gewohnten Terrain bewegt. Irgendwo zwischen Post-Punk, Melodic Hardcore und rauhem Gainesville-typischen Emo(core)-Punk bewegen sich die sechs eingängigen Songs.

DL "New Golden"

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Sleep Routine - All Our Evil Deeds EP

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Ehemalige Band bestehend aus ehemaligen Bands (Easy Lover, Morla). Anfang des Jahres gab das Berliner Quintett Sleep Routine nach nicht einmal drei-jährigem Bestehen seine Auflösung bekannt. Konnte sich die selbstbetitelte Debüt-EP gleich mal die Krone der Visions-Rubrik "Demo des Monats" aufsetzen, folgte anderthalb Jahre später mit "All Our Evil Deeds" ein, meiner Meinung nach, ebenbürdiger Nachfolger. Rauher Post-Hardcore-Emo der melodischen Sorte à la Hot Water Music oder auch puristischeren Malkovich. Ein würdiger, wenngleich viel zu früher Abgang. Hätte ich gerne noch auf Albumlänge erlebt.
Neue Bands sind übrigens Indian Summer Westward HO!, Piece, Seek Nothing und Bomb Out.

DL "All Our Evil Deeds" EP

Buy Here


Bring Me The Author - Act 2: The Defined

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Eine altbewährte aber ziemlich solide Mischung aus Progressive, Metal-, Melodic- und Post-Hardcore spielt dieses kanadische Quintett (Studio- und Live-Drummer wechseln, daher eigentlich Sextett). "Act 2: The Defined" ist bereits das zweite Konzept-Album der Band, dass sich als weniger vertrackt entpuppt, als es der Titel vermuten lässt. Im Gegenteil. Die Songs können auch für sich alleine stehen. "Some Will Wonder I Will Know" ist gar eine bitter-süße Romantikballade und auch der Closer "The Bitter Taste Of Denial" hält zum Ende hin eine lockere Akustik-Nummer im Verborgenen. Mit Gastsängern wie Michael Ciccia (Mandroid Echostar) und Blake Prince (Straight Reads The Line) wird das Ganze natürlich noch Genre-mäßig aufgepeppt. 
Ich will mal behaupten, dass Bring Me The Author mit einer besseren Lobby (oder Bandnamen) Szene-Größen wie Protest The Hero oder Between The Buried And Me in nichts nachstehen würden.

DL "Act 2: The Defined"


Schwache Nerven - Demo

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Als Göttinger Punkband kommt man mit seinen Aufnahmen wohl kaum am mobilen Record-Label Henner Rekorder vorbei. Für den regional unerfahrenen und doch geneigten Hörer empfiehlt es sich daher, sich für einen groben Überblick an der Referenzliste der "Heimstätte des gepflegten Schmutzes" entlang zu hangeln. Über melodische wie trashigere Szene-Kombos wie herculines, Sorbet oder Deutsche Laichen (da gibt's noch ca. eine Billion andere, #billionenstadtgoettingen) wird man auch irgendwann über den Vierer Schwache Nerven stolpern. 15 Songs in nicht einmal 12½ Minuten, die sich zwischen Punk, Fastcore und Crust ordentlich austoben. Was für ein fieses Brett, aber auch eines, dass ordentlich Spaß macht. Die Produktion ist rauh und dreckig, wie es sich eben gehört, aber immer noch klar genug, um die stark komprimierten aber melodisch antreibenden Gitarrenlinien genug Wirkungsraum zu lassen. Klingt für mich wie ein unkontrollierter Niesanfall, nur dass anstelle von Rotz kurze Ruins-Nummern ausgeworfen werden. Geil!


Buy Tape via Mail to: schwachenerven@gmx.de


Nerf - Bespensterung

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Einen ähnlichen Ansatz wie oben genannte Schwache Nerven verfolgen auch die raffsüchtigen Berliner_innen von Nerf. Gleiches Tempo, noch kürzere Songs, wesentlich trashiger. Und inmitten dieses "Kunstdozentenhardcores" schaffen es die fünf Hauptstädter_innen doch tatsächlich noch eine Orgel unterzubringen. Krass, denn meiner Meinung nach gibt es hierzulande viel zu wenige Snargs und Lafftraks.
Nach zwei "Alben" verkündete die Band dann im Jahr 2013 ihr Aus, nur, um sich zwei Jahre später genauso klammheimlich wieder unter die Punkmassen zu mogeln. Es folgten einige Shows und in diesem Jahr schließlich "Album" #3. "Bespensterung" kommt im schicken Fold-Out-Cardboard mit DLC oder digital.

Stream & Buy Digitally "Bespensterung"

Buy Tape Here


Sayras - S

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Global-politisch gesehen, scheint die Schweiz ja immer ein ganzes Stück weit autarker zu sein als der Rest, was nicht bedeutet, dass in dieser Konklave nur Friede, Freude, Sonnenschein herrscht. Im Gegenteil, dass sich die Menschen auch dort ihre Gedanken machen, zeigen zumindest Bands wie Sayras, die unterschiedlichen Berichten zufolge bereits seit 2006 oder 2009 ihr musikalisches Unwesen treiben. Nach einigen Besetzungswechseln und Neudefinitionen ihres Sounds, fanden die fünf Luzerner 2015 endlich zu einem gemeinsamen Nenner und konnten nun an richtigen Songs arbeiten, die 2016 ihren Weg auf's Mini-Album "S" fanden. Darauf zu hören gibt's old-schooligen Metalcore, der so ganz ohne elektronische Schnörkel und cleanen Weichspüler-Gesang auskommt. Und, für diese Sparte auch etwas unkonventionell, mit ziemlich kritischen und direkten Texten, die mensch eher im Deutschpunk/Switz-Punk (??) verorten würde.

DL "S"

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In der Kürze liegt die Würze


Fratze - Im Nachhinein Bedenklich Demo

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Die Flut an undefinierbaren DIY-Bands reißt einfach nicht ab. Alfons Bauer, Kannibal Krach, Festefeste und nun also auch Fratze. Das Berliner Duo betitelt ihren Stil selbst als "Schwachcore". Ein Lauschangriff auf ihr Debüt-Demo "Im Nachhinein Bedenklich" stellt sich dann glücklicher Weise als etwas harmloser heraus. Zwar sind die vier Songs in einem mehr als bescheidenen Proberaumklang gefangen. Stilistisch schielt das Ganze aber sympathisch-nostalgisch gen 90er-Noise-Rock, Alternative, Emocore und Grunge. Vielleicht wird da ja noch mehr draus, als nur eine reine Spaßband. Vielleicht ist es aber auch schon vorbei mit der Band, weil einige Beteiligte lieber ernstere Sache mit JaaRi machen wollen...

DL "Im Nachhinein Bedenklich"


Anal Trump - That Makes Me Smart

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Große Gefahren erfordern ein schnelles Handeln. Die beiden Amerikaner Hardcore-Veteranen Rob Crow (u. A. Holy Smokes!, Pinback) und Travis Ryan (Cattle Decapitation, 5/5/2000, uvm.) haben schnell auf die amerikanische Präsidentschaftsmisere reagiert und mit Anal Trump ein musikalisches Äquivalent geschaffen. Seit ihrer Zusammenkunft in 2016 hat es das Grindcore/Powerviolence-Duo bereits auf fünf Releases gebracht, wovon vier letztendlich auch zur physikalischen Formvollendung fanden, mittlerweile allerdings rar und teuer gehandelt werden. Ihr letztes "That Makes Me Smart" fasst ganze 30 Songs (!), die insgesamt nicht länger als 3 Minuten Spielzeit  (!!) benötigen und ihren Platz auf 1 7inch (!!!) gefunden haben, 1-seitig bespielt (!!!!) natürlich. Muss man nichts zu sagen, denke ich. Typisch San Diego.

DL "That Makes Me Smart"

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Jahres-Sampler