Sonntag, August 5

Crash of Rhinos & Emphemetry



Aus gutem Grund etablierte sich Ende der 80ger Jahre der Math-Rock als eigenständige Sparte in der Musik. Die ohnehin schon längst überstrapazierte Definition des Progressive reichte einfach nicht mehr aus, um sämtliche absonderlichen Ausflüge in die Experimentierfreudigkeit zu rechtfertigen. Dass es sinnvoll und notwendig war, kann man an einen ständigen Zuwachs an Vertretern dieser Richtung erkennen.
Hätte es diese Entwicklung damals nicht gegeben, wären Crash of Rhinos (COR) heute wohl eine Progressiv-Rock-Band. Das wäre sicher nicht weiter schlimm, würde jedoch eine Menge "ABER" in Rezensionen wie diesen hier zur Folge haben. Im Falle von COR müssen dennoch einige davon angebracht werden, denn mit Math-Rock lassen sich gerade einmal die Hälfte der acht Songs des Debütalbums "Distal" erklären. Vor allem dann, wenn die Songs die Sechs- oder Sieben-Minutenmarke brechen, entfalten die fünf Engländer die volle Wucht ihrer Fingerfertigkeiten. Tempo und Takt spielen Katz und Maus, Riffs werden im Stakkatogalopp über die Bahn gehetzt, ehe dann die Bühne für die große Melodie frei geräumt wird. Mindestens genauso willkürlich tritt dann der Gesang in Erscheinung. Als Chor, der noch nicht so recht weiß, ob er lieber Indie, Punk oder Post-Hardcore sein möchte, oder eben die leicht kratzige, emotional treibende Stimme des Sängers. In den ruhigen, melancholischen Momenten, lassen die Jungs dann auch mal gern den gemeinen Post-Rocker raushängen. Das Kuriose an der Musik von COR ist allerdings, dass sie sich nur halb so zerfahren anhört, wie sich diese Rezension hier lesen lässt. Das Konzept funktioniert, verpasst aber jeglichem Schubladengedanken einen gehörigen Tritt in den Allerwertesten.


Sein Faible für Post-Rock lebt COR-Gitarrist Biff, alias Richard Birkin, seit einigen Jahren in seinem Soloprojekt Emphemetry aus. Auf seinem Album "A Lullaby Hum For Tired Streets" vertont er die Erlebnisse und Eindrücke seiner Sesshaftigkeit in Derby, eine in der Mitte Englands gelegenen Stadt. Hier verschmelzen Field Recordings mit melancholisch klampfenden Akustikgitarren und werden über Violine und Piano zu nicht weniger bedächtige Momente begleitet. Das ist Musik für einsame Stunden, den Tag nach der Biermeile und vermag in ihrer Einfühlsamkeit Wolkenbrüche heraufzubeschwören. Birkins hauchzarte Stimme legt sich dermaßen dünn über die Instrumentierung, dass sie jederzeit in den Hintergrund zu verschwinden droht. Ambiente Klänge vollenden schließlich das Bild einer ganz und gar verträumten Landschaft.

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