Montag, September 24

Aldo Raine - Welthass



Aldo Raine, benannt nach dem von Brad Pitt gespielten, nazikillenden Leutnant aus Inglorious Bastards, ist das neue Projekt von Yannic Pöpperling, der ja bereits mit Arroyo zwei brachiale Whateverpostcoremonstren durch den deutschen Untergrund hetzte. Auch "Welthass" könnte so ein Monstrum sein, wenn es denn die drei Beteiligten so gewollt hätten. "Anchored", das Intro der EP, plätschert melancholisch vor sich hin, will Spannung heraufbeschwören, ohne jedoch einen Spannungsbogen zu kreieren. Irgendetwas zirpt unter der Oberfläche, will raus. Vier Minuten lang hält einen der Song hin, bereitet den unvermeintlichen Ausbruch vor. "God Called Me to be a Nun. I Became a Prostitute." schließt nahtlos an, allerdings nicht mit der erwarteten Wall-Of-Sound. Ein kräftiges Schlagwerk und eine melodiöse Gitarre begleiten den Song in die nächste Etappe und so langsam wird einem klar, dass man sich spätestens jetzt im eigentlichen Spannungsbogen befindet. Erst im letzten Drittel des Songs überschlagen sich die Instrumente. Pöpperling kreischt sich die Seele aus dem Leib und hat mit Kim Wermes einen ebenbürtigen Schreihals an seiner Seite. "Seppuku" (der ritualisierte Selbstmord der Samurai) nimmt den wuchtigen Schluss seines Vorgängers direkt auf, platziert dort, wo man eigentlich mit einsetzenden Schreiattacken rechnet, plötzlich einen frivolen Fidel-Twang, ehe sich wieder Schlagwerk und Gitarre in stoischer Ruhe die Bühne teilen und sich Pöpperlings klagendes Wehgeschrei, wie ein letzter verzweifelter Hilferuf, darüber ablegt. Der Rest ist abgeklärte Routine einer ambitionierten Band, die Postrock und -Metal als Basis zum Herumexperimentieren nutzt, und damit nicht mal ansatzweise Rückschlüsse auf genretypische Definitionen zulässt. Pöpperling selbst zeichnete sich für das Coverartwork verantwortlich, welches sich in Papierhülle mit silberglänzendem Aufdruck präsentiert. Der weiß bedruckte Silberling erschien in einer streng limitierten Auflage von gerade mal 20 Stück.

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DL Welthass-EP via Bandcamp

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