Donnerstag, September 27

No Chance for False ScrEaMO



Anteater

Es wird halt nicht langweilig im deutschen Hardcoreuntergrund: Anteater sind vier Paderborner und ein Bielefelder, die sich seit Ende 2011 nicht nur einen gemeinsamen Proberaum, sondern auch die Leidenschaft für intensiven Screamo, teilen. Die Band ist emanzipiert genug, ihre einzige Frau gleich mal hinters Mikro zu stellen. Sängerin Hanna wiederum bedankt sich mit der selbstbewussten Haltung, so manchen männlichen Kollegen an die Wand schreien zu können. Das stellt sie bereits im ersten Song "Above Than Beside Me", der übrigens das Thema Sexismus behandelt, eindrucksvoll unter Beweis. Und hätte ich mich vorher nicht belesen, ich hätte diesem Schreihals keine Brüste zugetraut. Mit Kapitalismus und leeren Versprechungen, knöpft sich die Band auch einige gesellschaftskritische Themen vor, was dem Ganzen etwas Punkattitüde verleiht. In anderen Songs hingegen werden eigene Gefühle, wie Einsamkeit und Verlustängste, verarbeitet. Hierin besteht vielleicht noch die einzige Schwäche der Band, da es am Ende dann doch ein paar "You Said" und "I Said" zu viel sind, an anderer Stelle einige Verse regelrecht in die Instrumentierung reingezwungen werden. Ist im Screamo aber wahrscheinlich eh bloß zweitrangig. Dafür sitzen Riff und Melodie umso treffsicherer. Zudem beweist die Band ein gutes Gespür dafür, auch mal das Tempo herauszunehmen und Sängerin Hanna ihre Stimmbänder etwas entlasten kann. Besonders toll wirkt das im letzten Song "Solutions, Decisions", wo sich die Sängerin fast schon manisch in den Song hineinsteigert, bis hin zum verzweifelten Ausbruch. Tolles Debüt. Ende des Jahres soll dann ihr erstes Album erscheinen. Na dann!




We Had A Deal

Die vierköpfige Band We Had A Deal aus Stuttgart veröffentlichte seit 2008 bislang zwei Alben und zwei EP's. Ihrer eigenen Klassifizierung nach, spielen die Jungs 90ger-Jahre-Screamo, kombiniert mit Hardcore und etwas Punk. Vor allem die Zeitangabe spielt eine wesentliche Rolle, denn in der Tat hört es sich so an, als würde die Band noch immer in den 90gern feststecken. Eine Zeit, in der sich Hardcorebands noch nicht mit Plagiatsvorwürfen herumärgern mussten und niemand auch nur im Traum daran gedacht hätte, diese Sparte mit dem Mainstream in Verbindung zu bringen. Vielleicht auch deshalb klingt der Sound von WHAD so ehrlich und unbekümmert. Sicher nicht die Neuerfindung des Rades, aber mit gezielten Flashbacks jene Größen ins Vorderhirn lockend, die den 90ger-Hardcore prägten und -Screamo etablierten. Aus gutem Grund verzichtete die Band bei ihren ersten drei Releases auf Screamo und Emocore, bekleideten diese lediglich mit den Tags Hardcore und Punk. Der Sound noch roher, das Geschrei brachialer, immer wieder durch rauhen Gesang und punkigen Chören unterbrochen. Die Melodie war schon von Anfang an das anvisierte Ziel, nur waren die Instrumente dreckbeklebter als beim Neuling "Dialectics". Dieses ist dem Screamo bedeutend näher als dem Hardcore, dichter am Emo als am Punk. Trotz der streng konzeptionell angelegten Tracklist, ist "Dialectics" weniger darauf bedacht einen Synapsenkollaps zu erzwingen, als vielmehr das Moshpit zu füllen. Aneinander gereihte Melodiebögen, raffinierte Riffs und ein fast pausenlos hohes Tempo. Dazu die glasklar ausproduzierten Screams, die den oben erwähnten Schmutz nicht vollkommen weg, sondern lediglich in die Ecke kehren. Screamo nach Definition eben. Ausnahmen bilden da z.B. der Chapter IV, dessen Song "Pianoman" in drei Parts gegliedert wurde. Pt. 1 ist die von einer Frauenstimme getragene Ballade, Pt. 2 das Screamgewitter, und Pt. 3 eine Art Spelunken-Song. Neben einer weiblichen Gastsängerin und einen Freund, erhielt WHAD auf "Dialectics" zusätzlich Unterstützung von den Hardcorekollegen The Tidal Sleep.




Andorra~Atkins

Sie starteten keine Revolution, verfügen derzeit nicht mal über einen Labelvertrag, füllten weder Stadien, noch waren sie Teil einer Jugendbewegung. Dennoch dürften Andorra~Atkins einen Platz unter den Top-Ten der bekanntesten unbekannten Hardcorebands Deutschlands einnehmen. Dabei musste die Band bereits unter ihrem Alter Ego Kill Kim Novak - aufgrund des Druckes der Staatsanwaltschaft durfte die Band keinen Merch oder Songs mehr unter diesem Namen veröffentlichen, bzw. Vorhandenes vernichten - oftmals als Referenz herhalten. Von den Medien und Rezensenten wurde die Band in die Sparte des Screamo gesteckt, obwohl sie sich selber eher als Vertreter des Post-Hardcores ansahen. Schwer zu sagen, denn gerade in den Genres Screamo, Emocore, (Post-)Hardcore und Punk, kann bereits eine Textzeile eine vollkommen neue Schublade aufstoßen. Tun wir der Band also einen Gefallen und sehen sie als Verfechter des Post-Hardcores an. Zur Musik will ich hier eigentlich gar nichts weiter sagen, da ich denke, dass diese Band dem geneigten Hörer sowieso ein Begriff sein dürfte. Zur Zeit haben die Jungs eine Bandpause eingelegt, haben Auflösungsgerüchte aber einen strikten Riegel vor die Nase geschoben. Stattdessen sollen vor allem Nebenprojekte, wie Have Rocket. We Travel, vs. Rome, Andorrapopexpress und nicht zuletzt die schlagfertgen Kosslowski, mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Da sich die Band seit ihrem KKN-Release "03:05" (benannt nach der Zeitspanne, in der die Songs des Albums entstanden) auf Labelsuche befindet, erschien "Augenlied" in Eigenregie, das uns die Jungs kostenlos zur Verfügung stellen. Danke, Meiner!

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DL "Augenlied"

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